47


Es ging das Gerücht unter den Leuten, daß Kaiser Karl den Mönchen das freie Recht nehmen wollte, die, welche in ihrem Kloster starben, zu beerben. Solches mißfiel dem Pabst gar sehr. Ulenspiegel, der damals an den Ufern der Maaß war, gedachte, daß der Kaiser derart überall seinen Nutzen finden würde; denn er erbte, wenn die Familie nicht erbte. Er setzte sich an den Rand des Flusses und warf seine Angelschnur mit gutem Köder hinein. Dann knabberte er ein altes Stück Schwarzbrot, und es war ihm leid, daß er keinen Wein aus der Romagna hatte, um es anzufeuchten. Aber er gedachte, daß man nicht immer sein Vergnügen haben kann.

Indem warf er von seinem Brote ins Wasser und sagte bei sich: „Wer ißt und teilt sein Mahl mit dem Nächsten nicht, der ist des Essens nicht wert.“

Kam ein Gründling herbei, witterte einen Bissen, beleckte ihn mit seinen Lefzen und tat sein unschuldig Maul auf, denn er wähnte ohne Zweifel, daß das Brot von selbst hineinfallen würde. Dieweil er also in die Luft sah, ward er urplötzlich von einem heimtückischen Hecht verschlungen, der sich wie ein Pfeil auf ihn gestürzt hatte. Desgleichen tat der Hecht bei einem Karpfen, der Fliegen im Fluge fing, unbekümmert um die Gefahr. So wohl gesättigt, hielt er sich unbeweglich unter Wasser, das kleine Fischvolk verschmähend, welches überdies so schnell wie möglich von ihm fortschwamm. Während er sich so breit machte, siehe da kam unversehens mit gähnendem Rachen gar gefräßig ein hungriger Hecht herbei, der sich mit einem Satz auf ihn stürzte. Ein wütender Kampf entspann sich zwischen beiden und sie hieben mit den Mäulern aufeinander los wie unsterbliche Helden. Das Wasser ward rot von ihrem Blute. Der Hecht, der gespeist hatte, verteidigte sich schlecht gegen den, welcher nüchtern war. Der aber zog sich zurück, nahm einen Anlauf und schoß wie eine Kugel auf seinen Gegner, der ihn mit aufgesperrtem Rachen erwartete und seinen Kopf mehr denn halb verschlang. Er wollte ihn wieder los werden, konnte es aber nicht wegen seiner umgebogenen Zähne. Und alle beide zappelten jämmerlich.

So festgehakt, sahen sie die starke Angel nicht, die an einer seidenen Schnur befestigt, unten aus dem Wasser stieg und sich unter die Flosse des Hechtes, der gespeist hatte, bohrte. Sie zog ihn samt seinem Feind aus dem Wasser und warf alle beide kurzerhand auf den Rasen.

Indem er sie schlachtete, sagte Ulenspiegel:

„Ihr allerliebsten Hechte, seid Ihr nicht vielleicht Papst und Kaiser, die einander fressen, und bin ich nicht das Volk, welches in der Stunde, die Gott gibt, Euch alle beide in Euren Schlachten mit dem Haken erschnappt?“