Einundvierzigster Brief.
Fortsetzung.
(Banken.)
Im November 1840.
Außer der bevorstehenden Präsidenten-Wahl waren es besonders die Bank-Angelegenheiten, welche den in meinem Quartier zusammenkommenden Deutschen Stoff zur Unterhaltung gaben und vor Allem wurde eine Flugschrift besprochen, welche die Deutsch-Amerikaner für das Bank-System zu gewinnen suchte, und so für die Sache einzunehmen verstand, daß Viele, welche nicht mit den Gegengründen und Unwesen der Banken vertraut waren, sich auf die Seite der Whigs, von welchem diese Flugschrift ausging, neigten, was oft Anlaß zu heftigem Wortkampfe gab, da die demokratisch Gesinnten nicht versäumten, beißende Gegenartikel anzuführen, von welchen ich auch ein Paar als Probe nach dem jetzt folgenden Auszug jener Flugschrift anhängen werde, um diese hier so verderblichen Institute zu beleuchten: „Die Zeiten sind schlecht! das ist allgemeine Klage, und leider ist es nicht zu leugnen; ja sie sind gegenwärtig schlechter, wie wir sie in den drangvollsten Perioden in Deutschland nur erlebt haben. Eine auffallende Erscheinung in einem so schönen, jungen und kraftvollen Lande, versehen mit so reichen Naturgaben, und so unendlich vielen Hülfsquellen, im tiefsten Frieden und unter dem augenscheinlichsten Segen der Gottheit! — Hat sich Manches im Laufe der Zeit verändert, so ist es Pflicht einer weisen Gesetzgebung, dem Geiste der Zeit zu folgen, und Veränderungen, Zusätze oder Weglassungen eintreten zu lassen, wie es die jedesmaligen Bedürfnisse erfordern. Werfen wir einen Blick auf die Vergangenheit, und sehen, wie es früher hier war. Unsere Stadt Baltimore, vor hundert Jahren kaum ein Fischerdorf zu nennen, ist jetzt in eine der blühendsten Städte des Landes verwandelt, sehen wir im ganzen Westen, welcher vor noch nicht einmal so langer Zeit noch eine rohe Wildniß war, wo kaum auf einer Quadratmeile im Durchschnitt gerechnet, ein einziger Indianer sich nothdürftig ernähren konnte, Tausende von Menschen, meist unsere lieben Landsleute, vergnügt, glücklich und wohlhabend neben einander wohnen, sehen wir blühende Städte, fruchtbare Farmen, fahrbare Landstraßen, schiffbare Flüsse und Kanäle, kurz sehen wir das Ganze gleich einem schönen Paradiesgarten prangen und das Alles in so kurzer Zeit entstanden, welches in früheren Zeiten bei Ansiedelungen von neuen Ländern wenigstens Jahrtausende Zeit nahm, so muß uns dieses nothwendig in Erstaunen und Bewunderung setzen, und es drängt sich uns von selbst die Frage auf: Wie war dieses möglich, was waren die Ursachen, welches waren die Mittel, die dieses Alles bewirkten? Und das gerade ist es, meine Freunde, was wir untersuchen und womit wir uns bekannt machen wollen. — Zuerst wollen wir die Fragen erläutern: 1) was ist Ackerbau? 2) was sind Fabriken und Gewerbe? 3) was ist Handel? 4) was ist Geld? und 5) was sind Banken?
„Ackerbau verbunden mit Viehzucht, Milcherei etc., ist der achtbarste Stand in der menschlichen Gesellschaft; durch seinen Fleiß erzieht er aus der mütterlichen Erde den Grundstoff unserer Existenz, unsere nothwendigsten Lebensmittel, und nebenbei noch so manches zur Bequemlichkeit und Annehmlichkeit unseres Lebens, und doch was wäre dieses Alles, wenn die Handlung nicht wäre? Der Landmann würde nicht mehr bebauen, als hinreichend wäre, sich und seine Familie nothdürftig mit Lebensmitteln zu versehen, dabei zerlumpt einhergehen und keinen andern Genuß haben, als den ihm seine Felder gewährten, und Neunzehntheile würden unbenutzt liegen.
