Zweiundvierzigster Brief.
Fortsetzung.
(Hausbau.)
Im Dezember 1840.
Nachdem der Brennapparat bis auf die nöthigen Dampf- und Wasserleitungs-Röhren angefertigt war, wünschte ich zu erfahren, in welcher Brennerei er aufgestellt und erprobt werden solle, worauf mir die Kunde wurde, daß Mr. Benson im Blumthal (einer Vorstadt New-Yorks), ein Haus dazu gemiethet habe. Auf mein Bemerken, daß dieses nicht hinreichend sey und es rathsamer wäre, diese Probe in einer im Betriebe seyenden Branntweinbrennerei vorzunehmen, da dieses viel weniger Kosten verursache, indem das fertige Maischgut dazu benutzt werden könne, wurde mir erwidert, daß hier von Geldersparen keine Rede sey, und man nicht wünsche, daß außer den betheiligten Personen ein Anderer die Nase in das projektirte Unternehmen stecken solle. Ich möge daher nur Alles zum Brennerei-Betriebe Nöthige ordnen, das Gebäude dazu umschaffen, Fässer, Kübel und Bottiche ankaufen und jedes Mal am Ende der Woche in Rechnung bringen und das weiter nöthige Geld in Empfang nehmen.
Herr, Dein Wille geschehe! dachte ich. Jetzt war ich ganz in meiner Sphäre, und da keine Kosten gescheut wurden, so wurde Alles auf das Beste und Bequemste nach meiner Angabe eingerichtet. — Daß es hierbei nicht ganz ohne Aerger abgehen konnte, läßt sich denken. Da mir Alles allein übergeben war, so war meine Gegenwart überall nöthig und bei mangelnder Fertigkeit der Sprache konnte ich mich oft nur undeutlich expliziren, wurde daher mitunter falsch verstanden und mußte, wenn ich den Maurern am Abend ihre nichtsnutzige Arbeit wieder zusammengetreten, oft den andern Morgen selbst mit Hand an das Werk legen und ihnen so die Sache begreiflich zu machen suchen.
Hier wurde mir auch die Ueberzeugung, daß die Maurer in Amerika, wie bei uns, wenn Arbeiten nicht verakkordirt worden sind, sich dabei nicht übernehmen; und findet auch hier die Sitte nicht Statt, während der Arbeit zu rauchen, weshalb der nasse Schwamm überflüssig wird, so erfordert doch das Wechseln der Bremen und das Ausfüttern der Backen mit Taback, seine gehörige Zeit, und es ist hier wie dort: Wurst wie Schale. —
Dagegen sieht man staunend, was der Mensch vermag, wenn er muß.
Zwei Häuser unter unserer Brennerei wurde ein nicht mehr zum Geschäft benutztes Zuckersiederei-Gebäude abgetragen, um auf dieser Stelle ein großes Wohnhaus aufzubauen. Schon die Art und Weise des Einreißens war mir neu. Nicht bedächtig, wie bei uns, wurden Sparren, Balken und Bleichen eingenommen und zum weitern Gebrauche einstweilen bei Seite gesetzt; sondern dieses große Gebäude wurde für vogelfrei erklärt, so daß mit einem Male eine Masse Menschen darüber herstürzten, und binnen kurzer Zeit nichts mehr vom Holzwerke zu sehen war. Mit wahrer Verwegenheit riskirte man dabei das Leben, denn während die Umfassungsbleichen herabgeworfen wurden, suchte unten Einer dem Andern die Stücke zu entreißen.
