Zweiundfunfzigster Brief.
Fortsetzung.
Im März 1841.
Die Kunstschätze des Schlosses von Versailles, wie die Wasserwerke des Parks, lassen erklären, warum man aus zwei verschiedenen Pariser Stadttheilen hieher kostspielige Eisenbahnen errichtet hat, da der Zudrang von Schaulustigen, sowohl Fremder als Einheimischer, sehr groß ist und die Herren Aktionärs bei stattfindender Konkurrenz immer noch hohe Prozente beziehen sollen.
Bis St. Cloud, einer kleinen Stadt an der Seine, wurde auf der Schienenbahn, die uns nach Versailles gebracht hatte, zurückgefahren, um das daselbst befindliche Schloß, für welches Napoleon eine besondere Vorliebe gehabt haben soll und welches Carl X. gewöhnlich zum Aufenthalt diente, zu besehen, und die im Schloßgarten befindlichen Bassins und Statuen zu bewundern; sowie später die Fußwanderung nach Sévres fortgesetzt wurde, um daselbst die weltberühmte Porzellan-Manufaktur und das in dieser befindliche Museum von fremdem und einheimischen Steingut und Töpferwaaren, Muster der Erden, aus denen sie fabrizirt werden, so wie Modelle aller Arten, Vasen, Figuren und Service, die seit 1755, dem Bestand dieser Anstalt, hier verfertigt worden sind, kennen zu lernen; dann besahen wir das zwischen Sévres und Meudon auf einem Hügel sehr schön gelegene Bellevue, wo man auf der Terrasse einen herrlichen Ueberblick von Paris und den Seine-Fluß hat.
Park und Schloß zu Meudon sind in neuerer Zeit von Ludwig Philipp durchaus neu eingerichtet worden, obgleich schon Napoleon für seinen Sohn dasselbe restauriren ließ.
Bis hierher ging Alles gut, und da das schönste Wetter diesen Ausflug, auf welchem ich gesehen, was ich wohl schwerlich zum zweiten Male sehen werde, es müßte denn Fortuna ein besonderes Auge auf mich werfen, begünstigte, so blieb nichts zu wünschen übrig, als möglichst schnell den knurrenden Magen zu beschwichtigen, da er sich mit dem geistigen Genuß nicht begnügen wollte.
Das herrliche Frankreich mit seinem Feuerwein, wie das bescheidene Vaterland mit seinem Gerstensaft, ließen wir bei dem nächsten Marchand de vin, wo eingekehrt wurde, hoch leben, und dadurch immer beredter und fideler, versäumten die Freunde an den Aufbruch zu mahnen und schon war der Wagenzug vorüber, als wir, um mitzufahren, zur Eisenbahn eilten.
Höllisches Geschick! Weder ein Fiacker, noch Coucous[63] ließ sich sehen und da keine Zeit zu verlieren war, indem wir am Abend der Vorstellung im Theater Franconi beiwohnen wollten, wo die Zurückkunft der Asche Napoleons theatralisch aufgeführt werden sollte, so blieb nichts übrig, als im Sturmschritt nach der Barriere zu eilen, um daselbst einen Omnibus zu besteigen, welcher uns nach dem weit entfernt gelegenen Boulevard du Temple transportiren sollte.
Auf dieser Tour rettete ich die Ehre meiner Landsleute, von denen die meisten während ihres Aufenthaltes in Paris vor Allem über das beschwerliche Zufußgehen geklagt haben, und ohne Wagen nicht fortzubringen gewesen seyn sollen, ich dagegen meine wackern Freunde immer hinter mir ließ, und dadurch zeigte, daß eine Reise nach Amerika nicht so mitnehmend sey, als ein Leben in Paris.
Der bei dem Omnibus wachthabende Sonnenbruder, welchem das Geschäft oblag, zur rechten Zeit den in der nächsten Kneipe sich wärmenden Kutscher zu rufen, hatte sich selbst das Geschäft erleichtert, war in den Wagen gestiegen und sanft entschlafen, mußte jedoch im Traume sich berufen fühlen, dieses Terrain frei zu halten, denn er schlug bei unserm Einsteigen um sich herum und machte, nachdem wir Posto gefaßt, Miene, uns wieder aus dem Wagen zu werfen, bis durch den Lärm der Kutscher selbst herbeieilte und den Trunkenbold auf die Seite schaffte.
Was ich vermuthete, war geschehen. Das Theater war längst angegangen und schon ein Stück vorüber, wie die aus dem Hause kommenden Schaulustigen zu erkennen gaben, von welchen die nicht Zurückgehenden ihre Billets an bereit stehende Kontremarken-Händler verkauften und Letztere solche wieder an später kommende Zuschauer anzubringen suchten, weshalb mehrere dieser Industriellen sich an uns drängten und Marken offerirten.
Dieser Billethandel, wogegen die Theater-Direktion nichts einzuwenden hat, geht in Paris ins Große und verschafft dem Publikum den Vortheil, daß man nicht für die ganze Vorstellung, welche an einem Abend Statt findet, zu bezahlen hat, im Fall man vor dem Schluß des Hauses das Schauspiel verläßt, oder erst in dem bald beendigten Stück das Theater besuchen will.
Mit allem Pomp und getreuer Nachahmung der stattgefundenen Ceremonieen, bei Abholung der Leiche Napoleons von St. Helena bis zur Uebernahme derselben im Invalidenhaus zu Paris von Ludwig Philipp, wurde diese Begebenheit theatralisch dargestellt, welcher Genuß mir um so willkommner war, da ich bedauern mußte, zu spät nach der Hauptstadt gekommen zu seyn, um der wirklichen Trauerfeierlichkeit beiwohnen zu können.
Am nächsten Morgen wurde die Magdalenenkirche besucht, welches herrliche Gebäude, von Napoleon zu einem Tempel des Ruhms bestimmt, jetzt wieder, nach dem Willen ihres ersten Gründers Ludwigs XV., unter die Zahl der Gottgeweihten Häuser aufgenommen ist. Das vollendete Aeußere dieses großartigen Tempels gewährt einen freundlichen Anblick, ohne daß der Styl verräth, daß man einer christlichen Kirche nahe stehe.
Aehnlich der Magdalenenkirche ist die Börse großartig aufgeführt, und wie jene 52 Säulen von Außen zieren, so sind hier 66 dergl. angebracht. Die von oben erleuchtete und mit einem herrlichen Plafont geschmückte Halle ist groß genug, 2000 Personen fassen zu können; am schönsten kann man von der Gallerie herab das Gewühl der versammelten Menge von Spekulanten, Banquiers, Kaufleuten bis zum kleinsten Krämer herab, durchmengt von Neugierigen und Dieben, beobachten, wenn man nicht selber in der Nähe die großartigen Handels- und Geldgeschäfte mit ansehen und hören will, und weniger besorgt für seine Uhr und Börse ist, denn mit unglaublicher Keckheit werden hier, besonders den Fremden, nicht allein Taschentücher entwendet, sondern die Virtuosität dieser Industriellen erstreckt sich besonders auf Dosen, Uhren und Brieftaschen, welche, ehe man es ahndet, verschwinden. Paris und London werden sich wohl in diesem Fach immer den Vorrang streitig zu machen suchen und die unerreichbaren Vorbilder aller Gauner und Diebe bleiben.
Von hier aus wurde die große Passage des Panorames durchschritten und durch diese aufmerksam gemacht, verschiedene andere Glasgallerieen besucht; auch wurde mir das Haus gezeigt, woraus Fieschi seine Höllenmaschine auf den König abgeschossen hatte.
