Anmerkungen.

[1] Die Versicherung des Vrfs. (s. unten „Einleitung“, [S. 25]), daß er das von ihm mitgeteilte Wortmaterial aus eigener praktischer Kenntnis und „nicht aus Büchern“ geschöpft habe, erscheint im allgemeinen gewiß glaubwürdig. Immerhin hat er aber bei der Zusammenstellung und Bearbeitung des Stoffs auch wohl einige Bücher zur Hand gehabt, wie sich denn z. B. die Benutzung von Rich. Liebichs Schrift „Die Zigeuner in ihrem Wesen und ihrer Sprache“ (Leipz. 1863) an mehreren Stellen (bes. auch der „Einltg.“) nachweisen läßt. S. Näh. in m. Anmerkgn. zur „Einltg.“; vgl. auch in dieser „Vorbemerkg.“ weiter unten [S. 16] ff.

[2] Aus der Überschrift ist dies übrigens nicht ersichtlich. Ich habe daher in meinen „Beiträgen zum Rotwelsch“ usw. (im „Archiv“, Bd. 33, 38 ff.) — in Übereinstimmung mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, 6. Aufl. (1914), S. 503, Anm. 3 — dieses Zigeuner-Vokabular unter Jühlings Namen zitiert und halte daran der Gleichmäßigkeit halber auch in der vorliegenden Arbeit fest. — Über Aufsätze Wittichs in einer anderen Zeitschr. s. noch Groß, a. a. O., S. 511, Anm. 2 a. E.

[3] Zu der Nr. 25 der Sprachproben („Dächlespflanzerulme“) war vom Verf. bemerkt, daß „in dieser Skizze ... fast alle Wörter der jenischen Sprache enthalten“ seien. Gerade hier mußte ich aber — aus den im Text genannten Gründen — Kürzungen vornehmen.

[4] Die in Nr. 1 u. 2 von W. mitgeteilten „Schnadahüpfel“ stimmen z. B. nach dem Inhalt und zum Teil auch nach der Form fast ganz mit einigen „Strophen aus Jauner-Liedern“ überein, die den „Schmusereyen“ im W.-B. des Konstanzer Hans (1791) angehängt sind (s. Kluge, Rotw. I, S. 260).

[5] Es soll nämlich herstammen vom hebr. jânâ(h) = „übervorteilen, überlisten“, das auch als das Stammwort von „Gauner“ angesehen wird. Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 5 vbd. mit Weigand, W.-B. I, Sp. 632 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 490

[6] In dem m. W. frühesten Beleg des Wortes (näml. in der Wiener Kellnersprache 1714 [176]) erscheint es allerdings noch in speziellerem Sinne („eine gewisse Redensart“ [d. h. Sprechweise] der Wiener Kellner, „welche sie die jenische Sprache nennen“), aber schon wenige Jahre später (in der Dillinger Liste 1721 [182]) findet sich — wie der Zusammenhang ergibt — „jenische Sprache“ für die Gaunersprache gebraucht, und noch deutlicher läßt dies die Ludwigsburger Gesamtliste 1728 erkennen (198: „Jaunerisch oder Jenisch“). Weitere Belege sind dann: Hildburghaus. W.-B. 1753 ff. (235); Bierbrauer 1753/58 (242); Sulzer Zigeunerliste 1787 (251: „Die Sprache der Jauner, die Jenische Sprache genannt“); W.-B. des Konst. Hans 1791 (252: „Die Jauner- oder Jenische Sprache“; vgl. 258: sie [die Gauner] schmusen auf Jenisch = „sie reden auf ihre Sprache“); Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (260-262); Schöll 1793 (268); Schintermicherl 1807 (288: „Die sog. jennische Sprache“); Reichsanzeiger 1810 (290: jännisch); Pfister 1812 (301: kochemer Lohschen = jenische Sprache); v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 (310: „die eigentlichen Gauner, Jenische [oder Romanische] Leute“); Brills Nachrichten 1814 (314); Christensen 1814 (315, 316); Falkenberg 1818 (333, im Titel); Stradafisel 1822 (356: „in der jännischen oder sog. Diebessprache“); v. Grolman 30 u. T.-G. 95 (jenisch = gaunerisch, den Gaunern und ihren Vertrauten eigen; jenische Sprache = Gaunersprache); Wenmohs 1821 (358); Eberhardts Poliz.-Nachrichten 1828 ff. (364: „Die sog. Jenische oder Kochemer Sprache“); Pillwein 1830 (365: „Die sog. Jähnische Sprache“); v. Train 1832 (366, im Titel: „... Gauner- u. Diebs-, vulgo Jenische Sprache“); Karmayer 86-88 u. 158 (jendig, jenisch [auch innig] = gaunerisch, rotwelsch [innig noch bes. = der jenischen Sprache kundig]; jenig, jenisch, der jenische Stand = alle der jenischen Sprache kundigen Gauner, Diebe und Räuber; jen(d)ig oder jendisch parlen = jenisch reden); Castelli 1847 (340); Fröhlich 1851 (399: jênisch = gaunerisch, spitzbübisch, auch klug [in dieser Verallgemeinerung hier zum ersten Male; vgl. die gleichsam umgekehrte Bedeutungsentwicklg. von kochem, Kochemer (= Gauner) vom hebr. châkâm = „klug, gescheit“, „der Kluge, Gescheite“ (s. Günther, Rotwelsch, S. 5, Anm. 3 u. S. 17; Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2)]; daher: jênische Leute = kluge, gescheite Leute); A.-L. 551 (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch, Gauner; jenische Leut = kluge, gescheite, mit Gaunern einverstandene Leute, Gauner; jenisch kacheln [= kohlen] = in der Gaunersprache reden); Wiener Dirnenspr. 1886 (417: jenisch = klug, gaunerisch); Lindenberg 185 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren); Klausmann u. Weien X (jenisch = klug, gescheit, gaunerisch; jenische Leute = kluge, im Gaunertum erfahrene Leute, mit denen man sich einlassen kann); Groß 470 (jenisch = klug, gescheit, Gauner; jenisch kacheln = Gaunerspreche reden) u. E. K. 42 (innig = einer, der Rotwelsch kann und überhaupt mit dem Gaunerwesen vertraut ist); Pollak 217 (Jenisch = Gaunersprache); Rabben 66 (jenisch kacheln = in der Gaunerspreche reden); Ostwald (Ku.) 71 (jenisch = klug, im Gaunertum erfahren; vgl. 72: jenisch kacheln = die Gaunersprache reden).

[7] So definiert H. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 93 den Begriff „jenisch“ grundsätzlich durch „wer oder was zu Landfahrern u. dergl. gehört“, und ähnlich sagt Ostwald (Ku.) 71: „Jenisch sind alle fahrenden Leute, die nicht vom Sinde (s. [Ku.] 143) abstammen, d. h. keine Zigeuner sind“. Dazu: jenischer Adel = „Landfahrer, Vagabunden“ (bei Fischer, a. a. O. Sp. 93). Daß auch die Kundensprache „jenische Sprache“ genannt wird, erklärt Ostwald (Ku.) 71 zwar für „irrtümlich“, doch hat er selber (Ku. [72]) die etwas engere Bezeichnung Jenisch-Tippern — im Anschluß an Ku. 11 (422) — durch „Kundensprache“ wiedergegeben.

[8] S. dazu näh. Angaben bei Fischer, a. a. O., Sp. 93. Die Bezeichnung von Hausierer- und Händlersprachen als „Jenisch“ findet sich ausdrücklich z. B. auch bei Kluge (Rotw. I, Sp. 476 ff., 490), W. Zündel in d. Württembg. V.-J.-Heften für Landesgesch., N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff. u. R. Kapff in der Z. f. deutsche Wortforschg., Bd. X (1908/9), S. 213 ff., 216.

[9] Schon A.-L. IV, S. 165 hat richtig erkannt, daß in dieser Quelle besonders „der schwäbische ... Dialekt ... überall stark hervor“tritt.

[10] Vgl. dazu auch schon oben [S. 3], [Anm. 4].

[11] S. dazu Näh. bei Günther, Rotwelsch, S. 7. Andererseits ist bekanntlich gerade im schwäbischen Gebiet auch die erste erfolgreiche Bekämpfung des Gaunertums (durch Männer wie den berühmten „Malefiz-Schenk“, den Oberamtmann Schäffer u. a. m.) eingeleitet worden. S. darüber Näh. jetzt bes. bei E. Arnold in Groß’ Archiv, Bd. 54 (1913), S. 80 ff., 84 u. Anm. 1; vgl. auch Bd. 53, S. 121 ff.

[12] S. den (von mir mit Erläuterungen versehenen) Aufsatz von H. Weber, „Die Lingelbacher Musikantensprache und die Geheimsprache der Vogelsberger Maurer“, in den „Hess. Blättern für Volkskunde“, Bd. XI, 2. Heft (1912), S. 130/31.

[13] Vgl. Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl., Leipzig 1910), S. 71.

[14] Beachtenswert ist in dieser Hinsicht, daß manche Händler, z. B. in der Pfalz und in Franken für ihren (bes. stark mit Judendeutsch durchsetzten) Jargon die Bezeichnung Lôchne-kôdesch (so in der Pfalz [s. Kluge, Rotw. I, S. 438]) oder Lotekhôlisch (so in Franken [s. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III (1902), S. 121 ff.]) haben (vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 220, Anm. 2), die nichts anderes ist als eine Entstellung aus dem jüd. loschon (ha-)kodesch = die „Sprache der Heiligkeit“ oder „heilige Sprache“, d. i. das Hebräische. S. Landau in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. III, S. 319 vbd. mit A.-L. III, S. 53 u. IV, S. 399; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1293. In der schwäb. Händlerspr. (482) bedeutet lotekorisch nur „jüdisch.“ Das Wittichsche Jenisch kennt den Ausdruck (auch dafür) nicht.

[15] Über die Etymologie dieser Wörter s. das Näh. in den Anmerkgn. zum W.-B. selbst (unter den betr. deutschen Bedeutgn.).

[16] Nur substantivisch gebrauchte Eigenschaftswörter, wie Dof = Glück, Pracht (eigtl. dof = gut) — bzw. nobis Dof = Trübsal (eigtl. = nicht gut), Molum = Rausch (eigtl. m. = berauscht) u. Schofel = Gefahr, Not, Schmach (eigtl. sch. = schlecht) sind nicht hier, sondern unter den Eigenschaftswörtern (lit. c) aufgeführt worden. Ebenso ist für die substantivischen Ableitungen von Adjektiven (wie z. B. Schofelei = Unglück, Schoflerei = Gericht von schofel) oder von Zeitwörtern (wie etwa Kasperer = Betrüger von kaspere, Schmuser = Schwätzer von schmusen u. Schwäche = Viehtränke, Schwächerei = Trank, Trinkgelage von schwächen) auf die Rubriken b u. c zu verweisen.

[17] Mit Ausnahme bloßer Ableitungen von (den unter a genannten) Hauptwörtern, wie z. B. eidofema = einkerkern (von Dofes), a(n)kluften, aus-, verkluften = ankleiden, ausziehen, verkleiden (von Kluft), kohlen = belügen, betrügen (von Kohl), schenegeln = arbeiten (von Schenagel), schurele = begatten und in Zus. mit Präpos, für sehr verschiedene Begriffe gebr. (von Schure) u. a. m.

[18] Über substantiv. Ableitungen hiervon s. schon [S. 7], [Anm. 16] a. E.

[19] Bloße Ableitungen von Hauptwörtern, wie scheneglich = fleißig von Schenagel), schmelemerisch = zigeunerisch (von Schmelemer), oder von Zeitwörtern, wie begerisch = sterblich, krank (von begeren), diberich u. schmusich = gesprächig (von diberen u. schmusen), sind hier nicht berücksichtigt worden.

[20] Über den Gebrauch von dof, molum, schofel als Substantive s. schon oben [S. 7], [Anm. 16]. — Auch begerisch (s. [Anm. 19]) kommt als Hauptw. (= Siechtum) vor.

[21] Die in Klammern gesetzten Vokabeln halte ich persönlich nicht (od. doch nicht in erster Linie) für hebräischer Herkunft. Näh. s. in den betr. Anmkgn. zum W.-B.

[22] Bloße substantivische Ableitungen von (den unter b genannten) Zeitwörtern (wie etwa Bascher = Käufer, Dercher = Bettler, Sichere = Küche u. a. m.) sind hier außer Betracht geblieben.

[23] Ausgenommen solche, die (wie z. B. kafleren = schlachten u. ei’leken = einkerkern) sicher oder (wie z. B. bosen [bosme] = lecken) vielleicht erst wieder von den unter a genannten Hauptwörtern (Kafler, Lek, Bos) abgeleitet sind. S. das Näh. in den einschläg. Anmerkgn. zum W.-B.

[24] Selbständige Eigenschaftswörter dieser Art sind nicht vorhanden. Für bloße adjekt. Ableitungen (wie z. B. dercherich = bettelhaft, dürftig von dem Zeitw. derchen) sei auf die Anmerkgn. zum W.-B. verwiesen.

[25] S. z. B. Patris = Vater, wohl auch g’want = anmutig u. dergl. (von quantum) und Ki(e)bes = Kopf (von caput) sowie nobis = nicht, das jedoch in erster Linie dem Italienischen zuzuweisen sein dürfte (s. das Näh. im W.-B. unter „Dietrich“), ebenso wie Vergondert = Konkurs und bosten = gehen (vermittelt durch unsere Lehnwörter Gant und Post). Auf ältere Lehnwörter aus dem Lateinischen gehen vermutlich noch zurück Kolb = Pfarrer und Sins = Herr (s. das Näh. im W.-B. selbst), während zu durme = schlafen, ruhen, liegen wohl zunächst das Französische (dormir) heranzuziehen sein dürfte. Vgl. auch die Latinisierungen auf -us bei Wörtern deutscher oder fremder Herkunft (wie Bikus = Essen, Rochus = Zorn).

[26] S. für das Französische: Bommerling = Apfel (von pomme), Mamere = Mutter(= „ma mêre“), Scharrisele = Kirschen (von cerises), ferner Feneter = Fenster und Furschet = Gabel (die Wittich in seiner „Einltg.“ beide unter den Zigeunerwörtern aufgeführt hat; s. dort in den Anm. das Näh. dazu). Über durme s. schon die vorige Anm. Das Zeitw. baschen = kaufen (vgl. oben [S. 9]) — vielleicht vom französ. passer — kann auch dem Italienischen (passare) zugeteilt werden. Mehr vom ital. grande als vom französ. grand beeinfußt worden ist ferner wohl grandich = groß usw. In erster Linie italien. Herkunft sind endlich nobis (s. oben [Anm. 25]) und Strade = Weg, Straße. Über Fehte = „Quartier“ s. das W.-B. unter „Hauswirt“. Über Vergondert und bosten vgl. oben [Anm. 25].

[27] Auf das Slawische (Polnische) nämlich: sicher Rawine = Leiter (nur vielleicht auch Bauser = Angst bezw. bausen = fürchten und Stöber = Baum); s. das Näh. im W.-B. unter „Leiter“, „Angst“ und „Apfelbaum“; auf das Nordische (Schwedische usw.): Fehma = Hand (und vielleicht auch [das damit wohl zusammenhängende] Zeitw. febern = schreiben); s. das Näh. im W.-B. unter „Hand“ und „abschreiben“.

[28] Hingewiesen sei bes. auch noch auf die fast ganz mit dem Rotwelsch übereinstimmende Bildung der Standes- und Berufsbezeichnungen, namentlich in der Form von Zusammensetzungen mit gewissen substantisierten Tätigkeitsformen, wie Pflanzer (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 12 ff.) — so z. B. Funkpflanzer = Heizer, Schrendepflanzer = Zimmermann — und Schenegler (vgl. Archiv, Bd. 46, S. 304ff.) — so z. B. Bichschenegler = Münzarbeiter, Hitzlingschenegler = Ofensetzer — oder mit selbständigen Hauptwörtern mit der Bedeutung „Mann“ („Herr“, „Kerl“, „Bursche“ u. dergl.) bezw. — für weibl. Personen — „Frau“ („Mädchen“), wie Kaffer (vgl. Archiv, Bd. 48, S. 328 ff.), Gadscho (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 331 ff.), Sins (vgl. Archiv, Bd. 38, S. 270), Benk (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.), Freier (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.), Fiesel (vgl. Archiv, Bd. 50, S. 157 ff.) oder (für weibl. Pers.) Moss und Model (vgl. Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.). Beispiele: Leilekaffer = Nachtwächter, Rädlingskaffer = Fuhrmann; Begergadscho = Leichenbeschauer; Begersins = Arzt, Sturmkittsins = Ratsherr; Rattebenk = Nachtwächter, Stradebenk = Straßenwärter; Fehtefreier = „Quartierbursche“; Verkemersfiesel = Handelsbursche, Sicherfiesel = Koch; Deiselmoss = Hebamme, Begermoss = Leichenfrau; Galmamodel = Kindermädchen usw.

[29] Ausnahmen, wie z. B. die dem Rotwelsch entlehnten, ursprünglich dem niederd. Sprachgebiet angehörenden Vokabeln Buxa(-e) = Hose u. schlummere = liegen (eigtl. „schlafen“, arg.: Schlumerkitt = Herberge) oder wie Strauberts = Haare, das wohl mit dem norddeutsch. Plural-S, wie in „Jungens“, „Mädchens“, versehen sein dürfte, bestätigen nur die Regel.

[30] Merkwürdig ist, daß zuweilen bei demselben Worte der Singular auf -leng, der Plural dagegen auf -ling gebildet worden, so z.B. bei Schmaleng = Katze u. Stupfleng = Igel.

[31] Mehrere ähnliche Beispiele enthält auch das Pleißlen der Killertaler (s. Kluge, Rotw. I, S. 435, 436).

[32] Dagegen ist die Endung -es (wie z. B. in Benges = Bursche u. dgl., dambes [eigtl. Rausch, dam = berauscht], Guf(f)es = Prügel) auch sonst im Rotw. u. den verw. Geheimsprachen bekannt (vgl. Pott, Zigeuner II, S. 33, Nr. 2), aber in den einzelnen Fällen wohl verschieden zu deuten (s. Pott I, S. 103, 104; vgl. auch Behaghel, Deutsche Sprache [5. Aufl. 1911], S. 308). Bei Guf(f)es erblickt Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 in -es die abgeschwächte hebr. Plural-Endg. -ôth.

[33] Auch sie ist (wie ebenfalls sonst in den Geheimsprachen) nicht nur an Wörter deutschen Stammes, sondern auch an solche fremder Herkunft angehängt worden (s. z. B. Käfferle, zu Kaffer [aus dem Hebr.]; Doberle = Beil, zu Dober = Axt, Gachnele = Küchlein, d. h. Hühnchen, zu Gachne = Henne, Huhn, u. Gaschele = Kinder, eigtl. „kleine Leute“, zu Gasche od. Gadsche = Leute, plur. von Gadscho = „Kerl“ [alle drei aus dem Zigeun.], Sinsle = Junker, zu Sins = Herr [vermittelt wohl durch e. latein. Lehnwort], Scharrisele = Kirschen [aus dem Französ.]). Im übrigen ist noch zu beachten, daß sie nicht immer bloß eine Verkleinerung gegenüber dem Stammwort bedeutet (wie dies z. B. allerdings der Fall bei Fi[e]sele od. Freierle = Junge, Knabe [zu Fi[e]sel, Freier = Bube, Bursche (Jüngling) bezw. fremder Bursche], Mössle = Jungfrau [zu Moss = Frau], Schmalerle = Kätzchen [zu Schmaler = Katze], Trabertle = Füllen [zu Trabert = Pferd] u. a. m.; vgl. auch noch Doberle = Beil [zu Dober = Axt; s. oben], Füchsle = Goldstück [zu Fuchs = Gold], Späusle = Splitter [zu Spraus = Holz]), sondern zuweilen den ursprünglichen Begriff auch vollständig verändert (s. bes. Schwächerle = Brust, Euter [aber Schwächer = Rausch, Trunkenheit], Krächerle = Nuß [aber Kracher = Wald]; vgl. auch Schurele u. Schure [worüber Näh. im W.-B. unter „abbiegen“] u. Hegesle = Knödel u. Heges = kleines Dorf [bei denen aber wohl kein gleicher Stamm zu Grunde liegen dürfte]). Eine Mittelstufe nehmen ein die Ausdrücke Kittle (zu Kitt = Haus), da es in Wittichs Vokabular sowohl „Gartenhaus“ als auch spezieller „Arrest, Gefängnis“ bedeutet (wie im Rotw. Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffer [s. oben]), das zwar „Junggeselle“ und „Greis“, aber auch den „männlichen Samen“ bedeutet [s. zu letzterer Bedeutg., die eine längere Erklärung erfordert, das Näh. in den Anm. zum W.-B. unter „Onanie treiben“). Manchmal findet sich endlich sogar nur die Verkleinerung als selbständiger Begriff, während ein entsprechendes unverkleinertes Stammwort (wenigstens im Jenischen) fehlt, so bei Dächle = (Regen-)Schirm, Räp(p)le = Mark, Scharrisele = Kirschen, Schuberle = Geist, Gespenst, Steinhäufle = Stadt, Stupfle = Dorn.

[34] Dieses Beispiel steht keineswegs etwa vereinzelt da; vgl. u. a. auch noch Krachersäftlingbrandling = Heidelbeerkuchen u. Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht.

[35] So z. B. Bereime u. Zeine (doch wohl beides eigtl. = bereime[n], zeine[n] = zahlen) = Zahlung, Dupfen (eigtl. = stechen) = Stich, Muffen (eigtl. = riechen) = Geruch, Glemsen (eigtl. = weinen) = Tränen und (mit interessanter Begriffsverengerung) Bleisgeren oder Pfreimen (eigtl. = zahlen) = Steuern.

[36] So z. B. Begert (eigtl. = gestorben) = Leiche, Verdibert (eigtl. = verraten) = Verrat, Vergondert (eigtl. wohl = „vergantet“, ausgepfändet, im Konkurs) = Konkurs, Vergrönt (eigtl. = verheiratet) = Ehe, Vermuft (eigtl. etwa = „verfault“, dann verarmt, heruntergekommen, bankerott) = Armut, Bedrängnis, Konkurs. — Übrigens kommen natürlich Partizipien auch für Adjektive vor (so z. B. begert = tot, gefebert [geschrieben] = schriftlich, grandich bikt [viel gegessen] = satt), u. außerdem sind dafür auch noch andere Zeitwortformen üblich, vgl. z. B. die satzartigen Umschreibungen: gneis nobis (eigtl. „[ich] kenne nicht“] = unbekannt, hauret nobis (eigtl. „[es] ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (eigtl. „[er, sie, es] stirbt nicht“) = unsterblich u. a. m.

[37] Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 63, Anm. 64.

[38] Beispiele: a) Gebrauch von Adjektiven für Substantive: Mit Flexion der Adjektive (also z. B. Wo[h]nischer = Katholik, nobis Dofs [d. h. eigtl. „nichts Gutes“] = Übel) kommt dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv erhoben worden, s. z. B. die schon oben [S. 7], Anm. 4, in anderem Zusammenhange erwähnten Wörter Dof (bezw. nobis Dof), Molum u. Schofel, für letzteres als Synon. auch Lenk, ferner Bauserich (eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, Begerisch (eigtl. krank) = Siechtum, Biberisch (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost, Dercherich (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, Grandich (groß) = Höhe, Gewalt u. a. m.; über Flu(h)tich = Nässe s. lit. b am Ende; über Stumpf = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) Gebrauch von Substantiven für Adjektive: schwächer (Rausch) u. dambes (eigtl. wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, kohl (Lüge) = verlogen, leile u. ratte (Nacht) = dunkel, schei(n) (Tag, Helle) = hell; vgl. auch flu(h)te = naß, während Flu(h)tich für „Nässe“ angeführt ist, wobei aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten (Schreibfehler?).

[39] Vgl. auch noch Lanenger (Soldat), sowohl = Infanterist wie Kavallerist („Husar“), Begerisch = Siechtum im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.

[40] S. daselbst auch über das — gleichfalls eine Art Aushilfsfunktion versehende — von Schure abgeleitete Zeitw. schurele (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. pflanzen.

[41] Die zigeunerischen Ausdrücke sind im folgenden ausschließlich nach dem Werke von R. Liebich über die Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren Wörterbüchern (vgl. unten [S. 22]) keines eine deutsch-zigeunerische Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen, ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.

[42] S. Näh. noch im W.-B. unter „Amtmann“. Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im Wittichschen Jenisch, wonach über grandicher (als Komparativ aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) grandich — als Superlativ — steht, so daß z. B. grandich Sins mehr als grandicher Sins, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter „Bischof“), ist der Zigeunersprache unbekannt.

[43] Noch weitere Verbindungen dieser Art mit grandich s. im W.-B. in der Anm. zu „Adler“.

[44] Außer Verbindungen von Haupt- und Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von mehreren Hauptwörtern, wie z. B. Patris und Mamere (zigeun. o dad te i dai), d. h. „Vater und Mutter“ = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für (im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. Flu(h)te bostet mer herab (zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. „(das) Wasser läuft mir herab“ = ich schwitze.

[45] Weitere Bezeichnungen dieser Art für Vögel s. im W.-B. unter „Adler“. Auch dem oben ([S. 16]) erwähnten Spronkert-Flössling = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho, d. h. „gesalzener Fisch“.

[46] Über den als Wortspiel zu betrachtenden Ausdruck Sprauskritzler (zig. [u. a. auch] gaschtĕno lil), d. h. „Holzbrief“ = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum W.-B. — Über den Einfluß des Aberglaubens, besonderer Gebräuche usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter „Bachstelze“ und „Löwenzahn“.

[47] So heißt z. B. das Aas im Jensichen mufiger Bossert od. Mass (d. h. „stinkendes Fleisch“), im Zigeun. mulo mass (d. h. „totes Fleisch“), der Pfau im Jenischen Dofefläderling (d. h. „schöner Vogel“), im Zigeun. (u. a. auch) gisĕwo tschirkŭlo (d. h. „stolzer Vogel“), die Wanze im Jenischen Mufkenem (d. h. „Stinklaus“), im Zigeun. platti oder lōli tochūw (d. h. „platte oder rote Laus“), der Mond im Jenischen Leileschei (d. h. „Nachtlicht“), im Zigeun. rattískĕro kamm (d. h. „Nachtsonne“), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch) lenker oder schofler) Kritzler (d. h. „schlechter [böser] Brief“), im Zigeun. (u. a. auch) gālo lil (d. h. „schwarzer Brief“) usw.

[48] So heißt z. B. im Jenischen der Adler grandicher Flederling (d. h. „großer Vogel“ [vgl. oben [S. 16]]), im Zigeun. dagegen dui menakro tchírkŭlo (d. h. „der doppelhalsige Vogel“, und zwar nach Liebich, S. 146 wahrscheinlich deshalb, „weil dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen Wappenschilde begegnet ist“), weiter die Tanne im Jen. Jahre- oder Kracherstöber (d. h. „Waldbaum“), im Zigeun. dagegen mellĕlo ruk (d. h. „schwarzer Baum“), der Diamant im Jen. dofer Kies (d. h. „schöner Stein“), im Zigeun. dikkapáskĕro parr (d. h. „durchsichtiger Stein“), der Backstein im Jen. Kittleskies (d. h. „Hausstein“), im Zigeun. chadschēdo od. lōlo parr (d. h. „gebrannter“ od. „roter Stein“), der Bleistift im Jen. Feberschure (d. h. „Schreibding“), Im Zigeun. geschtĕno pōr (d. h. „hölzerne Feder“) usw.

[49] Vgl. z. B. grandich Sins (eigtl. „größter Herr“) = König (s. oben [S. 17], [Anm. 42]), zig. (meist) kralo, grandiche Gachne (eigtl. „große Henne“) = Hahn, zig. paschno(-lo) od. pussin, Schofeleiflederling (eigtl. „Unglücksvogel“) = Rabe, zig. korāko, grandich Flu(h)te (eigtl. „großes [od. größtes] Wasser“) = Meer, zig. sēro, grandiche Kitt (eigtl. „großes Haus“) = Hof, zig. medrīa, dofe Kitt (eigtl. „schönes Haus“) = Schloß, zig. filĕzzin, dofer Schmunk (eigtl. „gutes Fett“) = Butter, zig. kīl u. a. m.

[50] Über Bommerling konnte dagegen das Erforderliche schon unter „Apfel“ angegeben werden, da ja das einfache Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.

[51] Und zwar sind diese Aufzählungen der Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in der Form „Deutsch-Jenisch“ — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge der deutschen Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.

[52] Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor dem Stammworte findet, ist das letztere dort mitbehandelt worden, so z. B. Schure unter „abbiegen“ (= abschurele) u. nicht erst unter „Achsel“, wo Schure zum ersten Mal selbständig auftritt, Funk = Feuer unter „abbrennen“ (abfunken), Ruadel = Wagen unter „abfahren“ (abruadlen), das Zeitw. muffen = riechen, wie schon im Text bemerkt worden, unter „Aas“ (= mufiger Bossert od. Mass) usw.

[53] Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in Eningen (einem von Kluge, Rotw. I, S. 479 ff. nicht berücksichtigten Orte) vorkommen. Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden (zitiert: Eningen [S. 206, Anm. 1]).

[54] Zu dieser Definition des Begriffs „Gaunersprache“ durch Wittich vgl. Günther, Rotwelsch, S. 2 und Anm. 1 vbd. mit H. Groß, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447 u. Anm. 2.

[55] Etwas weiter unten hat der Verf. aber doch seine Ansicht hierüber in ziemlich bestimmter Form geäußert. Vgl. dazu Anm. [58] auf [S. 23].

[56] S. dazu Näh. im Vokabular unter „fahrende Leute“.

[57] Diese Behauptung dürfte dahin zu berichtigen sein, daß umgekehrt der Begriff „jenische Sprache“ der geschichtlich früher auftretende gewesen ist. Vgl. dazu Näh. oben in meiner „Vorbemerkung“, [S. 4] und Anm. [6].

[58] In der Fassung dieses Satzes hat sich der Verf. sehr eng an die Ausführungen angeschlossen, die Liebich, Die Zigeuner, S. 114 über das Verhältnis der sog. Standes- oder Berufssprachen zur Gaunersprache gegeben hat.

[59] Auch dieser Satz stimmt fast wörtlich mit dem überein, was Liebich, a. a. O., S. 114, 115 über das Verhältnis der Zigeunersprache zur Gaunersprache bemerkt hat. — Der Sache nach ist das von Wittich Gesagte übrigens unlängst auch von W. Zündel in den „Württemb. V.-J.-Heften für Landesgeschichte“ usw., N. F. Bd. XIII, S. 205 bestätigt worden. („Auch weist der richtige Zigeuner einen Stammesgenossen, der ihm gegenüber jenische Kenntnisse verwerten will, zurecht: goi dig hawo jenari, d. h. ‚sieh da, was für ein Jenischer‘“.)

[60] Auch hierbei zeigt sich Anschluß an Liebichs ähnliche Bemerkungen über die Zigeunersprache (a. a. O. S. 118).

[61] Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln ist hebräischen Ursprungs (vgl. schon m. „Vorbemerkung“, [S. 9]). Während für Bomm = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen teils Wörter eines anderen Stammes eingetreten (so für abgeholcht, holchen, Jamm, mich kohlert, malochen, Mogumle, Palar), teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der Form geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für Baiser, Mahlbosch, schornen). Als doch nicht völlig veraltet erscheinen nach dem Vokabular selbst: Fehma = Hand und Schofelkitt = Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter „Arrest“); zopfen ist zwar im Wörterbuch für „stehlen“ nicht erwähnt, dagegen findet es sich unter „erwischen“ sowie in der Zusammensetzung herauszopfen = herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete Subst. Zopferei = Diebstahl. Auch Schücksel für „Mädchen“ fehlt im W.-B., aber unter „Hure“ ist die Verbindg. schofle Schüx (also unverkleinert) angeführt. Daß Mochum (statt des älteren Mokem) noch jetzt sowohl „Stadt“ wie „Dorf“ bedeuten soll, ist aus dem Glossar nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form Mocham) nur unter „Dorf“ — nicht auch unter „Stadt“ — aufgeführt ist. Das vom Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte Rawine = Leiter habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form und Bedeutung auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis von Wittich selber nicht mit aufgenommene veraltete oder in der Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten [S. 28]) noch besondere Bemerkungen gegeben.

[62] Das Stammwort holchen (= gehen) findet sich (in dem bes. verwandten Quellenkreise) schon im Dolm. der Gaunerspr. 92, ferner im W.-B. des Konst. Hans 255 (= laufen, springen; vgl. 260: abg’holcht), bei Schöll 271, 272 (= laufen, gehen) u. im Pfulld. J.-W.-B. 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 (hulchen = springen). Zur Etymologie des (schon bei G. Edlibach um 1490 [20] in der Form alcha bezeugten) Wortes (vom hebr. hâlak) sowie über weitere Belege s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.

[63] S. Näh. im W.-B. unter „davongehen“.

[64] S. Näh. im W.-B. unter „Gasthaus“.

[65] Übereinstimmend schon: Dolm. der Gaunerspr. 99 u. W.-B. des Konst. Hans 256; im Pfulld. J.-W.-B. 346: Bum u. noch in der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 75: Pumps (od. Pummerkessel). Zur Etymologie (Abkürzung nach den Anfangsbuchstaben von Bores-Medine u. ähnl. [d. h. „Land der Kühe“] aus hebr. pârâ[h], jüd. pôrô = „Kuh“ und medînâ[h] = „Landschaft, Gerichtsbezirk, Provinz“) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter „Pumser“) u. Anm. 1.

[66] S. Näh. im W.-B unter „Hand“.

[67] S. im W.-B. unter „Daumen“.

[68] Vgl. oben [Anm. 62].

[69] S. im W.-B. unter „abgehen“.

[70] Übereinstimmend schon: Dolm. der Gaunerspr. 100, W.-B. des Konst. Hans 256, 257 u. Schöll 271; vgl. Pfulld. J.-W.-B. 339 (Jum [wie auch schon im Basl. Gloss. v. 1733 [202]). Dagegen hat auffälligerweise in der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u. Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. Rabben 65 u. Ostwald (Ku.) 71]) das Dimin. Jämchen (od. Jem[m]chen) die Bedeutung „Jahr“ (daher z. B. ein Jemmchen abreißen = ein Jahr im Gefängnis zubringen [Ostw., a. a. O.]). Zur Etymologie (vom hebr. jôm = „Tag“) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter „Jomschmi[e]r[e]“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter „Jam“), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei Jämchen keine Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Verquickung von Jamm = Tag mit Jann = Jahr (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl. Näh. im W.-B. unter „alljährlich“), vielleicht aber als bloße Entstellung des Auslauts von „Jahr“ anzusehen ist. Auf gleiche Weise könnte ev. auch Jämchen selber entstanden sein.

[71] S. Näh. im W.-B. unter „alltäglich“.

[72] S. dazu schon Dolm. der Gaunerspr. 94 (es kollert mich = es hungert mich); W.-B. des Konst. Hans 258 (es kohlert mi); vgl. auch Schöll 272 (Koler = Hunger, kolerig = hungrig); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (Kolter = Hunger; kolderig = ausgehungert, kolterik = hungrig). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter „koldere[n]“), vbd. mit Sp. 575 (unter „kolderig“) und Sp. 574 (unter „Kolder“) dürften die Vokabeln in Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. cholera = „Galle“, wozu auch das nhd. „Koller“ gehört (vgl. darüber Weigand, W.-B. I, Sp. 1095/96). Dagegen ist in Kohldampf u. ä. = Hunger (vgl. Schütze, S. 75, 76), das auch der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. (71) sowie der pfälz. u. schwäb. Händlerspr. (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. Fischer, a. a. O., Sp. 574; vgl. auch Weber-Günther, S. 191.

[73] S. im W.-B. unter „Abendessen“.

[74] S. unter „Frauenrock“.

[75] Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung nur aufzufassen als eine Kürzung von schiebes malochen (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im W.-B. des Konst. Hans vorkommt (258: Jetzt maloch i’ schiabes = jetzt gehe ich fort). Zur Etymologie von malochen (aus dem hebr. melâ’kâ[h] = „Arbeit, Verrichtung“) s. Groß’ Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.

[76] S. über schiebes: oben [S. 26], [Anm. 63], über bosten: oben [S. 26], [Anm. 69].

[77] S. unter „Dorf“.

[78] S. unter „Stadt“.

[79] Übereinstimmend hiermit hat schon das W.-B. des Konst. Hans 256, 257 (in den „Schmusereyen“) Palar u. Balar = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur Ballar anführt, das auch der Dolm. der Gaunerspr. 91 hat; ganz ähnlich ferner Schöll 272 u. das Pfulld. J.-W.-B. 339 (Balar) sowie andere Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. Grolman 5 u. T.-G. 90). Die Etymologie bleibt (nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 581) „unklar“. Einen Zusammenhang mit dem für „Wald“ vorkommenden kundensprachl. Ballat (s. z. B. Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder Ballert (s. dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu gewagt.

[80] S. Näh. unter „Bauerndorf“.

[81] S. Näh. unter „Abort“, „arg“ und „Arrest“.

[82] S. im W.-B. „Arrest“, vgl. auch „Gefängnis“ und „Zuchthaus“; unter letzterem Wort ist jedoch Dofes nicht angeführt.

[83] S. unter „ausstehlen“.

[84] S. Näh. unter „Hure“.

[85] S. unter „Beischläferin“.

[86] S. unter „Diebstahl“.

[87] S. unter „anfassen“.

[88] S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.

[89] S. Näh. im W.-B. unter „Branntwein“ und „Apfelwein“. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das Pfulld. J.-W.-B. (338 u. 346).

[90] S. Näh. unter „Bürgermeister“.

[91] Mit dieser Bedeutungserweiterung ist das Jenische wieder zu dem Begriffe des hebr. Stammwortes zurückgekehrt; s. schon oben „Vorbemerkung“, [S. 5], [Anm. 8]; vgl. auch das W.-B. unter „besonnen“.

[92] Zwis = zwei haben schon der Dolm. der Gaunerspr. 102, das W.-B. des Konst. Hans 256, 257 u. das Pfulld. J.-W.-B. 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits der Niedd. Lib. Vagat (78) kennt die Form swis. Vgl. dazu Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in dem schwäb. Quellenkreise bekannte) Zahlwort tribis oder dribis = drei.

[93] Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß ich es nach dem „deutsch-jenischen Wörterbuche“ (sowie nach einzelnen Stellen von Wittichs „Einleitung“) noch vervollständigt habe (es fehlten in ihm ursprünglich die Wörter Bellel, Gib, Loli [Lolo], Maro, Rat, schornen und Tschai); nicht darin aufgenommen sind dagegen die bloßen Ableitungen bogelich = gierig, lubnen = huren, matschen = fischen u. Matscher = Fischer (s. oben [S. 9]) sowie solche Vokabeln, bei denen nur vermutungsweise auch zigeunerischer Ursprung angenommen werden könnte (wie z. B. bei Ki[e]bes = Kopf [s. Näh. unter „Angesicht“), Kritsch = Bürgermeister [s. d.] u. Toberich = Tabak, auch Pfeife [s. d.]). Zu Feneter u. Furschot ist zu sagen, daß sie zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter „Fenster“ u. „Gabel“), eigentlich aber natürlich, aus dem Französischen herstammen, von dem sie ev. auch direkt entlehnt sein könnten (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 10], [Anm. 26]). Lomel = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter „Klinge“). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der Wörter Bogeia u. Dibolde (statt zigeun.: Gogeia u. Bipolte) s. d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.

[94] Da Wittich die Zigeunerwörter durchweg in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch Jühling in Groß’ Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen „alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache“ (vgl. „Vorbemkg.“ [S. 2], [Anm. 2]) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben [Anm. 93]) ebenfalls danach angeführt.

[95] S. das deutsch-jenische W.-B. unter der deutsch. Bedeutg.

[96] S. das W.-B. unter „Eber“.

[97] S. das W.-B. unter „anzahlen“.

[98] S. unter „Barchent“.

[99] S. „Appetit“.

[100] S. „anfragen“.

[101] S. „Axt“.

[102] S. „Abort“.

[103] S. „Hahn“.

[104] S. „Glied (männliches)“.

[105] S. „Kerl“.

[106] S. „Dietrich“.

[107] S. „Abendessen“.

[108] S. „Beinkleid“.

[109] S. „Mastpulver“.

[110] S. „Bank“.

[111] S. „Klinge“.

[112] S. „Beischläferin“.

[113] S. „Aas“.

[114] S. „Erdäpfel“.

[115] S. „Abend“.

[116] S. „ausstehlen“.

[117] Über das fem. Romane s. Näh. im W.-B. unter „Frau“.

[118] An einer anderen Stelle der „Einleitung“ hatte der Verf. auch die heute in der „jenischen Sprache“ veraltete Vokabel tschi = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. Dolm. der Gaunerspr. 94, W.-B. des Konst. Hans 255, 256 [t’schi] u. Pfulld. J.-W.-B. 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck tschi = nicht(s) (nein) (vgl. Pott I, S. 274, 323; Liebich, S. 164, 225 [tsi, tschi = nicht, nichts]; Miklosich, Beiträge l/II, S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [či = nicht(s)]; Finck, S. 91 [tši = nicht]), das auch in die schwäbische Händlersprache eingedrungen ist (s. U. [214]: tschi = nein). Danach würde es sich dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog. Enantiosemie, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade Gegenteil (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es dürfte jedoch richtiger sein, mit Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 das italienische si (dial. ši [spr. schi]) = „ja“ (das auch in deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. Lexer, Kärnt. W.-B., Leipz. 1867, S. 216: schi = ja]) als die Quelle zu vermuten.

[119] a) Über die Analogie in der Zigeunerspr. (mulo mass, eigtl. „totes Fleisch“ [s. Liebich, S. 147, 171]) vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]. Das Adj. mufig od. muffich = stinkend gehört zu dem Zeitw. muffen = riechen („schmecken“), stinken; vgl. auch die Verbdgn. dof muffen (eigtl. „gut riechen“) = duften u. Toberich muffen (eigtl. „Tabak riechen“) = schnupfen (vgl. „Pfeife“). Eine Zusammensetzg. mit dem Stamme (muff-) des Zeitworts ist Muffkenem = Wanze (eigtl. „Stinklaus“; vgl. über Analogie im Zig. „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 47] u. Näh. unter „Wanze“ bezw. „Filzlaus“). Als Subst. gebraucht ist Muffen = Geruch. Weitere Ableitungen sind: Muffer (eigtl. „Riecher“) = Nase (vgl. dazu Mufferhorboge, eigtl. „Nasenkuh“ = Nashorn [s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“ [S. 18]]) und Mufferei = Gestank, Witterung (daher: begerische Mufferei = Totengeruch; vgl. Näh. unter „absterben“). Ein Zeitw. vermuf(f)en setzt voraus das Partizip vermuft, eigtl. = verfault, dann (im übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen, bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. Zu vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Muffer = Nase); Schöll 271, 272 (muffen = riechen, Muffer = Nase); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 342, 343 (muffen = riechen, Muffer = Nase); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (Muffer = Nase, vermuft = bankerott, in Pfedelb. [210, 212] auch: muffen = riechen und Muffert = Mist, in Lütz. [215]: muffen = riechen, vermuffen = im Spiel verlieren u. Muffnagel = Zigarre, in Degg. [215]: Mufferling = = Schnupftabak). Zur Etymologie (von dem deutsch., mundartl. weit verbreiteten Zeitw. muffen = „übel, insbes. nach Moder oder Fäulnis riechen“ bezw. d. Adj. muffig od. mufficht) s. Pott II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp. 2623 (unter „Muff“, I, Nr. 3), Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff. u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch Weigand, W.-B. II, Sp. 326.

b) Bossert = Fleisch (auch speziell „Wellfleisch“), Braten, erscheint sehr beliebt in allerlei Zusammensetzgn. (oder Verbindgn.) und zwar bes.: α) ans Ende gesetzt, so: aa) für die Fleischarten nach den verschiedenen Tieren, wie: Babingbossert = Gänsefleisch (gesicherter Strohbutzerbossert = Gänsebraten), Kibe(n)bossert = Hundefleisch, Stupflengbossert = Igelfleisch, Schmalerbossert = Katzenfleisch, Horbogebossert = Kuh- oder Rindfleisch, Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Trabertbossert = Pferdefleisch, Groenikelsbossert = Schweinefleisch; ferner bb) für die Art der Zubereitung: eingespronktes Bossert = Pökelfleisch, Hitzlingbossert = Rauchfleisch, Spronkertbossert = Salzfleisch, Schwäzlingbossert = Schinken, Schmunkbossert = Speck, Rondlingbossert = Wurstfleisch; cc) für menschl. Körperteile: Näpflingbossert = Zahnfleisch; dd) auch im übertragenen Sinne: Koelebossert = „Teufelsbraten“; β) am Anfang der Zusammensetzg. stehend; aa) für Gerätschaften, wie Bossertschottel = Fleischbüchse, Bossertnolle = Fleischhafen; bb) für gewisse Speisen: Bossertblättling = Gulasch (eigtl. „Fleischsalat“), Bosserträsling = Leberkäse; cc) Bossertschei, d. h. eigtl. „Fleischtag“ = Sonntag (s. d. betr. die Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Boser = Fleisch, Speck); Pfulld. J.-W. B. 339, 340, 341 (Bosert = Fleisch, Schwarzbosert = geräuchertes Fleisch, B. von einem Horboge = Kalbfleisch); Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 69, 75 (Bossert = Fleisch, Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 480 (Bosset, Bôser od. Bôßert = Fleisch; dazu noch in Pfedelb. [209, 213] bes. Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert = Schweine-, Kuh-, Pferdefleisch u. Schmunkbossert = Speck sowie in Lütz. [213]: Flūse-bosert = Ente). Zur Etymologie (vom hebr. bâsâr, jüd. bôsôr = „Fleisch“) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15. Jahrh.) s. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 154 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.

c) Mass (im wesentl. gleichbed. mit Bossert gebraucht) erscheint nicht ganz so beliebt in Zusammensetzgn., doch findet es sich z. B. (am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren, wie Babingmass = Gänsefleisch (gesicherter B. = Gänsebraten), Tschuggel-, Stupfleng-, Horboge-, Trabertmoss = Hunde-, Igel-, Kuh-, Pferdefleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise); Dolm. der Gaunerspr. 92, 99 (Mas = Fleisch, Speck); W.-B. des Konst. Hans 245 (Mass); Pfulld. J.-W.-B. (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B. [343] Horboge-Maß = Ochsenfleisch); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maß; Maßfetzer = Metzger; in Pfedelb. [214]: Mast = Wurst). Vgl. auch Metzer Jenisch 216 (Mās = Fleisch). Zur Etymologie: Am wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw. Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist (vgl. „Einleitg.“ [S. 30]), welche mas od. (in Deutschl.) mass (schon altind. māsa) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 257 unter „Masengero“ und dazu noch Finck, S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. maso mit eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete Mass = „Speise“ („zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen“, schon ahd. u. mhd. maz [vgl. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063], got. mats, angels. mete, engl. meat) s. Näh. bes. bei Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517 (unter „Mass“ II, Nr. 1 u. 2).

[120] Das Zeitw. näpfen bedeutet: beißen, kauen, nagen (daher abnäpfen auch = abnagen), auch jucken. Weitere Zusammensetzgn. damit sind (außer abnäpfen) noch ausnäpfen = ausbeißen und wegnäpfen = wegnagen, Ableitungen davon: das Adj. näpfich (-ig) = bissig (beißend), krätzig, räudig (vgl. die Verbdg. näpfiger Schund [eigtl. „beißender Dreck“] = Kalk [s. d. betr. Übereinstmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch „Vorbemerkg.“ [S. 17]]) u. das Subst. Näpfling = Zahn, Gebiß (vgl. die Zus. Ober- und Vordernäpfling = Ober- und Vorderzahn sowie Näpflingsins = Zahnarzt u. Näpflingbossert = Zahnfleisch). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur Schwäb. Händlerspr. 479 (näpfen = beißen, in Pfedelb. [209] = coire, in Lütz. [215]: Näpfling = Zahn). Die Etymologie bleibt unklar. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1941 hat näpfen = beißen nicht bestimmt erklärt. Über die Bedeutg. coire s. ebds. vbd. mit Sp. 1914 unter „naffze(n)“ u. „Naffke“ (wozu zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 233).

[121] Das Zeitw. dalfen bedeutet: betteln (begehren, fordern). Weitere Zus. damit: andalfen = anbetteln; Ableitungen davon: Dalfer = Bettler u. Dalferei = Bettelei. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (talfnen = betteln); Schöll 273 (Talfer od. Talcher = Bettler); Pfulld. J.-W.-B. 336, 337, 338, 340 (dalven = abbetteln, dalfen = betteln, ausdalfen = ausbetteln, Dalver = Armer, Dalfer [Dalcher] = Bettler, Talfkunde = Handwerksbursche); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68 (dalfen = betteln, Kaff abdalfen = Dorf abbetteln, Dalfianus = Bettler); Schwäb. Händlerspr. 480 (dalfen = betteln). Zur Etymologie (wohl vom hebr. dal = „arm“) sowie über sonstige Belege im Rotw. s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 9 (unter „Talfkunde“) vbd. mit Bd. 33, S. 241/42, Anm. 1. Nach Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 39 ist der Ursprung des Wortes „unklar“.

[122] Das Zeitw. derchen erscheint im wes. als Synon. zu dalfen (Bedeutg. also bes.: betteln, ferner begehren, bitten (daher abderche auch = abbitten), [er]flehen, fordern, verlangen); vgl. dazu die Verbindg. derchter Lehm = Bettelbrot (wörtl. „gebetteltes Brot“). Weitere Zusammensetzungen: anderchen = anbetteln, auch wohl bederchen = bedanken, danken. Ableitungen: die Subst. Dercher = Bettler (fem.: -ere) u. Dercherei = Bettelei (auch Gesuch) u. das Adj. dercherich = dürftig (ärmlich, bettelhaft), verarmt, das auch als Subst. gebraucht wird (Dercherich = Mangel, Not). Beliebt sind allerlei Zus. mit Dercher, so: Dercherbich (eigtl. = Bettelgeld, dann) = Almosen (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), Dercherulma = arme Leute (Bettelleute), Dercherkritzler = Bettelbrief, Dercherfiesel, -kaffer, -model, -moss = Bettelbube, -mann, -mädchen, -frau, Dercherrande, -stenz = Bettelsack, -stab. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90, 93 (därgen = betteln, Daerge-stozem = Handwerksbursche); (Pfulld. J.-W.-B. 338 (türchen); Schwäb. Händlerspr. 479 (derchen, in Pfedelb. [213] auch: Dercherkitt = Bettelhaus). Die Etymologie ist unsicher (vielleicht zu hebr. dereq, jüd. derech = „Straße, Weg“, jedoch ev. mit Einfluß deutscher Wörter); s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 284/5 u. Anm. 2 u. 3 (unter „Derfen-Schin“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W. B. II, Sp. 74 u. 159 (unter „därgen“ und „derchen“).

[123] Das Zeitw. schurele findet sich nur vereinzelt ohne weiteren Zusatz gebraucht, nämlich für „begatten“ oder „erzeugen“ (wozu der Gebrauch des Hauptw. Schure für „männliches Glied“ paßt), dagegen versieht es in Zusammensetzgn. die Funktion einer Art von Aushilfszeitw. (vgl. Wittichs „Einleitung“, [S. 24] und meine „Vorbemerkung“, [S. 16], [Anm. 40]). So bedeutet z. B. abschurele (außer „abbiegen“) noch: abbinden, ablesen, abmähen, abpflücken, abputzen, abreißen, abschirren, abschneiden, absondern, abwischen und abziehen; ferner anschurele: anbinden, anblasen, anfangen, anhalten, anschneiden; aufschurele: aufbewahren, aufbrechen, aufdecken, aufheben, aufladen, auflesen, aufmachen, aufsuchen; ausschurele: ausbürsten, ausfragen, ausrechnen; einschurele: einblasen, einbrechen, einfangen, einfüllen, eingeben, einschneiden, einschnüren, einschütten, einspannen. Zur Etymologie: Das Zeitw. ist offenbar eine (aus den sonstigen Geheimsprachen mir nicht bekannte) Ableitung des Hauptworts Schure, über dessen Gebrauch als Aushilfswort für die verschiedensten Begriffe, für die es im Jenischen an besonderen Bezeichnungen fehlt, schon in meiner „Vorbemerkung“ ([S. 16]) und in Wittichs „Einleitung“ ([S. 24]) kurz die Rede gewesen. Hier folgt nun eine genaue Aufzählung der einzelnen Fälle. Schure im allgem. = „Ding“ (ursprüngl. wohl [wie Sore] = „Ware“, obwohl es im Vokabular unter diesem Worte fehlt) kommt vor: a) für sich allein (ohne Zusatz), zunächst: α) für mancherlei Sachen (unbelebte Dinge), nämlich: Acker, Angel, Bindfaden, Brecheisen, Brei, Bremse, Brücke, Buch, Bürste, Decke, Deckel, Deichsel, Dorn, Dose, Draht, Eimer, Eis, Eisen, Faden, Fahne, Falle, Gitarre, Gürtel, Puppe (Docke); vgl. das Dimin. Schurele = Brett; ferner bes. noch β) für gewisse Pflanzen (Gemüse usw.), so: Binsen, Blume, Bohne, Gurke; γ) für den abstrakten Begriff „Eid“; δ) für menschl. Körperteile: Achsel, männliches Glied; ε) für Tiere: Affe, Bock, Bremse (? [s. d.]), Dohle; vgl. das Dimin. Schurele = Eidechse; b) in Zusammensetzungen: α) für Sachen (im w. S.): Sauftschure = Bettuch („Bett[über]züge“), Feberschure = Bleistift, Lehmschure = Brotschrank, Rutscherschure = Bürsten, Kehrbesen, Schmunk-Schure = Butterfaß (Schmalzfaß), Scheischure = Docht, Bich-, Kies- oder Lobeschure = Geldkasse oder -kästen, Begerschure = Gottesacker (Kirchhof), Grab, Gruft, Straubertsschure = Haarnadel, -öl oder Kamm, Dokschure = Hacke, Niklengschure = Harfe, Harmonika, Nikelschure = Klarinette (Nikleschure = Leierkasten), Stöberschure = Obst, Toberichschure = (Tabaks-)Pfeife, Zigarre, Streiflingschure = Strumpfband; β) für einen mehr abstrakt. Begriff, näml. Randeschure = Bauchgrimmen (Bauchweh); vgl. auch die Verbindung grandiche Schure = Reichtum, Überfluß, Vermögen (vgl. auch „vermögend“); γ) für ein Tier: Jahre- oder Kracherschure= Hirsch; δ) für Personen (Berufe): Schoffeleischure = Gerichtsvollzieher (Spr.), Groenikelschure = Sau- (Schweine-)Hirt, Jerusalemsfreundschure = Schafhirt, Schäfer. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 480, 481 (Schure = Ding, Gegenstand, nur in Wolfach [484] auch = Mund, in Lütz. [215] = Ware). Die gaunersprachl. Quellen, bes. der älteren Zeit, haben dafür meist die Form Sore (s. darüber Näh. unter „Brücke“). Über sonstige Formen sowie über die Etymologie des Wortes (vom hebr. sĕchôrâ = „Handelsverkehr“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 241 u. Anm. 1 u. S. 242 (unter „Sorar“).

[124] S. abbetteln.

[125] Das Zeitw. funken bedeutet brennen (vgl. funkt = brennend, d. h. eigtl. „[es] brennt“), heizen, zünden; vgl. die Verbindg. g’funktes Gib = Malz (eigtl. „gebranntes Getreide“, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 17] sowie unter „Malz“]). Weitere Zus. sind: anfunken = anzünden (vgl. dazu a’gefunkter Spraus = Kohle), ausfunken = ausbrennen, verlöschen, einfunken = einbrennen, einheizen, niederfunken = niederbrennen, verfunken = verbrennen, versengen. Das Verbum gehört zu dem Stamme Funk = Feuer (Brand, Flamme, Glut); vgl. die Verbindgn. und Zusammensetzgn.: Funk anpflanzen und auspflanzen = anbrennen und (aus)löschen, grandicher Funk = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Übereinstimmung mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 17]); Funkkies = Feuerstein, Funkspreisle = Zündhölzer. Ableitungen: das Subst. Funker = Köhler, Kohlenbrenner (aber das Dimin. Funkerle = Zündhölzer) und das Adj. funkich = feurig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90, 100 (funken = brandmarken, gefunkt werden = gebrandmarkt werden, verfunkt werden = verbrannt werden); Schöll 274 (Funkbruder = Brandbettler); Pfulld. J.-W.-B. 336, 337, 339, 345 (Funk = Feuer, funken = brennen, feuern, ab-, verfunken = ab-, verbrennen); Schwäb. Gauner- und Kundenspr. 68 (funken = brennen; Funkerer = Brandstifter); Schwäb. Händlerspr. 480, 483, 488 (Funk [in Pfedelb. (209, 211): [Funkert] = Feuer, Licht, Funker [in Pfedelb. (214): Funkert] oder Funkerle = Zündholz; in Degg. [215]: Funkspraus = Zigarre; in Pfedelb. 208, 213]: funken = brennen, abfunken = abbrennen, anfunke[l]n = anbrennen [dieses auch in Lütz. (214)], verfunken = verbrennen). Vgl. noch Pfälz. Händlerspr. 437 (Funkert = Feuerzeug); Metzer Jenisch 216, 217 (Funkert = Feuer, funke = kochen, sieden). Zur Etymologie der Vokabeln (die sämtl. deutsch. Ursprungs sind) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 48 unter „Funker“; vgl. auch Weber-Günther, S. 187 (unter „Funkert“), sowie Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1832 (unter „Funk“ Nr. 3) und Sp. 1833 (unter „Funker“).

[126] Diese Bezeichnung setzt ein Zeitw. flu(h)ten voraus, das aber (für sich allein) in Wittichs Vokabular nicht vorkommt. Das Stammwort ist das Subst. Flu(h)te (masc. gen.), hier im Sinne von „Brühe“ (s. d.), sonst bes. = Wasser (Bach, Bad, Fluß, Flut, Gewässer, Quelle, See, Strom, Teich), das auch als Adj. (= naß) gebraucht wird. Es erscheint beliebt in Verbindungen, wie biberischer Flu(h)te (Biberischerflute) = Eiswasser (eigtl. „eisiges Wasser“), bostender Flu(h)te = laufendes Wasser (und dazu die Redensart: Flu[h]te bostet mer herab = ich schwitze (eigtl. „das Wasser läuft mir herab“, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. das Näh. unter „schwitzen“]) und grandich Flu(h)te (eigtl. „großes [oder größtes] Wasser“) = Meer (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 49]), namentlich aber in Zusammensetzgn., wie a) am Anfang stehend: Flu(h)tesore = Brücke (s. d.), aber auch Wasserfaß, Flu(h)tekies (eigentl. „Wasserstein“) = Insel (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen), Flu(h)tefläderling (eigtl. „Wasservogel“) = Bachstelze, Flu(h)tekupfer = Meergras oder Schilf, Flu(h)tegroenikel = Meerschweinchen, Flu(h)tefu(h)l oder -schund = Schlamm, Flu(h)tekib = Seehund, Flu(h)tegachne oder -stierer = Wasserhuhn, Flu(h)tenolle = Wasserkrug, Flu(h)terolle = Wassermühle; b) ans Ende gesetzt: Scheinlingflu(h)te = Augenwasser, Flösselflu(h)te = Harn (Urin), aber auch Regenwasser, Pfladerflu(h)te = Waschwasser, Süßlingflu(h)te = Zuckerwasser; über Biberischerflu(h)te (in einem Wort geschr.) s. schon oben unter a. Eine weitere Ableitung von Flu(h)te (außer abflu[h]ten) ist das Adj. flu(h)tich = feucht, wässerig, auch als Subst. (Flu(h)tich gebr. = Nässe. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Flude = Wasser); Pfulld. J.-W.-B. 337, 342, 346 (ebenso, Bedeutg. auch: Bach; grandig Flotte = Meer); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (Flude oder Flute, auch Flôte = Wasser, Fludi = Kaffee [in Pfedelb. (210) dafür Schwarzflude od. -floße]; in Lütz. [215]: flude[n] = regnen). Der Etymologie nach gehört das (auch sonst im Rotwelsch bekannte) Wort (vgl. z. B. schon Basl. Gloss. 1733 [202: Flodi]) wohl zweifelsohne zu unserem deutschen „Flut“. Vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1597 vb. mit Weigand, W-B. I, Sp. 564/65.

[127] Leile hat die Grundbedeutg. „Nacht“, kommt aber auch spezieller für Mitternacht, sowie ferner (außer für Abend) noch für Dämmerung oder Finsternis vor, sodann als Adj. gebraucht für dunkel oder finster. Auch sind damit ziemlich viele Zusammensetzgn. gebildet (und zwar sämtl. so, daß das Wort am Anfange steht), nämlich: Leilebiken = Abendessen (während Nachtessen durch Leilebikus u. -achilerei wiedergegeben), Leileschenagel = Nachtarbeit, Leileschei(n) = Nachtlicht, Leilesitzling = Nachtstuhl, Leilekaffer = Nachtwächter, Leilekitt = Wachthaus, Leileschrende = Wachtstube; bes. interessant sind noch die Umschreibungen Leilefläderling = (eigtl. „Nachtvogel“) = Eule (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch „Vorbemrkg.“, [S. 18]), Leileschei(n) (eigtl. „Nachtlicht“ [s. oben]) = Mond (s. d. betr. Analogie im Zigeun.; vgl. auch „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 47]) oder auch Stern (daher Leilescheischund [eigtl. „Nachtlichtschmutz“] = Sternschnuppe). Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Leile = Nacht); W.-B. des Konst. Hans 258 (z’ leili schefte = „logieren“, heute leile = heut’ Nacht); Schöll 271 (Leile); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Beily [vedr. für Leily]); Schwäb. Händlerspr. 484 (Laile od. [in Pfedelb. (211) Leile). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Laile). Zur Etymologie (vom hebr. lailâ[h] = „Nacht“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 229 (unter „Leilest“); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1148/49.

[128] Ratte, für dieselben Bedeutungen wie Leile (also z. B. auch als Adj. für „dunkel“) gebraucht, kommt in Zusammensetzgn. seltener vor, doch findet sich Rattekahla = Abendessen, Rattebutterei = Nachtessen u. die Umschreibg. Rattefläderling = Eule (s. [Anm. 127]). Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Ratte = Nacht); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 257, 258 (Ratiginger = Nachtdiebe, Ratte = Nacht, zwei Rattene = zwei Nächte); Schöll 272 (Ratte); Pfulld. J.-W.-B. 342 (ebenso); Schwäb. Gaun.-u. Kundenspr. 73 (desgl.); Schwäb. Händlerspr. 480 (ratt[e] = dunkel, in Pfedelb. [214] auch Ratte = Nacht. in U. [214]: Rattebutte[n] = Nachtessen). Zur Etymologie (vom gleichbed. zigeun. rat oder [in Deutschl.] ratt, schon altind. ratri) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 212, Anm. 1, u. dazu noch Finck, S. 82.

[129] Das (hier substantivisch gebrauchte) Zeitw. biken bedeutet: essen (kauen, schmausen, verzehren); vgl. dazu: grandich bikt = satt (eigtl. „viel gegessen“). Weitere Zusammensetzgn.: ab-, auf-, ausbiken = ab-, auf-, ausessen. Ableitungen: die Substantive Bikerei = Essen (Frühstück, Gastmahl, Gericht, Mahlzeit, [das] Speisen) oder (in latinis. Form) Bikus = Essen (Gastmahl, Gericht, Kost, Mahlzeit, Schmaus, Speise), beide (namentl. aber das letztere) auch in Zus. beliebt; vgl. Schimmerlingsbikerei od. Flößlingbikus = Fischessen, Strohbuzerbikus = Gansessen, Langohrbikus = Hasenessen, Stupfelbikus = Igelessen, Rondlingbikus = Wurstessen; ferner: Groenereibikus = Hochzeitsschmaus, Begerbikerei od. -bikus = Leichenschmaus, Leilebikus = Nachtessen (vgl. oben [Anmerkung 127]]. Vermutlich dürfen zu biken aber auch noch in Beziehung gesetzt werden das Zeitw. bikern = hungern (mich bikert[’s] = mich hungert [wofür früher mich kohlert gebräuchlich gewesen; s. Wittichs „Einltg.“, [S. 21]]) sowie das Adj. bikerich = gierig, hungrig, dann auch = habgierig, geizig. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 u. 94 (bicken = essen u. Bicker = Hunger); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 74 (bicken = essen, Bikus = Kost, Bickerle = Sparsamer [der nichts gibt]); Schwäb. Händlerspr. 480, 482 (bicken = essen, Bickerei od. Bickus = Essen [in Pfedelb. (211): Pickus = Kost]; bikerisch = hungrig [in Pfedelb. (210)]: bikerischer Klob = Geizhals). Zur Etymologie des (auch sonst im Rotwelsch sowie in den verw. Geheimspr. [z. B. bei den Pfälz. Händlern (437)] verbreiteten) Wortes (wohl jedenfalls vom deutsch. Zeitw. picken, älter bicken [so schon mhd. neben becken], d. h. eigtl. [zunächst von Tieren gebr.] „mit der Schnabelspitze zufahrend stoßen oder aufnehmen“ [Weigand, W.-B. II, Sp. 425]) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 184 (unter „picken“); vgl. auch A.-L. IV, 69 u. 524/25 vbd. m. Wagner bei Herrig, S. 227 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1096 (unter „picken“). Die Latinisierung Pickus hat m. Wiss. zuerst Zimmermann 1847 (373, 383) verzeichnet.

[130] Das Zeitw. butten wird in denselben Bedeutungen gebraucht wie biken (daher z. B. auch grandich buttet = satt sowie die Zus. ab-, auf-, ausbutten). Desgl. entspricht die Ableitg. Butterei im wes. den Substantivierungen Bikerei u. Bikus, während es in Zusammensetzgn. seltener vorkommt (vgl. aber Matschebutterei = Fischessen u. Rattebutterei = Nachtessen (s. oben [S. 37], [Anm. 128]). Über das stammverwandte Pu(t)lak = Hunger s. das Nähere unter „Appetit“. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (butten = essen); W.-B. des Konst. Hans 258 (ebenso; vgl. [255] Buttschnurr = „Steigbettler“); Pfulld. J.-W.-B. 337 (butten = essen, schlucken, abbutten = abfressen); Schwäb. Händlerspr. 480 (butten = essen, Butterei = [das] Essen, in U. [214]: Rattebutte[n] = Nachtessen); s. auch Pleißlen der Killertaler (nach Kapff [212]: butten = essen) u. Metzer Jenisch 216 (butte). Zur Etymologie: Nach A.-L. 528 vbd. m. Wagner bei Herrig 226 ist butten wohl eine Nebenform zu ndd. biten = „beißen“ (vgl. schon Ndd. Lib. Vagat [75]: botten, wie noch jetzt im Hennese Flick von Breyell [457]). Vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 52 sowie (über die Verbreitg. des Ausdr. in den südd. Mundarten) Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1564, Nr. 2, der indessen über die Etymologie schweigt.

[131] Auch das (hierin substantivierte) Zeitw. kahla (seltener -le) bedeutet „essen, verzehren“; dazu die Zus. ab-, auf-, auskahla. — Mit der Ableitg. Kahlerei (im wes. gleichbed. mit Bikerei u. Butterei) sind gebildet worden die Zus. Flotschekahlerei = Fischessen u. Groenereikahlerei = Hochzeitsschmaus. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (kahlen = essen); W.-B. des Konst. Hans 259 (z’ kahlet = zu essen); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340 (kahlen = abessen, abfressen, kohlen = essen, z’ viel kahlen = überfressen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (kahlen); Schwäb. Händlerspr. (U. [214] u. Lütz [214]: khäle[n]). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. oben „Einleitg.“, [S. 30]]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 576 (unter „kole[n]“) u. Sp. 165 (unter „kale[n]“) (der übrigens auch „eine Mischung“ mit dem gleichbed., aus d. Hebr. stammenden achlen für möglich hält) vbd. mit Liebich, S. 130, 195 u. 241 (chāwa = ich esse, speise), Miklosich, Beiträge I/II, S. 22 (unter „khād“) u. Denkschriften, Bd. 26, S. 217/18 (unter „cha“: bei d. deutsch. Zig. chāva altind. khād), Jühling 220 (Chalo = Fresser, Chaben = Essen, aber chala = es beißt [anders oben „Einltg.“, [S. 30]), Finck, S. 67 (Wurzel: xā-).

[132] Diese Ausdrücke werden wohl alle drei (am häufigsten aber die beiden ersten) als miteinander gleichbedeutend gebraucht, und zwar (außer in der obigen. Bedtg. noch) für: albern, blöde (= blödsinnig), dämlich, dumm, geisteskrank, irrsinnig, läppisch, närrisch, schwachsinnig, töricht, unklug, unsinnig, unvernünftig, unverständig, wahnsinnig. Zusammensetzungen damit sind: Nillicheschei od. Ni(e)sicheschei (d. h. eigtl. „närrischer [oder Narren-] Tag“) = Fastnacht (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.) und Nillichegiel, Ni(e)siche- und Nuschichegiel (d. h. eigtl. „närrisches Maul, Gesicht“) = Fastnachtsmaske, dann einerseits noch spezieller = „Affengesicht“ (s. d.) als Bezeichnung einer besonderen Art von Fastnachtsmasken, andererseits allgemeiner = Larve oder Maske überhaupt. Die genannten Adjektive sind Ableitgn. von den Hauptw. Nille, Ni(e)se, Nusche = Dummkopf (dummer Mensch), Geck, Narr, Tor, Tropf (dazu die Zus.: Nille- od. Ni[e]sekitt = Irrenhaus [Narren-, Tollhaus] u. Nille- od. Ni[e]seki[e]bes = Tollkopf). Eine weitere (substant.) Ableitg. von Nille, Ni(e)se, Nusche ist endlich Nillerei, Ni(e)serei od. (seltener) Nuscherei = Blödigkeit (d. h. Blödsinn), Dummheit, Kinderei, Irrsinn, Wahnsinn. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Nille = Narr); ebenso: Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 342 (hier [339] ferner das Adj. nilli = einfältig). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2082 (unter „Nülle“ I) ist Nülle (od. Nille) = Narr, Dummkopf usw. identisch mit Nolle = dicker Mensch, Einfältiger, das wohl zu Knoll(en), schwäb. auch G’noll, Noll = „rundlicher harter Körper“, „zusammenhängende runde Masse“ (schon mhd. knolle = „Erdscholle, Klumpen“ und „grober, plumper Mensch“; vgl. ahd. hnol = „Erhöhung“, angels. cnoll = „Bergspitze“, engl. knoll = „Hügel“) gehört; s. Fischer, a. a. O., Sp. 2055 (unter „Nolle“, Nr. 3) vbd. mit Sp. 541 (unter „Knoll[e(n)]“, bes. Nr. 3c) u. Weigand, W.-B. II, Sp. 1080 (unter „Knollen“). Schon A.-L. 578 hat Nille = „Narr, Geck, Spaßmacher“ und „penis“ gleichfalls auf „Knolle“ zurückgeführt. Auch bei der letzteren Bedeutung, die (neben der selteneren von „vulva“) auch sonst volkstümlich ist (s. Müller in d. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 4 u. 10, u. Günther, ebds. Bd. IX, S. 31, Anm. 2 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 980), handelt es sich wohl um dasselbe Wort, denn Grimm, a. a. O. leitet es zwar zunächst von dem Zeitw. nollen (od. nullen) = „futuere“ her, stellt dieses aber zum mhd. nol = „mons Veneris“ (s. Näh. a. a. O., Sp. 879 unter „nollen“). Überhaupt werden die Begriffe „Dummkopf“ u. „penis“ öfter ja durch denselben Ausdruck wiedergegeben (vgl. z. B. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 642 betr. d. Wort „Schwanz“). — Die Bezeichnung Niese = Dummkopf hat Fischer, a. a. O., IV, Sp. 2044 vbd. mit Sp. 2050 zu Nise als Kurzform des Eigennamens Dionysius — freilich nur mit einem Fragezeichen — in Verbindung gebracht. Über Nusche wage ich keine Vermutung aufzustellen.

[133] S. Abendessen.

[134] Das Zeitw. ruadle(n) (-la, ruedle) = fahren ist auch noch enthalten in den Zus. aus-, darüber-, ein-, heraus-, nach-, um- u. wegruadle(n). Es gehört zu dem Subst. Ruadel (od. Ruedel) = Wagen, bes. Fahrzeug auf dem Lande, Karren. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 488 (Rudel = Wagen). Das in älteren rotw. Quellen vorkommende Zeitw. rodeln (s. z. B. auch W.-B. des Konst. Hans 259 u. Schöll 272) dürfte wegen seiner Bedeutung („führen, mit sich führen“) nicht ohne weiteres zum Vergleiche herangezogen werden, jedenfalls dagegen aber gradeln od. radeln = fahren, das z. B. Schintermicherl 1807 (288) u. Karmayer 63 u. 129 haben. Denn seiner Etymologie nach ist das Zeitw. ruadle(n) wohl nur aufzufassen als eine dialektische Färbung von „radeln“ (s. dazu Günther, Rotw., S. 98, 99, Anm. 118), ebenso wie Ruadel (Ruedel) eine solche von „Radel“, Dim. von „Rad“, sein dürfte. Über das Symn. Rädling (-leng) s. Näh. unter „Eisenbahnwagen“.

