Fünfter Auftritt.

Die Vorigen ohne Skotinin.

Frau Prostakowa (zu Prawdin). Richte mich nicht zu Grunde! Könnte man den Ukas nicht umgehen? Es wird ja nicht jeder Ukas in Ausführung gebracht!

Prawdin. Ich erfülle meine Pflicht.

Frau Prostakowa. Gib mir wenigstens drei Tage Frist, (für sich) dann soll man mich kennen lernen!

Prawdin. Keine drei Stunden.

Starodum. Gewiß: sie kann in drei Stunden mehr Böses thun, als es in dreißig Jahren gutgemacht werden kann.

Frau Prostakowa. Und du wolltest dich mit solchen Kleinigkeiten abgeben?!

Prawdin. Das ist meine Sache. Fremdes wird den Eignern zurückgegeben werden, und –

Frau Prostakowa. Aber wie willst du mit den Schulden fertig werden? Die Lehrer sind noch nicht bezahlt.

Prawdin. Die Lehrer? (Zu Jeremejewna.) Sind sie hier? Führe sie her.

Jeremejewna. Werden wohl dasein. Den Deutschen auch?

Prawdin. Rufe sie alle. (Jeremejewna ab) ... Sorgen Sie nicht, Madame: jedermann soll befriedigt werden.

Starodum (zu der trauernden Prostakowa). Es wird dir selbst wohler zu Mut sein, da du die Macht verloren hast, andern Böses zu thun.

Frau Prostakowa. Danke für die Güte! Wozu taug’ ich, wenn ich in meinem eigenen Hause meine Hände nicht gebrauchen kann!

Sechster Auftritt.

Die Vorigen. Jeremejewna, Wralmann, Kutejkin, Zyfirkin.

Jeremejewna (zu Prawdin). Hier hast du das ganze Gesindel.

Wralmann (zu Prawdin). Ew. Gnaden geruhten mich herzubefehlen.

Kutejkin (zu Prawdin). Gerufen ward ich, gekommen bin ich.

Zyfirkin (zu Prawdin). Was befehlen Ew. Gnaden?

Starodum (sieht Wralmann scharf an). Ei, bist du’s, Wralmann?

Wralmann (erkennt Starodum). Ei – ei – ei – ei! Sie sind’s, gnädiger Herr? (küßt ihm den Rocksaum.) Wie geht es Ihnen, mein Wohlthäter?

Prawdin. Wie? Sie kennen ihn?

Starodum. Wie sollt’ ich ihn nicht kennen? Hat er doch drei Jahre bei mir als Kutscher gedient. (Alle machen Zeichen des Erstaunens.)

Prawdin. Ein schöner Lehrer!

Starodum. Und du bist hier Lehrer, Wralmann? Ich dachte immer, du seist ein guter Mensch und würdest andern nicht ins Handwerk pfuschen.

Wralmann. Was thun, gnädiger Herr! Ich bin nicht der erste, bin auch nicht der letzte. Drei Monate trieb ich mich in Moskau umher, ohne eine Kutscherstelle finden zu können. Da mußt’ ich entweder Hungers sterben oder Lehrer werden.

Prawdin (zu den Lehrern). Auf Befehl der Regierung habe ich dieses Haus unter Tutel gestellt, und ihr seid entlassen.

Zyfirkin. Ausgezeichnet!

Kutejkin. Sie sagen uns ab? Aber sollten wir uns nicht vorher berechnen?

Prawdin. Wieviel hast du zu bekommen?

Kutejkin. Meine Rechnung ist nicht so gering. Für ein halbes Jahr Unterricht; für die Stiefel, die ich im Laufe von drei Jahren vertragen habe; für das unnütze Kommen hierher und zwecklose Warten –

Frau Prostakowa. Unersättliche Seele, du! Wofür?

Prawdin. Mengen Sie sich nicht in andrer Angelegenheit, Madame, bitt’ ich!

Frau Prostakowa. Wo bleibt die Gerechtigkeit: was hat mein Mitrofan von ihm gelernt?

Kutejkin. Das ist seine, nicht meine Sache.

Prawdin. Gut, schon gut! (Zu Zyfirkin.) Wieviel hast du zu bekommen?

Zyfirkin. Ich? Nichts.

Frau Prostakowa. Für ein Jahr hat er zehn Rubel erhalten, für das andre jedoch noch keinen Groschen bekommen.

Zyfirkin. Für jene zehn Rubel hab’ ich im Verlaufe der zwei Jahre Stiefel vertragen. Wir sind also quitt.

Prawdin. Aber für den Unterricht?

Zyfirkin. Nichts.

Starodum. Wie denn – nichts?

Zyfirkin. Nichts nehm’ ich, denn nichts hat der Junge von mir gelernt.

Starodum. Dessenungeachtet mußt du bezahlt werden.

Zyfirkin. Auf keinen Fall! Dem Landesherrn hab’ ich über zwanzig Jahre gedient. Für Dienstleistungen hab’ ich Lohn angenommen, für keine – nie.

Starodum. Das ist ein guter Mensch! (Starodum und Milon nehmen Geld aus der Börse.)

Prawdin. Schämst du dich nicht, Kutejkin?

Kutejkin (gesenkten Kopfes). Schande über mich Gottlosen.

Starodum (zu Zyfirkin). Hier hast du, mein Freund, für dein gutes Herz.

Zyfirkin. Dank, Euer Gnaden. Geschenke nehm’ ich an, aber unverdiente Zahlung werd’ ich nie beanspruchen.

Milon (gibt ihm Geld). Hier hast du noch, mein Freund.

Zyfirkin. Und nochmals Dank. (Prawdin gibt ihm gleichfalls Geld.) Wofür denn, Euer Gnaden?

Prawdin. Dafür, daß du nicht bist wie Kutejkin.

Zyfirkin. Ei, Euer Gnaden, ich bin Soldat!

Prawdin (zu Zyfirkin). So geh denn mit Gott. (Zyfirkin ab; zu Kutejkin.) Du aber, Kutejkin, komme morgen und schließe deine Rechnung mit der Herrin selbst ab.

Kutejkin (forteilend). Mit ihr selbst? Da zieh’ ich meine Forderungen zurück!

Wralmann (zu Starodum). Euer Gnaden, vergessen Sie Ihren alten Diener nicht! Nehmen Sie mich wieder in Dienst!

Starodum. Aber du hast dich ja ganz von den Pferden entwöhnt.

Wralmann. Nicht doch! Während meines Zusammenlebens mit dieser Herrschaft schien es mir immer, als sei ich unter Pferden.