„Der Fabrikant, Manufakturist und Handwerker, sind diejenigen nützlichen Glieder eines wohleingerichteten Staates, welche die Erzeugnisse des Landmannes veredeln, zubereiten und zugleich ihn mit nützlichen Geräthschaften versehen, um seine Arbeit zu erleichtern. Doch was wären auch diese, ohne den Handelsstand?
„Der Handelsstand nimmt daher wenigstens den dritten Rang im Staate ein; er verbindet alle Stände unter einander, führt den Ueberfluß der einen Gegend in die andere, wo Mangel daran ist. Er ist der Unterhändler und bewirkt, daß der Landmann seine überflüssigen Produkte, die er nicht selbst gebraucht, gegen andere nützliche Sachen vertauscht, ebenso die Arbeiten der gewerbtreibenden Klasse abnimmt, und sie wiederum mit Produkten und Sachen versieht, die sie nicht selbst zu erzeugen im Stande sind. Zu diesem Behufe erbaut er Schiffe und belebt die Gewässer, befördert Kanalbau und Anlegung von Landstraßen, befrachtet Wagen mit Gütern, setzt Millionen von Händen in Bewegung, und beschäftigt und ernährt sie. Ist dieser Stand nun verachtungswürdig? Hat man Ursache uns dagegen anzuhetzen, in unsern eigenen Eingeweiden zu wühlen und uns mit eigener Hand unsern Lebensfaden abzuschneiden? Oder ist es vielmehr Pflicht der Selbsterhaltung, Pflicht für unsere Kinder und Nachkommen, diesen so sehr wichtigen Zweig, der uns Leben und Nahrung giebt, nach Kräften zu unterstützen und zu befördern, wie es die ehrwürdigen Väter unserer Republik und deren würdige Nachfolger thaten? Und, fragen wir zum zweiten Male, sind die neuen Nachfolger, die wir als Führer unsers gemeinschaftlichen Wohls erwählt, den Fußtapfen ihrer Vorgänger gefolgt, oder sind sie abgewichen? Haben sie mehr ihr eigenes, als das Wohl des Landes besorgt, oder sind sie, statt befördernd, vielleicht gar zerstörend gegen die höchsten und heiligsten Interessen der Nation aufgetreten? — Ueberlassen wir dieses dem eigenen Nachdenken unserer geliebten Landsleute, und werden wir dieses späterhin genauer untersuchen, bevor wir uns darüber aussprechen.
„Handel und Wandel, sehen wir, ist daher ein unumgänglich nothwendiges Bedürfniß für die Menschheit, und ein Land, wie das unsrige, kann ohne einen ausgebreiteten Handel ganz und gar nicht bestehen, und wird dieser gestört, oder gar vernichtet, so werden wenigstens drei Viertheile der hiesigen Bevölkerung auswandern oder verhungern müssen; der Arbeitslohn wird zu Nichts herabsinken, und wenn das Faß Mehl auf Einen Dollar kommt, und wir wissen ihn nicht zu verdienen, dann kann es uns Allen nichts helfen. Wir sehen deutlich, wie weit es schon mit uns gekommen ist. Unsere Schiffe müßten im Hafen verfaulen, wenn sie nicht noch größtentheils dazu gebraucht würden, unsere unglücklichen Landsleute herüber zu transportiren, die es uns aber schlechten Dank wissen werden, wenn sie erst einmal zur Erkenntniß kommen, die wir bereits haben sollten, und einsehen lernen, was Recht oder Unrecht war. Noch liegt es in unsern Händen, ob wir freie und unabhängige Menschen seyn und bleiben wollen, ob wir unser schönes Land wieder zu seinem vorigen Glanze erheben und uns durch Fleiß und Thätigkeit, Wohlstand und Vermögen für unsere alten Tage verschaffen wollen, wie Tausende unserer frühern Landsleute thaten, oder ob wir ferner uns noch von besoldeten Treibern, wie eine Heerde Schafe, welche gutmüthig einigen abgerichteten Lockhammeln in den Stall des Schlächters folgen, wo sie nach und nach ihren Tod finden, treiben lassen wollen.