[135] Das Zeitw. bohle(n) (-la) = fallen, werfen (Spr.) kommt noch vor in den Zus. ab-, auf-, einbohlen (= einstürzen), hin-, nach-, nieder-, umbohlen. Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 210]: bohlen = fallen, nausbolen = hinauswerfen). Für „werfen“ ist bohlen auch in rotw. Quellen des 19. Jahrh. bekannt (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [317]; v. Grolman 10 u. T.-G. 133; Karmayer G.-D. 192). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1271 handelt es sich um ein schwäbisches Wort mit der Grundbedeutung „rollen, im Bogen werfen“, ahd. bolôn, mhd. boln = „rollen, werfen, schleudern“ (Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 324), das transit. u. intransit. gebraucht wird, so daß daraus auch die Bedeutg. „fallen“ entstehen konnte. Über das stammverwandte Bolle = Kartoffeln s. unter „Bratkartoffeln“.

[136] Das einfache dogen (-ga), auch doken, kommt vor in dem Sinne von: a) geben (hergeben); b) beschenken; c) schlagen (hauen, fechten). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer abdogen [s. auch unter „abliefern“]) die Zus. aus-, heraus- u. vordogen = aus-, herausgeben und vorschießen (leihen), zu der unter c): zudogen = zuschlagen sowie das Subst. Dokschure (eigtl. „Hauding“) = Hacke (s. d. betr. die Übereinstimmung mit der Zigeunerspr.). Als Ableitg. ist wohl anzusehen Doge = Schläge (falls nicht etwa = Doge[n] als subst. Zeitwort). In dem bes. verw. Quellenkreise ist das Wort m. Wiss. unbekannt, dagegen kommt es sonst vereinzelt vor im Rotw. des 19. Jahrh. (s. z. B. v. Grolman, Akt. Gesch. 1813 [312: Koberment gedockt = Schläge gegeben] u. W.-B. 16 u. T.-G. 95 u. 118 [docken = geben, schenken]; Christensen 1814 [320, 331: tocken = geben, die Vehm tocken = die Hand geben]; Karmayer 30 [docken = reichen, geben) sowie in d. Krämerspr. (s. Eifl. Hausierspr. (491: geduckt = gegeben). Die Etymologie bleibt unklar. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 241 (unter „docke[n]“) gibt keine Erklärung.

[137] Das Zeitw. bosten (wofür früher holchen gebräuchl. [s. oben „Einltg.“, [S. 26]]) = gehen, fliehen, folgen, kommen, laufen, spazieren (gehen) kommt noch vor in den Zus.: aufbosten = auflaufen, ausbosten = ausgehen, auslaufen, darüberbosten = darübergehen, ei’bosten = einlaufen, herabbosten = herabgehen, -laufen, hinausbosten = hinausgehen, nachbosten = nachfolgen, umher-, unterbosten = umher-, untergehen, verbosten = verlaufen, wegbosten = weglaufen, zurückbosten = zurücklaufen; ferner in den Verbindungen: schiebes bosten = davongehen, sich entfernen, entspringen, entweichen, fliehen, fortgehen (früher dafür malochen [s. „Einltg.“, [S. 27]]), schenzieren bosten = hausieren gehen, Jahre bosten = jagen (eigtl. [in den] Wald gehen [um zu jagen]), begerisch bosten = lahm gehen, ins Sauft bosten (eigtl. „ins Bett gehen“) = niederkommen, grandiche Rande bosten (eigt. „[mit einem] dicken Bauch gehen“) = schwanger gehen, endl. noch in der längern Umschreibung Flu(h)te bostet mer herab = ich schwitze (s. darüber schon oben [S. 36], [Anm. 126] vbd. m. [S. 17], [Anm. 44]). Eine Ableitg. ist das Subst. Boster = Läufer. Zu vergl. (aus d. verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340, 342 (posten = gehen, boschen = laufen, auspostet = ausgelaufen, durchbosten = durchlaufen, verposten = entfliehen); Schwäb. Händlerspr. 481 (pō̆schten [in Pfedelb. (210): boschten] = gehen, plæ̂te poschten [in Pfedelb. (209): boschten] = fortgehen, durchgehen, in Pfedelb. [208/9]: naus- u. abboschten = auslaufen u. durch- od. fortgehen). — Die Form boschen (bôschen) = gehen hat auch schon v. Grolman, Akt. Gesch. 1813 (312) u. W.-B. 11 u. T.-G. 96, das Subst. Boster findet sich in der Zus. Leili-Boster = Nachtdieb bei Pfister bei Christensen 1814 (325). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1318 bedeutet poste(n) (bošte) im Schwäb. „herumlaufen, kleine Aufträge besorgen“ u. ä., eigentl. soviel wie „Postgänge machen“, so daß es also zu unserem Lehnwort Post (aus dem ital. posta, mlat. posta = „[Post-] Standort“, aus posita, zu lat. ponere [s. Weigand, W.-B. II, Sp. 456, vbd. m. Seiler, Lehnwort III, S. 186) gehört. Näheres (auch über andere südd. Mundarten) s. ebds. vbd. mit Grimm, D. W.-B. II, Sp. 267 (unter „besten“) u. VII, Sp. 2025 (unter „posten“, Nr. 1)

[138] Das Zeitw. pfiche(n) = gehen, folgen findet sich noch in den Zus. auspfichen = ausbrechen, herabpfichen = herabgehen, hinauspfichen = hinausgehen sowie in den Verbindgn. schiebes pfichen = davongehen, fortgehen (entrinnen) und schenzieren pfichen = hausieren gehen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 340 (pfichen = gehen [ausgehen, entfliehen, herumziehen]); Schwäb. Händlerspr. 481 (u. Lütz. [214] pfiche[n] = gehen, pficht = er ist fort). Die Etymologie des Wortes (das bei Fischer, Schwäb. W.-B. nicht angeführt ist) bleibt zweifelhaft. Nur unsichere Hypothesen bei A.-L. IV, 245/46.

[139] a) Das in dieser Verbindung enthaltene Wort Gleis = Milch kommt auch noch in folgenden Zus. vor: α) am Anfang stehend: in Gleisnolle = Melkfaß (oder Milchtopf, -napf), Gleisschottel = Melkgefäß (eigtl. Milchschüssel), Gleiskechelte = Milchbrötchen (Spr.), Gleisglansert = Milchglas, Gleisschnall = Milchsuppe und Gleisschund (eigtl. „Milchdreck“) = Rahm oder Sahne (dem das obige abgeschunde Gleis entspricht!; β) am Ende stehend: Schmunkgleis = Buttermilch. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.) Dolm. der Gaunerspr. 96 (Glais); Pfullend. J.-W.-B. (Gleis; Gleiskittle = Milchhaus, Gleispolifska oder -schnalla = Milchsuppe); Schwäb. Händlerspr. 484 (Gleiß); s. auch Metzer Jenisch 216 (Gleiss). Zur Etymologie des Wortes (höchstwahrscheinlich von unserem deutsch, gleißen, d. h. glänzen) sowie über weitere Belege im Rotw. usw. s. Näh. Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 256, Anm. 2 verbd. mit Bd. 42, S. 49 (unter „Gleißer“); vgl. auch Weber-Günther, S. 177/78 (unter „Klais“) und Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 689. — b) Zu abgeschunde, das ein Zeitw. abschunden voraussetzt, vgl. das ähnliche einschunden = einsalben, einschmieren, während das einfache schunden im W.-B. durch „austreten (schwer“), d. h. cacare, wiedergegeben ist. Es ist (gleich dem Adj. schundich [schondich (Spr.)] = beschmutzt, dreckig, kotig, schmierig, schmutzig, trübe, unflätig, unreinlich, unsauber) abgeleitet von dem Hauptw. Schund od. Schond = Dreck, Kot, Schmutz, Unflat, Unrat, auch spezieller noch Asche, Dünger (Mist), Exkremente, Lehm. Dazu die Verbindg. näpfiger Schund = Kalk (worüber das Näh. schon oben [S. 17]) sowie mannigfache Zusammensetzgn., so: a) mit Sch. am Anfang: Schundkitt = Abort, Schundschottel = Aschenbecher, Schundbolle = Kartoffeln (eigtl. etwa „Dreckknollen“), Schundfurschet = Mistgabel, Schundfläderling = Mistkäfer (eigtl. „Mistvogel“), Schundsitzling = Nachtstuhl; b) mit Sch. am Ende: Gleisschund = Rahm, Sahne (s. oben lit. a), Flu(h)teschund (eigtl. „Wasserdreck“) = Schlamm, Leilescheischund = Sternschnuppe (worüber Näh. schon oben [S. 37], [Anm. 127]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 92, 93, 97 (Schund = Exkremente, Schund-Kitte = Abtritt, Schompolle [dial. statt: Schundbolle] = „Grundbirnen“, d. h. Kartoffeln; schunden = Notdurft verrichten; vgl. [90]: beschunden = betrügen [also ähnl. wie unser „bescheißen“ gebr.; vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 213]); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341, 344 (Schund = Dreck, Kot, Schutt; vgl. auch [342] Schunplotzer = Maurer); Schwäb. Händlerspr. 479, 480, 482, 484, 486 (Schund = Dreck, Schmutz, aber auch = Acker, Feld; schundig = dreckig, schmutzig, Schumbolle = Kartoffeln, Schundplutzer oder Schunplotzer [in Degg. (215): Schundblozer] = Maurer, in U. [214]: schunde[n] = cacare, beschunden [in Lütz. (214): b’schunderle(n)] = betrügen). S. auch noch Metzer Jenisch 216 (schunde = cacare und Schund-Bais = Abtritt). Zur Etymologie (vom deutsch. Stammwort „schinden“, daher Grundbedg. von Schund eigtl. „Abfall beim Schinden“) sowie über weitere rotw. Belege s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 139.

[140] Das Stammwort ist basche(n) = kaufen; vgl. einbaschen (Spr.), verbaschen. Ableitungen davon sind die Subst. Bascher = Käufer, Verbascher = Handelsbursche, Verbaschere = Handelsfrau. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 341 (baschen = kaufen, verbaschen = ausbieten); Schwäb. Händlerspr. 487 (verpassen oder verpâschen = verkaufen). S. auch Metzer Jenisch 217 (verpasse = verkaufen). Zur Etymologie sowie über weitere Belege im Rotw. (schon 1687: verpassen = verkaufen) s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 62 u. Anm. 1. Der dort (im Anschluß an Schmeller, Paul, Kluge u. a.) vertretenen Ansicht, die das Wort paschen (= schmuggeln usw.) vom französ. passer oder ital. passare (= „[die Landesgrenze] überschreiten“) herleitet (dafür auch z. B. Seiler, Lehnwort III, S. 101 u. Anm. 2), steht noch eine andere gegenüber, die hebräischen Ursprung annimmt; s. darüber Näh. bei H. Klenz, W.-B. nach der neuen deutsch. Rechtschreibung, Leipzig 1904, S. 173, Sp. 3 und Weigand, W.-B. II, Sp. 379. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1261 (unter „verpaschen“ u. „verpassen“, Nr. 4) hat keine Erklärung gegeben.

[141] Stammwort: bikeren = kaufen; Ableitung: das Subst. Bikerer = Käufer. In den verw. Quellen unbekannt, ebenso m. Wiss. auch sonst im Rotw. Auch über die Etymologie läßt sich nichts Gewisses sagen; ein Zusammengang mit d. Adj. bikerich (s. oben [S. 37], [Anm. 129]) dürfte kaum anzunehmen sein.

[142] Mit dem Zeitw. greme(n) = kaufen (erkaufen) sind noch gebildet die Zus.: ausgremen = auskaufen und vergremen = handeln. Dazu die Ableitungen: Gremer = Käufer (Zus.: Trabertgremer = Pferdehändler), Vergremer = Handelsbursche, Vergremere = Handelsmädchen (Zus.: Vergremerskaffer = Handelsmann, fem. aber Vergremmoss [= Handelsfrau]). Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (vergrimmen = verkaufen; in Lütz. [215]: kremen = kaufen). Die Etymologie ist unsicher. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1200 (unter „verkräme[n]“) und Sp. 1202 (unter „verkrümme[n]“ Nr. 2) gibt keinen näheren Aufschluß darüber.

[143] Stammwort: kemere = kaufen; vgl. verkemere = verkaufen, handeln. Ableitungen: Kemerer = Käufer, Krämer (Zus.: a) mit K. vorne: Kemererskitt = Kauf- oder Krämerladen; b) mit K. hinten: Trabertkemerer = Pferdehändler, Groenikelkemerer = Schweinehändler), Verkemerer = Verkäufer, Handelsmann, fem. Verkemere = Handelsfrau (Zus. damit: Verkemerers-Benk oder -Fiesel = Handwerksbursche und Verkemeresmodel [sic] = Handelsmädchen [aber Verkemerskaffer = Handelsmann]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 341 (kimmern = kaufen, verkimmern = anbieten). Häufigere Belege im sonstigen Rotwelsch seit dem Lib. Vagat (54, 55). S. Näh. darüber sowie über die (nicht ganz sichere) Etymologie in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 58 (u. Anm. 1), 59 (unter „Kümmerer“). Nur Hypothesen bei Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 832, nach welchen d. Ausdr. „kaum zu beurteilen“ ist. — Während verkümmeln = verkaufen (s. Schwäb. Händlerspr. in Pfedelb. [215]) wohl bloß eine Weiterbildung von verkümmern ist (s. auch Fischer, a. a. O., Sp. 123), sind dem Stamme nach davon zu sondern die Zeitw. kündigen = kaufen (s. z. B. ähnl. schon: Dolm. der Gaunerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z. B. auch Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 77). Näh. hierüber im Archiv, a. a. O., S. 58, 59, Anm. 1; vgl. auch Fischer, a. a. O., Sp. 1204 vbd. mit Sp 1189 (unter „verkenne[n]“).

[144] S. abbiegen.

[145] S. abgeben.

[146] S. abbeißen.

[147] Fu(h)lkitt bedeutet (ebenso wie Schundkitt) wörtl etwa „Kothaus“, zu Kitt = Haus u. Fu(h)l = Dreck, Kot (Exkremente), Mist. Weitere Zusammensetzgn. damit sind noch: a) mit F. vorne: Fu(h)lnolle = Nachthafen; b) mit F. hinten: Flu(h)tefu(h)l = Schlamm. Ableitungen davon sind: das Subst. Fu(h)lete = „Abweichung“ (Diarrhöe) u. das Zeitw. fu(h)la = „austreten (schwer)“, d. h. cacare. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [214]: fūle[n] = cacare, Fūl-kitt = Abtritt, Fūl-nolle = Nachttopf). Zur Etymologie (vom zigeun. fūl = Kot, Dünger u. dgl. [vgl. Einleitg. S. 29]), s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Spalte 1821 (unter „fūle[n]“) vbd. mit Pott II, S. 391/92, Liebich, S. 135, 190, 216, Miklosich, Beiträge I/II, S. 10 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 238/239 (unter „khul“) u. Finck, S. 58. Bei Jühling, S. 220 (unter „Chen“) ist auch fuhlen (od fuhla) = „schwer austreten“ als zigeun. angeführt. — Kitt bedeutet Haus (Landhaus), ferner: Gebäude, Obdach, Wohnung, auch Käfig od. Stall (für Tiere). Das Dimin. Kittle ist angeführt für: Gartenhaus sowie für Arrest, Gefängnis, Haft oder Kerker; dazu: im Kittle = gefangen. Verbindungen mit Kitt sind: grandiche Kitt (d. h. „großes Haus“) = Hof u. dofe Kitt (d. h. „schönes Haus“ = Schloß (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 49].) Sehr zahlreich sind die Zusammensetzungen, so a) mit Kitt voran: Kittkaffer = Hausherr, Kittpatris = Hausvater, Kittmoss = Hausfrau, Kittmamere = Hausmutter, Kittschenegler (fem. -ere) = Hausknecht (-magd), Kittkenluf od. -kib = Haushund, Kittglitschin = Hausschlüssel; b) mit Kitt hinten (außer den obigen drei Synon. für Abort) noch: Schenagelskitt = Arbeitshaus, Dercherkitt = Armenhaus, Bich- oder Lobekitt = Bank (d. h. Bankhaus; dazu: grandiche Lobekitt = „Münze“, d. h Münzwerkstätte, Syn.: Bichpflanzerskitt), Ruechekitt = Bauernhaus, Zschorkitt = Diebesherberge, Schlumerkitt = Herberge, Sinsekitt = Herren-(od. Herrschafts-)haus, Finkelkitt = Hexenhaus, Nille-, Ni(e)se- od. Nuschekitt od. Hegelkitt = Irrenhaus, Narrenhaus (vgl. auch „Tollhaus“), Kemererskitt = Kauf- od. Krämerladen, Nikel- od. Schnurrantekitt = Komödien- od. Schauspielhaus (Theater), Begerkitt = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) od. Leichenhaus (vgl. grandich Begerkitt = Hospital, Lanenger-Begerkitt [eigtl. „Soldaten-Krankenhaus“] = Lazarett), Bommer- od. Keifkitt = Leihhaus, Kaflerkitt = Metzgerhaus (vgl. grandiche Kaflerkitt = Schlachthaus), Gallach- oder Kolbekitt = Pfarrhaus (vgl. grandich Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.], Buzereikitt = Polizeiamt, Sturmkitt = Rathaus (s. Näh. unter dies. Wort), Klasskitt = Schießhaus, Plauderkitt = Schule (auch: Lehrerhaus), Blibelkitt = „Stundenhaus“ (d. h. „Versammlungshaus der Methodisten“), Patriskitt = Vaterhaus, Leilekitt = Wachthaus (wörtl. „Nachthaus“), Pfladerkitt = Waschhaus, Johlekitt = Weinhaus, Schofelkitt = Zuchthaus. Während in allen diesen Fällen Kitt mehr oder weniger die Bedeutg. von „Haus“ im gewöhnl. Sinne des Wortes hat, erscheint es etwas spezieller gebraucht in den Ausdrücken Gachne-, Stenzel- od. Stiererkitt = Hühnerhaus, Keiluf- od. Kibekitt, Hundehütte, Fläderlingskitt = Vogelbauer u. Luberkitt = Uhrgehäuse. Mit dem Dimin. Kittle sind gebildet: a) im Sinne von „kleines Haus, Häuschen“: α) am Anfang: Kittlekies = Backstein od. Dachziegel; β) am Ende: Ruchekittle = Bauernhäuschen(Spr.), Begerkittle (d. h.„Totenhäuschen“) = Sarg (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun., vgl. schon „Vorbmrkg.“, [S. 18]); b) im Sinne von „Gefängnis“ u. dergl.: Kittlebuz = Gefangenwärter. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89-93, 97, 98, 101 (Kitt = Haus u. kittlen = schlafen; ferner schon mehrere Zus. mit Kitt [Kitte], näml.: Sefle- od. Schund-Kitte = Abtritt, Prinzen Kitt = Amtshaus, Ruochen Kitt = Bauernhaus, Kocheme-Kitt = Diebesherberge, Sturmkitt = Rathaus u. Baiskitt = Wirtshaus; mit engerer Bedeutg. von K. noch: Flotschen-Kitt = Fischkasten); W.-B. des Konst. Hans 253-255, 257, 258 (Zus.: Ruoche-Kitt = Bauernhaus, T’schorr-Kitt = Diebesherberge, Gallacha-Kitt = Pfarrhaus, Sturm-Kitt = Rathaus, Baiserkitt = Wirtshaus, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 274 (die Kitteren = die Häuser u. Kitts = Herbergen [der „Stappler“]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 340, 342, 343, 345, 346 (Kitt = Aufenhaltsort, Haus [Bauernhaus]; Zus.: a) mit Kitt: Bäkerischkitt od. Bollerskitt = Krankenhaus, Kollachekitt = Pfarrhaus, Rauschkitt = Strohhaus, Baiserkitt = Wirtshaus, Schofelkitt = Zuchthaus; b) mit Kit[t]le: Schmelzkittle = Abtritt, Gleiskittle = Milchhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 69 (Kittchen = Arrest, Gefängnis, Kittchenbos = Arrestaufseher); Schwäb. Händlerspr. 479, 482, 488 (Kitt = Haus, Arrest, Kittle = Arrest, Drîfekitt = Arrest od. Zuchthaus, in U. [213]: Schmelzkitt [in Pfedelb. (213): Schmelzkittle] = Abtritt u. Derches- od. Mangkitt = Bettelhaus; in Lütz. [214]: Fūl-Kitt od. Schofel-Kitt = Abtritt [hier letzteres also in anderem Sinne gebraucht als sonst üblich!]). S. noch Pfälz. Händlerspr. 438 u. Metzer Jenisch 216 (Kittche = Gefängnis bezw. Arrest). Die Etymologie des Wortes (das schon im Rotwelsch des 17. Jahrh. auftritt [vgl. Schütze, S. 74, unter „Kittchen“]) ist noch nicht sicher festgestellt (vgl. Stumme, S. 19 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 426), jedoch erscheint es wohl immer noch besser, deutschen Ursprung zu vermuten (s. Näh. darüber bei Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit O. Weise in d. Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins, Jahrg. XVI [1901], Sp. 328; vgl. auch Weber-Günther, S. 177, unter „Kittche“) als (wie neuerdings z. B. wieder Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Anm. 1 in Übereinstimmg. mit A.-L. 558 befürwortet hat) es herzuleiten von dem jüdischen kissê = „Sitz, Sessel“, dessen Form und engere Bedeutung dagegen Bedenken erregen müssen.

[148] Der Ausdr. Schmelzkitt gehört zu dem Stamme schmelz- des Zeitworts schmelza = „austreten (schwer)“, d. h. cacare. Eine ähnl. Zus. damit ist auch Schmelznolle = Nachthafen. Ableitungen davon sind: die Subst. Schmelzer = After, Hinterer u. Schmelzede = „Abweichung“ (d. h. Diarrhöe). Nicht zu Schmelzer im obigen Sinne zu stellen, sondern unmittelbar von dem Zeitw. schmelzen abzuleiten ist die Zus. Buxenschmelzer = Feigling, die wörtlich dem gleichbed. südd. „Hosenscheißer“ (vgl. dazu Groß’ Archiv, Bd. 56, S. 183) entspricht. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 37 (schmelzen = Notdurft verrichten); Pfulld. J.-W.-B. 337 (Schmelzkitle od. Schmelzköhrle = Abtritt); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 66, 68, 74 schmelzen = cacare, Schmelzer = Podex, Schmelzgusch = Abtritt [vgl. betr. -gusch, wohl zu franz. coucher: Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 936)); Schwäb. Händlerspr. 479, 480, 485 (hat ebenfalls schmelzen, Schmelzer u. Schmelzgusch [od. -kanti, in U. (213): Schmelzkitt, in Pfedelb. (208): Schmelzkittle] in gleichem Sinne). Die Etymologie des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch dürfte es kaum zu gewagt sein, darin nur eine Begriffsverengerung zu erblicken von unserem gemeinsprachl. schmelzen = „flüssig werdend zergehen“ od. vielmehr von dessen transit. Bedeutg. „schmelzen machen, in Fluß bringen“. S. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 747. (bes. (für die Bedeutg. im Jenischen) zu beachten dort: altnord. melta = „verdauen“); vgl. ferner bei Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1025 (unter „schmelzen“, Nr. IV): ndl. smelten - „stercus liquidum egerere“.

[149] S. (betr. Schund) das Näh. schon unter „abgerahmte Milch“.

[150] Richtiger dürfte die Bedeutg. wohl durch „sich abschaffen“, volkstüml. für „sich abarbeiten“, wiederzugeben sein, da schenegeln = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: nobis schenegla = faulenzen (eigtl. „nichts arbeiten“). Das Zeitw. stammt her von dem Subst. Schenagel = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe). Weitere Ableitungen davon sind: das Subst. Schenegler = Arbeiter (Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.: Scheneglere = Magd u. das Adj. scheneglich = fleißig. Mit den Hauptw. Schenagel u. (bes.) Schenegler sind mancherlei Zus. gebildet worden, so a) mit Schenagel: α) am Anfang: Schenagelskitt = Arbeitshaus, Schenagelsbich, -lobe od. -kies = Lohn (eigtl. „Arbeitsgeld“); β) am Ende: Griflingschenagel = Handarbeit, Leileschenagel = Nachtarbeit; b) mit Schenegler (nur am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt): Stradeschenegler = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, Rutschenegler = Eisenbahnarbeiter, Glansertschenegler = Glaser, Kittschenegler = Hausknecht (fem.: -ere = Hausmagd), Bichschenegler = Münzarbeiter, Hitzlingschenegler = Ofensetzer, Trabertschenegler = Pferdeknecht, Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh. unter „Hammel“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89 (schinnageln = arbeiten); Schöll 271 (schönegle); Pfulld. J.-W.-B. 337-348 (schinepeln [sic] u. Schineplerei = Arbeit, aber [richtig] Schinegglerei = Handwerk; vgl. auch Schiankterei = Kanzlei; für: „Manobisch, schinegeln“ = „Faulenzer“ [339] ist wohl zu lesen: „[ma] nobisch schinegeln“ = „faulenzen“; vgl. noch Schineller[in] = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], Fuchsschineller = Goldarbeiter); Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr. 66, 67 (schenägeln, Schenagel = Arbeit, Schenagelswinde = Arbeitshaus); Schwäb. Händlerspr. 479 (schenig[e]len oder [seltener] schineg[e]len [in Pfedelb. (208): auch schenegln], Schenachel = Arbeit, auch Handwerkszeug, vgl. dazu in Degg. [215]: de[n] Schenagel reiße[n] = arbeiten; in U. [214]: Schenal-penk u. -mŏs = Knecht u. Magd). Vgl. auch noch Pleißlen der Killertaler 416 (schenēge[n]), Pfälz. Händlerspr. 438 (Schineggel = Arbeit, schenigle = arbeiten) u. Metzer Jenisch 216 (schinnegle = arbeiten). Zur Etymologie (vom rotw. Schinagole = Schubkarren, Zus. vom Schin = hebr. schîn, dem Anfangsbuchstaben des Wortes „Schub“ und Agole = „Karren, Wagen“, vom gleichbed. hebr. agâlâ[h], jüd. agôlô) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter „Aglon“) u. 283 (unter „Schien“); vgl. auch Weber-Günther, S. 164 (unter „schenägeln“).

[151] Mit schnellen = schießen (auch knallen) sind noch zusammengesetzt: herab- und niederschnellen, ferner — als Substantivierung — Fläderlingschnellen = (das) Vogelschießen. Ableitungen: Schnelle oder Schneller = Büchse, Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu Schnellepflanzer = Büchsenmacher). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99, 101 (schnellen = schießen, geschnellt = geschossen, verschnellen = verschießen); W.-B. des Konst. Hans 255 (g’schnellt = geschossen); Pfulld. J.-W.-B. 344 (schnellen = schießen, als Subst. Schnellen = Schuß); Schwäb. Händlerspr. 485 (schnellen, in Lütz. [214]: Schneller = Gewehr). Zur Etymologie des (schon seit dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter „schnellen“, Nr. I, 1, bes. lit. δ sowie Weigand, W.-B. II, Sp. 764, wonach schnellen, mhd. snellen (Ableitg. vom Adj. schnell) = „durch starken Widerdruck in hohem Grade sich fortbewegen machen“ besonders von Bogen und Pfeilen, dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch Schneller u. a. = „die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr“ (1691 bei Stieler).

[152] S. abbiegen.

[153] Beschrenken bedeutet auch schließen (oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher b’schrenkt auch = verschlossen); dazu die Zus. anb’schrenke = anschließen und die Ableitg. Beschrenker = Schließer. Dagegen setzt zuschrenken = zuschließen ein einfaches schrenken = schließen voraus, das aber im Vokab. fehlt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 272 (aufschrenken = aufmachen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 344 (schränken = schließen, einschließen, aufschränken = eröffnen); Schwäb. Gaun.- und Kundenspr. 73 (Schränker = Hausdieb); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [215]: schränke[n] = schließen, Schrenke = Tür, in U. [214]: abschränke[n] = verschließen). Zur Etymologie des zweifellos rein deutschen (mit „Schrank“ und „Schranke“ verwandten) Wortes schränken usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter „Schränker“).

[154] Das Zeitwort febere(n) (-ra) = schreiben oder beschreiben (daher gefebert = schriftlich) kommt noch vor in den Zus.: auf-, aus-, ein-, heraus-, nach-, nieder-, über-, unter- und vorfebern. Mit dem Stamm feber- sind gebildet die Subst. Feberschure = Bleistift (eigentl. „Schreibding“) und Feberklettert = Schreibtisch. Ableitungen sind: Feberer = Schreiber (dazu grandicher Feberer = Schriftgelehrter) und Feberei = Schrift oder (das) Schreiben. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.) Dolm. der Gaunerspr. 98 (febren und Febrer); W.-B. des Konst. Hans 254, 257 (febere und Feberer, ausfeberen = ausschreiben); Schöll 274 (febern = schreiben [in der Bettlerspr.]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 341, 344 (hier ebenfalls febern, Feberer und ausfebern, ferner noch Feberei = Schreibzeug); Schwäb. Händlerspr. 480, 486 (fæ̂beren oder fêberen und Pfeberei = Brief). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (fêwere = schreiben). Zur Etymologie, die Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als „unklar“ bezeichnet, s. Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 64 ff. unter „Feberer“; vgl. dazu auch weiter unten über Fehma (unter „Hand“).

[155] Mit schallen = singen sind noch zusammengesetzt: nach- und vorschallen. Ableitungen: Schaller = Sänger (fem.: -erin, Zus.: Schallerfläderling = Singvogel, insbes. Amsel, Kanarienvogel) und Schallerei = Gesang. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (schallen = singen); desgl. W.-B. des Konst. Hans 254 und Pfulld. J.-W.-B. 343 (hier [340, 342] auch: Schallen = Gesang und Schaller = Sänger); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73, 74 (schallen, Schaller = Sänger, Schallerle = Organist, Schallerkasten = Kirche); Schwäb. Händlerspr. 483, 486 (schallen, Schaller, Duftschaller [d. h. „Kirchensänger“] = Lehrer). Zur Etymologie (von unserm deutsch. Zeitw. schallen) sowie über weitere Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 69-71; vgl. auch Weber-Günther, S. 180 u. 188.

[156] S. abgehen.

[157] Begeren bedeutet: sterben, umkommen, auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. begert = gestorben, verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation begert nobis (eigtl. „stirbt nicht“) = unsterblich und die Zus. Begertflössling (d.h. „toter Fisch“) = Hering. Als Subst. gebraucht ist Begert = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel Beger u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. begern (vgl. unter „Etymologie“), ist für sich allein in Wittichs Vokabular nicht angeführt, wohl aber sind damit (od. vielleicht auch bloß mit dem Stamme beger- des Zeitw. begeren) zahlreiche Zusammensetzgn. gebildet worden, so Begersins = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u. dazu die Verbdg. schofler Begersins = Quacksalber), Begerschure = Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, Begerkies = Grabstein, Leichenstein, Begerfläderling = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr. die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon „Vorbemerkung“, [S. 18] sowie unter „Käuzchen“), Begerkitt = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital) u. Leichenhaus (vgl. grandiche B. = Hospital, Lanenger B. = Lazarett, u. das Dim. Begerkittle = Sarg [s. dazu schon oben [S. 44], [Anm. 147] unter „Abort“]), Begergadscho od. Begerkaffer = Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, Begersauft = Leichenbett (Sterbe-, Totenbett), Begermoss = Leichenfrau, Begerbikus = Leichenschmaus, Begerbochdam = Leichentuch, Begerkluft = Sterbekleid, Begersore = Totenbahre, Begerkritzler = Totenschein. Ableitungen (von begeren) sind: das Subst. Begerei = (das) Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. begerisch = sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm (daher: begerisch bosten = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. nobis begerisch = wohl [gesund], die Verbdg. begerische Mufferei = Totengeruch u. die Zus. Begerischsauft = Krankenbett). Auch als Subst. wird Begerisch gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie (Fallsucht), während grandich Begerisch die Schwindsucht bedeutet. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (begerisch = krank, vgl. auch 98: begerisch gekeilt werden = hart geschlagen werden); Schöll 271, 273 (Beger = Tod, begern = sterben); Pfulld. J.-W.-B. 341, 345 (bäkeren = sterben, bägeret = gestorben, bäkeret = tot, Bäkerei = Krankheit, bäkerisch = krank, Bäkerischkitt = Krankenhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 72, 76 (begern = sterben od. krank sein [hierfür auch bechern], abgebegert = gestorben, Begerer = Arzt, Begerwinde = Krankenhaus); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (bêkeren = sterben [vgl. in Pfedelb. (213): bägert u. beechert = gestorben], bêkerisch [in Pfedelb. (213): beecherisch] = sterbenskrank, todkrank, Bêkerwinde = Spital). Zur Etymologie (vom hebr. peger = „Leichnam“) sowie über weitere Belege im Rotw. s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1 (unter „Begerschaberer“) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter „Pöckerer“). Vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter „auf-bägere[n]“).

[158] Mit bugle (-la) od. buk(e)le(n) (-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die Zusammensetzungen: fortbugla = fortbringen, forttragen, herausbukla = heraustragen, mitbukle = mitbringen, umher-, wegbukle = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung schiebes bukle = davontragen. Ableitungen sind: die Subst. Bukler (in der Zus. Kritzlerbukler = Briefträger, Postbote) u. Buklete = Last, Traglast. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (buckeln = tragen); Schöll 272 (buklen); Pfulld. J.-W.-B. 345 (ebenso); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (buckeln); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213] bukeln, in Lütz. [215] buckle[n]). Zur Etymologie (vom deutsch. Buckel od. Puckel) sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 209 u. Anm. 2. Vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit weiteren Angaben).

[159] Mit pfladere(n) (-ra) = waschen (auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch zusammengesetzt: auf- u. auspfladere(n) (-ra) = auf- u. auswaschen (ausspülen). Mit dem Stamme pflader- zusammenges. Hauptwörter sind Pfladerschottel = Waschbecken, Pfladersore = Wäsche, Pfladermoss = Wäscherin, Pfladerkitt = Waschhaus, Pfladerflu(h)te = Waschwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 91, 101 (Fladerei = Wäsche, Fladerer = „Balbierer“, Doktor); Pfulld. J.-W.-B. 343, 346 (fladeren = waschen, Flader-Schury = Schermesser); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (flattern = waschen); Schwäb. Händlerspr. 488 (pfladere); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (fladere[n]) u. Metzer Jenisch 207 (flādere). Zur (nicht ganz sichern) Etymologie sowie über weitere rotw. Belege s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.

[160] S. Abort.

[161] S. abbiegen.

[162] Mit pfreimen (-ma) = bezahlen (zahlen), vergüten ist noch zusammenges. auspfreimen = auszahlen; als Subst. gebraucht: Pfreimen = Steuern. Ableitung: Pfreimerei = Zahlung (Sold, Verdienst). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 346 (pfräumen = auszahlen, bezahlen, zahlen); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (pfreimen = bezahlen, zahlen). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist pfreimen wohl nur eine Nebenform von bereimen (s. darüber das Näh. weiter unten unter „bezahlen“), wozu die (z. B. bei Karmayer 17 vorkommende) Form bepreimen (vgl. Groß’ Archiv, B. 33, S. 305, Anm. 3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.

[163] Mit zaine[n] (od. zeine[n]) = bezahlen (zahlen) sind noch zus. an- u. auszeine[n] (-na). Als Subst. gebraucht ist Zeine = Zahlung. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 259 (zainen = zahlen); Schwäb. Händlerspr. in U. [214]: zaine[n]= bezahlen). Die Etymologie ist unklar.

[164] S. abbiegen.

[165] Grandicher Flederling heißt wörtlich „großer Vogel“, während grandich Flederling = Storch, eigentlich wohl durch „größter Vogel“ (d. h. der in Deutschland bekannte größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was Wittich an anderer Stelle (s. unter „Bischof“) über den Gebrauch von grandich (im Gegensatz zu grandicher) als Superlativ im Jenischen ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 42] u. Näh. noch in m. Anm. zu „Bischof“). — Mit Flederling (od. Fläderling) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu „Vorbemerkung“, [S. 16]). Aber auch manche Zusammensetzungen mit dem Worte finden sich sowohl für bestimmte Gattungen von Vögeln (s. Schallerflederling = Singvogel, Flu[h]teflederling = Wasservogel) als auch für einzelne Arten. So kommt Schallerflederling auch spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und Flu(h)teflederling für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng. jenischer Flederling, worüber das Näh. noch weiter unten bei „Bachstelze“); vgl. ferner: Stämpfflederling (eigtl. „der schimpfende Vogel“) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), Leile- od. Ratteflederling (d. h. „Nachtvogel“) = Eule (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben [S. 37], [Anm. 127]), Begerflederling (d. h. „Totenvogel“) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu schon oben [S. 98], [Anm. 157]), Schmuserflederling (d. h. „der sprechende Vogel“) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18]), Dofeflederling (d. h. „der schöne Vogel“) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]), Schofeleiflederling (d. h. „Unglücksvogel“) = Rabe (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 19], [Anm. 49]) u. Furschetflederling (d. h. „Gabelvogel“) = Schwalbe (nach deren gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter „Schwalbe“). Beachtenswert ist, daß Flederling in gewiss. Zus. auch für andere Tiere (Insekten) vorkommt, so in Kupferflederling = Heuschrecke und Schundflederling = Mistkäfer. Seltener sind endlich Zus., in denen das Wort vorangesetzt ist, so: Flederlingskitt = Vogelbauer, Fl.-bäzeme = Vogeleier, Fl.-nolle = Vogelnapf u. Fl.-schnellen = Vogelschießen. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Fletterling = Vogel); Schwäb. Händlerspr. 488 (Fläterling = Vogel [in Pfedelb. (213): Flätterling auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade diese engere Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. Hildb. W.-B. 1753ff (227) u. Rotw. Gramm. n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]). Seiner Etymologie nach gehört das Wort natürlich zu „flattern“; s. Günther, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1545 (unter „Flätterling“). —

Das (in der Verbindg. grandich[er] Flederling enthaltene) Adj. grandich (oder grandig) hat außer der häufigsten und allgemeinsten Bedeutung „groß“ noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen, gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll, vorzüglich, endlich auch noch „wütend“ (doch geht es in diesem Sinne wahrscheinl. auf einen anderen Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der „Etymologie“ a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (nobis grandich) ist es = wenig, winzig, als Adverb gebraucht bedeutet es: oft (häufig), als Subst. (Grandich): Gewalt, Höhe. Der Komporat. grandicher kommt nicht nur für „größer“, sondern auch für „mehr“ („mehrfach“, „vielmals“) vor. In Verbindungn. erscheint grandich: a) zuweilen mit einem Zeitw., so grandiche pflanzen (eigtl. etwa „den Großen spielen“) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen grandicher pflanzen nur durch „verlängern“ wiedergegeben ist), viel häufiger aber natürlich: b) mit Hauptwörtern, und zwar in d. R. (und nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17]ff.), so α) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B. Gebäude u. dergl.): grandiche Jahre- od. Krachersäftling (d. h. „große Waldtraube“) = Ananas, grandiche Duft (d. h. „große Kirche“) = Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Kies (d. h. „großer Stein“) = Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, grandiche Kitt (d. h. „großes Haus“) = Hof, grandiche Kolbekitt (d. h. „großes Pfarrhaus“) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Schoflerei (d. h. „großes Gericht“) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr. d. Zigeun. unter „Kreis-“ u. „Kriminalgericht“), grandicher Sins-Obermann (d. h. etwa „des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut“) = Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), grandiche Lobekitt (d. h. „großes Geldhaus“) = Münze, Münzwerkstätte, grandiche Hegerle (d. h. „große Knödel“) = Nudeln, grandiche Kaflerkitt (d. h. „großes Metzgerhaus“) = Schlachthaus, grandiche Schrende (d. h. „große Stube“) = Saal (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Spraus (d. h. „großes [langes] Holz“) = Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner β) auch für — mehr od. weniger — abstrakte Begriffe; so: grandich Flu(h)te (d. h. „großes“ [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben [S. 36], [Anm. 126]), grandich Ulma (d. h. „viele Leute“) = Menge, grandich Lanenger („viele Soldaten“) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner grandicher Funk (d. h. „großes Feuer“) = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Zigeun.), grandich Bogelo (d. h. „großer Hunger“) = Heißhunger, grandich Begerisch (d. h. „großes [schweres] Siechtum“) = Schwindsucht, grandich Schure od. Sore (d. h. „viele Dinge“) = Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann γ) für Tiere: so (außer grandich[er] Flederling noch); grandiche Gachne (d. h. „großes Huhn“) = Hahn, grandich Jerusalemsfreund (d. h. „großes Schaf [Hammel]“) = Schafbock, grandich Babing od. Strohbuzer (d. h. „große Gans“) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich δ) für Menschen, und zwar: aa) nach deren Eigenschaften, wie grandicher Kaffer (d. h. „großer Mann“) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw. nobis grandicher Kaffer = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro toto für die Personen selbst gebräuchl.) Bezeichngn. grandicher Rande = Dickbauch, grandicher Ki(e)bes = Dickkopf oder Starrkopf u. grandicher Giel (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen, daß solche Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z. B. grandicher Rande = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger, trächtig, grandicher Muffer = großnasig; vgl. auch grandich Sore (s. oben) = vermögend; bb) nach dem Stande od. Beruf, wie z. B. grandicher Sins (d. h. „großer Herr“) = Amtmann, Richter (s. d. betr. d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d. Zigeun.), grandicher Feberer (d. h. „großer Schreiber“) = Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele dieser Art ist — um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem Worte „Bischof“ eingegangen, da dort Wittichs Bemerkung über die in seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen durch Hinzufügung von grandicher (als Komparativ) u. grandich (als Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich Grandicher-Patres u. Grandichemamere = Großvater, -mutter. — Zu vgl. betr. grandich (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (grandig = gewaltig, stark); Schöll 271 (grandig = groß, stark, viel); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 344, 345 (grandig = groß, grandiger Kanoffer od. Gschor = „Erzdieb“, grandiges Schuberle od. Balderle = Gespenst, grandig Flotte = Meer, grandige Kehr = Schloß [Gebäude], grandige Duft [od. Kangeri (aus dem Zigeun.)] = Tempel); Schwäb. Händlerspr. 481 (grandig = groß); auch dem Metzer Jenisch (216) bekannt. Der Etymologie nach geht das (schon zu Beginn des 17. Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung, und zwar noch eher auf das italien. grande als auf das französ. grand, zurück. S. Näh. in Groß’ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter „Sens“) u. dazu noch Weber-Günther, S. 173 (unter „garant“) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne „wütend“ — wozu das bes. in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. grandig = „mürrisch, verdrießlich, übel aufgelegt“ u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es wohl auf einen anderen Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei Fischer, a. a. O. unter u. zu „grandig“, Nr. 2, c verbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter „Grand“) sowie Sp. 999 (unter „grennen“).

[166] S. abbiegen.

[167] Über die Adj. ni(e)sich, nillich od. nuschich s. d. Näh. schon oben unter „aberwitzig“. Giel bedeutet: Maul (Schnauze), Mund (Lippe), dann auch allgemeiner (gleichsam als pars pro toto) Gesicht, Miene, Signalement (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Andere Zus. bzw. Verbdgn. mit Giel sind noch Grandichergiel = Großmaul (s. dazu schon oben [S. 100], [Anm. 165]), Schmusichergiel = Plappermaul sowie oberkünftiger Giel (d. h. eigtl. etwa „Obermaul“) = Gaumen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zig., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 17]). Vielleicht dürften als Ableitungen von Giel auch das Zeitw. giele(n) (-la) = (sich) erbrechen, übergeben (auch als Subst. gebr.) u. das Adj. gielerich = übel („zum Übergeben [Erbrechen] schlecht“ [Spr.]) betrachtet werden. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 342, 345 (Giel = Maul, gillen = erbrechen, speien); Schwäb. Händlerspr. 4841 (Gîl = Mund). Der Etymologie nach gehört das (als rotw. schon im Lib. Vagat. [54] bekannte) Wort zu dem bereits mhd. giel = „Maul, Rachen, Schlund“ (s. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1011; vgl. auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 892), bildet also „einen der nicht häufigen Fälle der Erhaltung von Archaismen im Rotwelsch“ (so: Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 651; vgl. auch schon Wagner bei Herrig, S. 207 u. Behaghel in d. Z. der Allg. Deutsch. Sprachver. Jahrg. 1905, Sp. 158). Das Zeitw. gil(l)en = erbrechen usw. hat Fischer, a. a. O., Sp. 658 — freilich nur mit einen Fragezeichen — zu dem hebr. gilla = „enthüllen“ in Beziehung gesetzt.

[168] Als eine Zus. mit Bos = After (Hinterer) könnte vielleicht aufgefaßt werden Boslem = Exkremente (das wäre dann eigtl. — da Lehm auch im Wittich’schen Vokabular für „Brot“ vorkommt — soviel wie „Afterbrot“). Ebenso scheint ein gewisser Zusammenhang vorzuliegen zwischen Bos u. dem Zeitw. bosen od. bosme = lecken, zu dem möglicherweise die Redensart jann’ mei Bos = „leck mich (im A....)“ (s. d. W.-B.) den Übergang gebildet hat. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (Bos = Podex [ganze Hinterseite]); Schwäb. Händlerspr. 485 (Boß = Podex; vgl. dazu noch in Pfedelb. [211]: muff mei Boß = „l. m. i. A.“). Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1303 hat das hebr. bōš = „sich schämen“ herangezogen, jedoch nur mit einem Fragezeichen. Weniger gesucht erscheint es m. E., in Bos zu erblicken nur eine Abkürzung (nach Art der sog. Aphärese) von der Zusammensetzg. Schundbos u. ä. (wörtl. etwa „Kothaus“, zu Schund = Kot u. dgl. [s. oben [S. 41], [Anm. 139]] u. Bos = Haus, älterer rotw. Form für Bais u. ä., aus dem gleichbed. hebr. bajit [vgl. Archiv, Bd. 38, S. 221, Anm. 1]), die sich zu Anfang des 19. Jahrh. in einzelnen Sammlungen der Gaunerspr. als Bezeichnung für den „Hinteren“ findet (so z. B. bei Karmayer 150 [neben Schandbus (138)]; vgl. Pfister 1812 [303: Schonnboos] u. v. Grolman 58 u. 63 u. T.-G. 101 [Schonboos u. Schandbus od. -buß]).

[169] S. Abort.

[170] Dieselbe Ausdrucksweise haben auch die Zigeuner (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko bersch [d. h. „jedes Jahr“] = alljährlich). — Jane od. Jahne = Jahr findet sich auch noch in den Verbdgn. voriges Ja(h)ne = vorjährig u. nobis dofs Ja(h)ne (d. h. eigtl. „kein gutes Jahr“) = Mißjahr (s. d. betr. d. Zigeunerspr.) u. in den Zus. Ja(h)neschei = Jahrestag u. Neuja(h)ne = Neujahr (Spr). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Jone = Jahr, daher Jone Gschok = Jahrmarkt); W.-B. des Konst. Hans 257, 259 (Jane = Jahr, Jann = Jahre); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Jane = Jahr). Die Etymologie bleibt zweifelhaft. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 74 hat hingewiesen teils auf Jam = Tag (in der Form Jäm[m]chen = Jahr [s. dazu schon oben „Einleitg.“, [S. 26], [Anm. 70]]), teils auf das hebr. schānā, jüd. schōnō = Jahr, das auch in die Gaunerspr. eingedrungen ist (s. z. B. schon Christensen 1814 [322: Schone], u. dann öfter bis zur Neuzeit [vgl. A.-L. 603 u. Groß 492 (Schono, -num), Rabben 121 u. Ostwald 137 (Schone, -num)]). Jedoch erscheint es vielleicht am einfachsten, auch hier (gleichwie möglicherweise ja bei Jäm[m]chen) nur eine absichtliche Entstellung des Auslauts von „Jahr“ anzunehmen.

[171] Auch diese Umschreibung ist bei den Zigeunern gebräuchlich (s. Liebich, S. 139 u. 174: hakko diwes [d. h. „jeden Tag“] = alltäglich). — Das jenische Schei (od. Schein) = Tag (wofür früher Jamm gebräuchlich gewesen [vgl. oben „Einltg.“, [S. 26], [Anm. 70]]), hat noch verschiedene Nebenbedeutungen, so: Helle (auch als Adj. gebr. = hell), Licht (Wachslicht, Kerze), Fackel (Wachsfackel), Ampel, Lampe, Laterne u. endlich Fenster. Mehrere dieser Bedeutungen begegnen auch in den Zusammensetzungen mit dem Worte, so: a) = Tag (nur ans Ende gestellt) in: Nilliche-(Ni[e]siche- od. Nuschiche-)schei = Fastnacht (vgl. oben [S. 39], [Anm. 132]), Ja(h)neschei = Jahrestag (vgl. oben [Anmerkg. 170]), Bäzemeschei (eigtl. „Eiertag“) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18]), Brandlengschei (eigtl. „Kuchentag“) = Kirchweihe, Flössleschei = Regentag, Bossertschei (eigtl. „Fleischtag“) = Sonntag (vgl. schon oben [S. 31], [Anm. 119]); b) = Licht (od. Lampe): α) vorangestellt: in Scheischure (eigtl. „Licht- [od. Lampen-] Ding“) = Docht u. Scheinpflanzer = Lichtzieher; β) ans Ende gestellt: in Schuberleschein (d. h. „Gespensterlicht“) = Irrlicht (s. d. betr. die Zigeunerspr.), Leileschei(n) = Nachtlicht, dann aber auch Mond u. Stern (vgl. dazu schon oben [S. 37], [Anm. 127]); c) = Fenster: in Scheiglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255, (Schaispringer = „Diebe, die bei Tag stehlen“); übereinstimmend damit in der Bedeutg.: Scheinspringer bei Schöll 269, 270 u. im Pfulld. J.-W.-B. 345 (vgl. hier [339] auch noch Prenzenschein = Feiertag, während Scheinohne Zusatz — [337] so viel wie „Auge“ bedeutet); Schwäb. Händlerspr. 487 vbd. mit 479, 480, 483 (Schein = Tag, Nebenbedtgn.: Auge, Fenster, Licht; vgl. in Pfedelb. [214]: Bichschein = Zahltag). In den übrigen rotw. Quellen findet sich Schein für „Tag“ (abges. von der oben erwähnten Zus.) m. Wiss. zuerst bei Schintermicherl 1807 (288), für „Auge“ zuerst bei Pfister bei Christensen 1814 (328), dagegen schon im Basl. Glossar v. 1733 (201) für „Glas“. Aus den Krämerspr. vgl. noch: Pfälz. Händlerspr. 438 (Schainche = Auge, Fenster, Lampe), Metzer Jenisch 216 (Scheinche = Augen), u. Winterfeld. Hausierspr. 441 (Scheincher = Fenster). Der Etymologie nach gehört das Wort wohl zweifelsohne zu unserem gemeinsprachl. Schein (in dem ursprünglichsten Sinne von „ins Auge fallende Helle“, mhd. schîn, ahd. scîn = „Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit“ usw. (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 690/91); vgl. auch A.-L. 597. Über das stammverwandte Scheinling = Auge s. das Näh. unter „Augapfel“.

[172] Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 145 u. 174 (mangamáskero lowo, d. h. eigtl. „Bettelgeld“ = Almosen). — Betr. Dercher- s. das Näh. unter „abbetteln“. Das jenische Bich = Geld (Geldstück, Kupfergeld), Münze, dann auch Barschaft, Gehalt (Sold), Summe kommt in mancherlei Zusammensetzgn. vor, so a) am Anfang stehend: α) für Personen: in Bichsins = Bankier, aber auch Münzmeister, u. Bichschenegler = Münzarbeiter (auch wohl Bichpflanzer, argum.: Bichpflanzerskitt = Münzwerkstätte, vgl. auch noch die Umschreibg. nobis dufter Bichpflanzer [d. h. eigtl. „kein guter Geldmacher“] = Falschmünzer); β) für Sachen: Bichkitt = Bankhaus, Bichschure = Geldkasse od. -kasten, Bichrande = Geldsack; b) ans Ende gesetzt: (außer in Dercherbich noch) in Stradebich = Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), Schenagelsbich = (Arbeits-) Lohn, Duftbicht (eigtl. „Kirchengeld“) = Opfergeld, Kritzlerbich = Papiergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 481 (Bich, Pich od. Spich = Geld; dazu [in Pfedelb. (214): Bichschein = Zahltag]); die Pfälz. Händlerspr. 438 hat die Form Pech. Über sonstige Belege im Rotwelsch usw. (wo die Form Pich od. Picht — neben Bicht — vorwiegt) sowie die (nicht sichere) Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 279, 280 u. Anm. 1 u. 2 (im Anschluß an A.-L. 583 [unter „Pich“]). — Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1094 gibt keine Erklärung.

[173] Auch hiermit (wie schon in der „Vorbemerkung“ [S. 18] erwähnt) sachlich übereinstimmend die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 174 (tschutschĭnéngĕri dai, d. h. „die Brustmutter“ = Amme; doch wird dai dabei auch wohl weggelassen [s. S. 166, vgl. auch Finck, S. 93]). Das jenische Wort Schwächerle = Brust (bes. Weiberbrust), bei Tieren = Euter (daher Horbogen-, Trabert-, Groenikelsschwächerle = Kuh-, Pferdeeuter, Schweinezitzen), dann auch = Herz, geht zurück auf das Zeitw. schwächen = trinken (saufen, zechen), aber auch = dursten (in der Wendg. mich schwächert’s). Zu ersterer Bedtg.: geschwächt = betrunken, berauscht, halbgeschwächt = halbtrunken sowie die Zus.: ausschwächen = austrinken (aber schwäch’ [a]uf = trink’ aus), beschwächen = betrinken, ver- u. vorschwächen = ver-, vortrinken. Zu beachten ist, daß das (unverkleinerte) Subst. Schwächer nur so viel wie „Rausch, Trunkenheit“ (auch wohl „berauscht, betrunken“) bedeutet (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 13], [Anm. 33]). Weitere Ableitungen (von schwächen) sind dann noch: d. Adj. schwächerich = durstig (Spr.), als Subst. = Durst, u. d. Subst. Schwäche = Tränke, Viehtränke (daher Trabertschwäche = Pferdetränke), Schwächet = Getränk, Schwächerei = Sauferei, Trank, Trinkgelage, Zeche. Zusammensetzgn. mit dem Stamm schwäch- (des Zeitworts schwächen) sind endlich: Schwächglansert, -nolle, -schottel = Trinkglas, -schale, -schüssel, alle drei aber auch (allgemeiner) = Trinkgefäß. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 u. 100 (schwächen = trinken, Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwächet mich = es dürstet mich); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 258, 259 (schwäche[n] = trinken, z’ Schwächet steken = zu trinken geben, Dow’re schwäche = Tabak rauchen; es schwächert mi = es durstet mich); Schöll 271 (schwächen = trinken, Schwächer = Durst); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 343, 345 (schwächen = trinken, saufen, aussaufen, verschwächen = versaufen [verdr.: erlaufen], Schwäche od. Schwächer = Rausch, Schwächerei = Trunkenheit); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68, 76 (schwächen, ausschwächen, Schwäche = Trunk; Schwächem = Durst); Schwäb. Händlerspr. 487 (schwächen, in Pfedelb. [208, 209, 212-14]: ausschwächen, ferner Schwäche = Trank, Schwächem = Durst, Schwächere = Wirtshaus, schwecherisch = durstig, Schwächbruder = Saufbruder, in Lütz. [215] Schwächer = Rausch). Vgl. noch Metzer Jenisch 216, 217 (schwäche = trinken, beschwächt = betrunken). Zur (nicht sicheren, aber vermutl. auf das Hebr. zurückzuführenden) Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 42 ff. (unter „Schwächer“); vgl. auch Weber-Günther, S. 169 (unter „Schwäche“). —

Das zweite (in der Zus. Schwächerlemamere enthaltene) Wort, Mamere = Mutter, findet sich auch noch in der Verbindg. Patres (d. h. Vater) und Mamere = Eltern (s. d. betr. d. Zigeunerspr., die ebenfalls kein eigenes Wort für „Eltern“ hat [vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 44]]) sowie in den folgenden Zus.: a) am Anfang stehend: Mamereglied, das drei Bedeutgn. hat, nämlich α) Oheim (als „Mutterbruder“), β) Tante (als „Mutterschwester“), γ) Neffe (v. mütterl. Seite her; vgl. zu α u. β betr. die Überstimmg. mit d. Zigeun. Näh. unter „Oheim“ u. „Tante“), weiter Mameregroenikel = Mutterschwein; b) ans Ende ges.: Grandichemamere = Großmutter, Kittmamere = Hausmutter, Schoflemamere (eigtl. „schlechte Mutter“) = Stiefmutter. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Mamaire = Mutter), Schöll 271 (Mammere); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Mamere); Schwäb. Händlerspr. 484 (wie Schöll). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432 ist das (auch sonst noch im Rotw. vorkommende) Wort — wie übrigens auch schon Schöll 271 vermutet hat — wohl ohne Bedenken herzuleiten vom französ. „mamère“. Eine Heranziehung der Zigeunersprache ist daher nicht nötig, wie denn z. B. auch die Sulzer Zigeunerliste v. 1787 (251) ausdrückl. das rotw. Mammere dem gleichb. zigeun. Mamma (vgl. Finck, S. 71: máma) gegenübergestellt hat.

[174] Auch die Zigeunerspr. hat denselben Ausdruck (momĕlin) für Licht (Fackel, Kerze) u. Ampel (Lampe, Leuchter); s. Liebich, S. 147, 174, 196, 214, 218 u. 219. Im übrigen s. über Schei(n). Näh. schon oben unter „alltäglich“.

[175] S. unter „absingen“ u. „Adler“.

[176] Auch die Zigeunersprache kennt (wie schon in der „Vorbemerkung“, [S. 17] erwähnt) diese Umschreibung (eigtl. „großer Herr“ für „Amtmann“ u. dergl. (s. Liebich, S. 127 u. 174: bāro rai; vgl. auch Jühling, S. 225 [= „Bezirksamtmann“]), desgl. für die Bedeutgn. „Richter“, „Herrscher“ u. „Oberherr“ (s. d. Vork. im W.-B.), während für die weiteren Bedeutgn. „Fürst“ u. „Landesherr“ bes. Benennungen bestehen. Über grandich Sins = König (fem. grandich Sinse) — wobei grandich als Superlativ zu betrachten — s. d. Näh. noch unter „Bischof“; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 42]. Zusammensetzgn. mit Sins (od. Sens) = Herr (Edelmann, Gebieter [vgl. fem. Sinse od. Sense = Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. Sinsle = Junker]) sind: a) im Anfang: Sinsekitt = Herrenhaus, Herrschaftshaus u. Sinseschrende = Herrenzimmer, während in Sinsemoss = Herrin (Dame, Edeldame) und Sinsemodel = Fräulein doch wohl eher das fem. Sinse steckt; b) am Ende (beliebt bes. als Berufsbezeichngn.): Begersins = Arzt (Doktor), Wundarzt (u. dazu schofler Begersins = Quacksalber, vgl. auch oben [S. 98], [Anm. 157]), Bich-, Kies-, Lobesins = Bankier (Bichsins auch = Münzmeister), Fehtesins = Quartierherr (fem. -sinse = Quartierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr, Dupfsins = Wundarzt, Näpflingsins = Zahnarzt. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254, 259 (Sinz = Herr, Sinst = der regierende Herr); Schöll 272 (Sens = Herr); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 341 (Sens = Herr, Obersens = Beamter, Senserei = Herrschaft, Kanzlei); Schwäb. Händlerspr. 482 (Sens = Herr, in U. [213] = Amtsrichter [in Pfedelb. (208) dafür: Seetzer] u. Senserei = Amtsgericht). Über weitere Belege im Rotw. seit d. 15. Jahrh. (woraus hier bes. erwähnt sei, daß grandiger Sims für „Amtmann“ od. „Edelmann“ schon bei A. Hempel 1687 [168] vorkommt) sowie über die nicht sichere) Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 269ff (unter („Sens“).

[177] Bu(t)z bedeutet bes. auch noch Büttel, Polizeidiener, Polizist. Eine Verbindung damit ist grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister und (als nochmal. Steigerung) grandich Bu(t)z = Polizeidirektor (s. dazu das Näh. noch unter „Bischof“). Zusammensetzgn. damit sind: a) am Anfang: Bu(t)zekeiluf od. -kib = Polizeihund; b) am Ende: Dofes-, Kittle- oder Lekbu(t)z = Gefangenwärter. Eine Ableitung ist: Bu(t)zerei = Polizei (dazu weiter die Zus. Bu[t]zereikitt = Polizeiamt). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338 (Butz = „Bettelvogt“); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 63, 73 (Buz = Polizei, verdeckter Buz = Geheimpolizist): Schwäb. Händlerspr. 485 (Butz od. Betz [in Pfedelb. (212): auch Buz] = Polizist; vgl. in Lütz. [215]: Grünlingsbutz = Waldhüter). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 u. Metzer Jenisch 216 (Buts bzw. Butz = Polizist). Zur Etymologie des (rein deutschen) Wortes sowie über seine sonstigen Belege im Rotw. (in der Form Putz schon seit d. Mitte des 18. Jahrh.) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 10ff u. zu vgl. dazu etwa noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1571 (unter „Butz“, Nr. 3, b).

[178] S. auch unter „Weinbeere“ u. „Weintraube“. Zus. mit dem Worte sind (außer Jahre- od. Krachersäftling, das in gleicher Weise für Brombeere, Erdbeere, Heidelbeere u. Himbeere gebräuchl. ist) noch das ähnl. Staubertsäftling = Mehlbeere (so daß Säftling also bes. auch die „Beere“ bedeutet [vgl. Wittichs Bemerkg. im Text], obwohl es dafür [ohne Zus.] im W.-B. — vielleicht bloß versehentlich — nicht aufgeführt ist) sowie (am Anf. stehend) Säftlingsore = Weinberg (s. dazu betr. Sore Näh. unter „Brücke“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Saftling = Trauben); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Säftling = Rebe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Säftling = Traube); Schwäb. Händlerspr. 487 (ebenso; vgl. im Pfedelb. [214]: Säftlingjole = Wein). Der Etymologie nach gehört das Wort natürlich zu unserem gemeinspr. Saft; vgl. Günther, Rotwelsch, S. 61.

[179] a) Mit Jahre = Wald (Forst, Gehölz, auch bes. Fichtenwald) sind (außer Jahresäftling) noch folgende Zus. gebildet worden: Jahrekrächerle = Haselnuß, Jahrestöber (d. h. „Waldbaum“ = Tanne; Jahreschure (d. h. etwa „Waldding“) = Hirsch u. Jahrestierer (d. h. „Waldhuhn“) = Rebhuhn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Als Verbindg. erscheint Jahre bosten (eigtl. nur „[in den] Wald gehen“ [vgl. oben [S. 40], [Anm. 137]]) für das Zeitw. „jagen“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Jahre = Wald); Schöll 271 (Jaare); Pfulld. J.-W.-B. 346 (Jahre; vgl. [339, 341]: Jahrhegel = Förster, Jäger); Schwäb. Händlerspr. 488 (Jâre). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (vom hebr. jaa’r = „Wald“) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 251, Anm. 2; vgl. auch Bd. 42, S. 7 (unter „Jahrhegel“) sowie noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 79 (unter „Jare“).

b) Mit Kracher (das in denselben Bedeutgn. wie Jahre gebraucht wird) sind im wes. auch die gleichen Zusammensetzgn. gebildet worden, so außer Krachersäftling noch Kracherkrächerle (= Haselnuß), Kracherstöber (= Tanne) u. Kracherschure (= Hirsch); dagegen ist neben Jahrestierer (= Rebhuhn) allerdings nur Krachergachne als Synon. angeführt. Auch Kracher bosten hat den gleichen Sinn wie Jahre bosten. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340, 346 (Krach = Holz, Wald); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Kracher = Wald sowie die geogr. Bezeichg. Schwarzkracher = Schwarzwald); Schwäb. Händlerspr. 488 (Kracher = Wald). Über weitere rotw. Belege sowie zur Etymologie (von unserem gemeinspr. Zeitw. krachen) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 11 (u. Anm. 1) u. 12; vgl. auch Weber-Günther, S. 181 (unter „Krachet“) u. Fischer Schwäb. W.-B. IV, Sp. 662 (unter „Krachert“).

[180] Mit blible(n) = beten, auch predigen sind ferner noch zusammengesetzt: nach- u. vorblible(n) = nach- u. vorbeten, sodann (mit dem Stamme blibel- [des Zeitworts]) die Substantive Blibelulma = fromme Leute, auch „Stundenleute“, d. h. Methodisten, Blibelkaffer, -moss, -kitt = „Stundenmann, -frau, -haus“ (in gleichem Sinne) und Blibelschlang (eigtl. „Betkette“) = Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Ableitungen sind: das Subst. Bliblerei = Gebet u. das Adj. bliblich = gläubig, heilig (dazu die Verbdg. bliblicher Schuberle = heiliger Geist). In dem verw. Quellenkreise hat das Wort nur die schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [214]: b’lipple[n] = beten). Zur Etymologie bietet einigen Aufschluß das veraltete schwäb. Blippenplapper, eine „spöttische Ablautbildung“ für „Plapperer“ (nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1206).

[181] S. abbetteln.

[182] S. abbiegen.

[183] Über Funk = Feuer s. abbrennen. Das Zeitw. pflanzen (Grundbedeutg.: machen [daher: aufpflanzen = aufmachen (Spr.)], verfertigen) versieht in Verbindg. mit anderen Wörtern die Rolle eines Aushilfsbegriffs in vielen Fällen, wo im Jenischen keine besonderen Bezeichnungen vorhanden sind (vgl. darüber schon die „Einleitg.“ [S. 24] sowie m. „Vorbemerkg.“, [S. 16], [Anm. 40]), so z. B. in den Redensarten grandiche pflanzen (d. h. eigtl. „den Großen machen“ oder „spielen“) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (dagegen: grandicher pflanzen [eigtl. „größer machen“] = verlängern), Blatt (blatt) pflanzen = im Freien übernachten (s. d. Näh. unter „übernachten“), Strauberts pflanzen (eigtl. „Haare machen“) = kämmen, Bomme od. Keif pflanzen (eigtl. „Schulden machen“) = leihen, Käfferle pflanzen = Onanie treiben (s. zur Erklärung Näh. unter diesem Ausdr.), schofle Falle (-la) pflanzen (eigtl. „böse Sachen machen“) = „huren“ (s. Näh. unter „böse“); mit auspflanzen ist endlich (als Gegensatz zu dem obigen den Funk anpflanzen) gebildet: d(en) Funk auspflanzen = löschen (auslöschen), wonach dann wohl auch das einfache auspflanzen die Bedeutg. von „ausblasen“ erhalten hat. Besonderer Beliebtheit erfreut sich aber (ganz wie im Rotwelsch) die Ableitung Pflanzer, fem. -erin (= „Verfertiger[in]“) in Zusammensetzgn. mit Substantiven als Bezeichnungen für die verschiedensten Berufsarten, insbes. die Gewerbe, so: Klass- od. Schnellepflanzer = Büchsenmacher, Schures- od. Stiepenpflanzer = Bürstenbinder, Griflengtrittlingpflanzer = Handschuhmacher, Nollespflanzer = Häfner, Töpfer, auch Kesselflicker, Oberman(n)pflanzer = Hutmacher (Kappen-, Mützenmacher) od. Kürschner, Straubertsschurepflanzer = Kammacher, Schottel (od. Schottle-) pflanzer = Korbmacher, Rädlengpflanzer = Kutschenbauer, Wagner, Bochdampflanzer = Leineweber, Tuchmacher, Scheinpflanzer = Lichtzieher, Scharflingpflanzer = Messerschmied, Kies- od. Lobepflanzer = Münzarbeiter (auch wohl Bichpflanzer, argum.: Bichpflanzerskitt = Münzwerkstätte u. zu vgl. nobis dufter Bichpflanzer = Falschmünzer [worüber Näh. auch schon oben [S. 105], [Anm. 172]]), Hitzlingpflanzer = Ofensetzer, Kritzlerpflanzer = Papiermacher, Dächles- od. Pflotscherpflanzer (fem.: -erin) = Schirmflicker(in), Glitschinpflanzer = Schlosser, Trittlingpflanzer = Schuhmacher (Schuster), Sprauspflanzer = Stockmacher, Streiflingpflanzer = Strumpfwirker, Gengle- od. Luberpflanzer = Uhrmacher, Lattepflanzer = Waffenschmied, Schrendepflanzer = Zimmermann. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Nuschepflanzer = Schuhmacher); Pfulld. J.-W.-B. 337-339, 342-344 (pflanzen = machen, toxpflanzt = abgerichtet, krank od. dildi pflanzen = einstecken; Fleppapflanzer = Büchermacher, Tschuripflanzer = Messerschmied, Girchen- od. Nuschenpflanzer = Schuhmacher, Zinkenpflanzer = Petschaftfälscher); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Pflanzer [ohne Zus.] = Schuhmacher); Schwäb. Händlerspr. 483, 486, 487 (Schottelpflanzer = Korbmacher, Stichlingpflanzer = Schneider, Trittlingpflanzer = Schuster, Gänglingpflanzer [in Pfedelb. (213): Gluckerspflanzer] = Uhrmacher; ferner ebenfalls noch in Pfedelb. [208, 210-213]: Krach [od. Hallas] pflanzen = lärmen, Bummen pflanzen = Schulden machen, Plamppflanzer = Bierbrauer, Schuberlespflanzer = „Geistererlöser“ [Tätigkeit des kathol. Pfarrers], aber auch = Teufel, Obermannpflanzer = Hutmacher, Zainepflanzer = Korbmacher, Dickköpfpflanzer = Nagelschmied, Staudenpflanzerin = Näherin, Kluftenpflanzer = Schneider; endl. noch in U. [213]: Mulumpflanzer = Arzt). Zur Etymologie s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 12ff. (wo auch die meisten der oben angeführten Zus. erklärt sind).

[184] S. abbiegen.

[185] Mit schniffen = anpacken, erfassen, nehmen, holen (Spr.), bes. aber = stehlen (entwenden, rauben, berauben) sind noch zusammengesetzt: aus-, heraus- u. wegschniffen = aus-, heraus-, wegstehlen. Ableitungen: die Subst. Schniffer = Dieb, Gauner, Räuber (dazu die Zus. Schnifferulma = Diebesbande) u. Schnifferei = Diebstahl sowie das Adj. schniffich = diebisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 345 (schniffen = ausplündern, stehlen, als Subst. Schniffen = Diebstahl); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (schniffen = stehlen [ausplündern (s. Pfedelb. [208])], Schniffer = Strolch). Übrigens sind die Vokabeln schniffen, Schniffer (Nebenf. schnipfen [auch schnüffen] u. Schnipfer) u. Schnifferei schon dem Rotwelsch des 17. u. 18. Jahrh. bekannt gewesen (vgl. z. B. A. Hempel 1687 [168: schniffen = „mausen“, Schnifferey = „Mauserei“, ein grandiger Schniffer = „ein rechter Erzdieb“, Hornickel-, Trabertschniffer = Kuh-, Pferdedieb]; Waldh. Lex. 1726 [187-189, 190: alles im wes. ebenso, außerdem noch für Pferdedieb auch Zußgenschniffer u. Schniffer auch = „einer, der das Geld aus der Ficke (Tasche) ziehet“]; Münchner Deskription 1727 [192: schniffen u. das Schniffen oder Rauben]; Basl. Glossar 1733 [202: schnüffen = stehlen]; Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [288, 231: geschnipft = gestohlen, Schnipffer = „Spitzbub“]; Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241: schniffen od. schnipfen = stehlen]). Zur Etymologie s. Landau im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. IV, S. 240 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1333 (unter „schnipfen“, Nr. 3). Danach bedeutet schnipfen od. schniffen mundartlich (so z. B. im Schwäbischen [vgl. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 474]) soviel wie „mit einer schnellen Bewegung etwas wegschnappen, entwenden, listig stehlen“; es ist hauptsächl. auf die oberdeutschen Mundarten beschränkt geblieben; vgl. u. a. noch Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 578 u. Hügel, Wien. Dial.-Lex., S. 143.

[186] Mit butschen ist zusammengesetzt ausbutschen = ausfragen, ausforschen, forschen. Es ist sonst m. Wiss. in den Geheimsprachen nicht bekannt. Der Etymologie nach stammt es aus der Zigeunersprache her (s. „Einltg.“, [S. 29]). Vgl. Näh. bei Pott II, S. 375 (unter „Pchuczav“), Liebich, S. 154 u. 198 (putschawa = ich frage, forsche), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 41 (unter „phuč“: bei d. deutsch. Zig.: pučava = ich frage, pučjum = Frage usw.), Jühling, S. 225 (putsch = frage [Imperat.], Putschaben = die Frage, das Fragen), Finck, S. 81 (p’utš-, p’utšew- [p’utšej-, p’utšed-] = „fragen, forschen“).

[187] S. abbiegen.

