Vier und dreyßigster Brief.

Den 24. Januar.

Ihr letzter Brief ist schön, und das Gedicht, was Sie mir abgeschrieben haben, recht vortrefflich. Es ist gewiß eine Ihrer besten Arbeiten von dieser Art. Ihr Herz ist bey dem Gegenstande gewesen, und das Herz führt immer den Verstand und das Genie sehr glücklich.

Aber warum gehen Sie nicht nach Halle, wenn Sie schon in Crellwitz sind? Ich wünschte doch, daß Sie einen Ort, wo ich zwey Jahre sehr übel zugebracht habe, und wo ich vielleicht noch viele andre, aber besser, werde zubringen müssen, kennten. Der erste Anblick ist widrig, das gebe ich zu; aber das ist doch eben so ausgemacht, daß das Auge die prächtigsten Häuser und die elendesten Leimhütten gleich gut gewohnt wird, und daß alsdann der Verdruß über die Häßlichkeit, und das Vergnügen an der Schönheit, beynahe zu einer gleichen Empfindung der Gleichgültigkeit herunter gestimmt werden. O besetzen Sie die Hütten mit Freunden, die ich liebe und die ich verehre, und sie werden mir schöner vorkommen als Palläste. Doch auch diese habe ich in Halle noch nicht. Unterdessen kenne ich doch Leute, die vielleicht aufgelegt dazu wären es zu werden.

Auf oder nach Ostern, den Tag weiß ich nicht, komme ich mit Gottes Hülfe nach Leipzig. Ein Brief von Gellert, voll von Gütigkeit und Freundschaft, hat mich erst vor fünf Tagen dazu eingeladen. Dieser Mann ist wahrhaftig mein Freund. — Ist mir nun ein kleiner Stolz nicht zu verzeihen? — Ich bringe hier meinen Winter sehr vergnügt zu. Am Freytage war ich in dem Hause eines Hrn. v. P***, dessen Fräulein Tochter, eine sehr gute und sehr angenehme Freundin von meiner Mutter und von uns allen, ein kleines Koncert machte. Sie spielt sehr gut auf dem Flügel. Ich spielte einige Sachen von Schobert τῷ πάνυ; lassen Sie sich Reizen dieses erklären. Wir waren bis um 11 Uhr recht vergnügt. — Gestern kam wieder eine kleine Wolke. — Aber kurz ich bin vergnügt, und bin u. s. w.