10.

Natürlich habe ich sozusagen »fliegenden Fußes« den Knopf in der Kapelle hinterlegt und lächerlicherweise nach Verlauf von einer Stunde festgestellt, daß er verschwunden war. Gleichzeitig habe ich das Gelübde getan, den Märchenwald zu meiden und die Clemenskapelle überhaupt nicht wieder zu betreten. Mag doch die Lampe austrocknen oder -brennen, – ich bin Protestantin, habe gar nichts damit zu tun. –

»Die ewige Lampe brennt«, schreibt daraufhin Ritter Lage. »Es gehört keine blühende Phantasie dazu, um herauszuklügeln, daß Brigitte Lage ihren fein aufgesetzten Kopf in den Nacken wirft, wie Rassepferdchen tun, und in weiblicher Unlogik den armen Heiligen entgelten lassen will, was der Unheilige verbrochen hat. Also sie brennt wieder, und man braucht überhaupt gar nicht mehr zu kommen. – Meine Bitte entsprang auch nur einer augenblicklichen Verlegenheit. Ich hatte mir den Fuß bös verletzt und konnte nicht so rasch, als ich wohl wollte, in die Kapelle humpeln … Von Holland her, verehrte Regenschirmbase … Aber in richtiger Erkenntnis der weiblichen Logik humpelte ich doch … Übrigens war selbstverständlich schon früher eine ewige Lampe in der kleinen Waldkirche, – auch ohne daß Sie das Lichtchen anzündeten, – aber sie war verlöscht … Wie gesagt, mein Fuß ist schuld. Die Lampe hängt in einer Nische am Altar versteckt, aber ich benutze das rührend komische Steinnäpfchen meiner rührend komischen Regenschirmbase …

Sie erkennen daraus, wie sehr ich Ihnen ergeben bin. –

Der Enterbte.«

Natürlich war das wieder Spiegelfechterei. Denn als ich hinlief, in hellem Ärger über meine Pflichtvergessenheit – dem Kranken gegenüber, der seinen verletzten Fuß aufs Spiel setzte … da war die Lampe im Verlöschen und wäre ohne Zweifel ohne mich jetzt tot. Ritter Lage hatte sich also darauf verlassen, daß ich sofort in jähem Mitleid kommen würde …