„Handel und Gewerbe können nur gedeihen unter höchst möglicher Freiheit, und wer das eine antastet, versündigt sich an dem andern; er ist kein Freund des Vaterlandes und wüthet gegen sich selbst und gegen seine Nachkommen. Um nun aber diesen Handel zu beleben und aufzuhelfen, dazu gebraucht man Geld.
„Aber nicht bloß die aus Metall geprägten Münzen, sondern Alles, was einen angenommenen Werth hat, oder Alles, was sich auf einen wirklichen Werth begründet, und zur Ausgleichung im Handel und Geschäften, statt des rohen Tauschhandels, gebraucht wird, ist Geld. In den frühesten Zeiten, und wie es auch noch bei vielen rohen Völkern gebräuchlich ist, schätzte man so und so viel Schafe, Schweine etc. auf einen Ochsen, ein Pferd und mehrere dergleichen Sachen. Doch wie die Bevölkerung mehr und mehr zunahm, reichte dieses Auskunftsmittel nicht mehr hin; denn wer konnte so ein schwerfälliges Geld immer mit sich herumführen? Auch brauchte nicht immer ein Jeder gerade Schafe oder Schweine, der Ochsen zu verkaufen hatte und so umgekehrt, und man sann daher auf Mittel, Sachen aufzufinden, welche einem Jeden lieb und angenehm waren. Anfangs gebrauchte man schöne Steine, Perlen, Muscheln, Spezerien etc. hierzu. Zuletzt verfiel man auf die edlern Metalle, Gold und Silber, weil diese ihres schönen Glanzes und ihrer leichten Bearbeitung wegen allgemein beliebt waren, auch weil sie nicht sehr häufig in einem allgemeinen Werthe standen. Man zertheilte sie in Stücke jeder Form, nur von verschiedener Größe und Gewicht, gravirte oder prägte, gewiß Anfangs sehr roh, auf die größern das Bildniß von Ochsen, Pferden etc. auf die kleinern Schafe, Schweine und dergl. Dieses war die erste Entstehung unserer jetzigen Münzen. Diese Erfindung erleichterte den Austausch, Handel und Gewerbe allgemein, so daß die Herrscher damaliger Zeit, den Werth dieser Einrichtung erkennend, diese edeln Thiere bald von ihrem Platze verdrängten, den Münzen eine regelmäßige Form, meistens die runde, wie wir sie noch jetzt sehen, gaben, und ihr eigenes Bildniß darauf prägen ließen. Solche Münze nun war mehrere Jahrtausende hindurch dasjenige, was wir Geld nennen, und aller Handel und alle Geschäfte wurden hiermit betrieben. Doch war im Laufe der Zeit, wo sich so Manches verändert, da die Bevölkerung sich immer mehr und mehr ausdehnte, auch die Transportirung und Versendung dieses Geldes mit vielen Schwierigkeiten verknüpft. Plünderungen, Beraubungen, Verluste durch Schiffbruch und mehrere andere Hindernisse erschwerten den Verkehr ungemein, und man sann wiederum auf Mittel, auch diesem Uebelstande abzuhelfen. Da nun Mancher an einem Orte für erhaltene Waaren zu zahlen hatte, vielleicht Andere des nämlichen Orts, oder der Gegend, wiederum hier schuldeten, so glich man sich durch schriftliche Anweisungen aus, ohne daß ein Thaler dabei angerührt wurde, und hieraus entstanden die nachherigen Wechsel oder Wechselbriefe, die man bald so bequem fand, daß man sich fast allgemein im Verkehre dieser Art zu zahlen bediente. Zu noch größerer Bequemlichkeit fanden sich bald Leute, welche solche Wechselbriefe von Andern einkauften, sie vorräthig hielten, und man nach Belieben gegen eine geringe Provision sie stets auf die vorzüglichsten Handelsplätze haben konnte. Diese Leute nun nannte man Wechsler, oder auf französisch: Banquiers. So sehen wir nun, theure Landsleute, wie unser allgütiger Schöpfer Alles so weise geordnet hat, wie er dafür sorgt, daß, so wie seine Geschöpfe sich vermehren, sie selbst durch den Gebrauch ihrer, uns von ihm verliehenen Vernunft Mittel und Wege erdenken, die es möglich machen, daß so viele Menschen ernährt werden und ihr Auskommen finden. Und dieses sollten wir nicht dankbar erkennen und wider unsere Vernunft und Gewissen uns anhetzen lassen gegen die Beförderer des menschlichen Wohls? — Nimmermehr wird dieses ein braver deutscher Mann über sich vermögen, der in seinem Vaterlande eine gute Erziehung und guten Schulunterricht genossen hat, denn der Deutsche ist von jeher für bürgerliche Ordnung, Sittlichkeit und gesetzliche Freiheit gewesen.