Die Beschauung des Louvre kam jetzt an die Reihe. Dieser Palast, von Franz I. (1528) errichtet, von allen nachfolgenden Regenten aber vergrößert und verschönert, interessirte mich ungemein. Er erweckt viele historische Erinnerungen und war häufig die Wohnung der Könige. Karl IX. schoß von hier aus auf die Hugenotten in der Bartholomäusnacht und hier fand der erbitterte Kampf des Volks gegen die Schweizergarde in der Juli-Revolution Statt. Das Aeußere, wie der innere Ausbau, dieses großartigen Gebäudes ist äußerst imposant und reich ausgeschmückt und soll für den Architekten viel Merkwürdiges enthalten. Die innern Räume des Louvre sind jetzt beinahe ganz von verschiedenen Museen eingenommen, und die Kunstschätze, welche hier aufbewahrt werden, übertreffen Alles, was man sich vor dem Beschauen davon verspricht.
Am letzten Tage meines Aufenthaltes in Paris fuhren wir nach St. Denis, einer Stadt von 5000 Einwohnern, um die daselbst befindliche merkwürdige Cathedrale zu besehen, wo die Gräber der französischen Könige sich befinden.
Wir besahen das alterthümliche Grab Dagoberts, das Grabmal Ludwigs XII., und Anna’s, seiner Gemahlin; dann das Denkmal von Heinrich II. und Catharina von Medicis, das Monument Franz I. und der Königin Claude.
Schon war die Pforte geöffnet und der Führer bereit, uns unter das Chor hinab zu geleiten, wo die Grabgewölbe der übrigen Könige und ihrer Familienglieder sich befinden, als mich Kolik-Schmerzen zum Rückzug zwangen.
Keine Zeit war zu verlieren, um nach Paris zurückzueilen, weil daselbst heute noch die nur bis vier Uhr geöffnete Königliche Teppichfabrik der Gobelins besucht werden sollte. Doch vergebens harrten wir im Kuckuk auf den Abgang des Wagens, obgleich der Kutscher beim Einsteigen den schnellsten Transport versprochen hatte. Mein Freund mochte toben und fluchen, so viel er wollte, der Wagen rückte nicht von der Stelle, denn noch waren nicht alle Plätze besetzt und der Fuhrmann verlangte seine volle Ladung. Nur, als wir Miene machten, wieder auszusteigen um einen andern, besser besetzten Wagen zu frequentiren, wurde das erbarmungswürdige Thier durch Peitschenhiebe zum Fortgehen bewegt. Unterwegs wurden noch Höckenweiber und Arbeiter aufgenommen, wodurch sich die Passagiere dermaßen mehrten, daß der Kutscher die Freude hatte, noch Lapins[64] zu placiren. — An der Barriere angelangt, wurde sogleich ein Omnibus bestiegen; doch da vier Uhr längst vorüber war, als wir bei den Gobelins ankamen, so wurde der Zutritt nicht mehr gestattet und das Anschauen dieser berühmten Kunstteppich-Weberei ging für mich verloren.
Aergerlich gestimmt, gingen wir langsam durch das öde, garstige Stadtviertel, wo die Lohgerber an dem Bievre-Flüßchen wohnen und das Geschäft meines Freundes und Führers getrieben wurde, nach dessen Wohnung zu und an der Anatomie vorbei, wo Mediziner und Chirurgen ihr Geschäft an Hunderten von Leichen üben. In dem Logis angelangt, mußte ich bemerken, wie ein so großes Haus in Paris gleichsam eine kleine Welt umschließt, und das nämliche Dach oft den ausschweifendsten Luxus neben der drückendsten Armuth bedeckt. Man wird hier geboren, man lebt, man stirbt, man freut sich oder man verzweifelt, und Niemand im Hause, außer denen, die es zunächst berührt, erfährt etwas davon. — Erst als am Abend im Atelier des fleißigen Malers, meines braven Wirths, die Freunde sich versammelt und der dampfende Glühwein von Neuem den Leib erwärmte, war mir wohler, und bis spät in die Nacht wurde unter Sang und Klang der Gläser der Abschied gefeiert.
Die Heimkehr.
Am Morgen des 3. März war bei der Postanstalt Laffitte, Caillard et Comp. die Reise nach Straßburg akkordirt und für den Platz auf dem Kutschenhimmel 33 Franks für 120 Stunden Wegs bezahlt; wobei noch 50 Pfund Gepäck und ein Hund frei waren.
Das von Freundes Hand mir anvertraute alte Thier, um solches dem Vater zu überbringen, hatte gewiß seine Jugendzeit auf dem Combat in Paris verlebt und daselbst bei den Hundepaukereien als kunstgerechter Kämpfer sich Lorbeeren erworben, obgleich der Händler diese Bestie mit seinen fletschenden Zähnen, als noch in besten Jahren stehende Bulldogge verkauft hatte, welche die grauen Haare nur aus Verdruß über nicht anerkannte Verdienste bekommen habe.
Freud und Leid verschaffte dieser Begleiter, welchen ich mir während der Reise durch Schmeichelei und Leckerbissen geneigt zu machen suchte. Bald fuhr er knurrend meiner nicht allzuhübschen Nachbarin nach den Waden, wenn sie das Unglück hatte, ihn mit ihren großen Füßen zu berühren; dann verrieth die Feuchtigkeit an den Füßen, daß die Bestie, ungalant genug, sich nicht genirte, über den Häuptern der tiefer sitzenden Passagiere der Nothdurft sich zu entäußern.
Während der 2½ Tag und zwei Nächte unausgesetzten schnellen Reise über Chalons und Nancy wurde nichts der Aufnotirung Werthes bemerkt und wir erreichten wohlbehalten am 5. d. Nachmittags Straßburg, wo ich bei dem mir rekommandirten und empfehlungswerthen Jacob Phisterre einkehrte und sogleich das Nöthige auf dem Paß-Bureau besorgte, währenddem die Bulldogge angebunden in der Gaststube zurück blieb. Doch dem freien Franzmann beliebte nicht eine solche sklavische Behandlung, knurrend säuberte er seine Nähe von zudringlicher Bekanntschaft und zerriß die Bande, um mit einem Satz nicht über den Rhein, sondern nach einer sich in aller Unschuld nähernden Katze zu springen, welche zu spät gewarnt, durch die rächende Nemesis jetzt gleiches Schicksal erfuhr, was sie Tausenden von Mäusen bereitet hatte. Mir selbst diente das Geschehene zur größern Vorsicht, und da zum Glück das gefallene Opfer nicht der Liebling der Frau Wirthin mehr war, indem das jüngere Geschlecht sie aus der frühern Gunst verdrängt hatte, so war auch von dieser Seite der Friede bald wieder hergestellt, woran mir am mehrsten gelegen war, da ich es nicht gern mit den Weibern verderbe.
Schon war der Name auf dem Postamte zur Weiterreise notirt, als mein böser Genius, der Hund, diese Fahrgelegenheit vereitelte, da man solchen weder frei, noch gegen Vergütung als Passagier mit aufnehmen wollte. Lohnfuhrwerk zu miethen, kam als einzelne Person zu theuer, weshalb ich einen Allerweltsfreund beauftragte, in den andern Gasthöfen nach einer Retourfuhre sich umzusehen.
Den andern Morgen wurde die Stadt besehen, wobei die Straßen derselben mit ihren engen, unregelmäßigen, meist hohen und altmodisch aufgeführten Häusern keinen freundlichen Anblick gewähren, und nur der Paradeplatz, mit ansehnlichen Häusern umgeben, macht hiervon eine Ausnahme.