[188] Das Adj. dof (weit seltener: duft [das in der modern. Gaun.- u. Kundensprache überwiegt]) mit der Grundbedtg. „gut“ (dazu Komparat.: döfer = besser) wird in überaus weitem Sinne gebraucht, wie folgende Übersicht der verschiedenen einzelnen Begriffe (bei denen das [gleichzeitige od. alleinige] Vorkommen der Form duft in Klammern angemerkt ist) dartut. Es bedeutet nämlich noch: anständig, anwendbar (auch duft), artig, aufrichtig, beliebt, bequem, bieder, brav, brauchbar (nur duft; s. d. Verbdgn. unter dies. Worte), dienstfertig, dienstwillig, echt, edel, ehrbar, ehrenhaft, ehrenwert, ehrlich, fein, folgsam, freundlich, friedfertig, frisch (Spr.); geeignet, zufällig, gefühlvoll, geheilt, gemütlich, gemütvoll, genesen, geschmeidig, gesund, getreu, gerecht, geziemend, gnädig, günstig (auch duft), gütig, gutmütig, heil, heilsam, herzlich, hochherzig, höflich, hold (auch duft), hübsch (auch duft), keusch, kostbar, leutselig, lieb, liebenswürdig, lieblich (auch duft), liebreich (auch duft), nobel (auch duft), nützlich, prächtig, sanft, sauber, schamhaft, schön, sittsam, tauglich (auch duft), treu, tüchtig (auch duft), tugendhaft, unschuldig, verschämt, vortrefflich, vorzüglich, wahrhaft, wohlwollend, willig, züchtig; dazu weiter die Verneinung nobis dof (eigtl. „nicht gut“) = garstig, nichtswürdig, treulos, unecht, unkeusch, unnütz, unrichtig, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos. Sowohl dof wie nobis dof sind dann auch zu Hauptwörtern erhoben worden, und zwar ersteres für „Glück“ od. „Pracht“, letzteres für „Trübsal“ oder (flektiert: nobis Dofs) für „Übel“ (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38]). Die Umschreibung dof diberen od. schmusen (d. h. „gut reden“, [von jmd.]), bedeutet „(jmd.) loben“. Ferner sind dof u. nobis dof in Verbindg. mit Substantiven zur Umschreibung zahlreicher Begriffe verwendet worden, für die es im Jenischen an besonderen (selbständigen) Bezeichnungen fehlt (vgl. dazu „Vorbemkg.“, [S. 17], [18], Anm. [47] u. [S. 19], [Anm. 48]). So: a) Verbindgn. mit dof: dofer Schmunk (d. h. etwa „gutes Fett, Schmalz“) = Butter, dofer Kies (d. h. „schöner Stein“) = Diamant, Edelstein, dofer Schwimmerling (d. h. „schöner Fisch“) = Forelle, dofer Benges od. Benk (d. h. etwa „lieber Bursche“) = Geliebter, Liebhaber u. dofe Model (d. h. „liebes Mädchen“) = Geliebte, Liebhaberin (wogegen bei dofer Benk, Freier od. Fiesel im Sinne von „Junker“ nach Wittich dofer als Komparativ aufgefaßt werden soll, so daß die Umschreibung soviel wie „besserer Jüngling“ od. „besserer junger Mann“ bedeute), dofer Rädling (d. h. „schöner Wagen“) = Kutsche, dofer Lanenger (d. h. etwa „schöner [feiner] Soldat“) = Offizier, dofe Kitt (d. h. „schönes Haus“) = Schloß. Durch die Zusammenziehung in ein Wort sind noch enger verbunden worden: Dofefläderling (d. h. „schöner Vogel“) = Pfau (s. dazu schon oben [S. 18], [Anm. 47]) u. Dofelehm (d. h. „gutes [feines] Brot“) = Weißbrot (Gegens. Schoflelehm [d. h. „schlechtes Brot“] = Schwarzbrot); b) Verbdgn. mit nobis (-es) dof od. duft: nobes dofer Glitschin (d. h. „kein guter Schlüssel“) = Dietrich (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr., vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18]), nobis dufter Bich-, Kies- od. Lobepflanzer = Falschmünzer (s. dazu schon oben [S. 105], [Anm. 172]) u. nobis dofs Jahne = Mißjahr (s. dazu schon oben [S. 104], [Anm. 170]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (tof = gut); W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (dof = gut); Schöll 271 (tov = gut); Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 344 (tofe = gut, töfer = besser, dov = schön, Tofe = Biedermann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (duft [dov] = gut); Schwäb. Händlerspr. 481, 484 (dof [in Pfedelb. (212): dov] = gut, schön; in Pfedelb. [209]: auch döver = besser). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (dôf od. tôf = gut. Zur Etymologie (vom hebr. Tôb[h] [tōf] = „gut“) s. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 156; vgl. auch Weber-Günther, S. 155, Seiler, Lehnwort IV, S. 490, u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246 (unter „tof“) u. 445 (unter „duft“).

[189] Ki(e)bes (-bis), eigtl. = Haupt, Kopf, Schädel, auch bes. Hinterkopf, ferner noch = Stirn u. Hals findet sich in der Verbindg. grandicher Ki(e)bes = Dickkopf od. Starrkopf (s. dazu schon oben [S. 100], [Anm. 165]), in der längeren Umschreibung nobis Strauberts auf’m Ki(e)bes (d. h. eigtl. „keine Haare auf dem Kopfe“) = Kahlkopf sowie in den folgenden Zus.: a) am Anfang: in Ki(e)besschlang = Halskette, Ki(e)besstrauberts = Haupthaare, Kopfhaare; b) am Ende: in Straubertski(e)bes = Lockenkopf, Vorderki(e)bes = Vorderkopf sowie (in übertrag. Sinne) in Nille- od. Ni(e)seki(e)bes = Tollkopf u. Toberichki(e)bes = Pfeifenkopf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Kiebes = Kopf); W.-B. des Konst. Hans 254 (Kibes); Schöll 272 (ebenso; vgl. kibesen = enthaupten); Pfulld. J.-W.-B. 341 (desgl.); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Gîbes); Schwäb. Händlerspr. 483 (Kibes od. -bis; vgl. dazu in Pfedelb. [210]: Kahlkibes = Kahlkopf). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kiwes = Kopf) u. Metzer Jenisch 216 (Kibes [Kibes] = Kopf). Im Pleißlen der Killertaler 435 ist Kîvis = Verständnis. — Über die sonstigen verschiedenen Formen im Rotwelsch s. Groß’ Archiv, Bd. 56, S. 55 u. Anm. 1. Zur (nicht sicheren) Etymologie vgl. Pott II, S. 16, Günther, Rotwelsch, S. 36 u. Anm. 1 u. bes. jetzt noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 360/61 („wenn nicht etwa zu zigeun. chīw = „Deckel“ [s. Finck, S. 68: xīw] ... nur zu Kabas, rotw. = Kopf [s. schon Lib. Vagat. (54)] zu stellen“, wozu mhd. kabez, aus lat. caput [Haupt], heranzuziehen, vielleicht mit ablaut. Form Kibes, Kabes wie piff, paff).

[190] Bauser = Angst (Beängstigung), Entsetzen, Erschrecken, Furcht, Schreck ist vielleicht — ebenso wie das Adj. bauserich = ängstlich, furchtsam, auch als Subst. (für „das Grauen“) gebraucht (vgl. dazu bauserich sein = befürchten, [sich] beunruhigen sowie die Verneinung nobis bauserich = furchtlos) erst eine Ableitung von dem Zeitw. bausen = fürchten. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (bausen = fürchten); W.-B. des Konst. Hans 257 (ebenso, auch: es baust ihm = er fürchtet sich, ferner noch: Bauser = Angst); Schöll 271, 273 (bausen = fürchten, Bauser = Angst); Pfulld. J.-W.-B. 337, 343, 344 (Bauser = Angst, Schauer, bauserich = ängstlich, scheu); Schwäb. Händlerspr. 479 (Baußer u. Baußam [in Pfedelb. (208): Bausam] = Angst). Die Etymologie ist unsicher, denn die Hypothesen A.-L.’s (523: Ableitg. vom deutsch. Zeitw. bauschen [pauschen], mhd. bûschen, biuschen, = „schwellen machen“ bzw. spätmhd. u. älternhd. bûsen, bausen = „aufschwellen“; s. Näh. bei Weigand, W.-B. I, Sp. 171) erscheinen doch wohl zu gewagt. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 733 gibt keine Erklärung. Nach gefl. Mitteilgn. von Dr. A. Landau (Wien) soll vor etwa 50 Jahren Boitsi haben = „Furcht haben“ in der galizisch-jüdischen Schülersprache gebräuchlich gewesen sein, das wahrscheinlich auf das kleinruss. bojati sja = „sich fürchten“, poln. bać sie (3 Pers. Sing. Praes.: boi sie) zurückgeht, doch wagt L. keinen unmittelbaren Zusammenhang dieser Ausdrücke mit dem rotw. bausen anzunehmen.

[191] S. abbiegen.

[192] S. abkaufen.

[193] Das Zeitw. kluften scheint in Wittichs Jenisch nur im Zus. üblich zu sein, wie (außer ankluften [wozu nobis ankluftet, d. h. „nicht angekleidet“, „unbekleidet“ = nackt] noch): auskluften = ausziehen, entkleiden (daher auskluftet ebenfalls = nackt) u. verkluften = verkleiden. Es gehört zu den Subst. Kluft = Kleid (Anzug, Gewand, Tracht), womit auch einige Zusammensetzgn. (so: Kafferskluft = Manneskleid, Lanengerkluft = „Montur“, Begerkluft = Sterbekleid) sowie die Verbdg. unterkünftige Kluft = Unterkleid gebildet sind. Eine weitere Ableitg. (von Kluft, bzw. kluften) ist dann Klufterei = Kleidung, Bekleidung (Anzug, Gewand), womit ebenfalls wieder zwei Zus. vorhanden sind, näml. Mossklufterei = Frauenkleid u. Kafferklufterei = Männerkleider. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (eine ganze Klufterei = „Kleidung von Kopf bis Fuß“); W.-B. des Konst. Hans 253 (Klufterey = die Kleider); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Klufterei = Kleid, vgl. [337] Klufting usmalochen od. abketschen = auskleiden); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 66, 71 (Kluft od. Klufterei = Kleid, ankluften = anziehen); Schwab. Händlerspr. 483 Kluft = Kleid, u. dazu noch in Pfedelb. [208, 212]: Kluftenpflanzer = Schneider u. ankluften = anziehen); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Kliftle = Kleid, Anzug) sowie noch Metzer Jenisch 216 (Klăft = Rock). Über die sonstigen Belege u. Formen im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. chălîfôt = „Kleider, insbes. Feier- od. Ehrenkleider“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 273/74 (unter „Kluftier“) u. d. Anm. verbd. mit Bd. 46, S. 10, Anm. 1. Vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 508 (unter „Kluft“ II) vbd. mit Sp. 435 (unter „Klaffot“).

[194] S. abgehen.

[195] Als Zus. mit schmol(l)en = lachen (kichern) findet sich noch ausschmol(l)en = auslachen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 272 (schmollen = scherzen); Pfulld. J.-W.-B. 342 u. Schwäb. Händlerspr. 483 (= lachen). Zur Etymologie: Da wir heute unter schmollen meist soviel wie „mit mürrischem Stillschweigen unfreundlich sein“ verstehen (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 751), erscheint die in den Geheimsprachen begegnende — fast entgegengesetzte — Bedeutung zunächst auffällig; jedoch handelt es sich hier nicht etwa um eine sog. Enantiosemie, d. h. Umkehrung des Sinnes in das Gegenteil (s. Behaghel in d. Z. des Allg. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 1905, Sp. 158 gegen Günther, Rotwelsch, S. 21, Anm. 14), vielmehr hat schmollen (mhd. smollen) anfangs nur die gleichsam „neutrale“ Bedeutg. „das Gesicht verziehen“ gehabt, aus der sich dann sowohl der Begriff „das Gesicht zum Lächeln verziehen“ od. „lächeln“ (so z. B. noch bei Schiller u. Uhland) entwickeln konnte (vgl. d. engl. to smile) als auch der uns jetzt geläufige des mürrischen Stillschweigens. Vgl. (außer Weigand, a. a. O.) noch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 472 u. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1105/6, Nr. 1.

[196] Das Adj. g’want hat in Wittichs W.-B. noch folgende Bedeutungen: anständig, artig, behend, brauchbar, fein, flink, geschickt, geschmeidig, gewandt, nützlich, tauglich, tüchtig; dazu die Verneinung nobis g’want = nichtsnutzig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 257, 258 (e Gwandter = „ein Handfester“ u. der gwandtste = der Beste); Schwäb. Händlerspr. 481 (gwant = gut [in Pfedelb. (210, 212): quant = geschickt, gut, schön; ebendas. (212) Quantheit = Schönheit, in Eningen (206, Anm. 1): Gwanderpenk = Schultheiß]); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435, 436 (gwant = gut, schön, gwanter Jôle od. Plempel = Wein) u. Metzer Jenisch 216 (gewandt = gut). Über die sonstigen Belege im Rotw. (s. z. B. schon Ndd. Lib. Vaget [77: quant = „vel eft grot“) u. den Geheimspr. sowie über die Etymologie s. Weber-Günther, S. 172 (unter „gewahnd“). Der Ableitung des Wortes vom latein. quantum (s. A.-L. IV, S. 70; Günther, Rotwelsch S. 34; Stumme, S. 22, 23) steht gegenüber die Auffassung, die darin nichts anderes als unser deutsches „gewandt“ erblickt. So u. a. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607, der jedoch ausdrückl. bemerkt, daß in Schwaben das Wort (das z. B. auch die Tübinger Studenten gebrauchen) aus der Schriftsprache aufgenommen sein müßte, da das Partiz. zu „wenden“ schwäb. g(e)wend(e)t heißt.

[197] S. anfassen.

[198] Das Zeitw. dibere(n) (-ra) = reden, sprechen (erzählen, plaudern, auch spezieller antworten, beantworten) kommt noch vor in den Zus.: nachdiberen = nachsagen, verdiberen = verraten (dazu das subst. Partiz. Verdibert = Verrat) u. vordiberen = vorsagen sowie in d. Verbdgn. dof diberen = loben (vgl. oben [S. 111], [Anm. 188]) u. nobis diberen = stumm sein (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Dazu die Ableitungen: Diberer = Plauderer, Sprecher, Verdiberer = Verräter, Diberei = Erzählung, Gerede, Gespräch, Geschwätz, dann auch spezieller Untersuchung od. Verhör u. das Adj. diberich = gesprächig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. d. Gaunerspr. 49 97, 99 (tiebern od. madiebern = reden, schwatzen, Madiberei = „Jaunersprache“); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340, 343-45 (diberen = aussagen, sprechen, schwatzen, gedibert = abgeredet, Dib(l)erei = Sprache, Geständnis); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70, 74, 75 diberen = reden, sprechen, Gediwer = Geschwätz); Schwäb. Händlerspr. 486 (diberen = sprechen, in Pfedelb. [210]: Gediewer = Geschwätz); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (debere[n] = schimpfen) u. Pfälz. Händlerspr. 437 (dîbere = sprechen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. dibbêr = „reden, sprechen“, Partiz. mĕdabbêr) s. Näh. bes. bei Weber-Günther, S. 162 (unter „dewern“); vgl. auch Wagner bei Herrig, S. 236; Günther, Rotwelsch, S. 27; Seiler, Lehnwort IV, S. 489/90; Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 186.

[199] Das Zeitw. schmusen hat im wes. dieselben Bedeutgn. wie diberen. Von Zus. damit finden sich: aufschmusen = aufsagen, ausschmusen = aussagen, aussprechen, nachschmusen = nachsprechen u. vorschmusen = vorsagen, von Verbindungen: dof schmusen u. nobis schmusen in gleichem Sinne wie dof u. nobis diberen (s. oben [Anm. 198]) sowie Bremser schmusen = „auslassen“ (d. h. furzen). Ableitungen sind: Schmuser = Plauderer, Schwätzer, Sprecher (vgl. Schmuserfläderling = Papagei [s. oben [S. 100], [Anm. 165]]) u. Schmuserei = Diberei sowie das Adj. schmusich = gesprächig (vgl. dazu Schmusichergiel = Plappermaul). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (schmusen = reden); W.-B. des Konst. Hans 256 (= sagen; vgl. 258: auf Jenisch schmusen); Schöll 272 (= sagen; vgl. 273: Schmusereyen [ohne Übers.]); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340, 344-46 (schmusen od. schmußen = aussagen, schwatzen, sprechen, verraten, verschmusen = ausplaudern, abgeschmust = abgeredet, abgeurteilt, Schmuserei = Geständnis); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (schmußen = reden, sprechen; vgl. [68] Glattschmuser = Denunziant); Schwäb. Händlerspr. 486 (schmusen = sprechen, [in Pfedelb. (208): aussagen; vgl. ebendas. (214) zuschmusen = zutragen]). Zu vgl. auch noch Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (261, 263: anschmusen = anreden), ferner Pfälz. Händlerspr. 438 (schmûsen = sprechen) u. Winterfeld. Hausiererspr. 442 (doufe schmusen für a) „beichten“ u. b) „sich verbürgen“). Noch weitere Belege bei Schütze, S. 90. Zur Etymologie (vom hebr. schĕmû’ôth [jüd. schemûoß ausgespr.] = „Erzählungen“, plur. von schĕmû’â = „Nachricht [Geschichte], Gerücht, Gerede“) s. Stumme, S. 14 u. 21 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1135, Weigand, W.-B. II, Sp. 755 (unter „Schmus“) u. Seiler, Lehnwort IV, S. 494.

[200] Das Zeitw. linzen (od. lenzen) = bedeutet a) blicken, schauen, sehen (auch: beobachten, besehen, besichtigen, betrachten, ersehen, gaffen, gucken, spähen; ferner aber auch b) fragen (erfragen). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer anlinzen) noch die Zus. auflinzen = aufsehen, auslenzen = aussehen, herablinzen = herabschauen, herumlinzen = herumblicken, nachlinzen = nachsehen, niederlinzen = niederblicken, überlinzen = übersehen, umlinzen = umblicken, -schauen, weglinzen = wegsehen, zulinzen = zuschauen, zurücklinzen = zurücksehen; zu der unter b): auslinzen = (aus)forschen. Ableitgn.: Linzer = Spiegel, Linzere (fem.) = Brille (Zus.: Stradelinzer = Wegweiser) u. (mit dem Stamme des Zeitw.: linz-): Linzgrifling = Zeigefinger. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Verlenz = Verhör); W.-B. des Konst. Hans 257, 259 (ebenso, ferner lenzen = sehen, anlenzen = ansehen); Schöll 273 (Verlenz = Verhör); Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (linzen = schauen, sehen, verlenzen = verhören, Verlinz = Verhör); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: lensen = sehen). Zur Etymologie des Wortes (das deutsch. Ursprungs ist) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 60, 61 unter „Linser“ (ebds. Anm. 4 noch weitere rotw. Belege); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1258 (unter linzen) vbd. mit Sp. 1175 (unter „lenzen“).

[201] S. abschließen.

[202] S. abbiegen.

[203] S. angenehm.

[204] S. anmutig.

[205] S. anreden.

[206] S. ansagen.

[207] Zu bleisgeren = bezahlen, zahlen (auch als Hauptw.: Bleisgeren = Steuern) s. noch die Zus. ausbleisgeren = auszahlen. In dem verw. Quellenkr. (u. wohl auch sonst im Rotw.) anscheinend unbekannt. Etymologie: aus der Zigeunerspr. (s. „Einltg.“, [S. 29]). Vgl. Näh. bei Liebich, S. 152 u. 185 (pleisserwāwa = „ich bezahle, vergelte“); Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 46, 47 (unter „pleisker“: bei d. deutsch. Zig. pleisservāva = „bezahlen“, vgl. slaw. plati-ti); Finck, S. 78 (plaiserw - [plaiserd -]= „bezahlen, ersetzen, lohnen, vergelten“).

[208] S. abzahlen.

[209] S. ankleiden.

[210] S. abbrennen; vgl. auch anbrennen.

[211] Mit Bommerling sind gebildet die Zus. Bommerlingstöber, -kies, -brandling, -jo(h)le = Apfelbaum, -kern, -kuchen, -wein sowie (ans Ende gesetzt) Scheinlingbommerling = Augapfel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89 (Bommerlen = Apfel); W.-B. des Konst. Hans 254 (Bommerling); Schöll 271 (Pommerling); Pfulld. J.-W.-B. 337 (ebenso, Bedtg.: = Äpfel; vgl. Pommerlingsteberling = Apfelbaum); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 66 (Bommerling, Nebenbdtg. [71]: Kartoffel); Schwäb. Händlerspr. 479, 484 (Bommerling = Apfel, Obst); dieselbe Form hat auch die Pfälz. Händlerspr. 437 (für Apfel); vgl. noch Metzer Jenisch 216 (Bomeche). Auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. bekannt. Zur Etymologie (vom französ. pomme) s. Pott II, S. 36; A.-L. 585, Günther, Rotwelsch, S. 38; Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1283.

[212] Stöber = Baum (Dimin. Stöberle = Bäumchen) wird auch als Bezeichnung einzelner Baumarten gebraucht, für die keine besonderen jenischen Ausdrücke vorhanden sind (vgl. d. W.-B. unter „Birke“), so für Birke, Buche, Eiche und Fichte. Dagegen sind für andere Bäume (bzw. baumartige Gewächse) besondere Zusammensetzgn. mit Stöber gebildet worden, so (außer Bommerlingstöber) noch: Stielingstöber = Birnbaum, Scharriselestöber = Kirschbaum, Staubertsäftlingstöber = Mehlbeerbaum, Krächer(le)stöber = Nußbaum, Blaulingstöber = Pflaumenbaum, Jahre- oder Kracherstöber = Tanne (vgl. oben [S. 108], [Anm. 179], lit. a u. b), Kupferstöber (eigtl. etwa „Grasbaum“) = Weidenbaum, Jo(h)lestöber = Weinstock, Blauhanzestöber = Zwetschgenbaum. Andere Zus. mit Stöber (am Anfang stehend) sind noch: Stöberspraus = Baumholz oder Stamm (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.), Stöberschmaler = „Baumkatze“, d. h. Eichhörnchen (s. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeunerspr. schon. „Vorbemerkung“, [S. 18] sowie noch unter „Baumkatze“), Stöbersschure oder -sore = Obst. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 271 (Steber = Baum); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Stöberling, vgl. [337] Pommerlingsteberling = Apfelbaum); in der schwäb. Händlerspr. (479, 487) ist dagegen nur Stemmerling = Baum, Stock bekannt. Die Etymologie des (auch sonst noch im Rotw. [bes. in d. Form Steber] vorkommenden) Wortes ist unsicher; vielleicht gehört es zu unserem „Stab“ od. damit stammverw. Ausdr. in andern Sprachen (vgl. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 940 unter „Stab“: lit. stabarai = „trockene Baumäste“). Miklosich, Beitr. III, S. 19 (unter „Steber“) hat zunächst slaw. Ursprung (vgl. neusl. steber = „Säule“ u. bes. serb. stabar = „Stamm“) vermutet.

[213] Kies, eigentl. a) = Stein (Gestein), bes. auch Kieselstein, dann auch b) = Kern, kommt in beiden Bedeutgn. in zahlreichen Verbindgn. u. Zusammensetzgn. vor, so in der Bdtg. unter a: in den Verbdgn. dofer Kies = Diamant, Edelstein u. grandicher Kies = Felsen (s. dazu schon oben [S. 100], [Anm. 165]) od. Quaderstein sowie in den folgenden Zus.: α) mit K. vorne: Kieslobe = Pflastergeld (eigtl. „Steingeld“) u. Kiesguffer = Steinhauer, Steinmetz; β) mit K. am Ende: Kittlekies = Backstein od. Dachziegel, Funkkies = Feuerstein, Begerkies = Grab-, Leichenstein, Flu(h)tekies (eigtl. „Wasserstein“) = Insel (vgl. schon oben [S. 36], [Anm. 126]); Stradekies = Kilometer-, Meilenstein; ferner in der Bedtg. unter b: (außer Bommerlingkies) noch: Stieling-, Scharrisele-, Kräckerle-, Blauling- u. Blauhanzekies = Birnen-, Kirschen-, Nuß-, Pflaumen- u. Zwetschgenkern. — Eine Ableitg. von Kies = Stein ist das Adj. kiesich = steinig. Zu trennen ist der Etymologie nach: Kies = Geld, worüber das Näh. unter „Bank“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Kißel = Stein); Schwäb. Händlerspr. 487 (Kûß od. Kisel [in Lütz. (215): Khis] = Stein; vgl. auch [484]: Kîseler [in Pfedelb. (218): Kieseler], Kî(e)slerspink- od. Kî(e)slerfisl = Maurer). Etymologie: wohl jedenfalls zu unserem gemeinsprachl. „Kies“ bzw. „Kiesel“ (mhd. kis, kisel); vgl. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 9 (unter „Kîseler“), auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter „Kis“, Nr. 4, c), 422 (unter „Kisel“, Nr. 3) u. 872 (unter „Kus“).

[214] Brandling (-leng) = Kuchen erscheint noch in d. folgenden Zus. a) am Anfang stehend: Brandlingschei (= eigtl. „Kuchentag“) = Kirchweihe u. Brandlingweisleng (eigtl. „Kuchensonntag“) = Kirchweihsonntag; b) ans Ende gesetzt: (außer Bommerlingbr. noch): Bäzemebrandling = Eierkuchen, Niesichescheibrandling = Fastnachtskuchen, Krachersäftlingbr. = Heidelbeerkuchen, Girall- od. Räslingbr. = Käsekuchen, Scharriselebr. = Kirschkuchen, Süßlingbr. = Lebkuchen, Blauhanzebr. = Zwetschenkuchen, Sorebrandling = Zwiebelkuchen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 342 (Brandling = Küchlein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Form ebenso, Bedtg.: Pfannkuchen); Schwäb. Händlerspr. 483 (Bedtg.: Kuchen, in Pfedelb. [212] = Pfannkuchen). Vielleicht ist auch statt Bundling = Kuchen im Dolm. der Gaunerspr. 35 zu lesen: Brandling. Etymologie: Das Wort, das sonst im Rotwelsch, wenigstens in der Form Brändling (od. Brendling), für „Kaffee“ (s. z. B. auch schon Dolm. der Gaunerspr. 94 [Brendling]) oder „Schnaps“ (vgl. A.-L. 526) u. dergl. m. (s. z. B. schon Körners Zus. zur Rotw.-Gramm. v. 1755 [209: Brandling = „Kofent“]) vorkommt, gehört wohl zu unserem Zeitw. brennen.

[215] Jo(h)le = Wein (Rebensaft) kommt noch vor in der Verbdg. gesicherter Jo(h)le = Glühwein, Punsch, und in den folgenden Zusammensetzgn.: Jo(h)lesore = Weinfaß, Jo(h)leglansert = Weinglas od. -flasche, Jo(h)lekitt, -spraus, -schnall, -stöber = Weinhaus, -rebe, -suppe, -stock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans (G’finkelterjole = Branntwein [vgl. dazu oben „Einltg.“, [S. 28]]); Pfulld. J.-W.-B. 346 (Jole = Wein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. 488 (Jole od. Jôli [in Pfedelb. (214): Jole od. Säftlingsjole] = Wein; vgl. 484]: Stielingsjôle [eigtl. „Birnenwein“] = Most); vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Jôle od. gwanter Jôle = Wein) u. Metzer Jenisch 217 (Jole = Wein). Die Form Joli hat schon das Basl. Glossar v. 1733 (202). Die Etymologie ist unsicher; nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 103/4 (unter „Jole“, Nr. 1) handelt es sich vielleicht um eine der zahlreichen rotw. Verunstaltungen des hebr. jajin = Wein (s. darüber Näh. bei Weber-Günther, S. 156; vgl. auch A.-L. 550 u. Günther, Rotwelsch, S. 81).

[216] Zu Bog(g)elo (od. Bogalo) = Hunger (Appetit) vgl. noch die Verbdg. grandich Bogelo = Heißhunger u. die Ableitung bogelich, das aber im W.-B. nur durch „gierig“ od. „knickerig“ (nicht durch „hungrig“) wiedergegeben ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.) nur: Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Boggelo = Hunger). Etymologie: aus der Zigeunerspr. (s. „Einleitg.“, [S. 29]); vgl. A.-L. 526 (unter „Bock“ [wo auch bokelo (-kalo) = hungrig, Bokillo = Geiz u. bockelig = geizig od. hungrig als gaunersprachl. angeführt ist]) u. Günther, Rotwelsch, S. 31 vbd. mit Pott II, S. 396 (unter „Bokh“), Liebich, S. 129, 201, 206, 211 (bōk = Hunger, Geiz, Habgier, bōkĕlo [od. -ŏlo] = hungrig, geizig, habgierig), Miklosich, Beitr. I/II, S. 20, 25 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 180/81 (unter „bokh“: bei den deutsch. Zig.: bōk = Hunger), Jühling, S. 220 (Bok = Hunger), Finck, S. 52 (bok = Hunger, Geiz u. bok’elo = hungrig, geizig). Über d. Ursprung aus dem Altind. s. Pott u. Miklosich, a. a. O.

[217] Mit Put(t)lak = Hunger (Appetit, auch Gier) ist gebildet die Verbdg. grandich P. (= gr. Bogelo), also = Heißhunger. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Buttlak = Hunger); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (puttlachen = essen). — In der Form Buttlack (nebst d. Adj. buttlakig = hungrig) tritt die Vokabel auch sonst im Rotw. des 19. Jahrh. auf (vgl. z. B. Pfister 1812 [296] u. bei Christensen 1814 [318]; v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 [313] u. W.-B. 12 u. T.-G. 103; Karmayer 24). Etymologie: Der erste Bestandteil des Wortes gehört wohl ohne Zweifel zu butten = essen (worüber das Näh. schon oben [S. 38], [Anm. 130] unter „Abendessen“). Einige Schwierigkeiten macht dagegen die Endung -lak. Vielleicht dürfte sie in Beziehung gesetzt werden zu dem rotw. bezw. geheimspr. Adj. la(c)k = schlecht, böse, schlimm u. dgl. (s. z. B. aus dem verw. Quellenkr.: Dolm. der Gaunerspr. 100 [lack = übel]; Pfullend. J.-W.-B. 337, 338, 344 [lak = abgemattet, bös, schlimm]; Schwäb. Händlerspr. 480, 486 [lack = dumm, schlecht (in Pfedelb. [209] auch bös, vgl. ebds. lacke Schix = Dirne)]; mit flekt. Endung [laker = liederlich,falsch], bei Schöll 272, womit zu vgl. locker = falsch, schlecht bei Pfister bei Christensen 1814 [325], zu welcher Form dann wieder noch lock = klein, schlecht, arm usw. in dem [freilich nicht mehr verwandten] Hennese Flick von Breyell [456] paßt). Danach wäre dann Put(t)lak od. Buttla(c)k zu deuten etwa als Umschreibung für „(mit dem) Essen (steht es) schlecht“ oder als reine Negation „Essen — nicht“. Fraglich bleibt übrigens auch noch die Herkunft des Adj. la(c)k. Während z. B. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 910 ff. das zigeun. láko = „leicht, gering“ (Finck, S. 69) herangezogen hat, ist darin vermutl. eher eine mundartl. Nebenform zu lau = „nicht frisch, matt, abgestanden, ohne Salz, ungewürzt“ u. dgl. (vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1432; Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 34 vbd. m. Sp. 285/86) zu erblicken (nach gefl. Mitteilungen von Dr. A. Landau).

[218] Ruf = Hunger (Appetit) ist m. Wiss. in dem speziell verw. Quellenkr. nicht bekannt, dagegen die Form Roof u. ähnl. (sowie d. Adj. roofig = hungrig) sonst hier u. da im Rotw. usw. anzutreffen (vgl. z. B. Christensen 1814 [318 u. 324]; v. Grolman 57 u. T.-G. 1 B.; Karmayer G.-D. 215; Thiele 297; A.-L. 592 u. Groß 487 [hier Roëw, Roow u. Raiwon]; Rabben 112; Ostwald 123; in der Pfälz. Händlerspr. [438]: Rôch od. Rauch). Zur Etymologie (vom hebr. râ ’âb = „Hunger“ s. A.-L. 592 u. 457 unter „Roëw“).

[219] Schnurrand od. (besser) Schnurrant hat auch noch die (etwas allgemeinere) Bedeutgn. „Gaukler“ od. „Komödiant“ (Schauspieler). S. dazu die Zus. a) mit Sch. voran: Schnurrantekitt = Komödien-, Schauspielhaus, Schnurrantekritzler = Komödienzettel, Programm; b) mit Sch. am Ende: Randeschnurrant = Taschenspieler. In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, dagegen hat d. Kundenspr. II (423): Schnurrant = Bettler. Zur Etymologie s. A.-L. IV, Sp. 293: „Nach dem mhd. snarrence ist Schnurrant der umherziehende Bettelmusikant, wahrscheinlich vom schnarrenden Laute seiner Leier so genannt“. Es handelt sich (nach Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1413) bei dem mundartlich, besonders auch in Schwaben, verbreiteten Ausdruck (s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 475), der aber auch noch der Schriftsprache unserer klassischen Literatur (z. B. bei Goethe) — für einen „Possenreißer“ — geläufig gewesen, um eine Ableitung von dem latinisierten Zeitwort schnurrare, gleichbed. mit schnurren (od. schnorren), d. h. eigtl. „(mit der Schnurrpfeife [u. dgl.]) als Bettelmusikant umherziehen“, dann „betteln“ überhaupt (vgl. Grimm, a. a. O., Sp. 1420, Nr. 8), wofür es insbes. bekanntl. auch im Rotwelsch usw. verbreitet erscheint (vgl. A.-L. 293 u. 602 sowie [aus dem verw. Quellenkr.]: Dolm. der Gaunerspr. 90 [schorren (sic) = betteln]; W.-B. des Konst. Hans 255 [Schnurrer = Bettelleute]; Schöll 273 [Form ebenso]; Pfulld. J.-W.-B. 336 bis 338 [schnurren = (ab)betteln, ausschnurren = ausbetteln, Schnurrer = Bettler]; Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68 [schnurren (gehen) = betteln (gehen), auf die Schnurre = auf den Bettel]); Schwäb. Händlerspr. 479 [schnurren]). In Wittichs W.-B. ist es aber nicht angeführt.

[220] S. abschaffen.

[221] Betr. Kitt s. Abort.

[222] Betr. Bich s. Almosen.

[223] Das Adj. lenk (mundartl. = link [so bei Wittich nur in d. Spr. u. vereinzelt in einer Zus.] = arg (Grundbed.: falsch) umfaßt (ähnlich wie sein Gegenstück dof od. duft) noch eine große Zahl mehr od. weniger ähnlicher Begriffe, nämlich: bösartig, böse (vgl. dazu d. Komparat.: lenker = böser), böswillig, buhlerisch, eifersüchtig, elend, erzürnt, frech, garstig, gefährlich, gehässig, gefühllos, gemütlos, gewalttätig, gottlos, grausam, grimmig, grob, hartherzig, haßartig, heftig, nichtswürdig, ruchlos, streng, tückisch, unverschämt, wüst; als Subst. gebr.: = Gefahr od. Schmach. Dazu die Verbdg. lenker Kritzler (eigtl. „böser Brief“) = Steckbrief (s. d. betr. Analogie im Zigeuner., vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]) u. d. Zus. Linkfi(e)sel = böser Mann (Syn.: lenker Kaffer). Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92, 97 (link = falsch, linke Fleppe = falscher Paß); Pfulld. J.-W.-B. 339 (link = falsch); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (link = falsch, schlecht, Linkmichel = falscher Mensch, linker Schenagel = nicht passende Arbeit); Schwäb. Händlerspr. 486 (lenk = schlecht [in Pfedelb. (209): auch = bös, falsch]; in Degg. [215]: Linkmichel = schlechter Kerl). Über sonstige rotw. Belege (seit d. 17. Jahrh.) s. Schütze 78; betr. Linkmichel s. auch Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 152, Anm. 2 u. Bd. 59, S. 266. Zur Etymologie (Erweiterng. des gemeinspr. link als Gegensatz zu recht, nach der Hand genommen [Weigand, W.-B. II, Sp. 70]) s. Pott II, S. 15, 16; A.-L. 567, vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1254 (betr. lenk).

[224] Das Adj. schofel (auch schoffel) hat im wes. die gleichen Bedeutgn. wie lenk. Es fehlt nur unter „gemütlos“ u. „wüst“ (wohl bloß versehentlich), während anderseits nur schofel (nicht aber lenk) angeführt ist unter den Ausdrücken: arm, entzwei, gemein, kümmerlich, lasterhaft, niederträchtig, schamlos, schlecht (wofür lenk gewiß nur versehentl. fortgelassen), traurig, treulos, unanständig, verrucht; als Subst. gebraucht ist es = Gefahr, Schmach (wie Lenk) u. außerd. noch = Not. Der Komparat. schofler ist durch „böser“ wiedergegeben. Viel häufiger als mit lenk sind mit schofel Verbindgn. od. Zusammensetzgn. für selbständige Begriffe gebildet worden, nämlich: a) Verbindgn. schofle Model = Beischläferin, Dirne (Freudenmädchen, Hure [für letzteren Ausdr. Syn. auch: schofle Schüx]), schofle Moss = Ehebrecherin, Kebsweib (für letzt. auch: schofle Goi), schofler Kaffer (auch — Benk, — Fiesel od. — Freier) = Heuchler (alles [außer sch. Benk] auch unter „Hurenkerl“ angeführt; sch. Benk [Benges] oder Fiesel auch = Krüppel); schofler Begersins = Quacksalber, schofler Kritzler (wie lenker Kr. [s. oben [Anm. 223]] = Steckbrief; vgl. auch noch die Redensart schofle Falle (-la) pflanzen = „huren“; b) Zusammensetzungen (d. h. in einem Wort geschr.): Schoflelehm = Schwarzbrot (vgl. als Gegenst. Dofelehm = Weißbrot [oben [S. 111], [Anm. 188]]), Schoflergalm = Stiefkind, Schoflemamere = Stiefmutter, Schoflerpatris = Stiefvater, Schofelkitt = Zuchthaus. Ableitungen: Schofelei = Unglück (s. dazu Schofeleifläderling = Rabe [vgl. oben [S. 100], [Anm. 165]]), Schoflerei = Gericht, Amtsgericht (vgl. dazu grandige Schoflerei = Land- [Kreis-, Kriminal-] Gericht u. Schoflereisitzling = Richterstuhl, dagegen Schoffeleischure = Gerichtsvollzieher). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 92, 97, 99, 101 (schofel = falsch, streng, Schofel-fleppe = falscher Paß, schofel Marum, Lehm [od. Lechem] = schwarzes Brot, Schofel Kitt = Zuchthaus); W.-B. des Konst. Hans 256, 257, 259 (schofel = bös, schofler Kaffer = böser Mann, Schofelkitt = Zuchthaus); Schöll 272, 273 (schovel = schlimm, schovel Gasche = schlimme Leute); Pfulld. J.-W.-B. 344, 346 (schofel = schlimm, Schofelkitt = Zuchthaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (schofel = schlecht); Schwäb. Händlerspr. 486 (ebenso, abweichend vom sonst. Sprachgebr. in Lütz. [214]: Schofel-Kitt = Abtritt [vgl. oben [S. 44], [Anm. 147]]). Etymologie: Die Vokabel, die etwa seit Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. u. dann auch in unserer Schriftsprache auftritt, ist jüdisch-deutscher Herkunft (von „einem nicht gerade üblichen“ schōfēl (statt: schāfāl), dem Partizip des hebr.-rabb. schāfēl = „niedrig gemacht, gedemütigt werden, sinken“). S. Weigand, W.-B. II, Sp. 776 vbd. mit A.-L. 603 u. 475, Günther, Rotwelsch, S. 94, Stumme, S. 19 u. Seiler, Lehnwort IV, S. 495.

[225] Zu Stumpf (auch = Entrüstung, Trotz, Zorn) gehören als Ableitungen: a) das Adj. stumpfich oder (seltener) stämpfich) = ärgerlich, empfindlich, entrüstet, ergrimmt, erzürnt, gereizt, grimmig, trotzig, unwillig, verdrießlich, verstimmt, wütend, zänkisch, zornig; b) das Zeitw. stumpfen (stümpfen) oder (häufiger) stämpfen (erstere Formen für: schmähen, lästern, letztere Form für: bedrohen, beleidigen, beschimpfen, drohen, fluchen, schelten, schimpfen, zanken; dazu die Zus.: ausstämpfen = ausschelten, -schimpfen, -zanken); c) die (zunächst auf das Zeitw. stämpfen zurückgehenden) Substantive: Stämpfer = Schmäher, Zänker und Stämpferei = Wortwechsel, Zank, Zänkerei, Zwist. Zu dem Stamme stämpf- (des Zeitw. stämpfen) gehört auch die Zus. Stämpffläderling (d. h. eigtl. der „schimpfende Vogel“) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 340, 343, 346 (stumpf = bös [345: = taub], Stumpf = Haß, Zorn, stimpfen = schelten, zanken); Schwäb. Händlerspr. 485, 488 (stumpf = zornig [in Pfedelb. (214) als Subst. Stumpf = Zorn], stumpfen = schimpfen). Übrigens dürften sich die Vokabeln bis ins 18. Jahrh. hinein verfolgen lassen. So findet sich z. B. im W.-B. von St. Georgen 1750 (219, 220) stumpf = unsicher, im Schwäb. Falschmünzerprozeß von 1791/92 (261 ff.) mehrmals Stumpf oder stumpf machen = „Lärmen“ oder „Angst machen“ (v. S. der Gauner) sowie das Subst. Stumpfmacher = „Lermen- (d. h. Lärm-) Macher“; vgl. noch ebds. (263) sowie in der Uracher Jauner- und Betrügerliste 1792 (268): anstimpfen od. anstempfen (= anschmusen), d. h. etwa Überreden eines leichtgläubigen Opfers v. S. der Betrüger. Bei Schintermicherl 1807 (288) — der auch stumpf = „hart od. böse“ hat — bedeutet das Zeitw. stimpfen = bellen (von Hunden). Etymologie: Bei Stumpf = Ärger, Zorn usw. liegt wohl nur eine Substantivierung vom Adj. stumpf vor, das u. a. in dem Sinne von „böse“ schon im Mhd. bekannt gewesen (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 999) und sich noch bis in die neuere Zeit hinein in der bayr.-österreich. Mundart erhalten hat (vgl. bes. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 761 m. Hinweis auf Castelli [Öster. W.-B., 1847], S. 239: stumpf = böse, verdrießlich). Für das Zeitw. stumpfen, stämpfen vgl. noch bes. Schmeller, a. a. O., Sp. 760 (stimpfen, stümpfen = „sticheln, [be]kritteln, schmähen“) u. Sp. 762 (stumpfieren = „kritteln, [be]spotten“); auch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 518 vbd. m. 515 (stumpfieren = schimpfen, lächerlich machen, stumpflerisch = spöttisch, anzüglich).

[226] S. Aas.

[227] S. arg.

[228] S. abbetteln.

[229] Über Dercher- s. abbetteln. — Ulma (-me) = Leute kommt noch vor: a) in den Zusammensetzungen: Schniffer- od. Schorerulma = Diebesbande, Fehteulme = Herbergsleute (Spr.), Dächlespflanzerulma = Schirmflickerleute (Spr.), Steinhäuflesulme = Städter, Blibelulma (-e) = fromme Leute, „Stundenleute“ (d. h. Methodisten); b) in den Verbindgn.: jenische Ulma = „fahrende Leute“ u. grandich Ulma (d. h. „viele Leute“) = Menge (s. d. betr. Übereinstimme, mit d. Zigeun.). Das Wort ist in dem bes. verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt u. auch sonst im Rotwelsch (wenigstens in gleicher Form u. Bedeutg.) selten; vgl. aber z. B. schon Lib. Vagat 55 (Wyßulm = „einfaltig volck“), dann öfter wiederholt, ferner Münchner Deskription 1727 (192: die platten Ulm, etwa im Sinne von „Gaunern“ u. dergl.) u. Schintermicherl 1807 (289: Ulm = Leute); dagegen hat Pfister bei Christensen 1814 (327) die Form Ohlem (= Menge), die sich dem jüd. (hebr.) Stammworte mehr annähert. Ihrer Etymologie nach geht die Vokabel nämlich zurück auf das hebr. ’ôlâm = „Ewigkeit, Welt“, jüd. ôlem od. ulen = „Welt, dann Leute, Menschenmenge“ (wie französ. monde = „Welt“ u. „Leute“); vgl. A.-L. 426 (unter „Olam“) u. Wagner bei Herrig, S. 237.

[230] S. abbetteln u. Abort.

[231] S. Aas, vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36] (subst. Partiz.).

[232] Dofes ist im W.-B. auch durch „Gefängnis, Gewahrsam, Haft“ u. „Kerker“ wiedergegeben; dazu: im Dofes = gefangen sowie die Zusammensetzg. Dofesbu(t)z = Gefangenwärter. Ableitg.: das Zeitw. ei’dofema = einkerkern (einsperren, einstecken). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Doves = Gefängnis); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Doves = Arrest, Ratte-Doves = Dunkelarrest); Schwäb. Händlerspr. 479, 488 (Dôfes [in Pfedelb. (214): Doves] = Arrest, Zuchthaus). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (Dôfes = Gefängnis). Über sonstige Belege im Rotwelsch sowie die Etymologie des Wortes (wohl vom hebr. tâfaf = „ergreifen, gefangen nehmen“) s. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 288 (mit weiteren Angaben); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246/47, welcher meint, daß der Ausdruck „vielleicht volkstümlich an tōf (gut) ironisch angelehnt“ sei.

[233] S. Abort.

[234] Lek hat dieselben Bedeutgn. wie Dofes u. außerdem noch insbes. die von „Zuchthaus“ (s. oben i. Text); vgl. dazu: im Lek = gefangen; Zus.: Lekbu(t)z = Gefangenwärter; Ableitg.: ei’leken = ei’dofema. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92, 100 (Leck = Gefängnis, Leik = Turm); W.-B. des Konst. Hans 254 (Lek, plur. Leke = Gefängnis); Schöll 272 (ebenso, vgl. 273: in der Leke = in der Gefangenschaft); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Leke [sing.] = Gefängnis); in der schwäb. Händlerspr. unbekannt. Zur Etymologie bemerkt Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1172 nur, daß sie „unklar“ sei; Stumme, S. 21, hat das hebr. lâqach = „nehmen, ergreifen“ herangezogen; vgl. auch A.-L. 566 unter „Lekach“ vbd. mit 561 unter „Leck“, wo jedoch in erster Linie deutscher Ursprung des Wortes angenommen (mhd. lûchen od. liechen, ahd. lûhhan, liohhan = „schließen, zuschließen“, das auch das Stammwort für unser „Loch“ [schon mhd. loch oder (seltener) luch auch = Gefängnis]) gewesen ist; s. Weigand, W.-B. II, Sp. 75, vbd. mit Grimm, D. W.-B. VI, Sp. 1093, 1094, Nr. 4). Demnach dürfte Lek = Loch zu deuten sein, wofür auch die Form Locke (= Gefängnis) schon im älteren Rotwelsch (s. A. Hempel 1687 [169]; Waldheim. Lex. 1726 [187]; Körners Zus. zur Rotw. Gramm. von 1755 [240]) spricht, ferner der gleiche Gebrauch von Loch in der modernen Gaun.- u. Kundenspr. (s. z. B. Rabben 83 u. Ostwald [Ku.] 96), bei den Studenten (vgl. Kluge, Studentenspr., S. 18 [schon in älterer Zeit]: Hundsloch = Karzer), Schülern (s. Eilenberger, Pennälerspr. S. 15 u. 42: Loch = Karzer) und Soldaten (s. Horn, Soldatenspr., S. 9 u. 121: Loch = Arrestlokal) sowie auch wohl in der allgemeinen Umgangssprache (vgl. dazu u. a. Blumschein in d. Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv. III, S. 117).

[235] S. angenehm.

[236] S. anmutig.

[237] S. absterben und Amtmann.

[238] S. abgerahmte Milch.

[239] Schottel (plur.: Schottle) = Schüssel, Büchse (Gefäß, „Gelte“, Geschirr, Korb, Kübel, Schale, Tasse, Teller, Wanne) ist beliebt in zahlreichen Zusammensetzungen für allerlei Behältnisse, so (außer Schundschottel) noch: Lehmschottel = Brotbüchse, Soreschottel = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch Pfefferbüchse u. Porzellantasse, Schmunkschottel = Fettbüchse, Bossertschottel = Fleischbüchse, Flößlingschottel = Heringbüchse, Süßlengschottel = Kaffeetasse, aber auch Zichorienbüchse, Staubschottel = Mehlschüssel, Gleisschottel = Milchgefäß, eigtl. Milchschüssel, Hornikelgielblättlingschottel = Ochsenmaulsalatschüssel, Horbogebossertschottel = Rindfleischbüchse, Spronkertschottel = Salzbüchse, Schwächschottel = Trinkgeschirr, Trinkschale, Pfladerschottel = Waschbecken. Mit Schottel am Anfang ist dagegen nur eine Zus. gebildet worden, nämlich Schottelpflanzer = Korbmacher. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95, 98 (Schodel = Schüssel, Schottel = Korb, Schottelpflanzer = Korbmacher); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Schottel = Kachel); Schwäb. Händlerspr. 481, 483, 488 (Schottele = Korb, Glas [in Pfedelb. (212): Schoppen], Wanne, Schottelepflanzer = Korbmacher). Etymologie: Die Vokabel, die sonst im Rotw. auch in der Form Schuttel vorkommt (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [330]), ist doch wohl nur eine (dialekt.) Veränderung von uns. gemeinspr. „Schüssel“ (mnd. schottel od. schuttel [Weigand, W.-B. II, Sp. 805]); s. Günther, Rotwelsch, S. 52; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 31.

[240] Sprate hat auch die allgemeinere Bedeutung von „Stecken“ od. „Stock“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Sprade = Stock); ebenso: Pfulld. J.-W.-B. 345 u. Schwäb. Händlerspr. 487. Die Etymologie ist unsicher. Da sich jedoch in der Pfälzer Händlerspr. (439) die Form spâte = Stock findet, könnte man vielleicht an unser gemeinsprachl. „Spaten“ denken, das verwandt ist mit dem griech.-lat. spatha = „zweischneidiges Schwert“ u. dergl. (s. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 904), ital. spada, auch rotw. (z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [330]) Spaden = Degen (vgl. dazu Pott II, S. 17; Günther, Rotwelsch, S. 37).

[241] Stenz heißt ebenfalls eigentlich „Stock“ („Stecken“), bedeutet dann aber auch (die damit ausgeteilten) Prügel (auch im plur. Stenze = Schläge). Zus. damit: Dercherstenz = Bettelstab; Ableitgn.: zunächst das Zeitw. stenzen = hauen, prügeln, schlagen (Zus. niederstenzen = niederschlagen, verstenzen = verhauen, zustenzen = zuschlagen) u. davon wieder das Subst. Stenzerei = Schlägerei (Fehde). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 72, 76 (Stenz = Stock, Flatter- od. Flosserstenz = Schirm; stenzen = durchhauen); Schwäb. Händlerspr. 487, 488 (Stenz od. Stanz [in Pfedelb. (213): auch Stenzling] = Stock, Stenz kriegen = Prügel bekommen; Nebenbdtg. [483]: „Louis“; in U. [215]: stenzen = schlagen, in Pfedelb. [213] dagegen = stehlen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (nicht sichere) Etymologie s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 76 u. Anm. 1 u. 2 (unter „Stanzer“) vbd. m. Bd. 56, S. 59, Anm. 1.

[242] Kritzler hat noch die Bedeutgn.: Brief, Dokument, Schreiben oder Schrift, Urkunde, Zettel. Dazu folgende Zusammensetzgn.: a) mit Kr. vorne: Kritzlerbukler = Briefträger, Postbote, Kritzlerrande = Brieftasche, auch Papiersack, Kritzlerbich od. -lobe = Papiergeld, Kritzlerpflanzer = Papiermacher, Kritzlerrädling = Postwagen; b) mit Kr. hinten: Dercherkritzler = Bettelbrief, Schnurrantekritzler = Komödienzettel (Programm), Sprauskritzler = Steckbrief (ein wohl aus der Zigeunersprache übernommenes Wortspiel [vgl. schon „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 46]], worüber das Näh. noch unter „Steckbrief“), Begerkritzler = Totenschein. Als Verbindg. erscheint lenker od. schofler Kritzler = Steckbrief (vgl. Näh. schon oben [S. 121], [Anm. 223] u. [Anm. 224]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 480 (Kritzler = Brief); auch Pleißlen der Killertaler 435 (Bedtg.: Brief, auch [nach Kapff 213]: Paß, Wandergewerbeschein; kritzle[n] = schreiben). In der Pennälersprache bedeutet Kritzler den Federhalter (s. Eilenberger, S. 38). Der Etymologie nach gehört der Ausdr. jedenfalls zu unserem gemeinspr. Zeitw. kritzeln = „kratzend fein schreiben“, Dim. von d. ält. nhd. u. mhd. kritzen, ahd. krizôn = „einritzen“, vielleicht mit Kreis verw., aber schwerlich zu kratzen (s. Weigand, W.-B. I, Sp. 1155); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 771.

[243] S. abbiegen.

[244] S. (betr. alle drei Ausdr.) Abendessen.

[245] S. abfallen.

[246] Das einfache schnüren = erhängen, hängen (henken) ist schon dem ältesten Rotwelsch (so z. B. dem Lib. Vagat [55: schnuren]) bekannt gewesen. Aus dem verw. Quellenkr. vgl. Dolm. der Gaunerspr. 93 (schüren [sic] = henken u. geschürt [sic] werden = gehenkt werden); W.-B. des Konst. Hans 257 (g’schürt [sic] = gehängt); Schöll 271 (schmieren [sic] = hängen, aber richtig [273]: die Geschnürten = die Gehängten); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (schnüren = aufhenken, schniren = henken). Etymologie: Der Ausdr. ist wohl nichts anderes als eine Begriffsverengerung unseres gemeinsprachl. schnüren. Vgl. A.-L. 602, vbd. m. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1407, Nr. 1; s. auch Horn, Soldatensprache, Sp. 124 u. Anm. 6.

[247] Die Aufforderung schupf dich (od. schupf dich auf) ist auch wiedergegeben durch „sei ruhig“, „schweig still“ od. „halts Maul“ (für letzteres auch: schupf’ de’ Giel [s. unter „Maul“]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (schupf dich auf = still). Etymologie: Die auch schon dem älteren Rotwelsch bekannte Wendung (s. schon A. Hempel 1687 [169: schuff dich = pack dich]) braucht nicht erst mit A.-L. 599 auf hebr. Ursprung zurückgeleitet zu werden, sondern gehört wohl (wie das schles. schupf dich = „setz’ dich nieder“ [s. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 2010, Nr. 4, d] u. das schwäb. verschupfen, ab-, wegschupfen = wegschieben, -stoßen [s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 481 u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1322]) einfach zu unserem mundartl. Zeitwort schupfen (od. schuppen) = schieben; vgl. dazu auch Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 145, 146. Dort insbes. auch Näh. über schupfen = backen, eine Bedeutung, die ebenfalls in Wittichs Jenisch bekannt ist. Dazu die Ableitungen: Schupfer = Bäcker, jedoch nur in der Zus. Lehmschupfer, fem. -ere (d. h. eigtl. „Brotbäcker[in]“; vgl. dazu die weitere Zus. Lehmschupferhitzling = Backofen) u. Schupferei = Bäckerei. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Leemschlupfer [sic] = „Beck“); Pfulld. J.-W.-B. 337 (Lächumschupfer); Schwäb. Händlerspr. 479 (schupfen = backen, Schupferei = Bäckerei, Lêmschupfer [in Pfedelb. (208): auch Schupferbink] = Bäcker).

[248] S. abbiegen.

[249] S. abgehen.

[250] S. anbrennen.

[251] Mit stichle(n) = nähen ist ferner noch zusammengesetzt ei’stichle = einnähen. Ableitungen: Stichler = Schneider (vgl. dazu Stichlersmoss = Schneidersfrau) u. Stichlere = a) Schneiderin, b) Nadel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.); Dolm. der Gaunerspr. 96, 98 (Stichler = Schneider, Stichlerin = Näherin); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Stichler = Schneider); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. 484, 486 (ebenso, doch Stichler auch = Metzger [wie nur so im Pleißlen der Killertaler 436]; sticheln = nähen). Zur Etymologie (v. deutsch sticheln, d. h. eigtl. „Stiche machen“ [beim Nähen usw.]) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. 76 (unter „Stichling“ u. „Stich[e]ler“ [= Schneider]). Über das stammverwandte Stichling = Gabel s. unter diesem Worte.

[252] S. angenehm.

[253] S. ansagen.

[254] Weitere Zus. mit guffe(n) (-fa) = schlagen (prügeln, auch fechten) sind noch: einguffen = einhauen, einschlagen, niederguffa = niederschlagen, verguffen = verhauen, zuguffen = zuschlagen. Ableitungen: Guffe = Schläge (wenn nicht bloß subst. Infin.), Guf(f)es = Hieb(e), Prügel; Guf(f)erei = Fehde, Schlägerei, auch Guffer in den Zusammensetzgn. Galmeguffer = Lehrer, Schullehrer (eigtl. „Kinderprügler“) u. Hertling- od. Kiesguffer = Steinhauer, Steinmetz. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (guft = geschlagen); Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (gufen = schlagen, prügeln, niedergufen = niederschlagen, Gufes od. Guves = Prügel, Schlag, Streich); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 72, 74 (guffen = schlagen, Guffer = „Bickel“ [d. h. Spitzhacke], Meißel, Gufferei = Schlägerei); Schwäb. Händlerspr. 483, 485-487 (guffen = prügeln, schlagen, Galmeguffer = Lehrer [in U. (214): Galmenguffer, in Pfedelb. (211): Form ebenso, Bedeutg. spezieller: Oberlehrer, während der „Unterlehrer“ Schrazeskneppler (vgl. dazu: Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 140) heißt], Hertlingguffer = Steinhauer; speziell in Pfedelb. [212, 213] ferner noch: Gufes = Schläge, Gufferei = Schlägerei, Galmegufferei = Schule u. Guffertemente = Ohrfeige). Vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (kuffese = schlagen). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie des Wortes (vom mundartl. [ält. bayr.] Goffe = „Hinterbacke“) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 137 u. Anm. 2; vgl. auch Weber-Günther, S. 178 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 (der in der Endung -es bei Guf[f]es das hebr. -ôth erblickt [vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 13], [Anm. 32]]).

[255] S. abschreiben.

[256] S. anschauen.

[257] Das einfache nikle(n) (-la) hat die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = „spielen“, d. h. musizieren (daher auch vornikle = a) vortanzen u. b) vorspielen), während nur die erstere (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl. die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in herum- (od. umher-) nikla (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. Ableitungen: Nikler = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: Vornikler = Vortänzer); fem.: Niklere = Tänzerin; Niklerei = Tanz, Theater, Nikelei (besser wohl gleichfalls Niklerei[?]) = Musik, Spiel. Mit dem Stamm des Zeitw. (nikel-) sind gebildet die Zus.: Nikelkitt = Komödienhaus u. Nikelschure = Klarinette od. Klavier (vgl. auch Nikleschure = Leierkasten, während für „Harfe“ und „Harmonika“ das vollere Niklengschure angeführt ist). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (nikle = tanzen [wohl zugleich der früheste Beleg]); Schöll 272 (niklen = tanzen); Pfulld. J.-W.-B. 345 (nikeln, Bedeutg. ebenso); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: nickle[n] = tanzen). Die Etymologie des Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher, es mit Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. nickle(n) = „Kopf und Nacken hin- und herbewegen“) zu unserem Zeitw. nicken zu stellen, als es mit Stumme, S. 20 mit dem hebr. niggên = „Musik machen“ in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere Bedeutg. doch wohl zweifelsohne „tanzen“ gewesen ist.

[258] S. abbiegen.

[259] Das Zeitw. durme(n) bedeutet: schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: aufdurme eigtl. wohl = „aufhören zu schlafen“; weitere Zus. sind noch: ausdurme(n) = ausschlafen (vgl. ausdurmt = erwacht), ei’durme = einschlafen, herumdurma = herumliegen, hindurmen = (sich) hinlegen, niederdurmen = (sich) niederlegen. Ableitung: das Adj. durmerich = schläfrig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Durmklamine = Schlafzimmer [während schlafen hier durch schlaunen wiedergegeben]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74, 77 (durmen = schlafen, Durmel = Schlaf, Durmmalfes = Schlafrock); Schwäb. Händlerspr. 485 (durmen [in Pfedelb. (212): dormen] = schlafen, desgl. in Pfedelb. [212]: dormisch = schläfrig, i hab Darming = ich bin schläfrig u. Dormmalfes = Schlafrock). Vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 (durme = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die Etymologie (zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. durmeln [turmeln u. ä.]) = taumeln, schlummern, leicht schlafen, Durmel [Turmel u. ä.] = Taumel, Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. türmeln, turmeln = taumeln, türmel, turmel = Taumel, Schwindel (vgl. Grimm, D. W.-B. II, Sp. 1733 ff; Schmeller, Bayer. W-B. I, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber auch wohl vom französ. dormir [in letzter Linie also vom lat. dormire] beeinflußt worden [vgl. „Vorbemerkung“, [S. 10], [Anm. 25] u. [26]) s. Näheres bei Weber-Günther, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit Pott II, S. 17, A.-L. 534 u. Günther, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter „durme[n]“ vbd. mit Sp. 499 (unter „Durmel“).

[260] S. abwaschen.

[261] Wörtl. Übersetzg. aus dem Deutschen in Übereinstimmg. auch mit der Zigeunerspr. (s. Liebich, S. 140 u. 178). Mit Schei(n)ling = Auge (Blick) sind noch zusammengesetzt auch: Scheinlingstrauberts (d. h. eigtl. „Augenhaare“) = Augenbrauen (s. d. betr. die Zigeunerspr.) u. Scheinlingflu(h)te = Augenwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89 (Scheinling = Auge); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 337, 342 (ebenso, Nebenbdtg. auch: Licht); Schwäb. Händlerspr. 479 (Scheinling[e] = Augen [in Pfedelb. (209) auch = Brille]). Vgl. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Schenling = Augen, Fenster). Zur Etymologie des — auch sonst im Rotwelsch (etwa seit Anf. des 18. Jahrh.) öfter begegnenden — Wortes (mit den Nebenbedeutgn. „Fenster“ [so schon bei A. Hempel 1687 (168: Scheindling)], „Laterne“ [s. schon Hermann 1818 (336)], „Spiegel“ [s. Fröhlich 1851 (410); vgl. A.-L. 597 u. Neuere] u. ä. m.) — vom deutsch. Zeitw. scheinen — s. Weber-Günther, S. 186 vbd. mit Pott II, S. 20 u. A.-L. 597.

[262] Mit Strauberts = Haar(e), (Borsten) sind noch folgende Zus. gebildet worden: a) am Anfang stehend: Straubertsschure = Haarnadel, Haaröl u. Kamm, Straubertski(e)bes = Lockenkopf; b) ans Ende gesetzt: Ki(e)besstrauberts = Haupt-, Kopfhaar, Trabertstrauberts = Pferdehaar, Groenikelsstrauberts = Schweinsborsten, Jerusalemfreundsstrauberts (d. h. „Schafhaare“) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Als Verbindgn. kommen vor: Straubertspflanzen (d. h. etwa „Haare machen“) = kämmen, nobis Strauberts (d. h. „keine Haare“) = kahl sowie das längere nobis Strauberts auf dem Ki(e)bes = Kahlkopf. Eine Ableitg. ist das Adj. straubertsich = haarig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Straupert = Haar); Schöll 271 (Straubert); Schwäb. Händlerspr. 479, 481 (Straubert [in Pfedelb. (210) auch Straub od. Straupert = Haar, letztere Form sowie [in Pfedelb. (208) auch Straub] auch = Bart [womit schon das ältere Rotwelsch übereinstimmt, s. u. a. W. Scherffer 1650 (160)). Vgl. noch Metzer Jenisch 216 (Straubert = Haar). Der Etymologie nach gehört das Wort wohl zu unserem Zeitw. (sich) sträuben, d. h. „sich starr empor richten (vom Haar)“ (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 984). Über das -s am Ende s. schon „Vorbemerkung“, [S. 12], [Anm. 29].

[263] Betr. Flu(h)te s. abbrühen.

[264] S. abbeißen.

[265] S. anbrennen.

[266] S. abgehen.

[267] S. abbrennen, vgl. anzünden.

[268] S. abbiegen.

[269] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[270] S. abfahren.

[271] S. anfragen.

[272] S. anschauen.

[273] S. abgeben.

[274] S. abgehen.

[275] S. ankleiden.

[276] Stammwort: sicheren = kochen (braten); vgl. dazu: gesichert (= gekocht, gebraten) in den Verbindgn. gesicherter Babingermass od. Strohbutzerbossert = Gänsebraten u. gesicherter Jo(h)le = Glühwein,Punsch; nobis gesichert = ungekocht; ferner (als Zus. mit dem Stamm sicher-): Sicherbenk, -fiesel oder -kaffer = Koch. Ableitung: Sichere = Küche (u. dazu Sichereglitschin = Küchenschlüssel). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (sichern = kochen, Sicherei = Küche); W.-B. des Konst. Hans 254, 257 (Sicherey od. Zicherey = Küche); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340, 342, 344 (sichern = aussieden, schmälzen, gesichert = gesotten, versichern = ausschmälzen, Sicherei = Küche); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 72 (sichern = kochen, gesichert = gekocht, Sichere = Küche); Schwäb. Händlerspr. 483 (sichern = kochen, in Pfedelb. [210, 211]: gesichert = gesotten u. Sichere = Küche). Über die unsichere Etymologie (vielleicht vom hebr. sîr = „Topf“) s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 51.

[277] S. anlachen.

[278] Was hier unter „auslassen“ zu verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei Kapff in seinen Ergänzungen zur schwäb. Händlerspr. (Lütz. 214: bremse[n] = „furzen“, Bremser = „Furz“). Die Etymologie bleibt unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter „bremse[n]“, Nr. 5: bremse[n] = „prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke“).

[279] Zu dieser Redensart s. (betr. schmusen) das Näh. unter „ansagen“.

[280] S. abgehen.

[281] S. abbiegen.

[282] S. ansagen.

[283] S. Ärger.

[284] S. aufwachen.

[285] Das Zeitw. schlanne(n) (-na) entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen) ganz dem Syn. durme(n), so auch in den Zus., nämlich (außer ausschlauna [wozu zu vgl.: ausg’schlaunet = erwacht]) noch einschlauna = einschlafen, herumschlauna = herumliegen, hinschlaunen = (sich) hinlegen, niederschlaune = (sich) niederlegen. Ableitung: das Adj. schlaunerich = schläfrig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (schlaunen = schlafen); W.-B. des Konst. Hans 256 (schlauna = schlafen); Schöll 271 (Schlauna = Schlaf); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342, 344 (schlaunen = schlafen, verschlaunen = einschlafen, nobus schlaune = schlaflos sein, Schlane = Schlaf, Schlaunklamine = Schlafzimmer, Schlaumalfes [sic] = Schlafrock, schlaunerig = schläfrig); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. 215: schlaune[n] = schlafen). Etymologie: Der Ausdruck, der sich bis in den Lib. Vagat. zurückverfolgen läßt (s. dort 55: schlun = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: schlunen). S. Pott II, S. 17, A.-L. 601 (unter schlonen), Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter „schlummern“) u. Stalder, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (schlunen); vgl. auch Weber-Günther, S. 180. Über das stammverwandte schlummern s. d. Näh. unter „Herberge“.

[286] S. abschreiben.

[287] S. anschauen.

[288] S. anlachen.

[289] S. ansagen.

[290] S. abwaschen.

[291] S. anfassen.

[292] Das Zeitw. schoren (z’schore [Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d. Zus.: herausschoren = herausstehlen u. wegschoren = wegstehlen. Ableitungen: Schorer = Dieb, Räuber (vgl. dazu Schorerulma = Diebesbande) u. Schorerei = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw. Zschor = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. Zschor-Kitt = Diebesherberge. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 253, 255, 257, 260 (schornen = stehlen, T’schor od. Schorne = Dieb, T’schorr-Kitt = Diebesherberge, T’schor-Bais = Diebeswirtshaus, T’schor-Kaffer, -Gaya = Mann [bzw. Frau], der [die] gestohlene Sachen kauft); Schöll 268, 271-73 (dschornen = stehlen, Dschorn = Raub, Tschor = Dieb, „Jauner“); Pfulld. J.-W.-B. 337-39, 343, 345 (schornen = stehlen, ausplündern, Schornen = Diebstahl, Gschor = Dieb, Schelm, Spitzbube); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (tschornen = stehlen); Schwäb. Händlerspr. 486 (schôren [in U. (214): tschōren] = stehlen). Zur Etymologie der (auch sonst im Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch Jühling, S. 227 (Tschoraben = das Stehlen, Tschormasskäro = Dieb) u. Finck, S. 92 (tšōr = „Dieb, Räuber“, tšōr[d]- = „stehlen, rauben“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter „Tschor[n]“ bzw. „tschor[n]e[n]“).

[293] S. (zu beiden Ausdr.) Abort.

[294] S. abgerahmte Milch.

[295] Das Zeitw. flös(s)le(n) od. flessle bedeutet (außer: „harnen“, „pissen“) auch noch „regnen“ (Spr.) u. dementsprechend das Subst. Flösle = a) Harn („Pisse“, Urin), b) Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: Flöslete. Mit dem Stamm (flössel-) des Zeitw. flöss(e)le(n) erscheinen gebildet die Zus. Flösselflu(h)te = a) Harn („Pisse“), Urin, b) Regenwasser, Flösselnolle = Nachthafen, Urintopf u. Flösselglansert = Uringlas, ferner noch Flösselreifling = Regenbogen u. Flösselschei = Regentag. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (flöslen = „Wasser abschlagen“); Pfulld. J.-W.-B. 338 (flößeln = „brunzen“, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); Schwäb. Händlerspr. 484, 485, 488 (flößlen = mingere, flößeln od. flößeren = regnen [aber flôßeren = weinen]; dazu in Pfedelb. [211] noch Flößl = „Kandel“, d. h. Dachrinne). Vgl. auch Pleißlen der Killertaler (nach Kapff [212]: flüssne[n] = mingere). Zur Etymologie von flös(s)len u. ä. (dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a) Basler Betrügnisse um 1450 (15: geflösselt = ertränkt) u. dann öfter im 16. u. 17. Jahrh.; b) Lib. Vagat. 53 (flößlen = „seichen“) u. dann öfter (s. oben; vgl. auch noch Pfister 1812 [298: Flössel = Urin]); c) D. Schwenter um 1620 (140: flösseln = sieden; vgl. Flos = Suppe); d) A. Hempel 1687 (168: flösseln = weinen); e) Schintermicherl 1807 (289: flösseln = regnen; vgl. Flos = Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter „Floß“) u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1585/86 (unter „flössere[n]“ u. „flössle[n]“). An erster Stelle dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. Floß für „kleines fließendes Wasser“ (vgl. auch mhd. vlôz = „Fluß, Strömung“ u. a. m. [s. Weigand, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter „Floß“ 1 u. 2]), weiterhin überhaupt das gemein-deutsche Fluß bzw. fließen usw. Vgl. auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische Flößling = Fisch, worüber d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. Floßart (Flossert) u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei Weber-Günther, S. 186).

[296] S. Amme.

[297] Zu glemse(n) (-sa) = weinen (beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. Glemsen = Tränen, Ableitung: Glemserei = Heulerei) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 101 (klemsen = heulen, weinen); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: glimse[n] = weinen). Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht aufgeführt.

[298] S. anzahlen.

[299] S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.

[300] S. Ärger.

[301] S. ankleiden.

[302] Dazu das Diminutiv Doberle = Beil. In den verw. Quellen m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren Rotwelsch (denn in der Sulzer Zigeunerliste v. 1787 [252] ist es nur als Zigeunerwort — für rotw. Hekerling — aufgeführt), dagegen findet es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie Pfister 1812 [297], v. Grolman 17 u. T.-G. 84, Karmayer G.-D. 196). Zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einltg.“, [S. 29]) s. Näh. bei Liebich, S. 162, 180 u. 182 (tōwer = Axt, Beil); Miklosich, Beiträge III, S. 20 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter „tover“: bei den deutsch. Zig.: tover; vgl. pers. u. hind. tabar, kurd. taver, armen. tapar, russ. topor usw.); Jühling, S. 89 (Dowär = Axt, Beil); Finck, S. 89 (tower = „Axt, Beil“).

[303] S. abbrühen.

[304] Betr. Fläderling s. Adler.

[305] Der Ausdruck jenisch ist hier, wie die nachfolgenden Bemerkungen Wittichs im Text zeigen, in dem Sinne von „zu den fahrenden Leuten gehörig“ oder „auf sie Bezug habend“ (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 5] u. [Anm. 7]) genommen. Übereinstimmend damit die weiteren Verbindungen: jenischer Benk (Benges) od. Fi(e)sel = „fahrender Bursche“, jenische Moss u. Model = „fahrende Frau“ u. „fahrendes Mädchen“, jenische Ulma = „fahrende Leute“. Bemerkt sei hierzu noch, daß nach Jühling, S. 220 von den Zigeunern „alle herumziehenden Leute“, die „nicht Zigeuner“ sind, als Chalo-Jenische (zu Chalo = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen vgl. betr. die Etymologie, die verschiedenen Bedeutungen u. die Belege für das Wort jenisch (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in m. „Vorbemerkg.“, [S. 4], [Anm. 6] ff.

[306] Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von Liebich, S. 156, 165 u. 180 u. Finck, S. 92 (rómeno tširklo), die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll sich nach einer Mitteilg. Wittichs in seinen (auch von Groß, Handb. für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im Jahrg. 1912, Heft 1 der „Mitteilungen über die Vogelwelt“ (S. 89, 212 ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.

[307] S. aufhören.

[308] Lehm (od. [seltener] Lechem) = Brot kommt auch noch in folgenden Zusammensetzgn. vor: a) im Anfang stehend: Lehmschottel = Brotbüchse, Lehmrande = Brotsack, Lehmschure = Brotschrank; b) ans Ende gesetzt: Dercherlehm = Bettelbrot, Schmunklehm = Butterbrot, Lanengerlehm od. -lechem (d. h. „Soldatenbrot“) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Schoflelehm od. Schofellechem (Spr.) = Schwarzbrot, Dofelehm od. dofer Lehm (Spr.) = Weißbrot, Süßlinglehm = Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch Boslem = Exkremente zu Lehm zu ziehen s. schon oben unter „After“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Lechem od. Lehm = Brot, schofel —, gehechelter — (= schwarzes, weißes Brot); W.-B. des Konst. Hans 254 (Leham = Brot, Lehmschlupfer [sic] = Bäcker); Schöll 271 (Lehem = Brot); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338 (Lächum = Brot, Lächumschupfer od. Lemer = Bäcker, Lächumrande = Brotsack); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Lechum od. Lehm = Brot, Kafferlechum = Bauernbrot); Schwäb. Händlerspr. 479, 480 (Lêm [in Pfedelb. (209): Lehm] od. Lechem = Brot, Lêmschupfer = Bäcker, in Pfedelb. [208]: Kafferlehm = Bauernbrot). S. auch noch Pfälz. Händlerspr. 436, 437 (Lêchem od. Leachem = Brot, Finne Lêchum = Stück Brot) u. Metzer Jenisch 216 (Lēm). Zur Etymologie (vom gleichbed. hebr. lĕchĕm) s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 25, 26 (dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch Weber-Günther, S. 157/58 (unter „Legem“) u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter „Lechem“ u. „Lehm“).

