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Auf den zeeländischen Huckern, auf den Bujern und den Galeassen fährt Tyll Klas Ulenspiegel davon. Das offne Meer trägt die wackeren Freibeuter darauf acht, zehn oder zwanzig eiserne Feldstücke sind; sie speien Tod und Verderben auf die spanischen Verräter.
Tyll Ulenspiegel, des Klas Sohn, ist ein trefflicher Kanonier.
Man muß ihn sehen, wie er das Stück richtet, scharf visiert und die Schiffsrümpfe der Henker wie eine Mauer aus Butter durchlöchert. Er trägt am Filzhut den silbernen Halbmond mit der Inschrift: „Liever den Turk als den Paus.“ Lieber dem Türken als dem Papst dienen.
Die Matrosen, die ihn flink wie eine Katze und behend wie ein Eichhörnchen auf ihre Schiffe klettern sahen, dabei ein Liedchen singend oder lustige Reden führend, fragten ihn neugierig:
„Wie geht es zu, kleiner Kerl, daß Du ein so jugendlich Aussehen hast, denn die Rede geht, daß es lange her ist, daß du in Damm geboren wurdest?“
„Ich bin nicht Körper, sondern Geist,“ sagte er, „und Nele, mein Liebchen, gleicht mir. Vlämischer Geist, vlämische Liebe, wir werden nicht sterben.“
„Gleichwohl blutest Du, wenn man Dich schneidet,“ sagten sie.
„Das scheint nur so; es ist Wein und nicht Blut.“
„Wir werden Dir einen Zapfen in den Bauch stecken.“
„Ich werde mich allein leeren.“
„Du spottest unser.“
„Wer das Kalbfell schlägt, wird die Trommel hören,“ antwortete Ulenspiegel.
Und die gestickten Banner der römischen Prozessionen flatterten an den Schiffsmasten. In Sammet, Brokat, Seide, Gold- und Silberstoff gekleidet, wie es die Äbte beim Hochamt tun, mit Mitra und Kreuz in den Händen und der Mönche Wein trinkend, so hielten die Geusen auf den Schiffen Wacht.
Und es war ein seltsames Schauspiel, aus diesen reichen Gewändern diese rauhen Hände herausgucken zu sehen, die Hakenbüchse oder Armbrust, Hellebarde oder Picke trugen, lauter Männer mit hartem Gesicht und überdies mit Pistolen und Hirschfängern umgürtet, die in der Sonne glänzten. Sie tranken aus güldenen Kelchen den Klosterwein, welcher zum Weine der Freiheit geworden war.
Und sie sangen und riefen: „Es lebe der Geuse!“ Und also segelten sie auf dem Meer und der Schelde.