45.

Am 1. Advent.

Der Morgen wachte weh herauf.

Der Wind trieb peitschend Staub zuhauf,

Und wirbelnd warf er ihn an meine Wange.

Ich quälte keuchend mich bergan.

Es wehte wild durch Tal und Tann,

Und stöhnend stand ich still, gebeugt und bange.

* * *

Da stach blitzender Sonnenstrahl

Durch Wolkenberge hin zu Tal

Und legte leuchtend sich als Aureole

Um Büsche, Bäume, Wiese, Wald,

Und meine Unrast wurde bald

Im Aufruhr der Natur zum ruhnden Pole.

So kam das Glück mir über Nacht …

Es schlief bei Gott und ist erwacht,

Und siegend bricht es durch die Wolkenberge.

Herrgott, hab’ Dank! Von dir gesandt,

Nehm’ ich’s geweiht aus deiner Hand,

Und über aller Zweifel Meer holt mich der Ferge.

Ein Tannenbäumchen steht vor mir mit einem Wachslicht.

In acht Tagen, wenn ich die zweite Kerze aufstecke, dann zündet auch der Küster nebenan in der alten Kirche die zwei hohen Lichte an, und ich werde dem Ritter Lage angetraut. Alle, denen wir unser Verlöbnis mitgeteilt haben, sahen mich lieb und seltsam an. Und ich kann diese Blicke nur mit Erstaunen sehen. – Wenn sie mir alle voll Neid begegneten, so würde ich sie verstehen; ihr Mitleid aber muß ich zurückweisen. Keiner sieht in mein Herz, keiner weiß, wie es darinnen ausschaut. Nur Gott und ich.

Liebe, Leid und Dank wohnen darin. –

Der andern Blick erfaßt nur den gebeugten, kranken Menschen, der ein junges, kraftvolles Weib freien will. – Ich sehe in ihm den großen Künstler, der eine Pietà schuf, den rastlosen Arbeiter, als der er mir von Leo ter Mählen geschildert wurde, den großzügigen Gutsherrn, der auch nicht einen seiner Insten vergißt, sondern ihnen der Helfer schlechthin bedeutet. Ich sehe ihn somit in vielerlei Gestalt, und in jeder einzelnen groß und bedeutend, immer imstande, mich zu lehren.

Die großen Schlagetots ringsum, die ich kennenlernte, sie haben alle nicht die feine Seele meines Ritter Lage. Wenn er diese auch oft unter messerscharfem Spott verbirgt.

Am herbsten verspottet er ja sich selbst, seine Flügellahmheit, sein Gebundensein an den forthelfenden Stock. –

Wenn ich diesen Spott aus seiner Seele nehmen, wenn ich selbst sein Stab sein könnte durch Jahrzehnte hindurch!

Meine Jugend und meine Kraft gehört ihm. Und jeder Atemzug, jedes Wort, jeder Blick, vor allem aber jede Tat soll ihm sagen: »Ich diene dir. Zu allem, was ich tue, gibst du mir die Stärke durch deine Liebe.«


Jeden Tag gehe ich zum Liebsten durch unsern Märchenwald. Hie und da finde ich im Schnee eine Heideblüte, deren sattes Rot sich unter der weißen, kalten Decke frisch erhielt. Die bring’ ich dem Ritter Lage, und dann lächelt er. – Lacht über seine dumme Gitti, die in Eiseskälte nach einer so schlichten Blume sucht. Aber ich weiß doch, daß er sich darüber mehr als über all meine prangenden Gewächshausblüten freut. Und wenn er dann meine erstarrten Finger einzeln nacheinander zum Leben küßt, – es sind zärtliche Glücksstunden.

Clemens-Hartmut geht jetzt etwas einsame Wege. Die Eifersucht auf den fremden Mann kämpft mit seinem Mitleid. Oft kann er mich trotzig ansehen. Meine Nichtbeachtung dieses Zustandes hilft ihm am besten. Er sagt jetzt »Pflegevater« zu meinem Clemens, und dieser hat ihm das »Du« angeboten. Clemens-Hartmut empfängt jetzt schon alles aus der Hand seines Vaters, – die Annahme an Kindes Statt ist vorbereitet und wird vollzogen, wenn ich Ritter Lages Ehefrau bin. Die volle Wahrheit erfährt mein Junge erst, wenn er reif genug ist, sie zu erfassen. Bis dahin fülle ich sein Herz mit Liebe zu meinem einzigen.

Meine Dörfler sind wunschlos glücklich, daß ich Freifrau Lage werden will. Die Alten kommen und erzählen mir Geschichten aus den Jugendtagen meines Verlobten, sie loben den Schelm, der er damals war, über den Schellenkönig, und aus allem klingt es wie rührendes Erbarmen und Trostbringen zu mir hin.