[309] Mit Hitzling = Ofen (am Anfang) sind noch folgende Zus. gebildet: Hitzlingschwä(t)zling = Ofenruß (s. d. betr. Schwetzling [wohl für Schwärzling] = Ruß), Hitzlingpflanzer od. -schenegler = Ofensetzer, Hitzlingbossert = Rauchfleisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 91 (Hitzling = Ofen, Lechem- od. Lehmhitzling = Backofen); Schöll 271 (Hitzling = Ofen, aber auch = Sonne); Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (Hitzling = Ofen, Lächumschupferhitzling = Backhaus); Schwäb. Händlerspr. 487 (Hitzling). Zur Etymologie des Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei A. Hempel [167] — für „Stube“ vorkommt) vom deutsch. Subst. Hitze vgl. A.-L. 549, Günther, Rotwelsch, S. 60 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.

[310] S. (betr. Kittle) Abort u. (betr. Kies) Apfelkern; vgl. dazu auch „Vorbemerkg.“, [S. 19], [Anm. 48] sowie die Anm. zu „Ziegelstein“ im W.-B.

[311] S. abbrühen.

[312] S. abwaschen.

[313] Mit Rutsch = Bahn, Eisenbahn sind zusammengesetzt: Rutschschenegler = Eisenbahnarbeiter u. Rutschrädling = Eisenbahnwagen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (Rutsch = Eisenbahn); Schwäb. Händlerspr. 480 (ebenso); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rutscher = Wagen, Eisenbahn). Zur Etymologie (vom Zeitw. rutschen) s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter „Rutscher“).

[314] Sitzleng (-ling) = Bank (Kanapee) oder Stuhl (Schemel, Sessel) kommt auch vor in den Zus. Leile- od. Schundsitzleng = Nachtstuhl u. Schoflereisitzling = Richterstuhl. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 487 (Sitzling = Stuhl, Bank); s. auch im Metzer Jenisch (217) Setzerling = Stuhl, während der Hennese Flick von Breyell (450) dafür Sitterd, das Bargunsch von Zeele (470) Zitterik hat. Der Etymologie nach gehört der Ausdr. natürlich zu sitzen.

[315] S. Almosen u. Abort.

[316] Vgl. dazu die Verbindg. grandiche Lobekitt = Münze, Münzwerkstätte. — Lobe = Geld, Geldstück, Münze (ferner Barschaft, Gehalt, Sold, Summe) findet sich ferner noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Lobesins = Bankier, Lobeschure = Geldkasse od. -kästen, Loberande = Geldsack, Lobepflanzer = Münzarbeiter (dazu: nobis dufter Lobepflanzer = Falschmünzer); b) am Ende: Stradelobe = Chausseegeld, Schenagelslobe (eigtl. „Arbeitsgeld“) = Lohn, Duftlobe (eigtl. „Kirchengeld“) = Opfergeld, Kieslobe (eigtl. „Steingeld“) = Pflastergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Labe = Geld); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Labai); Schwäb. Händlerspr. 481 (Lôbe); ebenso auch im Metzer Jenisch 216. Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 270/71 und Anm. 3 vbd. noch m. Liebich, S. 144, 201, 223 (lōwo = Geld, Münze), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 7 (bei d. deutsch. Zig.: lōvo) u. Finck, S. 71 (lōwo = Münze, plur. lōwe = Geld); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 901 (unter „Labe“) u. 1310 (unter „Lobe“).

[317] S. Almosen und Amtmann.

[318] Mit Kies = Geld, Geldstück, Münze sind ferner noch zusammengesetzt: a) am Anfang: Kiesreiber = Beutel, Geldbeutel (-tasche), Säckel, Kiesschure = Geldkasse od. -kästen, Kiesrande = Geldsack, Kiespflanzer = Münzarbeiter (vgl. nobis dufter Kiespflanzer = Falschmünzer); b) am Ende: Schenagelskies = Lohn u. Duftkies = Opfergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kis = Beutel u. kislen = Beutel schneiden); W.-B. des Konst. Hans 254 u. 258 (Kies = Silber, Geld; vgl. auch [255]: kiesle = Beutel schneiden); Schöll 269, 270 (Kis = Beutel, Geld; Kißler = Beutel schneiden); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Kiß = Geld, Kißrande = Geldbeutel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 70 (Kies = Geld, Kiesreiber = Geldbeutel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Kîs [in Pfedelb. (211): Kies] = Geld, Kis- [od. Kies]reiber = Geldbeutel). Über weitere Belege im Rotw. und die Etymologie (vom hebr. kîs = „Beutel, Geldbeutel, Geld“, jedoch vielleicht auch mit Einfluß des rotw. Kisow od. Kisof[f] = Silber[geld] aus hebr. kesef = „Silber“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 254, Anm. 1 u. bes. S. 260 ff. u. die Anmerkgn.; vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter „Kis“, Nr. 4, lit. a u. b, mit Hinweis auf d. zigeun. kísik = „Beutel, Geldbeutel“ [Finck, S. 64]).

[319] S. Bank u. Amtmann.

[320] Bochdam bedeutet auch allgemeiner Leinwand od. Tuch. Zus. damit sind: a) am Anfang: Bochdampflanzer = Leinenweber od. Tuchmacher; b) am Ende: Begerbochdam = Leichentuch. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Bockdam = „Tuch en général“); W.-B. des Konst. Hans 255 (Bokdam = Tuch); Pfulld. J.-W.-B. 342 u. 345 (Bokdame = wollenes Tuch; Dame = Leinwand, Tuch). Auch sonst im Rotw. (bei Schintermicherl 1807 [288] z. B. in der Form Poktam [= Leinwand]) bekannt. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, [S. 29]]) s. A.-L. 585 (unter „Pochtam“ [der an eine zigeunerische Verstümmelung von begodim, Plur. des hebr. beged = „Kleid“, dachte]) vbd. mit Pott II, S. 367/68 (unter „Pochtan“), Liebich, S. 152, 181, 219 (pōchtánn = Leinwand, Barchent), Miklosich, Beiträge III, S. 17 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 48 (bei den deutsch. Zig.: pōchtan = Leinwand), Jühling 220 (Bochtan = Leinwand) u. Finck, S. 79 (póxtan = „Leinwand, Tuch, Barchent“).

[321] S. Almosen.

[322] Gore hat ungefähr dieselben Bedeutgn. wie Bich, Kies u. Lobe, also (außer Barschaft noch) bes. Geld (Geldstück, Münze), auch Gehalt, ist aber in Zus. weniger beliebt; vgl. jedoch Stradegore = Chausseegeld. Unter den verw. Quellen hat das Wort nur die Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Gore = Geld). Nach Horn, Soldatenspr., S. 96, soll es auch bei den württembergischen Soldaten gebräuchlich sein. Die Etymologie ist unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 751 gibt darüber keinen Aufschluß.

[323] S. Bank.

[324] Die Bedeutung von Rande = Bauch (Wanst) ist erst eine Begriffsübertragung, denn ursprünglich ist der Ausdr. so viel wie: Beutel, Sack (Bündel, Felleisen, Quersack, Ranzen [auch: Büchsenranzen], Rucksack, Tornister), Tasche. In diesem Sinne ist er verwendet in folgenden Zus.: a) am Anfang (selten): Randeschnurrant = Taschenspieler; b) am Ende (sehr häufig): Dercherrande = Bettelsack, Kritzlerrande = Brieftasche, Lehmrande = Brotsack, Bich-, Kies- u. Loberande = Geldsack, Bäzemerande = Hodensack, Sprausrande = Holzsack, Buxen- od. Kopelrande = Hosensack (-tasche), Stupflengrande = Igelsack, Schmalerrande = Katzensack, Staubertrande = Mehlsack, Malfesrande = Rocktasche, Dächlesrande = Schirmsack, Toberichrande = Tabaksbeutel, Toberichschurerande = Zigarrentasche. Mit Rande = Bauch sind gebildet nur die Zus. Randeschure = Bauchgrimmen u. die Verbindg. grandicher Rande = Dickbauch, als Adj. gebr. = beleibt, wohlbeleibt, insbs. auch schwanger (trächtig); vgl. dazu gr. Rande bosten = schwanger gehen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Rante = Sack); W.-B. des Konst. Hans 255, 260 (Rande = Sack, Felleisen); Schöll 271 (Rande = Sack); Pfulld. J.-W-B. 338, 340, 343, 345 (Rande = Bündel, Sack, Tasche, Lächumrande = Brotsack, Kißrande = Geldbeutel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Rande = Bauch [nur so!]); Schwäb. Händlerspr. 485, 487 (Rande = Ranzen, Tasche, [in Pfedelb. (208) auch = Bauch]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rande = Portemonnaie). Zur Etymologie des — im Rotwelsch schon früh auftretenden Wortes (vgl. Lib. Vagat. [55]: Rantz = Sack), das auch als Quelle unseres gemeinsprachl. „Ranzen“ zu betrachten ist, s. Günther, Rotwelsch, S. 96 vbd. mit Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 111 (unter „Ranzen“, Nr. 2), Kluge, W.-B. (7. Aufl.), S. 363, Sp. 2 und Weigand, W.-B. II, Sp. 526 (unter „Ranzen“ u. „Ränzel“); vgl. auch Horn, Soldatenspr., S. 65. Auch unser Ranzen ist wohl für „Bauch“, „dicken Leib, auch im Zustand der Schwangerschaft“, zunächst als „ein niedriges Volkswort des 18./19. Jahrhunderts“, dann auch im Schriftdeutsch gebräuchlich geworden. S. Grimm, D. W.-B., a. a. O. vbd. mit Kluge, a. a. O.

[325] S. (betr. Schure) abbiegen.

[326] Kaffer (Plur. Käffer [Spr.]) hat auch in Wittichs Jenisch — in wesentlicher Übereinstimmg. mit dem Rotwelsch (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 331/32) — mehrfache Bedeutgn., nämlich: a) Mann (Kerl); b) spezieller: Ehemann (Gatte, Gemahl); c) Bauer (Landmann). Zu der Bedeutg. unter a gehört das Dimin. Käfferle mit den Bedeutgn. a) Junggeselle u. b) Greis (alter Mann), während die Redensart Käfferle pflanzen = Onanie treiben wohl (wie noch weiter unten auszuführen ist) an die Bedeutung unter c angeknüpft hat. Mit K. in der Bedeutg. unter a (= Mann) sind gebildet worden: α) die Verbindungen: grandicher Kaffer = Riese (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 17]) nebst dem Gegensatz nobis grandicher Kaffer = Zwerg sowie schofler Kaffer = Heuchler (od. auch „Hurenkerl“); β) folgende Zusammensetzgn.: aa) mit K. am Anfang: Kaffermalfes = Gewand für Männer, Kafferkluft, -klufterei = Mannskleid, -kleider, Kafferstreifling = Socken; bb) mit K. am Ende (bes. beliebt für Standes- u. Berufsbezeichnungen, wie im Rotw. [vgl. „Vorbemerkung“, [S. 12], [Anm. 29]]): Dercherkaffer = Bettelmann, Rädlingskaffer = Fuhrmann, Vergremers- od. Verkemerskaffer = Handelsmann, Kittkaffer = Hausherr, Fehtekaffer = Hauswirt, Herbergsgeber, Quartierherr, Finkelkaffer = Hexenmeister, Schwarzkünstler, Sprauskaffer = Holzmacher, Sicherkaffer = Koch, Begerkaffer = Leichenbeschauer, aber auch Totengräber, Leilekaffer = Nachtwächter, Blibelkaffer = „Stundenmann“ (Methodist). Mit K. in der Bedeutg. unter b (= Ehemann) sind zusammengesetzt: α) im Anf.: Kaffersglied = Mannsschwester; β) am Ende: Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn); zu vgl. hierzu auch das (gleichsam menschliche Begriffe auf Tiere übertragende) Trabertkaffer = Hengst (eigtl. „Pferde[ehe]mann“, männl. Pferd im Gegens. zu Trabertmoss = Stute [s. d.]; betr. der Zigeunerspr. s. unter „Hengst“). Mit K. in der Bedeutg. unter c (= Bauer) sind keine Zus. od. Verbdgn. gebildet worden. Mit dem Dimin. Käfferle findet sich noch die Verbdg. nobis vergrönter Käfferle (eigtl. „nicht verheiratetes Männchen“) = Junggeselle, die insofern pleonastisch erscheint, als ja auch schon das einfache Käfferle dasselbe bezeichnet. Über die Redensart Käfferle pflanzen s. schon oben. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 96, 98 (Kaffer = Mann, Grönkaffer = Ehemann, Gaskekaffer = Schulmeister); W.-B. des Konst. Hans 255, 256, 259 (Kaffer = Kameraden [s. dazu: Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 22 u. Anm. 1], schofler Kaffer = böser Mann, T’schorkaffer = Mann, der gestohlene Sachen kauft); Schöll 271 (Gaver = Mann); Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 342 (Kafer = Mann, Biedermann, kochemer Kafer = kluger Mann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (Kaffer = Bauer, Dorfbewohner, Kafferlechem = Bauernbrot.); Schwäb. Händlerspr. 479, 483 (Kaffer = Mann, Bauer). S. noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kafrînum = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus dem Hebr. [kâfâr, Verbindgsform kĕfar, = Dorf, bzw. rabbin. kaphri = „Dorfbewohner, Bauer“]) s. d. ausführl. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 328 ff. u. dazu noch Weber-Günther, S. 165, Seiler, Lehnwort IV, S. 490 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 145.

[327] Mit Ruch = Bauer (Landmann) sind zusammengesetzt: Rucheg’fahr = Bauerndorf (vgl. dazu die folgende Anm.), Ruchamoss = Bauernfrau (vgl. [S. 378], [Anm. 329]) u. Ruchekitt = Bauernhaus. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Ruoch = Bauer, Ruochen Kitt = Bauernhaus); W.-B. des Konst. Hans 253 (im wes. ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Ruech = Bauer, Ruechekehr = Bauernhaus, Ruchemalfes = Bauernkittel, Ruchegasche = Bauernvolk u. a. m.); Schwäb. Händlerspr. 479 (Rûch od. Ruoch = Bauer); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Ruch). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie (wahrscheinl. vom mhd. Adj. rûch u. ä. = „rauh“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 5.

[328] Für G’fahr (Gefahr) = Dorf (Ortschaft) war früher im Jenischen Palar gebräuchlich (s. „Einleitung“, [S. 27]); über d. Synon. Mochum (-am) bzw. Hegesle (= kleines Dorf) s. unter „Dorf“. Außer Rucheg’fahr finden sich keine Zus. mit dem Worte. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (G’far = Dorf); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Gfart); Schwäb. Händlerspr. 480 (Gefar); s. auch Metzer Jenisch 216 (G’fār), u. Pfälz. Händlerspr. 438 (Kfâr). Dagegen hat die Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 die stammverwandte Form Kaff; ähnlich bei den schwäb. Händlern in Lütz. 214 (Khāf). Über sonstige Belege im Rotwelsch u. die Etymologie (vom hebr. kâfâr = Dorf [vgl. oben [Anmerkung 326] (zu Kaffer)]) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 328 u. Anm. 3; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 135 (unter „G[e]fahr“ II); insbs. noch über die Form Kaff s. Archiv, Bd. 48, S. 329, Anm. 2 u. dazu noch Fischer, a. a. O., Bd. IV, Sp. 143 (unter „Kaf[f]“, Nr. 1) vbd. mit Bd. III, Sp. 2 (betr. Gab = Dorf, das nach ihm zum zigeun. gāw = Dorf [s. Finck, S. 58; vgl. Jühling, S. 221] zu stellen ist).

[329] Moss od. (seltner) Mos bedeutet: a) Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib, sodann enger b) entsprechd. der Bedtg. von Kaffer unter b): Ehefrau (Gattin, Gemahlin); dazu das Dimin. Mössle = Jungfrau; eine Ableitung davon ist mossich = weiblich od. weibisch. In der Bedeutg. unter a) findet sich das Wort in den Verbindungen: schofle Mos(s) = Ehebrecherin, Kebsweib und jenische Mos(s) = fahrende Frau sowie in folgenden Zusammensetzgn.: α) am Anfang stehend: Mos(s)malfes = Gewand für Frauen, Frauen- od. Weiberrock, Mos(s)klufterei = Frauenkleid, Mos(s)fūrflamme = Frauenschürze, Mos(s)schrende = Frauenstube; β) ans Ende gesetzt (bes. für Standes- u. Berufsbezeichn. [vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 12], [Anm. 29]]): Derchermos(s) = Bettelfrau, Vergremmos(s) = Handelsfrau, Kittmos(s) = Hausfrau, Deisel- od. Disselmos(s) = Hebamme, Finkelmos(s) = Hexe, Begermos(s) = Leichenfrau, Fehtemos(s) = Quartiersfrau, Jerusalemsfreundmos(s) = Schäferin, Blibelmos(s) = „Stundenfrau“ (Methodistin), Pfladermos(s) = Wäscherin. Dagegen beziehen sich mehr auf die Bedeutg. unter b (= Ehefrau) die Zus.: Ruchamos(s) = Bauernfrau, Stichtlersmos(s) = Schneidersfrau, Trittlingpflanzersmos(s) = Schustersfrau u. Lanengersmos(s) = Soldatenfrau, wohl auch noch Sinsemos(s) = Dame, Herrin, das aber auch zu Gruppe a gerechnet werden könnte. Über Trabertmos(s) = Stute (als Gegens. zu Trabertkaffer) s. schon oben [S. 376], [Anm. 326]; vgl. dazu betr. d. Zigeunerspr. Näh. unter „Hengst“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 101 (Moos = Weib, Grünt’-Moss = Ehefrau); Schöll 272 (Moos = Weib); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340, 342, 346 (Mosch = Eheweib, Musch = Frau, Muß = Weib, Fingelmuß = Hexe, Oldrischmus = Mutter); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 70 (Moß = Frau, Mößle = Fräulein, Finkelmos = Hexe); Schwäb. Händlerspr. 483 (Moß = Frau, Weib [in Pfedelb. (211) auch: Mutter]; Dimin.: Mößle od. Mêßle = Mädchen [in Pfedelb. (209 u. 213) auch = Fräulein, Tochter]; Zus.: Finkelmoss = Hexe, in Pfedelb. [208 u. 214]: Rammelsmoß = Bäuerin, Baizersmoß = Wirtin, Wittmoß = Witwe, in U. [214]: Schenalmoss = Magd). S. auch noch Metzer Jenisch 217 (Muss = Weib) u. Pfälz. Händlerspr. 438 (Moss = Frau). Über noch weitere Belege im Rotwelsch u. die Etymologie des Wortes (das deutschen Ursprungs u. eigentl. eine pars pro toto [spätmhd. mucze od. mutz(e) = „weibl. Geburtsglied“] gewesen) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 345 ff.; vgl. auch „Anthropophytoia“, Bd. IX, S. 34 ff. u. Weber-Günther, S. 178 (unter „Moß“) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1770 (unter „Moß“) vbd. mit Sp. 1827 (unter „Musch“).

[330] S. (betr. Kitt) Abort.

[331] S. (betr. Ulme) arme Leute.

[332] S. Apfelbaum.

[333] Spraus = Holz hat auch noch die engeren Bedeutgn.: Block, Dorn, Pfahl, Pflock, Prügel, Scheitholz, Stab, Stecken, Stock; dazu das Dimin. Spräusle = Splitter u. die Ableitung sprausich = hölzern. Zus. mit Spraus sind noch: a) am Anf.: Sprausrande = Holzsack, Sprauskaffer = Holzmacher, Sprauskritzler = Steckbrief (s. Näh. unter diesem Worte; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 46] sowie die Anm. zu „Attest“), Sprauspflanzer = Stockmacher; b) am Ende (außer Stöberspraus): Johlespraus = Weinrebe. Mit Spräusle ist gebildet Funkspreisle (sic) = Zündhölzer. Eine Verbindg. ist grandicher Spraus = Stange (s. d. betr. wes. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. a’gefunkter Spraus (eigtl. „angebranntes Holz“) = Kohle. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunersprache 94 (Spraus = Holz); W.-B. des Konst. Hans 255 (Sprauß, Bedeutg. ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 346 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Wald, Sprausfetzer = Zimmermann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Sprausfetzer); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (wie Pfulld. J.-W.-B., dazu in Degg. [215]: Funk-Spraus = Zigarre). Auch das Metzer Jenisch (216) kennt Spraus = Holz. Zur Etymologie des Wortes (wohl verwandt mit unserem gemeinspr. „Sproß“) sowie noch über sonstige Belege im Rotw. s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 55, Anm. 1.

[334] Die Bezeichnung des Eichhörnchens als Stöberschmaler, d. h. „Baumkatze“, ist sicher aus der Zigeunersprache übernommen, in der das Tier sachlich ganz ebenso heißt (näml. [nach Liebich 156, 181, 191] rukkéskri od. rukkengĕri mádschka od. [nach Finck 72] rakéskeri mátška, d. h. etwa die sich auf Bäumen aufhaltende Katze, zu ruk(k) = Baum u. mátška (madschka) = Katze [s. Liebich, S. 156, 181, 214 u. Finck, S. 72, 82]); vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18]. Ein Synon. damit ist auch romésk(e)ri mátška, d. h. „Zigeunerkatze“ (s. Liebich, S. 156 u. 191 u. Finck, S. 72), wie denn das Eichhörnchen neben dem Igel und dem Fuchs (sowie dem Federvieh) zu den „Leckerbissen“ der Zigeunerküche gehört (s. Liebich, S. 85). — Neben Schmaler = Katze (auch Kater; Dimin.: Schmalerle = Kätzchen) findet sich im Jenischen auch die gleichbd. Form Schmaleng (plur. Schmaling [vgl. „Vorbemerkung“, [S. 13], [Anm. 30]). Mit Schmaler sind zusammengesetzt noch Schmalerbossert = Katzenfleisch und Schmalerrande = Katzensack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341 (Schmaling = Katze); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Gschmaling); Schwäb. Händlerspr. 482/83 (Schmâle [in Pfedelb. (211): Gschmale], Schmâling [in Pfedelb. (211): Schmarling] oder Gschmâling [in Pfedelb. (211): auch Gschmarling] = Katze); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Schmalert) u. Regensb. Rotwelsch 489 (Schmali u. a. m.). Der Dolm. der Gaunerspr. (98) kennt das Synon. Schmalfus, das schon im W.-B. von St. Georgen 1750 (207) verzeichnet ist und sich — gleich den Formen Schmaler (zuerst dial.: Schmola bei Schintermicherl 1807 [289]) u. Schmaling — bei den Gaunern bzw. Kunden bis in die Neuzeit erhalten hat (vgl. z. B. Groß 491 u. Ostwald [Ku.] 133). Der Etymologie nach gehören alle diese Ausdrücke gewiß zu unserem Adj. schmal; s. Pott II, S. 23; Wagner bei Hersig, S. 249; Günther, Rotwelsch, S. 57 u. 63, Anm. 64; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 481 (unter „G[e]schmaling“).

[335] S. Angst.

[336] S. anreden.

[337] S. ansagen.

[338] S. abbetteln.

[339] S. Adler.

[340] S. Aas; vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 36] (Substantivierung eines Partizips).

[341] S. Ärger.

[342] S. anschauen.

[343] S. Angst.

[344] Das Zeitw. bodera (-re) od. budera (-re) = begatten (erzeugen), als Subst. gebr. = Begattung (Beischlaf) ist m. W. nicht nur in dem verw. Quellenkreis, sondern auch sonst im Rotw. usw. ungebräuchlich. Es ist nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1557 (unter „budere[n]“) ein gemein-schwäbischer Ausdruck mit den Bedeutungen: a) „klopfen, schlagen“, b) „poltern“ u. c) „Unzucht treiben“, der seinerseits zu dem Hauptw. Buder (Nebenf. zu Bauder) = „Stoß“ (s. W.-B. I, Sp. 1506 vbd. m. Sp. 69) gehört, wobei (bezügl. der Bedeutg. unter c) „volkstüml. etymol. an buttern, auch an pudern (d. h. ‚mit Puder bestreuen‘) gedacht werden“ mag.

[345] Das Zeitw. kirme(n) (mit gleicher Bedeutg. u. Verwendung wie bodera) kommt für „Unzucht treiben“ auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. (76) vor, desgl. (noch etwas allgemeiner) für „coire“ in der schwäb. Händlerspr. (in U. [213]). Es scheint sich auch hier zunächst um ein schwäb. (bzw. überhaupt südd.) Dialektwort (mit ursprüngl. wohl allgemeinerer Bedeutg.) zu handeln; s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 213 (unter „g[e]hirme[n]“) mit weitern Angaben über südd. Mundarten.

[346] Das Zeitw. schnirgla (-le) — ebenfalls gleichbed. m. bodera — ist m. Wiss. sonst in den Geheimsprachen nicht bekannt. Etymologisch darf man es (nach gefl. Mitteilung von Dr. A. Landau-Wien) vielleicht stellen zu mundartl. Schneck(e) = „feminal“, vulva u. dgl. (s. z. B. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 567 [unter „Schneck“, lit. g] u. ausführl. Angaben bes. bei Aigremont in d. „Anthropophyteia“, Bd. VI, S. 48, 49; vgl. auch Müller, ebds. Bd. VIII, S. 11) bzw. (schwäb. u. bayr.) Schnickel = „penis“ (s. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 474 u. Schmeller, a. a. O., Sp. 567 [mit Anführg. v. holl. sneukelen = „Hurenhäuser besuchen“]) oder (schles.) Schnicke = „penis“, schnicken = „supprimere abiquam“ (s. Weinhold, Beitr. zu e. schles. W.-B., S. 87; vgl. auch Müller, a. a. O. S. 6).

[347] S. abbiegen.

[348] S. abbetteln.

[349] S. Adler.

[350] S. anmutig.

[351] Diese Vokabel setzt ein Zeitw. verfinkeln = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt ist, ebenso wie ein einfaches finkeln (im Rotw. für „kochen [sieden, braten]“ usw. bekannt) fehlt, während als Ableitungen von letzterem die Subst. Finkler = Zauberer, Schwarzkünstler, Finklere = Zauberin, Finklerei = Hexerei, Zauberei u. als Zus. mit dessen Stamm finkel-: Finkelmoss = Hexe, Finkelkaffer = Hexenmeister u. Finkelkitt = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem Zeitw. gehörige — Subst. Gefinkelter = Branntwein s. Näh. unter diesem Ausdr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 270 (Fenkel Caspar = Betrug mit Hexerei); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Fingelschize = Hexe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Finkelmos = Hexe); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: Finkelmoß = Hexe, Finkelschütz = Hexenmeister). — Das einfache Finckel = Hexe kannte die Scharfrichtersprache v. 1813 (308). Zur Etymologie: Den Übergang von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort Funk u. ähnl. = Feuer (vgl. Bd. 63 [S. 35] u. [Anm. 125]) gehörenden — Zeitw. finkeln od. fünkeln = kochen usw. (s. schon Lib. Vagat [53]: fünckeln = sieden od. braten u. dann öfter) zu den Begriffen Finklerei = Hexerei, Finklere od. Finkelmoss = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie „Teufelsbraten“ u. „Hexenküche“ (u. überhaupt die Vorstellung von dem Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen) vermittelt; s. dazu Pott II, S. 34; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 350 (unter „Fingelmusch“).

[352] S. Axt.

[353] Buxa (-e), plur. Buxen = Beinkleid, Hose kommt auch vor in Zus., nämlich Buxeschmelzer = Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, [S. 132], [Anm. 293] zu „austreten [schwer]“) u. Buxerande = Hosensack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Buchsen = Hosen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Buxen = Hosen); Schwäb. Händlerspr. 482 (ganz ebenso). S. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Form: ebenso, Bedtg.: auch Unterhosen) u. Regensburg. Rotw. 490 (Buxen = Hose). Etymologie: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes niederd. Wort. S. Pott II, S. 17 u. Günther, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit Kluge, Unser Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch Fischer, Schwab. W.-B. I, Sp. 1495 (unter „Buchse[e]“).

[354] Mit Kopel (plur. Kopla) = Beinkleid, Hose zusammengesetzt ist nur Kopelrande (= Buxerande). In dem verw. Quellenkr. ist der Ausdr. unbekannt. Der Etymologie nach handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein Zigeunerwort (s. „Einleitung“ [S. 30]), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach Jühling, S. 221 — Cholep lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch Chochlep). Vgl. ferner Pott II, S. 163, 170 (unter „Chólov“); Liebich, S. 130, 182, 211 (chōlib od. chóleb = Beinkleid, Hose); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter „cholov“: bei den deutsch. Zig.: cholib); Finck, S. 69 (xóliw od. xóluw = „Hose“). In dieser Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch eingedrungen (vgl. z. B. v. Grolman 39 u. T.-G. 102 [Kollew od. Kollet = Hosen] u. Karmayer, G.-D. 206 [ebenso]).

[355] Lubne hat im W.-B. auch die Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin, Kebsweib (Mätresse). Dazu die Zus. Lubnebenk = „Hurenkerl“ und die Ableitg.: lubnen = „huren“. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort unbekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten, anzutreffen. S. darüber sowie über die Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) d. näh. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 19 (vgl. auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch Finck, S. 71 (zig. lúbni [-li, -lin] = „Hure“); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311 (unter „Lubegane“). Nach Miklosich, Beitr. I/II, S. 32 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. lubh = „verlangen, begierig sein“ zurück.

[356] Über schofel s. unter „arg“. — Schof(e)le Model (auch Schoflemodel) ist im W.-B. auch noch durch „Dirne“, „Freudenmädchen“ u. „Hure“ wiedergegeben. Mit Model = Mädchen (Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu d. Dimin. Mödele = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a) die Verbindgn.: dofe Model = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen dufte Model nur allgemeiner ein „brauchbares Mädchen“ bedeuten soll]) u. jenische Model = „fahrendes Mädchen“; b) mehrere Zusammensetzgn., näml. α) am Anfang: Modelgalm = Tochterkind, Modelkaffer = Tochtermann (Schwiegersohn), Modelfiesel = Tochtersohn; β) am Ende (bes. für Stände u. Berufe [vgl. „Vorbemerkung“, [S. 12], [Anm. 29]]): Derchermodel = Bettelmädchen, Sinsemodel = Fräulein, Verkemeresmodel = Handelsmädchen, Galma- od. Schrabinermodel = Kindermädchen, Fehtemodel = Quartiermädchen, Jerusalemsfreundmodel = Schäferin, Schmelemermodel = Zigeunermädchen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 342 (Model = Mädchen); Schwäb. Händlerspr. 481, 483 (Môdel = Mädchen, Frau [in Pfedelb. (209): auch Fräulein u. Tochter]). Über die Belege im sonst. Rotwelsch usw. sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 344 ff.; vgl. auch „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 27 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem Model „vielleicht einfach“ aus „Modell“ entstanden ist).

[357] S. abbeißen.

[358] S. ankleiden.

[359] Bestieben heißt auch noch spezieller: erwischen od. fangen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 89, 90, 92 (bestieben = bekommen, bestiebt werden = arretiert od. erwischt werden); W.-B. des Konst. Hans 256, 257 ff. (bestieben [Partiz.: bestiebt] = bekommen); Schöll 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (bestieben = bekommen, ertappen, fangen); Schwäb. Händlerspr. 479 (auch Lütz. [214]: besti[e]be[n] = bekommen [in Pfedelb. (209, 210, 212) auch = ertappen, fangen, geben u. schenken; in Eningen (S. 206, Anm. 1): stieben = geben u. die merkwürd. Subst. Beistieber(in) = Knecht, Magd u. Käppelesstieber = Pfarrer (zu Käppele = Kirche [vgl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht stieben = laufen im Pleißlen der Killertaler 436 herangezogen werden dürfte]). Die Etymologie bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr. „stöbern“ gestellt, Stumme, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit „stibitzen“ (wofür bestieben = bestehlen im Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. stipare = stopfen („in die Tasche stopfen?“), Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu „bestieben“, Nr. 2) bemerkt nur negativ: „vielleicht ein anderes Wort“ als „bestäuben“.

[360] S. Adler und Bauch.

[361] S. angenehm.

[362] S. (betr. schmusen) ansagen.

[363] Das Zeitw. ko(h)len = belügen, erlügen (während es für das einfache „lügen“ — wohl nur versehentlich — im W.-B. fehlt), ferner verleugnen u. betrügen — nebst der Zus. vorko(h)len = vorlügen — gehört zu dem Hauptwort Kohl = Lüge (Fabel), das auch adjektivisch (= erlogen, verlogen) gebraucht wird. Ableitungen davon sind: Kohler = Lügner u. Kohlerei = das Lügen, der Betrug. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kohl machen = „einen zum besten haben“); W.-B. des Konst. Hans 259 (Kohl malochen = lügen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342 (kohlen = erzählen, lügen, ankohlen = anführen, anlügen; Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 68, 72 (Kohl = Aufschneiderei, Lüge, Kohl reissen od. kohlen = lügen, ankohlen od. verkohlen = betrügen); Schwäb. Händlerspr. 479, 483 (Kohl reissen od. kôlen = lügen, verkôlen = betrügen; dazu in Pfedelb. [208, 209, 211] noch: Kohl = Lüge, ankohlen = anlügen u. betrügen sowie wegkohlen = leugnen). Über sonstige Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie (vom hebr. qôl = „Stimme“) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 135 (unter „Oberkohler“) u. Anm. 1 u. 2; vgl. auch noch Seiler, Lehnwort IV, S. 491 u. Fischer, Schwab. W.-B. IV, Sp. 570 (unter „Kol“ II).

[364] S. anschauen.

[365] S. angenehm.

[366] S. anfassen.

[367] S. ausstehlen.

[368] Bei dambes = berauscht liegt offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (Dambes = Rausch [Spr.]) vor; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38]). Der Etymologie nach gehört Dambes, das als Dampes auch in süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch (mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 510 u. bes. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl. Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu Dampf od. auch zu dem Zeitw. dämmen = „prassen, schwelgen“ u. dgl. (s. Schmeller, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. Grimm, D. W.-B. II, Sp 709). Die Endung -es (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 13], [Anm. 32]) ist hier wohl als eine Abschwächung des latein. -us zu betrachten. — Im Rotw. u. in sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. nicht bekannt.

[369] S. Amme.

[370] Molum = berauscht kommt (gleichsam als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. Dambes für „berauscht“) auch als Hauptw. — für „Rausch“ — gebraucht vor. Zu vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr. 485, die übereinstimmend nur Molum = Rausch (also nicht als Adj.) haben. Seiner Etymologie nach ist das Wort aber als Adj. (bzw. Partiz.) aufzufassen, da es nicht etwa zu dem zigeun. mōl = „Wein“ (s. Finck, S. 74; vgl. Liebich, S. 146 u. 259, Miklosich, Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie Jühling, S. 224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. môle (hebr. mâle’ = „erfüllend, voll“, zu mâlâ’ [mâlê’] = „erfüllen“ [vgl. A.-L. 403]), das in die meisten deutschen Mundarten als mole (moule, moile) od. molum (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen, Hessen u. Westfalen) und (in d. Form molum = „besoffen“) auch der Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s. Kluge, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der Gaunersprache aufgenommen wäre (s. J. Meier, Hall. Studentenspr., S. 10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i. d. R. in der Form mole) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt, und auch dann meist nur in dem allgemeinen Sinne von „voll, gefüllt“ überhaupt (s. z. B. v. Grolman, T.-G. 131; Karmayer, G.-D. 121; Groß 479; nur bei Thiele noch bes. mole jajin = „voll Weines“; erst bei A.-L. 575 in d. Form molum = „betrunken“ u. bei Groß 479 vbd. m. 476 [unter „lunen“]: Molum (-lun) = „Rausch“). S. Weber-Günther, S. 159/60 (unter „moule“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1733 (unter „Molum“).

[371] Auch hierbei handelt es sich (wie bei d. Syn. dambes) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs, Schwächer = Rausch (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38]).

[372] S. abschaffen.

[373] S. abgeben.

[374] Ste(c)ken hat (gleich dogen) auch die allgemeinere Bedeutung von „geben“ (so z. B. Fehma oder Grifling ste[c]ken = die Hand geben), dann aber auch die von „hauen, prügeln“ (s. auch: „fechten“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (stecken = geben); W.-B. des Konst. Hans 256, 259 (steken = geben, aber auch: sagen); Schöll 272 (ganz ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 344 (steken = hergeben, schenken, Fehma steken = Hand geben, usserkinnig steken = herausgeben); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (stecken = geben); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: stecken = geben, Griffling stecken = die Hand geben); s. auch Metzer Jenisch 216 (sticken = geben). Zur Etymologie: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl. Zeitw. stecken, das „Bewirkungswort“ zu stechen (Weigand, W.-B. II, Sp. 957 unter „stecken“ 1), das wohl auch (z. B. nach Ku. IV [433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der neueren Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: „heimlich geben“ [„zustecken“], „heimlich zu verstehen geben“ (vgl. z. B. A.-L. 610; Groß 495; Rabben 125] od. „heimlich Unterschrift geben“ [s. Ostwald 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie den Kohl stecken = „den Staupenschlag geben“ oder einem Guffti od. Macks stecken = „schlagen“ (eigtl. „jmdm. Schläge geben“) im älteren Rotwelsch (s. für die erstere Wendung: A. Hempel 1687 [168] u. Waldheim. Lex. 1726 [189], für die letztere: W.-B. von St. Georgen 1750 [218 u. 220]) sowie dem mundartl. volkstüml. „einem eine (näml. Ohrfeige) stecken“ (s. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann die engere Bedeutung von „prügeln“ usw. leicht entwickeln; außerdem mag auch der Anklang an „Stecken“ (= Stock) dabei vielleicht noch mit eingewirkt haben.

[375] S. Ärger.

[376] S. abgerahmte Milch.

[377] S. abschreiben.

[378] S. anschauen.

[379] Kochem hat im W.-B. noch folgende Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen, verschmitzt, verständig. In dem verw. Quellenkreise der älteren Zeit tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von „gaunerisch“, „auf die Gauner bezüglich“ u. dgl. oder in d. R. vielmehr substantivisch gebraucht für „Gauner“ („Spitzbube“, „Dieb“) u. ä. auf, während es in der neueren Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl. unten „Etymologie“) — von „klug“, „gescheit“ usw. — angenommen hat, also mit Wittichs Jenisch übereinstimmt (s. auch schon „Einleitung“, [S. 28] u. [Anm. 92] vbd. mit „Vorbemerkung“ [S. 5], [Anm. 8]). Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 91, 93, 94 (Kocheme [sing.] = Spitzbub, Kocheme-Kitt = Diebsherberge, Kocheme Grunerej od. Gascherey = Diebshochzeit, Kochemgeis = Diebsvolk u. a. m.); W.-B. des Konst. Hans 256 (Kochem = Dieb); Schöll 268, 271, 273 (Kochum = Dieb, Kochumer [plur.] = „Jauner“, Kochumebaiser = Diebswirt); Pfulld. J.-W.-B. 308, 341, 343 (Kochemer = „Schelm“, Kochemer Kehr, -Kitt od. -Baiss = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber kochem = klug, daher kochemer Baiser, Kaim, Kafer = kluger Wirt, Jud, Mann); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70, 71, 77 (kochem = klug, kochum = hochfein, cochum = vortrefflich); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210]: kochem = gescheit, klug). Zur Etymologie (vom hebr. châkâm = „klug, weise“) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2 u. bei Weber-Günther, S. 157 (hier auch weiter rotw. Belege); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.

[380] Komparativ zu dof; s. angenehm.

[381] Ein danach zu erwartender Infin. strupfen = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. Strupf = Strafe (u. dazu: Strupf bereimen = Strafe bezahlen). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213]: Strups = Strafe [aber schripfen od. stricheln = strafen]). Die Etymologie erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 514 und Schmeller, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter „strupfen“) angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher nur bloße Verunstaltung von „Strafe“, „strafen“ vor. Mit Bezug auf den (aus der Wendg. Strupf bereimen [für Strupf] zu entnehmenden) engeren Begriff „Geldstrafe“ könnte man allenfalls auch an das wienerische Strupf’n = Gulden (s. Schranka, Wien. Dial.-Lex., S. 167) denken.

[382] S. anbeten.

[383] S. anschauen.

[384] S. Amme.

[385] Kasperei = Betrug (bes. auch Wahrsagen) u. Kasperer = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem. Kaspere = Wahrsagerin sind Ableitungen von dem Zeitw. kaspere = betrügen, auch zaubern (Spr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Kasperer = „Betrüger mit falschen Arzneien“); Schöll 270, 271 (kaspern = betrügen, Fenkel Caspar = „Betrug mit Hexerei“, Höllich Caspar = „Betrug mit Beschwörung unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze“); Pfulld. J.-W.-B. 338 (kaspern = betrügen, lügen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209]: kaspern = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s. Schütze, S. 72, 73. Zur Etymologie (vom hebr. kâzab = „belügen“) s. Groß’ Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter „Kasper-Fehlinger“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter „kaspern“) betr. Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.

[386] S. belügen.

[387] Fehlinger findet sich schon in den verw. Quellen des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von „Betrüger mit falschen Arzneien“ (so: Dolm. der Gaunerspr. 90; Synon.: Kasperer [s. oben [Anm. 385]]; vgl. [89] Feling = Arznei) u. dergl. (s. W.-B. des Konst. Hans 255 [= „falsche Ärzte, Ölträger“]). Eine nähere Einteilung der Fehlinger (in Staats- u. gemeine Fehlinger) gibt dann Schöll 1793 (269/70; vgl. 272: Feling = Arzneien); s. auch noch Schwäb. Falschmünzerprozeß 1791/92 (262) und Uracher Jauner- u. Betrügerliste 1792 (268) sowie weitere Belege in Groß’ Archiv Bd. 42, S. 21 (unter „Fe(h)ling“). In neuerer Zeit ist dagegen der Ausdruck m. Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren) Etymologie s. das Näh. in Groß’ Archiv Bd. 42, S. 20, 21. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.

[388] Sauft (wohl auch im Sing. Säuftleng, argum.: plur. Säuftling [vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 13], [Anm. 30]]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der Redensart in Sauft bosten = niederkommen sowie in folgenden Zus.: a) im Anfang: Sauftschottel = Bettschüssel u. Sauftschure = Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) am Ende: Rauschertsauft = Streu- od. Strohlager u. Galmesauft (eigtl. „Kinderbett“) = Wiege. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld J.-W.-B. 338, 341 (Sanft = Bett, Kissen); Schwäb. Händlerspr. 479 (Sonft od. Saunft = Bett; Nebenformen: Senftling u. Sänftel [in Eningen (206, Anm. 2): Seifle]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Sempfle oder Siampfle). Zur Etymologie: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um eine (mundartl.) Verunstaltung von Sanft (bzw. Sänftling), einer alten rotw. Vokabel, die — in der Form Senfterich — schon im 15. u. 16. Jahrh. auftritt (s. Basl. Betrügnisse um 1450 [15]; Lib. Vagat. 55 [Senfftrich]), dann später als Senftling (so schon A. Hempel 1687 [167]), Sänftling, Senffte (s. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [231]), Sänft (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu unserem Adj. „sanft“ gehört (s. Weber-Günther, S. 181 vbd. im Pott II, S. 11, A.-L. a. a. O., Stumme, S. 25). Der Übergang von Sanft (Sonft) zu Saunft (s. Schwäb. Händlerspr.) und von da zu Sauft ist leicht gegeben.

[389] S. abbetteln u. Attest.

[390] S. (betr. Lehm) Bäcker.

[391] Fi(e)sel = Bube (Jüngling) bedeutet auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam, Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. Fi(e)sele = Junge (Knabe), Sohn. Verbindungen damit sind: schofler Fi(e)sel = Heuchler, ferner, „Hurenkerl“ u. auch Krüppel, jenischer Fi[e]sel = fahrender Bursche, dofer Fi(e)sel = Junker (während dufter Fi(e)sel für „brauchbarer Bursche“ angeführt ist); als Zusammensetzgn. damit kommen (bes. auch als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. „Vorbemerkung“ [S. 12], [Anm. 29]]) noch (außer Dercherfi[e]sel) vor: Linkfi(e)sel = böser Mensch (Mann), Verkemerfi(e)sel = Handelsbursche, Sicherfi(e)sel = Koch, Kenemerfi(e)sel = „Lausbube“, Fehtefi(e)sel = Quartierbursche, Modelfi(e)sel = Tochtersohn (während unter „Sohn“ nur das Dim. Fi[e]sele [s. oben] angeführt ist), Schmelemerfi(e)sel = Zigeunerbursche. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 344 (Fißel = Bube, Junge, Knabe, Visel = Sohn); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 76 (Fiesel = Bursche, Bruchfiesel = lumpiger Stromer); Schwäb. Händerspr. 482-84, 486 (Fîsel [Fisel], Fîßel = Junge, Mann, Sohn [in Pfedelb. (209, 210): Bursche, Junggeselle]; Zus.: Kîslerfîsl = Maurer, in Pfedelb. [209, 211, 212]: Stibbersfisel = Bettler, Wägersfisel = Kaufmannslehrling, Facklersfisel = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw. sowie die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.: vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter „Fisel“, Nr. 5).

[392] S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.

[393] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[394] S. (betr. Ulma) arme Leute.

[395] S. (betr. Model) Beischläferin.

[396] S. (betr. Kaffer) Bauer.

[397] Zu manga (dial. = mange[n]) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 330, 338 (mangölen = abbetteln, betteln, Mangöler = Bettler); Schwäb. Händlerspr. 479 (mangen = betteln; in U. [213]: Mangkitt = Bettelhaus); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (mange = betteln). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1438 vbd. m. Pott II, S. 445 (unter „Mangawa“), Liebich, S. 145, 184 u. 197 (mangāwa = ich bitte, flehe, bettele), Miklosich, Beitr. III, S. 15 (unter „mangen“) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S. 9, 10 (unter „mang“: bei d. deutsch. Zig.: mangāva = bitten, betteln), Jühling, S. 224 (manga = betteln) u. Finck, S. 72 (Stamm: mang- [mangd-] = „bitten, betteln, fordern“).

[398] S. (betr. Rande) Bauch.

[399] S. (betr. Stenz) Ast.

[400] S. Bett u. Aschenbecher.

[401] S. (betr. Schure) abbiegen.

[402] S. Angst.

[403] Kiesreiber bedeutet eigentl. spezieller Geldbeutel, Geldbörse (Börse, Säckel), zus. aus Kies = Geld u. dgl. (s. Näh. unter „Bankier“) u. Reiber = Beutel, das jedoch in Wittichs W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur in gewiss. Zus. wie (außer Kiesreiber) noch Toberichreiber = Tabaksbeutel u. Dämpferereiber = Zigarrenbeutel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 98 (Reipert = Sack) Megesreipert = Geldbeutel [wozu betr. Meges = Geld zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 572: zu hebr. mäkäs = „Abgabe“]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Kiesreiber = Geldbeutel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Kîsreiber, Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s. schon Lib. Vagat. 54 [Rippart = „Säckel“]) — u. die Etymologie (wohl zu unserem Zeitw. reiben, mhd. rîben) s. Näh. bes. bei Weber-Günther, S. 179; vgl. auch Pott II, S. 34, 35; A.-L. 591 (unter „Reiber“); Stumme, S. 24.

[404] S. Bauch.

[405] S. ausweinen.

[406] Mit plotze[n] (-za) = werfen (bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: einplotza = einwerfen (oder einfallen), herab-, hin-, nach-, niederplotze[n] = herab-, hin-, nach-, niederwerfen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (plozen = fallen, aufplozen = aufbrechen, aufmachen, niederplozen = niederwerfen; Schunplotzer = Maurer); Schwäb. Händlerspr. 488 (Schumplotzer od. Schundplotzer [in Degg. (215): Schund-blozer] = Maurer; in Pfedelb. [212]: niederpletzen = niederwerfen). Zur Etymologie (zu d. mundartl., bes. schwäb. plotzen od. blotzen = „stoßen, schlagen [prügeln], werfen“ [bes. mit Geräusch „hin- und herwerfen“ u. dgl.]) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1217.

[407] Zu bereimen = bezahlen (auch vergüten) s. die Wendung Strupf bereimen = Strafe bezahlen (vgl. oben unter „bestraft“). Auch Bereime = Zahlung ist wohl nichts anderes als der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während Bereimerei = Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 479 (beräumen [in Pfedelb. (209): bereimen] = bezahlen, in Pfedelb. [208] auch: ausbereimen = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18. Jahrh. [s. Kluge Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. Groß’ Archiv Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die Etymologie des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei Graff, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck „bereinigen“ (im Sinne von „bezahlen“) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch meint, eine Entstellung aus „bereinen“ passe deshalb nicht, weil dieses ebenso wie das Adj. „rein“ in Schwaben nicht volksüblich sei.

[408] S. anzahlen.

[409] S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.

[410] S. angenehm.

[411] Mit Blamb ist zusammengesetzt nur Blambglansert (s. d. W.-B.), das auch unter „Schoppenglas“ angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Blembel = Bier); W.-B. des Konst. Hans 254 (B[l]empel); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Blamp od. Blempel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 (Plampe); Schwab. Händlerspr. 480 (Plamp = Bier, dazu in Pfedelb. [208]; Plamppflanzer = Bierbrauer; abweichend in Eningen [206, Anm. 1]: Plempel = Wein). Im Pleißlen der Killertaler (436) ist Plamp, Plempel od. Plimpel = Getränk schlechthin, Gañsplempel = Wasser, gwanter Plempel = Wein. Über sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch Weber-Günther, S. 179 u. Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter „Plämpel“).

[412] Mit Glansert = Glas (Humpen, Schoppen) aber auch Flasche („Bouteille“, „Pulle“) finden sich ferner noch folgende Zus.: Gefinkelter- oder Sorufglansert = Branntweinpulle (-flasche), Feneter- oder Scheiglansert = Fensterglas, Gleisglansert = Milchglas, Grabegautsehertglansert = Mostglas, Schwächglansert = Trinkglas, -geschirr, Flösselglansert = Uringlas, Johleglansert = Weinglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Glensert = Glas); Schwäb. Händlerspr. (U. [213]: Glänzerle = Glas). Etymologie: Das Wort, dem sich auch sonst im Rotwelsch noch manche ähnliche Formen zur Seite stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. „Glanz“ bzw. „glänzen“. Vgl. Pott II, S. 33; Weber-Günther, S. 189; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter „Glänzer“).

[413] S. abbiegen.

[414] S. alles Nähere unter „Apfelbaum“.

[415] Mit Stieling = Birne ist ferner noch zusammengesetzt Stielingkies = Birnenkern. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 (Stieling = Birne); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Stühling); Schwäb. Händlerspr. 480, 484 (Stîling; vgl. Stîlingsjôle = Most); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Stilche od. Stîlche). Der Etymologie nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort (vgl. Kluge, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr. „Stiel“; vgl. Pott II, S. 38 u. Günther, Rotwelsch, S. 61.

[416] S. (betr. Kies) Apfelkern.

[417] Vgl. auch Hoherpriester. Mit Kolb = Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kolbekitt = Pfarrhaus (u. dazu die Verbindg. grandiche Kolbekitt = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.]) u. Kolbemalfes = Priesterrock; b) am Ende: Kaimekolb (d. h. „Judenpfarrer“) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341, 343 (Kolb = Pfarrer, Priester, Unterkolb = Kaplan); Schwäb. Händlerspr. 482 (unter „katholisch“) u. 484 (Kolp [in Pfedelb. (212): Kolb] = Pfarrer, in Pfedelb. [212]: Oberkolb = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.] Kolbe = „geschorener Kopf“ mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch Weber-Günther, S. 172 (unter „Kolm“).

[418] Auch die Zigeunersprache kennt die Umschreibung „großer Pfarrer“, bāro rašai (raschai), für „Bischof“ oder „Superintendent“ (s. Finck, S. 82) u. dergl. (z. B. „Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer“ [s. Liebich, S. 127]), ja nach Jühling, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach Liebich, S. 131 u. 228] schwendo dād, d. h. „heiliger Vater“ gebräuchlich ist). Die von Wittich im Text erwähnte Art der Steigerung der Rangstufen im Jenischen (durch grandichergrandich) ist mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — nicht bekannt (vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 42]; s. jedoch auch weiter unten die Anm. zu „Förster“).

[419] Diese merkwürdige Art der Steigerung, bei der grandicher als eine Art Komparativ erscheint (wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch „größer“ wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte — Grundstufe (der „Positiv“) als Superlativ fungiert, erinnert an einen in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden Sprachgebrauch, wonach etwa ein „besseres Kindermädchen“ nicht so hoch geschätzt wird wie ein „gutes“, ein „älterer Herr“ jünger zu sein pflegt als ein „alter“ usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B. durchgeführt (außer bei Kolb, grandicher Kolb, grandich Kolb) noch in folgenden Fällen: Sins = „Herr“ (Edelmann, Gebieter), grandicher Sins = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, grandich Sins, d. h. „der größte Herr“, = König (fem. grandich Sinse = Königin); Grünwedel = Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, grandicher Grünwedel (d. h. — wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. „der größere Forstmann“) = Förster, grandich Grünwedel (d. h. „der größte Forstmann“) = Oberförster; Schuker = Gendarm, grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm), grandich Schuker = Oberwachtmeister; Bu(t)z = Polizeidiener, grandicher Bu(t)z = Polizeiwachtmeister, grandich Bu(t)z = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu Lanenger = Soldat, grandicher Lanenger (Grandicher-Lanenger) = Offizier, insbes. Hauptmann ein Superlativ grandich L., den man etwa für den Oberst oder General erwarten dürfte; vielmehr hat grandich Lanenger im Vokab. die Bedeutg. von „Heer“, ist demnach als Plural und in dem Sinne von „(sehr) viele Soldaten“ auszulegen. In gleicher Weise ist grandich auch sonst noch verwendet worden, so z. B. in grandich Ulma = Menge (eigtl. „[sehr] viele Menschen“), grandich Schure od. Sore = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. „[sehr] viele Dinge“), u. in anderen Fällen ist es, weil ein (durch den Zusatz von grandicher gekennzeichnetes) Mittelglied fehlt, wohl einfach durch „groß“ oder „sehr groß“ wiederzugeben, so z. B. bei grandich Flu(h)te = Meer (eigtl. „[sehr] großes Wasser“), grandich Begerisch = Schwindsucht (eigtl. „[sehr] großes Siechtum“) oder grandich Babing od. Strohbutzer = Schwan (eigtl. „[sehr] große Gans“). Dagegen könnte man die Verbindg. grandich Flederling = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne nach wohl durch „größter Vogel“ (nämlich unter den bei uns in Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in grandicher Flederling = Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter „Adler“).

[420] S. abbeißen.

[421] S. abbetteln.

[422] S. abschreiben u. abbiegen; vgl. dazu auch, „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 48].

[423] S. Augapfel.

[424] S. anschauen.

[425] S. aberwitzig.

[426] S. abbiegen.

[427] Zu Rat = Blut (Geblüt) gehören die Ableitungen ratich = blutig u. verratten = verbluten. In dem verw. Quellenkr. ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl. jedoch z. B. Groß 486). Zur Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) s. Näh. bei Pott II, S. 272 (unter „Rat“), Liebich, S. 154 u. 186 (rād), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: rād, zu altind. rakta, hind. rātā = „rot“), Jühling, S. 225 (Ratt) u. Finck, S. 82 (rat).

[428] Diese Wendung, die m. Wiss. sonst nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.

[429] Keif = Borg(en), Kredit, aber auch Schulden kommt noch vor in der Verbindg. Keif pflanzen (eigtl. „Schulden machen“) = borgen, leihen u. in der Zus. Keifkitt = Leihhaus. Aus dem verw. Quellenkr. darf wahrscheinlich schon keif = teuer im W.-B. des Konst. Hans (260) hierher gezogen werden, als Subst. erscheint das Wort in der Pfälz. Händlerspr. (438) in der Form Kôfes = Schuld. — Die (allgem.) Kundenspr. kennt die Redensart Keif machen = Schulden (auf der Penne) machen (s. Ku. III [426] u. IV [431]; Ostwald [Ku.] 78) sowie ein Adj. keif = schuldig (s. Ostwald, a. a. O.). Seiner Etymologie nach stammt Keif wohl jedenfalls aus dem Hebr. (chôb = „Schuld“, jüd. chuf, chof, poln.-jüd. choiw); s. A.-L. 368 (unter „Chuw“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd. Keifel = „Geldstück“ zur Wahl stellt).

[430] Betr. pflanzen s. anbrennen. — Bomma (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der Zus. Bommerkitt = Syn. zu Keifkitt (s. [Anm. 429]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 486 (Bommer [in Pfedelb. (212): Bummen] = Schulden; dazu in Pfedelb. [212] noch bummich = schuldig); Pleißlen der Killertaler 434 (Bommer = Schulden). Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu „Pommer“, Nr. 6 [d. i. schwäb. = „Schulden, spez. Trink- u. Spielschulden“]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. „Pump“ bzw. „pumpen“, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen ist. (S. schon bei A. Hempel 1687 [168]: pompen — borgen, u. so auch noch bei den schwäb. Händlern [in Pfedelb. (209)]; in Körner’s Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241]: die Subst. Pumpes = Schuld, Pumpesmacher od. Pumper = Borger). Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 54 vbd. m. Kluge, W.-B. S. 358 u. Weigand, W-B. II, Sp. 491 (unter „pumpen“, Nr. 3).

[431] S. Beutel; vgl. Bankier.

[432] S. Augenbrauen.

[433] S. (zu beiden Ausdr.) arg.

[434] Mit Goi (= Frau, Weib) kommt noch vor die Verbindg. schofle Goi = Kebsweib (also mit engerem Sinne als lenke Goi, während sonst die Adj. lenk u. schofel ja ungefähr gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter „arg“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Tschor-Gaya = Frau, die gestohlene Sachen kauft); Schöll 272 (Gaja = Weib); Pfulld. J.-W.-B. 339, 346 (Gai = Frau, Gaie = Weib, Grängoi = Eheweib); Schwäb. Händlerspr. 481 u. 483 (Goie = Frau, Goi = Mädchen) s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 (Gôje = Frau). Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie (fem. zu rotw. Goi = „Mann“ [in Zus.], vom hebr. gôi, pl. gojim, = „Volk, Nichtjude, Heide, Christ“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m. 323/24; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter „Goi“, Nr. 2).

[435] S. Bauernfrau.

[436] Um was für „böse Sachen“ es sich bei dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein, daß sie auch gleichbedeutend mit „huren“ gebraucht wird, so daß das Wort Falla (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von „Bett“ zu nehmen ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. H. Meyer, Richt. Berliner, S. 39 u. Horn, Soldatensprache, S. 9 u. 100). Die rotw. Wendg. Falle machen u. ä. (für „zum [betrüglichen] Spiel verlocken“ [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt sei übrigens noch der Ausdruck Falbais = „Hurenschenke“ bei Castelli 1847 (391), Fröhlich 1851 (397) u. in der Wiener Dirnenspr. 1886 (417).

[437] S. Bauer.

[438] S. Bettelbube.

[439] Gof (plur. Gofa) = böses Kind (Dim. Göfle [Gefle (Spr.)] ist in gleicher Bedeutg. auch der schwäb. Händlerspr. bekannt (483: Gôf = böses Kind, im Plur. [Gôfe] dagegen = Kinder schlechthin). Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) „nur geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts“ gebraucht wird, bes. für ein „unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind“ („Range“, „Göre“), während er sie der Etymologie nach unerklärt gelassen hat.

[440] S. Bierglas.

[441] S. abbrennen.

[442] Zusammengesetzt hiermit sind a) am Anfang: Gefinkelterglansert = Branntweinpulle (-flasche) u. b) am Ende: Blauhanzegefinkelter = „Zwetschgenwasser“. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90 ([Finkeljochem od.] gefinkelter Jaiem = Branntwein); W.-B. des Konst. Hans 254, 256 (G’finkelterjole = Branntwein); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Gfinkelter = Branntwein); Schwäb. Händlerspr. 486 (G[e]finkelte[r] = Schnaps); s. auch noch Metzer Jenisch 217 (Fünkeler = Schnaps). Zur Etymologie: Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich Gefinkelter Jaiem, -jole, d. h. „gebrannter Wein“ (vgl. „Einleitung“, [S. 28]), zu finkeln (fünkeln) u. ä. = „sieden, braten, kochen“ (s. dazu schon oben unter „behext“). Vgl. Günther, Rotwelsch, S. 81; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter „g[e]finkelt“).

[443] Mit Katschete sind im W.-B. keine Zus. gebildet worden, auch fehlt es in dem verw. Quellenkreise und kommt auch sonst im Rotw. nur selten vor (so z. B. bei Pfister 1812 [300: Katschedi, in einer Zusammensetzg.], v. Grolman 33 [Katschedi] u. Karmayer, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch Miklosich, Beitr., S. 11 u. 22). Über die Etymologie des Wortes aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) s. Näh. bei Pott II, S. 160 (unter „Chatschjevava“), Liebich, S. 130 u. 186 (chatschérdi), Miklosich, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter „chačar“: bei den deutsch. Zig.: chačerdi = Branntwein, Partiz. von chačāva od. chačevava = „brennen, anzünden“), Jühling, S. 220 (Chatschärti = Schnaps) u. Finck, S. 68 (xátšerdi = „Branntwein“).

[444] Soruf erscheint in gleicher Weise in Zus. verwendet wie Gefinkelter (Sorufglansert, Blauhanzesoruf). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 486 (Sorof = Branntwein); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Soruff od. Soroff = Schnaps); Schwäb. Händlerspr. 486 (Sôruf = Schnaps); ebenso auch in der Pfälz. Händlerspr. 439. Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (vom hebr. fârûf, Part. pass. von fâraf = „brennen“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 223 u. Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 85 u. in d. „Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins“, V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.

[445] S. (betr. Glansert) Bierglas.

[446] S. auskochen.

[447] S. (zu beiden Wörtern) Aas.

[448] a) Schmunk bedeutet soviel wie: Schmalz (Fett, Mark, „Schmer“), in Zus. auch Butter, wofür sonst spezieller dofer Schmunk, d. h. „gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)“, gebraucht wird. Die Zusammensetzgn. sind: α) mit Schm. voran (außer Schmunkbolle noch): Schmunklehm = Butterbrot Schmunkschure = Butter-(od. Schmalz-)faß, Schmunkgleis = Buttermilch Schmunkschottel = Fettbüchse, Schmunkhornikel = Mastochse, Schmunkbossert = Speck; β) mit Schm. am Ende: Bogaschmunk = Kuhbutter, Hornikelschmunk = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), Horbogeschmunk = Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine Ableitg. ist das Zeitw. schmunken = schmälzen (schmelzen). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 98 (Schmunk = Butter, Schmalz); W.-B. des Konst. Hans 253 (Form: ebenso, Bedtg.: Schmalz), Pfulld. J.-W.-B. 344 (ebenso, dazu: schmunkig = schmutzig); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74, 75 (Schmunke = Schmalz; Zus.: Schmunkbossert = Speck); Schwäb. Händlerspr. 486 (Schmunk = Schmalz; dazu in Pfedelb. [209, 213]: Rindschmunk = Butter u. Schmunkbossert = Speck); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Schmoñg = Schmalz) u. Metzer Jenisch 216 (Schmunk = Butter). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie des Wortes (das nach richtiger Ansicht deutsch. Ursprungs ist) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter „Schmunk-Buckeler“); vgl. auch Weber-Günther, S. 180. — b) Bolle (-la) bedeutet — ebenso wie die Zus. Schundbolla (s. dazu Näh. schon unter „abgerahmte Milch“) —: Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere Zus. damit sind noch (nach den Spr.) Bolleblättling = Kartoffelsalat u. Bolleschottel = Kartoffelschüssel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Schompollen = „Grundbieren“ (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Bolle = Kartoffeln); Schwäb. Händlerspr. 482 (Bolle od. Schunbolle = Kartoffeln). Zur Etymologie s. bes. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter „Bolle“, Nr. 5, bes. lit. b), wonach Bolle im allgem. einen „runden Körper, Klumpen, Kugel“, weiter eine „rundliche (knorpelige) Frucht“ u. bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 298 (betr. Bolle = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form Schundbolle u. ä. A.-L. 605 u. Groß’ Archiv, Bd. 59, S. 263, 265, 283. Über die Verwandschaft von Bolle mit d. mhd. Zeitw. boln (ahd. bolôn) = „rollen, wälzen, werfen, schleudern“ u. dgl. s. Kluge, W.-B., S. 64 u. Weigand, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter „abfallen“) betr. das jenische Zeitw. bohlen.

[449] S. angenehm.

[450] S. anmutig.

[451] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[452] Benges od. Benk = Bube, Bursche, Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter, Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin. Bengesle = Junge, Knabe) erscheint beliebt in Verbindungen und Zusammensetzgn. (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u. Berufsbezeichnungen [vgl. dazu „Vorbemerkung“, [S. 12], [Anm. 29]]), so: a) in Verbindgn. (außer dufter B. noch): jenischer Benges od. Benk = fahrender Bursche, schofler Benk = Heuchler, auch Krüppel, dofer Benk = Junker, dann (gleich dofer Benges) auch: Geliebter (also wie das einfache Benges od. Benk [s. oben], während dufter Benk od. Benges nur durch „brauchbarer Bursche“ wiedergegeben ist (s. oben im Text), nobis vergrönter Benges (d. h. eigtl. „nicht verheirateter Bursche“) = lediger Mann; b) in Zus.: α) für Eigenschaften: Lubnebenges = „Hurenkerl“, Kenemerbenges (-benk) = „Lausbube“; β) für Berufe: Verkemersbenk = Handelsbursche, Sicherbenk = Koch, Rattebenk = Nachtwächter, Groenikelbenk = Sauhirt, Schweinehirt, Jerusalemsfreundbenk = Schäfer, Schafhirt, Stradebenk = Straßenwärter. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Bink = Vater); Schwäb. Händlerspr. 482-484 (Penk = Herr, Pink [in Pfedelb. (211, 213): Bink] = Mann [in Pfedelb. (a. a. O) auch: Meister, Vater]; Kislerpink = Maurer, in Pfedelb. [208, 210, 211, 213] noch: alter Bink = „Ausdinger“, Schupferbink = Bäcker, Treppertsbink = Fuhrmann, Hausbink = Hausherr, Wägersbink = Kaufmann, Langraßlersbink = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in Eningen [206, Anm. 1]: Penk = Mann, Stichelpenk = Landjäger, Gwanderpenk = Schultheiß, Plempenteilespenk = Wirt; in U. [214]: Schenägelspenk = Knecht, Balespenk = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit Penk (Pink) = Mann (vgl. dazu Penkle = Bube, Knabe) auch im Pleißlen der Killertaler, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: Fetschnerspink = schlechter Kerl u. Schnellpenk = geiler Mann; vgl. auch [nach Kapff 213]: Schwenzlerspenk = Dieb (zu schwenzle(n) = stehlen]). Über weitere Belege aus dem Rotw. sowie die Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter „Penk“).

[453] S. Bettelbube.

[454] S. Bauer.

[455] Galm = Kind, plur. Galme (od. -ma) = Kinder (Nachkommen), Dimin. Gälmle (Kindlein [Spr.]) findet sich noch in der Verbdg. dofer Galm = braves Kind sowie in den folgenden Zusammenstzgn.: a) am Anfang: Galmamodel = Kindermädchen (-magd), Galmeguffer (d. h. eigtl. „Kinderprügler“) = Lehrer, Schullehrer, Galmesauft (eigtl. „Kinderbett“) = Wiege; b) am Ende: Schoflergalm = Stiefkind. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Gallme = Kind); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Galma = Kind); Schwäb. Händlerspr. 483 (Galme = Kinder [sowohl kleinere wie auch größere], Galmeguffer = Lehrer [in Pfedelb. (211, 213): Galmen = Kind (sic), Galmenguffer = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem Schrazeskneppler = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter „aufschlagen“] u. Galmegufferei = Schule]): s. auch Metzer Jenisch 216 (Galmes [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw. Belege sowie die (nicht ganz sichere) Etymologie (vielleicht in erster Linie zu hebr. gôlem = „Leibesfrucht, Embryo“ u. dergl.) s. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350 (Nachtr. u. Berichtigungen: Galme zu mhd. galmen = „schallen“?)

[456] Schrabiner od. Schrawiner = Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein als Galme (-ma), auch in Verbdgn. u. Zus.; s. jedoch noch dofe Schrabiner und Schrabinermodel als Synon. zu dofe Galme u. Galmamodel (s. d.) Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 483 (Schrawêner = Kinder). — Nach Schütze 90 soll Schrab(b)iner (das auch schon in Ku. III [428] angeführt) gemäß einer Mitteilung eines ostpreußischen „Kunden“ der Plural zu Schrappen = Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die Mehrzahl [„Kinder“]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. v. Grolman 64 u. T.-G. 105 [Schrappen = Kinder]; Karmayer 149 (Schrapp od. Schrampen = Kind [also beides sing.]; A.-L. 604 [Schrappen, Schrabben od. Schrammen = Kinder]; Groß 492 [Schrapfen = kleine Kinder]; vgl. ferner noch Hall. Lattcherschmus 492 [Schräppchens = Kinder]). Die Etymologie bleibt unsicher (s. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. screpan (nach Kluge W.-B., S. 415: crimpan) = „schrumpfen“, das engl. shrimp = „Knirps, Zwerg“ sowie unser volkstüml. spött. Krabbe (eigtl. „kleiner Seekrebs“) für ein kleines (munteres) Kind (s. Paul, W.-B., S. 304 u. Weigand, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon. Stratz (plur.: Stratze) s. unter „Hurenkind“.

[457] S. Beischläferin.

[458] S. brauchbarer Bursche.

[459] S. Bettelbube.

[460] S. angenehm.

[461] S. brauchbares Kind.

[462] S. abbiegen. Ob es sich bei Schure = Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug handelt, ist nicht ersichtlich.

[463] S. abbrennen.

[464] S. Attest.

[465] S. (betr. Rande) Bauch.

[466] S. (betr. -buckler) abtragen.

[467] S. anschauen.

[468] S. Ananas.

[469] S. Bäcker.

[470] Maro = Brot (seltener als Lechem od. Lehm) kommt im W.-B. nur in einer Zus. vor, Lanengermaro (eigtl. „Soldatenbrot“) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Marum = Brot, gehechelter, schofel M. = weißes, schwarzes Brot); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Maro = Brot, Kächeltemano (sic, Druckf.) = „Bäckerbrot“); Schwäb. Händlerspr. 480 (Maro); s. auch Metzer Jenisch 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw. sowie die Etymologie (aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u. dazu noch Finck, S. 72 (māro). Nach Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (manḍha = „eine Art Gebäck“) zurückverfolgen.

[471] S. Bäcker.

[472] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[473] S. (betr. Rande) Bauch.

[474] S. (betr. Schure) abbiegen.

[475] Betr. Flu(h)te s. abbrühen. — Das Wort Sore nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf denselben Stamm zurückzuführende) Schure (vgl. „Einltg.“, [S. 24] u. „Vorbmkg.“, [S. 16]), jedoch kommt es für sich allein doch seltener vor als letzteres und auch in Verbindgn. u. Zusammensetzgn. mit anderen Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie Schure. a) Ohne Zusatz erscheint es gebraucht: α) für Tiere: im Sinne von „Vieh“; β) für Sachen: in den Bedeutgn. „Ding, Sache“, ferner „Ware“ (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch: Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.: Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine Verbindg. mit Sore für einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist grandich Sore (ebenso wie gr. Schure) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = „[sehr] viele Dinge“; vgl. dazu oben unter „Bischof“). c) Zusammensetzgn. mit Sore sind: α) im Anfang: Soreschottel = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u. Sorebrandling = Zwiebelkuchen; β) am Ende: (außer Flu[h]tesore, das noch die Nebenbdtg. „Wasserfaß“ hat, noch): Stöbersore = Obst, Kupfersore (d. h. eigtl. „Grasding“) = Sense, Begersore = Totenbahre, Pfladersore = Wäsche, Johlesore = Weinfaß, Säftlingsore = Weinberg, Rondlingsore = Wursthaut. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr. [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in Wittichs Jenisch]): Dolm. der Gaunerspr. 89, 95, 99, 101 (Sore = allerhand Ware, Mette Sōre = Barche[n]t [zu Mette = Bett, vom jüd. mittō, hebr. mittā; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], g’socht Sore = Krämerware, Gschock Sore = gestohlene Marktware); W.-B. des Konst. Hans 253 (Sore = „die in den Kammern und Kisten befindliche Ware“); Schöll 272 (Sore = Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343, 345, 346 (Sore = Ware, Zeug, Sache, Achselsore od. schluckige Sore = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, Kangerisore = Kirchengerät [zu Kangeri = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B. Finck, S. 63], Sichereisore = Küchengerätschaften); Schwäb. Händlerspr. 488 (Sore = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die Etymologie des Wortes (die die gleiche wie die von Schure ist) s. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter „abbiegen“.

[476] Glied bedeutet demnach: Bruder, Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die Zusammensetzgn.: Kafferglied = Mannesschwester (Schwägerin), Patrisglied = a) Oheim väterlicherseits („Vatersbruder“), b) Tante väterlicherseits („Vatersschwester“), c) Neffe (väterlicherseits), Mamereglied = a) Oheim mütterlicherseits („Mutterbruder“), b) Tante mütterlicherseits („Mutterschwester“), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter „Oheim“ u. „Tante“. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 344 (Glied = Bruder, Schwester); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: Glied = Schwester). Etymologie: Ein Zusammenhang mit dem rotw. Gli(e)d = Hure (worüber Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u. „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 692 (unter „Glid“ II) anzunehmen scheint — schlechthin mit unserem gemeinsprachl. „Glied“ (hier im Sinne etwa von „Familienglied“) gleichbedeutend sein.

