IN KÜRENBERGS WEISE.

[Scherer D. 202, E. 195.]

Eine Strophenform, die von einem österreichischen Ritter Kürenberg erfunden ist und so beliebt war, dass auch die Nibelungendichter sie benutzten. Herausgegeben in Minnesangs Frühling, Nr. 2.

‘Ez hât mir an dem herzen

vil dicke wê getân

daz mich des geluste

des ich niht mohte hân

noch niemer mac gewinnen.

daz ist schedelîch.

jon mein ich golt noch silber:

ez ist den liuten gelîch.’

‘Ich zôch mir einen valken

mêre danne ein jâr.

dô ich in gezamete

als ich in wolte hân 10

und ich im sîn gevidere

mit golde wol bewant,

er huop sich ûf vil hôhe

und floug in anderiu lant.

Sît sach ich den valken

schône fliegen:

er fuorte an sînem fuoze

sîdîne riemen,

und was im sîn gevidere

alrôt guldîn. 20

got sende si zesamene

die gerne geliebe wellen sîn.’

‘Ich stuont mir nehtint spâte

an einer zinnen:

dô hôrt ich einen ritter

vil wol singen

in Kürenberges wîse

al ûz der menigîn.

er muoz mir diu lant rûmen,

ald ich geniete mich sîn.’ 30

Nu brinc mir her vil balde

mîn ros, mîn îsengwant.

wan ich muoz einer frouwen

rûmen diu lant.

diu wil mich des betwingen

daz ich ir holt sî.

si muoz der mîner minne

iemer darbende sîn.

‘Es hat mir in dem Herzen

Gar heftig weh gethan,

Dass mich nach dem gelüstet,

Das ich nicht konnte ha’n

Noch jemals kann gewinnen.

Zum Schaden mir’s gereicht.

Nicht mein’ ich Gold noch Silber,

Nein, einem Menschenkind es gleicht.’

‘Ich zog mir einen Falken

Länger als ein Jahr.

Als er nun zahm geworden,

Wie ich ihn wollte ha’n, 10

Und ich ihm sein Gefieder

Mit Golde wohl bewand,

Hub er sich in die Höhe

Und flog in ein anderes Land.

Nachmals sah ich den Falken

Stolz im Fluge:

Da hatt er seidne Schnüre

An seinem Fusse,

Auch glanzt’ ihm sein Gefieder

Funkelnd von Gold. 20

Gott sende sie zusammen,

Die von Herzen sich sind hold.’

‘Jüngst stand ich abends späte

Auf einer Zinne:

Da hört ich einen Ritter

Gar lieblich singen

In Kürenbergs Weise

Aus der Menge hervor.

Er muss das Land mir räumen,

Liebt er mich nicht, den ich erkor.’ 30

‘Nun bring mein Ross mir schleunig

Und mein Eisengewand,

Denn einer Frauen muss ich

räumen dieses Land.

Sie will mich dazu zwingen,

dass ich hold ihr sei:

Sie bleibet meiner Minne

doch immer ledig und frei.’