FÜNFTES KAPITEL
GEOGRAPHISCHES. — METEOROLOGISCHES. — POLITISCHE EINTHEILUNG. — VOLKSMENGE. — SPRACHEN.
Die Umgebung Manila’s, der Pásig und der See von Bay, die jeder Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf einige kurze Aufzeichnungen über diese Gegenden beschränken und nur über meine Reisen in den südöstlichen Provinzen Luzóns, Camarines und Albay und den östlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte ausführlicher berichten werde. Vorher dürfte es angemessen sein, durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen Verhältnisse zu verschaffen.
Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und trennt den nördlichen stillen Ozean von der China-See. Von den Sulu-Inseln im Süden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich durch 14½ Breitengrade, von 5 bis 19½° N., und wenn man die Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21° N. Aber weder im Süden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit bis an diese äussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht überall bis in das Innere der grössern Inseln erstreckt. Von Ost nach West nehmen die Philippinen 9 Längengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit 2000, Mindanao mit mehr als 1500 □M. Flächenraum sind zusammen grösser als alle übrigen. Dann folgen der Grösse nach sieben Inseln: Paláwan, Sámar, Panáy, Mindoro, Leyte, Negros, Cebú, deren erstere 250, letztere etwa 100 □M. misst, Bojól, Masbáte, je halb so gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande, Felsen und Riffe.[1]
Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage und reiche Gliederung begünstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21° N., durch 16 Breitengrade gewährt ihm eine Mannichfaltigkeit des Klima’s, welcher sich die niederländisch-indischen Besitzungen, deren Hauptstreichen west-östlich ist, während sie nur wenige Breitengrade zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrössert, so dass die Produkte der heissen und gemässigten Zone, die Palme und die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen.
Die grösseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden Buchten ausgedehnte Binnenseen und beträchtliche, auf weite Strecken schiffbare Flüsse; der Archipel ist reich an sicheren Häfen und unzähligen Zufluchtsorten für Schiffe; ein Umstand aber, der aus dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der glücklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose Zahl kleiner Flüsse, die von den Bergen herabströmen und sich, bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in denen Küstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge gelangen können um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist unübertrefflich, Salz- und Süsswasser wimmelt von Fischen und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch als an Grösse überragt Luzon alle übrigen Inseln an Bedeutung, und wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre natürliche Vorzüge die schönste der gesammten Tropenwelt sein.
Der Hauptkörper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter Masse als längliches, 25 Meilen breites Viereck von 18° 40′ N. bis zur Bay von Manila (14° 30′ N.) und sendet dann einen durch grosse Seen und tiefe Buchten zerrissenen Ausläufer nach Osten, der westlich und östlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale Bänder mit der Hauptmasse zusammenhängt. Manche Spuren rezenter Hebungen deuten an, dass beide Theile früher getrennt waren, zwei selbstständige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stück, fast so lang als das nördliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben, in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann, als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an der eben erwähnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge zusammenhängen. Zwei kleine Flüsschen, die in geringer Entfernung von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten münden, machen die Trennung fast vollständig und bilden zugleich die Grenze zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz Tayabas eingenommen. Die grössere östliche zerfällt in die Provinzen Nord-Camarines, Süd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwähnte Grenze von Tayábas, durch eine vom Südrande der Bucht von S. Miguél östl. zur Küste gezogene Linie von Süd-Camarines getrennt. Den Ostrand der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Süd-Camarines durch eine Linie geschieden, die von Donzól an der Südküste, nordwärts über den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordküste läuft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhältnisse klar machen.
In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden: eine trockene, eine nasse. Den, den Süd- und -Westwinden offen liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten die Regenzeit. An den Nord- und -Ostküsten fallen die reichlichsten Niederschläge in unseren Wintermonaten, während des NO.-Monsuns. Durch die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese allgemeinen Verhältnisse örtlich vielfach verändert. In Manila dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun), die Regenzeit während der übrigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten regnet es im September; März und April sind häufig regenlos, Oktober bis einschliesslich Februar kühl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde), März, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende September feucht und mässig warm.
Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein Auszug aus dem Jahresbericht für 1867 den ich Professor Dove’s Güte verdanke.[2]
Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersäule betrug 1867: 755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.)
1867: Der Unterschied zwischen den äussersten Barometerständen überstieg nicht 13,96 Millimeter, und wäre viel geringer, hätten nicht Stürme im Juli und September die Quecksilbersäule so sehr herabgedrückt; die stündlichen Schwankungen betragen nur wenige Millimeter. —
Täglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frühe bis gegen 9 Uhr, fällt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr Abends, von wo an es bis zum Morgen fällt. Die beiden Hauptströmungen der Atmosphäre üben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers, die nördliche macht ihn steigen (Normalhöhe 756mm) die südliche fallen (Normalhöhe 753mm).
Temperatur. Die Wärme wächst von Januar bis Ende Mai, und nimmt dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27°.9 C. (0°.4 mehr als in den Vorjahren). — Die beobachtete höchste Temperatur betrug 37°.7 C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19°.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6 Uhr Vm.) — Unterschied: 18°.3 C.
Grösse der Thermometerschwankungen: Januar 13°.9. — Februar 14°.2. — März 15°. — April 14°.6. — Mai 11°.1. — Juni 9°.9. — Juli 9°. — August 9°. — September 10°. — Oktober 11°.9. — November 11°.8. — Dezember 11°.7. Kühlste Monate: November, Dezember, Januar mit nördlichen Winden. — Wärmste Monate: April und Mai. Ihre hohe Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nächsten, die Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen Niederschläge und trüben Luft. Täglicher Gang: am kühlsten ist es von 6 bis 7 Uhr Vm., die Wärme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen 2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Während einiger Stunden der Nacht bleibt die Temperatur fast unverändert, gegen Morgen fällt sie schnell.
Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmässig, wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verändern; im Zeitraum eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar herrschen Nordwinde, im März und April südöstliche Winde, im Mai, Juni, Juli, August, September südwestliche. Anfang Oktober schwanken sie zwischen Südost und Südwest, und befestigen sich gegen Ende des Monats in NO., wo sie während der beiden folgenden Monate ziemlich beständig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge geschützt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt; aus demselben Grunde bläst der SW. dort auch stärker.
Der Himmel ist gewöhnlich theilweise bedeckt, völlig heitere Tage sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor.
Regentage: 168. Am häufigsten und stärksten regnet es von Juni bis Ende Oktober; der Regen fällt dann in Strömen, im Sept. allein betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist mehr als das Mittel).
Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewöhnlichen Jahren ist die Verdampfung den Niederschlägen ziemlich gleich (im Laufe des Jahres nämlich, aber nicht in den einzelnen Monaten).
Die mittlere tägliche Verdunstung war etwa 6,3mm.
Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Stürmen begleitet, während eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37 bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls erwähnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden anrichtete, und 17 Schiffe auf’s Land setzte.)
Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt, denen je ein Alcalde mayór 1., 2., 3. Klasse, oder de término, de ascénso, de entráda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft geändert.
Die Gesammtbevölkerung wird auf ungefähr 5 Millionen geschätzt.
Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit von Sprachen und Mundarten, von denen bisáya, tagálo, ilocáno, bícol, pagasinán, pampángo die verbreitetsten sind.
Insel Luzon.
Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem kürzlich erschienenen kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretärs der Philippinen entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfügung stand, darf obigen Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in Europa keine Vorstellung hat.
Beispielsweise führt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054; Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen.
[1] Eine Berechnung des Flächeninhalts der einzelnen Inseln befindet sich im Anhange. [↑]
[2] Eine Uebersichtstabelle der Witterungsverhältnisse, und eine zweite, enthaltend die aus fünfjährigen Beobachtungen (1865–69) gewonnenen Mittel, befinden sich im Anhange. [↑]
Fischerhütten bei Bulacan.