[477] S. abbrühen.

[478] S. Amme.

[479] S. brauchbarer Bursche.

[480] S. Bettelbube.

[481] S. abbiegen.

[482] S. Apfelbaum.

[483] S. Aschenbecher.

[484] Klass = Büchse (Flinte, Gewehr [Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei Zus., näml. Klasspflanzer = Büchsenmacher und Klasskitt = Schießhaus. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaun. 93 (Klosheim = Gewehr); W.-B. des Konst. Hans 256 (Klasse [plur.] = Pistolen); Schöll 271 (Glasse = Flinte, Gewehr); Pfulld. J.-W.-B. 340, 344 (Klassa = Geschütz, Klasse = Gewehr, Schießgewehr, klassen = schießen, Klasset = Schuß); Schwäb Gaun.- u. Kundenspr. 70, (Klass = Gewehr); Schwäb. Händlerspr. 481 (Klaß [in Pfedelb. (209): Klasse] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens schon 1724 [im Duisb. Vokab. (184)] — als Classey = Pistole — nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber sowie über die Etymologie (entw. vom hebr. kĕli ēma = „Gerät der Furcht“ od. vom hebr. kĕli zimma — „Gerät der Schädlichkeit“) in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu „Klassensenteser“).

[485] S. abschießen.

[486] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[487] S. Bauch.

[488] S. Beischläferin.

[489] S. arg.

[490] Hornikel od. Hornigel = Ochse (Bulle, Stier) findet sich in den folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Schmunkhornikel = Mastochse; b) am Ende: Hornikelschmunk = Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.), Hornikelbossert = Ochsenfleisch, Hornikelgielblättling = Ochsenmaulsalat, Hornikelkafler = Ochsenmetzger, Hornikelstenkert = Ochsenstall. In dem spez. verw. Quellenkr. ist der Ausdr. m. W. unbekannt, dagegen findet er sich im Metzer Jenisch 216 (in der Form Hornigl für „Kuh“) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für „Ochse“ oder „Kuh“ (s. z. B. Schwenter 1620 [137: Hornnickl = Ochsen]; bei A. Hempel 1687 [167: Hornickel = Kuh) u. a. m.). Zur Etymologie (wohl von Horn u. Nickel, Kurzform von Nikolaus, also e. Art. Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. Günther, Rotwelsch, S. 80; vgl. auch Pott II, S. 11 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete Gronickel = Schwein, worüber Näh. auch noch unten unter „Eber“).

[491] Kritsch = Bürgermeister (Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem Dolm. der Gaunerspr. 98, 101 bekannt gewesen (Kritsch = Schulz, Vogt; vgl. [89]: Krisch = Ammann [sic]); vgl. ferner: Pfulld. J.-W.-B. 346 (Gritsch = Vogt) u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Kritsch = Schultheiß). Die Etymologie ist zweifelhaft. Von Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 770 (unter „Kritsch“ II) ist das zigeun. krísni = „Amt, Gericht“ (s. Finck, S. 66; vgl. auch Pott II, S. 123 [unter „Krisni“]; Liebich, S. 138, 174 u. 202 [grisni = Gericht, Amt]; Jühling, S. 222 [Grissni = Gericht]) herangezogen worden.

[492] Schar(r)le (Synon. zu Kritsch) kommt in dieser Form und Bedeutung im Dolm. der Gaunerspr. noch nicht vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere Grandscharle für „Hatschier“, das früher auch in Wittichs Jenisch gebräuchlich gewesene (vgl. „Einleitung“, [S. 28]), dagegen hat schon das W.-B. des Konst. Hans neben Grandscharle = Hatschier (so: 257, in den „Schmusereyen“) auch noch Scharle = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254, im Vokabular), und ebenso führt das Pfulld. J.-W.-B. beide Vokabeln auf (s. 339: Granscharle = Gardist; 346: Scharle = Vogt). Die neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s. Schwäb. Gaun. u. Kundenspr. 74 u. Schwäb. Händlerspr. 486 (Scharle od. Schârle = Schultheiß). Etymologie: Die Herkunft des Wortes Schar(r)le (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter „Grandscharle“) hat keine Erklärung gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 347 (unter „Scha[a]rbin[c]k“); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw. Belege für Scha(a)r(r)le u. Gran(d)schar(r)le.

[493] S. (betr. jenisch) Bachstelze, (betr. Benges od. Benk) brauchbarer Bursche u. (betr. (Fi[e]sel) Bettelbube.

[494] Stiepa (plur. Stiebe [Spr.]) = Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. Stiepenpflanzer = Bürstenbinder (Spr.) — ist dem verw. Quellenkr. sowie auch sonst im Rotw. m. Wiss. nicht bekannt. Der Etymologie nach dürfte es wohl zu unserm gemeinsprachl. „stieben“ bezw. „stäuben“ gestellt werden (s. Weigand, W.-B. II, Sp. 955: stäuben, [eigtl.] „stieben machen, Staub erregen; aber auch in denselben Bedeutgn. wie stauben“, d. h. „Staub von sich geben, Staub erregen, Staub entfernen [in abstauben]“; vgl. Sp. 970 unter „stieben“).

[495] In Rutscherschure (sonst m. Wiss. nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem Zeitw. rutschen (= „sich gleitend bewegen“); vgl. Näh. bei Weigand, W.-B. II, Sp. 630. — Betr. Schure s. d. folgde. Anm.

[496] S. abbiegen.

[497] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[498] S. Amtsdiener.

[499] S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 49].

[500] S. (betr. Lehm) Bäcker.

[501] S. (betr. Schure) abbiegen.

[502] S. (betr. Gleis) abgerahmte Milch.

[503] Strade = Straße (Chaussee, Pfad, Weg) findet sich auch in einer Reihe von Zusammensetzgn. (nur am Anfang), nämlich: Stradeschenegler = Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), Stradebich, -gore oder -lobe = Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), Stradekies od. -hertling = Kilometerstein (Meilenzeiger), Stradebenk = Straßenwärter, Stradelinzer = Wegweiser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 99, 101 (Strade = Weg; Stratekehr = Straßenräuber); W.-B. des Konst. Hans 254, 259 (Strade = Weg, Straße, Stradekehrer u. -kehra = Straßenräuber u. -raub); Schöll 271 (Strade = Straße); Pfulld. J.-W.-B. 346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg); Schwäb. Händlerspr. 487 (Strate [in Pfedelb. (212): Strade] = Straße); s. auch Metzer Jenisch 216 (Strālje = Straße). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (Wurzel wohl: ital. strada bzw. lat. strata, zu vgl. ndd. Strât) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1 (zu „Straderadler“); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter „Stradehändler“ u. „Stradekehrer“).

[504] S. (betr. -schenegler) abschaffen.

[505] S. (betr. Bich) Almosen.

[506] S. (betr. Gore) Barschaft.

[507] S. (betr. Lobe) Bank.

[508] Zu her(r)les od. her(r)lem = hier, da (daher, daneben, danieder) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (herles = hier oder da); W.-B. des Konst. Hans 256 (herrles = hier); Pfulld. J.-W.-B. 340 (hirles = hier, hierher); Schwäb. Händlerspr. 480, 482 (hirles [in Pfedelb. (209) dagegen: herlis] = dieser, herles od. hirles = hierher! [komm her!], in Lütz. [214]: hirlem = hier); s. auch Metzer Jenisch 216 (herlis = hier). Zur Etymologie des (auch sonst hin und wieder im Rotw. begegnenden) Wortes s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680 (unter „hirles“), wonach es „gewiß“ zu unserem „hier“ zu stellen ist.

[509] S. (betr. bosten u. pfichen) = abgehen.

[510] Das Zeitwort schef(f)ten hat mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von „sein“ (s. weiter unten im Vokabular: das schef[f]t Lore = das ist nichts u. schef[f]t a Ruch = das ist ein Bauer; vgl. auch dof schef[f]t’s = heil, d. h. eigtl. „es ist [geht] gut“), sodann b) die spezielleren von α) „sitzen“ (niedersitzen) u. β) „kommen“ (vgl. oben: schef[f]t’ her[r]les = komm daher [hierher]) oder „gehen“, bes. in der Verbindg. schiebes schef(f)ten = davongehen (fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. schiebes] Näh. unter „davongehen“). Auch in dem verw. Quellenkr. lassen sich diese verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a, in der neuern die unter b, β überwiegt. Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 94 (scheft = ist); W.-B. des Konst. Hans 254 u. 256 (scheften = sein); Schöll 272 (scheften = sein, aber auch: haben, ferner: sich setzen); Pfulld. J.-W.-B. 345 schefften = gehen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210, 214]: schee[f]ten = gehen [vgl. scheeft ab, ist abgescheeft], zusammenscheften = zusammenkommen; in Lütz. [215]: schäfte[n] = laufen); vgl. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (scheften = sein; gehen). Über weitere rotw. Belege s. Weber-Günther S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s. Kluge, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind). Ebends. auch Näh. über die Etymologie des Wortes, die nicht ganz sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern ist. So hat es Stumme, S. 14 für die Bedeutg. „sein“ und bes. „sitzen“ auf das hebr. schebet, infinit. construct. von jâschab = „sitzen, verweilen“, zurückgeführt, während bezügl. der anderen Bedeutungen von A.-L. 597 u. Meisinger in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III (1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. „schaffen“ als Quelle betrachtet worden ist.

[511] S. Amtmann u. (betr. Mos) Bauernfrau.

[512] S. Abend.

[513] S. da.

[514] S. abbetteln.

[515] S. abfahren.

[516] S. abgehen.

[517] S. unter „daher“ a. E.

[518] Lore (lore) = nichts, nicht, auch wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen. Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar ein Schreibfehler für Lone (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen „nichts“ (nicht), nein (auch: „niemand“) vorkommt (s. z. B. Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [241 unter „wächeln“: lone = nichts]; Krünitz’ Enzyklopädie 1820 [351: Lohne = niemand, nein]; v. Grolman 43 u. T.-G. 112, 113 u. Karmayer G.-D. 208 [lo[h]ne = nein, nicht, nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach Weber-Günther, S. 156) vermutlich eine Abkürzung der volleren Form lolohne, laulo(h)ne, die in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch „mit nichten“ u. dergl. wiedergegeben ist (s. z. B. v. Reitzenstein 1764 [247]; vgl. Thiele 273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich trägt (s. z. B. Kluge, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht dem hebr. lô lânû, d. h. eigtl. „nicht uns“ (s. schon Thiele 272, Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines traurigen Ereignisses, also etwa „Gott behüte“ (nach gefl. Mitteilg. von A. Landau). Das einfache lo (loo), lau, law u. a. = nicht (nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei Weber-Günther, a. a. O.), so namentl. auch in dem schwäb. Quellenkr.; vgl. Dolm. der Gaunerspr. 97 (lau = nein); W.-B. des Konst. Hans 255 (ebenso); Schöll 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts); Pfulld. J.-W.-B. 342 (lau, lo = nichts); Schwäb. Händlerspr. 484 (lo = nicht); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 ( = nein); merkwürdig die Form lopach = nichts (es ist nichts) in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (während nein dort none heißt). Zur Etymologie von lo, lau (u. s. Nebenbedeutg. „falsch, schlecht“) s. noch A.-L. 565 (unter „Lametaleph“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1020 u. 1261.

[519] S. Bauer.

[520] Grif(f)leng (-ling) = Hand (Faust, auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der Wendung Grif(f)leng steken = die Hände geben sowie in folgenden Zusammenstzgn.: a) im Anfang: Grif(f)lingobermann = Fingerhut, Gri(f)lengschenagel = Handarbeit, Grif(f)lingtrittling = Handschuh; b) am Ende: Trittgrif(f)leng (eigtl. „Fußfinger“) = Zehe (s. d. betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), Linzgrif(f)ling = Zeigefinger. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (hier Griffling = Handschuh, während die Hand durch Feme wiedergegeben ist); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Grifling = Hand); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Griffling); Schwäb. Händlerspr. 481 (Griffling = Hand, Finger). Das Pleißlen der Killertaler 435 kennt Greiferle = Hand. S. weiteres, bes. auch zur Etymologie des Wortes (das natürlich zu unserm „Griff“ bezw. „greifen“ gehört), noch in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 50 (unter „Greifer“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 834.

[521] Schiebes (davon, fort, weg) kommt in Wittichs W.-B. nur vor in den Wendungen schiebes bosten, pfichen od. schef(f)ten = davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowie schiebes bukle = davontragen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Schiebes[-]machen = durchgehen od. „echappieren“ [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. von St. Georgen 1750 (216: Schübes machen, Bdtg. ebenso)]; W.-B. des Konst. Hans 258 (schiabes malochen = fortgehen [vgl. dazu „Einleitung“, [S. 27], [Anm. 75]]; Schöll 273 (schiebes machen = sich aus dem Staube machen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 342 (schibes = fort, los, schibisnaschen = scheiden [s. betr. naschen in Wittichs W.-B. unter „fliehen“]); s. auch Metzer Jenisch 216 (schiebes = fort) u. Eifler Hausiererspr. 491 (bod schiebes = geh fort). Zur Etymologie: Am einfachsten ist das Wort schiebes doch wohl (mit Stumme, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. „schieben“ (über dessen Gebrauch im Rotw. zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.) herzuleiten, jedoch könnten immerhin auch hebr. Vokabeln mit von Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. bei Weigand im „Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen“, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd. Schībes gehen = zu Grunde, verloren gehen das hebr. schêbet = „Ruhe, Aufhören“ herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter „schieben“ u. Weber-Günther, S. 192.

[522] S. abgehen.

[523] S. unter „daher“ a. E.

[524] S. (betr. bukle) abtragen.

[525] S. abbiegen.

[526] Latt = Degen, Säbel (Hirschfänger) kommt auch vor in der Zus. Lattenkarle = Gendarm (s. darüber Näh. unter diesem Worte) u. Lattenpflanzer = Waffenschmied. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 486 (Latt = Seitengewehr); s. auch noch Hennese Flick von Breyell 450 (Lott = Degen). Auch in der Soldatensprache ist Latt in gleichem Sinne bekannt (s. Horn, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den bayrischen Soldaten auch das Gewehr, und ebenso auch wohl bei den Gaunern (s. Pollak 221; Ostwald 93) u. Kunden (arg.: August mit der Latte = Landjäger, Gendarm [Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 u. Ostwald (Ku.) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw. Latte stellen darf (vgl. dazu noch Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 140 u. Fischer Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1015 unter „Latt[e]“, Nr. 2).

[527] S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas abweichende Umschreibung für „Diamant“ kennt die Zigeunersprache, nämlich dikkapáskĕro parr, d. h. „durchsichtiger Stein“ (Liebich, S. 132, 189); vgl. „Vorbemerkung“ [S. 19], [Anm. 48].

[528] S. Adler.

[529] S. (betr. Rande) Bauch.

[530] S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.

[531] S. anfassen.

[532] S. ausstehlen.

[533] S. (betr. Ulma) arme Leute.

[534] S. (betr. Kitt) Abort.

[535] Zopferei = Diebstahl ist eine Ableitung von dem Zeitw. zopfen, das für „stehlen“ — nach Wittichs „Einleitung“ ([S. 28]) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem Sinne noch im W.-B. in der Zus. herauszopfen = herausstehlen angeführt ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für „erwischen“ vorkommt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 259 (krank zopfen = gefangen nehmen); Schöll 271, 273 (zopfen = nehmen, krank zopfen = gefangen nehmen); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339-341, 345 (zopfen = ausplündern, herausnehmen, stehlen, Zopfen [als Subst.] = Diebstahl; krankzopfen = gefangennehmen, kiwiszopfen = köpfen u. a. m.); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67 (zopfen = ausplündern); Schwäb. Händlerspr. 484, 486 (zopfen = ausplündern, nehmen, stehlen [in Pfedelb. (208, 213) auch: ausplündern, nehmen u. verhaften], Staubzepfer [eigtl. „Mehldieb“] = Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die Etymologie (= Nebenform zu „zupfen“, die bes. auch der allgem. schwäb. Mundart bekannt ist) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1 vbd. m. v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 550.

[536] S. abschaffen.

[537] S. angenehm.

[538] Glitschin, eigtl. = Schlüssel, dann auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. nobes dofer Glitschin, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Glitschinpflanzer = Schlosser; b) am Ende: Kittglitschin = Hausschlüssel, Duftglitschin = Kirchenschlüssel, Sichereglitschin = Küchenschlüssel, Sturmkittglitschin = Rathhausschlüssel, Luberglitschin = Uhrschlüssel. In dem verw. Quellenkr. ist das Wort zwar nicht bekannt, wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in ähnl. Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text) auch ausführl. Angaben über die Etymologie — aus der Zigeunersprache (s. „Einleitung“ [S. 30]); vgl. dazu auch noch Finck, S. 65 (der jedoch nur die Form klídi[n] anführt, während die älteren Sammlungen meist glitschin u. glitin als gebräuchlichste Form bei d. deutsch. Zig. haben).

[539] Eine ähnliche Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache, wenigstens nach Liebich, S. 189, der tschi tschātschi glitin, d. h. „kein rechter Schlüssel“, für „Dietrich“ hat (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17]), wogegen der Begriff bei Finck, S. 65 einfacher durch bángi klídin, d. h. etwa „falscher Schlüssel“, wiedergegeben ist. — Nobes od. (häufiger) nobis hat außer der Hauptbedeutg. „nicht“ auch noch die von „nein“, „niemals“ und „umsonst“, ferner von „unbedeutend“ od. „unnütz“ sowie (als Subst. gebraucht) von „Null“ u. „Tand“ (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Dazu zahlreiche Verbindungen, nämlich: a) mit Zeitwortformen, u. zwar α) mit Infinitiven: nobis sehenegla (d. h. „nicht arbeiten“) = faulenzen, nobis diberen od. schmusen (d. h. „nicht reden, sprechen“) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); β) mit der ersten u. dritten Pers. Präs. (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): gneis nobis (d. h. „[ich] kenne [es] nicht“) = unbekannt, hauret nobis (d. h. „[es] ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig, begert nobis (d. h. „[er, sie, es] stirbt nicht“) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); γ) mit Partizipien (z. Teil für deutsche Adjektive): nobis vergrönt (eigtl. „nicht verheiratet“) = ledig (unverheiratet), nobis ang’kluftet (d. h. „nicht angekleidet“) = nackt (unbedeckt), nobis geschert = ungekocht; b) mit Adjektiven: nobis bauserich = furchtlos, nobis dof = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch, unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die Substantivierung nobis Dofs = Trübsal, Übel), nobis grandich = machtlos, wenig, winzig, nobis g’want = nichtsnutzig, nobis wo(h)nisch (bzw. gril[l]isch, diboldisch), d. h. eigtl. „nicht katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch“) = ungläubig, nobis begerisch (d. h. „nicht krank“) = wohl (gesund, unverletzt); c) mit einem Substantiv (für ein deutsches Adjektiv): nobis Strauberts (d. h. „keine Haare“) = kahl; d) mit Substantiven und vorgesetzten Adjektiven (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer nobes dofer Glitschin = Dietrich noch — nobis dofer Bich-, Kies- od. Lobepflanzer = Falschmünzer, nobis vergrönter Käfferle = Junggeselle, nobis dofs Jahne = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), nobis grandicher Kaffer = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast satzartigen Wendung: nämlich nobis Strauberts auf’m Ki(e)bes (d. h. „keine Haare auf dem Kopfe“) für das deutsche Subst. Kahlkopf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339, 342, 345 (noves = nicht; nobus schlaune = schlaflos; Manobisch, schinegeln = Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) nobisch schinegeln = faulenzen], nobis maker [v. hebr. makâr = „bekannt“; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. nobis knais = unbekannt); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (nobes = nichts [es ist nichts], lauter nobes = alles nichts); Schwäb. Händlerspr. 484 (nobis = nein, nôbis = nicht [in Pfedelb. (212): nowes = nein, nicht u. binowes = gar nichts]). Auch in nicht verwandten Krämersprachen findet sich das Wort (s. z. B. in nordwestfäl. Bargunsch 446 [nobis = nein, nicht] u. im Hennese Flick von Breyell 456 [nobes = nein]). Über das Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s. z. B. schon Ulenhart 1617 [132, 132: nobis = nicht] u. dann öfter in verschiedenen Formen) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 173/74 unter „nowes“; desgl. bezügl. der Etymologie, worüber u. a. folgendes ausgeführt ist: „Nach Wagner bei Herrig, S. 225 hängt das Wort ‚ohne Zweifel ... mit dem alten Nobis zusammen, welches wieder von der italienischen Nebenform nabisso (= in abisso; französ. abîme, griech.-lat. abyssus = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‘. Dazu das bekannte Nobiskrug = Hölle; eigtl. ‚Höllenschenke‘ (s. dazu Kluge, W.-B. S. 332/33, Weigand, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet dieser Etymologie besteht aber vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. A. Landau) auch noch ein gewisser Zusammenhang zwischen nobis = nicht und dem oben ([Anm. 518]) betrachteten lo[h]ne. Da nämlich lô lânû (woraus lolone, lone entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps. 113) ‚Non nobis, Domine ..., sed nomini tuo da gloriam‘ lautet, so könnte dies analog zur Anwendung von non nobis allein in der Bedeutung ‚nein‘ geführt haben, zumal, gleichwie in lone lautlich = nein steckt, auch in nobis das no als Negation empfunden werden konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß dahingestellt bleiben.“ Über weitere Bedeutungsveränderungen von nobis in den Krämersprachen s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.

[540] S. abbiegen.

[541] S. Brücke.

[542] S. Beischläferin.

[543] S. arg. u. Beischläferin.

[544] S. alltäglich u. abbiegen.

[545] S. absterben u. Amtmann.

[546] Mit Scharfling (od. Scharpflengl = Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur die Zus. Scharflingpflanzer = Messerschmied gebildet. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 484 (Schärfling = Messer), wogegen in der Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 der Ausdr. soviel wie „Rettich“ bedeutet. Der Etymologie nach gehört er natürlich zu unserem Adj. scharf.

[547] Duft = Kirche (Gotteshaus, Kapelle, Tempel) erscheint auch noch in der Verbindg. Duft halten = Gottesdienst halten sowie in den Zus.: Duftnolle = Kelch, Duftglitschin = Kirchenschlüssel, Duftkies = Opfergeld. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Duft = Kirche); ebenso übereinstimmend auch W.-B. des Konst. Hans 254 u. Pfulld. J.-W.-B. 341 (hier [345] auch: grandiche Duft = Tempel); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Duft = Kirche, Duftreiter = Kirchenräuber); Schwäb. Händlerspr. 483 (Duft, Bedg. ebenso, Dufter od. Duftschaller = Lehrer), s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Duft = Kirche) u. Eifler Hausiererspr. 490 (Doft). Über weitere Belege im Rotw. sowie die (unsichere) Etymologie des Wortes (vielleicht vom hebr. tefillâ[h] = „Gebet“ od. zu duft [heb. Tôb] = gut) s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter „Duftschaller“); vgl. auch Weber-Günther, S. 169. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in Beziehung gesetzt.

[548] Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 189 (bari kangri = Dom).

[549] S. Bauerndorf. — Über das frühere (jetzt veraltete) Synon. Palar s. „Einleitung“, [S. 27] u. [Anm. 79].

[550] Die dritte Form (Mochum [Dim. Mochumle (Spr.)]) soll nach der „Einltg.“, [S. 27] — gleich den früheren, jetzt veralteten Mokem u. Mogumleauch „Stadt“ bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für „Stadt“ nur Steinhäufle angeführt ist (vgl. „Einltg.“, [S. 25], [Anm. 61]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.); Dolm. der Gaunerspr. 99 (Mokum = Stadt); W.-B. des Konst. Hans 251, 257 (Mokem = Stadt, Dimin.: Mogumle = Städtchen); Schöll 271 (Mokum = Stadt, Ortschaft); Pfulld. J.-W.-B. 339, 345 (Mochum = Stadt, Dorf); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb. Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.: Dorf [in Degg. (215) = Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (v. hebr. mâqôm = „Ort“) s. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214; vgl. auch Weber-Günther, S. 159 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1720/21 (unter „Mochum“).

[551] Die Vokabel ist im obigen Sinne sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Hegis = Spital, Bettelhaus), Pfulld. J.-W.-B. 337 (Heges = Armenhaus) u. Schwäb. Händlerspr. 482 (Hêges = kleines Haus), wenn man nämlich eine Bedeutungsveränderung von „kleines Haus“ (Bettel- oder Armenhaus usw.) zu „kleines Dorf“ für möglich hält. Auch für Hegis (-es) usw. in jenem Sinne, das auch z. B. schon im Lib. Vagat, 54 (Hegiß = Spital) vorkommt, ist die Etymologie übrigens zweifelhaft; A.-L.s Hypothesen (548 unter „Heckdisch“) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte das jüd. hekdisch = „Siechenhaus, Bettlerherberge“, vom neuhebr. hekdêsch = „was dem Heiligtum geweiht ist“, „Geheiligtes“ (zu hâkdasch = „abgesondert sein“) als Quelle herangezogen werden (nach Dr. A. Landau). Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter „Hegis“) hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnte Heges = Dörflein auch einfach aus unserm deutsch. Hege (= „Umhegung, Umzäunung“ [vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.

[552] S. abbiegen.

[553] S. Baumholz.

[554] Stupfle = Dorn, Stachel ist in dem verw. Quellenkr. zwar nicht bekannt, dagegen findet sich hier das Zeitw. stupfen = stechen, zu dem das Hauptw. als Ableitg. gehört; vgl. Pfulld. J.-W.-B. 337, 342, 344 (ausstupfen = ausstechen; stupfeln = nähen, Stupfler = Schneider [schon im W.-B. des Konst. Hans dafür: Stupfer]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 u. 75 (stupfen = stechen, erstechen); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür: dupfen [worüber Näh. in Wittichs W.-B. unter „stechen“]; vgl. 484, 486: Stupfer = Schneider, Stupflerin = Näherin, womit auch zu vgl. Pleißlen der Killertaler 436 [Stupferles-Penk = Schneider, Stupferles-Senn = Näherin, auch Floh, für erstere Bedtg. auch Stupferin, während Stupfer hier „Gabel“ bedeutet]). Zur Etymologie: das Stammwort stupfen = stechen (s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart an. S. Näh. bei Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter „Stupfer“) vbd. mir v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 774. Über den auf den gleichen Stamm zurückgehenden jenisch. Ausdr. Stupfel od. Stupfleng = Igel s. noch weiter unten.

[555] S. Abort.

[556] S. abgerahmte Milch.

[557] S. Ärger.

[558] S. angenehm u. Aas.

[559] S. aberwitzig.

[560] Hegelei ist — ebenso wie das Adj. hegelich = unverständig — eine Ableitung von Hegel = Dummkopf (dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn. Hegelkitt = Irrenhaus u. Hegellauti = närrischer Kerl, Possenreißer (wobei die Bedtg. des -lauti zweifelhaft bleibt). Auch das Metzer Jenisch 216 kennt Hēgel = Dummkopf, wogegen das Wort in den zunächst verw. Quellen in diesem Sinne unbekannt erscheint (s. jedoch Pfulld. J.-W.-B. 389 [Jahrhegel = Förster]). Über das Vorkommen der Vokabel im sonstigen Rotwelsch (in d. Formen Hegel, Heckel, Häckel, Hög[e]l mit den Bedtgn. „Narr, Geck; Lump; Schaf; Bauer“) sowie ihre Etymologie s. die Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 6, 7 u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter „Hegel“) vbd. mit Sp. 1011 (unter „Häckel“ I, Nr. 2), der Heckel = „roher Mensch“ zu „hacken“ stellt. Vgl. auch Weber-Günther, S. 183 (unter „Häckel“).

[561] S. Abend; vgl. über den Gebrauch des Substantivs als Adjektiv: „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38] a. E.

[562] S. abbetteln.

[563] S. Amme.

[564] Balo = Schwein, Sau (Eber, Hauer, auch Ferkel) findet sich (in dem verw. Quellenkr.) schon bei Schöll 271, während das Pfulld. J-W.-B. 343, 344 die Form Bale (= Sau, Schwein), die schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 aber Male (= Schwein) hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie des Wortes (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, [S. 29]]) s. d. näh. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu „Balebumser“), u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter „Male“) vbd. mit Finck, S. 49 (bálo oder bālo = „Schwein“).

[565] Groanikel od. (häufiger) Groenikel, Syn. zu Balo, findet sich auch in verschied. Zusammensetzgn. (während solche mit Balo nicht gebildet sind) u. zwar: a) am Anfang: Groenikelbenk od. -schure = Sau- od. Schweinehirt, Groenikelstenkert = Sau- od. Schweinestall, Groenikelbossert = Schweinefleisch, Groenikelkemerer = Schweinehändler, Groenikelkafler = Schweinemetzger, Groenikelschwächerle = Schweinezitzen, Groenikelstrauberts = Schweinsborsten; b) am Ende: Flu(h)tegroanikele = Meerschweinchen u. Mameregroanikel = Mutterschwein. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Kranickel = Schwein); Pfulld. J.-W.-B. 343, 344 (Kronickel = Sau, Schwein); Schwäb. Händlerspr. 486 (Krûnikel, Krônikel [in Pfedelb. (213): Graunickel], auch wohl bloß Nickel = Schwein). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (zu mundl. gronen [graunen] u. ä. = „grunzen“ [s. bes. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u. Ni[c]kel, Abkürzung vom Eigennamen Nikolaus [vgl. oben unter „Bulle“ betr. Hornickel], also eigtl. „Grunznikel“ [wie in Strelitz. Gloss. v. 1747 (214/15)]) s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu „Kronickels-Bumser“); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 849/50 (unter „Gronickel“, mit Anfühg. von bayr. Gronigl = „Murrkopf“ nach Schmeller, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter „Nickel“).

[566] S. angenehm.

[567] S. anmutig.

[568] S. Amtmann.

[569] Es liegt hier wohl vor der Fall des Gebrauchs eines Partizips (vergrönt = verheiratet [ehelich], von dem Zeitw. vergrönen od. vergröneren = [ver]heiraten, verehelichen) als Substantiv (s. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36]); vgl. als Gegensatz: nobis vergrönt = ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. daher nobis vergrönter Benges od. Käfferle = lediger Mann, Junggeselle. Eine Ableitg. von vergröne(re)n ist Vergrönerei = Heirat, während Groenerei = Hochzeit (nebst d. Zus. Groenereibikus od. -kahlerei = Hochzeitsschmaus) ein einfaches groenen = heiraten voraussetzt, das aber im W.-B. nicht angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 93, 94 (Grunerej = Hochzeit, Kocheme Grunerej = Diebshochzeit, Grünt’schaj od. -Mos = Ehefrau, Grün-Kaffer = Ehemann); Schöll 271 (Grunerey = Hochzeit); Pfulld. J.-W.-B. 339, 340 (Gränerei = Ehe, Hochzeit, Kränerei = Heirat, Grenzgasch = Ehe, Grängoi = Eheweib); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68-70 (krönern = heiraten, Krönerin = Ehefrau, Kroner = Ehemann, Krone = Frau); Schwäb. Händlerspr. 482 (krönen od. krö[h]nern = heiraten, dazu [in Pfedelb. (209): Krönerei = Hochzeit, Kröner, Krönerin = Ehemann, -frau, ferner vergrünt [in Pfedelb. (213): verkrönert] = verheiratet). Zur (nicht sicheren) Etymologie des Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter „Krönerin“) sowie Bd. 56, S. 69 (unter „Krone“).

[570] S. Beischläferin.

[571] S. arg u. Bauernfrau.

[572] S. Bauer.

[573] S. angenehm.

[574] Der Plural Bäzeme bedeutet auch: „Hoden“. Ebenso handelt es sich bei dem — nach Wittich (im Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten — Betzam od. Bezem = männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — „in der Aussprache kaum davon zu unterscheiden“ ist, um dasselbe Wort, nur in etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.). Zus. a) mit Bäzem(e) = Ei(er) sind: α) am Anfang: Bäzemabrandleng = Eierkuchen, Bäzemagachne od. -stierer = Legehuhn, Bäzemaschei (eigtl. „Eiertag“) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18]); β) am Ende: Fläderlingbäzeme = Vogeleier, Strohbutzersbäzeme = Gänseeier. b) Mit Bäzeme = Hoden ist gebildet Bäzemerande = Hodensack. c) Mit Betzam (Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339 (Betzum = Ei); Schwäb. Händlerspr. 480 (Betze od. Betzum = Eier, in Pfedelb. [209]: Bezem = Ei u. Eier, ebds. [211] Bēzĕmĕ = membrum muliebre, dagegen in Lütz. [215] — übereinstimmend mit Wittichs Jenisch — = membrum virile); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 437 u. Metzer Jenisch 212 (Bĕtzche = Ei). Die Bedeutg. von Betzam (Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh. (s. z. B. Pfister 1812 [Pehzem = männliches Glied]; v. Grolman 7 u. T.-G. 98 [Behzem]; Castelli 1847 [391: Bedzem]; ebenso: Fröhlich 1851 [394] u. Wiener Dirnenspr. 1886 [417], während A.-L. 523 Bezem hat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in der ursprgl. Bedeutg. „Ei“) im Rotw. sowie die Etymologie (vom gleichbed. hebr. bêça [jüd. bezo], plur. beçîm) s. Weber-Günther, S. 152/53 (unter „Bärkse“) vbd. mit A.-L. 523 (unter „Beitze“) u. 341 (unter „Beza“), Günther, Rotwelsch, S. 26, Stumme, S. 23 u. Kleemann, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriff penis) s. A.-L. 523 u. Müller in d. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrum muliebre (bei d. schwäb. Händl. i. Pfedelb. [s. oben]) auf einer weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag dahingestellt bleiben.

[575] S. Apfelbaum.

[576] S. abbiegen.

[577] S. (betr. Brandleng) Apfelkuchen.

[578] S. arg.

[579] S. abbrennen.

[580] S. abfahren.

[581] S. bewerfen.

[582] S. aberwitzig.

[583] S. Dummheit.

[584] S. aufschlagen.

[585] S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.

[586] S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.

[587] S. abgehen.

[588] S. aufnähen.

[589] S. abgerahmte Milch.

[590] Das Zeitw. einspronken (s. dazu die Verbdg. eingespronkter Bossert = Pökelfleisch) ist ebenso wie das einfache spronkere = salzen (richtiger doch wohl: spronken?) — u. dazu g’spronkt od. gesprunkt = gesalzen, salzig — eine Ableitung von dem Hauptwort Spronkert = Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt: Spronkert-Flössling, Spronkertflotscher od. -schwimmerling (d. h. eigtl. „Salzfisch“) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.), Spronkertschottel = Salzbüchse, Spronkertbossert = Salzfleisch, Spronkertnolle = Salznapf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Sprunkert = Salz); übereinstimmd.: Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 343 (hier [339] auch: einsprunken = einsalzen); Schwäb. Händlerspr. 485 (Sprungert [in Pfedelb. (212): Sprunk] = Salz). Auch die Pfälz. Händlerspr. 439 kennt Sprungert. Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh. — in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere) Etymologie s. Näh. bei Weber-Günther, S. 187/88 (unter „Sprunkert“) vbd. m. Pott II, S. 35, A.-L. 610 u. Hoffmann-Krayer im Schweiz. Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw. „springen“, „sprenkeln“ u. „[be]sprengen“ gedacht haben).

[591] S. aufwachen.

[592] S. ausschlafen.

[593] S. abbiegen.

[594] S. abschreiben.

[595] S. abfallen.

[596] S. bewerfen.

[597] S. Bahn.

[598] S. (betr. Schenegler) abschaffen.

[599] Rädling (-leng) = Fahrzeug (auf dem Lande), Wagen findet sich noch in der Verbindg. dofer Rädling (d. h. „schöner Wagen“) = Kutsche sowie in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Rädlingkaffer = Fuhrmann u. Rädlingpflanzer = Kutschenbauer, Wagner; b) am Ende: Kritzlerrädling (eigtl. „Briefwagen“) = Postwagen u. Schmelemerrädling = Zigeunerwagen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Rädling = Landkutsche); Pfulld. J.-W.-B. 346 (= Wagen); Schwäb. Händlerspr. 488 (ebenso; Syn. Râdel od. Rudel). Über weitere rotw. Belege u. die Etymologie (zu „Rad“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 25 u. Anm. 1 (unter „Radlinger“) vbd. m. Pott II, S. 37, A.-L. 583 u. Günther, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46, S. 27 (Radlingpflanzer = Wagner bei Karmayer 130).

[600] Das Adj. biberisch (bibrisch [Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost) gebracht wird, ist eine Ableitung von dem Zeitw. biberen = frieren (mich biberts’ = mich friert’s). Eine Zus. mit biberisch ist Biberischerflu(h)te = Eiswasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (biberisch = kalt); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341 (biberisch = kalt, biberen = frieren, verbibern = erfrieren); Schwäb. Händlerspr. 482 (biberisch = kalt, in Pfedelb. [209, 210]: biberen = frieren [z. B. mi bibert’s an d’ Grifling = mich friert’s an den Händen] u. verbiberen = erfrieren). Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt (letzteres auch mit den Nebenbedeutgn. „beten“ u. „lesen“; s. A.-L. 524). Der Etymologie nach erscheint biberen (wie auch das gemeinspr. bebern = „heftig beben“ u. d. mundartl. bibbern od. bebbern = „zittern“ [s. z. B. H. Meyer, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S. 19]) wohl als „Iteritivbildung“ von „beben“. S. Pott II, S. 17 vbd. mit Weigand, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auch Günther, Rotwelsch, S. 79, Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowie Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1 (zu S. 336).

[601] S. (betr. Flu[h]te) abbrühen.

[602] S. arg.

[603] Das Zeitw. hauren hat (ähnl. wie schef[f]ten) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen (niedersitzen). S. zur ersteren Bedeutg. noch die Umschreibung hauret nobis (eigtl. „es ist nichts“) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben unter „Dietrich“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 342, 344-46 (hauren = ausruhen, bleiben, liegen, sitzen, oberkinnig hauren = aufsitzen, beducht hauren = still stehen [vgl. dazu betr. beducht: Weigand, W.-B. I, Sp. 225 unter „betuchen“], scheffhauren = warten, Haurigerlaninger = Schildwache); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209, 210]: hawern = dasein, sein, ghawert = gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie des Wortes (vom ältern deutsch, hauren [od. hauern] = „niederhocken, kauern“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u. Anm. 1 zu „Haurigerlaninger“).

[604] S. Adler.

[605] S. (betr. Stämpf-) Ärger.

[606] Übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache. S. Liebich, S. 118, 164 u. 193 u. Finck, S. 92 (tšingerpáskero tširklo = Elster, eigtl. der „zänkische“, der „Zank- u. Streitvogel“).

[607] Patris od. Patres = Vater findet sich auch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Patrisglied (das — gleich Mamereglied [s. dazu oben unter „Amme“] — drei Bedeutgn. hat, näml.): α) Oheim (im Sinne v. „Vatersbruder“); β) Tante (im Sinne von „Vatersschwester“), γ) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon oben unter „Bruder“ sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter „Oheim“ u. „Tante“), Patriskitt = Vaterhaus, Patrissteinhäufle = Vaterstadt; b) am Ende: Grandicher-Patres = Großvater, Kittpatris = Hausvater, Schoflerpatris = Stiefvater. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Patres = Vater [so: auch Sulz, Zigeunerliste 1787 (251)]); Schöll 271 (Patris); Schwäb. Händlerspr. 487 (Pâtris). Über weitere rotw. Belege u. die Etymologie (von latein. pater, gen. patris) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 677.

[608] S. Amme.

[609] Nach Liebich, S. 131 u. 193 umschreiben auch die Zigeuner den Begriff „Eltern“ in gleicher Weise (o dad te i dai, d. h. Vater u. Mutter); vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17], [Anm. 44].

[610] S. Ärger.

[611] S. anschauen.

[612] Lacha- od. Lachepatscher = Ente (s. dazu die Zus.: Lachepatscherstritt u. -stenkert = Entenfuß, -stall sowie das Dimin. Lachepatscherle = „Küchlein“ [d. h. Entenküchlein]) findet sich auch in der schwäb. Händlerspr. 480 (Lachepatscher od. Lachpatsche). Das ältere Rotwelsch kannte dafür den Ausdr. Dreckpatscher (s. z. B. auch: Dolm. der Gaunerspr. 92: Treckpatscher). S. dazu, insbes. auch über die Etymologie der Wörter, Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.

[613] Tritt = Fuß (auch Fußstapfe, Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh kommt noch vor in der Verbindg. unterkünftiger Tritt (d. h. eigtl. „der untere Fuß“) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie in den folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Trittgrif(f)leng (-ling) (eigtl. „Fußfinger“) = (Fuß-) Zehe (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b) am Ende: (außer Lachepatscherstritt noch): Babinger- od. Strohbutzerstritt = Gänsefuß, Traperttritt = Gaul- od. Pferdefuß, Gachne-, Stanzel- od. Stierertritt = Hühnerfuß u. Vordertritt = Vorderfuß. Für „Handschuhmacher“ ist im W.-B. Grif(f)lingstrittpflanzer angeführt, woraus sich Grif(f)lingstritt = Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür nur Grif(f)lengstrittleng genannt ist. Auch in dem verw. Quellenkr. kommt statt Tritt durchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandte Trittling vor (s. darüber Näh. unter „Ferse“), während sich in der sonst. Gaunerspr. vereinzelt auch Tritt für „Schuh“ findet neben dem (häufigern) Dimin. Trittchen u. ä., das bes. auch in der neueren Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch: Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 [Trittchen = Stiefel] u. Metzer Jenisch 217 [Trittche = Schuh]). Ausführl. Belege s. (betr. Tritt) in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr. Trittchen u. ä.) ebds., Bd. 46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mit Weber-Günther, S. 191/92. Die Etymologie bedarf keiner näheren Erläuterung.

[614] Mit Stenkert od. (seltener) Stenker = Stall (Käfig) sind noch folgende Zusammensetzgn. gebildet: Strohbutzerstenkert = Gänsestall, Gachnestenkert = Hühnerstall, Keiluf- od. Kibestenkert = Hundestall, Horbogestenkert = Kuhstall, Rinderstall, Hornikelstenkert = Ochsenstall, Trabertstenker (hier so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin. Trabertstenkertle = Füllenstall, wofür eigentlich Trabertlestenkert zu erwarten, da das Füllen Trabertle, Dimin. zu Trabert [od. Trapert] Pferd, heißt; vgl. Näh. unter „Füllen“), Groenikelstenkert = Sau- (Schweine)stall, Jerusalemsfreundstenkert = Schafstall. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Stenkert = Stall); W.-B. des Konst. Hans 255 (Stenker); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Stinker; vgl. aber auch [343] unter „Roßstall“: Stenger, ferner [340]: Stierestinker = Hühnerstall); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75 (Stenkert); Schwäb. Händlerspr. 486 (ebenso, in Pfedelb. [213] aber Stinkert, das übrigens hier auch „Käs“ bedeutet, während es in Lütz. [214] soviel wie „Abtritt“ ist). Das auch sonst im Rotw. verbreitete Wort gehört der Etymologie nach natürlich zu unserm Zeitw. „stinken“; s. Pott II, S. 35 u. A.-L. 610 (unter „Stänker“).

[615] S. davongehen; vgl. (betr. bosten): abgehen u. (betr. schef[f]ten): daher a. E.

[616] S. ankleiden.

[617] S. absterben.

[618] S. (betr. schiebes) [Anm. 615] u. (betr. pfichen) abgehen.

[619] S. Ärger.

[620] S. Angst.

[621] S. anfassen.

[622] S. ausstehlen.

[623] S. arg.

[624] S. absterben.

[625] S. Affengesicht.

[626] S. Brücke.

[627] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[628] S. Bratkartoffeln.

[629] Diese Vokabel ist im W.-B. nicht zu Verbindgn. od. Zusammensetzgn. verwendet worden. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Matrellen = „Grundbieren“ (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Matrella = Kartoffeln); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: Matrelle = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie — aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) — s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter „Matrelen-Bosseler“) u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter „Matērelle“) vbd. mit Finck, S. 72 (matrēli = „Kartoffel“).

[630] S. Ananas.

[631] S. anfassen.

[632] S. abbetteln.

[633] S. anschauen.

[634] Der Ausdruck bedarf keiner Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht gebräuchlich; vgl. jedoch bei Karmayer 95 die Bezeichng. Knüpfschragen für den Galgen (wohl zu Schagen = „Holzgestell mit schräg od. kreuzweise stehenden Füßen“ nach Weigand, W.-B. II, Sp. 784).

[635] S. aufhängen.

[636] S. abkaufen.

[637] Das Zeitw. kneisen od. gneis(s)en bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können (wissen, verstehen); dazu die Umschreibung gneis nobis = unbekannt (vgl. schon oben unter „Dietrich“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 ([einen] kneisen = [einen] kennen); Schöll 272 (kneissen — „inne werden“); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339 (begneist = bekannt, verkneissen = erkennen); Schwäb. Händlerspr. 479, 484, 488 (kneißen od. kneißen = bemerken, merken, verstehen, in Pfedelb. [213]: kneissen, auch = sehen). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die Etymologie s. Näh. bei Weber-Günther, S. 178 (unter, „kneisen“). Zu den dortigen Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759 [g’neißen = „(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken, wahrnehmen, ahnen“]) s. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357 (unter „g[e]neisse[n]“); zu vgl. ferner H. Meyer, Richt. Berliner (7. Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin kneißen für „scharf hinsehen“ bekannt ist).

[638] S. belügen.

[639] Das Zeitw. deisen kommt vor für: ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für „erwürgen“ sowie für „schlachten“; dazu die Zus. halbdeist = halbtot u. die Ableitg. Deiser = Mörder od. Totschläger. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (deisen od. teißen = schlagen, Teißerei = Schlägerei); Schwab. Händlerspr. 484, 487 (deißen = töten, metzgen, schlachten, dazu: Klæbedeißer = Pferdemetzger; in Pfedelb. [212]: deisen = schlachten, aber deißen = coire [Grundbedtg. auch hier wohl „schlagen“, vgl. (209): eindeißte Bezem = „eingeschlagene Eier“], ferner in Lütz. [215): deisse[n] = schlagen, Deisser = Metzger u. in Degg. [215]: Deiss = Schlag). Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) Etymologie s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.: „Teissflamerer“). Auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet die Etymol. als „unklar“.

[640] S. abschießen.

[641] S. Angst.

[642] S. anschauen.

[643] S. absterben.

[644] S. Adler.

[645] S. aufwachen.

[646] S. ausschlafen.

[647] S. bekommen.

[648] S. Diebstahl.

[649] S. ermorden.

[650] S. ansagen.

[651] S. anreden.

[652] S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.

[653] S. abbiegen.

[654] Das oben unter „begabten“ nicht als Syn. angeführte Zeitw. fuchsa kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr. nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für „unehelich beiwohnen“ od. — allgemeiner — „Unzucht treiben“; s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter „fuchse[n]“ vbd. mit v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter „fugsen“ [u. neben „vögeln“], der zwar das Wort zunächst zu fügen im Sinne von „vereinigen“ stellt, jedoch weiter bemerkt, daß es „auch von Vögeln wegen ihrer Begattungslust und vom Fuchs hergeleitet werden“ könne, „da auch das lateinische lupa und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen“.

[655] S. Ärger.

[656] S. arg.

[657] Von dem Zeitw. achila, achile(n) = essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw. Achilerei = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu die Zus.: Fösslingachilerei = Fischessen, Leileachilerei = Nachtessen, Rundlingachilerei = Wurstessen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 271, 272 (achlen = essen, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 337, 339, 342, 345 (acheln = essen, abacheln = abfressen, Achelsore = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen); Schwäb. Händlerspr. 480 (ach[e]len [in Pfedelb. (209): achilen] = essen); s. auch Pfälz. Händlerspr. 337 (achîle = essen). Die zuletzt genannten (mit i in der zweiten Silbe gebildeten) Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B. Thiele 223 u. A.-L. 516 [Achile-Bajes = Speisehaus, Restaurant]; Ostwald [Ku.] 11 [achielen neben acheln]). Über weitere rotw. Belege im allg. (seit d. Lib. Vagat [52]) sowie die Etymologie (vom gleichbed. hebr. âkal [od. āchal]) s. Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 154 (unter „Achelpeter“) vbd. mit Schütze, S. 70; vgl. auch Weber-Günther, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch. Mundarten), ferner Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter „achle[n]“) u. Seiler, Lehnwort IV, Sp. 489.

[658] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[659] S. Abend u. Adler. — Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als rattjakro tschirkulo, d. h. gleichfalls „Nachtvogel“) auch in der Zigeunersprache nach Liebich, S. 165 u. 193 (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 18]).

[660] S. Amme.

[661] Das Adj. gril(l)isch od. (seltener) kril(l)isch = evangelisch (protestantisch) erscheint auch als Substantivierung Gril(l)ischer = Protestant sowie in die Verneinung nobis gril(l)isch = ungläubig. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (grillisch = lutherisch); W.-B. des Konst. Hans 257 (ebenso, vgl. [256]: Grillische Käfer-Märtine = Württemberg [u. dazu Günther i. d. Zeitschr. „Die Polizei“, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); Schöll 274 (in d. „Bettlersprache“: crilisch); Pfulld. J.-W.-B. 342 (grillisch); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [209]: krillisch [oder krittisch] = evangelisch, in Lütz. [215]: grillisch = protestantisch). Zur Etymologie (des auch sonst im Rotw. [des 19. Jahrb.] bekannten Wortes s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter „Grill[e]“ Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen Gegenden Schwabens die Protestanten Grillen (wobei zunächst wohl an unsere Tierbezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj. grillisch (in schlechter Ausspr. krillisch) gebildet worden (s. a. a. O., Sp. 836 unter „grillisch“).

[662] S. After u. Bäcker.

[663] S. Abort.

[664] S. abgerahmte Milch.

[665] S. belügen.

[666] S. alltäglich.

[667] S. abbiegen.

[668] S. abfahren.

[669] S. Bachstelze u. arme Leute.

[670] Krattler ist eine mundartliche, besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die „fahrenden Leute“, zunächst eigtl. für „die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft ihrer ganzen Familie kleine Karren“ (mit zwei Rädern, Kratten genannt, v. latein caretta) „voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen“. (Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch Grimm, D. W.-B. V, Sp. 2070 (unter „Kratte“ Nr. 3) u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693 (unter „Kratte[n]“). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss. sonst nicht gebräuchlich.

[671] S. Eisenbahnwagen.

[672] S. abfallen.

[673] S. absterben.

[674] S. arg.

[675] S. Dietrich; vgl. auch (betr. Bich) Almosen, (betr. Kies) Bankier, (betr. Lobe) Bank u. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[676] S. bekommen.

[677] S. aberwitzig u. alltäglich. In gleicher Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s. Liebich, S. 169 (narbuléngĕro diwes, d. h. „Narrentag“) u. Finck, S. 55, (narwelengero díwes).

[678] S. (btr. Brandling) Apfelkuchen.

[679] S. Affengesicht.

[680] S. (betr. nobis) Dietrich u. (betr. schenegla) abschaffen.

[681] S. Daumen.

[682] S. abgeben.

[683] S. aufschlagen.

[684] S. beschenken.

[685] S. Bett.

[686] S. Dolch.

[687] Hamore = Streit (Fehde, Gefecht, Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in Wittichs W.-B. gewissermaßen als Synonym zu More (= Prügelei, Streit) od. Morerei (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 255 (Hamore = Händel); Schöll 272 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340, 345 (More = Händel, Mori = Streit, Zus. Morekaffen [lies: -kaffer] = „bestohlene Diebsverfolger“); Schwäb. Händlerspr. 479 (Môrest od. Mores = Angst, in U. [214]: Mōre = Streit u. mōre[n] [in Lütz. (214): hamūre(n)] = streiten); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Môres = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. Etymologie s. noch Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das Pfulld. J.-W.-B. (340) More durch ganz denselben Ausdruck („Händel“) verdeutscht wie die älteren rotw. Quellen Hamore, so läßt dies wohl darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. More aber (von dem weiter Morerei — ev. durch Vermittlung eines Zeitw. mōren [s. Schwäb. Händlerspr. in Lütz. (214)] — leicht gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. môrâ’ = „Furcht“ gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach durch „Angst“ od. „Furcht“ wiedergegeben ist (u. ebenso in d. Schwäb. u. Pfälz. Händlerspr. [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem Fragezeichen — aufgestellte, wonach zu Hamore das hebr. chămôr = „Esel“ herangezogen worden.

[688] S. Ast.

[689] Mit Weisleng (-ling) = Sonntag (Feier-, Festtag) sind folgende Zus. gebildet worden: Brandlingweisling (d. h. eigtl. „Kuchensonntag“ = Kirchweihsonntag (der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), Bäzemaweisling (d. h. eigtl. „Eiersonntag“) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Schuberleweisling (d. h. eigtl. „Geistsonntag“ [mit Bez. auf die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.). Aus dem verw. Quellenkr. kennt nur die schwäb. Händlerspr. in Deggingen (215) Weissling in der Bedeutg. „Sonntag“. Im Rotw. kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne nicht, dagegen für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z. B. für Ei (so auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68), für Milch (so auch in der schwäb. Händlerspr. 484), für Schnee (s. z. B. schon Schintermicherl 1807 [288]), für den „Silbergnanziger“ (s. Fröhlich 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg. „Zwanzig- od. Fünfpfennigstück“) usw. Vgl. Pott II, S. 8, A.-L. 621, Günther, Rotwelsch, S. 62 u. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm. 3. Der Etymologie nach nimmt Weissling = Sonntag usw. jedenfalls wohl Bezug auf das Weiße als „Farbe des Tages, Lichtes .. und der festlichen Freude“ (vgl. Näh. dazu bei H. Schrader, Wundergarten, S. 70).

[690] S. Beinkleid u. Abort.

[691] S. angenehm u. anmutig.

[692] S. angenehm u. Abort.

[693] S. Bauch.

[694] S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich S. 196 (bāro parr, d. h. „großer Stein“ [od. pesso parr, d. h. „dicker Stein“] = Fels).

[695] Zusammengesetzt damit ist nur Feneterglansert = Fensterglas. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 258 (Fenette [fem. gen.] = Fenster); Schöll 271 (Feneter); Pfulld. J.-W.-B. 389 (Finetter) Schwäb. Händlerspr. 480 (Feneter od. Finêter); s. auch Metzer Jenisch 216 (Fenēt); Eifler Hausiererspr. 490 (Finet) u. Winterfeld, Hausiererspr. 441 (Finester = Fenster u. Auge). Zur Etymologie (vom franz. fenêtre [ital. finestra]) s. Pott II, S. 17, Günther, Rotwelsch, S. 37 u. Weber-Günther, S. 173; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da Wittich in sr. „Einleitung“ ([S. 29]) die Vokabel unter den aus der Zigeunersprache stammenden (in der Form Fenetra) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine „jenischen Leute“ sie zunächst von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in ähnl. Form) auch kennen (s. Finck, S. 57: fenétri = „Fenster“, während Liebich S. 196 dafür nur wochni hat [vgl. bei Jülling, S. 227: Wochli = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 10], [Anm. 26] u. „Einleitg.“ [S. 29], [Anm. 93]).

[696] S. alltäglich.

[697] S. (betr. Glansert) Bierglas.

[698] S. (zu beiden Ausdr.) Eber.

[699] S. Entenfuß.

[700] Trittleng (-ling) bedeutet (ähnlich wie Tritt) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh od. Stiefel. Zusammensetzgn. damit sind: a) im Anfang: Trittlengstreifling = Fußlappen; b) am Ende: Grif(f)lingtrittling = Handschuh, Halbtrittleng = Halbstiefel, Traperttrittling = Huf (eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. Traperttritt = „Gaulfuß“ [s. oben unter „Entenfuß“]. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92, 98 (Trittling = Füße, Schuh); Schöll 271 (Form: ebenso, Bedtg.: Fuß); Pfulld. J.-W.-B. 344 (ebenso); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 75, 76 (Trittling = Schuh, Stiefel); Schwäb. Händlerspr. 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel, vgl. Trittlingspflanzer = Schuster); auch im Pleißlen der Killertaler (436) hat Trittling dieselben Bedeutgn. Über weitere Belege im Rotw. u. die Etymologie (zu „Tritt“ bzw. „treten“) s. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.

[701] S. Bratkartoffeln.

[702] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[703] S. abbrühen.

[704] S. abbrennen.

[705] S. Adler u. abbrennen. — Auch die Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern sagen dafür bāro jāk, d. h. gleichfalls „großes Feuer“, oder diwii jāk, d. h. „wildes, wütendes Feuer“ (s. Liebich, S. 197); vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 17].

[706] S. (betr. Kies) Apfelkern.

[707] S. abbrennen.

[708] S. Apfelbaum.

[709] S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.

[710] Mit Kenem (= Laus, Filzlaus, plur. Keneme = Ungeziefer) sind zusammengesetzt: a) am Anfang: Kenemebenges, -benk od. -fi(e)sel = „Lausbub“; b) am Ende: Muffkenem (d. h. eigtl. „Stinklaus“) = Wanze (vgl. Aas). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Kinum = Läuse); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Künum = Laus, plur. hier: Künumer); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71, 72 (Kinum od. Kinem = Läuse, Kinumrechen = Kamm [vgl. das volkstüml. „Lauseharke“]); Schwäb. Händlerspr. 488 (Kenum, Kînum od. Kîneme [in Pfedelb. (211): Kinnem] = Laus, in Pfedelb. [211] auch Kinnemrechen = Kamm); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kînum = Laus). Zur Etymologie aus dem Hebr. (bibl. kinnîm od. kinnâm, eigtl. = „Stechmücken“, jüd. kinnim = „Läuse“) s. Günther, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit A.-L. 538 u. 390 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch Weber-Günther, S. 157 (unter „Kinnem“), woselbst auch noch weitere Belege aus d. Rotw. angeführt sind.

[711] S. Daumen.

[712] Oberman(n) = Hut (Haube, Kappe, Mütze) kommt auch noch in folgenden Zus. vor: a) am Anfang: Oberman(n)pflanzer = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b) am Ende: Lanengeroberman(n) = Helm od. Soldatenmütze, Grandicher-Sins-Oberman(n) (d. h. eigtl. „Königshut“, zu grandich Sins = König [s. oben unter „Bischof“], weshalb genauer Grandich-Sins-Oberm. zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. Süslingoberman(n) = Zuckerhut (wobei der Ausdr. — wie in Grif[f]lingoberman[n] — im übertrag. Sinne gebraucht ist). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Obermann = Hut, dann auch Rahm); Pfulld. J.-W.-B. 339-342 (Aberma = Filzhut, Oberma = Hut, auch Milchrahm, Obermäne = Kappe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Obermann = steifer Hut, vgl. Strohmann = Strohhut); Schwäb. Händlerspr. 482 (Oberman = Hut; dazu in Pfedelb. [210] noch: Obermannspflanzer = Hutmacher). Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die Erklärung des Ausdrucks s. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch Weber-Günther, S. 191/92 (unter „Öwermännche“).

[713] Reifling = Ring (Fingerring) kommt (in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der Zus. Flösselreifling (d. h. eigtl. „Wasserring“) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem „Reif[en]“ gehörende) Wort ist auch der schwäb. Händlerspr. (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr. dagegen kaum gebräuchlich. Das Pleißlen der Killertaler (436) hat Raifle = Ring.

[714] S. Abend.

[715] Flössling wird (ähnlich wie Flederling = Vogel für bestimmte Vogelarten) auch für einzelne Fischarten verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in der Gaunerspr. [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg. als argum.: Flösslingschottel = „Heringbüchse“), der übrigens auch genauer durch Spronkertsflössling (d. h. „Salzfisch“) oder Begertflössling (d. h. „toter Fisch“) wiedergegeben wird (s. hierzu auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter „Hering“; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 45]). Für andere Fischsorten erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. Schwimmerling (s. unten Anm. 4) gebräuchlicher. Zusammensetzgn. mit Flössling am Anfang sind noch Flösslingachilerei od. -bikus = Fischessen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Flösling); Schöll 271 (Flößling); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Fleßling, vgl. fleßlinge = fischen); Schwäb. Händlerspr. 480 (Flößling [plur.] = Fische). Etymologie: Nach Stumme, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15. Jahrb. (s. z. B. Basl. Betrügnisse um 1450 [15]) auftretende — Ausdruck „weniger von der Flosse des Fisches (s. dazu Weigand, W.-B. I, Sp. 559) als von Floß = ‚Wasser‘ (s. dazu Weigand, a. a. O., Sp. 559 unter „Floß“ Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. Schintermicherl 1807 [289: Flos = Wasser]) ausgehend zu deuten“. S. auch A.-L. 541 (unter „Floß“). — Vgl. oben flösle(n) usw. unter „austreten (leicht)“.

[716] Flotscher (od. Pflotscher) erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. Flössling u. Schwimmerling, auch in Zus., von denen nur Spronkertflotscher = Hering (vgl. [Anm. 715]) u. Flotscherkahlerei = Fischessen zu nennen sind. Außerdem hat aber Flotscher od. Pflotscher[t] auch noch die Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (Zus.: Bogeiepflotschert[t] = Fischbeinschirm [vgl. dazu unten [Anm. 719]] u. Pflotscherpflanzer[in] = Schirmflicker[in]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Flotschen = Fisch, Flotschenkitt = Fischkasten; Schwäb. Händlerspr. 480 (Flotscher = Fisch; vgl. auch [488]: pflötsche = [sich] waschen). Zur Etymologie: In der Bedeutg. „Fisch“ dürfte Flotscher doch wohl in letzter Linie mit fließen (im Sinne von „schwimmen“ [s. Weigand, W.-B. I, Sp. 554 unter „fließen“, Nr. 2 u. 559 unter „Flosse“ a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu der zweiten Bedeutg. (Regenschirm) gibt Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1068 (unter „Pflotsch“) vbd. mit Sp. 1057 (unter „Pflatsch“) u. 1058 (unter „pflatsche[n]“) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb. pflatsche(n) „mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut: „pflatsch“) auf den Boden fallen“, was besonders vom Wasser und Regen gebraucht wird, daher Pflatschregen od. auch bloß Pflatsch (Pflatscher) od. Pflotsch = Regenguß (vgl. „Platzregen“). Das Wort geht (nach Fischer) „etwa parallel mit patschen“ (worüber zu vgl. Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 215), „nur daß es sich weit mehr auf das Wasser bezieht“ (vgl. auch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens läßt Fischer (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob pflotsche[n] (das auch für „im Wasser waten“ vorkommt) nicht „ein Wort für sich“ sein könnte.

[717] Matsche kommt (gleich Flössling) ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. „Karpfen“ vor. Zus. damit: Matschebutterei = Fischessen; Ableitungen davon: matschen = fischen u. (davon wieder) Matscher = Fischer. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 480 (Matsche = Fische, in U. [214] auch d. sing. Mătsch = Fisch); nur vereinzelt auch im Rotw. bekannt (s. z. B. Pfister 1812 [302: Matsche = Fisch]; v. Grolman 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: Matscho als sing.]; Karmayer G.-D. 209 [wie v. Grolm.]). Zur Etymologie: (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525 (unter „Matsch“) vbd. mit Pott II, S. 437 (unter „Maczo“), Liebich, S. 145 u. 197 (mādscho od. mādschin), Miklosich, Beitr. III, S. 14 (bei d. deutsch. Zigeun.: mādšo od. -šin) u. Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter „mačo“: bei den deutsch. Zigeun.: māčo [mādscho]), Jühling, S. 224 [Matscho, plur. -e) u. Finck, S. 73 (mātšo). Nach Miklosich (a. a. O.) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (matsja) zurückverfolgen.

[718] Auch Schwimmerling kommt (gleich Flössling u. Matsche) noch spezieller für „Karpfen“ vor. Für andere Fischarten erscheint es in der Verbindg. dofer Schwimmerling (d. h. etwa „schöner Fisch“) = Forelle sowie in der Zus. Fuchsschwimmerling = Goldfisch u. Spronkertschwimmerling = Hering (vgl. die Synon. Spronkertflössling u. -flotscher). An den Anfang gestellt ist dieses Wort in der Zus. Schwimmerlingbikerei = Fischessen u. Schwimmerlingsflederling = Fischreiher (d. h. eigtl. nur „Fischvogel“). In dem verw. Quellenkr. ist die Vokabel (die natürlich zu „schwimmen“ gehört) nicht bekannt, im sonst. Rotw. vereinzelt anzutreffen, während die Kundenspr. ein kürzeres Schwimmling = Hering kennt. S. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.

[719] Dieses Wort (mit dem die Zus. Bogeiepflotschert = Fischbeinschirm [s. oben [Anm. 716]] gebildet ist) hat auch die schwäb. Händlerspr. 480 (Bogeie = Fischbein), während es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner Etymologie nach stammt es wohl aus der Zigeunersprache her (vgl. „Einleitung“, [S. 29]), in der es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. Jühling, S. 222 (wo Gogcia = „Beiner[?]“ u. als Sing. Gogalo [= Bein] angeführt ist, das auch in anderen Sammlungen vorkommt [s. Liebich, S. 137, 182 u. 215 (gogālo od. kokālo = Bein od. Knochen); Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter „kokalo“: bei den deutsch. Zigeun.: gogālo); Finck, S. 65 (kókalo = „Knochen, Bein, Knöchel“)] und [nach Mikl., a. a. O ] mit dem neugriech. κόκαλον zusammenhängt).

[720] S. Fischbein u. Fisch (oben. [S. 158], [Anm. 716]).

[721] S. Fisch (oben [S. 159], [Anm. 717]).

[722] S. Fisch u. essen.

[723] S. (betr. Bikus) Abendessen.

[724] S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und Abendessen.

[725] S. (betr. Flederling) Adler.

[726] S. abbrennen.

[727] S. Bierglas.

[728] S. abbetteln.

[729] S. Aas.

[730] (betr. Schottel) Aschenbecher.

[731] Mit Kafler = Fleischer (Metzger, Schlächter) finden sich folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Kaflerkitt = Metzgerhaus (u. dazu die weitere Verbdg. grandich Kaflerskitt = Schlachthaus); b) am Ende: Kibekafler = Hundemetzger, Stupfelkafler = Igelmetzger, Horboge- od. Bogakafler = Kuh- (ersteres auch Rindvieh-) Metzger, Trabert-, Hornikel-, Groenikelkafler = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. Ableitungen von Kafler sind das Zeitw. kaflere = schlachten (s. dazu die Zus. niederkaflere = niedermetzeln) u. das Subst. Kaflerei = Metzgerei (s. dazu die Zus. Kaflereischnall = „Metzelsuppe“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Kafler = Schinder); Pfullend. J.-W.-B. 338, 340, 341, 344 (Kaffler = Abdecker, Metzger, Kafler = Henker, Schinder, Kaflerei = Schinderei, kaflen = schlachten); Schwäb. Händlerspr. 480, 484, 485 (Kâfler = Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], kâfelen = schlachten, Kâfel = Fleisch von verrecktem Vieh). Etymologie: Der Ausdruck, der im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw. Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von „Abdecker“ oder „Schinder“ (dann auch wohl von „Henker“) gehabt hat, ist offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren Caviller od. Kafiller u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst vom Hebräischen (syr. kephál = „abdecken, ziehen“) herleiten will — doch auch das md., früher auch hochd. fillen (mhd. villen) = „das Fell abziehen“ Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch Seiler, Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 36 ff. (unter „Caviller“; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die notw. Belege für Kaf[f]ler u. Caffler). Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 146 (unter „Kafler“) gibt keine bestimmte Erklärung.

[732] Nolle ist eine beliebte Bezeichnung für ein „Gefäß“ verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen, Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen, Pokal, Schoppen), namentl. auch in Zusammensetzgn. Als solche sind zu nennen: a) mit N. am Anfang: Nollepfanzer = Hafner (Töpfer), Kesselflicker; b) mit N. am Ende (außer Bossertnolle noch): Süslengnolle = Kaffeekanne, Duftnolle (d. h. eigtl. „Kirchenpokal“) = Kelch, Gleisnolle = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), Fu(h)lnolle od. Schmelznolle = Nachthafen, Flösselnolle = Nachttopf (Urintopf), Spronkertnolle = Salznapf, Schwächnolle = Trinkgeschirr, Fläderlingsnolle = Vogelnapf, Flu(h)tenolle = Wasserkrug, Johlenolle = Weinkrug. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 100 (Nolle = Hafen, Topf); W.-B. des Konst. Hans 255 (Nolle = Kochhafen); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Servnolle = Kessel [Brennkessel]); Schwäb. Händlerspr. 486, 487 (Nolle = Schüssel, Topf, in Lütz. [214]: Fülnolle = Nachttopf). Zur (nicht sicheren) Etymologie s. etwa A.-L. 579 vbd. mit v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 409 (Noll [G’noll, Knoll] = „rundlicher, harter Körper“), Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2055 (unter „Nolle“ Nr. 2) u. Grimm, D. W.-B. VII, Sp. 879 vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch Keiper in d. Z. f. hochd. Mundarten, Bd. II (1901), S. 53 ff.

[733] S. abschaffen.

[734] S. anbrennen.

[735] S. abgehen.

[736] S. davongehen.

[737] Das Zeitw. naschen (= fliehen, auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem verw. Quellenkr. m. Wissens nur im Pfulld. J.-W.-B. (342) für „laufen“ (vgl. auch 341: naschirlen = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen Reihe von Zusammensetzgn. (nämlich: ausnaschen = ausgehen, durchnaschen = durchlaufen, innerkinnignaschen = einsteigen, vernaschen = entfliehen, hinternaschen = hintergehen, schibisnaschen = scheiden, beduchtnaschen = schleichen, hordignaschen od. guantnaschen = springen). Für sich allein kommt es hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [= gehen]; v. Grolman 50 u. T.-G. 96 [ebenso]; Karmayer 116 [desgl., doch hier auch andere Bedeutgn.]). Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) s. A.-L. IV, S. 245 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit Pott II, S. 324 (unter „Naszavav“), Liebich, S. 149, 197, 218 (naschāwa = ich laufe [fließe], fliehe), Miklosich, Beitr. III, S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter „naš“: bei den deutsch. Zigeun.: našav̄a = laufen, fließen), Jühling, S. 224 (nascha = fliehen) u. Finck, S. 75 (Stamm: naš-, nāšs-, našew- u. ä. = „laufen, gehen, fließen, schwärmen, jagen“).

[738] Zu dem Zeitw. tschanen = fliehen (auch wohl gehen, kommen) ist zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (tschanen = herumziehen) u. Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. (214]: tschāne[n] = gehen). Seiner Etymologie nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. naschen) aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 31]). S. Näh. bei Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit Pott II, S. 212/13 (unter „Dscha“), Liebich, S. 133 u. 201 (dschāwa = ich gehe), Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter „dža“: bei den deutsch. Zigeun.: džava = ich gehe), Jühling, S. 227 (tschah = geh!) a. Finck, S. 56 (Stamm: dša- = gehen; vgl. dšắben = „Gang, Tritt“).

[739] S. angenehm.

[740] S. anmutig.

[741] S. Büchse.

[742] S. abschießen.

[743] Die gleiche Bezeichnung (nur im Sing.) kennt auch die schwäb. Händlerspr. 481 (Hase = Floh). Es handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine andere (vgl. dazu Günther, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium comparationis gewesen ist. Vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1206 (zu „Hase“, Nr. 3).

[744] S. Ärger.

[745] Zu Grünleng = Jäger, Flur-od. Feldschütz vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 341 (Gründing = Jäger, das nach Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 vielleicht nur ein Schreibfehler für Grünling ist; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 56, S. 184) u. Schwäb. Händlerspr. 488 (Grünling [Groêling] = Waldhüter [in Lütz. (215) = Jäger, während der Waldhüter dort Grü(n)lingsbutz heißt]); s. auch noch Regensburg. Rotw. 489 (Grünling = Jäger, Förster). Zur Etymologie s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von Grünling im Rotw. s. Günther, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche Grünwedel s. unter „Förster“.

[746] S. abbrühen.

[747] S. abbetteln.

[748] S. angenehm u. Fisch. Über die abweichenden Bezeichnungen in d. Zigeunerspr. s. Näh. unter „Hering“.

[749] S. anfragen.

[750] S. anschauen.

[751] S. über die Rangsteigerung Grünwedel = Forstmann (-wart), grandicher Gr. = Förster, grandich Gr. = Oberförster schon oben unter „Bischof“. Zwei ähnliche Abstufungen kennen (nach Liebich, S. 198) auch die Zigeun., nämlich: wēschéskero = Forstmann, Förster u. barĭdīr w. (d. h. „der größere [höhere] Forstmann“) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63, [S. 391], [Anm. 418] [zu „Bischof“]). Für die Bezeichg. Grünwedel vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Grünwedel = Jäger); Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); in der Schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. nicht bekannt, obwohl dort mancherlei ähnliche Ausdrücke vorkommen (wie z. B. Grünstäudle = Jäger [so: Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 und Schwäb. Händlerspr. 82], Grünstaudler = Feldhüter, Grünstäudel, -staud od. -stäudling, Grünsteiger, -rattler u. a. m. = Waldhüter [s. Schwäb. Händlerspr. 480 u. 488]). Über weitere Belege (für Grünwedel) aus dem Rotw. sowie die Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm. 2.

[752] S. abtragen.

[753] S. abfahren.

[754] S. davongehen; vgl. (betr. bosten u. pfichen) abgehen u. (betr. schef[f]ten) unter „daher“ a. E.

[755] S. böse Frau.

[756] Zu Mogel od. Mokel = Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib vgl. Schwäb. Händlerspr. 481, 484 (Mockel = Frau, Mokel = Mutter). Die Etymologie bleibt unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. Mockel, u. a. = „plumpes Weibsbild“, Mockele(in) = „rundliches Kind, Mädchen“ (aber beides auch für Rindvieh, bes. Kuh od. Kalb gebraucht) nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (Mockel [auch] = „weibliche Geschlechtsteile“). Über ein seltenes rotw. Muck (od. Mück) = Frau s. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.

