THOMAS NAOGEORG.
[Scherer D. 309, E. 308.]
Aus Baiern. Eine Zeitlang Pfarrer zu Kahla in Thüringen. Führte, nachdem er mit Luther zerfallen, ein unstätes Leben. Er dichtete protestantische Tendenzdramen in lateinischer Sprache: ‘Pammachius’ 1538; ‘Mercator’ 1540; ‘Incendia’ 1541; ‘Hamanus’ 1543; ‘Hieremias’ 1551; ‘Judas Icariotes’ 1552.
AUS DEM PAMMACHIUS.
(Porphyrius. Pammachius. Satan.)
Porphyrius:
Er würt nun gwisslich ledig sein
Und sein stůl haben gnomen ein
Ich halt es sei der greülich man
Gehörnt, der uns sicht hesslich an.
Sein augen seind nür feüres glast,
Eyn Habichs nass geknodet[901] vast.
Sein maul ist weiter dann es sol.
Sein gantzer leib schwartz wie eyn kol. 10
Pammachius:
Du hast verstand: es ist der man.
Lass sehen was er hie wöll than.
Porphyrius:
Mir zittert aller meyner leib.
Ich weyss nit, wo ich vor im bleib.
Pammachius:
Du můst sein angsicht leiden lern,
Er gibt sunst grosse gaben gern
Wann eyners eyn mol leiden mag 20
So leidt ers darnach allen tag.
Porphyrius:
Sag mir, Pammachi, wer sind die,
Die also gkrönet stond alhie?
Sichstu sie oder sichstus nit?
Sag mirs, das ist mein grosse bitt.
Pammachius:
Es ist die öberkeyt im reich
Ich sich ye sunst nit ires gleich.
Satan:
Die habend noch keyn feindlich gsicht,
Mit forcht ir augen abgericht,
Als ob sie etwas hetten gern,
Das ich sie solt umb bitt gewern.
Porphyrius:
Sie ungleichen dem fürsten nit, 10
Als werns in eyner ess geschmit.
Pammachius:
Wolher, wir wöllen zů im gahn
Und mit im zreden heben an.
Porphyrius:
O grossmechtiger fürst und her,
Wir grüssen dich beyd ich und der.
Satan:
Was sůchend meyne find alhie?
Ich hett solchs in vertrawet nie. 20
Porphyrius:
Ich weyss nit wie mir gschehen ist,
So meyner zungen red gebrist[902].
Mich hat erschreckt die greülich stim,
Das ich kan forter[903] reden nim[904].
Pammachius:
Du můst eyn starck gemüt hie hon
Und wie eyn starcker kriegsman thon.
Porphyrius:
Wir deine diener hond eyn bitt, 30
Begerend: fürst, verschmeh uns nit.
Satan:
Was habt ir dann für bitt an mich?
Sags von stund an, dazů schick dich!
Porphyrius:
O grosser fürst, gnediger her,
Wiewol es von sich selbs ist schwer,
Das eyner bei sein finden redt
Und er werd gweret seiner bedt
Bei denen, die er hett zůvor
Mit wort und werck beleydigt zwor
Noch tröst uns dein gross miltigkeyt
Die bei dir allweg ist bereyt
Die macht das wir auch hoffnung han 10
Dein gnad die werd uns nemen an
Bissher hond wir noch nie erkant
Dein onüberwintliche handt
Und das mit unserm schaden gross
Das wir nit wurden zerst dein gnoss
Dieweil du so freigebig bist
Das all den deinen nichts gebrist
Mit grossem bracht sie gond daher
Als ob die gantz welt iren wer.
Nichts mangelt in an eer und gůt. 20
Dazů hond sie eyn gůten můt.
On arbeyt werden sie all reich,
So uns gar nit geschicht der gleich.
Wir sind verschmacht[905] in aller welt
Wir hond auch weder gold noch gelt,
Wir sind veracht und gar verbandt.
Man nimbt uns alles was wir handt.
Mit hauss und hoff, mit weib und kind
Wir täglich in den gferden sind
Thůnd wir schon gůts, so ists keyn danck 30
Also leiden wir grossen zwanck
Aber uns gschicht da eben recht
Das wir nit wöllen sein dein knecht
Die in deim reich hie müssend won.
Drumb nemend wir eyn solchen lon.
Eyn knecht sol warten auff sein hern,
Will er von im eyn lon begern.
Solchs solten wir betrachtet hon
Und nit wöln deim gwalt widerston.
Aber es gschach auss unverstandt.
Drumb strecken wir auss unser hand,
Du wölst dein knechten gnedig sein.
Die vorhin haben straff und pein.
Jetzt nim uns auff auch in dein reich.
Mach uns dein underthonen gleich: 10
Wir wöllen gůten fleiss an kern,
Dasselbig fürdern und zů mehrn.
Das du můst sagen sicherlich,
Du habst zůvor nit unsers gleich.
Wie wir dir theten widerstandt,
So wöln wir fürter mern dein landt,
Also das keyner strenger sei
Von allen die dir wonen bei.