Erdnuß

(Tafel 20).

Die Erdnuß (Arachis hypogaea) gehört zur Familie der Leguminosen; ihre Heimat ist wahrscheinlich Brasilien, sie wird aber seit Jahrhunderten in fast allen tropischen Ländern angebaut.

Die Erdnußpflanze bildet ein niedriges, sich am Boden ausbreitendes Kraut mit dreizähligen Blättern und gelber Blüte. Sobald diese abgefallen ist, wächst der Blütenstiel, an dessen Ende der Fruchtknoten sitzt, in den Erdboden hinein, wo sich dann die Frucht bildet. Diese besteht aus einer in der Mitte etwas eingeschnürten Hülle mit netzartiger Oberfläche, in der zwei fast bohnengroße Samen liegen.

Die Erdnuß wird von den Eingebornen der meisten Tropenländer fleißig angebaut, da sie ein wichtiges Nahrungsmittel bildet. Sie ist mit magerem, selbst sandigem Boden zufrieden und gedeiht auch ohne große Feuchtigkeit. Man pflanzt sie gewöhnlich im Beginn der Regenzeit. Die jungen Pflanzen müssen von Unkraut freigehalten werden. Bei der Ernte wird der Boden leicht mit der Hacke oder einem andern Gerät gelockert und die Wurzeln mit den anhängenden Früchten vorsichtig ausgehoben.

Die Samen oder „Nüsse” werden geröstet, gekocht oder gemahlen und gebacken von den Eingebornen gegessen. In den europäischen Handel kommen sie wegen des ausgezeichneten Öles, das sie enthalten. Dieses dient in erster Linie zur Seifebereitung, daneben findet ein großer Teil als Speiseöl Verwendung, meist mit Olivenöl gemischt, dessen herber Geschmack durch das milde Erdnußöl gelindert wird. Dies gemischte Speiseöl kommt unter dem Namen Olivenöl oder Tafelöl in den Handel. In der Regel werden die Erdnüsse dreimal ausgepreßt. Die erste Pressung liefert das feinste Tafelöl, die zweite Öl zur Seifebereitung, die dritte Schmieröl. Die Rückstände bilden dann noch als Ölkuchen oder Futterkuchen ein nahrhaftes Viehfutter. Auch das Erdnußstroh wird vom Vieh sehr gern gefressen.

Der europäische Großhandel bezieht seinen Bedarf an Erdnüssen zum weitaus größten Teil aus Westafrika, erst in 2. Linie kommen Ostindien und Südamerika für die Ausfuhr in Betracht. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß fast die gesamte Erdnußkultur Westafrikas in den Händen der Eingebornen liegt, also ein Erzeugnis freiwilliger und selbständiger Negerarbeit ist. Um welche Summen es sich dabei handelt, zeigen folgende Zahlen: 1837 betrug die Erdnußausfuhr aus Senegambien 670000 kg, 1897 76000000 kg im Werte von etwa 15000000 Mk. Sierra Leone verschifft jährlich etwa 30000 kg, Oberguinea etwa 10000000 kg (1840: 1200 kg).

In Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika ist der Anbau der Erdnuß seit langem bekannt, und es ist zweifellos, daß ihre Kultur wegen der geringen Anbauschwierigkeiten und der großen Ergiebigkeit binnen kurzem einen bedeutenden Aufschwung nehmen wird. So haben sich im letzten Jahre in Togo die Anpflanzungen der Eingebornen fast vervierfacht, und es ist für dies Jahr schon eine bedeutende Ausfuhr von dort zu erwarten. — In den deutschen Kolonien ist übrigens auch der Anbau der Erdnüsse ausschließlich Volkskultur der Eingebornen.

Es führten aus 1906:

Ostafrika 2800000 kg 377000 Mk.
Togo8800011000
Kamerun3000200

Zusammen388200 Mk.

In Togo ist auch die Ausfuhr dieses Produktes im Jahr 1907 ganz bedeutend gestiegen, und zwar auf 338000 kg im Wert von fast 40000 Mk.

Die Erdnußeinfuhr Deutschlands ist nicht sehr bedeutend, fast die gesamte Ernte wird nach Südfrankreich (Marseille) geschickt und von dort das gewonnene Öl oder die Ölprodukte weiter in den Handel gebracht.

Tafel 20.

a) Pflanze mit Blüten und Früchten, 1/4 nat. Gr.

b) Frucht, 4/5 nat. Gr.

c) Zwei Samen, 4/5 nat. Gr.