ALTHOCHDEUTSCH.

DAS WESSOBRUNNER GEBET.

[Scherer D. p. 12, E. p. 10.]

Alliterirendes Gebet aus einer Handschrift des ehemaligen Klosters Wessobrunn in Oberbaiern. Herausgegeben in Müllenhoff und Scherer’s Denkmälern deutscher Poesie und Prosa Nr. 1. (2. Aufl. Berlin 1873.)

Dat gafregin ih mit firahim ‖ firiuuizzo meista,

dat ero ni uuas noh ûfhimil;

ni suigli sterro nohhein ‖ noh sunna ni liuhta, 10

noh mâno noh der mâreo sêu.

Dô dâr niuuiht ni uuas ‖ enteo ni uuenteo,

enti dô uuas der eino ‖ almahtîco cot,

manno miltisto, ‖ enti manake mit inan

cootlîhhe geistâ. ‖ enti cot heilac...

Cot almahtîco, ‖ dû himil enti erda gauuorahtôs,

enti dû mannun ‖ sô manac coot forgâpi,

forgip mir

in dîno ganâdâ ‖ rehta galaupa,

enti côtan uuilleon, uuîstôm enti spâhida enti craft,

tiuflun za uuidarstantanne, ‖ enti arc za piuuîsanne,

enti dînan uuilleon ‖ za gauurchanne.

Das erfuhr ich unter den Menschen ‖ als der Wunder grösstes,

Dass Erde nicht war noch Himmel darüber,

Noch irgend ein glänzender Stern ‖ noch Sonne leuchtete

Noch Mond noch die herrliche See.

Als da nichts war ‖ von Enden noch Wenden, 20

Da war der eine ‖ allmächtige Gott,

Der Männer mildester, ‖ und manche mit ihm

Gütige Geister. ‖ und heiliger Gott...

Allmächtiger Gott, ‖ der du Himmel und Erde schufest,

Und der du den Menschen ‖ so manches Gut gegeben hast,

Gib mir 10

An deine Gnade ‖ rechten Glauben,

Und guten Willen, ‖ Weisheit und Klugheit und Kraft,

Den Teufeln zu widerstehn und Arg abzuweisen

Und deinen Willen ‖ zu vollbringen.

Der erste Theil lautet genau nach der Handschrift:

De poeta.

Dat * fregin ih mit firahim

firi uuizomeista. Dat ero ni

uuas. noh ufhimil. nohpaum

noh peregniuuas. ninohheinig 20

noh sunna nistein. nohmano

niliuhta. noh der maręoseo.