Auf meine geäußerte Verwunderung, daß man dieses Holz so Preis gebe, wurde mir gesagt, daß das Wegreißen und Wegschaffen des alten Bau-Materials durch bezahlte Leute mehr Arbeitslohn betragen würde, als die Sachen selbst werth seyen, daher man, um sich dieser Ausgabe zu entledigen, zwei Wege wähle, entweder man brenne so eine alte Holz-Baracke, welche einem steinernen Hause Platz machen solle, nieder, oder gebe, wie ich eben jetzt gesehen, das Gebäude zum allgemeinen Besten. Das Erstere gewähre noch den Vortheil, daß man aus der Brand-Assekuranz ein Sümmchen zu heben habe, und deshalb die täglichen Feuerunglücke, oder besser Glücksfälle, da die Sachen in verschiedenen Anstalten hoch genug versichert seyen, entständen. — Eine nachahmungswürdige Sache!
Die Gelegenheit, einen solchen Neubau ganz von vorn herein entstehen zu sehen, kam mir recht zu Passe, und jede Stunde, welche ich bei meinen Leuten abkommen konnte, ward benutzt, mich mit der amerikanischen Manier zum Bauen bekannt zu machen.
Wie das Niederreißen, ebenso waren die Erdarbeiten von den unsrigen verschieden. Keine Schuttkarre, durch Menschen gefahren, kömmt in Anwendung, um damit das Erdreich aus der Vertiefung auf einen Haufen zu fahren, und da fest getreten, solches von Neuem aufzuhacken und zum weitern Transport auf Wagen zu laden, welche, wie bei uns, mit 1½ Bret versehen, sich besser zu Stein- als zu Schutt-Fuhren eignen, sondern man bedient sich hierzu zweckmäßiger, einspänniger zweirädriger Karren, welche rund herum gut verwahrt, das bestimmte Quantum aufnehmen müssen und solches, ohne halb auf der Straße zu verlieren, sicher auf den bestimmten Platz befördern. Die Fuhrleute, welche selbst für die nöthigen Gehülfen zum Aufladen zu sorgen haben, fahren sogleich auf den zum Ausgraben bestimmten Platz, und suchen sich mit der zunehmenden Tiefe die schräge Ausfahrt so lange zu erhalten, bis die Nothwendigkeit eintritt, selbst diesen Weg in Angriff zu nehmen, und das unmittelbare Einladen in die Karren nicht mehr möglich ist, worauf man den letzten Rückstand mit der Schaufel einander zu- und auszuwerfen sucht. Diese Arbeit geht wie Alles, äußerst schnell, da eine gehörige Anzahl Fuhrwerke die zum Aufladen angenommenen Arbeiter immer beschäftigt und der Bau-Unternehmer dabei nichts weiter zu thun hat, als die Anzahl der gethanen Fuhren zu notiren.
Bruchsteine werden wenig zum Bau verwendet, da das Behauen dieses Materials zu theuer ist, und man daher den gebrannten Backsteinen den Vorzug giebt. Eben so wenig wird Lehm, Thon oder gar schwarze Erde, wie es mitunter bei uns geschieht, als Bindungsmittel benutzt, sondern Alles mit Sandkalk gemauert. Das Löschen in Gruben vor dem Verbrauche, wie es bei uns Sitte ist, in der Meinung, daß durch das Auf- und Ausquellen der Kalkmasse das Volumen und die Güte desselben zunehme, stimmt nicht mit der Ansicht des Amerikaners überein. — Ist ein Haufen Sand muldenförmig ausgebreitet, so kömmt der noch ungelöschte, und in Fässern verwahrt gewesene Kalk hinein, wird mit wenig Wasser benetzt, und sogleich, nach Art des Aeschermachens zum Seifenkochen, mit der übrigen Masse bedeckt. Hierdurch, während des Löschens von der Luft abgesperrt, und von einer unnöthigen Wassermasse befreit, glaubt man den Bindestoff der Kalkmasse zu erhöhen, und ist Letztere gut mit dem übrigen Sande vermischt, so hält sich diese bis zum Verbrauche fertige Substanz schmierig und gelind, wie die bei Neubauten vorräthig aufgethürmten Haufen bezeugen.
