Vierter Auftritt.
Die Vorigen. Skotinin.
Skotinin. Wen? Wofür? An meinem Verlobungstage! Ich bitte dich, liebe Schwester, eine solche Feier zu berücksichtigen und die Strafe bis auf morgen zu verschieben; morgen, wenn du’s willst, werde auch ich gern Hand anlegen. Da will ich nicht Skotinin heißen, wenn nicht jeder schuld ist, den ich schuldig wissen will; hierin, Schwester, stimmen wir miteinander völlig überein. Worüber bist du denn aber so erzürnt?
Frau Prostakowa. Mögen deine Augen urteilen, Bruder! Mitrofan, komm her ... Sitzt dieser Kaftan sackig?
Skotinin. Nein.
Prostakow. Ich selbst, liebe Frau, sehe, daß er zu eng ist.
Skotinin. Auch das seh’ ich nicht. Der Kaftan, Schwager, ist vorzüglich genäht.
Frau Prostakowa (zu Trischka). Heraus! (Zu Jeremejewna) Geh, Jeremejewna, gib dem Knaben zu frühstücken. Ich glaube, die Lehrer werden bald kommen.
Jeremejewna. Er hat bereits fünf Brötchen aufgegessen.
Frau Prostakowa. So thut dir das sechste leid, du Ungetüm? Ist das dein Diensteifer? Unerhört!
Jeremejewna. Gott gesegn’ es ihm! Ich hab’s ja zu Mitrofan Terentjewitschs Besten gesagt. Bis an den Morgen hat er sich schlaflos umhergewälzt.
Frau Prostakowa. Heilige Mutter Gottes! Was war dir, Herzens-Mitrofan?
Mitrofan. Ich weiß nicht, Mutter. Gestern nach dem Abendbrot bekam ich Bauchkneipen.
Skotinin. Hast wohl, mein Freund, recht tüchtig zu Abend gegessen?
Mitrofan. Ich habe, Onkelchen, fast nichts gegessen.
Prostakow. Ich erinnere mich, mein Sohn: du hast doch etwas zu dir genommen.
Mitrofan. Das ist ja nichts: etwa drei Scheibchen Pökelfleisch und fünf oder sechs Stückchen Salzkuchen.
Jeremejewna. Die ganze Nacht über litt er Durst: einen ganzen Krug Kwas hat er ausgetrunken.
Mitrofan. Mir schwindelt noch jetzt der Kopf. Die ganze Nacht träumte mir so ein Schund –
Frau Prostakowa. Was für ein Schund denn, lieber Mitrofan?
Mitrofan. Nun, bald träumte mir von dir, Mutter, bald vom Vater.
Frau Prostakowa. Wieso?
Mitrofan. Kaum begann ich einzuschlafen, so sah ich, wie du, Mutter, den Vater prügeltest.
Prostakow (beiseite). Wehe mir – der Traum wird sich erfüllen.
Mitrofan (zärtlich). Und da dauerte mich –
Frau Prostakowa (ärgerlich). Wer, Mitrofan?
Mitrofan. Du, Mutter, du wurdest so müde vom Prügeln!
Frau Prostakowa. Umarme mich, mein Herz! Das ist ein Sohn! O, du mein einziger Trost!
Skotinin. Nun, Mitrofan, ich merk’ es: du bist der echte Sohn deiner Mutter, nicht aber deines Vaters.
Prostakow. Ich wenigstens liebe ihn, wie es einem Vater geziemt: er ist ein kluges, ein vernünftiges Kind, ein Spaßvogel, ein Schalk. Mitunter bin ich vor Freude ganz außer mir und kann es dann gar nicht glauben, daß er mein Sohn ist.
Skotinin. Doch gegenwärtig macht unser Spaßvogel ein recht ernstes Gesicht.
Frau Prostakowa. Sollte man nicht in die Stadt nach dem Doktor schicken?
Mitrofan. Nein, nein, Mutter; ich werde mich schon selber gesund machen. Will doch mal zum Taubenschlag laufen, vielleicht daß –
Frau Prostakowa. Gott gnädig ist. Geh, mein Teurer, spiele ein wenig. (Mitrofan mit der Jeremejewna ab.)