Die mir als merkwürdig gezeigten Gebäude sind: der ehemalige bischöfliche Palast, das vormalige Jesuiten-Kollegium, die Münze, das Zeughaus, die Kanonengießerei, das Rathhaus und das Theater, vor Allem aber der berühmte Münster, das Meisterstück altdeutscher Baukunst. Der bewunderungswürdige hohe Thurm, welcher sein kühnes Haupt stolz bis zur Höhe von 438 Pariser Fuß in die Lüfte emporhebt, wurde bestiegen.
Eine herrliche Aussicht lohnt für die Mühe und das ängstliche Emporklimmen in einen der kleinen schlanken und mit durchbrochener Arbeit gezierten vier Thürmchen, welche bis hoch in die Lüfte den Hauptthurm umgeben, und in jedem eine schmale Schneckenstiege hinaufführt, die in der Spitze wieder in den Mittelthurm geleitet. Von diesem Standpunkte aus entfaltet sich dem Blicke das prachtvollste Panorama. Die Stadt mit ihren beträchtlichen Festungswerken liegt ausgebreitet unter dem Beschauer und gewährt den großartigen Anblick eines der ersten befestigten Orte. Ueber den Schanzen und Gräben hinaus fängt eine gut angebaute Gegend an, welche von schönen Gärten, Landhäusern und Dörfern angefüllt ist. Nachdem in allen Theilen die Riesen-Pyramide des Thurmes, welches Kunstwerk reichlich mit durchbrochener und anderer Bildhauerarbeit geziert, gemustert war, und ich auch die als Meisterstück anerkannte Thurmuhr besehen, verfügte ich mich nach der Thomas-Kirche, um das merkwürdige, dem Marschall Moritz von Sachsen errichtete Denkmal zu sehen. Eben daselbst werden auch in einer Nebenkapelle zwei in Särgen liegende Mumien gezeigt, von welchem der Zahn der Zeit schon einmal die Kleidungsstücke zernagt und Letztere mit neuen ersetzt worden sind; die Leichname selbst waren dagegen noch gut erhalten.
Eben als der Pförtner im Begriffe war zu erzählen, wer die längst Verstorbenen gewesen, trat der mich suchende Kundschafter ein und brachte die Nachricht, daß ein Herr mit mir vereint die Reise bis Frankfurt zu machen wünsche und im Logis meiner harre.
Ein mit der Post von Paris gekommener Musen-Sohn war das Herrchen, welcher mir die Ehre zugedacht, in seiner Gesellschaft und auf gemeinschaftliche Kosten die Reise fortzusetzen, und jetzt unserer Zwei, wurde es auch leichter, einen von Mannheim gekommenen, und auf Retourfuhre wartenden Lohnkutscher zu gewinnen.
Wohl hat freudiger, wie ich, kein Deutscher die große Schiffbrücke über den Rhein bei Straßburg passirt, denn mit wonnigen Gefühlen betrat ich von Neuem Deutschlands Boden. Während die Zolloffizianten bei Kehl sich mit Visitiren meiner Effekten beschäftigten, und ich von einigen Kleinigkeiten Eingangszoll zu entrichten hatte, war mein Reisegefährte um so schneller expedirt, da er außer seinem noblen Anzuge nur noch ein kleines Päckchen bei sich führte, dessen Inhalt mir unbekannt, aber doch nichts Steuerbares enthielt.
Den 7. März, Nachts 1 Uhr, in Karlsruhe angekommen, wurde von da früh 9 Uhr die Reise fortgesetzt, und von mir, wegen vorgeschütztem Mangel kleinen Geldes, für meinen Musensohn die Zeche ausgelegt. — Wie Letzterer erzählte, war er ein Schüler der Malerkunst, welcher im Begriffe stehe, in Frankfurt einen Onkel zu besuchen, sich da zu erholen, und frische Gelder zu erheben und in Dresden das Studium fortzusetzen; er war übrigens ein fideles Haus und ein guter Gesellschafter, welcher mir noch so Manches von dem Pariser Studentenleben mittheilte.
Abends 8 Uhr trafen wir in Mannheim ein und fanden im König von Portugal Unterkommen. Von hieraus wurde, um mich eines Auftrags zu entledigen, ein Abstecher nach Frankenthal nöthig, welches Geschäft einen Tag Zeit in Anspruch nahm, und meinen Reisegefährten bestimmte, um Jugendfreunde zu besuchen, auf der Eisenbahn nach Heidelberg zu fahren, morgen aber zu rechter Zeit zurückzuseyn, und auf dem Dampfschiffe wieder vereint mit mir, die Reise nach Mainz fortzusetzen.
Gegen den Beschluß war nichts einzuwenden; doch die Zumuthung, abermals die Zeche zu erlegen, machte mich bedenklich, als aber gar noch ein baares Anlehn kontrahirt werden sollte, wurde ich stutzig und nur als die Versicherung gegeben wurde, in Frankfurt sich der Pflicht pünktlich wieder zu entledigen, und man das Ehrenwort verpfändet hatte, gab ich theilweise nach, und machte wenigstens die Fahrt nach Heidelberg möglich.
Mir selbst wurde in Frankenthal ein herrlicher Genuß. Durch Briefe aus Amerika, von meinem Freund und Kollegen in der Kupferfabrik, brachte ich den Geschwistern und der Schwiegermutter Nachricht von dem Kinde, der lieben Tochter und dem Enkelchen. Außer sich vor Freude, wußte das Mütterchen nicht, wie sie ihre Dankbarkeit beweisen sollte, nöthigte zum Kaffee und ließ die Milch dabei überlaufen; invitirte zum Wein, und vergaß über alles Fragen, solchen zu holen, welches mir um so lieber war, da ich des Guten schon genug bei den Schwägern genossen, wo ich auch übernachten mußte. — O! hättest Du ahnen, und jetzt sehen können, alter Freund, und ihr Alle, welche Gleiches zu thun willens sind, wie es für Eltern schmerzlich ist, wenn sie so weit von den Ihrigen getrennt, sie mehr als todt beweinen, diese Wunde nie verharrscht, und bei jeder Nachricht von Neuem aufgerissen um so schmerzlicher wird, gewiß, ihr würdet vor der Ausführung, von dem unglücklichen Gedanken, Vaterland, Eltern und Geschwister zu verlassen, geheilt.
Am Morgen des 9. dieses traf ich wieder in Mannheim ein doch der Maler war noch nicht zurück, und, wie zu vermuthen stand, der Philister um das Anlehn geprellt, wenn nicht während meines Aufenthalts in dem bestimmten Gasthause zu Frankfurt, das Ehrenwort eingelöst wurde.
Bei dem Bezahlen auf dem Dampfschiffe wurde der Hund als halber Passagier in Rechnung gestellt, welche Ausgabe mir weniger unangenehm war, als daß ich solchen beständig an der Leine führen mußte, da diese Bestie einem deutschen Kameraden etwas unsanft den Gruß erwiderte, welchen der Pinscher kneffend anzubringen versucht hatte.
Die unfreundliche Witterung ließ wenig von der Gegend genießen, ebenso wurde von der Bundesfestung Mainz, welche wir um 4 Uhr erreichten, wenig gesehen, da um 5 Uhr der Eisenbahnzug nach Frankfurt abging wo ich mit diesem um 6 Uhr eintraf.
