Siebenter Auftritt.
Die Vorigen und Prawdin.
Frau Prostakowa. Lieber Bruder, hier stell’ ich dir unsern teuren Gast vor – Herr Prawdin; und das, mein Herr, ist mein Bruder.
Prawdin. Freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.
Skotinin. Sehr wohl, mein Herr. Und wie lautet Ihr Familienname? Ich habe nicht recht gehört.
Prawdin. Mein Name ist Prawdin, damit Sie recht hören.
Skotinin. Und wo geboren, mein Herr? Wo liegen Ihre Dörfer?
Prawdin. Ich bin in Moskau geboren, wenn es Ihnen zu wissen not thut, und meine Dörfer liegen in diesem Bezirk.
Skotinin. Und darf ich fragen, mein Herr – Ihr und Ihres Vaters Vorname ist mir unbekannt – ob es in Ihren Dörfern Schweinchen gibt?
Frau Prostakowa. Fange doch nicht an, von Schweinen zu sprechen, Bruder! Wollen wir lieber Herrn Prawdin unsre Not klagen. (Zu Prawdin.) Die Sache ist nämlich die: es war das Geheiß Gottes, daß wir dieses junge Mädchen zu uns nahmen. Nun erhält sie Briefe von Onkeln, die ihr aus jener Welt schreiben. Wollten Sie die Güte haben, uns allen diesen Brief laut vorzulesen!
Prawdin. Verzeihen Sie – ich lese niemals Briefe, ohne von deren Empfängern hierzu befugt zu sein.
Sophie. Ich bitte Sie darum, Sie werden mich sehr verbinden.
Prawdin. Wenn Sie es also befehlen ... (liest) „Liebe Nichte! Meine Geschäfte zwangen mich, mehrere Jahre fern von meinen Verwandten zu leben; die weite Entfernung beraubte mich des Vergnügens, Nachricht von ihnen zu erhalten. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Sibirien bin ich nun in Moskau. Ich kann wohl als Beispiel dienen, daß man sich durch Fleiß und Ehrlichkeit ein Vermögen erarbeiten kann. Dank diesen Mitteln und mit Hilfe des Glücks habe ich zehntausend Rubel Revenuen –“
Skotinin und beide Prostakows. Zehntausend!
Prawdin (im Lesen fortfahrend). – „Zu deren Erben ich Dich, liebe Nichte, ernenne.“
| Frau Prostakowa. Dich zur Erbin! | } | (Gleichzeitig.) |
| Prostakow. Sophie zur Erbin! | ||
| Skotinin. Sie zur Erbin! |
Frau Prostakowa (Sophie stürmisch umarmend). Gratuliere dir, meine Herzens-Sophie! Ich weiß mich vor Freude nicht zu fassen! Jetzt mußt du einen Bräutigam haben. Und eine bessere Braut kann ich mir für Mitrofan gar nicht wünschen! Das ist ein Onkel! Der leibliche Vater! Ich hab’s mir immer gedacht, daß ihn Gott behütet, daß er noch wohl und gesund ist!
Skotinin (die Hand hinhaltend). Nun, Schwester, schlag ein.
Frau Prostakowa (leise zu Skotinin). Warte noch, Bruder: erst muß man sie fragen, ob sie dich nehmen will.
Skotinin. Wie? Fragen? Wir werden doch nicht erst ihre Meinung hören wollen?!
Prawdin. Darf ich den Brief zu Ende lesen?
Skotinin. Wozu? Und sollten Sie fünf Jahre lesen – Besseres als die Zehntausend werden Sie doch nicht herauslesen!
Frau Prostakowa (zu Sophie). Herzens-Sophie, komm mit mir auf mein Schlafzimmer. Ich habe äußerst Wichtiges mit dir zu sprechen (führt Sophie fort).
Skotinin. S–o–o–o! Na, ich sehe, daß heute wohl schwerlich aus der Verlobung was wird!
Achter Auftritt.
Prawdin. Prostakow. Skotinin. Ein Diener.
Diener (außer Atem zu Prostakow). Gnädiger Herr, gnädiger Herr! Soldaten sind gekommen, haben in unserm Dorfe Quartier gemacht!
Prostakow. O Unglück, sie werden uns gänzlich ruinieren!
Prawdin. Worüber erschrecken Sie so?
Prostakow. Ach, Lieber, Guter! Ich hab’s ja schon erlebt! Ich wag nicht, ihnen unter die Augen zu treten!
Prawdin. Befürchten Sie nichts. Sie werden natürlich von einem Offizier angeführt, der es zu keiner Gewaltthat kommen läßt. Wollen wir zusammen hingehen. Ich bin versichert, daß Sie sich unnütz beunruhigen. (Prawdin, Prostakow und der Diener ab.)
Skotinin. Alle haben mich verlassen ... Will doch einen Spaziergang durch den Viehhof machen!