Der Winter 1777.

Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40 Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes, so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen.

Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird. Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks, wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«

Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich diese Szene vorzustellen — das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden.

Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht werden sollten.

Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.«

Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön, zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und ungezwungen waren.«

16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee, Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden eifersüchtig.«

Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt, zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde auftreten mussten.

Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.

Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte; aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen, wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass, als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen, wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte, marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert, während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele Vergünstigungen.

Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen. Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein. Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen und erhielten Verpflegung und Lohn.

So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben, überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen 3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt, bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7 Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu ergeben, anlockten.

Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten. Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire. Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs, welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen, einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten.

In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober. Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067 Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit, an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings »Hülfstruppen« I. S. 182).

Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3 Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von 2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.

Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen, schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte. Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her. Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete. Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen, hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte, dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte, dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7 Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen, heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«

Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum, denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten. Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken, bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.« In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach: »Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand, war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt. Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit. Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und 30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer mit zwei Andern plötzlich, um den ver letzten Offizier in Sicherheit zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut trotz aller Kugeln zurück.

Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende Geschichte:

»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war. Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben Feldzug mit sich zu nehmen.«

Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.

Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet, infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister. Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen sein, um ihn abzuberufen.

Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte, aus Kummer und Sorge.

Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war, während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei, auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16 Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88 Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am 14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000. Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals, auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.

Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität, angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit, unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.


[Kapitel X.]