Während der Fahrt, wo ich bei meinem Nachbar, einem Frankfurter, Erkundigung wegen Gelegenheit zur Weiterreise einzuziehen suchte, wurde mir eine Herberge, in welcher in der Regel die Lohnkutscher logiren sollten, und wo man auch sonst gut aufgehoben sey, empfohlen, welches mich bestimmte, daselbst einzukehren, und den vom Maler empfohlenen Gasthof nicht zu beziehen, sondern nur Letzterem wegen des verpfändeten Ehrenworts einen Besuch abzustatten.
Am andern Morgen stattete ich sogleich dem Amerikaner Herrn Bindernagel, welcher sich zur Zeit in Bornheim aufhielt und dessen Bekanntschaft ich schon in New-York gemacht, einen Besuch ab, indem ich Briefe überbrachte. Dieser begleitete mich nach Frankfurt, und auf das dasige Polizei-Bureau, um mir daselbst den Unterschied zwischen amerikanischer und deutscher Geschäftsbedienung zu zeigen, da hier die ärmern Reisenden oft Stundenlang auf Einlaß wegen Visa warten müßten, währenddem die Herren Beamten im geselligen Diskurs ihre Zeit auszufüllen suchten. — Er selbst auf dem Bureau bekannt, geleitete mich durch eine Nebenthür in dasselbe, wo ich dieses leider bestätigt fand. Schnell wurde ich expedirt; um so zahlreicher aber standen die Reisenden vor dem Hause, harrten des Rufes zum Einlaß und übten sich in Geduld. Da schien es mir doch, als wenn Herr Bindernagel nicht ganz Unrecht hätte; er behauptete nämlich, daß nur in Amerika der Mensch überall als Mensch geachtet, und, gleich welchem Wirkungskreise er angehöre, bei jeder Behörde freien Zutritt und auf schnelle Bedienung Anspruch zu machen habe. Dem Amerikaner geht nichts über seine Zeit, und Wehe dem Angestellten, welcher gegen seinen Nächsten eine Geringschätzung blicken ließ, oder auf einem faulen Pferde gefunden würde.
Während Beseitigung dieser Geschäfte war der Hund dem Hausknecht zur Verwahrung übergeben worden, Letzterer solchem aber aus dem Gefängnisse entwischt, zu dessen Wiedererlangung die Nachmittagszeit verwendet werden mußte und dadurch versäumt wurde, in dem Absteigequartier des Malers zu hinterlassen, wo ich zu finden sey. — Am nächsten Morgen hatte ich den Verdruß, zu erfahren, daß dieser mit dem gestern Abend eingetroffenen Eisenbahnzuge angekommen, der Studiosus kein Schurke, sondern eingedenk seines gegebenen Wortes gewesen sey, sogleich nach mir gefragt, beim Nichtauffinden meiner Person aber vermuthet habe, daß ich bei meiner Ankunft in Frankfurt die Stadt sogleich wieder verlassen und die Reise fortgesetzt habe. — Die vermaledeiete Bestie, der Hund, war daher abermals Ursache des erlittenen Schadens, wenn der Schuldner die Generosität nicht so weit treiben sollte, mir einmal in Weimar die Ehre seines Besuches angedeihen zu lassen, was jedoch bis zur Zeit der Niederschreibung dieses noch nicht geschehen ist. Vielleicht kommen ihm diese Zeilen zu Gesicht und erinnern ihn an den alten Reisegefährten und sein gegebenes Wort.
Am Morgen des 10. März wurde von Frankfurt aus die Reise mit der von einer Privatgesellschaft errichteten Eilfuhrgelegenheit[65] fortgesetzt. Leider war aber hier Eile mit Weile gepaart, da bei jedem aus einem Haus herausschauenden Arme, Pferde und Menschen getränkt wurden, weshalb wir erst spät in Fulda ankamen. Statt aber unverweilt den Wagen zu wechseln, hielt der Herr Wirth für räthlicher, die Passagiere die zweite Hälfte der Nacht zu beherbergen und erst am Morgen die Tour fortzusetzen.
Das zweite Nachtquartier wurde in Eisenach gehalten, und der 13. März war der mir ewig unvergeßliche Tag, an welchem ich wieder in dem lieben Weimar eintraf und im Kreis meiner Familie von den Strapazen dieser Reise mich erholen konnte.
Die Erinnerung an all’ das mannigfaltig Erlebte auf dieser Reise bleibt zurück und gewiß viele der geehrten Leser hegen beim Schluß dieser Mittheilung den Wunsch, Gleiches, wie ich, erlebt zu haben, denn hier bewährt sich so recht das Sprichwort: „Wenn Jemand eine Reise thut, so kann er was erzählen.“ Nur muß ich bedauern, keinen bessern Vortrag zu haben und nochmals um gütige Entschuldigung bitten.
Nachschrift.
Daß mehrere der vorstehenden Briefe nur dem wesentlichsten Inhalt nach, kürzer gefaßt den Meinen zugeschickt wurden und Vieles erst, nachdem Erstere zum Druck bestimmt, aus meinem Tagebuch und andern Druckschriften, wie dieses die mit Gänsefüßchen („“) eingeschaltenen Sätze anzeigen, ergänzt worden ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Da es aber häufig der Fall ist, daß Leser eines Buches die Vorrede überschlagen, so erlaube ich mir noch die Schlußbemerkung: weniger streng über den schwerfälligen, nicht immer fließenden Styl zu urtheilen, da ich selbst nur zu bald beim Beginn dieser literarischen Arbeit die Bemerkung machen mußte, daß die den Tag über von technischen Geschäften angegriffenen und zerstreuten Gedanken, des Nachts dann die ungeübte Feder nicht immer dem Aufschwung des Geistes zu folgen vermochten, was mich bestimmte, das von mir Niedergeschriebene nochmals der Ueberarbeitung eines jungen Literaten zu unterwerfen. Leider war aber von diesem das Geschäft gegen die Tendenz der Vorrede und meinen Willen aufgefaßt worden, so daß nicht eine Ueberarbeitung, sondern eine förmliche Umarbeitung Statt fand, zu welcher ich den Namen nicht hergeben konnte, indem meine gereiftern Grundsätze sich nicht mit den Romanideen eines schwärmerischen Geistes einigen wollten, und sich auch dadurch mehrere Sinn entstellende Sätze eingeschlichen hatten. — Um nun nicht abermals Zeit zu verlieren, so sah ich mich genöthigt, dabei auf die Nachsicht der geehrten Leser vertrauend, das Werkchen schmucklos so in die Welt zu schicken, wie es von mir geboren worden ist.
Fr. Höhne.
Druck der Albrecht’schen priv. Hof-Buchdruckerei.
Bei dem Verleger dieser Reisebeschreibung sind folgende Werke erschienen:
Die Erscheinungen der Elektrizität und des Magnetismus in ihrer Verbindung mit einander.
Nach den neuesten Entdeckungen im Gebiete des Elektro-Magnetismus und der Induktions-Elektrizität. Für Freunde der Naturwissenschaften und besonders für Aerzte ausführlich dargestellt von D. I. Eydam. Mit 60 Abbildungen.
gr. 8. 1 Thlr. 26 Sgr. 3 Pf.
