8. Das System der allgemeinen Unterschiede der Farbe.

Die beiden ersten allgemeinen und wichtigen Haupt- oder Grundfarben sind Weiss und Schwarz. Beide stehen in einem schroffen und ausschliessenden oder diametralen Gegensatz zu einander. Weiss ist die Farbe des Lichtes, Schwarz diejenige der Finsterniss rein oder an und für sich. Jenes ist der positive, dieses der negative Pol im ganzen Umfange der Farbe überhaupt und alle anderen einzelnen Farben liegen an und für sich zwischen diesem doppelten Extrem in der Mitte. Das Weiss ist heller, das Schwarz ist dunkler als jede andere irgendwie denkbare Farbe überhaupt. Wir unterscheiden beide Farben zunächst als neben einander stehende nur dadurch, dass eine jede von ihnen das Gegentheil der anderen ist. Nur im Verhältniss zu dritten Farben aber tritt ihr specifischer Unterschiedscharakter hervor. Jede andere Farbe wird in ihrem Effect gehoben oder verstärkt durch Weiss, aber verdunkelt durch Schwarz. Weiss ist die natürliche Basis oder Folie, Schwarz aber die natürliche Decke oder Negation einer jeden anderen mittleren Farbe. Wenn beide Farben in Verbindung mit einander auftreten, so ist das natürliche Verhältniss dieses, dass Weiss die Basis, Schwarz aber das Aufgetragene oder die Decke bildet. Wir schreiben auch regelmässig mit schwarzer Dinte auf weissem Papier, während das Umgekehrte, weisse Schrift auf schwarzem Grunde, nur seltener oder wie etwa bei Handlungsfirmen blos da vorzukommen pflegt, wo die schwarze Grundlage sich selbst an einer anderen grösseren hellen Fläche befindet. Weiss auf Schwarz macht überall einen anderen Effect als umgekehrt; wenn auf der Strasse ein Bäcker und ein Schornsteinfeger an einander streifen, so dass an jenem etwas Schwarzes, an diesem etwas Weisses haften bleibt, so ist der Erfolg hiervon ein vollständig verschiedener; der Bäcker wird sich ärgern und der Schornsteinfeger wird triumphiren; jener fühlt sich als einen Gezeichneten oder es hat das Schwarze an ihm die Gestalt eines Schandfleckes und einer Beschmutzung; für diesen dagegen hat das Weiss die Gestalt eines Siegeszeichens oder einer Trophäe und er fühlt sich als einen solchen, der einen Anderen gezeichnet hat. Für den Neger ist das Bedürfniss der Kleidung schon aus ästhetischen Gründen durchaus nicht in dem Grade gefordert als für den Weissen; jede weisse Fläche verlangt als solche danach und ist gleichsam natürlich dazu bestimmt, dass auf ihr irgend eine andere Farbe erscheine. Hierauf gründet sich auch die menschliche Neigung, alles Weisse irgendwie zu bemalen und zu beschreiben und es darf alle Malerei und Schrift gewissermaassen schon als eine Folge dieser natürlichen Provocation der weissen Farbe aufgefasst werden.

Die allgemeine Grundbedeutung des Weiss für die menschliche Vorstellung ist jedenfalls die des Reinen, Einfachen, Unbefleckten, Harmlosen und Unschuldigen. Es hat mit diesem Bedeutungscharakter der Farben eine ähnliche Bewandtniss als mit demjenigen der Worte der Sprache. Die ganze Aufgabe in Bezug hierauf ist eine ähnliche als diejenige des Philologen, der ein bestimmtes Wort in dem ganzen Umfange seines Gebrauches oder seiner Bedeutungen in der Sprache zu verfolgen sich bestrebt. Alle diese verschiedenen Bedeutungen eines Wortes haben in der Regel einen bestimmten gemeinsamen Kern und sie sind zuletzt auch ebenso wie diejenigen einer Farbe aus einer bestimmten einfachen sinnlichen Grundanschauung entsprossen. Es würde also unrichtig sein zu sagen, dass die Bedeutung einer Farbe sich ohne Weiteres mit dem Inhalte irgend eines allgemeinen logischen Begriffes decke oder dass Weiss etwa schlechthin Unschuld u. desgl. bedeute; diese Bedeutung einer einzelnen Farbe hängt vielfach auch davon ab, in welchen bestimmten Umgebungen sie uns entgegentritt, ebenso wie auch auf die Bedeutung eines Wortes überall ein eigenthümliches Licht geworfen wird durch den Zusammenhang oder die Umgebungen, in welchen es uns im Satze erscheint. Jede Farbe und zum Theil auch jedes Wort enthält immer einen gewissen zunächst verschlossenen Keim möglicher Anwendungen oder Gebrauchsweisen in sich, welcher erst aus seiner Verbindung mit anderen Dingen oder Worten hervorzutreten pflegt. Auch das Wort ist eigentlich überall in seiner Bedeutung etwas Anschauliches oder sinnlich Konkretes, welches nur in seiner Anwendung oder logisch-syntaktischen Verbindung die Stelle und Function eines eigentlich abstracten Begriffes des Denkens ausfüllt. Es ist auch bei den Worten zum Theil schwierig, sie in dem eigentlichen Kern ihrer innerlich anschaulichen Bedeutung zu erfassen und es kann diese Aufgabe auch nur durch eine aufmerksame Verfolgung derselben in ihrem ganzen wirklichen Bedeutungsumfange gelöst werden.

