GESANG DER JÜNGLINGE

Wir tragen die Speere In Händen die Jugend,

Wir gehn durch die Tage, Die unser noch nicht sind,

Mit fremdem Blick. Die wissenden Augen

Sehen ein Licht, Das fernher leuchtet.

Wir ahnen die Stunde, Die kommen muß,

Deren Gewalt uns Zusammenwirft

In eine große Verbrüderung.

Wir fühlen nahe Göttlichen Sturmwind.

Wir wissen den Weg Und wollen nicht klagen,

Daß wir allein gehn, Von Welt zerklüftet,

Von tausendfachen Begierden umstellt.

Noch sind uns Frauen Last nur und Untergang.

Nicht dürfen wir greifen Nach Schwesterhänden,

Ehe wir nicht Unsere Brüder gefunden.

Daß wir nicht Frauen, Die wartend am Wege stehn,

Unsere Jugend In den Schoß hinwerfen,

Träumend davongehn, Schwer von Erinnerung

Und arm wie Bettler An heiliger Kraft.

Aber schon brennen Höher die Flammen,

Unsere Speere Leuchten im Frührot,

Und wir durchbrechen Machtvoll die Himmel.

Schwestern, Geliebte! Wir kommen als Sieger,

Euch zu befreien Und lächelnd zu münden

In Euere Güte Und Eure Wollust,

Um zu erfüllen Unser Geschlecht!

GESANG DER FRAUEN

Wir möchten als Kämpfer Neben Euch schreiten

Unendliche Wege. Wir möchten aufsteilen

Zu Euerer Freiheit, Zu Euerer Kraft:

Doch wir entwurzeln Ohne die Demut.

Wir sehen Euch leiden Um uns auch, Brüder

Und wissen es dennoch, Entwachsen dem Schoße

Darf Euer Weg nicht, Eh er vollendet,

Zurück sich biegen In unseren Schoß.

Allzuoft fällt uns Die heiße Lust an,

Daß wir Euch zögen von Eueren Taten

In unsere Liebe. Ihr aber schreitet

Weiter und laßt uns Zerbrochen zurück —.

Wir wollen die Fülle Reif in uns sammeln

Im tiefen Wissen: Ihr werdet kommen,

Wenn unsere Zeit ist. Dann sind wir Erfüllung,

Eins mit Euch geworden Im neuen Geschlecht.