Das Trommeln auf den Gelten, um das Leerseyn derselben zu bekunden, in welcher Zeit des Füllens der Maurer in der Regel ruht, kennt man ebenfalls in Amerika nicht. Man geht hier von der Ansicht aus, daß die Handlanger nicht deshalb am Baue seyen, um die Arbeit der Maurer zu erleichtern, oder was noch schlimmer wäre, in ihrer Faulheit zu bestärken, sondern durch zweckmäßiges Eingreifen das Ganze zu fördern. Deshalb fallen auch hier die Krahne mit den Seilen zum Aufziehen der Steine und des Kalkes weg, weil schon das Abnehmen auf dem Gerüste die kostbare Zeit eines andern Arbeiter in Anspruch nehmen würde. Jeder, zum Herbeischaffen des nöthigen Materials beauftragte Gehülfe, ist daher mit einem Tragkasten versehen, welcher aus zwei 24 Zoll langen, im Spitzwinkel zusammengenagelten Bretern besteht, die an der Rückseite mit einem Boden und unter der vordern Oeffnung mit einem Stiel versehen sind. Zwanzig Backsteine füllen den Raum des Kastens und mit solchen auf der Achsel, steigt der damit Befrachtete auf der schwankenden Leiter bis in die obersten Stockwerke des Gerüstes, wo er seine Last zwischen die alle 8–10 Fuß von einander aufgestellten Sandkalk-Kasten niederlegt, oder die Letztern mit neuer Masse speist, da es den mit Mauern Beschäftigten nie an Material fehlen darf.
Nur solche Ziegelsteine, welche zum Belegen von Trottoirs gebraucht werden, haben die Größe, daß zwei genau so breit sind, wie einer lang ist. Mauer-Backsteine sind aber etwas schmäler, welches den Vortheil gewährt, daß man ein, sich dem festen Lager der Ziegel entgegenstemmendes Sandkorn in der Kalkmasse, nicht wie bei uns, mit den Fingern herauszugrübeln nöthig hat, sondern dasselbe mit dem Steine zwischen die Fuge schiebt, wo es ohne zu geniren, Platz findet.
Die Kelle, welche den Hammer mit ersetzt, ist während des Gebrauches wie in die Hand gewachsen, und der Arbeiter trägt mit derselben sogleich in der ganzen Länge der ihm angewiesenen Distanz den Sandkalk auf, legt mit der linken Hand den Ziegelstein ein, und während diese Hand wieder nach einem andern Steine greift, streicht die Kelle den an der äußern Seite vorgedrungenen Kalk ab und an die Steinseite an. Diese Manipulation geht so schnell, daß es Einem erklärlich wird, wenn man hört, daß bei solch einer Arbeit ein Mann täglich 3000 Ziegelsteine vermauern muß, um bei Akkord-Arbeit das gewöhnliche Tagelohn zu verdienen. Ja, es ist in New-York allgemein bekannt, daß bei einer Wette an der Wasserleitung ein Maurergeselle von 7–12 und von 1–6 Uhr, 4000 Ziegelsteine kunstgerecht verarbeitet haben soll. Die Entrepreneurs der Bauten stellen an beide Flügel der zu errichtenden Mauer solche Matadore an, welche genau das Loth im Auge behalten, und die längs der Front ausgespannte Schnur bei jeder Backstein-Schicht vorwärts stecken, wodurch die in der Mitte der Mauerfront angestellten Arbeiter immer genöthigt sind, gleichen Schritt zu halten; denn ein Mal zurückgeblieben, ist es keine Möglichkeit, wieder nachzukommen, und so bedingen eine Paar gute Vormänner die Geschwindigkeit, mit welcher die andern Gehülfen arbeiten müssen.