Das Weiss erscheint uns in der Natur an einer Menge von Gegenständen, die einen bestimmten ästhetischen Werth oder eine geistige Bedeutung für uns besitzen. Weiss ist zunächst die Farbe des Schnees oder im Allgemeinen das Kleid des Winters. Im Norden ist insofern in einem bestimmten Theile des Jahres das Weiss die allgemeine Grundfarbe der Natur. Die Natur wird bunter im Sommer und in den südlicheren Theilen der Erde. Die allgemeine Farbe des Sommers aber ist grün und die Zusammenstellung von Weiss und Grün erinnert insofern an das Verhältniss von Winter und Sommer. Der Schnee aber ist sprüchwörtlich für die Reinheit des Weiss, und Alles was wir schneeweiss nennen gilt uns deswegen im besonderen Grade für fleckenlos und rein. Wir verlangen insbesondere von der Wäsche, deren specifischer Charakter die Reinheit ist, eine ähnliche vollkommene und äusserste Weisse als diejenige des Schnees. Ausserdem gehört zu den weissen Dingen in der Natur insbesondere die Milch, das erste und einfachste Nahrungsmittel. Weiss ist ferner die Oberfläche des menschlichen Körpers, mindestens bei den höheren Racen. Hier ist das Schwarz oder im Allgemeinen die dunklere Färbung das natürliche Merkmal einer niedrigeren geistigen oder intellectuellen Begabung. Die menschliche Hautfarbe variirt im Allgemeinen zwischen allen denjenigen Nüancen, welche unmittelbar auf das Prinzip des Lichtes Bezug haben, Weiss, Schwarz, Gelb, Braun, Roth, während die eigentlich bunten Naturfarben, Blau, Grün u. s. w. von ihr ausgeschlossen sind. Schwarz sind in der Natur im Allgemeinen weniger wichtige und hervorragende Dinge. Die Bedeutung des Schwarz ist wesentlich überall die des Ernsten, Tiefen, Feindlichen, Negativen und Finstern. Weiss hat oft die Bedeutung oder den Werth des Heiligen, Weihevollen, Erhabenen und Vornehmen. Beide Grundfarben begegnen sich oft wie alle Extreme in dem Gebrauche, der von ihnen gemacht wird oder in der Bedeutung, welche sie für uns besitzen. In beiden liegt insbesondere eine Hindeutung auf das schlechthin Negative oder Leere, den Tod und das Jenseits enthalten. Beide sind deswegen zugleich Farben der Trauer, des gehobenen feierlichen Ernstes, der priesterlichen Gewandung u. dgl. mehr. Die Zusammenstellung beider Grundfarben aber macht an sich überall einen durchaus ernsten, würdevollen und an das Tragische anstreifenden Effect, indem es der jede Vermittelung ausschliessende Contrast oder Gegensatz des Positiven und Negativen überhaupt ist, der uns in ihnen entgegengeführt wird. Alle sonstigen feindlichen und ausschliessenden Gegensätze im Leben sind wir zuletzt auf das Verhältniss dieser beiden Grundfarben als der prägnantesten sinnlichen Vertreter jeder contradictorischen Entgegensetzung zurückzuführen gewohnt. Nichts schliesst sich so unbedingt und schroff von einander aus als Weiss und Schwarz. Die positive und freundliche Seite eines jeden Gegensatzes aber wird überall durch die erstere, die negative oder feindliche durch die letztere dieser beiden Grundfarben vertreten.

