Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Skotinin.

Skotinin. Nun, Schwester, einen schönen Streich hast du mir – Ei! Was ist denn das? Alle auf den Knieen?!

Frau Prostakowa (knieend). Verzeihung! Dem Reuigen wird vergeben. Ja, ich bekenne meine Schuld! Gnade! (Zu Sophie.) Beste, goldne Sophie – verzeihe mir, erbarme dich mein und (auf Mann und Sohn weisend) dieser armen Waisen!

Skotinin. Schwester, bist du bei Troste?

Prawdin. Schweige, Skotinin!

Frau Prostakowa. Gott wird dich und deinen teuren Bräutigam segnen! ... Was hast du von meiner Bestrafung?!

Sophie (zu Starodum). Onkel, ich vergesse die mir zugefügte Beleidigung.

Frau Prostakowa (mit erhobenen Händen zu Starodum). Auch du vergib mir Sünderin! Ich bin ja ein Mensch und kein Engel!

Starodum. Wohl weiß ich’s, daß der Mensch kein Engel sein kann: doch muß er auch kein Teufel sein! ... Sowohl ihr Vergehen als auch ihre Reue ist verächtlich!

Prawdin (zu Starodum). Nur Eine Klage Ihrerseits, nur Ein Wort von Ihnen bei der Regierung – und sie ist nicht zu retten.

Starodum. Ich will keines Menschen Unglück; ich verzeihe ihr. (Alle springen auf).

Frau Prostakowa. Er hat verziehen? O, du mein Wohlthäter! ... Nun aber will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten zeigen! Jeden nehm’ ich einzeln ins Gebet! Gestehen müssen sie, wer sie aus den Händen gelassen. Nein, ihr Spitzbuben, ihr Diebe – das verzeih’ ich euch nie im Leben!

Prawdin. Und wofür wollen Sie Ihre Leute bestrafen?

Frau Prostakowa. Aber das ist denn doch eine sonderbare Frage! Hab’ ich nicht die Macht, mit meinen Leuten zu thun, was ich will?

Prawdin Sie halten sich also im Recht, nach Laune und Belieben körperlich zu strafen?

Skotinin. Steht’s denn dem Edelmann nicht frei, seine Bedienten zu prügeln, wann es ihm beliebt?

Prawdin. Wann es ihm beliebt? Welch ein viehisches Belieben! (zu Frau Prostakowa) Nein, Madame, es hat niemand das Recht, andere zu tyrannisieren!

Frau Prostakowa. Ein Edelmann hat nicht das Recht, einen Bedienten durchpeitschen zu lassen, wann es ihm gefällt? Wozu haben wir denn den Ukas von den Rechten des Adels?

Starodum. Die versteht’s, Ukase zu deuten!

Frau Prostakowa. Ihnen ist es lächerlich zu Mut’, mir aber gar nicht, und auf der Stelle will ich jeden einzelnen – (will schnell fort).

Prawdin (hält sie zurück). Bleiben Sie noch, Madame. (Zieht ein Papier aus der Tasche und spricht mit strengem Ton zu Prostakow). Im Namen der Regierung befehle ich Ihnen, sofort Ihr ganzes Hausgesinde und alle Bauern zusammenzurufen und ihnen bekannt zu machen, daß infolge der Unmenschlichkeiten Ihrer Frau – wobei Ihre außerordentliche Beschränktheit ihr freie Hand gelassen – mir die Regierung befiehlt, Ihr Haus und Ihr Dorf unter Tutel zu stellen.

Prostakow. Was müssen wir erleben!

Frau Prostakowa. Was? Ein neues Unglück! Wofür, wofür denn? Daß ich Herrin bin in meinem Hause –

Prawdin. Eine unmenschliche Herrin, deren Boshaftigkeit in einem wohlsituierten Staate nicht geduldet werden kann. (Zu Prostakowa.) Gehen Sie.

Prostakow (ab, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend). Was heißt das, was heißt das?!

Frau Prostakowa (schmerzlich). O, wie traurig, wie traurig!

Skotinin (beiseite). Hehe! Auf solche Weise komm’ ja auch ich an die Reihe! Da kann ja jeder Skotinin unter Tutel gestellt werden! ... Besser ist’s, ich verschwinde, bevor –

Prawdin (zu Skotinin). Und du! Ich habe gehört, daß du mit Schweinen unvergleichlich besser umgehst als mit Menschen.

Skotinin. Gnädigster – wie sollte auch mein Herz an den Menschen hängen! Bedenke selbst: die Menschen sind mir zu klug, unter den Schweinen aber bin ich selber der Klügste.

Frau Prostakowa. Alles verloren! Ich bin ruiniert!

Skotinin (zu Starodum). Ich möchte doch gern wissen ... was den Bräutigam betrifft –

Starodum (auf Milon weisend). Hier steht er.

Skotinin. Aha! So hab’ ich hier nichts mehr zu thun. Nun, dann geh’ ich.

Prawdin. Ja, geh zu deinen Schweinen! Vergiß jedoch nicht, jedem Skotinin mitzuteilen, was seiner wartet.

Skotinin. Wie sollt’ ich Freunde nicht warnen! Sagen will ich, daß sie die Leute –

Prawdin. Mehr lieben oder wenigstens –

Skotinin. Nun?

Prawdin. Nicht anrühren.

Skotinin (abgehend). Nicht anrühren.