Dritter Auftritt.
Die Vorigen und Skotinin.
Prawdin. Sie haben also gelauscht, Herr Skotinin? Das hab’ ich von Ihnen nicht erwartet!
Skotinin. Ich ging zufällig vorbei und antwortete, da man mich anrief. Das ist so meine Art: wer „Skotinin!“ ruft, dem antwort’ ich „Hier!“ Ich habe in der Garde gedient und erhielt als Korporal meinen Abschied: rief man nun auf dem Versammlungsplatz laut: „Taras Skotinin!“ so brüllte ich: „Hier!“
Prawdin. Wir haben Sie nicht angerufen, und Sie können nun gehn, wohin Sie gehen wollten.
Skotinin. Ich wollte nirgendhin gehn, ich schritt nur so in Gedanken auf und ab. Es ist so meine Art: sitzt mir mal ein Gedanke im Kopfe fest, so läßt er sich mit keinem Pflock austreiben – sitzt was drin, so sitzt es fest. Dann denk’ ich nur dieses Etwas und seh’ es im Traum wie in der Wirklichkeit und in der Wirklichkeit wie im Traum.
Prawdin. Und was beschäftigt Sie gegenwärtig?
Skotinin. Ach, bester, teuerster Freund! Wunderdinge passieren mir. Meine Schwester ließ mich schnell – schnell aus meinem Dorfe herkommen – und wenn sie mich ebenso schnell aus ihrem Dorfe heimschickt, so kann ich vor der ganzen Welt mit reinem Gewissen behaupten: leer gekommen, leer zurückgekehrt.
Prawdin. Wie ich Sie bedauere, Herr Skotinin! Ihre Schwester spielt mit Ihnen wie mit einem Ball.
Skotinin. Wie mit einem Ball? Gott schütze vor Unglück! Will ich doch selber sie so weit schleudern, daß das ganze Dorf sie eine ganze Woche lang umsonst suchen soll!
Sophie. Ach, wie Sie zornig sind!
Milon. Was ist Ihnen?
Skotinin. Bitte urteilen Sie selbst – Sie sind ein vernünftiger Mensch. Also, meine Schwester hat mich herkommen lassen, damit ich heirate. Nun zieht sie sich zurück mit dem Vorwand: „Wozu brauchst du, Bruder, eine Frau, wenn du nur ein gutes Schwein hast.“ Nein, Schwester – ich will mir auch eigene Ferkel anschaffen! Auf den Leim geh’ ich nicht!
Prawdin. Auch mir will es scheinen, Herr Skotinin, daß Ihre Schwester eine Heirat im Sinne hat, nur nicht die Ihrige.
Skotinin. Mag sie doch – ich stehe keinem im Wege: heirate jeder seine Braut. Ich werde mich an einer fremden nicht vergreifen, aber auch Fremde sollen sich an der meinigen nicht vergreifen. (Zu Sophie.) Fürchte nichts, mein Schatz: niemand wir dich mir entreißen.
Sophie. Was soll das heißen?
Milon (aufschreiend). Welche Frechheit!
Skotinin (zu Sophie). Nun, worüber bist du denn so erschrocken?
Prawdin (zu Milon). Wie kann man einem Skotinin zürnen!
Sophie (zu Skotinin). So ist es denn beschlossen, daß ich Ihre Frau werde?
Milon. Mit Mühe halt’ ich an mir!
Skotinin. Niemand entgeht seinem Schicksal, mein Herz! Sünde ist’s, daß du wider dein Glück murrst. Das herrlichste Leben wirst du an meiner Seite haben. Zehntausend hast du Revenuen! Welch ein Glück! Eine solche Summe hab’ ich in meinem Leben nicht einmal gesehen! Donnerwetter, für dieses Geld kann ich mir ja alle Schweine auf der Welt kaufen! Ja, jeder Mund soll in die Trompete stoßen: bei Skotinin ist das Paradies der Schweine!
Prawdin. Wenn allein die Schweine bei Ihnen ein paradiesisches Leben führen, so wird Ihre Frau vor Ihnen und selbigen Schweinen wenig Ruhe haben.
Skotinin. Wenig Ruhe? Ei, hab’ ich denn zu wenig Raum in meinem Hause? Sie soll für sich allein das Eckzimmer mit dem Divan haben! Freundchen, wenn schon jetzt jedes meiner Schweinchen einen besonderen Koben hat, so wird sich für meine Frau schon ein Zimmerchen finden.
Milon. Welch ein viehischer Vergleich!
Prawdin (zu Skotinin). Nichts wird daraus, Herr Skotinin. Ich will’s ihnen nur gerade heraus sagen: Ihre Schwester will Fräulein Sophie mit Mitrofan verheiraten.
Skotinin (zornig). Was, wie? Der Neffe soll den Onkel ausstechen! Alle Rippen will ich dem Kerl eindrücken, sobald ich ihn sehe! Und ein Schweinesohn will ich sein, wenn ich nicht Sophiens Mann werde oder den Bengel zum Krüppel schlage!