Diejenigen beiden Dinge oder Erscheinungen in der Natur, welche vorzugsweise durch den Unterschied der beiden Grundfarben charakterisirt sind und deren Wichtigkeit und Bedeutung für uns auch die grösste und entscheidende ist, sind der Tag und die Nacht. Der Tag ist weiss, die Nacht ist schwarz oder es werden doch beide als solche von uns angesehen und bezeichnet. Der Tag ist die Zeit der Helligkeit oder des Erscheinens aller einzelnen Farben, die Nacht diejenige der Finsterniss oder des Erlöschens und Verschwindens derselben. Die Zeit selbst tritt uns insofern gleichsam als ein regelmässiger Wechsel der weissen und schwarzen Farbe entgegen. Alle anderen einzelnen Bedeutungen beider Farben knüpfen sich zuletzt an den Unterschied dieser ihrer beiden wichtigsten und hervorragendsten Haupttypen im Reiche der wirklichen Erscheinungen der Natur an. Der Tag ist die Position, die Nacht ist die Negation des wirklichen oder physischen Erscheinens der Farbe überhaupt. Wir leben in der einen Hälfte aller Zeit gleichsam in der sinnlichen Grundanschauung des Weiss, in der anderen aber in derjenigen des Schwarz. Die einzelnen Bedeutungen beider Farben mögen sich zum Theil noch an verschiedene andere Typen oder Vorbilder in der natürlichen Wirklichkeit anschliessen; zunächst aber ist es dieser bestimmte Hauptgegensatz in der ganzen Einrichtung der Natur, welcher für die Bedeutung oder den ästhetischen Werth derselben als charakteristisch erscheint.

Das zweite Farbenpaar sind Gelb und Roth. Dieses sind die beiden Farben, welche unmittelbar auf die Quelle des Lichtes oder der ganzen Bedingung des Erscheinens der Farbe Bezug haben. Gelb ist die Farbe alles Glänzenden oder Desjenigen, von welchem irgend ein weiterer Lichteffect ausgeht. Das Weiss ist die specifische Lichtfarbe im passiven, das Gelb im activen Sinne des Wortes. Auf dem Weiss erscheint oder leuchtet jede andere Farbe, während das Gelb vielmehr von sich aus strahlend andere Farben erleuchtet. Das Gelb ist die zunächst dunklere Farbennüance nach dem Weiss; das Erscheinen des Weiss in der Natur aber ist immer die Folge und Wirkung eines Gelb oder es hat das Gelb seinen allgemeinen Typus an dem Licht als der realen Ursache oder dem actuellen Träger der Bedingung alles anderen Sichtbaren. Das Verhältniss des Gelb zum Roth aber ist conform demjenigen des Lichtes zur Wärme als der extensiven und der intensiven Seite der brennenden Substanz in der Natur oder des Feuers. Roth hat seinen Haupttypus an der glühenden Kohle, so wie überhaupt an allem innerlich Heissen und Warmen, zugleich auch an dem Blute des menschlichen Körpers. Es bedeutet deswegen auch vorzugsweise Muth, innerliche Erregung, Tapferkeit, Zorn oder Begeisterung und ist überhaupt die im eminenten Sinne kriegerische Nüance der Farbe. Auf alle rohen und naturfrischen Gemüther, Kinder, Wilde, selbst Thiere, übt das Roth einen ganz besonders erregenden und Leben erweckenden Einfluss aus. Die dunklere Nüance des Roth, das Purpur, welches an Schwarz anstreift, ist die Farbe der königlichen Gewalt und Pracht, während die hellere, das Rosa, in der Blume dieses Namens das Bild der zarteren Empfindung der Liebe ist. Auch Gelb bedeutet ebenso Glanz, Macht, fürstliche Gewalt und Herrlichkeit und hat seinen näheren Typus insbesondere an der Sonne als der allgemeinen Quelle des Lichtes auf der Erde. In China ist die gelbe Farbe die kaiserliche und sie kommt auch sonst in ähnlicher Bedeutung vor. Ausser der Sonne sind namentlich auch das Gold und der Löwe wichtige und bedeutungsvolle Dinge im Umfang des Gelben. Diese drei Dinge, Sonne, Gold und Löwe sind in einem gewissen Sinne die mächtigsten, ein jedes in einer besondern Sphäre des Lebens, und sie verbinden sich daher auch in unserer Vorstellung leicht zu einer Einheit mit einander, so wie es auf Wirthshausschildern in der Regel heisst: zur goldenen Sonne, zum goldenen Löwen. Auch hat das Gelb zuweilen die negative oder feindliche Bedeutung des Neides, des Hasses, der Eifersucht u. s. w. Als allgemeine und entscheidende Naturtypen des Gelb und Roth aber sind die beiden Prinzipien oder Elemente des Lichts und der Wärme zu betrachten.

