MERSEBURGER ZAUBERSPRÜCHE.
[Scherer D. p. 15, E. p, 13.]
Aus einer Handschrift der Bibliothek des Domcapitels zu Merseburg herausgegeben in den Denkmälern Nr. 4.
1.
Phol ende Uuodan ‖ vuorun zi holza.
dû uuart demo Balderes volon ‖ sîn vuoz birenkit.
thû biguolen Sinthgunt, ‖ Sunna erâ suister,
thû biguolen Volla, ‖ Frija erâ suister:
thû biguolen Uuodan, ‖ sô hê uuola conda,
sôse bênrenkî, ‖ sôse bluotrenkî,
sôse lidirenkî:
bên zi bêna, ‖ bluot zi bluoda,
lid zi geliden, ‖ sôse gelîmida sîn.
2.
Eiris sâzun idisî, ‖ sâzun hera duoder.
suma hapt heptidun, ‖ suma heri lezidun, 20
suma clûbôdun ‖ umbi * cuniouuidi:
insprinc haptbandun, ‖ invar vîgandun!
1.
Phol und Wodan ‖ ritten zu Holze (Walde). 10
Da ward dem Fohlen Balders ‖ sein Fuss verrenkt.
Da besprach ihn Sindgund ‖ und Sunna, ihre Schwester,
Da besprach ihn Volla ‖ und Frija, ihre Schwester:
Da besprach ihn Wodan, ‖ der es wohl konnte,
Die Beinverrenkung ‖ wie die Blutverrenkung
Und die Gliedverrenkung:
Bein zu Beine, ‖ Blut zu Blute,
Glied zu Gliedern, ‖ als wenn sie geleimt wären.
2.
Ehedem setzten sich göttliche Frauen, ‖ setzten sich dorthin.
Die einen hefteten Haft, ‖ andere hemmten das Heer,
Noch andere klaubten ‖ auf die Fesseln:
Entspringe den Banden, ‖ entlaufe den Feinden!