„Um nun wieder auf den Gegenstand, das Geld, zurückzukommen, so muß dieses ebenfalls frei und unabhängig seyn und sich selbst reguliren. Keine gerechte und vernünftige Regierung darf sich, ohne das Wohl des Ganzen zu untergraben, einen Gewaltgriff hinein erlauben, als nur in so fern sie die polizeiliche Aufsicht darüber führt, daß keine Mißbräuche entstehen. Wo sie solche bemerkt, stelle sie diese ab, stürze aber nicht ein ganzes Gebäude, welches aufzurichten, Zeit und Mühe gekostet hat, weniger schadhafter Ziegeln oder Schindeln wegen, über den Haufen. Niederreißen ist immer leichter, denn Aufbauen; man stelle das Dach her, und das Haus wird wohnbar seyn und bleiben, wie vorher. Geld ist in der Waagschale gegen Arbeitslohn und Mühe, oder menschlichen Fleiß, was die Gewichtstücke gegen Waare sind; beides muß sich gegen einander balanciren. Jetzt, liebe Freunde, kommen wir wiederum zu Einrichtungen und Anstalten, welche das Bedürfniß der Zeit ebenfalls herbeigerufen, und welche gewiß eben so wohlthätig und zweckmäßig zur Beförderung menschlicher Glückseligkeit mitwirken, als alle vorhergehenden, d. h. wenn sie ihrer Bestimmung entsprechen, nicht gemißbraucht, aber auch nicht ungerechter Weise angegriffen und verfolgt werden; diese sind die Banken!
„Sie sind verschiedener Art, als: Leihbanken, Wechselbanken, Sparbanken etc., und auch nicht in allen Ländern überein; doch machen wir uns hauptsächlich mit den Banken unseres Landes bekannt und lernen ihren Zweck kennen. Es sind Anstalten, wo mehrere Männer, welche Geld besitzen, es aber gerade nicht selbst zu eigenen Geschäften gebrauchen, demohngeachtet aber nicht unbenutzt liegen lassen und es dem allgemeinen Wohle entziehen wollen, und dieses zusammen legen. Der Zweck davon ist nun: dem Handelsstande, dem Gewerbtreibenden und Farmer in Fällen eintretender Verlegenheit zu unterstützen, und ihm zu seinem bessern Fortkommen behülflich zu seyn. Zum Beispiel: Ein Kaufmann sieht die Produkte seines Landes oder andere Erzeugnisse des Fleißes durch Ueberfluß derselben, oder Mangel an Absatz in sehr niedrigem Preise und weiß, wenn er diesen oder jenen Artikel, in dieser oder jener Gegend oder dem und dem Lande hätte, wo vielleicht Mangel und Nachfrage darnach ist, er einen guten Nutzen dabei haben würde, seine Kräfte aber reichen in dem Augenblicke nicht so weit, weil er seine Gelder ausstehen hat; nun geht er zu einer Bank, wo er als ein rechtschaffener und zahlungsfähiger Mann bekannt ist, bekommt gegen eine schriftliche Versicherung oder Note auf gewisse Zeit Gelder vorgestreckt, kann nun seinen Zweck erreichen, und zur abgelaufenen Zeit seine Note wieder einlösen, und, indem er selbst verdient, verschafft er seinen Nebenmenschen Absatz und versieht sie mit Geld, damit sie auf’s Neue weiter arbeiten können.