Wie leicht, und mit welcher Kühnheit, zwei und dreistockige Häuser aufgeführt werden, ist erstaunt. Nicht selten sind die Umfassungsmauern im Erdgeschoß zwei, im zweiten Stockwerk 1½ und höher hinauf gar nur einen Backstein stark, und dabei stehen die Mauern nach allen Seiten zu kerzengerade in die Höhe, welches erklären läßt, daß man ein solches Haus, welches zwischen zwei andern Gebäuden eingeklammert ist, ohne eines oder das andere Nebenhaus zu beschädigen, in die Höhe schrauben kann, wie ich weiter unten im Briefe berühren werde. — Gewölbte Keller kommen in der Regel nicht vor, und man begnügt sich, eine Balkenlage, gleich wie in den andern Stockwerken, zu legen; werden jene bei einem Neubau verlangt, so kommen sie vor das Gebäude unter das Pflaster der Straße. Lassen dieses aber Lokal-Verhältnisse, wie Kanäle etc. nicht zu, so bringt man dieselben im Gebäude unter dem Souterrain an, da solches gewöhnlich noch zu bewohnbaren Pieçen benutzt wird. Um das nöthige Licht zu erhalten, ist längs des Gebäudes vier Fuß breit bis zur Souterrain-Tiefe ausgegraben und vor der Grube der Trottoir mit schönen eisernen Spalieren eingefaßt, womit auch die äußern Treppen versehen und verziert sind, welchen Glanz die angebrachten messingenen blanken Knöpfe noch erhöhen. — Bei Gebäuden höherer Stände sind meist auch die Treppen, wie die Thürschwellen und Säulen, wenn nicht gar ein geschmackvoll mit Säulen verzierter Vorbau vorhanden ist, von weißem Marmor aufgeführt.
Von Anfertigung einer Zulage, wie solche bei einem deutschen Hausbau die Zimmerleute vornehmen, weiß der Amerikaner nichts; eben so wenig versteht solcher mit einem unbehauenen Baumstamm, welcher die Axt und das Breitbeil des deutschen Zimmermanns nöthig macht, umzugehen, da die Sägemühlen alle diese Mühen ersparen und besser als es bei uns durch Menschenhände geschieht, zum Hausbau vorarbeiten. Zu allen Häusern werden fertig geschnittene Balken und Säulen verwendet, und dieses Holz sogleich nach Bedarf auf die Baustelle geschafft. Die Balken sind in der Regel nur drei Zoll stark, aber 12–16 Zoll breit, und werden alle 18–20 Zoll auseinander auf die hohe Seite in das Mauerwerk eingelegt. Die Schiedbleichen im Innern des Hauses bestehen gewöhnlich nur aus drei, selten aus vier Zoll starken Säulen, welche drei Fuß auseinandergestellt, durch schräg eingenagelte Riegel mit einander verbunden werden, und so jeder Riegel ein Band bildet, welches das Gebäude vor dem Schieben schützt. Gelocht und gezapft wird nichts, sondern Alles gut mit eisernen Nägeln verwahrt. Die Schiedbleichen, wie die Balkenlagen bleiben hohl, da man Erstere nicht ausmauert und Letztere nicht schalt oder windet, wodurch wegen Beseitigung der Steinmassen zum Ausmauern der Bleichen, der Strohlehm-Verblendung und des Brechannen-Tünches, so wie der Schutte unter den Dielen, dem Gebäude eine bedeutende Last entzogen wird. — Die Fußböden werden mit starken, gespundeten Bretern gedielt, die Decken, wie die Bleichen mit dünnen ½ Zoll breiten Latten so benagelt, daß zwischen einer Jeden etwas Spatium bleibt, wohinein der aufgetragene Kalk sich theilweis drückt, und um so besser hält. Man geht bei diesem Verfahren, Alles hohl zu lassen, von der Ansicht aus, daß erstens der Bau bedeutend billiger komme, und dann auch, daß die im Innern des Hauses in Zwischenräumen abgesperrte Luft die Zimmer eben so warm halte, als es bei ausgemauertem schwachen Bleichwerk der Fall sey.