Unstreitig hat kein Theil der Naturwissenschaften einen so vielseitigen und lebhaften Anklang im Publikum gefunden, wie die wunderbaren Beziehungen zwischen Elektrizität und Magnetismus, welche unter dem Namen des Elektro-Magnetismus begriffen werden, besonders seitdem dieselben angefangen haben, eine Rolle in der Mechanik zu spielen und sich unter andern die Ansicht eröffnet hat, daß durch Einführung der elektro-magnetischen Treibkraft die durch den steigenden Preis des Brennmaterials immer kostspieliger werdende bisher gebräuchlichste Maschinenkraft, der Dampf, endlich verdrängt werden wird. Ich zweifle daher nicht, daß obige Schrift, die mit besonderer Rücksicht auf die technische Anwendung des Elektro-Magnetismus und der Magneto-Elektrizität sich über alle die interessanten Erscheinungen verbreitet, welche aus dem Conflikte der magnetischen Kraft mit der elektrischen hervorgehen und zugleich eine gründliche, dem neuesten Zustande der Wissenschaft angemessenen Darstellung der Lehre von der Elektrizität und dem Magnetismus, von dem Thermo-, Photo- und Rotations-Magnetismus, der Galvanoplastik, der elektrischen Telegraphie u. s. w. enthält, sich einer willkommenen Aufnahme zu erfreuen haben werde, zumal da der Verfasser seinen Gegenstand so auffaßte, daß nicht nur der gebildete Laie, sondern auch der Physiker vom Fache Befriedigung bei Aneignung der Schrift hoffen darf. Besonders werden auch Aerzte bei Lesung derselben Gelegenheit finden, sich über die Verhältnisse der medizinischen Anwendung der Elektrizität und des Magnetismus, so wie der elektro-magnetischen und magnetelektrischen Rotations-Apparate und deren Einrichtung, wie sie in neuester Zeit gebräuchlich worden sind, sich zu unterrichten. — Indem wir im Uebrigen auf das dem Werke vorgedruckte reichhaltige Inhaltsverzeichniß verweisen, bemerken wir nur noch, daß bei der äußern Ausstattung desselben von uns nichts verabsäumt wurde, was zur Empfehlung desselben dienen kann.
Interessante civilrechtliche Entscheidungen der höchsten deutschen und andern Spruchbehörden. Gesammelt und herausgegeben von Dr. G. v. Hellfeld.
gr. 8. 1 Thlr.
Diese Sammlung wird kein Jurist unbefriedigt aus der Hand legen. Sie enthält keineswegs eine weitläufige juristische Polemik, sondern immer nur den Kern von 25 Entscheidungen auf 14 Bogen und unter diesen besonders folgende: über actio in factum de syndicatu gegen Richter und Kollegien aus nachlässigem Handeln, oder Unterlassen; — über den Beweis der condictio indebiti nach dem Sinne und Geiste der C. 25. D. de probationibus; — über Erbvertrag, Umfang des deutschrechtlichen mundii; — über Erbschaftsklage und Specifikation bei Universal- und Singular-Klagen; — über Suppletoria, Dos und Paraphernal-Vermögen; — über Perception industrieller Früchte durch den Usufruktuar; — über Miethvertrag, Einrede des nicht erfüllten Kontrakts und Ehescheidung wegen Haß; — über Privation wegen Ehebruches; — Juramentum novorum; — über der Rechtskraft nicht unterliegende Dekrete, Extrajudicial-Appellation und deren Eigenthümlichkeit; über devolutive und nicht devolutive Rechtsmittel; — über Zulässigkeit der Geschäftsführer zum Zeugenbeweis und über die Nachtheile der Zuvielforderung, nebst Register zum leichteren Gebrauche etc.
Die
innern Hals- und Brust-Krankheiten
der Kinder.
Dargestellt von Aug. Höcker. Fol. Tabellen-Format
1 Thlr. 20 Sgr.
Wir machen bei Anzeige dieses Werks, des dem ärztlichen Publikum bereits durch seine in unserm Verlage erschienene und mit allgemeinem Beifalle aufgenommene Schrift: Die Geschäftsführung der Staatsarznei-Wissenschaft etc. rühmlichst bekannten Herrn Verfassers, besonders auf das leicht Uebersichtliche der Tabellenform aufmerksam, in welcher dasselbe bearbeitet ist. Nach dem uns zugekommenen Urtheile Sachkundiger sind die einzelnen in dasselbe aufgenommenen Krankheitsformen, selbst in ihren individuellen Verhältnissen mit seltener Sorgfalt und der genauesten Sachkenntniß dargestellt und mit Hervorhebung der charakteristischen Merkmale, durch welche sie sich von einander unterscheiden, so neben einander gereihet, daß die bei den Krankheiten der Kinder so äußerst schwierige Kunst der Diagnose auf das Wesentlichste erleichtert wird. Wir glauben deshalb die Schrift, die eine fühlbare Lücke in der medizinischen Literatur ausfüllt, als eine Bereicherung derselben den Herren Aerzten mit Recht empfehlen zu können.
Fußnoten:
[1] Bei Weimar.
[2] Bei Erfurt.
[3] Hinter Erfurt.
[4] Bei Gotha.
[5] Nachdem ich fest entschlossen war, die Reise nach Amerika ohne Familie zu unternehmen, so war dabei sogleich festgestellt, mich nur auf die allernothwendigsten Ausgaben zu beschränken, um in pekuniärer Hinsicht so wenig als möglich zu opfern und dabei zu beweisen, daß der Mensch alles kann, wenn der gute Wille nicht fehlt. Ich theilte daher sogleich vom Anfang der Reise an, die Lebensweise meiner, zum Theil armen Gefährten, unter denen sich einige befanden, deren weniges Vermögen mir zur Bestreitung der Reisekosten anvertraut worden war; schlief mit ihnen auf der Streu, lebte eben so dürftig wie sie, aß Mittags nie warm, sondern erst Abends, in Gemeinschaft der ganzen Gesellschaft. Hierdurch wurde es möglich, daß erwachsene Personen täglich mit 6 gr. Cour. auslangten, und daß Familien pro Kopf 4 gr. Cour. bedurften. Als Fracht für den Zentner Effekten wurde von Weimar bis Bremen 1 thlr. 6 gr. berechnet, und um bei gutem Wege fahren zu können, zahlten außerdem die Erwachsenen 2 thlr. pro Kopf, Kinder die Hälfte.
[6] Bis weit vor die Stadt schicken die Herren Wirthe, welche Auswanderer beherbergen, diese Makler entgegen, wovon Jeder die billigste Bewirthung und das solideste Haus offerirt. Die Wahrheit solcher Anweisungen lernt man erst während des Aufenthalts kennen. Ich kann aber Auswanderern, welche ein billiges Unterkommen suchen und keine großen Ansprüche machen, den Schneidermeister Achelpohl empfehlen, wo man gut aufgehoben ist.
[7] Für Kost und Logis mit einem Bett à Person 10 gr. Cour. täglich. Bei gemeinschaftlichen Schlafen auf der Streue im großen Saale, 8 gr. Cour.
[8] Friedr. Jos. Schlevogt aus Oettern bei Weimar, lebt jetzt glücklich in Baltimore und ist Besitzer einer Basket-Faktory (Korbmacherei).
[9] Einige Schiffskapitäne, an welche ich mich wegen Akkordirung zur Seereise wendete, versicherten, daß sie zur Zeit (ob dieses immer der Fall ist, weiß ich nicht, da ich das Gegentheil gehört habe) streng angewiesen wären, ohne Vorwissen der Herren Schiffsmakler, keine Zwischendeckpassagiere aufzunehmen, dieses sei jedoch nicht der Fall mit den Kajütenpassagieren.
[10] Wichelhausen.
[11] Der Grot hat 4 pf., 72 Groten werden auf einen Bremer Thaler gerechnet.
[12] Wichelhausen.
