Trenton, 26. Dezember 1776.

Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am 20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein. Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit, ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4 Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8. Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand. Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5. Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen, und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«

OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.

Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden, so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen seiner Leute ablaufen würde.

Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt, welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte, aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung der ganzen Armee errang.

Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien, von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und 70 Mann.

Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte, er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen. Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen, leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen. Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken, um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten, antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen, dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall) Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu spät.

Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,« sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3 Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.

Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des 25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an, dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete, den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte, in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben, im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde, fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig schlafen.

Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18 Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«

Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann, die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab, wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass geworden wäre.

»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« —

Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte, die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.

»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington, »obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; — aber nach ihren Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«

Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt, sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung. Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen waren. — Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die Waffen.

Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag. Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen. Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown. Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf 23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.

Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer und Entrüstung aufgenommen.

Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand, mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.

Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht, dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern, welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten. Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre, diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte, bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig. Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler, wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung seiner Untergebenen zu schreiben.

PLAN VON DER AFFAIRE,
welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000 Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter Oberst Rall stattfand.
—< Erklärung umseitig. >—

A. Trenton.
B.Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold).
C.Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.
D.Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.
E.1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen (Grothausen).
F.Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps vereinigten.
G.Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen wurde.
I.Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde.
K.Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der Feind sie stark besetzte.
L.Geschütze vom Regiment Lossberg.
M.Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim Regiment waren.
N.Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.
O.Angriff des Feindes vom Wald aus.
P.Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.
Q.2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.
R.Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.
S.Geschütze der Rebellen.
T.Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er seine Befehle gab.

Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden könnten.


[Kapitel IX.]