SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL

DIE CHINESEN.

Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevölkerung zu sprechen, den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden, da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein dürfte. Von jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen, weder Feindseligkeit der Bevölkerung, noch Bedrückungen und Verbote seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlächtereien vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei seetüchtigsten Provinzen China’s musste schon früh den Verkehr zwischen beiden Ländern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen können. In einigen älteren Schriftstellern findet sich sogar die Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft unterworfen waren[1] und Pater Gaubil (Lettres édifiantes) erwähnt, dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan’s Ankunft selbst im äussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den Grabhöhlen gefundenen Porzellanschüsseln und Thongefässe zeigen, dass der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln des Archipels erstreckte. Für die junge spanische Kolonie bildete er die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu fürchten, dass die Junken ihre Frachten den Holländern bringen würden, wenn man ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie nicht ohne die Sangleyes bestehn,[2] die alljährlich in grosser Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krämer, Handwerker, Gärtner, Fischer über Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten, die sie früher betrieben hatten (Morga).

Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemüht, die Zahl der Chinesen auf das äusserste Maass zu beschränken; denn damals wie heut wurden letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich wurden; den Geistlichen waren sie ein Gräuel als verstockte Heiden »deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum zu machen«; die Regierung aber fürchtete sie wegen ihres festen Zusammenhaltens und als Angehörige des grossen Reiches, dessen bedenkliche Nähe dem kleinen Häuflein Spanier Verderben drohte.[3] Zum Glück für letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze frei werdenden bösen Mächte brachten die Kolonie in äusserste Gefahr.

Bei dem Angriff des grossen Seeräubers Limahong 1574 entging sie nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich von Gold sei? Man hielt sie für Spione und schloss aus ihrer sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schürten das Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen; Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile fürchteten sich vor einander und rüsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an, unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000, nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernör von Manila hervor. Das merkwürdige Dokument zeigt in so überraschender Weise, wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des Kapitels in wörtlicher Uebersetzung mittheile.

Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern Lebensbedürfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder so zugenommen, dass ein Gesetz[4] sie auf 6000 beschränkt, »denn diese reichen aus für die Bebauung des Bodens«; zugleich wird als Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitäns gerügt, der für die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8 Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevölkerung auf 30,000 (nach Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000 niedergemacht. »Die sonst so gleichgültigen Eingeborenen zeigten den grössten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern.«[5]

Schnell füllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lücke wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den chinesischen Seeräuber Kog-seng, der über 80 bis 100,000 Mann gebot und Formosa bereits den Holländern entrissen hatte. Er forderte die Philippinen zur Unterwerfung auf; sein plötzlicher Tod rettete die Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird in ihrem Ghetto niedergemetzelt[6], andre vertrieben, einige stürzen sich vor Schreck in’s Wasser, oder erhängen sich; eine grosse Zahl flüchtet in kleinen Booten nach Formosa[7]. 1709 hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Höhe erreicht, dass sie der Empörung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: »denn unter dem Vorwande des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und rücksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so betrügen sie die Philippinen jährlich um ungeheure Summen.« Sonnerat klagt aber, dass Künste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt hätten; zum Glück, fügt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des Verbotes, durch Bestechung der Guvernöre und Beamten zurück.

Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmännisches Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der von Europa eingeführten Waaren ist ausschliesslich in ihren Händen, den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen für die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte nach Manila zu führen.

1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen Verbannungsdekrete ausgeführt. Da aber das Privatinteresse der Beamten mit dem der kreolischen Krämer nicht zusammenfällt, so »strömen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei« und machen bei der Invasion der Engländer (1762) gemeinschaftliche Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Señor Anda[8], »dass alle Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehängt werden sollen, welcher Befehl sehr allgemein ausgeführt wird«.[9] Die letzte grössere Chinesen-Schlächterei fand 1819 statt, als die Fremden im Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu haben; auch der grösste Theil der Europäer fiel damals in Manila der Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont.

Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich.

Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar, Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.

1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen, indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der Abgaben verspricht.[10] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald dem Handel zu.

In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12 bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869).

Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen, ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien, sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten, fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung.

Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt, scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss, Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.

Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen, die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen.

Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen Archipel, in den Südstaaten Amerika’s scheinen die Chinesen bestimmt, mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken.

In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen.

Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch ihre thatkräftigsten Individuen vertreten.[11] Der Kampf wird mit Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg, die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging, ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869 in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie ausführbar.[12]

Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben, scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos wachsenden Ansprüchen Schranken setzen.

Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die Zustände in China üben?

Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können, hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and Asia London 1870 behandelt.


Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia, Guvernör der Philippinen.

»An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen, um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen, die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen, um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König) diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge Gerechtigkeit die in China geübt wird.

Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen, und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der Angelegenheit Tioneg’s übersenden und besagten Tioneg sammt den Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte, dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten; und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe, die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben, wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird, welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte; und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen, welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden, und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die von Luzon von Hörensagen wohl wissen.

Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lüge Tioneg’s so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem König anheim zu stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tödtungen; und wir sagten: das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und war vor Alters nur ein Wohnsitz für Teufel und Schlangen und weil (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet, indem sie Mauern aufgeführt, Häuser und Gärten angelegt, und andre Dinge von grossem Nutzen für die Castillas; und da dies also ist, warum haben die Castillas nicht Rücksicht auf diese Dinge genommen, und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen grausam zu tödten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den König über die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns, da er über die oben erwähnten Dinge zornig war, und sagte: aus drei Gründen sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite Grund war, weil man nicht wissen könne, ob die Castillas oder die Chinesen den Sieg erlangen würden, und der dritte und letzte Grund, weil die Leute, welche die Castillas getödtet hatten, schlechtes Volk wären und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China zurückgekehrt, welche Leute, so sagte der König, er wenig achte, aus den oben erwähnten Gründen; und er befahl nur dem Vizekönig, dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu schicken, damit die von Luzon wissen, dass der König von China ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit, denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lüge Tioneg’s bestraft hat. Und da die Spanier weise und verständig sind, wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darüber empfinden und milde sind gegen die Chinesen, die übrig geblieben? Denn wenn die Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die vom Kriege übrig geblieben, zurückkehren, und das schuldige Geld erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Königreich und jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht, so wird der König nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen, mit Soldaten und Verwandten der Getödteten bemannt und mit den übrigen Leuten und Königreichen, welche Tribut an China zahlen, und sie werden Krieg führen ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf wird man das Königreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadór am zwölften des zweiten Monats.«


Einen denkwürdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief des Herrschers von Japan:

Brief Daifusama’s, des Herrschers von Japan, an den Guvernör Don Pedro de Acuña im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In früheren Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen dürften, und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer gewährte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist, welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschätzung für mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden möchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches bedeutet »den Götzen geweiht«, die seit unsern Vorfahren bis heut mit höchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre) verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das was ich will, und das was mir nicht gefällt, das thue sie niemals.

Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte, verdorbene Menschen, die in jenes Königreich gehn und viele Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurückkehren, welches meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe mitkomme, welches hierher geht und in den übrigen Dingen wolle E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art, dass sie fortan nicht mein Missfallen errege.


[1] »Es haben vor der Zeit diese Insulen alle in gemein gehört vnder die kron China, sie haben sich aber umb gewisse vrsachen daruon abgesondert, Dannen her kein Regiment oder Policey ordnung vnder ihnen war, vnd diejenige welche am mächtigsten waren, behielten die Oberhandt, lebten vndereinander wie dz Viehe ... Die von China treiben in den Insuln gross Gewerb«. (J. H. Lindschotten 1596, deutsch Gebr. Brey Frkft. 1613 S. 58). Vergl. auch The Dutch memor. Embassies I. 140; Morga Hakl. 18, Anm.; Purchas 602; Don Juan Grav y Monfalcon Mem. al Rey No. 6; Calendar of State Papers, China & Japan No. 266; Manrique Itinerario de las Misiones, Roma 1653 S. 282. [↑]

[2] In den Philippinen werden die Chinesen gewöhnlich Sangleyes genannt. Nach Professor Schott: šang-lúi (im Süden szang-lói auch šenng-lói) mercatorum ordo; sang heissen besonders die ambulanten Händler, im Gegensatz zu den Kù, tabernarii. [↑]

[3] .. Es ist ein schlechtes lasterhaftes Volk, .. und da ihrer so viele, und sie grosse Esser sind, so vertheuern sie die Lebensmittel und verzehren sie ... es ist wahr, dass die Stadt ohne die Chinesen nicht bestehn kann, denn sie sind die Arbeiter in allen Beschäftigungen, sie sind sehr fleissig und schaffen um geringen Lohn, aber dafür würde eine geringere Anzahl ausreichen. (Morga f. 349.) [↑]

[4] Recopilacion Lib. IV. Tit. XVIII. ley 1. [↑]

[5] Informe I, III. 73. [↑]

[6] Die Chinesen durften nicht in der Stadt, sondern nur in einem besondern Bezirk Parian wohnen. [↑]

[7] Velarde 274. [↑]

[8] s. folgendes Kapitel. [↑]

[9] Zuniga XVI. [↑]

[10] Autos acordados II. 272. 279. [↑]

[11] Kein einzelnes Volk in Europa kann sich auch nur entfernt mit der Bevölkerung Californiens messen, die aus allen Ländern auserlesen, in den ersten Jahren wenigstens nur aus strebsamsten Männern in der Fülle ihrer Kraft bestand, ohne Greise, ohne Weiber, ohne Kinder, — deren Thätigkeit in einem Lande, wo alles geschaffen werden musste, (da auf hunderte von Meilen kein zivilisirter Nachbar wohnte) und wo alles Schaffen märchenhaften Gewinn brachte, auf die äusserste Grenze des Möglichen gesteigert war. Ohne hier auf Einzelheiten ihrer Leistungen einzugehn, mag nur daran erinnert werden, dass sie in 25 Jahren einen mächtigen Staat gegründet, dessen Ruf die ganze Welt erfüllt, an dessen Rändern ringsum junge Territorien kräftig aufsprossen, deren zwei schon zu Staaten herangewachsen sind. Nachdem die Californischen Goldgräber die Konfiguration des Bodens ganzer Provinzen geändert, indem sie mit Titanengewalt die Erdmassen ausgedehnter Hügellandschaften ins Meer schwemmten, um sich durch sinnreich ersonnene Vorrichtungen die feinsten darin enthaltenen Goldstäubchen anzueignen, setzen sie die Welt jetzt in Erstaunen als Ackerbauer, deren Erzeugnisse auf die fernsten Märkte gehn und überall unbestritten den ersten Rang einnehmen. So Grosses hat ein Volk geleistet, dessen Gesammtzahl heut wohl kaum eine halbe Million übersteigt, und dennoch wird es ihm nicht leicht, den Wettkampf mit den Chinesen zu bestehn. [↑]

[12] Sämmtliche Schienen in einer Gesammtlänge von fast 103,000 Fuss Rh. und von 20,000 Ztr. Gericht wurden von acht Chinesen gelegt, die in Gruppen von vier Mann einander ablösten. Aus zehntausend Arbeitern waren sie als die tüchtigsten ausgewählt. [↑]