[13] Wie mir später versichert wurde, soll es wirklich gesetzlich seyn daß derjenige, welcher Auswanderer zu einem Makler bringt, für jede Person 1 Gulden in Gold als Douçeur erhält. Herr W. suchte zwar dieses zu widerlegen, als ich, Bezug darauf nehmend, um Ermäßigung des Fahrgeldes für eine unserer armen Familien bat, ließ sich dennoch aber bestimmen, statt 35 nur 30 Thaler für den Säugling anzunehmen.
[14] Wie dem gegebenen Versprechen nachgekommen war, sieht man im Lauf meiner Erzählung. Es ist daher räthlich, den Kontrakt gerichtlich zu machen, und zwar um so mehr, wenn derselbe für mehre Personen lautet. Darin ist genau zu bestimmen, was vor und während der Reise dem Passagier zu gewähren sei, und im Fall, daß die gegebene Zusage nicht gehalten würde, auf Kosten des Herrn Schiffsmaklers, in Amerika das Weitere gerichtlich verfolgen zu können.
[15] Gebot auch die Vernunft, den gewünschten Vorschuß nicht zu leisten, weil, wie ich mehrfach gehört und gelesen, im freien Amerika sich selten einer noch verpflichtet hält, überseeisch gemachte Versprechungen zu erfüllen, so folgte ich dennoch dem Drange meines Herzens und gab das Erbetene, ohne mehr als das Wort zum Unterpfand zu verlangen. Wie schändlich ich dafür belohnt worden bin, zeigt der Gang meiner Erzählung.
[16] Wichelhausen.
[17] Dieses Alles fanden wir in Bremerhaven bestätigt, wo Niemand nach einem Reisepaß oder sonstiger Legitimation fragte. Die Passagiere wurden beim Abgang des Schiffes nicht in dasselbe hinein gezählt und Keinem Quittung über gezahltes Fahrgeld abverlangt und so hatte jeder Vagabund die schönste Gelegenheit, unerkannt den Rächerhänden der Justiz zu entschlüpfen. Zwei sich auf dem Schiffe ohne Vorwissen der Makler und des Kapitäns eingeschlichene Individuen wurden von uns selbst, da sie sich unpolitischer Weise verriethen, dem Gericht übergeben.
[18] Vor Allem sind zu einer Seereise nöthig: blecherne Eß-, Trink- und Nachtgeschirre, worunter sich ein Schaffen befinden muß. Eine mit Seegras oder Stroh ausgestopfte Matratze nebst Kopfkissen und wollener Decke, welche letztere von Hause aus mitzunehmen ist, um sie auf der Landreise bis Bremen benutzen zu können. Ein Korb mit weißem Schiffszwieback, einige Pfund Waizenmehl, worin Eier sich gut aufbewahren lassen, etwas Butter, Schweizerkäse, oder einen geräucherten Schinken, auch Wurst vertritt die Stelle; Pfeffer, Salz, Kaffee, Zucker, Wein und Essig leisten ebenfalls während der Seereise gute Dienste. Sollte auch von den besonders angeschafften Lebensmitteln bei der Ankunft in Amerika noch Etwas übrig seyn, so wird dieser Rest dem Passagier trefflich zu statten kommen und dieses ist um so mehr der Fall, wenn man sogleich eine Privatwohnung bezieht, woran es nie mangelt, und sich nicht den Uebertheuerungen der Wirthe aussetzt.
[19] Wichelhausen.
[20] Eine Familie mit erwachsenen Töchtern sollte nie die Ausgabe scheuen, diese Schiedbleichen der Schlafstellen ganz zuschlagen zu lassen, wozu in Ermangelung von Bretern, Tisch- oder Betttücher verwendet werden können. Eben so rathsam ist es, den Breterboden der obern Schlafstellen mit einem Tuche zu überziehen, wo dann zwischen den Fugen dieses Bodens kein Schmutz auf die darunter Liegenden fallen kann.
[21] Warum nur Anfangsbuchstaben? Eine Reisebeschreibung hat natürlich weit mehr Glaubwürdigkeit, wenn die Namen ausgeschrieben sind; aus diesem Grunde habe ich schon vorher den Namen Wichelhausen zur öffentlichen Kunde gebracht und nenne nunmehr auch den Namen Ulrich, als dessen Agenten in Bremerhaven, und zwar auf Veranlassung folgender Umstände: Ein hiesiger Partikulier hatte Auszüge aus Höhne’s Reisebriefen und zwar gerade diese empörende Behandlung der Auswanderer an den „allgem. Anzeiger d. D.“ nach Gotha gesendet, wo sie 1840 in No. 71 und 73 abgedruckt stehen. Der Herausgeber der Dorfzeitung fand sich bewogen, bezüglich dieser Auszüge folgende Notiz in der Dorfzeitung 1840 No. 51 erscheinen zu lassen:
„Der Allg. Anzeiger enthält Abscheu erregende Mittheilungen über die Schiffe, auf welchen die armen deutschen Auswanderer nach Amerika überfahren und von den Betrügereien vor, während und nach der Ueberfahrt. Warum werden aber solche Bursche in Bremen wie W. und ihre Agenten blos mit den Anfangsbuchstaben bezeichnet, warum brandmarkt man solche Seelenkäufer nicht öffentlich? Sind die meisten Auswanderer nicht ohnehin unglücklich genug, daß man sie noch solchen Blutsaugern in die schmutzigen Hände giebt?“
Hierauf erschien nun in dem Allg. Anzeiger No. 84 desselben Jahres folgende
Erklärung.
„Eine in der Dorfzeitung vom 16. März erschienene Anzeige, welche, mit Bezugnahme auf einen Aufsatz in dem Allg. Anzeiger, einen Bremer Schiffsexpedienten, bezeichnet mit dem Buchstaben W., betrifft, zwingt mich zu der Erklärung, daß ich demjenigen die Summe von tausend Gulden sofort auszahlen lassen werde, welcher mich überführen kann, mich auf eine so empörende Weise, wie dort geschildert wird oder überhaupt nur auf eine unrechtliche Weise gegen die von mir expedirten Auswanderer benommen zu haben.“
„Mein Charakter, welcher, wie ich mir schmeicheln darf, in ganz Deutschland allgemein als rechtlich und ehrliebend anerkannt ist, sollte mich freilich gegen alle Angriffe dieser Art schützen, allein Mißverständnissen ist in einem solchen Falle nicht vorzubeugen und es handelt der Einsender jenes Aufsatzes sehr unrecht, wenn er den Namen desjenigen verschweigt, welcher die Unbilde begangen, indem er dadurch den Zweck verfehlt, welchen er durch seine Bekanntmachung zu erreichen beabsichtigte.“ Bremen den 19. März 1840.
Fried. Jac. Wichelhausen
Ohne an dem rechtlichen Charakter des Herrn Wichelhausen zu zweifeln, so sind die angeregten Unbilden wenigstens durch sein Komptoir begangen worden, möglich ohne sein Vorwissen, allein der Chef des Komptoirs bleibt immer dafür verantwortlich. Unverantwortlich bleibt der Umstand, daß man das Fahrgeld, welches man mit seinem Agenten besprochen und gewissermaßen accordirt hatte, in Bremen erhöhete; unverantwortlich, daß man 208 Auswanderern die accordirte Schiffskost vorenthielt, welche erst dann erfolgte, als man gerichtliche Hülfe suchte und daß wahrscheinlich Herr Ulrich 277
Der Zweck, den man übrigens durch den Abdruck dieser Briefe in den Anzeiger beabsichtigte, wurde vollkommen erreicht, durch die bald darauf erfolgte obrigkeitliche Bekanntmachung des Bremer Senats, nach welcher dergleichen überseeische Seelentransportirungen unter eine sehr vernünftige Aufsicht gestellt wurden.
