BARTHOLOMÄUS RINGWALD.

[Scherer D. 290, E. 286.]

Geboren 1530 zu Frankfurt an der Oder; 1557 Prediger, 1567 Pfarrer in der Neumark. Starb gegen 1600. Er verfasste ausser zahlreichen geistlichen Gesängen zwei Lehrgedichte und einige Schauspiele. Vgl. Hoffmann, Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte, II (Leipzig 1844).

{20} DIE LAUTER WARHEIT.

EIN LIED DER KRIEGSLEUTE, WIDER DEN ERBFEIND, IM THON, VOM STÖRTZEBECHER, ETC.

NVn mach dich eilends auff,

du Teutsche Nation,

denn sih es kömpt ein Hauff,

vons Türckischen Keysers Kron,

mit Spiessen vnd Hellparten,

mit Ross vnd Wagen viel,

vnd Bogen ohne Ziel,

in Vngern wolln sie warten.

Gemelte lose Leut,

die rühmen sich gar frey,

wie dass sie grosse Beut,

von dingen mancherley,

vns wollen abestreiffen.

daneben alle Fest, 10

vnd Wien die allerbest,

zubrechen vnd zuschleiffen.

Sie drawen[735] auch gar frech,

dass sie ohn widerstand,

mit Puluer vnnd mit Bech[736],

das gantze Teutsche Land,

stracks wollen niderbrennen,

vnd aller Menschen Schar,

im Blut erseuffen gar,

die Jesum Christ bekennen. 20

Darumb so nemet bald

die Rüstung von der Wand

vnd macht euch jung vnd alt,

hinein ins Vngerland

mit Harnisch, Spiess vnnd Degen,

mit hurtigem Geschoss,

zu fuss vnd auch zu Ross,

vnd zieht dem feind entgegen.

Vnd wenn jhr kommen seid

dahin mit ewer Wehr, 30

so fürchtet nicht ein meit[737],

das wunderliche Heer,

in sich gar hoch vermessen,

Seht sie nur tapffer an,

in Gott dem starcken Man,

sie werden euch nicht fressen.

Doch nemet euch in acht,

an diesem scharffen Tantz,

seid nüchtern, bett vnd wacht,

vnnd stercket ewre Schantz,

bey tag vnd auch bey nachte,

vnnd schickt euch alle stund, 10

als solt jhr mit dem Hund,

rümbspringen in der Schlachte.

Vnd da jhr vnterweil

mit jm scharmützeln müst,

so seid mit ewrem Pfeil,

des Glaubens wol gerüst,

vnd rückt hinein mit freuden,

vnd brent sie mit dem kraut,

geschwinde auff die haut,

sie werdens vbel leiden. 20

Vnd da in solchem Ritt,

ein Man zwey oder drey,

im Felde blieben mit,

was wer es vor Geschrey,

was könt ein solches machen,

Dieweil dieselben fein,

in GOTT verschieden sein,

und in dem Himmel lachen.

Ach wie kan doch ein Man,

in dieser argen welt, 30

sein Leben besser lan,

dieweil er in dem feld,

auff CHRIstum wird erschossen,

dieweil er auch sein Blut,

der Christenheit zu gut,

gar willig hat vergossen.

Deshalben seid getrost,

jr Reuter vnd jhr Knecht,

frey in die Feinde stost,

gar Ritterlichen fecht,

vnd seid also gesunnen,

Ir sieget oder falt,

den Glauben doch behalt, 10

vnd habt in Gott gewonnen.

Darumb wenn nun der Feind,

ir seiner grossen macht,

euch anzugreiffen meint,

mit einer feldesschlacht,

vnd kömpt daher gedrungen,

in hesslicher gestalt,

wie ein verdorrter Wald,

geschriehen vnd geklungen.

So seid nur wolgemut, 20

gedenckt an Jesum Christ,

der mit der Engel Hut,

forn an der spitzen ist,

Den angriff erst zu setzen,

da er mit eime stich,

die feinde wünderlich,

wird schrecken vnd verletzen.

Vnd wenn jhr so mit Gott,

vnnd Gideonis Schwert,

die lesterliche Rott, 30

behertzt angreiffen werd,

So wird jhr Ross vnd Wagen,

darzu der Man im helm,

gleich wie ein schlimmer Schelm,

erschrecken vnd verzagen.

Derwegen rückt hinan,

macht ewer Euglein auff,

vnd schlagt in Gottes Nam,

mit allen freuden drauff,

Der Heiland wird euch stercken,

vnnd seine Herrligkeit, 10

bey euch in diesem Streit,

gewaltig lan vermercken.

Vnd da jr nun befind,

das GOTTes starcke Hand,

hab ewer Feinde blind,

was in die Flucht gewandt,

Der Christenheit zu gute,

so schmeist ja ferner zu,

Last jhnen keine ruh,

Wascht euch in jhrem Blute. 20

Das helff euch ja die Krafft,

des HErren Jesu Christ,

der in der Ritterschafft

der beste Kempffer ist,

Vnnd kann mit schlechtem sprechen,

all seiner Feinde Macht,

wie gros sie wird geacht,

im Augenblick zu brechen,

Amen.