[757] S. Bauernfrau.

[758] Zu Romane = Frau vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69, 72 (Rumie = Frau, femin. zu Romno = Mann u. Schwäb. Händlerspr. (in U. [214]: Romli = Mädchen [vgl. Rom = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw. ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [Rumini = Frau]; v. Grolman 57 [ebenso]; Karmayer G.-D. 215 [verdr.: Runinni]). Etymologie: Die Vokabel stammt aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) u. bildet das fem. (romni u. ä.) zu rom = Mann, Ehemann, Zigeuner, (vgl. rōmano [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter „Rammenin“) vbd. mit Pott I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528, Liebich S. 156 u. 191, 198, 262 (romni = Frau, Ehefrau, Zigeunerin), Miklosich, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter „rom“: bei den deutsch. Zig. romni = Frau [Eheweib], Zigeunerin), Jühling, S. 227 (unter „Tschai“: Romni = Frau).

[759] S. Bachstelze, Bauernfrau u. Beischläferin.

[760] S. Bauernfrau.

[761] S. (betr. Klufterei) ankleiden.

[762] Malfes (neuere Form für das ältere Mahlbosch [vgl. „Einleitung“, [S. 27]]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte, Überrock) ist verwendet in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Malfesrande = Rocktasche; b) am Ende: (außer Mosmalfes noch): Gadscho- od. Kaffermalfes = Männerrock, Plauderermalfes = Lehrerrock, Gallach- od. Kolbemalfes = Priesterrock. Eine Verbindg. damit ist unterkünftiger Malfes = Unterrock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94, 98 (Malebosch od. Malus = Rock, ein ganzer M. = Rock und Kamisol, ein halber M. = Kamisol); W.-B. des Konst. Hans 254 (Malves = Kamisol, Mahlbosch = Rock); Schöll 271 (Formen: Malves u. Malbosch, Bedeutgn.: wie im W.-B. des Konst. Hans); Pfulld. J.-W.-B. 338, 341, 343, 344: Malves od. Malboschum = Kittel, Malfes od. Maleboschen = Rock, Ruchemalfes [od. Mahlboschen] = Bauernkittel, Schlaumalfes = Schlafrock); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Malfes = Weste, dagegen Walmusch [sic] = Rock, aber wieder Dormmalfes = Schlafrock); Schwäb. Händlerspr. 485 (Malfes u. Walmusch = Rock, dazu [in Pfedelb. (212)]: Dormmalfes = Schlafrock); s. auch noch Pfälzer Händlerspr. 438, 439 (Malebūsch = Anzug, Walmüsch = Rock) u. Metzer Jenisch 216 (Malbosche = Kleider). Über weitere, in der Form sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über die Etymologie (vom. hebr. mâlbûsch = „Kleider“) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. Schütze S. 98 (unter „Walmusch“); vgl. Weber-Günther, S. 167 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.

[763] Zu Fürflamme = Schürze vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Vorflam = Schürz); Pfulld. J.-W.-B. 344 (Flamme = Schürze). Auch in d. sonst. rotw. Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form Flamme (od. Flammert), teils in der längeren Vorflamme(rt) od. Fürflamme(rt) u. ä. mehrfach anzutreffen. S. z. B. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. (227: Flamme); ferner Krünitz’ Encyklopädie 1820 (353: Vorflamme); v. Grolman 21, 22 u. T.-G. 120 (Fürflamm[e], Für- od. Vorflammert od. Flamme, Flammert); Karmayer 52 (Fürflamm [masc. gen.]) Die Etymologie ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer weithin leuchtenden (gleichsam „flammenden“) weißen Schürze zu denken; vgl. A.-L. 540 (unter „Flamme“ [wo auch die Nebenbedeutgn. von Flamme(rt) — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s. auch noch Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter „Flamme“) hat keine Erklärung hinzugefügt.

[764] S. böse Frau.

[765] S. Beischläferin.

[766] S. Frau.

[767] S. Bauernfrau.

[768] Mit Schrende = Stube (Gemach, Zimmer) sind gebildet die Verbdgn. grandiche Schrende = Saal) (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Schrendepflanzer = Zimmermann; b) am Ende (außer Mosschrende noch) Sinseschrende = Herrenzimmer, Leileschrende (eigtl. „Nachtstube“) = Wachtstube. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Schrende = Stube); übereinstimmend (in Form und Bedeutg.) auch: W.-B. des Konst. Hans 254, Schöll 271 u. Pfulld. J.-W.-B. 345; dagegen in der schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [213]): Schrenze = Stube. Über weitere Belege im Rotwelsch sowie Etymologie des Wortes (das ohne Zweifel deutsch. Ursprungs ist) s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 54, S. 165, Anm. 2 u. dazu etwa auch noch v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter „Schrand“).

[769] S. Amtmann u. Beischläferin.

[770] S. arg.

[771] Zu Freier = Fremder (auch Herr, Jüngling) s. das Dimin. Freierle = Junge, Knabe, auch Sohn, die Verbindungen dofer Freier = Junker u. schofler Freier = Heuchler od. auch „Hurenkerl“ sowie die Zus. Fehtefreier = Quartierbursche (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 12], [Anm. 29]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Freier = „ein gewachsener Bub“); Schwäb. Händlerspr. 480 (Freier = Mann). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die Etymologie s. Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 350 ff. Daß Freier in Wittichs Jenisch niemals für einen Bauer verwendet werden soll, ist insofern bes. zu beachten, als die ursprünglichste Bedeutg. im Rotwelsch gerade „Bauer“ gewesen sein dürfte (s. u. a. schon W.-B. v. St. Georgen 1750 [350]).

[772] S. (zu beiden Ausdr.) Beischläferin.

[773] S. brauchbarer Bursche.

[774] S. Bettelbube.

[775] S. angenehm.

[776] S. eisig.

[777] S. anbeten u. arme Leute.

[778] Vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38].

[779] Gib (= Frucht, bedeutet bes. auch Getreide sowie — noch spezieller — Weizen und wohl auch Gerste (wie aus der Verbdg. g’funktes Gib [„gebranntes Getreide“ (Gerste)] = Malz [s. d. betr. d. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl, auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 17]] zu schließen sein dürfte). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 339-341 (Gi[e]b = Frucht, Korn, Hafer, für letzteres auch: Spitzgib); Schwäb. Händlerspr. 481 (Gîp = Getreide), im sonst. Rotw. ziemlich selten. Etymologie: Das Wort stammt aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) u. in letzter Linie aus dem Altind. S. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 647 (unter „Gip“) vbd. m. Pott II, S. 67 (unter „Gieb“), Liebich, S. 136 u. 203, 216 (gīb = Getreide, Korn), Miklosich, Beitr. III, S. 21 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 214 (unter „giv“: bei d. deutsch. Zigeun.: gīb = Getreide, Korn), Jühling 222 (Gib = Frucht, Feld) u. Finck, S. 59 (giw = „Getreide [Korn, Weizen, Gerste, Roggen“]).

[780] Auch Kupfer = Frucht, dann Getreide (Korn), auch Futter kommt (gleich Gib) noch spezieller für einzelne Getreidearten vor, nämlich für Hafer, Roggen, Weizen, und endlich noch für Gras, Heu (Grummet), Klee und Häcksel (Häckerling). Auch sind damit (im Gegens. zu Gib) verschiedene Zusammensetzgn. gebildet worden, nämlich a) am Anfang: Kupfertrapert = Heupferd, Kupferflederling (eigtl. „Heuvogel“) = Heuschrecke, Kupfersore (eigtl. etwa „Gras- od. Heuding“) = Sense (s. d. betr. Analogie in d. Zigeunerspr.), Kupferstöber (eigtl. „Grasbaum“) = Weidenbaum; b) am Ende: Flu(h)tekupfer = Meergras, Schilf. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Kupfer = Heu); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340 (desgl.); Schwäb. Händlerspr. 481, 482 (Kupfer = Futter [für Vieh], Heu). Auch im sonstigen Rotw. kommt die Vokabel (für „Heu“) wohl (seit d. 18. Jahrh.) vor (s. z. B. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [271: Kuffert (sic) = Heu] u. dann [i. d. Form Kupfer] öfter; merkwürdig die Umkehrung Heu [als rotw. Vok.] = Kupfer im W.-B. von St. Georgen 1750 [217], die aber vielleicht bloß auf einem Irrtum beruht). Die Etymologie ist ungewiß, auch von Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 854 nicht erläutert worden; es bleibt daher fraglich, ob wirklich eine Gleichsetzung mit unserem deutsch. (Lehn-)Worte „Kupfer“ — als Metallbezeichnung — (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 66) anzunehmen ist.

[781] S. essen.

[782] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[783] S. Eisenbahnwagen u. Bauer.

[784] Trabertle ist Dimin. zu Trabert od. Trapert = Pferd (Roß, auch [mehr verächtl.] Gaul, Klepper, Mähre sowie spezieller: Hengst, Rappe u. Schimmel), es wird also zunächst ohne Rücksicht auf das Geschlecht oder sonstige Beschaffenheit (z. B. die Farbe) des Tieres gebraucht, jedoch findet sich für „Hengst“ noch spezieller auch Trabertkaffer (d. h. eigtl. „Pferdemann“, männliches Pferd), wozu dann als Gegenstück Trabertmos(s) (eigtl. „Pferdefrau“) = Stute erscheint (vgl. dazu schon oben in d. Anm. zu „Bauer“ u. „Bauernfrau“ sowie weiter unten unter „Hengst“). Weitere Zusammensetzgn. mit Tr. sind noch: a) am Anfang: Trapertstritt = Gaul- od. Pferdefuß, Traperttrittleng = Huf (eigtl. wohl auch „Pferdefuß“), Trabertbossert od. -mass = Pferdefleisch, Trabertstrauberts = Pferdehaare, Trabertkemerer = Pferdehändler, Trabertschenegler = Pferdeknecht, Trabertstenkert = Pferdestall (u. dazu das Dimin. Trabertstenkertle, wofür logischer Trabertlestenkert zu erwarten [s. schon oben unter „Entenstall“]) u. Trabertschwäche = Pferdetränke (wogegen Trabertschwächerle „Pferdeeuter“ bedeutet [vgl. oben unter „Amme“]); b) am Ende: Kupfertrapert = Heupferd (vgl. oben [S. 166], [Anm. 780]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (Trappert = Pferd); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Trappen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Trappert u. Trapperle = Pferd); Schwäb. Händlerspr. 485 (Trappert [Treppert, Treppling] u. Traber); s. auch Metzer Jenisch 216 (Trappert). Über weitere rotw. Belege (seit d. 17. Jahrh.) sowie die Etymologie (zu „traben“ bzw. „trappeln“ usw.) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 27 u. Anm. 1 (zu „Trappert-Leininger“).

[785] S. Entenstall; vgl. auch die vorige Anm.

[786] S. Angst.

[787] S. (betr. nobis) Dietrich.

[788] S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.

[789] S. auslassen.

[790] S. (betr. schmusen) ansagen.

[791] S. Entenfuß.

[792] S. Ferse.

[793] Streifleng (-ling, plur. -linge), eigtl. = Strumpf findet sich auch noch in folgenden Zusammensetzgn.: a) am Anfang: Streiflingschure = Strumpfband u. Streiflingpflanzer = Strumpfwirker; b) am Ende (außer in d. obigen Vok. noch in) Kafferstreifling = Socken (eigtl. „Männerstrümpfe“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Streifling = Paar Strümpfe); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Form: ebenso, Bedtg.: Strumpf); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Streifling = Strümpfe); Schwäb. Händlerspr. 484 (wie im Pfulld. J.-W.-B.); s. auch noch Metzer Jenisch 217 (Strefche = Strumpf). Im sonst. Rotwelsch usw. tritt die Vokabel zunächst in der Bedeutg. „Hose“ (s. schon Lib. Vagat. [55]), erst seit d. 17. Jahrb. auch für „Strumpf“ auf (s. Schwenter’s Steganologia um 1620 [138] u. dann öfter bis zur Gegenwart; vgl. Schütze, S. 94, auch Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 29, Anm. 2). Zur Etymologie (von streifen = „überstreifen [über den Fuß]“) s. Archiv, a. a. O., S. 29: vgl. auch Pott II, S. 37.

[794] Übereinstimmende Umschreibung des deutschen Ausdrucks auch bei den Zigeunern; s. Liebich, S. 199 (telstūno pīro [d. h. „der untere Fuß“] = Fußsohle); vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 17]. Das Adj. unterkünftig = unterer — als Adv. gebr. = unten — (im Gegensatze zu oberkünftig = oberer, als Adv. = oben [s. Näh. unter „Gaumen“]) kommt auch noch vor in den Verbindgn.: unterkünftige Kluft = Unterkleid u. unterkünftiger Malfes = Unterrock. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 256 (unterkönig = unten); Pfulld. J.-W.-B. 340, 345 (unterkönig = hinab [Gegens.: oberkönig = hinauf] u. unterkimig [besser wohl zu lesen: unterkinnig] = unten; vgl. auch inner-, usler- u. ennenkönig = hinein, hinaus, hinüber); Schwäb. Händlerspr. 487 (unterkünftig = unten; vgl. [484]: oberkünftig = oben). Auch im sonstigen Rotw. findet sich die Vokabel, u. zwar schon seit dem 18. Jahrh. (s. W.-B. v. St. Georgen 1750 [219]: unterkünftig = unten, Gegens. [218]: oberkünftig = oben), während sie in neuerer Zeit wohl bes. in der Kundensprache fortlebt (vgl. z. B. Ku. III, 429 u. Ostwald [Ku.] 159 vbd. m. Ku. III 427 u. Ostwald [Ku.] 109 [Gegenstz.: oberkünftig]), obgleich sie in der schwäb. (Gaun.- u.) Kundenspr. fehlt, die dafür (76) aber hinterkünftig = hintenherum kennt. Etymologie: Man darf wohl mit A.-L. 557 (unter „kenntlich“) u. 579 (unter „oberkünftig“) den zweiten (zu einer „Verstärkung“ der Ortsbezeichnung dienenden) Bestandteil des Wortes (-künftig, verunstaltet zu -kinnig, -könig usw.) — gleich unserem gemeinspr. Adj. künftig — zu dem jetzt nur noch in Zusammensetzgn. (wie Ankunft, Herkunft, Zukunft) gebräuchl. Subst. Kunft (mhd. kunft, kumft) = „das Kommen“, einem „Verbalabstraktum“ zu dem Zeitw. kommen (vgl. Weigand, W.-B. I, Sp. 1172), in Beziehung setzen.

[795] S. (betr. Grif[f]leng) Daumen. — Auch diese Umschreibung findet sich nach Liebich, S. 199 u. 262 (unter „Zehe“) bei den Zigeunern (näml.: berengĕro gus[ch]to, d. h. eigtl. „Fußfinger“).

[796] S. Frucht.

[797] Zusammensetzgn. hiermit sind: a) am Anfang; Furschetfläderling (d. h. eigtl. „Gabelvogel“) = Schwalbe (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); b) am Ende: Schundfurschet = Mistgabel. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 481 (Furschett = Gabel). Im Rotw. m. Wiss. sonst kaum gebräuchlich. Zur Etymologie: An und für sich kann der Ausdruck unmittelbar vom Französischen (fourchette) hergeleitet werden (vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1869), jedoch mag die Vokabel (gleich Feneter = Fenster [s. d.]) in Wittich’s Jenisch wohl durch die Vermittlung von Zigeunern eingedrungen sein und insofern auf deren Sprache zurückgeführt werden (vgl. „Einleitung“, [S. 30]), in die sie aber natürlich gleichfalls aus dem Französischen übernommen ist. S. ausdrücklich auch Liebich, S. 116; vgl. „Einleitung“, [S. 29], [Anm. 93] vbd. m. „Vorbemerkg.“, [S. 10], [Anm. 26]. Als zigeun. Form führt Liebich (a. a. O. S. 135 u. 199): forschétta, Finck, S. 58: foršéta, Jühling, S. 221 dagegen: Forschräta (vgl. i. d. „Einltg.“: -reta) an.

[798] Mit Stichling ist nur zusammengesetzt: Fu[h]lstichling = Mistgabel (Syn. zu Schundfurschet). Auch Stichling = Gabel ist in dem verw. Quellenkr. nur der schwäb. Händlerspr. (481) bekannt, doch deutet hier das Vorkommen des Ausdrucks Stichlingspflanzer = Schneider (486) hin auf die Nebenbedeutg. „Nadel“, wofür die Vokabel z. B. auch in der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. (73) — allein — angeführt ist, während sie bei den Pfälz. Händlern (439) — wieder abweichend — „Messer“ bedeutet. Über die versch. Bedeutgn. des Wortes im Rotw. bezw. in der Kundenspr. (näml.: a) Schneider; b) Nadel; c) Zaunpfahl) sowie die Etymologie (zu „Stich“, „stechen“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. Anm. 1.

[799] S. anschauen.

[800] Zu dem Zeitw. spannen = sehen (gaffen, gucken) vgl. (aus dem vorw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343 (spannen = ausschauen aussehen, schauen); Schwäb. Händlerspr. 486 (spannen = sehen; vgl. [470] Spanner = Augen); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (spanne[n] = sehen, beobachten, Spanner = Augen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie des Wortes (das deutschen Ursprungs ist) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 75 (unter „Spanner“) vbd. mit Weber-Günther, S. 181 (unter „spennen“, wonach der wohl älteste Beleg für das Zeitw. [in der Form spenden] bereits bei A. Hempel 1687 [169: der spendts = „der siehets“] anzutreffen ist).

[801] Mit Babing (plur. Babinger) sind gebildet die Verbindg. grandich Babing (d. h. etwa [„sehr] große Gans“ [vgl. oben unter „Bischof“]) = Schwan (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 17]) sowie die Zusammensetzgn. Babingerbossert od. Babingermass = Gänsefleisch (letzteres in der weiteren Verbdg. gesicherter Babingermass = Gänsebraten) u. Babingerstritt = Gänsefuß. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Dolm. der Gaunerspr. 92 (Bappe = Gans); im sonst. Rotw. tritt die Form Babing u. a. etwa seit Anfang des 19. Jahrh. (s. Pfister 1812 [295] u. a. m.) auf. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, [S. 29]]) s. A.-L. 521 u. Günther, Rotwelsch, S. 31 u. 62 vbd. mit Pott II, S. 350 (unter „Papin“), Liebich, S. 149 u. 200 (pāpin), Miklosich, Beitr. III, S. 17, 23 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 29, 30 (bei d. deutsch. Zig.: pāpin), Jühling S. 220 (Babni), Finck, S. 76 (pāpi[n]). Das Wort ist (nach Pott u. Miklosich, a. a. O.) verwandt mit ngriech. πάππια = „Ente“.

[802] Mit Strohbutzer (Dimin. Strohbutzerle = „Küchlein“, d. h. Gänschen) sind gebildet die Verbindung grandich Strohbutzer = Schwan (s. dazu die Bemerkg. zu dem Synon. gr. Babing [oben [Anm. 801]]) sowie die Zus. Strohbutzerbossert = Gänsefleisch (u. dazu weiter gesicherter Str.-bossert = Gänsebraten), Strohbutzerbäzeme = Gänseeier, Strohbutzerstritt = Gänsefuß, Strohbutzerbikus = Gansessen, Strohbutzerstenkert = Gänsestall. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 92 (Strohbuz od. Budel = Gans); W.-B. des Konst. Hans 254 (Strohbuze); Pfulld. J.-W.-B. 339 (Strohbutzer od. Strohbudel); Schwäb. Händlerspr. 481 (Strâbudel); s. auch noch Regensb. Rotwelsch 489 (Strohbuze). Zur Etymologie: Bei der Form Strohbutzer, dial. = Strohputzer (so z. B. schon Waldheim. Lex. 1726 [187]) liegt es nahe, nur eine weitere Ausgestaltung der noch älteren Form Strohbohrer (s. z. B. schon Lib. Vagat. [55: Stroborer] u. öfter) anzunehmen, die ja keiner bes. Erklärung bedarf. Da jedoch schon seit Anf. des 17. Jahrh. im Rotw. auch die Form Strohbuz(e) u. ä. (s. z. B. schon Schwenters Steganologia um 1620 [137] u. öfter [vgl. dazu die Belege aus dem verw. Quellenkreise]) — u. dann auch bloß Butze, Buhze, Budel u. a. m. — als gleichbedeutend vorkommt, so könnte man diese auch wohl zu Butz(-e) im Sinne von „Person oder Tier von kleiner Gestalt“ (s. dazu Grimm, D. W.-B. II, Sp. 591 unter „Butze“, Nr. 1; Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 317; auch Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 10 unter „Putz“) in Beziehung setzen. Vgl. im allgem. noch Pott, II, S. 22, A.-L. 612 (unter „Strohbohrer“) vbd. mit 528 (unter „Buze“) u. Günther, Rotwelsch, S. 73, Anm. 74 u. 75.

[803] S. (betr. gesichert) auskochen u. (betr. Bossert u. Mass) Aas.

[804] S. (betr. Bäzeme) Ei.

[805] S. (betr. Bossert u. Mass) Aas.

[806] S. (betr. Tritt) Entenfuß.

[807] S. Abendessen.

[808] S. Entenstall.

[809] S. Dietrich u. angenehm.

[810] S. arg.

[811] S. Abort.

[812] Zu Beiz oder (seltener) Beizerei = Gasthaus, Wirtshaus (Kneipe, Schenke) gehört die Zusammensetzg. Lanengerbeiz = Soldatenwirtschaft und die Ableitung Beizer (in früherer Zeit: Baiser [vgl. „Einleitung“, [S. 25]]) od. (seltner) Beizerer = Wirt (Gast-, Schenkwirt), femin.: Beizere. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93, 101 (Beis = Haus, Beisskitt od. Koberbeis = Wirtshaus, Baiser = Wirt, Baiserin = Wirtin); W.-B. des Konst. Hans 254, 256, 258 (Bais od. Baiser-Kitt = Wirtshaus, T’schorbais = Diebswirtshaus, Baiser = Wirt); Schöll 271, 272 (Bais = Haus, plur. Baiser = Wirtshäuser); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339, 346 (Kochemer-Baies = Diebsherberge, Baiser = Wirt, Gastwirt, Baiserkitt = Wirtshaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Baiz = Wirtshaus, Baizer[in] = Wirt[in]); Schwäb. Händlerspr. 482, 488 (Baiß = Haus, aber — sowohl in dieser Form wie in den Nebenformen Baitz, Boitz, Beitzg [Beitzle] — auch = Wirtschaft; Baiser, Baitzer od. Beitz[g]er = Wirt); s. auch noch Pleißlen der Killertaler 434 (Baitze = Wirtshaus), während die Pfälz. Händlerspr. (437) Bais od. Bôies nur in dem allgem. Sinne von „Haus“ kennt. Über weitere Belege aus dem Rotw. (wo schon in den Basl. Betrügnissen um 1450 [15] das Wort in der Form Pöse = Herberge auftritt, während es in der Form Bais zunächst für „Haus“ [s. W.-B. v. St. Georgen 1750 (216)], für „Wirtshaus“ dagegen zuerst im W.-B. des Konst. Hans [s. oben] vorkommt) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 15 (u. Amn. 2) u. 16 (unter „Baiser“) vbd. m. Bd. 38, S. 221, Anm. 1 u. Weber-Günther, S. 153. Ebds. auch über die Etymologie (vom hebr. bajit = „Haus“); vgl. auch A.-L. 524 (unter „Bes“); Günther, Rotwelsch, S. 27; Stumme, S. 27; Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 580/81.

[813] Zu Kober od. (seltener) Koberei, Synon. zu Beiz (Beizerei) s. d. Zusammensetzgn. Lanengerkober (= Lanengerbeiz) u. die Ableitung Koberer = Wirt (Gast-, Schankwirt), femin. Kobere. Bemerkenswert erscheint, daß auch Kober in Wittichs Jenisch das Wirtshaus bedeutet, während es im Rotwelsch (ebenso wie d. längere Koberer) i. d. R. für den Wirt vorkommt (über Ausnahmen s. Groß’ Archiv Bd. 43, S. 24, Anm. 3 [zu S. 23] a. E). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Koberbeis = Wirtshaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68 (Kober = Diebswirt); Schwäb. Händlerspr. 488 (Koberer = Wirt, Koberei = Wirtschaft); s. auch Metzer Jenisch 217 (Koberei = Wirtshaus). Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie die (nicht sichere, vielleicht aber zu dem hebr. châber = „Gefährte, Genosse“ in Beziehung zu setzende) Etymologie s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 22 ff. u. d. Anmkgn. vbd. m. Bd. 38, S. 197, Anm. 2 — Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 59 hat keine Erklärung gegeben.

[814] S. Bauer.

[815] S. Bauernfrau.

[816] S. Äquilibrist.

[817] S. Füllen.

[818] S. Entenfuß.

[819] Dieselbe Umschreibung ist auch bei den Zigeunern üblich nach Liebich, S. 153 u. 200 (praldūno mui, d. h. „das Obermaul“, = Gaumen; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17]). — Betr. Giel s. Affengesicht. Das Adj. oberkünftig (= oberer) — als Adv. gebr. = oben — ist der Gegens. zu unterkünftig [s. darüber schon oben unter „Fußsohle“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (oberkönig = hinauf, oberkinnighauren = aufsitzen); Schwäb. Händlerspr. 484 (oberkünftig = oben); s. auch Pfälz. Händlerspr. 439 (überkindig = gegenüber). Im sonst. Rotw. tritt oberkünftig (ebenso wie s. Gegens. unterkünftig) z. B. schon im W.-B. v. St. Georgen 1750 (218) auf, ist dagegen in d. Neuzeit hauptsächl. Kundenausdr. geworden. S. darüber sowie über die Etymologie das Näh. schon oben unter „Fußsohle“.

[820] S. anfassen.

[821] S. ausstehlen.

[822] Zu Deislere = Wöchnerin („Kindbetterin“) s. die Weiterbildg. Deislerei = Geburt u. die (zu dem Stamme (Deis[e]l- gehörige) Zusammensetzg. Deiselmoss (od. Disselmoss) = Hebamme. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 35 (Deuslerin = Kindbetterin) u. Pfulld. J.-W.-B. 341 (Deußleri [-rin] = Kindbetterin u. Deußlerei = Kindbett). Sonst m. W. unbekannt. Die Etymologie ist unsicher. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 hat die Vokabel zu d. Zeitw. deisen (deißen) = schlagen, töten, schlachten, auch coire (s. oben unter „ermorden“) gestellt (aber weshalb?).

[823] S. Abort.

[824] S. abgeben.

[825] S. beschenken.

[826] S. anbeten.

[827] S. Amtmann.

[828] S. abbeißen.

[829] S. Blut.

[830] S. gebären.

[831] S. absterben.

[832] S. Dummheit.

[833] S. aberwitzig.

[834] S. angenehm.

[835] Substantivierung der entsprechd. Adjektive (s. arg); vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] vbd. mit [S. 7], [Anm. 16].

[836] S. Arrest.

[837] S. Abort.

[838] S. (betr. Bu(t)z) Amtsdiener.

[839] S. Fleischhafen.

[840] S. Aschenbecher.

[841] S. Fehde.

[842] S. arg.

[843] S. Almosen.

[844] S. Barschaft.

[845] S. Bank.

[846] S. aufhängen.

[847] S. (zu beiden Ausdr.) abgehen.

[848] S. (zu beiden Ausdr.) fliehen.

[849] S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.

[850] Mit Schuberle = Geist (Gespenst, Spuk) ist gebildet die Verbindg. bliblischer Schuberle = heiliger Geist u. die Zusammensetzg. Schuberleschein (d. h. eigtl. „Gespensterlicht“) = Irrlicht (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Schuberle = Gespenst); Uracher Jauner- u. Betrügerliste 1792 (268: Schuberlenspflanzer = „ein vorgeblicher Geistererlöser“ [als Betrügerart]); Schöll 272 (Schuberle = Geist, Gespenst); Pfulld. J.-W.-B. 340, 342 (grandiges Schuberle = Gespenst, Tschuberle = Nachtgespenst); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210, 213]: Schuberle [od. Schubachtle], plur.: Schuberlich = Geist; Schuberlespflanzer = a) Geistererlöser („Tätigkeit des kathol. Pfarrers“); b) Teufel; dazu als Zeitw. es schubert = es spukt). Im sonst. Rotw. findet sich vereinzelt — neben dem Dim. auf -le — auch wohl ein unverkleinertes Schuhwer (od. Schuwe) in gleicher Bedeutg. (s. z. B. Pfister 1812 [305]; v. Grolman 64 u. T.-G. 97; Karmayer G.-D. 218). Die Etymologie des Wortes ist noch nicht festgestellt; vgl. auch Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 15, Anm. 1.

[851] S. aberwitzig.

[852] Mit Gal(l)ach = Geistlicher (Pfarrer, Prediger, Priester) sind gebildet die Verbdg. grandicher Gal(l)ach = Hoherpriester (betr. d. Syn. gr. Kolb s. unter „Bischof“) u. folgd. Zus.: a) am Anfang: Gal(l)achkitt = Pfarrhaus, Gal(l)achmalfes = Priesterrock; b) am Ende: Diboldegal(l)ach (d. h. eigtl. „Judenpriester“) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 37 (Galloch = Pfarrer); W.-B. des Konst. Hans 257, 258 (Galach, Galoch u. Gallach = Pfarrer; Galacha-Kitt = Pfarrhaus); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Kollach = Pfarrer, Rollach [verdruckt] = Priester, Kollachekitt = Pfarrhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Galach = Pfarrer [neben Galorum = „Pfaffe“], Galachswinde = [kathol.] Pfarrhaus); Schwäb. Händlerspr. 483, 484 (Gallach = Pfarrer, aber auch Kaufmann; vgl. [486] d. merkwürd.: Gallach reißen = „Spektakel machen“); s. auch noch Metzer Jenisch 216 (Gallach = Pfarrer). Über das Vorkommen der (alten u. sehr verbreiteten) Vokabel im Rotwelsch usw. sowie die Etymologie (vom aram. u. nhebr. gelach = „scheren“, Bedeutg. also „der Geschorene“, mit Bez. auf die Tonsur der kathol. Geistlichen) s. ausführt. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 225 ff.; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 23.

[853] S. Bischof.

[854] S. Abendessen.

[855] S. Bankier.

[856] S. Beutel.

[857] S. (betr. Schure) abbiegen.

[858] S. (betr. Rande) Bauch.

[859] S. besonnen.

[860] S. Beischläferin; vgl. angenehm.

[861] S. brauchbarer Bursche.

[862] S. Bettelbube.

[863] S. Aschenbecher.

[864] S. Frauenstube.

[865] S. Bauer.

[866] S. Bauernfrau.

[867] S. arg.

[868] Mit Groanert od. Groenert = Gemüse, dann (auch spezieller) Kohl, Kraut (Sauerkraut) sind zusammengesetzt: a) am Anfang: Groanertblättling = Krautsalat; b) am Ende: Koelesgroenert (d. h. eigentl. „Teufelskraut“) = Unkraut (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 18]) Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Gronert = Kraut); W.-B. des Konst. Hans 254 (Gruonert = Kraut); Pfulld. J.-W.-B. 341, 343 (Kronet = Kraut neben Kromet [wohl verdruckt] = Salat); Schwäb. Händerspr. 483 (Grûnert = Kraut). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch (wo die Vokabel als Grunhart = Feld z. B. schon im Lib. Vagat [54] u. dann öfter, als Grünert = Heu bei A. Hempel 1687 [167] u. a. m., als Grunert = Krauthaupt im Waldheim Lex. 1726 [188], als Gronert = Kraut im Hildburgh. W.-B. 1783 ff. [228] vorkommt) s. Weber-Günther, S. 187 (unter „Kronert“). Zur Etymologie (von „grün“ in versch. mundartl. Aussprache) s. ebds. vbd. mit Pott II, S. 9, Günther, Rotwelsch, S. 62 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 (unter „Grunert“).

[869] S. angenehm.

[870] S. aberwitzig.

[871] Lolo od. Loli = Gendarm findet sich zwar nicht in dem bes. verwandten Quellenkr., dagegen kennt das Metzer Jenisch (216) die Bezeichg. in fast gleicher Form (Lole) und in derselben Bedeutung; im Rotw. ist sie m. Wiss. unbekannt. Etymologie: aus der Zigeunersprache, u. zwar vom Adj. lōlo = rot, nach Wittich wohl mit Bez. auf die roten Aufschläge an der frühern Uniform der „Landjäger“ (vgl. „Einleitung“, [S. 31]). Vgl. (über das Zigeunerwort, das sich aufs Altind. [lōha = „rötlich, eisern“] zurückführen läßt) noch Pott II, S. 338, Liebich, S. 144, 187 u. 233 (lōlo = rot, bunt), Miklosich, Denkschriften, Bd. 27, S. 6 (wie Liebich) u. Finck 71 (lōlo = rot); bei Jühling, S. 223 nur im Zus. angeführt.

[872] Zu Schuker s. die (schon oben unter „Bischof“ näher besprochenen) Gradsteigerungen grandicher Schuker = Wachtmeister (Obergendarm) u. grandich Schuker = Oberwachtmeister. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 338, 344 (Tschugger = Bettelvogt neben Schuker = Gardist); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 67, 72, 73, 75 (Schucker = Aufseher, Schuker od. linker Schucker = Landjäger, Oberschucker = Oberaufseher, Stationskommandant); Schwäb. Händlerspr. 481, 483 (Schu[c]ker [in Pfedelb. (211): auch Schoker] = Gendarm, Landjäger). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 40, 41 (unter „Schoter“, lit. i). Zu der (noch nicht sicher festgestellten) Etymologie s. ebds. S. 39, 40 u. Anm. 2 vbd. mit Bd. 56, S. 185 (in d. „Nachträgen u. Berichtigungen“), wo die Ableitung vom deutsch. mundartl. Zeitw. schucken = „werfen, stoßen, schubsen“ als die wahrscheinlichste angenommen ist.

[873] Diese (einen beliebten Eigennamen zum Gattungsbegriff erhebende) Verbindung dürfte wohl aufzufassen sein als eine Weiterbildung des synon. Ausdrucks August mit der Latte, der z. B. (neben windiger August) auch in der schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 72 (für den „Landjäger“) bekannt ist (ebenso wie auch sonst in der Kundenspr.; s. Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 140 [u. oben unter „Degen“]; vgl. auch ebds. S. 139 über d. Syn. blanker August).

[874] Bei dieser (zu Karle, südd. Dim. zum Eigennamen Karl, gehörigen, also sprachlich der vorigen Umschreibung gleich zu beurteilenden) Bezeichnung (vgl. auch schon oben unter „Degen“) liegt vermutlich eine Kombination vor von dem gauner- u. kundenspr. Lattenseppel (bes. [wie August mit der Latte] = Gendarm), doch auch wohl allgemeiner Polizeibeamter (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 154]) mit Klempners Karl, das (bei Gaunern u. Kunden) gleichfalls für den Gendarmen (Polizisten od. Schutzmann) vorkommt (s. Näh. darüber in Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 149/50).

[875] S. angenehm.

[876] S. essen.

[877] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[878] S. anreden.

[879] S. ansagen.

[880] S. Ärger.

[881] S. arg.

[882] S. (betr. Schure) abbiegen.

[883] S. Frucht.

[884] S. Aas; vgl. „Vorbemkg.“, [S. 15], [Anm. 38].

[885] S. einsalzen.

[886] S. absingen.

[887] S. abschaffen.

[888] S. besonnen.

[889] S. anmutig.

[890] S. Aschenbecher.

[891] S. (zu beiden Ausdr.) Fehde.

[892] S. Bruder.

[893] S. Affengesicht.

[894] S. Angesicht.

[895] S. abschaffen.

[896] S. Geist.

[897] S. anreden.

[898] S. ansagen.

[899] S. Aas.

[900] Hertling hat im W.-B. zwei verschiedene Bedeutungen, nämlich: a) Stein (Gestein) u. noch spezieller Kieselstein; b) Messer. Zusammensetzgn. sind jedoch nur mit dem Worte im ersterem Sinne gebildet worden, u. zwar: a) am Anfang: Hertlingsguffer = Steinhauer, Steinmetz; b) am Ende: Rollehertling = Mühlstein, Stradehertling (d. h. eigtl. „Wegstein“) = Kilometerstein, Meilenzeiger (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). Unter den verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u. Kundenspr. die Vokabel nur in der Bedeutung „Messer“, während die schwäb. Händlerspr. Härtling = Messer, dagegen Hertling = Stein hat. Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 96 (Hertling = Messer); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Hettling [sic] = Messer, Hettlingflammerer = Messerschmied); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Hertling = Messer); Schwäb. Händlerspr. 484, 487 (Härtling = Messer, Hertling = Stein, Hertlingsguffer [in Pfedelb. (213) auch Hertlingskneppler] = Steinhauer). Über weitere Belege im Rotw. (wo die Bedeutg. durchweg „Messer“ u. dgl. [Axt, Schwert, Säbel] ist) sowie die Etymologie (zu „hart“) s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 45, 46 u. Anm. 1 vbd. m. Bd. 47, S. 139/40; vgl. auch Pott, S. 33, Günther, Rotwelsch, S. 59 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1194.

[901] S. Apfelkern.

[902] S. absterben.

[903] S. abbetteln.

[904] S. angenehm.

[905] S. Amme.

[906] S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.

[907] S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.

[908] Substantivierung des Adj. grandich (s. Adler); vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38].

[909] S. arg.

[910] S. ankleiden.

[911] S. Bauer u. Frauenrock.

[912] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[913] S. angenehm.

[914] S. anmutig.

[915] S. abbrühen.

[916] S. Büchse.

[917] S. abschießen.

[918] S. abschaffen.

[919] Zu Flebbe (das auch noch „Paß“ bedeutet) gehört als Ableitung das Zeitw. flebben od. fleppen für „(die Papiere) kontrollieren“ od. „(den Paß) visieren“, das jedoch im Vokabular nur im Partiz. geflebbt od. gefleppt (= „kontrolliert, visiert“) angeführt ist. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (Fleppe = Paß); Schöll 271 (Flebbe = Brief); Pfulld. J.-W.-B. 337, 338, 343, 344 (Flepp [Fleppe, -en] = Attestat, Brief, Buch, Paß, Schrift, Fleppapflanzer = Bücherschreiber, Fleppemalocher = Paßmacher); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73, 76 (Fleppe = Papiere zum Wandern, fleppen = die Papiere visitieren); Schwäb. Händlerspr. 484 (Flepp [in Pfedelb. (212): Flebbe] = Papiere zum Ausweis, Paß [in Pfedelb. (213, 214) auch = Wanderbuch, Zeugnis], auffällig [in Pfedelb. (210)] flebben = gehen); s. auch Pleißlen der Killertaler 435 (Flepp = Papiere zum Ausweis) u. Pfälz. Händlerspr. 437 (Flebbe od. Flêber = Legitimation). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. sowie die (nicht sichere) Etymologie s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 252/53 u. Anm. 4 u. Bd. 42, S. 41, Anm. 1 vbd. m. Weber-Günther, S. 186 (unter „Flebbert“) u. Schütze, S. 68. — Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1567 (unter „Flepp[e]“) gibt keine etymol. Erklärung.

[920] S. Adler.

[921] S. (zu beiden Ausdr.) Fehde.

[922] S. Appetit.

[923] S. Abendessen.

[924] S. abbiegen.

[925] S. Bierglas.

[926] S. anbeten.

[927] Die Bemerkung Wittichs, die hierzu im Text hinzugefügt gewesen, daß man nämlich die Vokabel nicht verwechseln dürfe mit Bäzam od. Bäzem = Ei, obwohl dieses „in der Aussprache kaum davon zu unterscheiden“ sei, erledigt sich dadurch, daß es sich in der Tat doch (auch der Etymologie nach) um dasselbe Wort handelt. Vgl. das Näh. schon unter „Ei“.

[928] Der Ausdruck (der sonst m. Wiss. in den Geheimsprachen nicht vorkommt) dürfte aufzufassen sein als die Kurzform des Eigennamens Dietrich, dessen Gebrauch für den penis in deutsch. Mundarten nachweisbar (u. schon 1710 in d. Literatur bezeugt) ist. Vgl. Müller in d. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 2 (wo noch das obersächs. Schwippkedietrich als Synon. angeführt ist).

[929] Zu Garo (-ri) vgl. in der schwäb. Händlerspr. (484) Anglersgâre = „membrum virile“. Ohne Zusatz ist Gari (-ro) in gleichem Sinne in einzelnen rotw. Quellen des 19. Jahrh. angeführt (s. z. B. Pfister 1812 [298], v. Grolman 23 u. T.-G. 98; Karmayer 58) und auch sonst mundartlich gebräuchlich (so z. B. im Elsaß; vgl. Martin-Lienhardt, Els. W.-B. II, Sp. 940). Zur Etymologie — aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) — s. die Lit-.Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 56, S. 58, Anm. 3 u. dazu noch Finck, S. 63 (kār, kāro = „Schwanz, Schweif, männliches Glied, Ziemer“ [in den übrigen zig. W.-Büchnern usw. meist: gāro, bei Jühling, S. 221: Gār]).

[930] Zu G(e)schmu(i) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Schmoi = „membr. fem.“); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. [215]: G’schmu = „membrum muliebre“, während in U. [214] die Zus. G’schmufink für den penis gebraucht wird, in Degg. [215] dagegen Schmufink die Zigarre bedeutet [Metapher?]). S. auch Metzer Jenisch 216 (Schmu = „membrum muliebre“) sowie aus dem älteren Rotw.: Körner’s Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 (240: Schmoje = Weibesscham; Pfister 1812 (305: Schmue = weibliche Scham); Brills Nachrichten 1814 (324: ebenso); v. Grolman 62 u. T.-G. 98 (Schmu); Karmayer 145 (ebenso). Die Etymologie ist unsicher. Auch Müller in d. „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 9 u. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 485 geben keine Erklärung. Nach A.-L. 601 soll es sich — bei der Form Schmu(e) — um eine „Transposition“ von Musch handeln (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 346); in G(e)schmu(i) wäre dann das Wort wohl mit der (bes. bayr.-österr.) Vorsilbe Ge- versehen; vgl. das Geschmudel = „feminal“ (Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 545 unter „schmudeln“).

[931] Substantivierung des Adj. dof (s. angenehm); vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] vbd. mit [S. 7], [Anm. 16].

[932] S. auskochen u. Apfelwein.

[933] S. abbrennen.

[934] Zu Fuchs (Dimin. Füchsle [od. Goldfüchsle] = Goldstück, Zus.: Fuchsschwimmerling = Goldfisch) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 u. Pfulld. J.-W.-B. 340 (Fuchs = Gold). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch u. d. Kundenspr. sowie zur Etymologie (metaphor. Tierbezeichng.) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 317 ff. u. Anm. 3 vbd. m. Bd. 55, S. 157, Anm. 1; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1808, Nr. 7.

[935] S. Fisch.

[936] S. absterben u. abbiegen.

[937] S. Dom.

[938] S. arg.

[939] absterben u. Apfelkern.

[940] S. Frucht.

[941] Wohl Substantivierung des Adj. bauserich = ängstlich (s. Angst); vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38].

[942] S. Bauer.

[943] S. Adler.

[944] S. abschaffen.

[945] S. Augapfel.

[946] S. Amtmann.

[947] S. Aas.

[948] S. borgen.

[949] S. Bauer.

[950] S. Angesicht.

[951] S. Bauer.

[952] S. Affengesicht.

[953] S. Amtmann u. Abort.

[954] S. Amme.

[955] S. Eltern.

[956] S. Frucht.

[957] S. anschauen.

[958] S. gaffen.

[959] Blättling (= Salat) findet sich auch noch in folgenden Zus. (nur vorne): Schureblättling = Gurkensalat, Spronkertflösslingblättling = Heringsalat, Bolleblättling = Kartoffelsalat (Spr.), Groanertblättling = Krautsalat, Schmelemerblättling (d. h. eigtl. „Zigeunersalat“) = Löwenzahn (s. zur Erklärung Näh. unter diesem Worte), Hornikelgielblättling = Ochsenmaulsalat. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 343 (Blättling = Salat, aber [341, 342] auch = Karte u. Teller); Schwäb. Händlerspr. 485 (Blæ̂tling [in Pfedelb. (212): Blättling] = Salat); s. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Blättlinger = Salat, aber auch Kuchen). Der Etymologie nach gehört der Ausdr. ohne Zweifel zu „Blatt“, während Blättling = Kuchen (richtiger Plattling [s. z. B. Schlemmer 1840 (369)]), Teller (s. oben u. auch sonst im Rotw. des 19. Jahrh.) oder Tisch (s. z. B. v. Grolman 9 u. T.-G. 127) mit „Platte“ od. „platt“ zusammenhängt. Vgl. Pott II, S. 38 u. Günther, Rotwelsch S. 61.

[960] S. abbiegen.

[961] S. angenehm.

[962] S. brauchbarer Bursche.

[963] S. Bettelbube.

[964] S. Fremder.

[965] S. Beischläferin.

[966] S. böse Frau.

[967] S. Bauernfrau.

[968] S. Augenbrauen.

[969] S. (betr. Schure) abbiegen.

[970] S. Abendessen.

[971] S. abgeben und abbiegen. — Auch die zigeun. Vokabel für Hacke (dawmáskeri) soll nach Liebich, S. 206 eigtl. soviel wie ein „Hauding“ bedeuten.

[972] S. Frucht.

[973] Zu Spitzling = Hafer vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 481 (Spitzling [od. (seltener) Spitz] = Hafer; Nebenbdg. [488]: Weidenbaum), während das Pfulld. J.-W.-B. 340 dafür Spitzgib (od. bloß Gib [s. oben unter „Frucht“]) hat und das W.-B. des Konst. Hans 255 u. Schöll 271 Spitznase für „Gerste“ kennen. Im sonstigen Rotwelsch kommt Spitzling zwar schon seit d. 16. Jahrh. (s. Lib. Vagat [55]) für den Hafer vor, hat jedoch auch noch mehrere Nebenbedeutungen, wie (Näh-)Nadel, Nagel, Ahle (Pfriem) u. Messer; s. Günther, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit Schütze, S. 93 (nach dem noch heute Spitzling = Hafer „besonders in Süddeutschland von fahrenden Künstlern u. dgl., die für ihr Wagenpferd fechten“, gebraucht werden soll).

[974] S. Fleischhafen u. anbrennen.

[975] S. Arrest.

[976] S. Abort.

[977] Diese Bezeichnung ist den Zigeunern (die sonst ja ähnliche Umschreibungen wohl kennen [s. z. B. bāri pāpin (jen.: grandich Babing), d. h. „(sehr) große Gans“ = Schwan]) nicht bekannt; vgl. auch, „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 49]. — Mit Gachne = Henne, Huhn (Dimin. Gachnele = „Küchlein“) ist auch eine Reihe von Zusammensetzgn. gebildet worden, nämlich: a) am Anfang: Gachnekitt = Hühnerhaus, Gachnetritt = Hühnerfuß, Gachnekeiluf = Hühnerhund, Gachnestenkert = Hühnerstall; b) am Ende: Bäzemegachne (d. h. eigtl „Eierhuhn“) = Legehuhn, Krachergachne (d. h. eigtl. „Waldhuhn“) = Rebhuhn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Flu(h)tegachne = Wasserhuhn. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Kachine = Huhn); Sulzer, Zigeunerliste 1787 (251: Gachene = Hennen); W.-B. des Konst. Hans 254 (Gachene [sing.] = Henne); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Gachem = Henne); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kachum = Henne [in Pfedelb. (210): dafür Gagak]). Zur Etymologie des Wortes — aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) — s. Näh. bei Pott II, S. 16, Günther, Rotwelsch, S. 31 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 142 (unter „Kachine“) vbd. mit Pott II, S. 91 (unter „Kachni“), Liebich, S. 141, 208 u. 211 (kachní[n] = Huhn, Henne), Miklosich Beitr. I/II, S. 29, III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 228 (unter „kahni“: bei d. deutsch. Zigeun.: kachni[n]), Jühling, S. 223 (Kachni = Huhn, plur.: -ia) u. Finck, S. 62 (káxni, káxnin od. káxli = „Huhn, Henne“). Bei der Form Gagak — bei den schwäb. Händlern in Pfedelbach (s. oben) — liegt wohl eine — ev. zugleich mit Anlehnung an das zigeun. Stammwort vorgenommene — lautnachahmende Bildung (mit Bez. auf das „Gackern“ der Hennen) vor, wie sie bes. die Kindersprache liebt. S. auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 16.

[978] S. Ferse.

[979] S. ermorden.

[980] S. Amme; vgl. berauscht.

[981] S. Angesicht.

[982] Mit Schlang = Kette, Leine (Spr.) sind noch folgende Zus. gebildet (nur am Ende): Loslingschlang (eigtl. „Ohrkette“) = Ohrring, Blibelschlang (eigtl. „Betkette“) = Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), Lubertschlang = Uhrkette. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 90, 95 (Schlangen = Borten, Ketten); Pfulld. J.-W.-B. 337 (Schlang = Kette; vgl. [341] das Zeitw. schlangen = anschließen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Schlange = Kette); Schwäb. Händlerspr. 483 (Schlang = Kette [in Degg. (215) dagegen: Schlang(e) = Wurst]). Über weitere Belege des Wortes (einer alten Metapher aus dem Tierreiche) im Rotwelsch s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 72 u. Anm. 1 (unter „Schlangemer“).

[983] S. aufhören.

[984] Mit Jerusalemsfreund = Schaf (Hammel) sind gebildet die Verbdgn. grandich Jerusalemsfreund = Schafbock u. folgende Zus.: Jerusalemsfreundbenk od. -schure = Hirt, Schäfer, Jerusalemsfreundmodel = Schäferin, Jerusalemsfreundkib = Schäferhund, Jerusalemsfreundschenegler = Schäferknecht, Jerusalemsfreundstenkert = Schafstall, Jerusalemsfreundstrauberts (d. h. eigtl. „Schafhaare“) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). — Diese auffällige Bezeichnung (die nach e. Mitteilg. Wittichs bes. bei den Bürstenhändlern u. Schirmflickern des schwäb. Dorfes Lützenhardt gebräuchlich sein soll) findet sich weder in dem verw. Quellenkreise noch m. Wiss. sonst im Rotw. u. ihm verw. Geheimsprachen. Zur Erklärung dürfte vielleicht herangezogen werden die Verwendung des Ausdr. Jerusalem für eine bestimmte Kleesorte (Jerusalemsklee, Trifolium hierosolimitanum; vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 94) wie überhaupt auch sonst noch in Pflanzennamen (vgl. dazu schon Frisch, Teutsch-Latein. W.-B., Berl. 1741, Bd. I, S. 186; Grimm, D. W.-B. IV, 2, Sp. 2312; Schweiz. Idiot. III, Sp. 67). Da nun schon im ältern Rotw. für das Schaf die Benennung Kleebeißer gebräuchlich gewesen (s. z. B. A. Hempel 1687 [169] u. dann öfter; vgl. Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 276), so wäre der Übergang hiervon zu dem „Freund“ guten Klees, dem „Jerusalemsfreund“, wohl leicht gegeben.

[985] Fehma = Hand (Hände) ist demnach doch im Jenisch noch nicht völlig veraltet (vgl. „Einleitung“, [S. 25], [Anm. 61]), jedoch erscheint es außer in der Verbindg. Fehma ste(c)ken = die Hände geben wenig gebräuchlich, namentl. nicht in Zusammensetzgn., während mit dem Synon. Grif(f)ling (-leng) eine Reihe solcher gebildet ist (vgl. Näh. schon unter „Daumen“). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Feme = Hand, plur. Fenem [wohl verschrieben], u. Fehma [sic] stecken = die Hand geben [wogegen Griffling hier „Handschuhe“ bedeutet); W.-B. des Konst. Hans 256 (Fehma = Hand); Schöll 272 (Feme = Hand); Pfulld. J.-W.-B. 337, 340 (Fehma = Arm, Hand, Fehma stecken = die Hand geben); in der schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. nicht mehr bekannt, dagegen noch im Metzer Jenisch 216 (Fēm = Hand). Über weitere Belege im Rotwelsch sowie die Etymologie des Wortes (wohl vom nord. Zahlwort fem = 5, mit Bez. auf die fünf Finger der Hand) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 65, 66 u. Anm. 1. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1051 (unter „Feme“) hat keine Erklärung hinzugefügt.

[986] S. Daumen.

[987] S. abschaffen.

[988] S. (betr. ste[c]ken) beschenken.

[989] S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.

[990] Das Zeitw. verkitschen = handeln, verkaufen (s. dazu die Ableitg. Verkitscher = Verkäufer) findet sich (in dem verw. Quellenkr.) auch in der schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr. (s. Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71, 77 [kitschen = kaufen, verkitschen = verkaufen]; Schwäb. Händlerspr. 487 [verkitschen od. vergitschen = verkaufen]), auch ist es — in etwas abweichender Form (nämlich verkitzen [od. verklitschen]) u. im etwas engeren Sinne (nämlich „erbetteltes Zeug verkaufen“) der älteren Kundenspr. überhaupt bekannt gewesen (s. Ku. III [429]). Zur Etymologie: Nach Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1194 (unter „verkitschen“) u. IV, Sp. 426 (unter „kitschen“) bedeutet in der schwäb. Mundart (ver)kitschen „im Kleinen (ver)handeln“, dann spezieller auch „auf listige Art (ver)kaufen“ (vgl. bei Grimm, D. W.-B. XII, Sp. 641: verkitschen = „auf unehrliche Weise verkaufen“) und könnte vielleicht gedeutet werden als eine Ableitung von Kitsch, das u. a. für „kurzes Holz, Abfall von Reisig, schlechte Holzware“ vorkommt. In der letzteren Bedeutg. („schlechte Holzware“) stimmt Kitsch merkwürdig zu dem (neuerdings — bes. für schlechte Gemälde — sehr beliebt gewordenen) Künstlerausdruck Kitsch = „wertloser Schund“ (s. Fischer, a. a. O.), der jedoch nach der Z. d. Allgem. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 24 (1909), Sp. 126 erst aus dem oben erwähnten Zeitw. (ver)kitschen entstanden sein soll (wofür auf die Wiedergabe seiner Bedeutg. bei Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1313 [durch „etwas für Geld anbringen, los werden, z. B. ein Gemälde verkitschen“] verwiesen worden).

[991] S. abkaufen.

[992] S. (betr. Benk) brauchbarer Bursche.

[993] S. Bettelbube.

[994] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[995] S. (betr. Model) Beischläferin.

[996] S. (betr. Kaffer) Bauer.

[997] S. Fehde.

[998] S. Daumen u. Ferse. — Synon. wohl auch Grif(f)lingstritt, wie aus der Zus. Grif(f)lingstrittpflanzer = Handschuhmacher zu schließen.

[999] Vgl. die vor. Anm. a. E.; betr. -pflanzer s. anbrennen.

[1000] Zu Konde od. Kunde (= Handwerksbursche) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Talfkunde = Handwerksbursche [zugleich wohl erster Beleg für das Wort im Rotw. überhaupt]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Kunde = Handwerksbursch); Schwäb. Händlerspr. 479 (Kundi [in Pfedelb. (209): Kunde] = Bettler). Über weitere Belege im Rotwelsch (nach 1820) u. in der Kundenspr. (Bedtg. meist: wandernder Handwerksbursche, Vagabund u. dgl.) sowie d. Etymologie des Wortes (zu „kennen“, also eigtl. soviel wie „der Bekannte“, als Anrede der Kunden unter sich) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 8, 9.

[1001] S. aufhängen.

[1002] S. aufspielen u. abbiegen.

[1003] S. austreten (leicht) u. (betr. Flu[h]te) abbrühen.

[1004] S. arg.

[1005] Zu Langohr = Hase, auch Kaninchen (Zus.: Langohrbikus = Hasenessen) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 93 (Grünspreit-Langohr = Hase [zu Grünspreit = Feld], während Langohr [ohne Zusatz] hier = Esel ist); Schwäb. Händlerspr. 481 = Hase [in Pfedelb. (210) auch = Esel); s. auch Regensb. Rotwelsch 490 (Langöhrl = Hase). Im sonst. Rotw. tritt Langohr zunächst für den Esel auf (s. z. B. Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [229], während d. Hase hier Langfuß heißt, in Körners Zus. zur Rotw. Gramm. v. 1755 [240] aber zwischen gross Langohr = Esel u. klein Langohr [od. Langfuß] = Hase unterschieden ist), seit d. 19. Jahrh. dagegen überwiegt die Bedeutg. „Hase“ (s. schon Pfister 1812 [301] u. a. m.). Es handelt sich hierbei um eine der vielen, bes. gerade zur Kennzeichnung der Tiere im Rotwelsch beliebten partes pro toto; vgl. Pott II, S. 23; Günther, Rotwelsch, S. 58; Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 985.

[1006] S. (betr. Bikus) Abendessen.

[1007] Betr. Jahre od. Kracher = Wald s. Ananas. — Mit Krächerle = Nuß (Nüsse) sind auch noch gebildet die Zusammensetzgn.: Krächerlestöber (i. d. Spr.: Krächerstöber [wohl versehentlich]) = Nußbaum u. Krächerlekies = Nußkern. In dem verw. Quellenkr. lauten die Formen (im wes. Übereinstimmg. mit dem Rotw. überhaupt [s. z. B. schm. Lib. Vagat (54) u. dann öfter]): Krächling od. Kracherling. Vgl. Dolm. der Gaunerspr. 93, 97 (Kracherling = Nuß, Heckenkracherling = Haselnuß); Pfulld. J.-W.-B. 338, 342 (Krächling = Baumnuß, Nuß; Nebenbedtg. [346]: Zahn); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 73 (Krächling = Nuß); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [212]: Krächling, in U. [214]: Kracherling). Zur Etymologie (vom deutsch. Zeitw. „krachen“) s. Pott II, S. 38; A.-L. 562 (unter „Kracher“); Günther, Rotwelsch, S. 61; Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 663 (unter „Krachling“).

[1008] S. Fingerhut.

[1009] S. abgeben.

[1010] S. beschenken.

[1011] S. Ast.

[1012] S. Eber.

[1013] S. Adler.

[1014] S. Angesicht.

[1015] S. (betr. Strauberts) Augenbrauen.

[1016] S. dazu auch die Bemerkgn. in d. Anm. zu „Bischof“. — Lanenger = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur. Lanengere = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für „Husar“ und „Infanterist“ angeführt worden (vgl. Wittichs Bemerkg. oben im Text). — Die Verbindg. grandich Lanenger (mit der Bedeutg. „[sehr] viele Soldaten“) wird für „Heer“ gebraucht (vgl. schon oben unter „Bischof“ sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter unten unter „Heer“). Als Zusammensetzgn. mit dem Wort erscheinen: Lanengeroberman(n) (d. h. eigtl. „Soldatenhut“) = Helm, Lanengerlechem, -lehm oder -maro (d. h. „Soldatenbrot“) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), Lanengerbegerkitt (d. h. „Soldatenkrankenhaus“) = Lazarett, Lanengerkluft (d. h. „Soldatenkleidung“) = Montur, Lanengermoss = Soldatenfrau, Lanengerbeiz od. -kober = Soldatenwirtschaft. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Laninger = Soldat); Schöll 271 (Launinger); Pfulld. J.-W.-B. 338, 339, 344 (Laninger = Soldat, aber auch Bettelvogt, Schmirlaninger = Wache, Haurigerlaninger = Schildwache); Schwäb. Händlerspr. 483, 486 (Laninger od. Lanenger = Soldat, erstere Form [neben Lâner] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch sowie die (nicht sichere) Etymologie des Wortes s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter „Lenninger“); vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit „Land“, wie in „Landsknecht [Lanzer, Landel]“ hinweist).

[1017] S. Abort.

[1018] S. (betr. Mos) Bauernfrau; vgl. auch die Anm. zu „Hauswirt“.

[1019] S. Bauer.

[1020] Mit Keiluf = Hund, auch spezieller Pudel, sind noch folgende Zusammensetzgn. gebildet: a) im Anfang: Keilufkitt = Hundehütte, Keilufstenkert = Hundestall; b) am Ende: Gachnekeiluf = Hühnerhund, Bu(t)zekeiluf = Polizeihund. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Keluf); W.-B. des Konst. Hans 254 (Kohluf); Schöll 271 (ebenso): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Gilof); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kailuf); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (Kêluf). Über noch weitere rotw. Belege sowie die Etymologie des Wortes (vom gleichbed. hebr. keleb) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 156 (unter „Keilef“); vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 309 (unter „Kailuf“).

[1021] Mit Kip oder (häufiger) Kib (plur. Kibe, Dimin. Kible [Spr.]), Synon. zu Keiluf (daher auch = Pudel), sind noch mehr Zusammensetzgn. gebildet als mit letzteren, nämlich: a) im Anfang: Kibe(n)bossert = Hundefleisch, Kibekitt (= Keilufkitt), Kibekafler = Hundemetzger, Kibestenkert (= Keilufstenkert), Kibeschwächerle = Hundezitzen; b) am Ende: Stierer- od. Stenzelkib (= Gachnekeiluf), Stupfelkib = Igelhund (Spr.), Bu(t)zekib (= Bu(t)zekeiluf), Jerusalemsfreundkib = Schäferhund, Flu(h)tekib = Seehund, Schmelemerkib = Zigeunerhund. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): W.-B. des Konst. Hans 254 (Kipp = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Kib); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kipp); s. auch Metzer Jenisch 216 (ebenso). Die Etymologie des (auch in sonst. rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes bleibt dunkel; auch Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen Aufschluß darüber.

[1022] Betr. bosten u. pfichen s. abgehen. — Zu schenzieren = hausieren finde ich keinen Beleg in anderen Quellen. Dagegen kennt das Metzer Jenisch 216 schranze in gleicher Bedeutung, während schon Schöll 269 ein Subst. Schrenzierer als Synon. für die sonst als Scheinspringer bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form Schranzierer (zu dem Zeitw. schranzieren od. schrenzieren = „sich [unter irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu stehlen [oder zu baldowern]“) erwähnt u. vom ahd. schranz = List hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das rotw. Schrende (Schrantz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das zugleich auch für schranze = hausieren passen würde. Danach aber dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jenisch statt schenzieren richtiger schrenzieren zu lesen sein.

[1023] S. (betr. Schenegler) abschaffen.

[1024] S. Amme.

[1025] S. Dietrich.

[1026] S. Eltern.

[1027] Betr. Kaffer s. Bauer. — Mit Fehte = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer Fehtekaffer, das auch durch „Herberggeber“, „Herbergsvater“ und „Quartierherr“ wiedergegeben) noch zusammengesetzt: Fehteulme = Herbergsleute (Spr.), Fehtefi(e)sel od. -freier = Quartierbursche, Fehtemos(s) od. -sinse = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch „Hausfrau“ wiedergegeben), Fehtesins = Quartiersherr (also Syn. zu Fehtekaffer) u. Fehtemodel = Quartiermädchen. Ableitung: fehten = übernachten, auch das „Übernachten erlauben“ (v. S. des Wirts) nach Spr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schöll 272 (Fede = Herberge; Pfulld. J.-W.-B. 343 (Fede = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. feden = beherbergen); Schwäb. Händlerspr. 479 (Fêde = Bett [in Pfedelb. (212) auch = Quartier; vgl. ebd.: in d’ Fede hotschen = schlafen]); auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. Basl. Glossar v. 1733 [201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) Etymologie s. Fischer, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung „Quartier“ aus dem ital. fede im Sinne von „Verschreibung“ (warum?), die Bedeutung „Bett“ aber aus unserem deutsch. „Feder“ erklärt werden könnte.

[1028] S. gebären und Bauernfrau.

[1029] Kaim = Jude (Hebräer), fem.: Kaime, plur.: Kaimen, erscheint noch in der Zus. Kaimkolb (d. h. „Judengeistlicher“) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Kaim = Jude); Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (Keim [Gheim, Goim] = Juden); Schwäb. Händlerspr. 482 (Kaim [in Pfedelb. (210): Keim] od. Kaimchen = Jude). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus dem Hebr. [chajjim]) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.

[1030] S. Hauptmann u. vgl. Bischof. — Dieselbe Umschreibung kennt nach Liebich, S. 207 auch die Zigeunerspr. (but lūrde, d. h. „viel Soldaten“ = Heer).

[1031] S. arg.

[1032] S. Ananas.

[1033] S. (betr. Brandling) Apfelkuchen.

[1034] S. angenehm u. daher (a. E.).

[1035] S. anbeten.

[1036] S. (betr. Schuberle) Geist.

[1037] S. angenehm.

[1038] S. Ehe.

[1039] S. Adler u. Appetit.

[1040] S. abbrennen.

[1041] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1042] S. alltäglich; über schei als Adj. gebr. vgl. auch „Vorbemerkg.“ [S. 15], [Anm. 38] a. E.

[1043] S. Hauptmann u. Fingerhut.

[1044] Diese Vokabel findet sich in ganz gleicher Form und Bedeutung in der Schwäb. Händlerspr. in Degg. (215), während für Lütz. (214) die Schreibung Hanfert angeführt ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung -ert versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog. Apokope) von dem älteren — als eine Art pars pro toto (nach dem Hauptbestandteil) erscheinenden — Synon. Hanfstaud(e) (s. schon Lib. Vagat. [54] u. a. m., so z. B. auch Dolm. der Gaunerspr. 93 sowie noch Schwäb. Händlerspr. 482). Vgl. Pott II, S. 23 und Günther, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1145 (unter „Hanfert“) u. 1146 (unter „Hanfstaude“); s. auch die folgende Anm.

[1045] Für Staud = Hemd sind aus dem verw. Quellenkr. anzuführen: Pfullend. J.-W.-B. 340 und Schwäb. Händlersprache 482 (neben Hanfstaude [s. oben [Anm. 1044]], in Pfedelb. [210]: Staude neben den längeren Synon. Hanf-, Flächse-, Wergstaude; vgl. ebds. [211]: Staudenpflanzerin = = Näherin); s. auch noch Winterfelder Hausierersprache 442 (Staudche) Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im sonstigen neueren Rotwelsch (des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege bei Schütze, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei Hamfert) um eine Abkürzung von Hanfstaude, jedoch in der Form des sog. Aphärese (Weglassung der Anfangssilbe). S. A.-L. 610; vgl. auch Horn, Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.

[1046] S. Füllen.

[1047] S. (betr. Kaffer) Bauer; vgl. Stute (= Trabertmoss, d. h. eigtl. „Pferdeweib“, „weibliches Pferd“). — Auch bei den Zigeunern heißt nach Liebich, S. 208, 244 der Hengst morschkerdino grai, d. h. „männliches Pferd“, die Stute (grasni oder) graieskĕri tschuwli, d. h. etwa „Pferdeweib“.

[1048] S. aufhängen.

[1049] Über diese (im W.-B. unter „Huhn“ nicht angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in etymolog. Beziehung nichts Sicheres in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch Wittich auf eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von „böhmischen jenischen Leuten“ gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. brav (worin v wie w ausgesprochen wird) = „Schmal- od. Kleinvieh“ in Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form und Bedeutung noch einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. Dr. A. Landau).

[1050] Mit Stenzel = Henne (Huhn) sind gebildet die Zusammensetzgn.: Stenzeltritt = Hühnerfuß, Stenzelkitt = Hühnerhaus u. Stenzelkib = Hühnerhund. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Stenzel = Huhn); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Stanzla = Henne); Schwäb. Händlerspr. 482 (Stenzel, Stenzling [in Lütz. (214): Stelzling] od. Stanzel = Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die Etymologie bleibt zweifelhaft. Auch Hoffmann-Krayer u. Landau im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren Erläuterungen zu den Vokabeln des Basler Glossars v. 1733 (das [201] schon Stenzel = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß über die Herkunft des Wortes.

[1051] Stierer, Syn. zu Stenzel, kommt nicht nur in denselben Zus. wie dieses vor (also: Stierertritt, -kitt u. -kib), sondern auch noch in einigen anderen, so: a) am Anfang: Stiererstenkert = Hühnerstall; b) am Ende: Bäzemestierer = Legehuhn und Flu(h)testierer = Wasserhuhn. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 340 (Stire = Henne; Stirestinker = Hühnerstall); Schwäb. Händerspr. 482 (Stîrer = Henne); s. auch Regensb. Rotw. 489 (Stieri = Hahn [aber auch = Ochse]). Über weitere Belege im Rotw. (schon seit d. 17. Jahrh.) u. in der Kundenspr. sowie die Etymologie des Wortes (wohl vom deutsch. mundartl. Zeitw. stieren [stüren, stören] = „durchsuchen, scharren“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 38, S. 231, Anm. 1.

[1052] S. anschauen.

[1053] S. abgehen.

[1054] S. abschießen.

[1055] S. bewerfen.

[1056] S. abfahren.

[1057] S. abgeben.

[1058] S. abschreiben.

[1059] S. anfassen.

[1060] S. ausstehlen.

[1061] S. Diebstahl.

[1062] S. abtragen.

[1063] S. Hauswirt.

[1064] Diese Zusammensetzung bedeutet wörtlich „Schlafhaus“, zu Schlummer = Schlaf (das in Wittichs Vokab. nicht angeführt ist) bezw. dem Zeitw. schlummern (das zwar im W.-B. in der Form schlummere enthalten ist, jedoch nicht unter „schlafen“, sondern nur unter dem weiteren Begriffe „liegen“) u. Kitt = Haus (s. Abort). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Schlummer = Schlaf, schlummern = schlafen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (schlummern = übernachten; Schwäb. Händlerspr. 485 (schlummern = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. s. Näh. bei Weber-Günther, S. 179/180 (wo jedoch die Bemerkung, daß in den Quellen das Hauptw. Schlummer früher als das Zeitw. schlummern auftrete, zu berichtigen ist, da — ganz abgesehen von dem alten gleichbed. slöm im Ndd. Lib. Vagat. [78] — auch die Form schlummern schon im W.-B. von St. Georgen 1750 [218] als rotw. Vokabel vorkommt, während Schlummer sich m. Wiss. zuerst im Hildburgh. W.-B. v. 1753 ff. [231] findet). Ebds. auch Näh. über die Etymologie des Wortes, das aus den deutsch. Mundarten, insbes. dem niederdeutsch. Sprachgebiet, übernommen sein dürfte; vgl. auch Pott II, S. 17 u. Kluge, Unser Deutsch, S. 81 vbd. mit Et. W.-B., S. 403 (unter „schlummern“) u. Weigand, W.-B. II, Sp. 738 (unter „Schlummer“). Über den Ausdr. Schlummerpech = Schlafgeld (bes. in d. Kundenspr.) s. Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 279, Anm. 1.

[1065] S. Hauswirt und Bauer.

[1066] S. (betr. Ulme) arme Leute.

[1067] S. Backofen.

[1068] S. einsalzen und Fisch.

[1069] S. (betr. Begert-) absterben. — Während die Umschreibung „salziger (od. gesalzener) Fisch“ (lon̄do mādscho [od. lon̄di mādschin]) für den Hering auch den Zigeunern bekannt ist (s. Liebich, S. 144 u. 209 und Finck, S. 73 [lon̄do mātšo]; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 45]), bedeutet dagegen bei ihnen „toter Fisch“ (mūlo mādscho [matšo]) die Forelle (für die aber auch lolo mādscho, d. h. „roter [bunter] Fisch“, vorkommt); s. Liebich, S. 147 u. 198 sowie Finck, S. 73. Zur Erklärung des ersteren Ausdrucks bemerkt Liebich, S. 32, 33 (gegen Zweifel bei Pott II, S. 437): „(Der) Ängstlichkeit (mit dem der Zigeuner den Namen Verstorbener auszusprechen vermeidet) verdankt der unter dem Namen Forelle bekannte Fisch seine jetzt übliche zigeunerische Bezeichnung als mulo madscho, mulĕno madscho, d. h. der tote Fisch. Als nämlich eine Zigeunerin mit Namen Forella gestorben war, wollte man auch die gleichlautende Bezeichnung des Fisches aufgeben, um nicht bei dem Anblick des Fisches an die Verstorbene direkt erinnert zu werden, deshalb hieß von da an der Fisch Forelle der tote Fisch, und dieser Ausdruck ist (neben lolo madscho [s. oben]) jedem Zigeuner geläufig, jedem verständlich.“ Wie nun aber die gleiche Umschreibung in der jenischen Sprache für den Hering zu deuten ist, vermag ich nicht zu sagen.

[1070] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[1071] S. (betr. Blättling) Gulasch.

[1072] S. Fremder.

[1073] S. Amtmann.

[1074] S. (betr. Kitt) Abort.

[1075] S. (betr. Schrende) Frauenstube.

[1076] S. (betr. Mos(s)) Bauernfrau.

[1077] S. Adler u. Amtmann, vgl. Bischof. Dieselbe Art der Umschreibung für Herrscher (näml. baro rai) kennen auch die Zigeuner nach Liebich, S. 209.

[1078] S. anschauen.

[1079] S. abfahren.

[1080] S. aufwachen.

[1081] S. ausschlafen.

[1082] S. aufspielen.

[1083] S. abtragen.

[1084] S. Aas.

[1085] S. arg.

[1086] S. Amme.

[1087] S. angenehm.

[1088] S. Frucht.

[1089] S. arg u. brauchbarer Bursche.

[1090] S. (betr. Fi[e]sel) Bettelbube.

[1091] S. (betr. Freier) Fremder.

[1092] S. (betr. Kaffer) Bauer.

[1093] S. ausweinen.

[1094] S. Frucht u. Füllen.

[1095] S. Frucht und Adler.

[1096] S. behext und Bauernfrau.

[1097] S. (betr. Kitt) Abort.

[1098] S. aufschlagen.

[1099] S. da.

[1100] S. unter „elend“.

[1101] S. Ananas.

[1102] S. abgehen.

[1103] S. abfallen.

[1104] S. After.

[1105] S. Abort.

[1106] S. Angesicht.

[1107] S. bewerfen.

[1108] S. Ananas u. abbiegen.

[1109] S. Degen.

[1110] S. Hammel und abbiegen.

[1111] S. Adler.

[1112] S. angenehm.