„Ebenso der Fabrikant und Handwerker, der sein Geschäft etwas in’s Große zu treiben und mehrere Menschen zu beschäftigen wünscht. Für den kommt wohl einmal eine Zeit, wo seine verfertigten Waaren nicht so raschen Abgang finden, jedoch ist er fest überzeugt, daß, nach Verlauf einiger Zeit, sie für sein Fach günstiger werde und er vielleicht mehr absetzen könne, als er vorräthig habe; er ist jedoch nicht im Stande, es durchzusetzen und muß mit blutendem Herzen seine Arbeiter und Gesellen gehen lassen, welche nun außer Stand gesetzt werden, sich selbst oder gar ihre Familien zu ernähren und oft zu den niedrigsten Arbeiten, die sie nicht gewohnt sind, greifen müssen, um nur ihr Leben zu fristen, oder gar Frau und Kinder verlassen und Vagabunden und Bettler werden. Ist das nicht schrecklich, und stehen wir nicht leider schon auf diesem Punkte? Wollen wir noch weiter gehen? — Ist nun aber ein solcher Handwerker oder Fabrikant in einer guten Bank bekannt, oder hat er einen guten Freund, der seine Rechtschaffenheit, seine Zahlungsfähigkeit kennt und seine Noten mit unterschreibt, so kann oder konnte er vielmehr einen Vorschuß erhalten, womit er seinen Arbeitern, wo nicht ganz, doch so viel bezahlen, wie die Nothdurft erforderte. Aenderten sich nun die Zeiten, konnte der Meister oder Fabrikherr seine Waaren verkaufen, so konnte er seinen Gehülfen den rückständigen Lohn auf einmal auszahlen, und Mancher bekam so viel, daß er für sich selbst aufsetzen und Leute halten konnte; so war es, aber so ist es nicht mehr. An uns liegt es aber, es wieder dahin zu bringen, wenn wir wollen, und Tausende von unsern Landsleuten sind auf diese Art zu Männern geworden; war das nicht gut?
„Wenn ein Farmer, ein Landmann, einer gesegneten Erndte entgegensieht, wenn ihm nichts fehlt, als Hände, sie hereinzuschaffen, diese Hände aber Geld haben, und leben wollen, sein Kapital aber zu Ende ist, und er die Gaben Gottes verfaulen sehen muß, wie muß ihn dieses betrüben und wie nachtheilig ist es für das Ganze. Kann er nun aber zu einer solchen Bank gehen, die ihn kennt, welche weiß, daß er zahlungsfähig ist, sobald er geerndtet und verkauft hat, und ihm etwas Geld vorschießt; ist das nicht lobenswerth? Auch wenn Einwanderer etwas Geld mitbrachten und wollten sich dafür ein Grundeigenthum kaufen, so konnten sie immer, wenn sonst der Platz gut, und der Verbesserung fähig war, zwei Drittheile darauf geliehen bekommen. Die Banken kündigten nicht leicht das Kapital auf, wenn sonst die Zinsen richtig bezahlt wurden, und konnten sie nach und nach davon abtragen, bis sie ihr Gut frei hatten, welches leider aber jetzt Alles gestört ist.