W. H.
[22] Recht gut ist es, sich außer den schon angegebenen, zur Seereise nöthigen Gegenständen, noch mit einigen Leckereien, wie Bonbons, zu versehen, welche man bei passenden Gelegenheiten an Kinder verschenkt und dadurch sich die Zuneigung der Eltern erwirbt, welche in vorkommenden Fällen durch Hülfeleistungen gern dafür erkenntlich sind. Ferner schaffe man sich zur Kurzweil ein Bretspiel oder Domino an, vergesse ein Gebetbuch nicht, da Beten das Herz erhebt und füge dem noch einige Bücher zur Lektüre bei. Selbst eine Brieftafel mit Bleifeder ist von Nutzen, um immer das Nöthige notiren zu können.
[23] Zum Malheur für uns waren unter den am Bord habenden Kartoffeln viele faulige, welche während der Reise auch die guten ansteckten, so daß der ganze, in Fäulniß übergegangene Vorrath ins Wasser geworfen werden mußte, wodurch wir um eines der besten Lebensmittel kamen. — Die zur Aufbewahrung des Wassers bestimmten Fässer waren vor dem Füllen nicht gereinigt worden, und so konnte es nicht anders kommen, daß der dort zurück gebliebene Unrath das frische Wasser bald so verdarb, daß es nur aus Noth genossen werden konnte. — Ob Arzneien oder sonstige Leckereien für die Kranken auf dem Schiff sich befanden, wie dieses uns von Herrn W. bekannt gemacht worden war, vermag ich nicht zu behaupten, da eben so wenig Kranke, wie Gesunde Etwas davon verspürten.
[24] Ein Universalmittel für gänzliche Abwendung der Seekrankheit giebt es bis jetzt noch nicht. Bei sämmtlichen Deckpassagieren, 208 an der Zahl, welche verschiedene Kuren machten, half keins vollkommen. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht ist es das beste sich schon vor dem Antritt der Seereise in Diät zu üben, den Magen nie zu überladen, Leib und Füße warm zu halten, möglichst wenig und nur mit Essig vermischtes Wasser zu trinken, auch, um den Stuhlgang zu befördern, mitunter Pflaumen zu genießen. Auch ist es gut, so lange die Kräfte es erlauben und die Witterung es gestattet, sich auf dem Verdeck aufzuhalten, um den mephitischen Ausdünstungen im innern Raume zu entgehen und sich Bewegung zu machen.
[25] Die gethane Bitte, uns für Geld ein Paar Flaschen Wein abzulassen, wurde mit der Bemerkung abgeschlagen, daß für Kranke kein Wein am Bord sey und der Kapitän selbst nur das nöthige Quantum für die Kajüte besitze.
[26] Der für die Zwischendeck-Passagiere bestimmte Schiffszwieback wird aus Roggenschrot gemacht, von welchem das feine Mehl weggenommen ist. Die kleinen hart gebackenen Brode werden, in zwei Hälften geschnitten, geröstet, und so vor dem Verschimmeln auf der See geschützt. Der Zwieback für die Matrosen hingegen ist aus Waizenmehl bereitet und gleicht an Geschmack unsern Fastenbretzeln.
[27] In den Speisen Haare zu finden, waren wir schon gewöhnt, als aber meinem Neffen eine ganze Locke zwischen den Zähnen hängen blieb, so verging uns doch der Appetit auf einige Tage, bis solcher, durch Hunger veranlaßt, sich wieder einstellte.
[28] Die Schwaben hatte das Schiff in Ostindien erhalten und waren, wie die Matrosen versicherten, aller bis jetzt angewandten Mittel ungeachtet, noch nicht auszurotten gewesen.
[29] Der Lootse, oder Pilot, soll für seine Bemühung, das Schiff unbeschädigt in sichern Hafen zu bringen, 50 Dollar erhalten.
[30] Zwei Passagiere kommen auf fünf Tonnen.
[31] Wenn auch den Männern nicht mehr so oft das Glück auf Amerikanischem Boden lächelt, so bleibt solches doch noch immer den Frauenspersonen hold. Der Verdienst für Letztere ist gut, 4 bis 6 Dollars monatlich, und bei der Ankunft sind in der Regel offene Stellen vorhanden. Auch wenn sie heirathslustig sind, fehlt es nicht an Männern.
[32] Ein Dollar oder spanischer Thaler ist gleich fünf Franks 30 Centimes französisches Geld, oder 1 Thlr. 14 gGr. Preuß. Cour. hat 8 Schillinge, der Schilling 12½ Cents. Der Cents ist die kleinste Kupfermünze in Amerika und gehen 100 Stück auf den Dollar.
[33] Dergleichen Kommissionäre giebt es hier in allen Städten, und nur zu oft werden von ihnen die Arbeitsuchenden geprellt. Auch oben bemerkter Herr hatte schon einige Mal wegen sich schuldig gemachten Betrugs, vor Gericht gestanden, sich aber als echter Amerikaner den Rückweg offen zu erhalten gewußt. Die Versprechungen, immer für tüchtige und fleißige Arbeiter in jeder Branche Stellen offen zu haben und solchen einen hohen Lohn zu stellen, beruht selten in Wahrheit und ist dieses nur die Lockspeise, um damit die Einwanderer zu bestimmen, sich seiner Person als Vermittler zu bedienen.
[34] Als Gehülfe in einem Fabrikgeschäft oder bei einem Meister einzutreten, wenn ein solcher einen Gesellen braucht, wirft nicht so viel ab, um sich und eine Familie ernähren zu können. Auf eigene Hand aber, sofort bei Ankunft in Amerika zu arbeiten, ist noch schwieriger, denn dazu gehören Mittel, Kundschaft und die nöthige Landessprache. Außer Kredit fehlen auch noch die hier gebräuchlichen Handgriffe, um mit seinen Kollegen konkurriren zu können. Alles dieses kommt erst mit der Zeit. Die ersten Jahre sind Leidensjahre, da Jeder wieder von vorn anfangen muß in seinem Geschäft zu lernen.
[35] Sehr oft trifft man solche Unglückliche, die in Amerika an Kanälen und Eisenbahnen arbeiten müssen, während sie im Vaterland eine weit glänzendere Rolle gespielt haben.
[36] Wie ich später erfuhr, hatten 4 Mann auf gemeinschaftliche Rechnung die Gastwirthschaft im Pacht, und einer von ihnen war es, welcher mich beim Bezahlen einer Flasche Bier um einen halben Dollar betrog.
[37] Ich selbst habe als Probe ein Zeitblatt aus Amerika mit zurückgebracht, welches 6 Fuß breit und 4½ Fuß hoch ist.
[38] Ein ähnliches Gesetz bestimmt auch, daß die Schiffseigner verbunden sind, jeden Einwanderer, welcher im ersten Jahr seines Aufenthalts in Amerika kein Unterkommen findet und aus Mangel an Geldmitteln dem Magistrat zur Last fällt, unentgeldlich nach dem Hafen wieder zurückzufahren, von wo aus der Auswanderer seine Reise nach Amerika angetreten hat. Leider ist dieses Gesetz nicht bekannt genug, denn sonst würden wohl Tausende meiner Landsleute mit Freuden in die liebe Heimath zurückkehren.