[1113] S. Ehe.

[1114] S. (betr. Bikus) Abendessen.

[1115] S. Ei.

[1116] S. (betr. Rande) Bauch.

[1117] S. (betr. Kitt) Abort.

[1118] S. (betr. pflanzen) anbrennen.

[1119] S. Substantivierung des Adjektives grandich; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38].

[1120] S. Geistlicher.

[1121] S. Bischof.

[1122] S. abtragen.

[1123] S. anfassen.

[1124] S. Baumholz.

[1125] S. (betr. Kaffer) Bauer.

[1126] S. (betr. Rande) Bauch.

[1127] S. aufhören.

[1128] S. (zu beiden Ausdr.) Beinkleid.

[1129] S. Adler, absterben u. Abort.

[1130] S. Füllen und Ferse.

[1131] S. Hahn.

[1132] S. (zu beiden Ausdr.) Henne.

[1133] S. (betr. Tritt) Entenfuß.

[1134] S. (betr. Kitt) Abort.

[1135] S. (betr. Keiluf u. Kib) Haushund.

[1136] S. (betr. Stenkert) Entenstall.

[1137] S. Bierglas.

[1138] S. Fleischhafen.

[1139] Im Gegensatz zu dem Synon. Keiluf u. bes. Kib, die mehrfach in Zusammensetzgn. erscheinen, tritt Tschuggel bloß in der Zus. Tschuggelmass = Hundefleisch auf. Unter den verw. Quellen kennt schon der Dolm. der Gaunerspr. 94 die Vokabel in der Form Schokel sowie noch jetzt die schwäb. Händlerspr. in Lütz. (214) in der Form Tschŭglo, weiter findet sie sich auch im sonst. neuern Rotw. (seit d. 19. Jahrh.) öfter (in verschied. Formen) angeführt (vgl. z. B. Pfister 1812 [305, 307: Schukel od. Tschukel]; Christensen 1814 [323, 324: Juckel]; v. Grolman, 31, 64, 72 u. T.-G. 102 [hier alle drei Formen]; Karmayer G.-D. 202, 218 u. 222 [im wes. ebenso] u. a. m.) Zur Etymologie aus der Zigeunerspr. (vgl. „Einleitung“, [S. 31]) s. Näheres bei A.-L. 605 (unter „Schuckel“) und Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter „Tschuckle“) [wo übrigens auch das mhd. zohe = Hündin herangezogen]) vbd. mit Pott II, S. 213/14 (unter „Xukel“), Liebich, S. 166 u. 211 (tschukklo), Miklosich, Beitr. I/II, S. 13, III, S. 9, 22 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 209 (unter „džukel“: bei d. deutsch. Zig.: čukklo), Jühling (S. 207 (Tschukäl) u. Finck, S. 56 (dšuklo od. dšukel). Das Wort ist (nach Pott u. Miklosich, a. a. O.) bis aufs Altindische zu verfolgen.

[1140] S. (betr. Bossert u. Mass) Aas.

[1141] S. Fleischer.

[1142] S. (betr. Schwächerle) Amme.

[1143] S. (zu allen drei Ausdr.) Appetit.

[1144] S. Abendessen.

[1145] S. (zu beiden Ausdr.) Beischläferin, vgl. arg.

[1146] Schüx, früher wohl auch Schücksel (= Mädchen; vgl. „Einleitung“, [S. 28]) ist natürlich nur eine mundartl. gefärbte Nebenform zu den im Rotw. u. in der Kundenspr. sehr verbreiteten Ausdr. Schix, Schi(c)kse, Schicksel usw. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Schickse = Mädchen); W.-B. des Konst. Hans 255 (Schikse = ein Mägdlein); Schöll 271 (Schikse = Mädchen, Beischläferin); Pfulld. J.-W.-B. 342, 345 (Schix = Mädchen, Tochter; vgl. [340]: Fingelschize = Hexe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 68, 77 (Schix = Dirne, Weibsperson, dazu versch. Zus. wie z. B. Dippelschix = Landfahrerin, Gallachschixe = Pfarrköchin); Schwäb. Händlerspr. 483 (Schix = Mädchen [in Pfedelb. (214): = Weibsbild, ebds. (209): lacke Schix = Dirne, eigtl. „schlechtes Weibsbild“ (vgl. betr. lack: Bd. 63, [S. 119], [Anm. 217] zu Put[t]lak)]); s. auch Metzer Jenisch 216 (Schicksi = Mädchen). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die Etymologie (aus dem Hebräischen) s. ausführl. Groß’ Archiv, Bd. 48, S. 341 ff.; vgl. auch „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 15 ff., Weber-Günther, S. 160/61 (unter „Schecks“) u. Seiler, Lehnwort IV, S. 493.

[1147] S. unter „böse Sachen machen“; vgl. auch anbrennen.

[1148] S. (betr. Benges) brauchbarer Bursche.

[1149] S. Bettelbube.

[1150] S. Fremder.

[1151] S. Bauer.

[1152] Die Vokabel findet sich (in der Form Stratze als sing. für „Kind“ schlechthin) auch in der Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71, sonst aber m. Wiss. nicht in den Geheimsprachen. Die Etymologie ist unsicher, falls man nicht annehmen will, daß es sich bloß um eine Nebenform oder Entstellung von Schraze handelt, das — gleichfalls für „Kind“ — sowohl im Rotw. überhaupt als auch speziell in dem verw. Quellenkr. vorkommt. Vgl. Pfullend. J.-W.-B. 341 (Schraze = Kind [s. auch Schrada = Knabe]); Schwäb. Händlerspr. 483 (Schrâtze = [kleinere] Kinder [in Degg. (215): auch als sing. = Kind], (Schratzesknippler [in Pfedelb. 211): Schrazeskneppler], d. h. eigtl. „Kinderprügler“, = Lehrer [in Pfedelb.: spez. Unterlehrer im Gegens. zu Galmenguffer, dem Oberlehrer (vgl. dazu schon oben unter „brauchbares Kind“ u. „aufschlagen“)]). Über weitere rotw. Belege für dieses Wort sowie seine (gleichfalls nicht ganz sichere) Etymologie s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 47, S. 140 u. Anm. 3; vgl. auch Weber-Günther, S. 168.

[1153] S. anmutig.

[1154] S. Hauptmann.

[1155] S. Fingerhut

[1156] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1157] S. dazu die Zusammensetzgn.: Stupfelbikus = Igelessen, Stupfelmass od. Stupflengbossert = Igelfleisch, Stupfelkib = Igelhund (Spr.), Stupfelkafler = Igelmetzger, Stupfel- od. Stupflengrande = Igelsack. Sowohl in der Form Stupfel wie auch Stupfling ist die Vokabel auch der schwäb. Händlerspr. 482 bekannt (in Lütz.: [215] daneben noch Stachling, während in Matzenbach dafür die latinisierte Form Stachelinus gebräuchlich ist, ähnlich wie sich bei den Zigeunern (bei denen der Igel eine große Rolle, bes. auch als beliebte Speise, spielt [s. Liebich, S. 39, 85, 86]) dafür (u. a.) wohl stachlino (bei den deutsch. Zigeun. allerdings meist stacheléngĕro) findet (vgl. Pott II, S. 245 [unter „Stàchlo“], Liebich, S. 160 u. 212 [stachélengĕro], Miklosich, Beitr. III, S. 19 [ebenso], Jühling 226 [hier: Stachlino, dagegen plur.: Stachlingäre], Finck, S. 87 [štaxeléngero]). Der Etymologie nach gehört Stupfel od. Stupfleng (-ling) zu dem gauner-, kunden- und geheimsprachl. sowie auch allgem. mundartl. stupfen = stechen mit Rücks. auf die Stacheln des Igels (vgl. jen.: Stupfle = Stachel [s. dazu Näh. schon oben unter „Dorn“]), denen natürlich auch die Syn. Stachling, Stachelinus u. die ähnlichen Zigeunerwörter ihre Entstehung verdanken.

[1158] S. (betr. Bikus) Abendessen.

[1159] S. (betr. Mass u. Bossert) Aas.

[1160] S. Haushund.

[1161] S. Fleischer.

[1162] S. Bauch.

[1163] S. Hauptmann.

[1164] S. Ärger.

[1165] S. abbrühen u. Apfelkern. — Ähnlich heisst bei den Zigeunern (nach Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri montaia, d. h. „Wasserberg“ od. „Wassergebirge“.

[1166] S. aberwitzig.

[1167] S. Dummheit u. Abort.

[1168] Vgl. [Anm. 1166] u. [1167] a. E.

[1169] S. Geist u. alltäglich. — Ähnlich ist die Bezeichnung des Irrlichts bei den Zigeunern, näml. muléskĕri momelin, d. h. eigtl. „Totenlicht“ (Syn. auch: dschapáskĕri momelin, d. h. „wanderndes Licht“) nach Liebich, S. 147 u. 212.

[1170] Vgl. dazu (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 71 (kenn = ja, kenn Mathilde = ganz richtig); Schwäb. Händlerspr. 481, 482 (kenn = ja, kenn Mathilde = „grüß Gott“); s. auch Pfälz. Händlerspr. 438 (kent = ja) sowie d. Winterfelder u. Eifler Hausiererspr. 441, 491 (kenn). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. Schütze, S. 73, vbd. mit Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 162 (unter „Mathilde“) und Anm. 2 (betr. kenn Kunde, wozu auch zu vgl. Bd. 59, S. 267, 287). Über die Etymologie (vom hebr. kên od. ken = „so [richtig], ja“) s. A.-L. 556 und Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 330, vgl. jedoch auch Archiv, Bd. 51, S. 162, Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen Zeitw. „kennen“ bei dem Ausdr. kenn Kunde od. Mathilde).

[1171] S. Frauenrock.

[1172] S. Ananas u. abgehen.

[1173] S. Flurschütz.

[1174] S. alljährlich.

[1175] S. (betr. Schei) alltäglich.

[1176] S. ausweinen.

[1177] S. abbeißen.

[1178] S. Hebräer.

[1179] Zu Dibolde = Juden gehören die Zusammensetzg. Dibolde-Gallach (d. h. „Judenpriester“) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. die Ableitg. diboldisch = jüdisch (Gegensatz: nobis diboldisch [eigtl. nicht-jüdisch] = ungläubig [vom jüd. Standpunkt aus; Syn. nobis gril(l)isch, — wonisch, d. h. eigtl. „nicht-evangelisch, -katholisch“]). Die Vokabel, die in dem verw. Quellenkreise unbekannt ist, kommt im sonstig. Rotwelsch (d. 19. Jahrh.) vereinzelt vor, jedoch mit anderem Anlaut (Ba-, Bi-, Pi-); s. z. B. Pfister 1812 (295: Babolde); v. Grolman 5 u. T.-G. 103 (ebenso); Karmayer G.-D. 190 (desgl.); Derenbourgs Glossar 1856 (414: desgl.); A.-L. 584 (Pipolte, fem. Pipoltiza); Groß 458 (Biboldo). Der Etymologie nach stammt der Ausdr. aus der Zigeunersprache her (vgl. „Einleitung“, [S. 29]), in der biboldo (od. bipoldo) eigtl. „der Ungetaufte“ bedeutet (von boldo [od. poldo], zu [me] polāwa = „[ein]tauchen, taufen“ [s. Liebich, S. 152 u. 245; vgl. Finck, S. 52 (Stamm: bōl [od. bold] = „[ein]tauchen, taufen“, das sich bis ins Hind. [bōrnā = „eintauchen“] verfolgen läßt)] u. dem Negativpräfix bi-). S. Näh. bei Pott II, S. 422 (unter „Bolaw“), Liebich, S. 128 u. 213 (bipoldo), Miklosich, Beitr. III, S. 8 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 181 (unter „bol“: bei den deutsch. Zig.: bipoldo), Finck, S. 51 (bibóldo); bei Jühling nicht angeführt. — Über die Veränderung des Anlauts im Jenischen s. auch Pott, a. a. O.

[1180] S. brauchbarer Bursche.

[1181] S. Bettelbube.

[1182] S. Fremder.

[1183] S. Beischläferin.

[1184] S. Bauernfrau.

[1185] S. Bauer.

[1186] S. (betr. nobis vergröntes) Dietrich u. Ehe.

[1187] S. Amtmann.

[1188] S. Aas.

[1189] Süs(s)leng (od. -ling) bedeutet außer Kaffee (Zichorie) auch noch: Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende Zusammensetzgn.: Süs(s)lengnolle = Kaffeekanne, Süs(s)lengschottel = Kaffeetasse, auch Zichorienbüchse, Süs(s)lingbrandling = Lebkuchen, Süs(s)linglehm = Zuckerbrot, Süs(s)lingoberman(n) = Zuckerhut, Süs(s)lingflu(h)te = Zuckerwasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 u. 101 (Süsling = Zucker, auch Honig); Schwäb. Händlerspr. 488 (Süßling = Zucker). Im Pfulld. J.-W.-B. 340 bedeutet Süß den Honig, im Pleißlen der Killertaler 436 Süessler od. Süssholz den Zucker. Über weitere Belege im Rotw. (s. schon Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [222, 232: Süßling = Honig oder Bienenstock] u. dann öfter [mit versch. Bedeutgn.]) sowie über die Nebenform Süssert s. noch Weber-Günther, S. 188 (unter „Zosset“). Der Stamm des Wortes ist natürlich unser Adj. „süß“; vgl. Pott II, S. 10; A.-L. 612; Günther, Rotwelsch, S. 60. — Zu der Bedeutg. „Kaffee“ sei noch bemerkt, daß (nach Liebich, S. 138 u. 213) auch bei den Zigeunern der Kaffee gudli, d. i. etwa „der Süße“ (vgl. gudlo = Zucker), heißt (neben mellĕli, d. i. „der Schwarze“;) vgl. auch Finck, S. 59.

[1190] S. (betr. Nolle) Fleischhafen.

[1191] S. Aschenbecher.

[1192] S. Abort.

[1193] S. Entenstall.

[1194] S. Dietrich u. Augenbrauen,

[1195] S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.

[1196] Horbögle (= Kalb) ist Dimin. zu Horboge (-boga) oder (abgekürzt in der Form der Aphärese) bloß Boga = Kuh, Rind. Von Zusammensetzgn. mit diesen Wörtern vgl. a) am Anfang: Horbogaschwächerle = Kuheuter, Horbogebossert od. -mass = Kuh- od. Rindfleisch, Horbogekafler od. Bogakafler = Kuhmetzger (letzteres auch Rindermetzger), Horbogestenkert = Kuh- od. Rinderstall, Horbogeschmunk = Rinderfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Analogie mit der Zigeunerspr.), wogegen Bogaschmunk nur durch „Kuhbutter“ wiedergegeben; b) am Ende: Mufferhorboge (d. h. eigtl. „Nasenkuh“) = Nashorn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95, 97 (Hobogen = Kuß [wofür jedenfalls zu lesen: Kuh, argum.: Hohrbogen = Ochs); W.-B. des Konst. Hans 254 (Hohrboge = Stück Rindvieh); Schöll 271 (Haarbogen = Rindvieh); Pfulld. J.-W.-B. 340, 342, 343 (Horboge = Kuh, Ochs, Rind, junge Horboge = Kalb, Horbogemaß = Ochsenfleisch); Schwäb. Händlerspr. 482, 483, 485, 487 (Hôrbôg[e] [in Pfedelb. (211): Hobuche] = Kuh, Rind, Stier, Hôrbœ̂gle = Kalb, Hôrbôgmost = Rindfleisch); s. auch Regensb. Rotw. 489 (Haarbogen = Kuh). Über weitere Belege im Rotw. s. Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 31/32, Anm. 3. Der Etymologie nach handelt es sich wahrscheinl. um eine Verunstaltung aus dem älteren Synon. Hornbock, das schon im Lib. Vagat. (54) vorkommt. S. Näh. darüber im Archiv, Bd. 43, S. 32 u. Anm. 1 u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1822 unter Ho(r)nbog(e[n]), der zwar die Silbe Hor- ebenfalls als „Horn“ auslegt, dagegen -boge(n) „eher zu hebr. bakar = Rindvieh“, poln.-jüd. boker (vgl. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 32) „als zu Bogen“ in Beziehung setzen möchte. Die kürzere Form Boga könnte natürlich unmittelbar von der hebr. Vokabel hergeleitet werden, doch halte ich die Auffassung derselben als Abbreviatur von Horboga für richtiger (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 8]). Über das ähnl. Hornikel = Ochse s. schon oben unter „Bulle“.

[1197] S. abbeißen und abgerahmte Milch. — Dieselbe Umschreibung (näml. danterpaskĕro tschikk) kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 131, 164 u. 213 sowie auch Finck, S. 91 (danderpáskero tšik) vbd. m. S. 54 (danderpáskero = „ätzend, beißend“); vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 17].

[1198] S. eisig; über Biberisch als subst. Adj. vgl. auch „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38].

[1199] S. brauchbarer Bursche.

[1200] S. Bettelbube.

[1201] S. Augenbrauen und abbiegen.

[1202] S. (betr. -pflanzer [pflanzen]) anbrennen.

[1203] S. Fehde.

[1204] S. Bank.

[1205] S. absingen u. Adler.

[1206] S. Hase.

[1207] S. Fleischhafen.

[1208] S. Dom.

[1209] S. Fingerhut.

[1210] S. Ei u. alltäglich. — Auch in der Zigeunersprache heißt der Karfreitag (aber auch wohl das Osterfest) jāréngĕro (od. jāríngĕro) diwes, d. i. gleichfalls der „Eiertag“; s. Liebich, S. 140 u. 188 vbd. m. Finck, S. 55 (hier nur = Ostern); vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 18]. Über eine der jenischen Umschreibg. für Ostern genau entsprechende zigeun. Bezeichnung s. noch weiter unten (unter „Ostern“).

[1211] S. Fisch. Das Synm. Flotscher ist hier nicht angeführt.

[1212] S. Eisenbahnwagen.

[1213] S. abfahren.

[1214] S. Bratkartoffeln; vgl. abgerahmte Milch.

[1215] S. Erdäpfel.

[1216] S. Gulasch.

[1217] S. Aschenbecher.

[1218] Zu Girall s. die Zus. Girallbrandleng = Käskuchen. Die Vokabel ist sonst m. Wiss. in den Geheimsprachen nicht bekannt. Der Etymologie nach stammt sie aus der Zigeunersprache (vgl. schon „Einleitg.“, [S. 30]). Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter „Giral“); Liebich, S. 142 u. 213 (kīral); Miklosich, Beitr. I/II, S. 12 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 234 (unter „keral“: bei den deutsch. Zig.: kiral) vbd. mit S. 238 (unter „khil“); Jühling, S. 222 (Girall); Finck, S. 64 (kiral). Das Wort läßt sich (nach Pott und Miklosich, a. a. O.) bis ins Altind. (kšīra = Milch) zurückverfolgen.

[1219] Mit Räsleng ist (außer Räslengbrandleng = Girallbrandleng) noch zusammengesetzt: Bosserträsleng (eigtl. „Fleischkäse“) = Leberkäse. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 482 (Ræßling = Käse, aber [485] auch = Rettich). Sonst nirgends erwähnt. Zur Etymologie: Vermutlich handelt es sich um eine durch Anhängung der typischen rotw. Endung -ling (= leng) vorgenommene Substantivierung des mundartl., insbes. schwäbischen Adj. räs, das (nach v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 425) u. a. etwa bedeutet was „die Zunge reizt“, im Geschmack „scharf“ (wie Rettich) oder „herb“ ist.

[1220] S. (betr. Brandleng) Apfelkuchen.

[1221] Wo(h)nischer ist Substantivierung des Adj. wo(h)nisch = katholisch (Gegens. nobis wo[h]nisch = ungläubig [vom Standpunkt der Katholiken aus]); s. auch „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38]. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (wohnisch = katholisch); W.-B. des Konst. Hans 257 (wahnisch); Schöll 274 (Bettlersprache: wohnisch); Pfulld. J.-W.-B. 341 (ebenso); Schwäb. Händlersprache 482 (wônisch Kolp [in Pfedelb. (212): Kolb] = katholischer Pfarrer). Auch im sonstigen Rotw. hier u. da anzutreffen (z. B. Pfister bei Christensen [332: wohnisch]; v. Grolman 75 u. T.-G. 105 [wo(h)nisch]; Karmayer 182 [wonnisch] usw.). Zur Etymologie s. Näh. bei Günther in der Zeitschr. „Die Polizei“, Jahrg. 4 (1906), Nr. 5, S. 99, Sp. 2 u. Anm. 29. Danach handelt es sich bei wo(h)nisch wohl um „eine zugleich mit Änderung des Anlauts vorgenommene Abkürzung“ (in der Form der „Aphärese“) von dem Synon. doflemonisch oder toflemonisch (s. z. B. Pfister 1812 [296]; v. Grolman 16, 71 u. T.-G. 105; Karmayer 166 usw.; vgl. auch Pfälz. Händlerspr. 437 [dôfelmânisch]), einer Adjektivbildung aus Toflemone u. ä. = „katholische Religion“ (s. z. B. bei v. Grolman 71 [neben Toflenemone]), zusammengesetzt aus tofel oder dofel emone, d. h. zunächst „der andere Glaube“, dann aber wohl auch der „falsche“, d. i. der christliche (katholische) „Glaube“ (vom hebr. Tifla = „das Falsche, Unrechte“ u. ’amânâ[h] oder ’emûmnâ[h], jüd. emônô, emûnô = „Glaube, Religion“). Daß dofel oder tofel in den Vokabularien der Gaunerspr. nicht bloß für „ungereimt, abgeschmackt“, sondern auch für „alt“ angeführt ist (s. Thiele 316 vbd. mit Pfister 1812 [297], Christensen 1814 [327] u. v. Grolman 16, 71 u. T.-G. 81, die nur die letztere Bedeutg. haben), erklärt sich daraus, daß nach der Reformation die protestantische Religion mit chodesch emone (chadesch emûnô) u. ä., d. h. „neuer Glaube“ (vgl. v. Grolman 12 [Cadisch - Amune oder -nemone] u. A.-L. 367 u. 530) bezeichnet wurde, wodurch sich der früher für den christlichen Glauben überhaupt gebrauchte Ausdruck tofel od. dofel emone u. ä. zu dem Begriff „katholischer“, mithin jetzt „alter Glaube“, verengerte.

[1222] S. Baumkatze.

[1223] S. (betr. Bossert) Aas.

[1224] S. Bauch.

[1225] S. essen.

[1226] S. Abendessen.

[1227] S. abbeißen.

[1228] S. abkaufen.

[1229] S. (betr. Kitt) Abort.

[1230] S. absterben u. Adler. — Zu vgl. dazu bei Karmayer 122: Pegerfletterl = Nachteule oder Kauz. In derselben Weise umschreiben (nach Liebich, S. 214 u. 243) auch die Zigeuner das Käuzchen od. die Steineule, (näml. als muléskĕro [-ri] tschirkŭlo, d. i. „Totenvogel“; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 18].

[1231] S. Beischläferin.

[1232] S. arg u. böse Frau bezw. (betr. Mos) Bauernfrau.

[1233] S. abbiegen, vgl. auch Bürste.

[1234] S. Bürste.

[1235] S. Dom u. Fleischhafen.

[1236] S. erkennen.

[1237] S. Arrest.

[1238] Zu Gadscho = Kerl, auch Landmann (dagegen nicht unter „Bauer“ angeführt) — im Plural Gadsche od. Gasche = Leute, Dim. Gaschele = Kinder — gehören die Zusammensetzgn.: Gadschomalfes = Männerrock u. Begergadscho = Leichenbeschauer (vgl. dazu auch „Vorbemerkg.“, [S. 12], [Anm. 29]). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Kochem gasche = „Hurenleben führen und im solchen herumziehen“); Schöll 272 (Gasche = Leute, schovel Gasche = schlimme Leute); Pfulld. J.-W.-B. 338, 342, 343 (Gasche = Leute, Menschen, Personen, Ruchegasche = Bauernvolk); Schwäb. Händlerspr. 483 (Gâsche = Leute, in Lütz. [215]: Gātsche = Kind); s. auch Metzer Jenisch 216 (Gātsch = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, [S. 30]], in der gadžo od. gadšo [gadscho] od. gatscho zunächst den „Nichtzigeuner“, dann aber wohl auch allgemeiner „Mensch“ oder — wieder spezieller — „Bauer“ bedeutet) s. d. ausführl. Angaben in Groß’ Archiv, Bd. 49, S. 331/32, u. dazu noch Finck, S. 58. Bei Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 78 (unter „Gasche“ II) u. Sp. 87 (unter „Gatsche“) ist über die Etymologie nichts angegeben.

[1239] S. Bauer.

[1240] S. Apfelkern.

[1241] S. alltäglich.

[1242] S. Fleischhafen.

[1243] Zu Russling = Kessel (Pfanne, Tiegel) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 94 (Rusling, hier = Kamin); Pfulld. J.-W.-B. 343 (Rußling = Pfanne). Über weitere rotw. Belege (mit verschied. Bedeutgn.) sowie die Etymologie (von „Ruß“) s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 72 (unter „Russlings-Schlangemer“).

[1244] S. Fleischhafen u. anbrennen.

[1245] S. Halskette.

[1246] S. angenehm.

[1247] S. anlachen.

[1248] S. Gestein.

[1249] S. (betr. Strade) Chaussee; vgl. Meilenstein.

[1250] S. brauchbares Kind.

[1251] Gof wird besonders für ein unartiges Kind, jedoch auch in allgemeinerem Sinne gebraucht; s. böses Kind.

[1252] S. Hurenkind.

[1253] S. gebären.

[1254] S. brauchbares Kind (am Ende).

[1255] S. aberwitzig.

[1256] S. (betr. Model) Beischläferin.

[1257] S. Dom.

[1258] S. (betr. Glitschin) Dietrich.

[1259] S. Apfelkuchen u. alltäglich.

[1260] S. (betr. Weisling) Feiertag.

[1261] S. (betr. Stöber) Apfelbaum. — Scharrisele = Kirsche (nur als Dimin. gebräuchl. [vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 13], [Anm. 33] a. E.]) findet sich noch in den Zusammensetzgn.: Scharriselekies = Kirsch(en)kern od. -stein u. Scharriselebrandling = Kirsch(en)kuchen. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 95 (Scharriselen = Kirschen); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Scharisele = Kirsche). Die Etymologie des (sonst zieml. seltenen) Ausdrucks gebt zweifelsohne auf das gleichbed. französ. cérise (ital. ciriegia, lat. cerasus) zurück; vgl. Günther, Rotwelsch, S. 37.

[1262] S. (betr. Kies) Apfelkern.

[1263] S. (betr. Brandling) Apfelkuchen.

[1264] S. Bett.

[1265] S. Frauenrock.

[1266] S. aufspielen u. abbiegen.

[1267] S. Frucht.

[1268] S. ankleiden.

[1269] S. Füllen.

[1270] S. Für Lomel = Klinge, Messerschneide finde ich im Rotw. u. i. d. sonst. Geheimspr. keine Belege. Das Wort soll (nach Wittichs „Einleitg.“, [S. 30]) aus der Zigeunersprache stammen, auch findet sich bei Liebich, S. 215 in der Tat lommla = Klinge verzeichnet (während in den anderen zigeun. Vokalbularien, auch bei Jühling, etwas Ähnliches nicht anzutreffen ist). Nach Fischer, Schwab. W.-B. IV, Sp. 938 (unter „Lamel“) ist Lamel (od. Lomel) = Messerklinge (insbes. eine lahme, stumpfe) allgem. schwäbisch, und ebenso ist der Ausdr. in Bayern (als Lammel, Lämmel od. Lommel [fem. u. neutr. gen.]; s. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1470) u. in anderen Gegenden (Kurhessen, Elsaß, Schweiz) bekannt. Er soll nach Fischer (a. a. O. vbd. mit Schmeller, a. a. O.) vom mhd. lâmel (s. Lexer, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1816) abzuleiten sein, das seinerseits auf das latein. lamella od. lamina zurückgeht.

[1271] S. Adler, Bischof u. Abort. — Dieselbe Umschreibung (die etwa „großes Haus für Geistliche [Mönche]“ bedeutet) findet sich auch bei den Zigeunern; s. Liebich, S. 127 u. 215 (baro raschaiéngĕro kēr = Kloster).

[1272] S. Baumholz.

[1273] S. besonnen.

[1274] S. brauchbarer Bursche.

[1275] S. Bettelbube.

[1276] S. Fremder.

[1277] S. abschießen. Vgl. dazu das rotw. knallen = schießen (Belege in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 54).

[1278] S. Appetit.

[1279] S. abschaffen.

[1280] S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.

[1281] Hegesle (nur als Dimin. gebr.) bedeutet Knödel u. insbes. „Knöpfle“ u. „Spätzle“, beides mundartl. Bezeichnungen für südd., bes. schwäb. knödelartige Mehlspeisen (vgl. [über Knöfle, Dimin. zu Knopf] Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 544 unter „Knopf“, Nr. 4, a; [über Spätzle, Dimin. zu Spatz = Sperling] v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 499 unter „Spatzen“ u. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 692 unter „Spatz“, lit. c). Dazu die Zus. Hegesleschnall = Spätzlessuppe (Spr.) u. die Verbdg. grandiche Hegesle = Nudeln. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 (Hegesle = „Knöpflen“); Pfulld. J.-W.-B. 341 (Hegesle = Knopf). Die Etymologie bleibt dunkel. Auch Fischer, Schwäb. W.-B. III. Sp. 1331 (unter „Hegis“, Nr. 2) gibt keine Erklärung.

[1282] S. abkochen vbd. mit brauchbarer Bursche, Bettelbube u. Bauer.

[1283] S. Gemüse.

[1284] S. abbrennen u. Baumholz.

[1285] S. brauchbarer Bursche.

[1286] S. Bettelbube.

[1287] S. abgehen.

[1288] S. Hauptmann u. Bäcker.

[1289] S. (betr. Maro) Brot.

[1290] S. Äquilibrist.

[1291] S. (betr. Kitt) Abort.

[1292] S. (betr. Nikel-) aufspielen.

[1293] S. (betr. Kritzler) Attest.

[1294] S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.

[1295] S. erkennen.

[1296] Vergondert ist ein substantiviertes Partizip (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 36]) von vergondere = verpfänden, das etymolog. gehört zu gemeinsprachl. verganten = versteigern, einer Ableitg. von dem (bes. in Bayern u. Österreich gebräuchl.) Hauptw. Gant (f.), d. h. gerichtlicher Verkauf an den Meistbietenden, Zwangsversteigerung, dann auch Konkurs, aus dem ital. incanto = lat. incantum, in quantum, d. h. „für wie viel“, „wie hoch“, nach dem Rufe des Versteigerers. S. u. a. Weigand, W.-B. I, Sp. 619 vbd. mit A. Schirmer, W.-B. der deutschen Kaufmannssprache (1911), S. 68 u. 69, Anm. 1 ff. (woselbst noch näh. Angaben).

[1297] S. Aas. — Auch Vermuft ist substantiv. Partizip (s. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 36]); vgl. Armut u. Bedrängnis.

[1298] S. Gewerbeschein.

[1299] S. Angesicht.

[1300] S. (betr. Strauberts) Augenbrauen.

[1301] S. Aschenbecher.

[1302] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1303] S. Frucht.

[1304] S. essen (Essen).

[1305] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[1306] S. angenehm.

[1307] S. Abort.

[1308] S. abgerahmte Milch.

[1309] S. abkaufen.

[1310] S. (betr. Kitt) Abort.

[1311] S. absterben.

[1312] S. (betr. Sauft) Bett.

[1313] S. abbeißen.

[1314] S. Gemüse.

[1315] S. (betr. Blättling) Gulasch.

[1316] S. Borg (auf —).

[1317] S. Adler u. arg.

[1318] S. Hauptmann.

[1319] Auch bei den Zigeunern heißt (nach Liebich, S. 217) das Kriminalgericht bāri grisni, d. h. „großes, hohes Gericht“, das Kreisgericht bāri zephāni, d. h. eigtl. wohl „großer Kreis“ (zephāni allein auch = Landgericht); vgl. Liebich, S. 216, 218.

[1320] S. Adler, Amtmann u. Fingerhut; vgl. Bischof u. König. — Dieselbe Umschreibung für „Krone“ kennt auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 217 (kraléskĕro dschakkerpenn, d. h. „des Königs Hut“, od. bāro raiéskĕro [od. scheréskĕri] stātin, d. h. „des großen Herrn [od. Häuptlings] Hut“).

[1321] Diese Vokabel fehlt sowohl in dem verw. Quellenkr. als auch sonst in d. Geheimsprachen (falls nicht etwa Belly [= Bauch?] in d. Rotw. Gramm. v. 1755 [III, 59; vgl. Kluge, Rotw. I, S. 237, Anm. 1] hierher zu rechnen). Sie soll (nach „Einleitung“, [S. 29]) aus der Zigeunersprache stammen; s. dazu Jühling, S. 219, wo Bälel in gleicher Bedeutg. angeführt ist, während m. Wiss. in den übrigen zigeun. Vokabularien nichts Ähnliches enthalten ist.

[1322] S. Fleischhafen.

[1323] S. arg u. brauchbarer Bursche bzw. Bettelbube.

[1324] S. Aschenbecher.

[1325] S. abkochen.

[1326] S. Apfelkuchen.

[1327] S. (betr. Glitschin) Dietrich.

[1328] S. Hahn.

[1329] S. Ente.

[1330] S. Gans.

[1331] S. Adler.

[1332] S. Kalb.

[1333] S. (betr. Schmunk) Bratkartoffeln.

[1334] S. Amme.

[1335] S. Aas.

[1336] S. Fleischer.

[1337] S. Entenstall.

[1338] S. arg.

[1339] S. Almosen.

[1340] Zu Boschert = Kupfergeld (bes. Pfennig) vgl. (aus d. verw. Quellenkr.): Schwäb Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Boscher = Pfennig); Schwäb. Händlerspr. 485 (Bôscher u. Bôschet = Pfennig, in Lütz. [215] dafür: Bōschem); s. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Bôscher = Pfennig) u. Pfälz. Händlerspr. 437 (Bôsche, Bdtg. ebenso). Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie die Etymologie (wohl vom neuhebr. paschut, jüdisch poschut od. poschit = „Kleingeld“) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 268/69 u. Anm. 2 ff.; vgl. auch Weber-Günther, S. 154. Bei Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1310 ist keine Erklärung gegeben.

[1341] S. Fingerhut u. anbrennen.

[1342] S. angenehm u. Eisenbahnwagen.

[1343] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1344] S. Frauenrock.

[1345] S. anlachen.

[1346] S. Bett.

[1347] S. absterben.

[1348] S. (betr. bosten) abgehen.

[1349] S. alltäglich.

[1350] S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.

[1351] S. Adler u. arg; vgl. die Anmkgn. zu „Kriminalgericht“.

[1352] S. Abort.

[1353] S. Kerl.

[1354] S. (zu beiden Ausdr.) Bauer.

[1355] S. Adler.

[1356] S. aberwitzig.

[1357] S. (betr. Giel) Affengesicht.

[1358] S. abtragen.

[1359] S. arg.

[1360] S. Ärger.

[1361] S. (betr. Flu[h]te) abbrühen.

[1362] S. Filzlaus.

[1363] S. (betr. Benges [Benk] u. Fi[e]sel) brauchbarer Bursche u. Bettelbube.

[1364] S. Hauptmann, absterben u. Abort; vgl. Krankenhaus.

[1365] S. Aas u. Käse.

[1366] Mit Rondling = Rundling (im Sinne von „Wurst“ schlechthin) sind folgende Zus. gebildet: Rondlingachilerei od. -bikus = Wurstessen, Rondlingbossert = Wurstfleisch, Rondlingsore = Wursthaut, Rondlingschnall = Wurstsuppe. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 488 (Rundling = Wurst; Synon. Darmling u. Schling). Sonst kommt der (natürlich von „rund“ abzuleitende) Ausdruck noch vor: a) in der (neueren) Gaunerspr. für Kugel, b) in der Kundenspr. (im Plural) für Kartoffeln (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 60), während das übliche Gauner- u. Kundenwort für Wurst u. a. Längling ist (so z. B. auch schon im Dolm. der Gaunerspr. 90 [Lengling = Bratwurst]), das jedoch auch noch Nebenbedeutungen hat; vgl. dazu Groß’, Archiv, Bd. 46, S. 313 u. Anm. 1 vbd. mit Weber-Günther, S. 186.

[1367] S. Kaffee und Apfelkuchen. — Eine ähnliche Umschreibung für den Lebkuchen kennt auch die Zigeunersprache, nämlich gūlo maro, d. h. „süßes Brot“ (s. Liebich, S. 138 u. 218).

[1368] S. absterben.

[1369] S. After.

[1370] Zu jannen = lecken vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (janne mich = „lecke mich im Hintern“). Zur Etymologie s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 75 mit Hinweis auf das Vorkommen des Ausdr. in den deutsch. Mundarten, z. B. im Elsaß (s. Martin-Lierhardt, Els. W.-B. I, 407) und in der Schweiz (s. Schweiz. Idiotikon III, Sp. 45). Hier lautet die Form jenne[n] und kommt nur in der Redensart „du cha[nn]st mer jenne[n]“ als „schnöder Abfertigung“ vor. Dazu ist bemerkt, daß es sich vielleicht nur scheinbar um ein Zeitwort, in Wirklichkeit dagegen um ein Pronomen („jenen“) im Sinne von „Hinteren“ handle (wobei zu ergänzen „lecken“), so daß das Ganze sich als eine elliptische Redeweise darstelle.

[1371] S. Dietrich u. Ehe.

[1372] S. (betr. Benges) brauchbarer Bursche.

[1373] S. belügen.

[1374] S. Ei u. Hahn.

[1375] S. (betr. Stierer) Henne.

[1376] S. abgerahmte Milch.

[1377] S. brauchbares Kind u. aufschlagen.

[1378] Mit Plauderer sind zusammengesetzt: Plaudererskitt = Lehrershaus (auch: Schule) u. Plauderersmalfes, Lehrersrock. Eine Ableitung davon ist Plauderei = Schule. Zu vergl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72, 75 (Plauderer = Lehrer, Schullehrer [s’ Plauderle = Herr Lehrer], Plauderwinde = Schulhaus); Schwäb. Händlerspr. 483 (Plauderer = Lehrer). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. sowie die Etymologie (von unserm Zeitw. „plaudern“) s. Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 64; vgl. auch Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1182 (unter „Plauder“).

[1379] S. (betr. Kitt) Abort.

[1380] S. Frauenrock.

[1381] S. absterben; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36] u. [38].

[1382] S. Kerl.

[1383] S. Bauer.

[1384] S. Bett.

[1385] S. Bauernfrau.

[1386] S. Abendessen.

[1387] S. Apfelkern.

[1388] S. Barchent.

[1389] S. aufspielen u. abbiegen.

[1390] S. borgen u. Borg (auf —).

[1391] S. Halskette.

[1392] Barchent u. anbrennen.

[1393] Zu Rawine vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Revine = Leiter); W.-B. des Konst. Hans 253, 258 (Rawine); Pfulld. J.-W.-B. 342 (Rabine); in der schwäb. Kunden- u. Händlerspr. unbekannt. Im sonst. Rotw. findet sich die Vokabel in recht verschied. Formen, s. z. B. schon Koburg. Designation 1735 (204: Trapin); ferner Hildburgh. W.-B. 1753 ff. (228: Harbine = Stiege); Pfister bei Christensen 1814 327 (Rawine); v. Grolman 55, 71 u. T.-G. 109 (Rawine od. Trapin = Leiter; zu vgl. auch 72 u. T. G. 127: Treppine, Treppone = Treppe); Karmayer G.-D. 214 u. 221 (im wesentl. ebenso). Etymologie: Die Bezeichnung stammt her von dem gleichbed. poln. drabina. S. Landau in d. Mitteilgn. zur jüd. Volkskunde, Jahrg. 10 (1908), S. 37.

[1394] S. Kerl.

[1395] S. arme Leute.

[1396] S. angenehm.

[1397] Zu Jak = Licht vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Fak = Licht [doch wohl = Jak, wenn nicht = Funk]); W.-B. des Konst. Hans 255, 258 (Jak = Licht); Schöll 271 (Jak = Feuer). Pfulld. J.-W.-B. 341, 342 (Jak = Licht, Kerzenlicht). Auch sonst noch im Rotw. des 19. Jahrh. seit Pfister bei Christensen 1814 [322: Jak = Feuer]. Zur Etymologie (aus der Zigeunerspr. [vgl. „Einleitung“, [S. 30]]) s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 65 vbd. mit Pott II, S. 47 (unter „Ack“), Liebich, S. 140 u. 197 (jāk = Feuer, Flamme), Miklosich, Beitr. I/II, S. 15, III, S. 11, 22 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 225 (unter „jag“: bei d. deutsch. Zig.: jāk), Jühling, S. 223 (Jag = Feuer) u. Finck, S. 61 (jāk = Feuer).

[1398] S. alltäglich.

[1399] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1400] S. Bettelbube.

[1401] S. Beischläferin.

[1402] S. brauchbarer Bursche.

[1403] S. aufwachen.

[1404] S. ausschlafen.

[1405] S. Herberge.

[1406] S. Brücke.

[1407] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[1408] S. Affengesicht.

[1409] S. Attest.

[1410] S. angenehm u. anreden.

[1411] S. (betr. schmusen) ansagen.

[1412] S. Augenbrauen u. Angesicht.

[1413] Zu vgl. dazu (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Schnabel[-lapp] = Löffel, Kesurener Schnabel = silberne Löffel); Pfulld. J.-W.-B. 341, 342 (Schnabel = Kochlöffel, Schnabelholz = Löffel). Auch sonst noch im Rotw. des 19. Jahrh. (seit Pfister bei Christensen 1814 [229]). Zur Etymologie: Wie aus Schnabelholz zu entnehmen, handelt es sich bei Schnabel wohl nur um Abkürzung (Apokope) dieser od. einer ähnl. längeren Form (vgl. bei Schintermicherl 1807 [290: Schnapelberger = Löffel]); s. Günther, Rotwelsch, S. 46.

[1414] S. abschaffen u. Almosen bezw. Bankier u. Bank.

[1415] S. abbrennen u. anbrennen.

[1416] Mit Schmelemer = Zigeuner sind noch zusammengesetzt: Schmelemerfi(e)sel u. -model = Zigeunerbursche u. -mädchen, Schmelemerkib = Zigeunerhund, Schmelemerrädling = Zigeunerwagen. Eine Ableitg. davon ist: schmelemerisch = zigeunerisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (Schmelemer = Zigeuner); Pfulld. J.-W.-B. 340 (Schmälemer = „Heide“ [während es unter „Zigeuner“ fehlt]); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 (Schmälemer = „fahrende Leute“); Schwäb. Händlerspr. (in Lütz. 215: Schmēlemer = Zigeuner). S. auch schon Bruchsaler Liste 1770 (248: „die schmählem oder Zigeuner-Sprach“); ferner noch Eberhardts Poliz. Nachrichten 1828 ff. (364: „Die Schmelmer- oder Zigeunersprache“). Zur Etymologie: Unhaltbar erscheint die Hypothese A.-L.’s, der (601 unter „Schmal“ vbd. mit 606/7 unter „Schwelemer“) den Ausdr. Schmelemer (oder Schmälinger [vgl. auch Groß 491 (neben Schmelinger)]) zu „schmal“ in Beziehung gesetzt hat, während er betr. der Nebenform Schwelemer od. Schwählemer (s. Pfister bei Christensen 1814 [330]; v. Grolman 65 u. T.-G. 135 Karmayer G.-D. 218) zu keinem festen Ergebnis gelangt ist. Richtig erscheint dagegen seine Bemerkung (544 unter „Gischmol“), daß Schmälinger wohl „gleicher Abstammung“ sei wie Gischmol u. ä., das als Synon. dafür ebenfalls hier und da vorkommt (s. z. B. Christensen 1814 [330: Gischschmol od. Geschmeilen]; v. Grolman 24 u. T.-G. 135 [Geschmol(l), plur.: Geschmeilim]; Karmayer G.-D. 199 [ebenso]; Derenbourgs Glossar 1856 [414: desgl.]). Von dieser Form ist nämlich bei der Erklärung auszugehen. Sie ist entstanden aus dem jüd. Jischmô(e)l, vom hebr. jischmâ’êl = Ismaël. Die früher nicht nur in England, Spanien und Griechenland, sondern auch in Deutschland (vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 544) verbreitete Meinung von der Herkunft der Zigeuner aus Ägypten wird noch von den Juden geteilt. Sie haben nun offenbar diese Annahme auch geneologisch zu begründen versucht, indem sie Ismaël, dessen Mutter und Frau nach 1. Mos. 16, 1 u. 21, 21 Ägypterinnen waren, zum Stammvater der Zigeuner machten. Aus dem oben angeführten Plur. Geschmeilim, d. h. eigtl. „Ismasēliter“, ist dann Schmelemer u. ä. hervorgegangen (nach gefl. Mittlg. von Dr. A. Landau).

[1417] Bestätigt ist dies auch schon von Liebich, S. 86; vgl. ebds. (im Vokab.) S. 147 u. 220.

[1418] S. Aas.

[1419] S. belügen. — Das Zeitw. kohlen = lügen fehlt hier wohl nur aus Versehen.

[1420] S. anbrennen.

[1421] S. Adler.

[1422] S. (betr. nobis) Dietrich.

[1423] S. Beischläferin.

[1424] Zu vgl. dazu (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 u. 101 (Tschai = Weib; Grünt’schaj = Ehefrau); Schwäb. Händlerspr. (U. 214: Tschoj [od. Tschigi] = Mädchen). Über weitere rotw. Belege sowie die Etymologie (aus der Zigeunersprache [vgl. „Einleitung“, [S. 30] u. [31]]) s. Näheres in Groß’ Archiv, Bd. 50, S. 366 u. Anm. 2 u. „Anthropophyteia“, Bd. IX, S. 19 (unter „Guidillerschey“) u. dazu noch Fischer, Schwäb. W.-B. II, S. 431, 432 (unter „Tschoj“ u. „Tschigi“) vbd. mit Finck, S. 90 (tšai = Mädchen, Tochter). Nach Jühling, S. 227 ist Tschai nur als Anrede bei den Zigeunern untereinander gebräuchlich; vgl. oben unter „Frau“ betr. Romni.

[1425] S. (betr. jenisch) Bachstelze; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 4], [5], [Anm. 6] ff.

[1426] S. abschaffen.

[1427] S. essen.

[1428] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[1429] S. Füllen.

[1430] S. abbrennen u. Frucht. — Betr. die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17]) s. Liebich, S. 130 u. 220: chadschēdo gib (d. h. „gebranntes Getreide“) = Malz, wozu noch zu betonen, daß nach Finck, S. 59 das zigeun. gīw̱ (= gib) u. a. auch spezieller für „Gerste“ gebraucht wird (vgl. oben unter „Frucht“).

[1431] S. abbetteln; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38].

[1432] S. Bauer.

[1433] S. Kerl u. Frauenrock.

[1434] S. Ei.

[1435] S. (zu beiden Ausdr.) Glied (männliches).

[1436] S. abbiegen.

[1437] S. (betr. Kluft[erei]) ankleiden.

[1438] S. (betr. Glied) Bruder.

[1439] S. Bratkartoffeln.

[1440] Zu vgl. zu dieser Vokabel (aus dem verw. Quellenkr.): nur W.-B. des Konst. Hans 254, 259 (Beta = Jahrmarkt, Markt, grandig beta = Messe). Danach würde es sich offenbar bei der Bedeutung „Mark“ (als Geldstück) um eine Begriffsübertragung auf Grund des (fast völligen) Gleichklangs der deutschen Wörter „Markt“ u. „Mark“ handeln, wie sie auch bei dem (auch rotw.) Schuk (s. unten [Anm. 1443]) vorgenommen worden. Nach Wittich („Einleitung“, [S. 29]) soll Bet = Mark zigeunerischen Ursprungs sein, ich finde aber in den zigeun. Vokabularien (außer bei Jühling, S. 220: Beti [Bete] = Mark) nichts Ähnliches angeführt.

[1441] Die Vokabel ist u. a. bekannt auch in der schwäb. Händlerspr., S. 484 (Flachs, Flächsle [in Pfedelb. (210) auch Flucks od. Flux] = Mark). Über sonstige Belege (aus dem Rotw. u. der Kundenspr.) sowie zur Erklärung des Ausdrucks s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 245 u. Anm. 6. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1553 schweigt über die Deutung.

[1442] S. dazu die Verbdgn. drei Räp(p)le = Taler. Räpple = Mark ist auch der schwäb. Händlerspr. in U. (214) bekannt. Zur Etymologie (Dimin. von Rappen) s. d. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 302 u. Anm. 5 vbd. mit S. 305, Anm. 3 u. dazu noch Weigand, W.-B. II, Sp. 528 (unter „Rappen“), wo bemerkt ist, daß das Wort nach E. Schröder „ursprünglich eine spöttische Bezeichnung der schlechten Pfennige“ gewesen, „die der Herr von Rappoltstein bei Kolmar 1291 unbefugterweise prägte“; vgl. Schweiz. Idiot. VI, Sp. 1178.

[1443] Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 70 (Schuk = Mark); Schwäb. Händlerspr. 484 (ebenso); s. auch Metzer Jenisch 216 (Schockum = Mark). Etymologie. Hier liegt (gleichwie wohl auch bei Bet [s. [Anm. 1440]]) zweifelsohne eine auf Grund der Ähnlichkeit von „Markt“ und „Mark“ vorgenommene Begriffsübertragung, nämlich von dem hebr. schûq = „Straße, Markt, Jahrmarkt“, vor. S. Näh. hierzu sowie über die Belege für Schock (Geschock, G’schuk) u. ä. = (Jahr-)Markt im Rotw. u. (das seltenere) Schuk (od. Schock) = Mark in der neueren Gaun.- u. Kundenspr. in Groß’ Archiv, Bd. 33, S. 283/84 u. Anm. 5 vbd. m. Bd. 59, S. 285; vgl. auch noch Fischer, Schwäb. W. B. III, Sp. 490 (unter „G[e]schock“).

[1444] S. aberwitzig u. Affengesicht.

[1445] S. Bratkartoffeln u. Bulle.

[1446] Mit Kuiete = Pulver ist zusammengesetzt Kuieterolle u. -roller = Pulvermühle, -müller. Das Wort, das m. W. im Rotw. usw. nicht vorkommt, stammt wohl aus der Zigeunersprache (s. „Einleitung“, [S. 30]); vgl. Näh. bei Pott II, S. 159 (unter „Churdo“ [Adj. = klein, zerbröckelt]), Liebich, S. 230 (gurdi = Pulver [Schießpulver]) vbd. mit S. 131, 206, 242 (churdin = Spreu, Häcksel), Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 223 (unter „churdo“: bei den deutsch. Zig.: churdin [Bedtg. wie bei Liebich], bei den böhm. Zigeun.: churdo = klein, mürbe, bei den span.: churdi = Pulver; Etym. wohl zu altind. khud = brechen), Jühling, S. 221 (Chuiärti = Pulver) u. Finck, S. 69 (xúrdi[n], Bedtg. wie bei Liebich).

[1447] S. Bierglas u. Fleischhafen.

[1448] S. Beischläferin.

[1449] S. arg u. Beischläferin.

[1450] S. Affengesicht.

[1451] S. aufhören.

[1452] S. Adler u. abbrühen; vgl. Bischof.

[1453] S. (betr. Kupfer) Frucht.

[1454] S. Eber.

[1455] S. hierzu die Zusammensetzgn.: Staubertsäftling = Mehlbeere (-stöber = Mehlbeerbaum), Staubertschottel = Mehlschüssel, Staubertrande = Mehlsack. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Staupert = Mehl); Pfulld. J.-W.-B. 342 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [211]: Staubert u. Staub, in Lütz. [215]: Staubert). Die einfachere Form Staub = Mehl kennt auch die schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72, die Händlerspr. 484 (abgesehen von Lützenhardt) sowie das Pleißlen der Killertaler 436. Über weitere Belege des sehr alten rotw. (schon im Lib. Vagat. 55 in der Form Stupart vorkommenden) Wortes, das natürlich zu unserem gemeinspr. Staub gehört, s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 77 (unter „Stöber“).

[1456] S. (betr. Säftling) Ananas.

[1457] S. Apfelbaum. — Bemerkt sei hierzu beiläufig, daß der Mehlbeerbaum (zig. jarriéngĕro rukk, zu jár[r]o = Mehl [s. Liebich, S. 140 u. 221]) bei den Zigeunern für heilig gilt, weshalb die Mehlbeere u. a. auch deweléngēro brōl, d. i. „Götterbirne“, heißt (Liebich, S. 38 u. 221).

[1458] S. Aschenbecher.

[1459] S. Bauch.

[1460] S. Adler.

[1461] S. Chaussee u. Gestein.

[1462] S. (betr. Kies) Apfelkern. — Auch bei den Zigeunern wird der Meilenstein wohl bezeichnet als troméskĕro parr (d. h. „Wegstein“) od. auch als tschiréskĕro parr (d. h. „Zeitstein“); s. Liebich, S. 162 u. 221.

[1463] S. abgerahmte Milch u. Fleischhafen. — Dieselbe Ausdrucksweise kennen die Zigeuner; s. Liebich, S. 221 vbd. m. S. 162 (thūteskĕri pīri, d. h. eigtl. „Milchnapf“, = Melkfaß).

[1464] S. (betr. Schottel) Aschenbecher. — Auch hiermit fast übereinstimmend das Zigeunerische; s. Liebich, S. 221 u. 162 (thūteskĕri turdli[n], d. h. eigtl. „Milchfaß“, = Melkgefäß).

[1465] S. Adler u. arme Leute; vgl. auch Bischof. — Die Zigeuner sagen für „Menge“ būt kettenè, d. h. „viele zusammen“; s. Liebich, S. 221.

[1466] S. erkennen.

[1467] S. Dolch.

[1468] Zu vgl. dazu (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 96 (Tschuri = Messer); Pfulld. J.-W.-B. 342, 345 (ebenso [u. dazu Tschuripflanzer = Messerschmied]; Nebenformen: Schury [= Scheermesser; Syn.; Flader-Schury] od. Schuri [= Stilett]). Zur Etymologie: Es handelt sich hier nicht etwa bloß um eine etwas veränderte Schreibung des (ja allerdings in Wittichs Jenisch sehr speziell verwendeten) Wortes Schure, sondern um eine Entlehnung aus der Zigeunersprache (vgl. „Einleitung“, [S. 31]). S. darüber die näh. Angaben (einschl. weiterer Belege im Rotw.) in Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 22 u. Anm. 1 (unter „Tschuripflanzer“) u. dazu noch Finck, S. 93 (tšuri[n] = Messer). Nach Miklosich, Denkschriften, Bd. 26, S. 197 (unter čurī) läßt sich die Vokabel bis ins Altindische (čhurī od. kšurī) zurückverfolgen.

[1469] S. Gestein.

[1470] S. Klinge.

[1471] S. (betr. -planzer) anbrennen.

[1472] S. anbeten u. Bauer.

[1473] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[1474] S. arme Leute.

[1475] S. Abort.

[1476] S. (betr. Kaflerei u. ä.) Fleischer. — Mit Schnall = Suppe sind ferner noch zusammengesetzt: Gleisschnall = Milchsuppe (Dimin.: Gleisschnälle = Milchsüppchen [Spr.]), Hegesleschnall = Spätzlessuppe (Spr.) u. Rondlingschnall = Wurstsuppe. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 345, 347 (Schnallen = Suppe, Gleisschnalla = Milchsuppe); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76, 77 (Schnalle = Suppe, Wasserschnalle = Wassersuppe); Schwäb. Händlerspr. 480, 487 (Schnall = Suppe, Wasserschnall = Brotsuppe; vgl. auch [484] Gräbeschnalle = Fallobst); s. auch noch Pfälz. Händlerspr. 438 (Schnell od. Schneltse = Suppe); auch im sonst. Rotw. bekannt in versch. Formen (s. z. B schon im Basl. Gloss. v. 1733 [202]: Schnallen, im 19. Jahrh. [seit Pfister bei Christensen [329]) öfter auch Schnelle). Zur Etymologie (vom mundartl. schnallen = „geräuschvoll schlürfen“ [Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 574 u. Grimm, D. W.-B. IX, Sp. 1163 unter „Schnalle“, Nr. 7, 6 u. Sp. 1164 unter „schnallen“, Nr. 2] s. Weber-Günther, S. 180; vgl. auch Wiss. Beih. zur Z. der Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 186.

[1477] S. Affengesicht.

[1478] S. abgerahmte Milch.

[1479] Zu Kechelte = Brötchen (Semmel, Weck) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91, 95 (gehechelter Lechem, Lehm od. Marum = weißes Brot, Gehechelter = Kuchen); W.-B. des Konst. Hans 258 (Kächelterleam = Weißbrot); Pfulld. J.-W.-B. 338 (Kächeltermano [sic] = Bäckerbrot); Schwäb. Händlerspr. 488 (Kĕchelte [in Pfedelb. (214): Ghechelter] = Weck, Semmel). Über weitere Belege im Rotw. (wo das Wort zum Teil arg verunstaltet worden] sowie in sonst. Geheimspr. (s. z. B. Frickhöfer Sprache 442 [Gehæ̂chelter = Brötchen]) s. Näh. bei Weber-Günther, S. 189; ebds. auch über die Etymologie des Ausdrucks, über die hier folgendes bemerkt sei. Kechelte(r) ist die schlechte (mundartl.) Aussprache von Gehechelte(r) u. dieses ein substantiviertes Partizip, bei dem eigentl. Lechem (= Brot) od. dergl. zu ergänzen ist (s. W.-B. v. St. Georgen 1750 [219: gehechelter Legum od. Löben = Weißbrot] sowie die oben angeführten älteren schwäb. Quellen). Zu denken ist aber dabei (nach Pott II, S. 24) „an die Beutelung des Mehls, die sich entfernt mit der Aushechelung des Flachses vergleichen läßt“, wie denn hecheln im allgemeinen Sinne (etwa von „schön machen“) früher auch sonst gebraucht worden, so z. B. sogar in der Verbindg. gehechelter Wein für einen solchen, der irgendwie künstlich behandelt war. S. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 190 vbd. mit Grimm, D. W.-B. IV, 1, Sp. 2335; vgl. auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1041.

[1480] S. (betr. Glansert) Bierglas.

[1481] S. Fleischhafen.

[1482] S. Aschenbecher.

[1483] S. Hauptmann.

[1484] S. Abort.

[1485] S. abgerahmte Milch.

[1486] S. (betr. Stichling u. Furschet) Gabel.

[1487] S. (betr. Flederling) Adler.

[1488] S. Dietrich, angenehm u. alljährlich — Auch die Zigeuner haben die sachlich gleiche Umschreibung (kek ladscho bersch) für „Mißjahr“; s. Liebich, S. 222.

[1489] S. abtragen.

[1490] S. (zu beiden Ausdr.) Abend.

[1491] Diese eigenartige Metapher ist auch bekannt der schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 74 (Bedtg.: Rüben) sowie der schwäb. Händlerspr. (in Pfedelb. [210], Bedtg.: gelbe Rüben). Sie ist ferner sonst im neueren Rotw. (schon seit Pfister bei Christensen 1814 [320] u. noch bei Rabben 53) u. in der Kundenspr. (s. Ostwald [Ku.] 55) beliebt, desgl. auch bei den Soldaten. S. Günther, Rotwelsch, S. 15 u. in d. Wiss. Beih. zur Z. d. Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 189; Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 29, Nr. 3; Horn, Soldatensprache, S. 91; vgl. i. allg. auch noch Grimm, D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 1176.

[1492] Zu vgl. hierzu (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Frosch od. Fröschchen = Monat) u. Schwäb. Händlerspr. 484 (Frösch = Monate). Nach der letzteren Stelle dürfte der sonderbare Ausdruck besonders für die Angabe der Dauer einer Freiheitsstrafe gebraucht werden, wie dies — nach Ostwald (Ku.) 53 (6 Frösch = 6 Monate Gefängnis) — auch in der allgemeinen Kundenspr. üblich zu sein scheint. Die Entstehung bleibt dunkel; auch bei Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1791, Nr. 8 ist darüber keine Erklärung gegeben.

[1493] S. Abend u. alltäglich. — Bei den Zigeunern heißt der Mond — ähnlich — die „Nachtsonne“, rattiskĕro kamm (s. Liebich, S. 141 u. 223).

[1494] S. Hauptmann u. ankleiden. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache (s. Näh. bei Liebich, S. 223).

[1495] S. ermorden.

[1496] Zu Grabagautschert od. Grabegautschert = Most (u. s. Zus. Gr.-glansert, Gr.-nolle = Mostglas, Mostkrug) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 72 (Grabbengautscher) u. Schwäb. Händlerspr. 488 (Grabbegautschert [in Pfedelb. (211): -scher]); s. auch Pleißlen der Killertaler 436 (Rappegautscher); wieder anders, nämlich Krabberkautscher bei Ostwald (Ku.) 87. Zur Etymologie: Da gautschen in der schwäb. Mundart allgemein gebräuchlich ist für „schaukeln, (sich) schaukelnd hin- und herbewegen, wiegen, schwanken“ (s. Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 109), so erscheint es sehr verführerisch, den ersten Bestandteil in Grabegautschert u. ä. mit unserem „Graben“ in einen Zusammenhang zu bringen, weil ja der Most den Zecher leicht in den Graben wirft; jedoch hat der Ausdruck damit nichts zu tun, er soll vielmehr (wie die Form Rappegautscher bei den Killertalern am deutlichsten erkennen läßt) herzuleiten sein von Rapp od. Krapp (Krabb, Grab) = Rabe, Krähe (s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 690/91 unter „Krapp[e]“) und würde demnach (weil die Raben häufig auf den Obstbäumen sitzen) soviel bedeuten wie „das Ergebnis des ‚Gautschens‘ der Raben auf den Obstbäumen“, d. i. Obst, Obstmost, Most (nach gefl. Mittlg. von Prof. Dr. O. Meisinger in Karlsruhe); vgl. auch Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36, S. 187 u. Anm. 1. — Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 691 (unter „Krappe[n]gautscher“) weist noch (für die allgemeinere Bedeutg. „saurer Wein“) hin auf den Anklang an „Rachenputzer“; vgl. ebds. V, Sp. 139.

[1497] S. Bierglas.

[1498] S. Fleischhafen.

[1499] Mit Rolle sind zusammengesetzt: a) im Anfang: Rollehertling oder -kies = Mühlstein; b) am Ende: Kuieterolle = Pulvermühle u. Flu(h)terolle = Wassermühle. Ableitg.: Roller = Müller (dazu Kuieteroller = Pulvermüller), fem.: Rollerin. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 342 (Roll = Mühle, Roller = Müller); Schwäb. Händlerspr. 484 (ebenso). Über weitere Belege der schon früh im Rotw. weitverbreiteten Vokabeln sowie die Etymologie s. das Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 42, S. 65 u. Anm. 2 u. S. 66.

[1500] S. Gestein.

[1501] S. Apfelkern.

[1502] S. Affengesicht.

[1503] S. Almosen u. abschaffen.

[1504] S. (betr. Kies) Bankier, (betr. Lobe) Bank u. (betr. -pflanzer) anbrennen. Nicht erwähnt ist hier Bichpflanzer als Synon., auf dessen Vorkommen jedoch aus der Zus. Bichpflanzerskitt = Münze (Münzwerkstätte) zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies- od. Lobepflanzer) = Falschmünzer.

[1505] S. Barschaft.

[1506] S. (betr. Kitt) Abort.

[1507] S. (betr. grandich) Adler.

[1508] S. (betr. Sins) Amtmann.

[1509] S. aufspielen.

[1510] S. Büchse.

[1511] S. Amme.

[1512] S. (betr. Glied) Bruder.

[1513] S. Eber.

[1514] S. Fingerhut.

[1515] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1516] S. anbeten.

[1517] S. abfahren.

[1518] S. abfallen.

[1519] S. abgehen.

[1520] S. (zu beiden Ausdr.) brauchbares Kind.

[1521] S. abschießen.

[1522] S. Dietrich; vgl. angenehm.

[1523] S. abschreiben.

[1524] S. anschauen.

[1525] S. absingen.

[1526] S. anreden.

[1527] S. ansagen.

[1528] S. Abend.

[1529] S. (betr. Schenagel) abschaffen.

[1530] S. essen.

[1531] S. (zu beiden Ausdr.) Abendessen.

[1532] S. Abort u. Fleischhafen.

[1533] S. (betr. Schein) alltäglich.

[1534] S. Bank.

[1535] S. (betr. Schund) abgerahmte Milch.

[1536] S. austreten (leicht).

[1537] S. Bauer.

[1538] S. brauchbarer Bursche.

[1539] S. bewerfen.

[1540] S. (zu beiden Ausdr.) ankleiden.

[1541] S. aufnähen.

[1542] S. abbeißen.

[1543] S. Dummheit.

[1544] S. aberwitzig.

[1545] S. (betr. Kitt) Abort.

[1546] S. Aas.

[1547] S. (betr. Horboga) Kalb. — Auch die Zigeuner bezeichnen das Nashorn als (baro) nakkésk(ĕ)ri gurumni, d. h. „(groß)nasige Kuh“; s. Liebich, S. 139 u. 225.

[1548] S. abbrühen.

[1549] Wenn nicht im Vokabular vielleicht doch zu lesen ist: Nässe, Flu(h)te, naß, flu(h)tich, würde es sich bei Flu(h)tich = Nässe handeln um die Substantivierung eines Adjektivs (s. flu[h]tich = feucht), bei flu(h)te = naß dagegen um Gebrauch eines Hauptworts (Bedeutg.: Wasser u. dgl.) als Eigenschaftswort (vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] a. E.).

[1550] S. Eltern u. Bruder.

[1551] S. (betr. Mamere) Amme.

[1552] S. anfassen.

[1553] S. Dietrich.

[1554] S. „das ist nichts.“

[1555] S. alljährlich.

[1556] S. Dietrich u. angenehm.

[1557] S. (betr. g’want) mutig.

[1558] S. (zu beiden Ausdr.) arg.

[1559] S. anschauen.

[1560] S. abbrennen.

[1561] S. abfallen.

[1562] S. gebären.

[1563] S. Bett u. abgehen.

[1564] S. aufwachen.

[1565] S. ausschlafen.

[1566] S. Fleischer.

[1567] S. abschießen.

[1568] S. aufschlagen.

[1569] S. Ast.

[1570] S. abschreiben.

[1571] S. arg; betr. das Subst. Schofel vgl. „Vorbemerkg.“ [S. 15], [Anm. 38] vbd. m. [S. 7], [Anm. 16].

[1572] S. bewerfen.

[1573] S. angenehm.

[1574] S. abbetteln (vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38].

[1575] S. Adler und Knödel.

[1576] Sachlich übereinstimmend damit auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 226 (tschi, d. h. „nichts“ = Null).

[1577] S. Haselnuß.

[1578] S. (betr. Stöber) Apfelbaum.

[1579] S. Apfelkern.

[1580] S. anmutig.

[1581] S. Abort.

[1582] S. Gaumen.

[1583] S. Adler u. Forstmann; vgl. Bischof.

[1584] S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.

[1585] S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 227.

[1586] S. abbeißen.

[1587] S. Apfelbaum u. abbiegen.

[1588] S. (betr. Sore) Brücke.

[1589] S. Bulle.

[1590] S. (betr. Schmunk) Bratkartoffeln.

[1591] S. Aas.

[1592] S. Affengesicht u. Gulasch.

[1593] S. (Schottel) Aschenbecher.

[1594] S. Fleischer.

[1595] S. Entenstall.

[1596] S. Backofen.

[1597] Schwä(t)zling (od. Schwetzling) = Ruß kommt noch vor in der Zusammensetzg. Schwä(t)zlingbossert = Schinken (d. h. eigentl. „Ruß- od. Rauchfleisch“). Der Etymologie nach ist es jedenfalls nur schlechte Aussprache für Schwärzling, gehört also zu „schwarz“. Doch findet sich — auch in der richtigen Schreibung — die Vokabel in der jenisch. Bedeutg. m. Wiss. nicht in den verw. Quellen oder im sonst. Rotw., in dem vielmehr Schwärzling für „Kaffee(bohne)“ vorkommt; s. u. a. v. Grolman 65 u. T.-G. 104; Karmayer G.-D. 218; A.-L. 606; Groß 493; nach Ostwald (Ku.) 141 auch = Tinte.

[1598] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1599] S. abschaffen.

[1600] S. Hauptmann vbd. m. Adler u. angenehm; vgl. Bischof.

[1601] S. Adler.

[1602] S. Eltern u. Bruder.

[1603] S. (betr. Mamere) Amme. — Auch von den Zigeunern wird für „Oheim“ unterschieden dādéskĕro und dākro prāl, d. h. „väterlicher (des Vaters)“ u. „mütterlicher (der Mutter) Bruder“; s. Liebich, S. 131 u. 207.

[1604] Zus. damit: Loslingschlang = Ohrring. Zu vgl. (aus dem. verw. Quellenkr.): Schwäb Händlerspr. 484 (Loser = Ohr; vgl. [482] losere [in Pfedelb. (210): losen] = hören); s. auch Regensb. Rotw. 489 (Luser = Ohr); auch schon (mit der Endung -ling) im älteren Rotw. des 15. u. 16. Jahrh. (s. schon Basl. Betrügnisse um 1450 [15: Luselinge = Ohren]; Lib. Vagat. 54 [Lüßlinng = Ohr] u. a. m.) bekannt. Etymologie: Der Ausdr. gehört, wie das weidmänn. (u. wohl auch sonst mundartl. gebr.) Loser (Luser) = Ohr des Wildes (eigentl. „Aufhorcher“ [vgl. mhd. losære = Horcher, Lauscher, ahd. losari = Hörer, Zuhörer]), zu dem Zeitw. losen (schon mhd. losen, ahd. [h]losên, losên) = aufhorchen, zuhören; s. Pott II, S. 20 vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1297 (unter Loser, Nr. 3), Sp. 1298 (unter „losere[n]“, Sp. 1346 (unter „Luser“) u. Weigand, W.-B. II, Sp. 85.

[1605] S. (betr. Schlang), Halskette.

[1606] Bei dieser (m. Wiss. im Rotw. u. in d. sonstigen Geheimsprachen nicht bekannten) eigentümlichen Redensart ist Käfferle wohl nicht (wie bei Käfferle = Junggeselle oder Greis) zu Kaffer im Sinne von „Mann (Kerl)“, sondern im Sinne vor „Bauer“ zu stellen, und zwar dürfte es sich sehr wahrscheinlich handeln um eine jenische Übersetzung der mundartl. fast in ganz Deutschland (einschl. Schweiz und Österreich) verbreiteten Bezeichnung „kalter Bauer“ für Onanie bzw. Pollution u. deren Spuren; s. dazu die Redensarten: den kalten Bauern schlagen od. herunterreißen (steir.) u. zu vgl. im einzelnen über die deutsch. Mundarten: Grimm, D. W.-B. I. Sp. 1176 (unter „Bauer“, Nr. 2) vbd. mit Müller in den „Anthropophyteia“, Bd. VIII, S. 20. Ob nun aber hierbei der Ausdruck „Bauer“ wirklich = rusticus (Landmann) aufzufassen ist (wofür z. B. unbedenklich Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 703 [unter „Bauer“, Nr. 3, d] eingetreten) oder ob man ihn mit Grimm, a. a. O., Sp. 1175 als ein eigenes (auf das Gotische zurückzuführendes) Wort im Sinne von voluptas, libido nehmen will, mag dahingestellt bleiben. Für das Adj. kalt (hier etwa = „wider die Natur“) verweist Fischer, a. a. O. auf „die Vorstellung von der ‚kalten‘ Natur der Teufelsbuhlschaft.“

[1607] S. Dom u. Almosen.

[1608] S. (betr. Lobe u. Kies) Bank u. Bankier.

[1609] S. Bauerndorf.

[1610] S. (zu beiden Ausdr.) Bürgermeister.

[1611] S. Ei u. Feiertag. — Auch bei den Zigeunern kommt wohl jāréngĕro gurko (d. h. „Eiersonntag“) für Ostern vor, doch scheint dafür jetzt jāréngĕro diwes (d. h. „Eiertag“) gebräuchlicher zu sein, das jedoch auch entsprechend dem jenisch. Bäzamaschei — den Karfreitag bedeutet; s. Liebich, S. 140 u. 227 vbd. mit Finck, S. 55; vgl. oben unter „Karfreitag“.

[1612] Eine Deutung des Wortes Laich in dieser Verbdg. vermag ich nicht zu geben.

[1613] S. Degen.

[1614] S. ansagen u. Adler. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (rak[k]erpáskĕro tschirkulo [tširklo], d. h. etwa „der gesprächige Vogel“, = Papagei): s. Liebich, S. 118, 155 u. 228 vbd. m. Finck, S. 92; vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 18].

[1615] S. Attest u. Almosen.

[1616] S. (betr. Lobe) Bank.

[1617] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1618] S. Adler u. Bischof. Ebds. (S. 391, Anm. 116) auch betr. die Zigeunersprache.

[1619] S. Gewerbeschein.

[1620] S. Geistlicher.

[1621] S. Chaussee.

[1622] S. Baumholz.

[1623] S. Kessel.

[1624] S. (betr. Kitt) Abort.

[1625] S. angenehm u. Adler. — Bei den Zigeunern kommt für den Pfau (neben pōno od. pōni [s. Pott II, S. 362; Liebich, S. 152 u. 228; Finck, S. 79]) auch gisĕwo tschirkulo (tširklo), d. h. „stolzer Vogel“, vor (nach Liebich, S. 228); vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 18], [Anm. 47].

[1626] S. dazu das Zeitw. dämpfe(n) = (Tabak) rauchen sowie die weitere Ableitung Dämpfere od. Dämpfete (Spr.) = Zigarre (u. dazu die Zus. Dämpferereiber = Zigarrenbeutel). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 343, 345 (Dämpfköllen = Pfeife, Tabakspfeife); Schwäb. Händlerspr. 485, 488 (dämpfen = rauchen, Dämpfere = Zigarre); s. auch Pleißlen der Killertaler 434 (Dämpfer = Schnupftabak). Zur Etymologie (von „Dampf“, „dampfen“) s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46.