„Diese Banken nun sind durch alle Theile und Staaten unseres ausgedehnten Landes verbreitet und es sind deren besonders viele in neuerer Zeit durch den Umsturz der Hauptbank unseres Landes entstanden, vielleicht mehr, als das Bedürfniß erfordert; doch sie sind einmal da, gesetzlich durch unsere Regierungen erlaubt und von Bürgern gegründet, von Bürgern gleich uns, und ist es nun nicht himmelschreiend, wenn einzelne Menschen, ja leider Deutsche zum Theil selbst, ihre Landsleute mit Vorurtheilen, Verdrehungen, ja sogar den gröbsten Lügen gegen ihre Mitbürger erfüllen, und „Krieg gegen die Banken“! „Krieg gegen die Geld-Aristokraten“ — Etwas, was sie selbst nicht einmal verstehen — zu ihrem Feldgeschrei machen, und Bürger gegen Bürger aufhetzen? Können diese Vaterlandsfreunde, können diese gute Menschen seyn? — Kehren wir wieder zu den Banken zurück. Diese kleineren Banken sind geeignet, den Verkehr im Innern zu beleben, aber auf das Ausland können sie nicht wirken, da sie zu unbedeutend sind. Selbst in unserm eigenen Lande nimmt man die Noten oder Wechsel entfernter Banken, die man nicht kennt, welche aber vielleicht in ihrer Gegend recht gut und sicher seyn mögen, entweder gar nicht oder mit großem Verluste, und dieses ist das Uebel, woran wir jetzt leiden.“
„Die größern Städte dieses Landes, wie New-York, Philadelphia, Baltimore etc. sind gleichsam wie unsere Meßorte in Deutschland zu betrachten. Die Kaufleute des Innern pflegen alle Frühling und Herbst diese Orte zu besuchen, um ihren Bedarf an Fabrik- oder Manufaktur-Waaren für ein halbes oder ein ganzes Jahr hier einzukaufen, entweder gegen baar, oder gegen Kredit, und ihre zuvor gemachten Schulden zu bezahlen; hierzu sind sie aber jetzt außer Stand gesetzt. Gold und Silber ist nun einmal so viel nicht da, und kein Präsident und keine Regierung kann uns dieses verschaffen, wie wir gesehen haben; auch würde es den hundertsten Theil nicht ausreichen, den Handel und Verkehr im Großen zu beleben. Das Wenige, was da ist, hält das allgemeine Mißtrauen zurück, jedoch wird es alsobald wieder in Umlauf kommen, so wie das Vertrauen wieder hergestellt, und wir wieder eine, von der Regierung unabhängige Hauptbank haben, nämlich wie unsere vorige war; Verbesserungen, wie sie Zeit und Erfahrung an die Hand gegeben, mit zugerechnet, welche Kapital und Kredit genug besaß, um den Handel und Wandel im Großen zu unterstützen, deren Papiere nicht allein im ganzen Lande, sondern sogar im Auslande sehr gern genommen und überall so hoch und höher noch als Silber standen. Hatten nun die Kaufleute hier oder an andern Orten etwas zu zahlen, so konnten sie immer Noten dieser Bank gegen diejenigen ihrer Gegend einwechseln, und überall damit auskommen; jetzt aber ist ihnen der Weg versperrt, und sie kommen lieber gar nicht, ehe sie 25 pCt. und darüber an ihrem Gelde verlieren. Sie haben Mangel an Waaren, und ihr Geld liegt nutzlos und wir haben Ueberfluß an Waaren, und Mangel an Geld, und können uns doch einander nicht helfen. Ist dieses eine gute Zeit zu nennen? Wollen wir noch weiter hineinrennen, oder haben wir an der Probe genug?“
„Als wir mehrere Jahre hintereinander Mißwachs und Theuerung hatten, hätten wir verhungern müssen, wenn der Handelsstand uns nicht aus entfernten Ländern Früchte und Lebensmittel zugeführt hätte; diese müssen nun aber bezahlt werden, wenn man ehrlich bleiben will. Hätten wir nun unsere Hauptbank noch gehabt, so konnten wir dieses mit Wechseln bezahlen, bis wir Gelegenheit fanden, wiederum von unsern Produkten auszuführen und diese Wechsel damit einzulösen; jetzt aber muß dieses Alles in Gold und Silber geschehen, denn unsere kleinen Noten, denen wir selbst nicht trauen, werden sie im Auslande nicht nehmen. Und nun frage man noch, warum Gold und Silber rar wird? Es wird und muß noch rarer werden, je länger wir einer Parthei anhängen, die uns leider nur schon zu lange irre geleitet hat etc.“