[39] Vergebens habe ich mich bemüht, die Entstehung dieses so sonderbaren Schimpfwortes, was in allen Vereinigten Staaten unter den niedern Volksklassen üblich ist und gegen die Deutschen gebraucht wird, zu erfahren.
[40] Gewöhnlich werden fünf englische Meilen auf eine deutsche gerechnet und es sind im Lauf dieser Briefe immer nur Erstere zu verstehen, wenn auch das Wörtchen: „englische“ weggelassen ist.
[41] Tanneberg, ein geborner Weimaraner, war dort 6 Jahre mein Freund und Hausgenosse gewesen. Wir hatten beide beschlossen, die Seereise nach Amerika, wo er sich förmlich übersiedeln wollte, zusammen anzutreten, während meine Absicht war, nur drei Jahre dort zu verweilen. Geschäftsangelegenheiten zwangen mich jedoch, den Abgang auf ein Jahr hinaus zu verschieben; da Ersterer aber nicht so lange warten wollte, trat er die Reise ohne mich an.
[42] Nur zu gewiß ist, daß dieser Arme sich abermals in seinen Hoffnungen getäuscht hat, da er seinem gegebenen Versprechen gemäß, mir nach meiner Heimkehr dann und wann Kunde zuzuschicken, bis jetzt nicht nachgekommen ist. Ebenso sind die noch lebenden Mutter und Bruder ohne alle Nachricht geblieben, obgleich Letzterer in mehren Briefen dringend darum gebeten hat. Die wahren Verhältnisse seines Geschicks mag er vermuthlich aus falscher Scham nicht schreiben und die Seinigen zu belügen denkt er zu rechtschaffen.
[43] Zur Versinnlichung dieser herrlichen Ansicht folgt hier aus dem Western-Pilot ein Kärtchen mit dem Kanal.
[44] Zu besserer Verständigung sehe man die Abbildung.
[45] Zum Mäßigkeitsvereine Gehörende.
[46] Bremen, Taback kauen.
[47] Borden, in Miethe und Kost gehen.
[48] Betrug und Geldschneiden gehören also in den Vereinigten Staaten Amerikas in die Kategorie erlaubter Spekulationen.
W. H.
[49] Im Erdgeschoß des Rathhauses befindet sich die Wachtstube der Bürgerwache nebst einem Gefängniß für Neger und sonst aufgegriffenes Gesindel. Vor der Wache steht eine Kanone, aus welcher jeden Abend 8 Uhr ein Schuß geschieht, welches das Signal ist, daß von dieser Zeit an kein Neger ohne Erlaubnißschein sich auf der Straße blicken lassen darf, desgleichen kein Gepäck mehr durch die Straßen transportirt werden soll, um dadurch das Entwenden der Sachen mehr zu verhüten, und aufgegriffenen Dieben mehr die Ausrede zu benehmen.
[50] Die Fahrpreise von New-Orleans nach den nördlichen Staaten sind immer um die Hälfte theuerer, als es der Fall umgekehrt ist.
[51] Thalemann war die dritte Person, welche mit mir und Tanneberg zu gleicher Zeit die Reise nach Amerika beschlossen; durch meinen späten Abgang aber getrennt, nur mit Tanneberg vereint, ein Jahr früher als ich, den amerikanischen Boden betreten hatte.
[52] Die Stadt Weimar sandte eine Anzahl Verbrecher nach Amerika, die ihre Strafzeit abgebüßt hatten.
[53] Siehe den beigelegten Plan.
[54] Ein Lobspruch für unsere deutschen Brüder in Amerika! Die Deutschen, in ihrem Vaterlande an Ruhe und Sicherheit gewöhnt, werden nach und nach durch ihre Ueberzahl Zucht und Ordnung verbreiten, die in Amerika herzustellen von Nöthen zu seyn scheint.
[55] Die Polizei und die Sicherheitsanstalten in New-York müssen nach dieser Erzählung wirklich vortrefflich seyn. Das ist also amerikanische gepriesene Freiheit, wo Niemand seines Lebens und Eigenthums sicher ist.
W. H.
[56] Welches Schicksal dieses zweite Schreiben gehabt, liegt im Dunkel, da, wie ich erst kürzlich aus Amerika berichtet worden bin, dorthin keine Antwort darauf eingegangen ist, und das Kind noch immer nicht die heilige Taufe empfangen hat. Vielleicht trägt das hier Mitgetheilte dazu bei, die Sache dennoch an die rechte Schmiede zu bringen, so daß das Sprichwort in Erfüllung geht: „Was lange währt wird gut.“
[57] Schellhorn.
W. H.
[58] Ein durch Dämme abgeschlossener Raum.
[59] Spottweise — er trank gern und viel.
W. H.
[60] Diese ungeheure Figur sollte bei Napoleons Regierung aus Erz gegossen werden; das Projekt wurde jedoch unausgeführt gelassen, und das Modell nimmt jetzt den dazu bestimmten Platz ein.
[61] Ein thüringisches Sprichwort, welches so viel bedeutet: Man weiß eine Sache nicht zu schätzen.
W. H.
[62] Man nennt dieses in Paris die Queue, und eine solche Veranstaltung wäre in Weimar und an andern Orten zur Verhütung von Unglücksfällen einzuführen.
W. H.
[63] Coucous, auf Deutsch „Kuckuk“, sind einspännige, zweirädrige mit einem Verdeck versehene Kutschen, welche von Paris aus in die Umgegend und von da zurück die Reiselustigen befördern.
[64] Lapins, auf Deutsch „Kaninchen“, werden in Paris die Passagiere genannt, welche bei schon besetzten Plätzen im Wagen auf unbequemen Sitzen außerhalb derselben, die Reise für ein geringes Fuhrlohn mitmachen.
[65] Rumpelpost genannt.
Anmerkungen zur Transkription:
Dieser Text wurde anhand der 1844 erschienenen Buchausgabe möglichst originalgetreu erstellt. Die Zeichensetzung wurde sinnvoll korrigiert bzw. ergänzt. Rechtschreibvarianten wurden nicht harmonisiert; altertümliche Schreibweisen (z.B. ‚Schmuz‘ für ‚Schmutz‘, oder ‚Gefährde‘ für ‚Gefährte‘ wurden übernommen. Einige französisch- und englischsprachige Begriffe wurden vom Autor lautmalerisch nachempfunden (z.B. ‚stoor‘ für ‚store‘); diese Passagen bleiben hier unverändert. Fußnoten wurden teils vor, teils nach Satzzeichen platziert; dies wurde nicht verändert. Ansonsten wurden offensichtliche typographische Fehler stillschweigend korrigiert.
Der Originaltext wurde in Frakturschrift gesetzt; einzelne Passagen in Antiquaschrift werden hier in fettgedruckter, serifenloser Schrift dargestellt.
Nicht alle im Text vorgenommenen Berechnungen sind korrekt; da aber die Fehlerquellen nicht festgestellt werden konnten, mussten die angegebenen Zahlen ohne Korrektur übernommen werden.
Im Original wurde bei der Nummerierung der Briefe 30 bis 39 das Zahlwort ‚dreißig‘ in den Überschriften mit der Umschreibung ‚ſz‘ (sz mit langem s) oder ‚ſs‘ dargestellt, möglicherweise weil der für die Überschrift verwendete Schriftsatz das Symbol ‚ß‘ nicht enthielt. In der vorliegenden Fassung wurden diese Buchstabenkombinationen durch das auch im laufenden Text verwendete ‚ß‘ ersetzt.
Der Übersichtlichkeit halber wurde vom Bearbeiter ein Inhaltsverzeichnis eingefügt.