Das dritte Farbenpaar sind Grün und Blau, von denen jenes an der blühenden Natur oder Vegetation, dieses aber am Himmel seinen entscheidenden Typus hat. Die Natur aber und der Himmel sind die beiden allgemeinen und wichtigsten Abtheilungen alles Seienden im Raume. In beiden Farben werden unserem Auge die ausgedehntesten Flächenerscheinungen dargeboten. Die vorhergehenden, dem reinen Lichtprinzip näher stehenden Farben Gelb und Roth würden in dem gleichen Umfange nicht von uns ertragen werden. Grün aber bedeutet im Ganzen das reale oder sinnliche, Blau das ideale oder geistige Leben und es ist jenes mehr der Ausdruck der frischen und blühenden Hoffnung, dieses aber der der schwärmerischen und sehnsuchtsvollen Liebe. Dieser doppelte Typus aber der Vegetation und des Himmels ist so ausgedehnt und entscheidend, dass durch ihn der ganze Charakter beider Farben unmittelbar und vollständig bestimmt wird. Beim Blau kommt ausserdem noch zum Theil das Auge in Betracht und es gilt uns die blaue Farbe der Augen insbesondere auch als Ausdruck der idealistischen Innerlichkeit des Empfindens.

Das vierte Farbenpaar sind Orange und Violett, von denen jenes an der gleichnamigen Frucht, dieses aber am Veilchen seinen charakteristischen Typus findet. Der Umfang dieser beiden Farben ist im Gegensatz zu den vorhergehenden ein ungemein beschränkter und es kommen hierbei auch wesentlich nur jene beiden hauptsächlichen Typen allein in Betracht. Das Orange aber hat weiterhin noch die Bedeutung der gereiften üppigen stolzen und schwellenden Frucht, das Violett diejenige der stillen selbstzufriedenen und bescheidenen Blüthe und es schliesst sich dieser Gegensatz der realistischen und idealistischen Seite im Leben der Vegetation als eine Fortsetzung an das gleiche Verhältniss des vorhergehenden Farbenpaares an.

Das fünfte Farbenpaar endlich sind Braun und Grau, deren gemeinsamer Charakter ein trüber, gedämpfter, nüchterner und prosaischer ist. Diese Farben sind zu höheren decorativen Zwecken nicht geeignet und es knüpfen sich an sie keine solche reine, bestimmte ideale und optische Empfindungen an als an die vorhergehenden. Beide Farben aber haben wiederum einen ziemlich weiten Umfang im Reiche der natürlichen Dinge oder Erscheinungen. Braun ist im Allgemeinen die Farbe der Erde so wie auch des Holzes und anderer nützlicher praktischer oder brauchbarer Dinge. Grau dagegen ist insbesondere der Nebel, das Wasser und überhaupt alles Dunstige, Trübe und Feuchte. Braun ist unter den Thieren insbesondere der Bär, der gemüthliche König der Wälder des Nordens, grau aber der geduldige, langweilige und in Rücksicht seiner Einsicht übel berufene Esel. Grau heisst dem Dichter auch die Theorie als das Trockene, Nebelhafte und Abstrakte. Diese beiden Farben sind wegen ihrer Anspruchslosigkeit vorzugsweise zur menschlichen, namentlich zur bürgerlichen Bekleidung geeignet, während dagegen für die militärische Bekleidung mehr die reineren und bunteren Farben als geeignet erfunden werden. Als Gesammttypen derselben aber dürfen die Erde und das Wasser oder überhaupt die trockene und die feuchte anorganische Substanz angesehen werden.

