Sechster Auftritt.

Frau Prostakowa, Mitrofan, Jeremejewna, Zyfirkin und Kutejkin.

Frau Prostakowa. Nun, mein Herz, wiederhole wenigstens, was du das letzte Mal russisch gelesen.

Mitrofan. Wiederholen? Danke bestens!

Frau Prostakowa. Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer was zu. Das ist eine alte Wahrheit, mein Freund.

Mitrofan. Wahrheit! Du solltest doch noch ein paar Onkel herschleppen!

Frau Prostakowa. Wie, was?

Mitrofan. Das! Jeden Augenblick muß ich gewärtig sein, durchgehauen zu werden, und nach den Prügeln soll ich noch die Fibel vornehmen? Nein, dafür dank’ ich: da mach’ ich lieber ein Ende!

Frau Prostakowa (erschrocken). Was, was willst du machen? Komm zu dir!

Mitrofan. Der Fluß ist ja nicht weit von hier. Ein Sprung – und weg bin ich!

Frau Prostakowa (außer sich). Du tötest mich! Gott, mein Gott!

Jeremejewna. Der Onkel hat ihn so eingeschreckt: fast hätte er sich dem lieben Jungen in die Haare gekrallt. Und das für nichts und wieder nichts.

Frau Prostakowa (grimmig). Nun?

Jeremejewna. Er drang in ihn, ob er heiraten wolle –

Frau Prostakowa. Nun?

Jeremejewna. Und der liebe Junge verheimlichte es auch gar nicht: ja, lieber Onkel, ich habe schon lange Lust. Da geriet der Onkel in gräßliche Wut und stürzte sich –

Frau Prostakowa (zitternd). Nun ... und du, Bestie, bist zum Klotz geworden, hast dich dem Bruder nicht in die Fratze eingekrallt, hast ihm das Maul nicht bis an die Ohren aufgerissen –

Jeremejewna. Ich wollte schon ... ich wollte, aber –

Frau Prostakowa. Aber ... Nicht wahr, es ist nicht dein Kind, Ungeheuer?! Du würdest es zu Tode schlagen lassen –

Jeremejewna. Ach du grundgütiger Gott! Wäre er nicht in demselben Augenblick fortgegangen, so würde ich mich auf ihn gestürzt haben: stumpf ließe ich diese (zeigt auf die Nägel) werden, und auch die Zähne würde ich nicht schonen.

Frau Prostakowa. Alle seid ihr dienstfertig in Worten, ihr Kanaillen, wenn’s aber ans Handeln kommt –

Jeremejewna (weinend). Ich bin nicht dienstfertig?! Da weiß ich nicht mehr, wie ich noch eifriger dienen soll ... gern würd’ ich ... der eigene Leib wird nicht geschont ... und immer kein Dank –

Kutejkin. Sollen wir heimkehren?}(Zusammen.)
Zyfirkin. Wohin lenken wir unsre Schritte, Ew. Wohlgeboren?

Frau Prostakowa. Und du heulst noch alte Hexe?! ... Geh, füttre sie ab und komme nach dem Essen sofort her. (Zu Mitrofan.) Komm mit mir, mein süßes Leben. Jetzt lass’ ich dich nicht aus den Augen ... Komm nur, ein Wörtchen will ich dir zuflüstern, daß dir von neuem das Leben lächeln soll. Nicht ewig, mein Herz, nicht ewig wirst du lernen: soviel verstehst du schon, Gott sei Dank, da du auch selber Kinderchen zeugen kannst! (Zu Jeremejewna.) Den Bruder will ich anders vorkriegen, als du es gethan. Die ganze Welt soll sehen, was eine Amme und was eine Mutter ist! (Ab mit Mitrofan.)

Kutejkin. Dein Leben, Jeremejewna, ist die wahre Hölle! Komm mal lieber zu Tisch und trink vor Kummer ein Gläschen.

Zyfirkin. Und dann das zweite – da haben wir gleich eine Multiplikation.

Jeremejewna (weinerlich). Der Teufel wird mich schon nicht holen. Vierzig Jahre dien’ ich bereits, aber der Dank ist immer derselbe!

Kutejkin. Und wie hoch beziffert sich dieser Dank?

Jeremejewna. Fünf Rubel jährlich und fünf Kopfnüsse täglich. (Kutejkin und Zyfirkin führen sie unter den Armen fort.)

Zyfirkin. Bei Tisch wollen wir’s ausrechnen, wieviel’s im Jahr ausmacht.

Dritter Aufzug.