Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington, 15. September bis 16. November 1776.

Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte, waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories, besonders unter den Reichen.

Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt, und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market. Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht ganz unberechtigt erscheinen lässt.

[3] Lieutenant Hinrichs.

Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess, die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt, (in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.

Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von Murray-Hill einer bessern Sache gedient.

Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren 280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht, in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei, ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der vergangenen Tage.

Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten, zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern, welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby (Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder, zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer Generallieutenant im Jahr 1834.

Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen, als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte, St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers, besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt worden sei.

Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.

Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist, soviel ich weiss, durchaus unbe gründet. Nur soviel ist sicher, dass verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde, bis er starb.

Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhatten Island einzuschliessen. Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point, wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt. Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997 Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen, und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr 13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains vorgingen.

Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«

Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss, diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges. Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören. Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.

Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten. Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen auf dem Berge.

Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen, die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee, welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines Krieges Wünschenswerten versehen war.

Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer neuen Idee zu.

Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9. Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen. Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill mit ein.

Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige, welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde. Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.

Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war. Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen. Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah! Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.

Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten. Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er war damit zufrieden und ging mit mir.«

Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als 120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren. Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und Ausrüstungsstücke.

Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt, indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen, Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«

Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden. Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien, und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.

Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung« geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.

Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.


[Kapitel VIII.]