Ich selbst muß gestehen, daß dieser Aufsatz, welchen ich um der Kürze willen nur zur Hälfte wiedergegeben, mich mit den Banken ausgesöhnt, und für eine allgemeine, von sämmtlichen Staaten garantirte Nationalbank umgestimmt hatte. — „Wo ist aber die Garantie?“ rufen die Gegner aus: „Was wollen die sämmtlich bankerottirten Staaten noch verpfänden?“ und, fahren sie fort: „daß eine Nationalbank, ebenso wie die jetzigen kleinen Banken, ihre sittenverderbende Macht zum Nachtheil des Volkes ausüben wird, und schon während ihres Bestehens ausgeübt hat, legt klar die Geschichte dieses Landes vor Augen und entdeckt ein Blick in den Gang und die Wirkungen des Banksystems. Aus unwiderlegbaren Thatsachen wissen wir, daß gerade der Handel der Verein. Staaten am schwankendsten gewesen ist, und die Zeiten am schlechtesten waren, als die Banken in voller Thätigkeit wirkten und mit Papier über Papier das Land überschwemmt wurde. Die Geschäfte gingen zwar, und Mancher verdiente viel. Aber was? Papier, und damit konnte er sich nur eine papierene Glückseligkeit verschaffen. Auf eine künstliche Höhe wurde Alles geschraubt, in unverhältnißmäßigen Preisen wurden alle Dinge verkauft, im Schwindel war die Sache begonnen, im Schwindel wurde sie fortgeführt und endlich bekam Alles den Schwindel und stürzte zusammen. Den Papiermühlen fehlte das Wasser und es war ihnen unmöglich, mehr Geld zu fabriziren; die Kaufleute hatten noch einige Lumpen in der Tasche und schauten mit sehnsuchtsvollen und schmachtenden Blicken nach Großbritannien, wo die Früchte ihrer Bemühungen und ihr Geld gefressen wurden; nur die Eingeweihten und Getauften der Bank blieben ruhig, schnitten zwar ein bitteres Gesicht mit, setzten aber im Stillen ihr Werk fort und dachten: wir angeln den großen Fisch als unsern Braten doch noch. So erging es schon oft unserm Lande und so wird es ihm noch oft ergehen, wenn das Bank- oder Kredit-System noch länger fortgelten sollte, bis endlich die Whigs ihre Absichten erreicht, die Oberhand gewonnen und die Masse des Volkes zu ihren Arbeitern und Knechten erniedrigt haben.“
„Die Whigs sagen uns zwar, ohne Banken könne dieses Land nicht bestehen, das Papiergeld sey zum Betreiben und Aufblühen des Handels nothwendig und befördere auf diese Art den allgemeinen Wohlstand; denn wenn Handel und Gewerbe im Aufblühen seyen, so verdiene auch der Handwerker und Arbeiter und könne sich desto leichter etwas erwerben und ein bequemes Leben verschaffen. Wenn man dieses so oberflächlich anhört, so glaubt man Anfangs, es verhalte sich allerdings so, und wird beinahe geneigt, den Banken zu huldigen. Spürt man aber dem Dinge weiter nach, so findet man, daß allerdings die Banken den großen Fabrikherren und großen Handelshäusern dienlich seyn können, daß aber auch bald die großen Fabrikherren die kleinen, die großen Handelshäuser die kleinen auffressen, und der Handwerker und Arbeiter nichts anders wird, als ein Sklave, eine bemitleidenswürdige, traurige Kreatur dieser harten Geld-Seelen, daß diese Geld-Aristokraten sie in ihren Klauen halten, und ihnen nur so viel geben, als sie bedürfen, um nicht zu verhungern etc.“
Eine andere Zeitschrift, welche diesen ernsthaften Gegenstand bespricht, zieht ihn ins Lächerliche, und bringt unter der Ueberschrift: „Schönheiten des Bankwesens“ Folgendes zur Kenntniß des Publikums:
„In der Stadt New-York hat sich unter dem allgemeinen Bankgesetze auch eine „City-Trust- und Banking-Company“ gebildet, die zufolge der bestehenden Bankschwindelei-Gesetze in zwölf Monaten zahlbare Postnoten ausgiebt und dieselben namentlich im Lande zahlreich auszubreiten sucht. Hinter den Worten „promise to pay“ steht mit ganz niedlichen, für bedachtlose Augen unsichtbaren Buchstaben: „12 months after date.“ Die Geschichte dieser Bank wird so erzählt: Die City-Trust- und Banking-Company deponirte anfänglich für 2000 Dollars Arkansas State-Stocks und erhielt dafür vom Kontroleur 1200 Dollar-Noten. Jetzt ging das Bankgeschäft los. Zuerst wurde für 22 Dollars eine Kiste gekauft, wofür sie die 22 Dollars in Postnoten zahlte. Der Koffermacher wußte sich davon 20 Dollars vom Halse zu schaffen und verlangte für die übrigen zwei Dollars courantes Geld, was die Kompagnie verweigerte. Dann wurde ein ehrbarer Tischler angenommen, um das Bankzimmer einzurichten. Er that es, konnte aber seine Bezahlung nicht eher erhalten, als bis er die Kompagnie durchzuprügeln drohte. Jetzt fing man an Deposit-Certifikate auszugeben, die Herr Ackermann, ein Halbbruder des Kompagnie-Präsidenten Munson, fleißig unterzeichnete; und hie und da gingen nun die Postnoten ins Land, um Produkte damit einzukaufen. Dies erreicht, machte sich Präsident Munson rückenfrei, dankte ab und gründete ein anderes liebes Bank-Institut, die „North-Amerikan-Banking Co.“ — Diese neue Bank befindet sich eine Treppe hoch über der Trust-Co., doch wollte der Maler das ausgefertigte Schild nicht ausliefern, wenn er nicht vorher bezahlt werde. — Sail ho!“
Sylvester’s Reporter und Counterfeit Dotektor, machten eine Liste von 152 Banken bekannt, welche gebrochen waren. Der Betrag der zirkulirenden Noten dieser Banken betrug in der Durchschnittssumme für jede Bank 250,000 Dollars, zusammen also die ungeheure Summe von achtunddreißig Millionen Dollars, „welche sich nun nutzlos in den Händen des Volks befinden.“
Wiederum ein anderes Blatt bemerkt:
„Um betrügerisches Bankwesen zu hindern, hat die Gesetzgebung von Mississippi verordnet, daß alle diejenigen, welche von Banken borgten, dieselben mit ihren Noten abbezahlen können, gleichviel ob diese Noten noch einigen Werth haben oder nicht. Es ist dies ein sehr zweckmäßiger und durchgreifender Schritt, um die Pflanzer Mississippi’s aus den Händen der Bank-Spekulanten zu retten. Man gab so viele Noten aus, daß an Wiedereinlösung derselben nicht zu denken war. Kurz darauf brachen die meisten Banken, oder ihre Noten fielen mehr als die Hälfte im Preise; dennoch blieben die Zahlverbindlichkeiten der Schuldner an die Banken unvermindert, und es ist daher bloße Gerechtigkeit, daß diejenigen, welche eine betrügerische Masse Noten für voll ausgeben, dieselben für voll wieder zurücknehmen. Hier reduzirt sich also der ausposaunte Reichthum auf dem einfach natürlichen Wege zu seiner wahren Substanz. Wenn der verschuldete Pflanzer vor seinen Bankgläubiger tritt und ihm die schönen Bilderchen zurückgiebt, so kann er sagen: Du hast mir für 50,000 Dollars Nichts geborgt, hier hast du für 50,000 Dollars nichts wieder. Das Beste ist, alle diese Wische ins Feuer zu werfen.“
Doch damit nicht diesem Briefe ein Gleiches wiederfahre, da ich zu lange schon bei einem Gegenstande verweilte, welchen ich aber dem Auswanderungslustigen nicht vorenthalten durfte, damit solcher sehe, welche papierne Glückseligkeit seiner warte, so gehe ich zu meiner eigenen Angelegenheit im nächsten Schreiben über, und werde, wie es die Gelegenheit giebt, Landesverhältnisse einzuflechten suchen.