Gebrannte Dachziegeln kennt man nicht, da ein Ziegeldach schwerlich von den leichten Bauten getragen werden könnte und gewöhnlich waren es Schindeln und weniger schwacher Schiefer, welche früher zum Bedecken der Häuser verwendet wurden. Jetzt macht man die Dächer flach und belegt die Breter-Schalung mit Weißblech, weniger mit Zink. Eine Fallthür gestattet den Ausgang auf solches und die Bewohner des Hauses trocknen bei beschränktem Hofraum daselbst ihre Wäsche. Vorzüglich gut bewähren sich bei Feuerunglück diese flachen Dächer, da man von ihnen leicht in der Nachbarschaft von oben herab dieses verwüstende Element bekämpfen kann.
Die ganz aus Holz zusammengesetzten Häuser haben bei weniger Dauer dennoch ein äußerst gefälliges Ansehen. Wird nun schon nach Verlauf von 6–8 Wochen ein großes massives Haus bis zum Bewohnen fertig und gewöhnlich nach Verlauf dieser kurzen Zeit auch sogleich bezogen, so möchte man sagen: ein solches frame house entstehe über Nacht. — Die Umfassungswände, wie die Schiedbleichen werden ebenfalls nur aus 3–4 Zoll starken Stollen zusammengenagelt. Die Balken und innern Bleichen des Hauses bleiben hohl wie in Backstein-Gebäuden. Die äußern Wände aber sind mit 6–8 Zoll breiten tannenen, sauber abgehobelten und später mit Oelfarbe angestrichenen Bretern bekleidet, welche man von oben nach unten schuppenartig ½ Zoll übereinander legt. Von der innern Seite kommen die schwachen Lättchen zur Unterlage des Kalk-Ueberzugs und die Zwischenräume werden mit ausgelauchter Lohrinde oder Moos ausgestopft, wenn man es nicht der Billigkeit wegen vorzieht, auch diesen Raum hohl zu lassen, wo in letzterm Fall von Wärmehalten freilich keine Rede seyn kann. — In Zeit von vierzehn Tagen ist so ein Haus angefangen, vollendet und bezogen.
Soll ein Gebäude um ein Stock erhöht werden, so reißt man nicht, wie bei uns, das Dach ab, und setzt das neue Stockwerk darauf, sondern man unterfährt das Gebäude, schraubt solches in die Höhe, und bringt die neuen Pieçen im Erdgeschoß an. Eine solche Prozedur geht so sicher und gut, daß oft die Logis nicht völlig geräumt werden und bewohnt bleiben. Wollte man oben aufbauen, so ging das mit Weißblech zusammengelöthete Dach verloren und oft würde auch der Unterbau die neu aufgebürdete Last nicht tragen. — Ja, die Maschinerieen, um damit massive Häuser in die Höhe zu schrauben, sind so praktikabel, daß man ganze Straßen durch Retourschieben der Häuser erweitert hat, und während meines jetzigen Aufenthaltes in New-York sind wiederum Gebäude von ihrem alten Platz um mehrere Schritte verrückt worden, welches eine der interessantesten Erscheinungen für mich war. Mit Holzhäusern macht man gar keine Umstände, und transportirt solche nach Belieben weite Strecken.
Der Zimmermann in Amerika ist eine Vermischung von dem Handwerker dieser Benennung in Deutschland, und jenem Tischler, welchen man bei uns Bauschreiner zu nennen pflegt. — Alle bei einem Hausbau vorkommenden Holzarbeiten macht der amerikanische Bauzimmermann, welches Geschäft ganz verschieden von dem des Schiffszimmermanns ist.