[1627] Mit Toberich (= a) Tabak; b) Pfeife [Tabakspfeife]) sind mehrere Zusammensetzgn. gebildet worden, u. zwar: a) in der ersten Bedeutg.: Toberichrande od. -reiber = Tabaksbeutel, Toberichschure = (Tabaks-) Pfeife, auch Zigarre (od. bloß Tabak); b) in der zweiten Bedeutg.: Toberichki(e)bes = Pfeifenkopf. Ableitung: toberiche = (Tabak) rauchen, während für „schnupfen“ die Verbindg. Toberich muffe(n), d. h. eigtl. „Tabak riechen“) gebraucht wird. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Dobrisch = Tabak, Dobrischfinne, -klinge = Tabaksdose, -pfeife; D. schwächen = Tabak rauchen); W.-B. des Konstanzer Hans 255 (Dow’re = Tabak, D. schwäche = Tabak rauchen); Pfulld. J.-W.-B. 343-345 (Dobere = Tabak, Schnupftabak, Dobereckling = Tabakspfeife); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Doverich = Tabak); Schwäb. Händlerspr. 485, 487, 488 (Tôberich [in Pfedelb. (213): Dowerich] = Tabak, Zigarre [für letzteres auch Tob(e)rich(s)stengel], Tôberichskling [in Pfedelb. (213): Dowerichsklinge] od. Tôbere = [Tabaks-]Pfeife, tôberichen [in Pfedelb. (212): dowrichen] = rauchen). Über weitere Rotw. Belege (seit d. Basl. Glossar v. 1733 [202: Doberen]) sowie die Etymologie des Wortes (das von einigen mit der Zigeunersprache [tūvăli = Rauchtabak (s. z. B. Liebich, S. 166, 244 u. Finck, S. 94)] in Verbindg. gebracht worden, einfacher aber doch wohl als bloße Verunstaltung von „Tobak“ aufzufassen sein dürfte) s. Näh. in Groß’ Archiv, Bd. 43, S. 46, 47 u. Anm. 2; vgl. auch Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, 36. Heft, S. 186, Anm. 1 sowie Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 235/36.

[1628] S. (betr. Schure) abbiegen.

[1629] S. Angesicht.

[1630] S. Brücke.

[1631] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[1632] S. Kupfergeld.

[1633] S. Füllen.

[1634] S. (betr. Schwäche[rle]) Amme.

[1635] S. Aas.

[1636] S. Entenfuß.

[1637] S. Augenbrauen.

[1638] S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.

[1639] S. Fleischer.

[1640] S. Entenstall.

[1641] S. Geist u. Feiertag. — Die Beziehung auf die Ausgießung des heiligen Geistes in diesem Ausdrucke tritt noch deutlicher hervor in dem gleichbed. zigeunerisch. dūlo tucho dīwes, d. h. „heiliger Geisttag“ (neben d. einfacheren dūlŏ dīwes, d. h. „heiliger Tag“); s. Liebich, S. 228 u. 134 vbd. m. Finck, S. 55.

[1642] S. Apfelkern u. Bankier.

[1643] S. Chaussee u. Almosen.

[1644] S. zu diesem (natürlich von „blau“ hergeleiteten) Worte die Zus. Blaulingstöber u. -kies = Pflaumenbaum u. -kern. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): nur Schwäb. Händlerspr. 485 (Bläuling = Pflaume); im Rotw. gleichbed. wohl Blauerling (s. z. B. bei v. Grolman 9 u. T.-G. 114 u. Karmayer G.-D. 192), während schon in älterer Zeit (z. B. im W.-B. von St. Georgen 1750 [217]) Blauling für „Milch“ vorkommt. Über Blauhanze s. unter „Zwetschgen“.

[1645] S. (betr. Stöber) Apfelbaum.

[1646] S. Apfelkern.

[1647] S. Baumholz.

[1648] S. Entenfuß.

[1649] S. austreten (leicht) u. (betr. Flu[h]te) abbrühen.

[1650] S. abschießen.

[1651] S. ansagen u. Affengesicht.

[1652] S. anreden.

[1653] S. ansagen.

[1654] S. Fleischhafen.

[1655] S. einsalzen u. Aas.

[1656] S. Amtsdiener.

[1657] S. (betr. Kitt) Abort.

[1658] S. (betr. grandich) Adler; vgl. Bischof.

[1659] S. (zu beiden Ausdr.) Haushund.

[1660] S. Brücke.

[1661] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[1662] S. Dummheit.

[1663] S. Attest u. abtragen.

[1664] S. (betr. Rädling) Eisenbahnwagen.

[1665] S. angenehm; vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] vbd. m. [S. 7], [Anm. 16].

[1666] S. anbeten.

[1667] S. Geistlicher.

[1668] S. Bischof.

[1669] S. (betr. Malfes) Frauenrock.

[1670] S. evangelisch.

[1671] S. Baumholz.

[1672] S. aufschlagen.

[1673] S. Ast.

[1674] S. Fehde.

[1675] S. beschenken.

[1676] S. Bierglas.

[1677] S. Mastpulver.

[1678] S. (betr. Rolle[r]) Mühle.

[1679] S. abkochen u. Apfelwein.

[1680] S. abbiegen.

[1681] S. abwaschen.

[1682] S. arg, absterben u. Amtmann. — Bei den Zigeunern findet sich der Begriff negativ umschrieben durch tschi tschātscho (od. ladscho) radíngĕro (radískĕro), d. h. „kein rechter (od. guter) Arzt“; s. Liebich, S. 154 u. 230.

[1683] S. Adler u. Apfelkern.

[1684] S. Hauswirt.

[1685] S. (betr. Fi[e]sel u. Freier) Bettelbube u. Fremder.

[1686] S. Bauer u. Amtmann.

[1687] S. Bauernfrau u. Amtmann.

[1688] S. Beischläferin.

[1689] S. abbrühen.

[1690] S. Bauch.

[1691] S. Jude u. Geistlicher.

[1692] S. Hebräer u. Bischof.

[1693] Die gleiche Umschreibung (bipoldéngĕro raschai, d. h. „Judenpriester“) kennen auch die Zigeuner; s. Liebich, S. 128 u. 230.

[1694] S. arg u. Adler; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 49].

[1695] S. abgerahmte Milch.

[1696] S. Füllen.

[1697] S. Dolch.

[1698] S. Messer.

[1699] S. dazu die Zusammensetzgn. Sturmkittglitschin u. -gluber = Rathausschlüssel u. -uhr sowie Sturmkittsins = Ratsherr. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (Sturmkitt = Rathaus); W.-B. des Konst. Hans 254 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. (U. [214]: ebenso; vgl. ebds. [214]: hohe Sturmkitt = Amtsgericht). Auch sonst im Rotw. neben den Synon. Sturm-Kaste(n) (s. z. B. schon A. Hempel 1687 [167]), Sturm-Bayes (s. z. B. Pfister bei Christensen 1814 [331]) od. Sturmkandich (s. z. B. v. Grolman 70 n. T.-G. 116). Zur Etymologie s. Pott II, S. 18 u. A.-L. 612, nach denen die erste Silbe in diesen Zusammensetzgn. zu unserem Worte „Turm“ gehört (also Sturmkitt wohl = „s’Turmkitt“, abgek. für das Turmkitt, d. h. „das Turmhaus“), weil die Rathäuser „gewöhnlich mit einem Turm geziert“ sind (A.-L., a. a. O.).

[1700] S. (betr. Glitschin) Dietrich.

[1701] Mit Gluber (auch Gluper od. Kluper od. — am richtigsten wohl — Luber) = Uhr sind auch noch zusammengesetzt (am Anfang): Luberkitt = Uhrgehäuse, Luberschlang = Uhrkette, Luberpflanzer = Uhrmacher, Luberglitschin = Uhrschlüssel, Luberrande = Uhrtasche. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 98 (Lupper = Sackuhr); W.-B. des Konst. Hans 254 (ebenso; vgl. auch 258: Lopper u. Lapper); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Lupper [od. Nopper] = Uhr, Randelupper, bes. = Sackuhr); Schwäb. Händlerspr. 487 (Lôber[e], Lubbere, Klupper [in Pfedelb. (213): Glupper (od. Gluckere), in Lütz. (215): Klepper] = Uhr, Taschenuhr). Über weitere Belege im Rotw. s. noch Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 23, Anm. 2. Ebds. S. 24 auch über die Hypothesen betr. die (zweifelhafte) Etymologie, unter denen diejenige, die den Ausdruck mit d. niederd. lupen (lopen) = laufen in Zusammenhang gebracht hat, wohl noch am annehmbarsten erscheint; s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1263 (unter „Lober“ II) vbd. mit Sp. 1346 (unter „Lupper[e]“). Vgl. auch unten die Anm. zu dem ähnl. Synon. Gengle (unter „Uhr“).

[1702] S. (betr. Sins) Amtmann.

[1703] S. (zu beiden Ausdr.) Bürgermeister.

[1704] S. anfassen.

[1705] S. ausstehlen.

[1706] S. (zu beiden Ausdr.) Pfeife.

[1707] S. Backofen u. Aas.

[1708] S. abbeißen.

[1709] S. berauscht; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] vbd. mit [S. 7], [Anm. 16].

[1710] S. Amme.

[1711] S. Apfelwein.

[1712] S. Ananas u. Henne bezw. Hahn.

[1713] Die sachlich gleiche Ausdrucksweise kennen auch die Zigeuner; s. Liebich, S. 152 u. 231 (porréskĕri kachnin = Rebhuhn, eigtl. „Busch- od. Waldhuhn“, zu porr = Busch, Gebüsch, Gehölz, Wald u. dergl.).

[1714] S. anreden.

[1715] S. ansagen.

[1716] S. austreten (leicht).

[1717] S. (betr. Reifling) Fingerring. — Auch bei den Zigeunern heißt der Regenbogen brschindéskĕri gusterin, d. i. „Regenring“ od. deweléskĕri (an)gusterin, d. i. „Gottes Ring“ (nach Liebich, S. 129 u. 231).

[1718] S. alltäglich.

[1719] S. abbrühen.

[1720] S. Adler.

[1721] S. (betr. Ruch) Bauer.

[1722] S. (betr. Sins) Amtmann; vgl. auch Bischof.

[1723] S. (betr. Schure) abbiegen u. (betr. Sore) Brücke; vgl. Bischof.

[1724] S. abwaschen.

[1725] S. angenehm.

[1726] Über die sachlich gleiche Bezeichnung (bāro rai) für den Richter bei den Zigeunern s. Näh. bei Liebich, S. 232; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 17].

[1727] S. arg u. Bank.

[1728] S. Aas.

[1729] S. Adler u. Bauer. — Sachlich übereinstimmende Ausdrucksweise auch in der Zigeunersprache; s. Liebich, S. 232 (bāro dschēno od. gādscho, d. h. „großer Mensch (Kerl)“, = Riese); vgl. „Vorbemerkung“, [S. 17].

[1730] S. Kalb.

[1731] S. (betr. Schmunk) Bratkartoffeln.

[1732] S. Entenstall.

[1733] S. Aschenbecher.

[1734] S. Fleischer.

[1735] S. Fingerring.

[1736] S. Frauenrock.

[1737] S. (betr. Rande) Bauch.

[1738] S. Frucht.

[1739] S. anbeten u. Halskette. — Sachlich übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 153 u. 233 u. Finck, S. 95 (prisermásk[ē]ri wērklin, d. h. „die Betkette“, = Rosenkranz).

[1740] S. arg.

[1741] S. aufwachen.

[1742] S. ausschlafen.

[1743] S. Ofenruß.

[1744] S. Adler u. Frauenstube. — Sachl. übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 234 (bāri [od. buchli] tattin [od. isma], d. h. „große [od. weite] Stube“ = Saal); vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 17].

[1745] S. Degen.

[1746] S. Brücke.

[1747] S. Bauch.

[1748] S. Beutel; vgl. Bankier.

[1749] S. abgerahmte Milch.

[1750] S. Gulasch.

[1751] S. einsalzen.

[1752] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[1753] S. (betr. Schwimmerling) Fisch.

[1754] S. (betr. Bossert) Aas.

[1755] S. Fleischhafen.

[1756] S. angenehm.

[1757] S. absingen.

[1758] S. absterben u. Abort. — Auch bei den Zigeunern kommt für den Sarg muléskĕro ker, d. h. „Totenhaus“, vor neben muléskĕri kistari, d. h. „Totenkiste“, oder muléskéro rukk, d. h. „Totenbaum“ („weil vormals ein ausgehöhlter Baum als Sarg diente“); s. Liebich, S. 147 u. 234; vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 18].

[1759] S. dazu die Zusammenstzgn.: Koelebossert = „Teufelsbraten“, Koeleklettert = „Teufelstisch“ (?) u. Koelesgroenert (d. h. eigtl. „Teufelskraut“) = Unkraut (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); eine Ableitg. davon ist das Adj. koelich = teuflisch. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 345 (Kohle = Teufel, kohlezopfen = „Teufelholen“); Schwäb. Händlerspr. 487 (Kôle, Koule [od. Quane] = Teufel). Sonst m. Wiss. unbekannt. Die Etymologie des Wortes ist unsicher. Bei der Form Ko(h)le könnte man ja allenfalls an eine Metapher mit Bez. auf die (kohl)schwarze Farbe des Teufels denken (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 66); nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 575 (unter „Kole“ I) liegt dagegen — ebenso wie bei Quane in der schwäb. Händlerspr. (s. Sp. 889) — vielleicht eine koseformartige Verunstaltung des Eigennamens Konrad vor, der (gleich verschiedenen anderen Eigennamen) in manchen Gegenden für den Teufel vorkommt (vgl. dazu Fischer, a. a. O. IV, Sp. 608 unter „Konrad“, Nr. 4 vbd. mit Wackernagel, Kleinere Schriften [Leipz. 1872 ff.], Bd. III, S. 151/52 u. O. Meisinger, die Appellativnamen in den hochd. Mundarten [Progr.] I [Lörrach 1904], S. 15, 16).

[1760] S. Adler u. Abendessen; vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38].

[1761] S. Eber.

[1762] S. abwaschen.

[1763] S. Gemüse.

[1764] S. Amme.

[1765] S. (betr. Benk) brauchbarer Bursche u. (betr. Schure) abbiegen.

[1766] S. Entenstall.

[1767] S. Angesicht.

[1768] S. Hammel.

[1769] S. (betr. grandich) Adler; vgl. auch Bischof.

[1770] S. [Anm. 1765] a. E.

[1771] S. Haushund.

[1772] S. Bauernfrau.

[1773] S. abschaffen.

[1774] S. Glied (weibliches).

[1775] S. arg.

[1776] S. anschauen.

[1777] S. Äquilibrist u. Abort.

[1778] S. Baumholz.

[1779] S. Ärger.

[1780] S. Bank.

[1781] S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.

[1782] S. Entenfuß.

[1783] Zu Schaffel = Scheune (Schuppen, Speicher, Tenne), Dimin.: Schaffelle (Spr.), vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 344 (Schaffel[e] = Scheuer); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Schafell = Scheune). Im sonst. Rotw. findet sich (in älterer Zeit) die Form Schabelle(n) — für Scheune, „Stadel“ u. dgl. = (s. z. B. Hempel 1687 [169]; Waldheim. Lex. 1726 [188]; Hildburgh. W.-B. 1753 ff. [251] u. a. m.), später auch Schowelle (s. z. B Pfister bei Christensen 1814 [330]; v. Grolman 63 u. T.-G. 118; Thiele 311), Schabolle, Schapolle, Schewelle u. ä. (s. A.-L. 598 unter „Schibboles“). Ob auch das gleichbed. Schambutter (so z. B. schon im W.-B. des Konst. Hans 258 sowie im 19. Jahrh.) nur eine Weiterbildung desselben Stammes ist, wage ich nicht zu entscheiden; wegen der abweichenden Bedeutung zu trennen dürften dagegen wohl sein Schaffel (Schaffehl oder Schaffihl) = Schüssel (z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [328] und v. Grolman 58 u. T.-G. 120) bezw. Schaffel = Schlüssel (z. B. bei Falkenberg 1818 [334]). Etymologie: Der Ausdruck darf wohl mit A.-L. 598 hergeleitet werden vom hebr. schibbôlet = Ähre (Kornähre), woraus die Begriffserweiterung zu „Scheune“ u. dgl. unschwer zu erklären ist.

[1784] S. abschießen.

[1785] S. Büchse.

[1786] S. (betr. Kitt) Abort.

[1787] S. Mastpulver.

[1788] S. abbrühen u. Frucht.

[1789] S. Füllen.

[1790] S. Ofenruß u. Aas — An das in Schwär(z)ling steckende „schwarz“ erinnert auch die Ausdrucksweise der Zigeuner, die den Schinken (nach Liebich, S. 135 u. 236) durch gālo mass, d. h. „schwarzes (geräuchertes) Fleisch“, od. baléskĕro méllelo mass, d. h. „schwarzes Schweinefleisch“, umschreiben.

[1791] Zu Dächle = (Regen-)Schirm s. die Zus.: Dächlespflanzer(in) = Schirmflicker(in) (u. dazu Dächlespflanzerulma = Schirmflickerleute) u. Dächlesrande = Schirmsack (sämtl. in den Spr.). Der (in den Geheimsprachen sonst m. Wiss. nicht gebräuchl.) Ausdruck ist wohl nur eine Weiterbildung (verkleinerte Verkürzung) des (neueren) volkstüml. „Regendach“ für Regenschirm (vgl. dazu Grimm, D. W.-B. VIII, Sp. 519).

[1792] S. Fisch.

[1793] S. (betr. -pflanzer[in]) anbrennen.

[1794] S. (betr. Ulma) arme Leute.

[1795] S. Bauch.

[1796] S. ermorden.

[1797] S. Fleischer.

[1798] S. (betr. Kitt) Abort; vgl. Metzgerhaus.

[1799] S. aufwachen.

[1800] S. ausschlafen.

[1801] S. abgeben.

[1802] S. aufschlagen.

[1803] S. Ast.

[1804] S. dazu verkobere = verhauen. — Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Pfulld. J.-W.-B. 337, 343, 345 (koberen = auspeitschen, prügeln, schlagen, makoberen od. mulkobern = totschlagen [s. betr. mul = tot (aus dem Zigeun.): Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 81], Koberei = Schlag, Streich); Schwäb. Händlerspr. 486 (Koprement[e] = Schläge). Im sonst Rotw. selten; s. jedoch z. B. noch v. Grolman, Aktenmäß. Gesch. 1813 (312: Koberment gedockt = Schläge gegeben). Die Etymologie ist zweifelhaft. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 627 hat zu Koprement das ital. coprire = „zudecken“ (mit einem Fragezeichen) herangezogen. Nach Grimm, D. W.-B. V, Sp. 1546, Nr. 3, lit. g u. Sp. 1547 soll das in deutschen Mundarten verbreitete kobern = „durchprügeln“ (auch Kober kriegen = „Prügel kriegen“ u. ä. m.) entstanden sein aus dem latein. recuperare = „sich erholen“ (vielleicht in scherzhafter Anwendung), das jedoch zugleich wohl auch mit einem abgestorbenen germanischen Stamm verwachsen sei.

[1805] S. Fehde.

[1806] S. abbrühen u. Abort bezw. abgerahmte Milch. — Bei den Zigeunern wird der Schlamm (nach Liebich, S. 164 u. 236 durch sāno tschikk, d. h. „dünner Schmutz“, umschrieben.

[1807] S. besonnen.

[1808] S. arg.

[1809] S. abschließen.

[1810] S. Dietrich u. anbrennen.

[1811] S. angenehm u. Abort.

[1812] S. ausweinen.

[1813] S. aufwachen.

[1814] S. ausschlafen.

[1815] S. Dietrich.

[1816] S. (zu beiden Ausdr.) arg; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] vbd. m. [S. 8], [Anm. 20].

[1817] S. Ärger.

[1818] S. Bratkartoffeln.

[1819] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[1820] S. essen.

[1821] S. Aas.

[1822] S. bewerfen.

[1823] S. abgerahmte Milch.

[1824] S. Affengesicht.

[1825] S. aufnähen.

[1826] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[1827] S. Pfeife u. Aas. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 160, 238 u. 244 (me sungāwa tuwăli, d. h. „ich rieche Tabak“, = ich schnupfe.)

[1828] S. angenehm.

[1829] S. Bierglas.

[1830] S. Fleischhafen.

[1831] S. Angst.

[1832] S. abschreiben; betr. gefebert = schriftlich vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36].

[1833] S. Attest.

[1834] Mit Klettert (= Tisch [Tafel]) sind weiter noch zusammengesetzt: a) im Anfang: Klettertpflanzer = Tischler; b) am Ende: Koeleklettert = „Teufelstisch“ (?). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 100 (Glettert = Tisch); W.-B. des Konst. Hans 259 (Kleppert = Tisch). Zur Etymologie: Ohne Zweifel ist die ältere Form Glettert (aus der durch mundartl. Aussprache leicht Klettert entstehen konnte) richtiger als Kleppert und (wie auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 676 meint) nichts anderes als das ältere Glattert (s. z. B. A. Hempel 1687 [167] u. Waldh. Lex. 1726 [190]), das seinerseits dem noch älteren Glatthart u. ä. (s. Lib. Vagat. 53 u. schon bei G. Edlibach um 1490 [20: Glatthar]) entspricht (mit Bez. auf die Glätte der Tischplatte; vgl. im Pfulld. J.-W.-B. 345: Glatt = Tisch). S. Stumme, S. 24; Günther, Rotwelsch, S. 59; vgl. auch Pott II, S. 34 u. A.-L. IV, S. 282/83 sowie schon „Vorbemerkg.“, [S. 10].

[1835] S. ausweinen.

[1836] S. (betr. grandich) Adler; vgl. Bischof.

[1837] S. Entenfuß.

[1838] S. Ferse.

[1839] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1840] S. borgen.

[1841] S. Borg (auf —)

[1842] S. Lehrer u. Abort.

[1843] S. brauchbares Kind u. aufschlagen; vgl. Lehrer.

[1844] S. (zu beiden Ausdr.) Bürgermeister.

[1845] S. Scheune.

[1846] S. Frauenschürze.

[1847] S. Aschenbecher.

[1848] S. Ferse, anbrennen u. Bauernfrau.

[1849] S. aberwitzig.

[1850] S. Gabel u. Adler. — Sachl. übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (forschettākro tschirkŭlo, d. h. „Gabelvogel“, — neben forschettākri porin, d. h. „Gabelschwanz“); s. Liebich, S. 135 u. 239.

[1851] S. Adler u. Gans; vgl. Bischof. — Dieselbe Art der Umschreibung kennen die Zigeuner; s. Liebich, S. 239 (bāri pāpin, d. h. „große Gans“ = Schwan); vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 17].

[1852] S. Adler u. Bauch.

[1853] S. (betr. bosten) abgehen.

[1854] S. arg u. Bäcker.

[1855] S. behext u. Bauer.

[1856] S. ansagen.

[1857] S. aufhören.

[1858] S. (zu beiden Ausdr.) Eber.

[1859] S. (betr. Bossert) Aas.

[1860] S. abkaufen.

[1861] S. Fleischer.

[1862] S. Amme.

[1863] S. Augenbrauen.

[1864] S. Degen.

[1865] S. Bruder.

[1866] S. Beischläferin.

[1867] S. Adler u. absterben; vgl. Bischof; s. auch (betr. die Substantivierung des Adj) „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 38].

[1868] S. abbrühen u. abgehen. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. das Näh. schon in der „Vorbemerkg“, [S. 17], [Anm. 44] a. E. vbd. mit Liebich, S. 240 (unter „schwitzen“).

[1869] S. (betr. Kib) Haushund.

[1870] S. anschauen.

[1871] S. Äquilibrist.

[1872] S. Milchbrötchen.

[1873] S. Frucht u. Brücke. — Im Zigeun. heißt (nach Liebich, S. 164 u. 240) die Sense kasséskĕri tschinamáskĕri, d. h. „ein Heuschneideding“ (zu kass = Heu), od. wohl auch bloß tschinamáskĕri.

[1874] S. Bank.

[1875] S. absterben.

[1876] S. Affengesicht.

[1877] S. absingen.

[1878] S. (betr. Fläderling) Adler.

[1879] S. aberwitzig.

[1880] S. angenehm.

[1881] S. elend.

[1882] S. daher (a. E.)

[1883] S. Bauer u. Fußlappen.

[1884] S. brauchbarer Bursche.

[1885] S. Bettelbube.

[1886] S. Fremder.

[1887] S. Bruder.

[1888] S. Almosen.

[1889] S. Bank.

[1890] S. abzahlen.

[1891] S. Hauptmann.

[1892] S. (betr. Mos) Bauernfrau.

[1893] S. Fingerhut.

[1894] S. Gasthaus.

[1895] S. Aas u. alltäglich. — Auch die Zigeuner kennen für Sonntag (neben dem einfachen gurko) die Umschreibung más(s)elo diwes, d. h. ebenfalls „Fleischtag“ (s. Liebich, S. 145, 190 u. 241 sowie Finck, S. 55 u. 72), weil an diesem Tage ausnahmsweise „Fleisch aufgetragen zu werden pflegt“ (Liebich, S. 85); vgl. auch schon „Vorbemerkg.“, [S. 18].

[1896] S. Feiertag.

[1897] S. Angst.

[1898] S. anschauen.

[1899] S. Knödel.

[1900] S. (betr. Schnall) Metzelsuppe.

[1901] S. abgehen.

[1902] S. Bratkartoffeln u. Aas.

[1903] S. Scheune.

[1904] S. Abendessen.

[1905] S. essen.

[1906] S. abschließen.

[1907] S. aufspielen.

[1908] S. absterben u. Abort.

[1909] S. Baumholz.

[1910] S. anreden.

[1911] S. ansagen.

[1912] S. Gespenst.

[1913] S. Adler.

[1914] S. Dorn; vgl. Igel.

[1915] Mit Steinhäufle sind zusammengesetzt: a) im Anfang: Steinhäuflesulme = Städter; b) am Ende: Patrissteinhäufle = Vaterstadt u. Vorsteinhäufle = Vorstadt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Steinhäufle = Stadt); Pfulld. J.-W.-B. 345 (ebenso); Schwäb. Händlerspr. 486 (desgl., nur in Wolfach auch = Dorf [s. 480]). Zur Etymologie (Dimin. von dem humorist., im Rotw. schon seit dem 18. Jahrh. [s. z. B. Hildburgh. W.-B. 1753 ff. (232)] auftretenden Ausdr. Steinhaufen = Stadt [s. A.-L. 611]) vgl. Näh. noch (z. B. auch über Verbindgn. u. Zus. mit dem Worte zur Bezeichnung bestimmter Städte) bei Günther in der Zeitschr. „Die Polizei“, Jahrg. IV (1906), S. 122/23. — Nach Wittichs „Einleitung“, [S. 27] soll für Steinhäufle im Jenischen früher Mogumle od. Mokem gebräuchlich gewesen u. Mochum sogar noch jetzt üblich sein, obwohl es mehr für „Dorf“ vorzukommen scheint; vgl. Näh. unter „Dorf“.

[1916] S. (betr. Ulme) arme Leute.

[1917] S. Entenstall.

[1918] S. Apfelbaum u. Baumholz. Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. Liebich, S. 242 (rukkéskĕro gascht, eigtl. etwa „Baumholz“, = Stamm).

[1919] S. (betr. grandich) Adler; vgl. Bischof. — Vgl. i. d. Zigeunerspr.: bāro sāno gascht, d. h. „großes (langes) dünnes Holz“, = Stange; s. Liebich, 242.

[1920] S. absterben. — Vgl. auch im Zigeun.: mulo (eigtl. „tot“) = starr (Liebich, S. 242).

[1921] S. betr. (Ki[e]bes) Angesicht. — Vgl. im Zigeun.: pesso schēro, d. h. „Dickkopf“, = Starrkopf (Liebich, S. 242).

[1922] Zu dupfen = stechen (auch als Subst. Dupfen = Stich, das Stechen) s. d. Zus. Dupfsins = Wundarzt. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 101 (vertupfen = verstechen); Schöll 271 (verdupfen = erstechen); Pfulld. J.-W.-B. 339, 346 (dupfen = verstechen, verlupfen [lies: verdupfen] = erstechen); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 69 u. 75 (dupfen = stechen, tupfen = erstechen); Schwäb. Händlerspr. 486 (dupfen = stechen). Auch sonst noch im (neueren) Rotw. gebr. (s. z. B. Schintermicherl 1807 (288: tupfen = stechen], Pfister bei Christensen 1814 [319: dupfen = stechen] u. a. m.). Zur Etymologie (von unserem gemeinspr., bes. in Süddeutschl. gebräuchl. Zeitw. tupfen = „gelinde spitz anstoßen“) s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 472-73 (unter „tupfen“) vbd. mit Weigand, W.-B. II, Sp. 1088; vgl. auch Schmeller, W.-B. I, Sp. 615.

[1923] S. arg u. Attest.

[1924] Vgl. (betr. Spraus) [Anm. 1909]. — Es handelt sich hierbei um ein Wortspiel, indem man das „Steck-“ in Steckbrief als „Stecken“ (= Stock, Holz) aufgefaßt und dann ins Jenische übersetzt hat (vgl. Stock). Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 242 u. Finck, S. 70 (gaschtĕno [od. kašteno] līl, d. h. eigtl. „hölzerner Brief“ od. „Steckenbrief“, = Steckbrief neben gālo [od. kālo] līl, d. h. eigtl. „schwarzer Brief“); vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 46] u. [47].

[1925] S. Chaussee.

[1926] S. anfassen.

[1927] S. ausstehlen.

[1928] S. Gestein.

[1929] S. Apfelkern.

[1930] S. absterben u. Adler; betr. die Übereinstimmung mit d. Zigeunern s. Käuzchen.

[1931] S. (betr. -guffer) aufschlagen.

[1932] S. (betr. Sauft) Bett.

[1933] S. ankleiden.

[1934] S. Abend u. alltäglich.

[1935] S. (betr. Schund) abgerahmte Milch.

[1936] S. anzahlen.

[1937] S. abzahlen. — Beide Ausdr. bedeuten eigentl. nur „das Bezahlen“; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 35]. Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 242: pleisserpenn, d. h. „die Bezahlung“, = Steuer.

[1938] S. stechen; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 35].

[1939] S. Entenfuß.

[1940] S. arg u. brauchbares Kind.

[1941] S. (betr. Mamere) Amme

[1942] S. Eltern.

[1943] S. Bulle.

[1944] S. Aas.

[1945] S. Angesicht.

[1946] S. Baumholz.

[1947] S. (zu beiden Ausdr.) Ast.

[1948] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1949] S. (betr. grandiche) Adler.

[1950] S. Adler; vgl. Bischof.

[1951] S. bestraft.

[1952] S. (betr. bereimen) bezahlen.

[1953] S. Chaussee.

[1954] S. (betr. Schenegler) abschaffen.

[1955] S. brauchbarer Bursche.

[1956] S. Fehde.

[1957] S. arg.

[1958] Zu Rauschert = Streu, Stroh (Zus.: Rauschertsauft = Streu- od. Strohlager, Strohbett) vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 99 (Rauscher = Stroh); Schöll 271 (ebenso); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Rauschet = Stroh, Rauschkitt = Strohhaus); Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 76 (Rauscher); Schwäb. Händlerspr. 487 (Rauschet). Auch sonst im Rotw. schon früh (seit d. Basl. Betrügnissen um 1450 [16: Ruschart = Strohsack] u. Lib. Vagat. 54 [Rauschart, Bedtg. ebenso]) weit verbreitet. Zur Etymologie (vom „Rauschen“ des Strohs) s. Pott II, S. 34; A.-L. 590; Stumme, S. 15, 21; Günther, Rotwelsch, S. 59.

[1959] S. (betr. Sauft) Bett.

[1960] S. abbrühen.

[1961] S. Fußlappen.

[1962] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[1963] S. Frauenstube.

[1964] S. Bank.

[1965] S. Dietrich u. anreden bezw. ansagen.

[1966] Ähnlich auch in der Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 244 (unter „stumm sein“: me naschti rakkerwāwa, d. h. „ich kann nicht reden“).

[1967] S. anbeten u. Bauernfrau.

[1968] S. (betr. Kitt) Abort.

[1969] S. arme Leute.

[1970] S. Bauer.

[1971] S. Füllen u. Bauernfrau. — Betr. Analogie in der Zigeunerspr. s. schon oben unter „Hengst“.

[1972] S. Almosen.

[1973] S. Bank.

[1974] S. Metzelsuppe.

[1975] S. Kaffee.

[1976] S. Pfeife.

[1977] S. Aas; vgl. schnupfen; daselbst auch über die Zigeunersprache.

[1978] S. Bauch.

[1979] S. Beutel.

[1980] S. abbiegen.

[1981] S. Schreibtisch.

[1982] S. alltäglich.

[1983] S. Abend.

[1984] S. Mark.

[1985] S. Dietrich. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr. nach Liebich, S. 244 (Tschi, d. h. „nichts“, = Tand).

[1986] S. Ananas u. Apfelbaum; vgl. dazu auch über die Zigeunerspr. „Vorbemerkung“, [S. 19], [Anm. 48].

[1987] S. Eltern u. Bruder.

[1988] S. (betr. Mamere) Amme. — Auch von den Zigeunern wird für „Tante“ unterschieden dadéskĕri pēn u. dākri pēn, d. h. „väterliche (des Vaters)“ u. „mütterliche (der Mutter) Schwester“; s. Liebich, S. 244; vgl. dazu auch oben die Anm. zu „Oheim“.

[1989] S. aufspielen.

[1990] S. Bauch.

[1991] S. (betr. Schnurrant) Äquilibrist.

[1992] S. Aschenbecher.

[1993] S. Adler.

[1994] S. angenehm.

[1995] S. anmutig.

[1996] S. abbrühen.

[1997] S. Dom.

[1998] S. Scheune.

[1999] S. Satan.

[2000] S. (betr. Bossert) Aas.

[2001] S. (betr. Klettert) Schreibtisch.

[2002] S. Kaffee.

[2003] S. Fleischhafen.

[2004] S. Kessel.

[2005] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[2006] S. Beischläferin.

[2007] S. Bruder.

[2008] S. (betr. Galm) brauchbares Kind.

[2009] S. Bauer.

[2010] S. Bettelbube.

[2011] S. aberwitzig u. Abort.

[2012] S. (betr. Ki[e]bes) Angesicht.

[2013] S. absterben; vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 36].

[2014] S. ermorden.

[2015] S. (betr. Sore) Brücke.

[2016] S. Bett.

[2017] S. Aas.

[2018] S. Bauer.

[2019] S. Attest.

[2020] S. ankleiden.

[2021] S. Adler u. Bauch.

[2022] S. abtragen.

[2023] S. ausweinen; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 35].

[2024] S. Amme.

[2025] S. Ananas.

[2026] S. arg.

[2027] S. angenehm.

[2028] S. (betr. nobis) Dietrich.

[2029] S. (betr. Glansert) Bierglas.

[2030] S. Fleischhafen.

[2031] S. Aschenbecher.

[2032] S. aberwitzig.

[2033] S. Ärger.

[2034] S. abgerahmte Milch.

[2035] Vgl. dazu „Vorbemerkung“ [S. 15], [Anm. 38] vbd. m. [S. 7], [Anm. 16].

[2036] S. Hauptmann.

[2037] S. Barchent.

[2038] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[2039] S. anmutig.

[2040] S. Affengesicht.

[2041] S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke; vgl. Bischof.

[2042] S. Adler u. anbrennen.

[2043] S. Hauswirt.

[2044] In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt; dagegen kennt die Wiener Gaunerspr. nach Pollak 207 Blatt machen = „unter freiem Himmel schlafen“. Das Blatt (= blatt) in diesen Redensarten aber ist offenbar nur eine mundartliche Form für platt, was sich ergibt aus den sonst weiter verbreiteten neueren gauner- und kundensprachlich. gleichbedeut. Wendungen platt machen, platt od. (eine) Platte(n) reißen (s. Lindenberg 188; Groß 484; Rabben 102; Ku. II [423], III [427], IV [432]; Schütze 83; Pollak [Ku.] 190; Ostwald [Ku.] 114; vgl. auch Weber im Archiv, Bd. 59, S. 283) — wofür in der älteren Zeit auch platte Penne machen (s. z. B. schon Hermann 1818 [336]; Krünitz Enzyklopädie 1820 [352]; Thiele 292; Zimmermann 1847 [384]; A.-L. 584) —, worin sich das „platt“ (bzw. „Platte“) auf das Liegen auf der „platten“ Erde bezieht.

[2045] S. Frauenrock.

[2046] S. abschreiben.

[2047] S. anschauen.

[2048] S. Rathausuhr.

[2049] Zu Gengle = Uhr (u. dazu die Zus. Genglespflanzer = Uhrmacher) zu vgl. in der schwäb. Händlerspr. (487) Gängling = Uhr und Gänglingpflanzer = Uhrmacher, wo die Schreibung mit ä deutlicher auf die Ableitung des Wortes von „Gang“ (mit Bez. auf das „Gehen“ der Uhr) hinweist; s. Groß’ Archiv, Bd. 46, S. 31 sowie auch Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp. 46; vgl. auch die ähnliche Auslegung des Synon. Luper (oben unter „Rathausuhr“).

[2050] S. (betr. Kitt) Abort.

[2051] S. Halskette.

[2052] S. Dietrich.

[2053] S. Bauch.

[2054] S. ermorden.

[2055] S. abfahren.

[2056] S. abfallen.

[2057] S. abgehen.

[2058] S. aufspielen.

[2059] S. abtragen.

[2060] S. absterben.

[2061] S. Dietrich.

[2062] S. arg.

[2063] S. (betr. ankluftet) ankleiden.

[2064] S. (betr. gneis) erkennen; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36] a. E.

[2065] S. (betr. dof) angenehm.

[2066] S. abgerahmte Milch.

[2067] S. abkochen.

[2068] S. Filzlaus.

[2069] S. Katholik.

[2070] S. evangelisch.

[2071] S. Jude.

[2072] S. (betr. Fläderling) Adler.

[2073] S. unter „elend“; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36] a. E.

[2074] S. aberwitzig.

[2075] S. Satan u. Gemüse. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich 127 u. 249 vbd. mit Finck, S. 55 (bengéskĕro [od. -ri] trāb [od. drāw], d. h. „des Teufels Kraut“ od. noch genauer „teuflische Wurzel“, = Unkraut); vgl. auch „Vorbemerkung“, [S. 18].

[2076] S. absterben.

[2077] S. abgerahmte Milch.

[2078] S. Kalb bezw. Bulle u. Bratkartoffeln.

[2079] Vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36] a. E. sowie auch bei den Zigeun.: nāno merēla (d. h. „stirbt nicht“) = unsterblich; s. Liebich, S. 249.

[2080] S. Fußsohle.

[2081] S. abgehen.

[2082] S. (betr. Kluft) ankleiden.

[2083] S. Frauenrock.

[2084] S. abschreiben.

[2085] S. anreden.

[2086] S. ansagen.

[2087] Sachl. übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 154, 250, 252 (putschäpenn, d. h. „die Frage, Fragerei“, = Verhör, Untersuchung).

[2088] S. Ehe.

[2089] S. Dummheit.

[2090] S. Ärger.

[2091] S. unter „elend“.

[2092] S. austreten (leicht).

[2093] S. (betr. Flu[h]te) abbrühen.

[2094] S. Bierglas.

[2095] S. Fleischhafen.

[2096] S. Attest.

[2097] S. Eltern.

[2098] S. (betr. Kitt) Abort.

[2099] S. Stadt.

[2100] S. abbetteln.

[2101] S. Blut.

[2102] S. abbrennen.

[2103] S. bezahlen.

[2104] S. abzahlen.

[2105] Vgl. dazu auch in der Zigeunerspr.: pleisserpenn, d. h. „Bezahlung, Lohn“, = Verdienst; s. Liebich, S. 251 vbd. mit S. 152.

[2106] S. Aas.

[2107] S. anbrennen.

[2108] S. aufschlagen.

[2109] S. schlagen.

[2110] S. Ast.

[2111] S. anreden; vgl. (betr. die Zigeunerspr.) oben [Anm. 2087].

[2112] S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.

[2113] S. handeln.

[2114] S. ankleiden.

[2115] S. anlachen.

[2116] S. abbetteln.

[2117] S. Adler u. anbrennen.

[2118] S. abgehen.

[2119] S. belügen.

[2120] Vgl. (betr. den Gebrauch des Subst. als Adj.) „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 38] E.

[2121] S. abbrennen.

[2122] S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke.

[2123] S. ermorden.

[2124] S. besonnen.

[2125] S. Konkurs.

[2126] Substant. Partiz. von verdibern; vgl. „Vorbemerkung“, [S. 15], [Anm. 36].

[2127] S. arg.

[2128] S. aberwitzig.

[2129] S. angenehm.

[2130] S. abschließen.

[2131] S. Ärger.

[2132] S. absterben.

[2133] S. Amme.

[2134] S. essen.

[2135] S. (zu allen drei Ausdr.) Abendessen.

[2136] S. Brücke.

[2137] S. Mastpulver.

[2138] S. Adler.

[2139] S. Gewerbeschein.

[2140] S. (betr. Kitt) Abort.

[2141] S. Entenstall.

[2142] S. Ei.

[2143] S. Fleischhafen.

[2144] S. abschießen.

[2145] S. anbeten.

[2146] S. Entenfuß.

[2147] S. Angesicht.

[2148] S. abbeißen.

[2149] S. alljährlich.

[2150] S. belügen.

[2151] S. anreden.

[2152] S. ansagen.

[2153] S. abgeben.

[2154] S. abschreiben.

[2155] S. absingen.

[2156] S. aufspielen.

[2157] S. Stadt.

[2158] S. alltäglich.

[2159] S. Abend u. Abort.

[2160] S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.

[2161] S. (betr. Schrende) Frauenstube.

[2162] S. Degen u. anbrennen.

[2163] S. Eisenbahnwagen.

[2164] S. abfahren.

[2165] S. Betrug.

[2166] S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.

[2167] S. Haselnuß.

[2168] S. Aschenbecher.

[2169] S. Bauch.

[2170] S. Aas u. Filzlaus; — Bei den Zigeunern wird (nach Liebich, S. 258 vbd. m. S. 166) die Wanze durch platti tschūw od. lōli tschuw, d. h. „platte“ od. „rote Laus“, umschrieben; vgl. auch schon „Vorbemerkung“, [S. 18], [Anm. 47]

[2171] S. Brücke.

[2172] S. (betr. Pflader- [pfladeren]) abwaschen.

[2173] S. Bauernfrau.

[2174] S. Abort.

[2175] S. abbrühen.

[2176] S. Hahn.

[2177] S. Henne.

[2178] S. Fleischhafen.

[2179] S. Mühle.

[2180] S. Metzelsuppe.

[2181] S. Adler.

[2182] S. daher a. E. u. davongehen.

[2183] S. Chaussee.

[2184] S. (betr. Bich) Almosen.

[2185] S. abfahren.

[2186] S. abgehen.

[2187] S. abbeißen.

[2188] S. anschauen.

[2189] S. anfassen.

[2190] S. ausstehlen.

[2191] S. abtragen.

[2192] S. böse Frau.

[2193] S. Frau.

[2194] S. Bauernfrau.

[2195] S. Amme.

[2196] S. (betr. Malfes) Frauenrock.

[2197] S. Frucht u. Apfelbaum.

[2198] S. Flurschütz.

[2199] S. Apfelwein

[2200] S. Ananas.

[2201] S. (betr. Sore) Brücke.

[2202] S. ausweinen.

[2203] S. Bierglas.

[2204] S. Abort.

[2205] S. Fleischhafen.

[2206] S. Baumholz.

[2207] S. Apfelbaum.

[2208] S. angenehm u. Bäcker.

[2209] S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.

[2210] S. (zu beiden Ausdr.) Aas.

[2211] S. Dietrich u. Adler.

[2212] S. bewerfen.

[2213] S. abfallen.

[2214] S. brauchbares Kind u. Bett. — Vgl. bei den Zigeunern (nach Liebich, S. 260): tschawéskĕro schukklepenn, d. h. etwa „Kinderschaukel“, = Wiege.

[2215] S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.

[2216] S. abwaschen.

[2217] S. Aas.

[2218] S. gebären.

[2219] S. (betr. begerisch) absterben.

[2220] S. (betr. Rande) Bauch.

[2221] S. Hauswirt.

[2222] S. Abort.

[2223] S. Hammel u. Augenbrauen. — Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 261 (bakoréngere balla, d. h. „Schafhaare“, = Wolle); vgl. auch Finck, S. 49 (bakréskero bal = Schafwolle).

[2224] S. Ärger.

[2225] S. absterben u. Amtmann.

[2226] S. (betr. Dupf-) stechen.

[2227] S. Leberwurst.

[2228] S. (betr. Achilerei) essen.

[2229] S. Abendessen.

[2230] S. Aas.

[2231] S. Brücke.

[2232] S. Metzelsuppe.

[2233] S. arg.

[2234] S. bezahlen; vgl. auch „Vorbemerkg.“, [S. 15], [Anm. 35] (Bereime [u. Zeine] wohl = subst. Infinitive).

[2235] S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen; vgl. (betr. Zeine) auch die vor. Anm. a. E.

[2236] S. abbeißen.

[2237] S. (betr. Sins) Amtmann.

[2238] S. Aas.

[2239] S. behext.

[2240] S. Betrug.

[2241] S. Amme.

[2242] S. Entenfuß u. Daumen.

[2243] Diese merkwürdige Bezeichnung findet sich schon in dem Dolm. der Gaunerspr. 93 (in der Form Schofnase u. mit der Bedeutg. „Groschen“); sonst ist sie m. Wiss. unbekannt im Rotwelsch u. in den Geheimsprachen. Ob es sich um eine Metapher handelt oder wie die Umschreibung sonst zu erklären ist (ob vielleicht nach einem mit einer „Schafnase“ ausgestatteten Regentenkopfe auf einer Münze [Hypothese von Dr. A. Landau, Wien]), bleibt zweifelhaft.

[2244] S. (betr. Linz-) anschauen.

[2245] S. Attest.

[2246] S. Kaffee.

[2247] S. (betr. Schottel) Aschenbecher.

[2248] S. abbrennen u. Apfelkern. — Sachlich übereinstimmend damit auch die Zigeunerspr.; s. Liebich, S. 262 (chadschēdo parr, d. h. „gebrannter Stein“ = Ziegelstein; Syn: lōlo parr, d. h. „roter Stein“). Beide Ausdr. auch bei Lieblich, S. 180 unter „Backstein“, während in Wittichs Jenisch dafür nur Kittleskies angeführt ist; vgl. „Vorbemerkg.“, [S. 19], [Anm. 48].

[2249] S. Pfeife.

[2250] S. Pfeife u. abbiegen.

[2251] S. (betr. Reiber) Beutel.

[2252] S. (betr. Rande) Bauch.

[2253] S. Löwenzahn.

[2254] Zu Sende = Zigeuner vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Sulzer Zigeunerliste 1787 (252: die Sende = die Zigeuner); W.-B. des Konst. Hans 257 (die Sente [ebenfalls plur.]); Schwäb. Gauner- u. Kundenspr. 77 (Sendo = Zigeuner); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Sĭndo). Auch in der sonstigen Gauner- u. Kundenspr., bes. d. 19. Jahrh. (seit Pfister 1812 [206]) öfter in versch. Formen (Sende, Sente, Sande, Sinde usw.) angeführt u. bis in die Neuzeit erhalten s. Groß 494 [Sinte; Nebenbedtg.: Genosse]; Rabben 123 [Sinter; auch hier Nebenbedtg.: Genosse, Komplize); Ostwald [Ku.] 143 [hier getrennt: Sinde = Zigeuner; Sinter = Komplize). Zur Etymologie des aus der Zigeunerspr. entlehnten Wortes (vgl. „Einleitung“, [S. 30]) von noch unsicherer Herkunft s. Näh. bei Pott I, S. 32 ff. vbd. m. Liebich, S. 7, Anm. 1. Die Form lautet bei den deutsch. Zig. nach den meisten Vokab. sínto (plur. sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u. Liebich, S. 159 u. 262) auch Miklosich, Beitr. III, S. 19 u. Finck, S. 85; bei Jühling, S. 226 dagegen: Sendo, plur. Sendi; fem. Sendaza; vgl. Sendeaza = „Volk der Sendi“. — Über das zigeun. Synon. rom (eigtl. „Mann“) s. oben unter „Frau“ (Anm. zu Romane a. E.). Die ebenfalls gleichbed. Bezeichnung mānuš („mānusch“), d. h. eigtl. „Mensch“ (vgl. darüber Näh. bei Pott II, S. 446; Liebich, S. 145 u. 262; Miklosich, Beitr. III, S. 15 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 10; Jühling, S. 224; Finck, S. 72), fehlt in Wittichs „Jenisch“, obwohl sie mit veränderter Form mehrfach im Rotwelsch des 19. Jahrh. (seit Pfister bei Christensen 1814 [326]) anzutreffen und auch in die schwäb. Händlerspr. eingedrungen ist (s. Lütz. [215]: Manischer = Zigeuner; vgl. 488: mônisch = zigeunerisch); vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1440 sowie noch Archiv, Bd. 59, S. 263, 64.

[2255] S. (betr. Fi(e)sel) Bettelbube.

[2256] S. Haushund.

[2257] S. Beischläferin.

[2258] S. Eisenbahnwagen.

[2259] S. Frauenstube.

[2260] S. (betr. -pflanzer) anbrennen.

[2261] Zu Rochus vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. 77 (Roches od. Broches = Zorn); Schwäb. Händlerspr. 488 (hier nur das Adj. prouches = zornig; vgl. in Pfedelb. [215]: broches = trotzig). Im sonst. Rotw. kommt die Vokabel vorwiegend als Adjektiv vor (s. z. B. Pfister 1812 [286: brooges = bös, feind] u. dann so öfter, mit lateinisch. Endung — brochus = böse — in Krünitz’ Enzyklopädie 1820 [349], in der Handthierka 1820 [354]: braukes = böse, bei Thiele 236 und Fröhlich 1851 [395]: brauges, das auch A.-L. 592 — neben b[e]roges [= zornig, tobend] — hat, desgl. auch Groß 459 [= böse, erzürnt]), jedoch vereinzelt auch als Hauptwort (s. A.-L. 592 u. Groß 487: Roges = Unruhe, Zorn, Toben, desgl. Ostwald 123 [Bedeutg.: Zorn]). Etymologie: Rochus (gleichsam latinisiert), richtiger Roges, stammt her vom hebr. rôgez = „Unruhe, Zorn“, das Adj. b(e)roges usw. aus be rôges, d. h. „im Zorn“. Vgl. A.-L. 592 (unter „Roges“) u. 454 (unter „Rogas“) vbd. mit Fischer, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1433.

[2262] Nach Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1519, Nr. 2 bedeutet massig im Schwäbischen (ähnlich wie auch in anderen südd. Mundarten, z. B. im Elsaß) so viel wie: unzuverlässig, störrisch (von Menschen u. Tieren, z. B. Pferden, gebr.), eigensinnig, zornig, wütend, ungestüm, wild, derb, grob, mürrisch, widerwärtig, zänkisch u. a. m. und wird auch als Subst. für „roher, derber Mensch“ gebraucht. Seiner Etymologie nach gehört der Ausdruck wohl zu dem neuhebr. mazziq = „böser Geist, verderbenbringendes Wesen“ (vom hebr. Stamm nâzaq [vgl. A.-L., S. 410 unter „Nĕsack“]), das als Massig od. Massik = Teufel ins Rotwelsch eingedrungen sowie (in der Form Massing und mit gleicher Bedeutg.) auch der schwäb. Händlerspr. bekannt ist. S. Dolm. der Gaunerspr. 100 (Massig = Teufel); Pfulld. J.-W.-B. 345 (Massik); Schwäb. Händlerspr. 487 (Massing). Vgl. Fischer, a. a. O.

[2263] S. Arrest; vgl. Gefängnis.

[2264] S. arg u. Abort; vgl. Arrest sowie „Einleitung“, [S. 28] u. [S. 25], [Anm. 61].

[2265] S. (betr. Lehm) Bäcker.

[2266] S. Fingerhut.

[2267] S. abbrühen.

[2268] S. abbrennen.

[2269] S. (betr. Spreisle) Baumholz.

[2270] S. abgehen.

[2271] S. anschauen.

[2272] S. abgeben.

[2273] S. aufschlagen.

[2274] S. Ast.

[2275] S. abschließen.

[2276] S. Dietrich, Adler u. Bauer. — Die Zigeuner umschreiben (nach Liebich S. 264) den Begriff etwas einfacher durch dikkno gādscho, d. h. „kleiner Mann“; vgl. oben unter „Riese“.

[2277] Mit Blauhanze (od. -hanse) sind zusammengesetzt: Blauhanzestöber = Zwetschenbaum, Blauhanzekies, -brandling u. -g’finkelter od. -soruf = Zwetschgenkern (-stein), -kuchen u. -wasser. Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkr.): Schwäb. Händlerspr. 488 (Blauhansen = Zwetschgen neben dem gleichbed. Blauhosen [das auch das Pfulld. J.-W.-B. 346 sowie (in der Form Blohosen) schon der Dolm. der Gaunerspr. 102 kennt]); s. auch Metzer Jenisch 218 (Blauhänsche = Zwetschge). Über Belege (für Blauhan[n]se) im Rotw. (des 19. u. 20. Jahrh.) s. Groß’ Archiv, Bd. 51, S. 145, Anm. 3. Ebds. zur Etymologie (gleichsam Personifizierung durch Verbindung mit dem Eigennamen Hans); vgl. auch Pott II, S. 9 u. 36 u. Günther, Rotwelsch, S. 84. = Über Blauling = Pflaume s. schon oben.

[2278] S. (betr. Stöber) Apfelbaum.

[2279] S. Apfelkern.

[2280] S. Apfelkuchen.

[2281] S. (zu beiden Ausdr.) Branntwein; vgl. (betr. G’finkelter) auch behext.

[2282] S. Brücke.

[2283] Schon in meiner „Vorbemerkung“ ([S. 3]) habe ich erwähnt, daß die „Sprachproben“ — aus dort näher angegebenen Gründen — nicht unwesentlich gekürzt worden sind. Sie umfaßten ursprünglich 46 Nummern, die auf 35 reduziert werden konnten; außerdem wurden aber auch noch innerhalb einzelner Nummern (s. bes. in Nr. 25) mehrfache Streichungen vorgenommen. Bei der Übersetzung der jenischen Gespräche ins Deutsche habe ich grundsätzlich soweit wie möglich den Wittichschen Wortlaut beibehalten und nur hier und da einzelne Stellen in eine etwas flüssigere Form gebracht. Der jenische Text stellt sich als wichtige Ergänzung zu dem „Wörterbuch“ dar, nicht nur durch die Verwendung mancher dort ursprünglich fehlender (und erst von mir mit dem Zusatz „Spr.“ hinzugefügter) Vokabeln, sondern namentlich auch insofern, als wir erst hier erfahren, wie die einzelnen Wörter in einer konkreten Satzverbindung gebraucht zu werden pflegen. Während z. B. im Wörterbuch über das Geschlecht der Hauptwörter nur ganz ausnahmsweise etwas zu entnehmen ist, erscheinen sie hier regelmäßig in Verbindung mit dem (bestimmten oder unbestimmten) Artikel, also unter Geschlechtsbezeichnung. Diese aber weicht in zahlreichen Fällen von der in unserer Gemeinsprache üblichen ab (vgl. z. B. der Galm = das Kind, der Funk = das Feuer, der Flu[h]te = das Wasser [vgl. die Flut], der Stichling = die Gabel [aber — in Übereinstimmg. mit dem Deutsch. u. Französ. — die Furschet], die Model = das Mädchen, die Kitt = das Haus usw.). Zuweilen scheint auch der Sprachgebrauch zu schwanken. So findet sich z. B. in Nr. 7 der Sore = die Sache (in Übereinstimmg. u. a. mit dem W.-B. des Konst. Hans [254]), während an einer anderen Stelle (Nr. 26) das Wort als femin. gebraucht wird (pflanzte Sore = die gemachte Ware), was auch in der neueren Gaunersprache der Fall ist (vgl. z. B. Ω Σ in Z. V, 429 u. Rabben 124). In einzelnen Fällen ist aber kein Artikel gesetzt worden, während wir nach dem deutschen Text einen solchen erwarten würden, so z. B. in Nr. 23 (Schefft Schnall nobis bibrisch? = Ist die Suppe nicht kalt?); Nr. 25 (Wo schefft Fehte? = Wo ist die Herberge?; ... pflanzet Schaffel auf = ... macht die Scheune auf; bohlet Säuftling in Rädling = tut [eigtl. werft] die Betten in den Wagen; ... pflanzet Strauberts = ... macht [euch] die Haare), namentlich auch dann, wenn schon ein anderes, mit (dem bestimmten od. unbestimmten) Artikel versehenes Hauptwort vorangestellt worden; vgl. z. B. Nr. 11 (Ich schniff’ ein Rande und Stenz = Ich nehme einen Sack und einen Stock mit); Nr. 19 (mit der dof Beizere und Beizer ... = ... mit der guten Wirtin und dem Wirt ...); Nr. 25 (Linze die dof Latt und Klass = Schau [nur] den schönen Hirschfänger und das Gewehr).

Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntax sich auch beim Gebrauch des „Jenischen“ grundsätzlich den allgemeinen Regeln unserer Muttersprache anschließen, enthalten naturgemäß Gespräche, die zwischen Leuten aus dem niederen Volke geführt werden, auch in dieser Beziehung mancherlei Abweichungen von der Schriftsprache.

I. Zunächst seien hierfür zwei (nicht bloß auf einzelne Mundarten beschränkte, vielmehr) wohl durch ganz Deutschland verbreitete Besonderheiten der volkstümlichen Redeweise erwähnt, nämlich:

1. daß „des Nachdrucks halber Verneinungen doppelt (ja dreifach) gesetzt werden können, ohne einander aufzuheben“ (Polle-Weise, Wie denkt das Volk über die Sprache?, 3. Aufl., Leipzig 1904, S. 108; vgl. Näh. noch bei R. Hildebrand, Ges. Aufsätze, Leipzig 1890, S. 214 ff.). Beispiele: in Nr. 20 (... der kemeret nobis keine Stiebe ... = ... der kauft keine Bürsten ...) u. Nr. 25 (... ich spann’ nobis kei Kenem = ... ich sehe keine Laus);

2. die Verwechselung des Dativs u. Akkusativs bei den persönlichen Fürwörtern (also mir statt mich, dir statt dich usw. und umgekehrt). Beispiel: in Nr. 16 (Ich baus’ mir = ich fürchte mich).

II. Folgende Eigentümlichkeiten sind dagegen auf die Mundarten namentl. die süddeutschen (bayr.-schwäb. Dialekt) beschränkt:

1. der Gebrauch des Nominativs statt des Akkusativs bei Hauptwörtern. Während sich für den umgekehrten Fall (also Gebrauch des Akkus. für den Nomin.), der z. B. auch im Schwäbischen vorkommt (s. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 579 unter „ein“ Nr. I: das ist einen guten Mann) m. Wiss. in Wittichs Jenisch kein Beispiel findet, enthält es für die zuerst genannte Besonderheit — außer einigen unsicheren Fällen (in denen der unbestimmte Artikel ein ev. auch als Akkusativ eines Neutrums aufgefaßt werden könnte) — mehrere zweifelsfreie, so z. B. Nr. 11 (... vielleicht bestiebemer ein Schmaler = ... vielleicht bekommen wir eine Katze), Nr. 18 (... spann’ sein dofer Oberman = ... schau seinen schönen Hut), Nr. 24 (... ich schwäch’ ein Stielingsjohle = ... ich trinke einen Birnenmost; ... schwächt ... Gefinkelter = ... trinket ... Branntwein), Nr. 25 (... ich bestieb’ ein Stumpf = ... ich bekomme einen Zorn; ... der Ruch pflanzt ein linker Giel = ... der Bauer macht einen wüsten Mund) usw.; 2) der Gebrauch des relat. räuml. Adv. wo statt des Relativpronomens welcher (-e -es) bezw. der (die das), worüber zu vgl. u. a. v. Schmid, Schwäb. W.-B. S. 536/37 u. Schmeller, Bayer. W.-B. II, Sp. 828 (unter „wo“, lit. c). Beispiele: Nr. 21 (... in dem Mochem, wo man spannt = in dem Dorfe, das man ḍ sieht); Nr. 25 (... Ulme, wo kasperet = Leute, die zaubern).

III. Zum Teil gleichfalls auf die Mundarten beschränkt, zum Teil aber auch allgemein volkstümlich erscheinen gewisse (übrigens nur neben den schriftdeutschen Formen auftretende) Veränderungen (namentlich Kürzungen) verschiedener (kurzer) Wertgattungen) so: 1) des (bestimmten und [häufiger] des unbestimmten) Artikels; s. Nr. 11 (d’ Schmaler = die Katzen); Nr. 18 (in de’ Griffling = in der Hand; auf’em Kiebes = auf dem Kopfe); Nr. 19 (vor’m Jahne = vor einem Jahre); Nr. 25 (s’ Glied = der Sohn; in’s Steinhäufle = in die Stadt); bes. aber (betr. a’ = ein [einer, eine]; vgl. dazu v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 1 u. Fischer, Schwäb. W.-B. II, Sp. 578): Nr. 24 a’ jenisches Model; a’ jenischer Fiesel); Nr. 25 (a’ Schuberle; a’ Schafnas’; a’ Finkelmoss); 2) des adj. Zahlpronomens kein (-ner, -ne) = kei’ (vgl. dazu Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310); s. Nr. 25 (kei’ Kenem = keine Laus); 3) des besitzanzeigenden Fürworts mein (-ner, -ne) = mei’; s. z. B. Nr. 11 (mei’ Keiluf); Nr. 14 (mei’ Patris); Nr. 15 (mei’ Moss); Nr. 35 (mei’ Kluper); 4) der persönlichen Fürwörter in Verbindung mit Zeitwörtern; vgl. z. B. a) du = d’; s. z. B. Nr. 13 (bis d’ umbohlst = bis du umfällst); b) dir = der; s. Nr. 27 (Schmusder nobis = sag’ dir[’s] nicht); c) dich = te in der (z. B. in Nr. 20, 25 [öfter] begegnenden) Imperativform schupfte (für: schupf dich) = hör’ auf (schweig’ still); d) ihm = (e)m; s. Nr. 20 (ich schmusem’s = ich sage es ihm); e) sie (Nom. u. Akkus.) = s(e); s. z. B. 23 (hauretse ...? = ist sie ...?); Nr. 25 (ich ... bukles’ = ich trage sie); Nr. 28 (schniffse = nimm sie); Nr. 32 (gneistse lore ...?); f) es (Nom. u. Akkus.) = ’s; s. Nr. 8, 9, 18 (s’ schefft od. s’ hauret ein Sins = es ist ein Herr; ich spann’s = ich sehe es; er gneist’s = er merkt es); Nr. 19, 25 (s’ hauret = es ist) u. a. m.; g) man = mer (vgl. dazu v. Schmid, Schwäb. W.-B., S. 382 unter „mer“, Nr. 1; Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1433 unter „man“; auch Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 1642 unter „mir“, lit. c); s. Nr. 22 (... da bestiebtmer nobis = ... da bekommt man nichts); h) wir = mer oder (etwas seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382 unter „mer“, Nr. 2 u. S. 533 unter „wir“; Fischer, a. a. O. IV, Sp. 1433 unter „man“ a. E.; Schmeller, a. a. O. I, Sp. 1641 unter „mir“, lit. b); Beispiele: α) für mer: Nr. 11 (bostemer = gehen wir; bestiebemer = bekommen wir); Nr. 19 (ruedlemer ...? = fahren wir ...?; buttemer ...? = essen wir ...?); Nr. 25 (Wo schlaunetmer = Wo schlafen wir?) u. a. m.; β) für mir: Nr. 25 (Dann [Jetzt] pfichet mir in Sauft[linge] = dann (jetzt) gehen wir zu Bett; bostet mir = gehen wir; pflanzet mir Blatt = übernachten wir im Freien; bestiebet mir = bekommen wir); i) ihr = er; s. Nr. 25 (durmeter noch nobis? = schlaft ihr noch nicht?); Nr. 27 (haureter? = seid ihr?); k) euch = ich; s. Nr. 25 (schupfetich = seid still; der Koele mussich bukele = der Teufel muß [soll] euch holen). — Oft werden auch die persönl. Fürwörter ganz weggelassen; s. z. B. Nr. 4 (hauerst begerisch? = bist du krank?); Nr. 6 (was sicherst? = was kochst du?); Nr. 13 (in Nolle hauret = im Krug ist er [näml. d. Most]); Nr. 25 (spannst nobis = siehst du nichts; dann scheffte schiebes = dann gehe ich fort; pflanze = mache ich) u. a. m.

IV. Auch allerlei Abkürzungen durch Weglassung der Endsilben (Buchstaben) oder der Anfangssilben — bei Haupt-, Eigenschafts-, Umstands-, namentlich aber Zeitwörtern — stehen (gleich den Fällen unter III) in Übereinstimmung mit der allgemein oder doch mundartlich üblichen Redeweise des Volkes überhaupt. Beispiele: 1) für Kürzung durch Weglassung der Endsilbe -e (-en): a) bei Substantiven: Nr. 25 (a’ Schafnas’); b) bei Adjektiven: u. a. Nr. 16 (die jenisch Moss); Nr. 19 (mit der dof Beizere); Nr. 25 (in die dof Duft; die dof Latt) usw.; c) bei Adverbien: Nr. 11 und öfter (heut’ [Leile] = heute [Nacht]; d) bei Verben: hier ist dieser Sprachgebrauch für die erste Person Präsentis und den Imperativ so häufig, daß er fast als Regel erscheint, immerhin finden sich in diesen Fällen auch noch die volleren Formen, und zwar zuweilen unmittelbar neben den kürzeren; vgl. z. B. (für die 1. Person Präs.) Nr. 16 (Ich boste und beschrenk’ = ich gehe und schließe zu) und (für den Imperativ) Nr. 28 (Pflanz’, doge mir ein Funkerle = Mach’, gib mir ein Streichholz); 2) für Kürzung durch Weglassung der Anfangssilbe (ge-): bei Zeitwörtern (Partizipien): Nr. 17 (’buttet = gegessen); Nr. 25 (ein’bascht = eingekauft; ’pflanzte Sore = gemachte Ware; ’dalft = gebettelt); Nr. 33 (’dogt = gegeben) usw. Den Übergang dazu vermittelt g’ statt ge-; s. z. B. Nr. 24 (g’schallet = gesungen); Nr. 25 (abg’schunde Gleis, g’sprunkt, g’hauret usw.).

V. Eine spezielle (wohl auch auf mundartlichen Einfluß zurückzuführende) Eigentümlichkeit des Wittichschen Jenisch ist endlich noch der Gebrauch der Endsilbe -et statt des im Schriftdeutsch üblichen -en in mehreren Zeitwortformen, nämlich für den Infinitiv, für die erste und für die dritte Person Pluralis des Präsens, wofür sich übrigens mehrfache Beispiele auch schon im W.-B. des Konstanzer Hans („Schmusereyen“) finden, dessen Ähnlichkeiten mit unserem Jenisch ja auch sonst mehrfach auffallen (vgl. schon „Vorbemerkung“, [S. 3], [Anm. 4], [S. 6] u. in dieser Anm. oben [S. 73] sowie noch weiter unten die [Anm. 2284] zu den „jenischen Schnadahüpfeln“). Beispiele: 1) für den Infinitiv: a) in W.-B. des Konst. Hans: 256 u. 258 (z’ malochet = zu plündern; z’ holchet = zu laufen); 259 (z’ kahlet und z’ schwächet = zu essen und zu trinken); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 12 (z’ schwächet = zum Trinken [zu trinken]); Nr. 21 (z’ biket und z’ schwächet = zu essen und zu trinken); Nr. 25 (z’ buttet = zu essen; z’ dalfet = zu betteln); 2) für die erste Person Plur. des Präs.: a) im W.-B. des Konstanzer Hans: 256 (Holchet mir ...? = Kommen wir ...?); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 11 (vielleicht bestiebemer ... und spannet = vielleicht bekommen wir ... und sehen); Nr. 18 (dass wir ... schmuset = daß wir ... sprechen); ebds. (wir pfichet = wir gehen); Nr. 19 (Schwächet und buttemer ...? = Trinken und essen wir ...?); Nr. 20 (Wir zeinet ... und schefften schiebes = wir bezahlen ... und gehen fort); Nr. 25 (wir kemeret = wir kaufen usw.); ebds. ([schon oben unter Nr. III, 3 lit. h als Belege für den Gebrauch von mer und mir = wir angeführt]: Wo schlaunetmer?; Jetzt pfichet mir in Sauft; bostet mir; pflanzet mir Blatt; bestiebet mir); 3) für die dritte Person Plur. des Präs.: a) im W.-B. des Konst. Hans: 256 (... den Kochem, die schiaunet = ... den Dieben, die schlafen; S’e schmuset = sie sagen; Jetzt schwächet s’e = Jetzt trinken sie); 260 (... Grandscharrle schefftet lau und Prinzen schefftet lau schofel = ... Die Hatschier’ sind für nichts, und die Herren sind gar nicht scharf); b) in Wittichs Sprachpr.: Nr. 4 (Buz und Scharle hauret ... dof = Polizeidiener und Schultheiß sind ... gut); Nr. 25 (Durmet die Schrawiner? = Schlafen die Kinder?; herles pfichet Ulme = hier kommen Leute; die Horboge hauret am Kaim = die Kühe gehören dem Juden) u. a. m. — Die sonst noch vorkommenden Abweichungen von der Schriftsprache bedürfen kaum einer besonderen Hervorhebung oder Erläuterung.

[2284] Nach dem Wörterbuch bedeutet ni(e)sich und nillich sowohl dumm als auch verrückt.

[2285] Das hier in Verbindung mit „wo“ (für „woher“) vorkommende Wort schureles habe ich nicht ins jenisch-deutsche Wörterbuch eingestellt, weil es sehr schwierig erscheint, eine passende Verdeutschung dafür (ohne Rücksicht auf den ganzen Satz) zu geben. (Das einfache „her“ würde kaum deutlich genug sein.) In der schwäbischen Händlersprache in Unterdeufstetten (213) ist schurles für „fort!“ gebräuchlich. Dahingestellt lasse ich es auch sein, ob dieses Adverb — etwa gleich dem Zeitw. schurele(n) — noch in Verbindung mit dem — einen Aushilfscharakter an sich tragenden — Hauptw. Schure (Schurele) gebracht werden darf oder etwa anders zu erklären ist.

[2286] Eine wörtliche Übersetzung dieser Redensart erscheint nicht gut möglich. Ins W.-B. ist sie deshalb nicht mit eingetragen worden.

[2287] Wittich hat hierzu in einer Anmerkung bemerkt, daß er von einer Übersetzung dieser „Schnadahüpfel“ abgesehen habe, weil teils ihr Sinn sich leicht mit Hilfe des jenisch-deutschen Wörterbuchs herausbringen lasse, teils dagegen (wie z. B. bei Nr. 3) eine Wiedergabe der jenischen Unflätigkeiten im Deutschen kaum möglich erscheine. Ich kann dem nur beistimmen. Die Gründe, weshalb ich von diesen „Schnadahüpfeln“ — trotz ihres groben Inhalts — nichts gestrichen habe, sind in meiner „Vorbemerkung.“, [S. 3], [4] angegeben worden.

[2288] Die Nummern 1 u. 2 (bezw. 4) der „Schnadahüpfel“ stimmen (wie schon in der „Vorbemerkg.“, [S. 3], [Anm. 4] erwähnt) auffälligerweise dem Inhalte nach fast ganz und auch in der Form zum Teil noch mit „ein paar Strophen aus Jauner-Liedern“ überein, die sich am Schluß des „Wörterbuchs des Konstanzer Hans“ von 1791 (bei Kluge, Rotw. I, S. 260) abgedruckt finden. Da mir nun Wittich auf eine Anfrage hin versicherte, daß ihm das W.-B. des Konstanzer Hans gänzlich unbekannt gewesen sei, so muß man wohl schlechterdings annehmen, daß es sich hier um alte, bis in die Gegenwart hinein erhaltene Überlieferungen aus der Blütezeit des deutschen Gaunertums handelt, die bei den „jenischen Leuten“ nur in der äußeren Form einige Abänderungen erfahren haben. — Von Nr. 1 lautet (nach Kluge, a. a. O.) die ältere Fassung folgendermaßen:

Ey lustig seyn Kanofer (die Diebe, Schorne)

Dann sia thun nichts als Schofle;

Wann sia kenne Rande fülla

Und brav mit der Sore springa.

Hei ja! Vi va!

Grandscharrle, was machst du da?

Zu Kanofer, das auch das Pfulld. J.-W.-B. 338 (Kanoffer = Dieb; vgl. 339, 343, 345) kennt u. das auch sonst im Rotwelsch vorkommt, s. Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 193, der das Wort in erster Linie zwar zu jüd. chonef = „Heuchler, Betrüger“, chanufa = „Heuchelei“ gestellt hat (vgl. dazu auch Weigand im „Intelligenzblatt für die Provinz Oberhessen“, Jahrg. 1846, Nr. 74, S. 300 [unter Nr. 13]), jedoch hinzufügt, daß es „doch (auch) wohl nicht ohne Beziehung zu ganfen, stehlen“ sei.

[2289] Zu dieser Nummer (sowie auch zu Nr. 4) vgl. die folgende Fassung beim „Konstanzer Hans“:

Schicksal, was hot auch der Kochern g’schmußt,

Wia er ist abgeholcht von dier?

Er hat g’schmußt: Wann er vom Schornen holch,

Scheft er gleich wieder zu mier.