Es sind im Ganzen zehn einzelne Farben, durch welche die Menge aller wirklichen Farbennüancen erschöpft und eingetheilt wird. In der Reihenfolge der fünf Paare derselben aber findet ein bestimmter innerer gesetzlicher Fortschritt statt. In jedem weiteren Farbengegensatz ist immer eine fortgesetzte Abschwächung des ausschliessenden Gegensatzes der beiden ersten oder Grundfarben Weiss und Schwarz enthalten. Unter den ferneren Paaren stehen Gelb, Grün, Orange und Braun auf der Seite des Weiss oder des hellen und positiven, Roth, Blau, Violett und Grau dagegen auf der des Schwarz oder des dunkeln und negativen Poles aller Farbe. Wir glauben in dieser Ordnung der Farben nur den Ausdruck eines tieferen und allgemeineren Einrichtungsgesetzes aller natürlichen Dinge erblicken zu müssen. Das Prinzip der Zehn oder die Regel der dekadischen Gliederung bildet zuletzt die höchste und umfassendste arithmetische Einheit und Ordnung aller wirklichen Dinge. Es ist nicht zufällig, dass gerade diese Zahl die allgemeine Einheit unseres menschlichen oder subjectiven Zahlensystemes bildet. Es hat diese Einrichtung einen bestimmten objectiven oder metaphysischen Hintergrund in dem ganzen Wesen der uns umgebenden äusseren Welt selbst. Wir behaupten hiermit nicht, dass ohne Weiteres jedes Ding oder jedes geordnete Ganze in der Natur nach der Regel der Zehn eingetheilt und gegliedert sein müsse. Jede der einzelnen einfacheren Zahlen hat vielmehr einen bestimmten Spielraum oder Umfang in der ganzen Ordnung oder Gliederung der wirklichen Dinge. Es ist deswegen ungerechtfertigt, in einer bestimmten einzelnen Zahl allein das allgemeine Einheits- oder Grundgesetz des Wirklichen erblicken zu wollen, wie dieses z. B. durch Hegel in Bezug auf die Drei geschehen ist. Unsere Behauptung geht vielmehr blos dahin, dass unter allen diesen einzelnen Zahlen zuletzt die Zehn die tiefste und umfassendste arithmetische Einheit in der Ordnung des Wirklichen bilde. Auch das allgemeine und natürliche System der Farben ist ein dekadisches und es schliesst sich dasselbe insofern an dieses höchste arithmetische Einheits- oder Ordnungsgesetz alles Wirklichen überhaupt an. So wie die Farben selbst aber bilden auch die allgemeinen natürlichen Typen derselben oder diejenigen Gegenstände und Erscheinungen in der Einrichtung aller Dinge, an welche sich ihre allgemeine Bedeutung für uns zunächst anknüpft, ein bestimmtes System oder eine geordnete Reihe. Die Bedeutung von Weiss und Schwarz wies zurück auf die Erscheinungen von Tag und Nacht als die beiden wichtigsten und Hauptunterschiede der Zeit als der ersten Elementarbedingung alles weiteren Seienden überhaupt. Licht und Wärme oder die Typen des zweiten Farbenpaares, Gelb und Roth, sind die beiden Erscheinungen der Extensität und Intensität im Wesen des Feuers als der allgemeinen bewegenden und belebenden Urkraft im Gesammtumfange des Seins. Die Natur und der Himmel als die Typen des dritten Farbenpaares, Grün und Blau, sind die beiden wichtigsten Hauptabtheilungen alles Ausgedehnten im Raume. Das vierte Farbenpaar, Orange und Violett, weist hin auf den Unterschied von Frucht und Blüthe als der beiden wichtigsten Erscheinungen im Leben des Organischen, während endlich das fünfte Farbenpaar, Braun und Grau, die beiden Hauptabtheilungen der unorganischen Materie, Erde und Wasser, zu ihrem Hintergrund haben. Die Zeit, die Kraft, der Raum, das organische Leben und der anorganische Stoff sind insofern die fünf allgemeinen Seiten oder Prinzipien der Natur, an deren inneren Gegensätzen uns zugleich jene zehn Farben als ihre charakteristischen Erscheinungen entgegenzutreten pflegen.