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Derweilen schweifte Katheline, welche Borgerhout nicht verlassen hatte, ohne Unterlaß in der Gegend umher und sagte immerdar:

„Hanske, mein Mann, sie haben mir Feuer auf dem Kopf angezündet; mach ein Loch hinein, daß die Seele hinaus kann. Ach, sie pocht alleweil und jeglicher Schlag ist stechender Schmerz.“

Und Nele pflegte sie in ihrem Wahnsinn und gedachte an ihrer Seite voller Harm ihres Freundes Ulenspiegel.

Und in Damm schnürte Klas seine Reisigbündel, verkaufte seine Kohle und gedachte manchesmal schwermütig, daß es noch lange währen möchte, bis Ulenspiegel, der Verbannte, in seine Hütte heimkehrte.

Soetkin stand den ganzen Tag am Fenster und schaute hinaus, ob sie ihren Sohn Ulenspiegel nicht kommen sähe.

Der aber war in der Gegend von Köln angelangt und fand, daß er zur Stunde Lust zum Gartenbau hatte. Et erbot sich, dem Jan von Zuursmoel als Knecht zu dienen, welcher Landsknechtshauptmann war. Der wäre auf ein Haar gehenkt worden aus Mangel an Lösegeld und hatte einen großen Graus vor dem Hanf, so auf vlämisch Hennep geheißen wird.

Eines Tages wollte Jan von Zuursmoel dem Ulenspiegel seine Arbeit weisen und führte ihn an das Ende seines Gartens; allda sahen sie einen Morgen Ackers, dem Garten benachbart, der ganz mit grünem Hanfe bepflanzt war.

Jan von Zuursmoel sprach zu Ulenspiegel:

„Jedes Mal, so Du dies häßliche Kraut siehest, mußt Du darauf sch....., denn es dient zu Rad und Galgen.“

„Ich werde es tun“, sprach Ulenspiegel.

Eines Tages saß Jan von Zuursmoel bei Tafel mit etlichen gefräßigen Freunden, da sprach der Koch zu Ulenspiegel.

„Geh in den Keller und hole Sennep“, welches Senf ist.

Ulenspiegel hörte volle Tücke Hennep statt Sennep, sch... in den Senftopf im Keller und trug ihn zur Tafel auf, nicht ohne Lachen.

„Warum lachst Du?“ fragte Jan von Zuursmoel. „Meinst Du, unsere Nasen seien von Erz? Iß diesen Sennep selber, dieweil Du ihn angerichtet hast.“

„Ich esse lieber Rostbraten mit Zimmet“, antwortete Ulenspiegel.

Jan von Zuursmoel stand auf, um ihn zu schlagen.

„In diesen Senftopf“, sprach er, „ist gesch... worden.“

„Herr,“ antwortete Ulenspiegel, „gedenkt Ihr nicht mehr des Tages, da ich Euch bis ans Ende Eures Gartens gefolgt bin? Da sprachet Ihr, auf den Sennep weisend: ‚Überall, wo Du dies Kraut findest, sch.... darauf, denn es dient zu Galgen und Rad‘. Also tat ich, Herr, ich sch... darauf mit großer Verachtung. Züchtigt mich nicht für meinen Gehorsam.“

„Ich sagte Hennep, nicht Sennep“, schrie Jan von Zuursmoel gar wütend.

„Herr,“ antwortete Ulenspiegel, „Ihr sagtet Sennep, nicht Hennep.“

Also stritten sie sich lange Zeit. Ulenspiegel sprach demütiglich; Jan von Zuursmoel schrie wie ein Adler und warf Sennep, Hennep und ähnliche Worte durcheinander gleich einem verwirrten Seidengesträhne. Und die Gäste lachten wie Teufel und aßen Dominikanerkoteletten und Inquisitorennieren.

Ulenspiegel aber ward von Jan von Zuursmoel fortgejagt.