Nachträge.
Nachträge zu Band 63. Zu [S. 5], [Anm. 8]: Die Verallgemeinerung des Wortes jenisch zu der Bedeutg. „klug“ findet sich auch schon bei Thiele 259, dem Fröhlich 1851 gefolgt ist.
Zu [S. 19], [Anm. 48] a. E.: Mit dem zigeun. chadschē do parr, d. h. „gebrannter Stein“ = Backstein steht in Übereinstimmg. in Wittichs W.-B. g’funkter Kies = Ziegelstein.
Zu [S. 105], [Anm. 173] a. E.: Der (im Anschluß an Fischer, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432) vertretenen Herleitung von Mamere = Mutter vom französischen ma mère steht entgegen, daß die rotw. Quellen ganz überwiegend die Vokabel mit mm (also Mammere od. [wie z. B. v. Grolman 44 u. T.-G. 112 u. andere] Mammer) schreiben, woraus zu schließen, daß der Ton auf die erste Silbe zu legen ist. Nach einer gefl. Mitteilung von Dr. A. Landau (Wien) würde es sich deshalb wohl um das in den meisten Mundarten (auch im Schwäbischen [s. Fischer, a. a. O.]) bekannte Wort Mamme = Mutter handeln, das mit der Endung -re versehen worden. Zur Erklärung dieses Vorgangs aber vermag allerdings auch Landau nur zu verweisen auf „die polnisch-jüdische verächtliche Bezeichnung für Mutter: Mammeru (mit dem Hauptton auf a und der Pejorativendung -ru)“.
Zu [S. 123], [Anm. 229]: Die Vokabel Ulme (-ma) = Leute findet sich in der Form Ohlen und mit der Bedeutg. „Welt“ auch bei Pfister 1812 (303); vgl. Fischer, Schwäb. W.-B. V, Sp. 55 unter „Olem“ vbd. mit I, Sp. 448 unter „Aulem“.
Nachträge zu Band 64. Zu [S. 138], [Anm. 539] (Zeile 5 von unten) ist das non vor nobis zu streichen.
Zu [S. 140], [Anm. 550]: Die Beschränkung des Ausdrucks Mokum auf die Bedeutung „Dorf“ findet sich auch in der von H. Weber in Groß’ Archiv, Bd. 59 veröffentlichten Liste von Wörtern der Kundensprache (s. das. S. 283 vbd. m. S. 266). Zu [S. 174], [Anm. 850]: Eine Zusammensetzung mit Schuberle ist auch noch Schuberleweisling (d. h. eigentl. „Geistsonntag“ = Pfingsten (worüber das Näh. schon [S. 155], [Anm. 689] [zu „Feiertag“] angeführt).
Zu [S. 142], [Anm. 565] vbd. mit [S. 336], [Anm. 1454] ist zu Flu(h)tegroanikele = Meerschweinchen zu bemerken, daß es sich hierbei wohl um eine Diminutivbildung von Groanikel handelt.
Zu [S. 164]/[165], [Anm. 763]. Für Fünflamme = Schürze stellte mir Dr. A. Landau die folgende Etymologie zur Verfügung, die in der Tat weniger gesucht erscheint als die von A.-L. 540 gegebene, der ich mich angeschlossen. Er denkt nämlich an die ältere Bedeutung von Flamm (Flamme) = „Haut, Lappen“ (s. Grimm, D. W.-B. III, Sp. 1712, Nr. 2), wozu zu vgl. auch französ. flamme — „Lappen, Wimpel, Fähnchen“ (vom lat. flamma). In den vom D. W.-B. III, Sp. 1714, Nr. 3 zitierten Stellen aus Musculus („Hosenteufel“) scheint Flamme u. Hosenflamme soviel wie „Hosenlatz“ zu bedeuten. Fünflamm(e) wäre demnach aus Flamm(e) analog gebildet wie Fürfleck = „Schurzfell, Schürze“ (s. D. W.-B. IV 1, 1, Sp. 727; vgl. Schmeller, Bayer. W.-B. I, Sp. 786) aus Fleck (Grundbedtg.: „pannus, Lappen, Fetzen“; s. D. W.-B. III, Sp. 1741, Nr. 1). Vgl. auch Fürschurz u. bes. noch Fürtuch (= „[Weiber-]Schürze“; s. Näh. D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 920/21, Nr. 2).
Zu [S. 180], [Anm. 929]: Gari = penis ist (nach Pollak 213) auch noch der neueren Wiener Gaunersprache bekannt.
Nachtrag zu Band 65. Zu [S. 65], [Anm. 2262]: In rotwelschen Quellen des 19. Jahrhunderts (so z. B. bei Pfister bei Christensen 1814 [326], v. Grolman 46 u. T.-G. 130 u. Karmayer G.-D. 209) kommt das Wort Massi(c)k auch für „Schwätzer“ oder „Verräter“ vor. Man könnte dabei an einen Zusammenhang mit dem rotw. massern, hebr. masâr = „verraten“ (vgl. Günther, Rotwelsch, S. 76) denken; jedoch kann sich jene Bedeutung auch ohne dem entwickelt haben, da es ja nur begreiflich ist, daß die Gauner, um ihren gefährlichsten Feind, den Verräter, zu bezeichnen, zu den stärksten Ausdrücken greifen.