Der Ausbau eines Hauses geht ebenfalls, wie es mit dem Mauerwerk der Fall ist, wie mit Dampf. Die Fußböden, Treppen, Thüren und Fenster entstehen nur so unter der Hand, da das zu verwendende Material schon durch Maschinerie vorgearbeitet ist, und die einzelnen Stücke nur der Zusammensetzung bedürfen. Die Dielen, welche gewöhnlich nur 6–8 Zoll breit sind, da man wegen des Verwerfens den Kern beseitigt und diese Breite auch der Maschine, welche das Hobeln, Fugen und Spunden besorgt, besser zusagt, werden in der ganzen Bretslänge aufgenagelt, weil Verzierungen der Fußböden mit Friesen nicht vorkommen und die Hausbewohner in der Regel Teppiche legen. Ein vorher sich nöthig machendes Ebenen der Balken, worauf die Breter zu liegen kommen, wie es bei uns geschehen muß, findet nicht Statt, da die Balkenlagen genau nach einer Stärke geschnitten sind.
Besondere Stiegenhäuser findet man nur selten und mit Nichts geizt man im Innern des Hauses mehr, als mit dem Raum zur Treppe; selten sind solche breiter wie drei Fuß, gehen in der Regel gleich hinter dem Hauseingang in die Höhe und werden nur im Nothfall mit Winkelstufen versehen. Der Transport der größern Möbelstücke oder Instrumente muß daher durch die Fenster geschehen.
Die Rahmenstücke zu Thüren und Fenstern sind alle vorher durch Maschinerie gehobelt, gestemmt und gezapft. Flügelfenster kennt man nicht, sondern dieselben werden beim Oeffnen von unten herauf in die Höhe geschoben. Die Arbeit des Verglasens ist das Geschäft des Bauzimmermanns mit und geht, gleich Allem, schnell von Statten, da man nur drei verschiedene Größen der Glastafeln in Anwendung bringt und solche überall genau nach der Nummer bekömmt, welche man ohne Diamant einsetzen kann.
Der Thürbeschlag ist einfach und enthält außer Band und Angel nur noch eine schlichte Klinke, weshalb der Miethsmann, welcher seine Sachen besser verwahren will, ein Vorlegeschloß anzulegen pflegt.
Stuben-Oefen nach unserer deutschen Manier kommen nicht ins Haus, sondern die russische Oesse bildet im Zimmer, welches geheizt werden soll, ein französisches Kamin; der Miethsmann hat daher, gleich den andern Möbeln, auch für den Ofen zu sorgen, und stellt denselben, welcher mit Löchern zum Einhängen der Töpfe und einer Bratröhre versehen ist, im Winter mitten in die Stube, im Sommer auf den Boden, oder wenn man nicht im Kamin kochen will, im Hofraume auf, da in der Regel die Küchen fehlen. — Nur in Gebäuden, welche die Hauseigenthümer selbst bewohnen, oder nur von einem Miethsmanne bezogen werden, befindet sich eine Küche im Souterrain.
Die Häuser erhalten äußerlich keinen Kalk-Abputz, sondern die beim Bau theilweis verloren gegangene rothe Farbe der Ziegelsteine wird wieder durch einen Anstrich hergestellt, und die Kalkfugen mit weißer Farbe hervorgehoben. Zur vordern Façade verwendet man auch aus feinerer Masse bereitete Steine, welche wie geschliffen sind.
Die Fenster erhalten gewöhnlich Jalousieen, um dadurch während der heißen Sommertage den Zimmern eine erquickende Kühle zu verschaffen, da die dahinter geöffneten Fenster den Luftzug gestatten.
Nie kömmt der Abtritt ins Haus, sondern immer an den entferntesten Ort des Hofraumes, da es der Amerikaner für unreinlich und unpassend hält, diesen Ort in seiner Nähe zu haben, was bei den heißen Sommertagen lästig werden würde.
Daß, wenn vom schnellen und leichten Aufbau der Häuser die Rede ist, nur Privat-Wohnungen gemeint werden, versteht sich wohl von selbst. Große massive, meist aus Marmor-Quadern aufgeführte öffentliche Gebäude verlangen ebenfalls die gehörige Zeit, wie bei uns; nur daß man hier besser versteht die Zeit zu benutzen und die Hände in Bewegung zu setzen.