Clemens macht meinem Dorf große, geldliche Zuwendungen, jede einzelne Haushaltung bekam am Verlobungstage eine ansehnliche Beisteuer. Und sie tragen allsonntäglich ihre Wünsche für den »guten, gnädigen Herrn« in die Kirche, das weiß ich. Und ich drücke alte und junge, runzlige und schwielige Hände und danke ihnen, daß sie sich für ihn im Gebet falten. – Viel Besuche habe ich empfangen, die ganze Nachbarschaft bis weit nach Holland hinein kam angefahren. Bei allen sah ich das herzliche Bestreben, über die ungewöhnliche Sachlage hinwegzukommen. Daß die Braut ohne den Verlobten empfängt. Tante Fernande, meine mütterliche Freundin, ist bemüht, mich wacker zu unterstützen. Sie hat in den letzten Monaten viel im »Gotha« gelesen und möchte dadurch ihre Spitalzeit selbst vergessen. Aber sie weiß nicht, wie sie sich gehaben soll, wenn plötzlich in ihre tadellose Rangliste eine Almosenempfängerin hineinfällt, die ihrer Herrin mit dem Herzen, ohne die nötige Besuchskarte Glück wünschen möchte. Auch Gese Nordstamm geb. Tönnings paßte nicht in Tante Fernandes Festfolge. Und doch war es für mich solche Freude, die schöne, stattliche Frau Förster zu sehen, die sich als Mutter ihrer Zwei so recht zu ihrem Vorteil verändert hat. Sie vertritt mich sehr würdig im Dorf bei Krankenbesuchen, da Maria Oswald die weitesten Wege nicht mehr zu schaffen vermag und mich mein geliebter Kranker in Anspruch nimmt. –

Geh’ ich ins Siechenheim, das einzige, dem Ritter Lage mich selbstlos abgibt –, dann schicke ich Clemens-Hartmut und Pieter Dinkel zu ihm. Sie sind zuerst Zauberkünstler und Akrobaten, und dann seine Bildhauerlehrlinge. Alles läßt er ihnen herbeischaffen, was Jungenherzen erfreut, und dem krummen Pieter Dinkel geht eine ganz neue Welt auf. Kommen sie zurück, so bringen sie mir vorsichtig kleine, von Ritter Lage und ihnen selbst geformte Figürchen mit, es sind aber immer nur »Gittis«, und die drei scheinen nichts dazuzulernen. –

So stellen sich die Sonnenblicke für mich dar, denen sich die reichen Stunden anreihen, da ich am Lager des Kranken sitze, mit ihm plaudere, ihm vorlese, oder mit ihm Schach spiele. Heute sagte er mir plötzlich: »Du siehst so schön aus, Gitti. Täglich erlebe ich dich schöner. Du mußt immer Weiß tragen, Winter und Sommer. Auch wenn ich tot bin. Aber dann löscht ja auch dein Leuchten, und es wird dunkel. – Gut, kleine Regenschirmbase, ich gestatte dir dann ein schwarzes Kleid …«

Ich muß mich dann fest in der Gewalt haben. Das lehrt mich unsägliche Liebe. Ich kann jetzt fröhlich lachen mit sieben Schwertern im Herzen.

Clemens sagt jetzt oft »Regenschirmbase« zu mir, es ist, als ob mit diesem Wort die ganze liebe, hoffnungsfrohe Vergangenheit lebendig würde und ihn hinübertrüge über die schmerzreiche Gegenwart.

Etwas ist noch vorhanden, was viel Kraft von mir fordert. Das sind die Stunden, da die Ärzte die Krankheit günstiger ansehen und ihm leichte Besserung in Aussicht stellen. Dann tritt ein gequälter Ausdruck in sein sonst so männlich beherrschtes Antlitz, und Zorn und Angst wechseln ständig miteinander ab. Einmal formte es sich sogar zu den marternden Worten: »Brigitte, bereust du? Brigitte, sei ehrlich!«

Dann aber freue ich mich meiner Liebe, die stärker ist als der Tod; und ich kann ihn lesen lassen auf dem Grund meiner Seele, darinnen nichts ist, was nicht dem Ritter Lage gehört. Hörst du mich, Ritter Lage? Nichts, nichts gibt es an mir und in mir, das nicht dein wäre! – – – Es gibt Stunden, da ich die Krankheit segne, wenn sie nicht Schmerzen bringt. – Denn ich darf stundenlang bei ihm sein, weil keine strenge Pflicht ihn von meiner Seite ruft. Und bin ich erst sein Weib, dann trennt uns auch kein Abend und keine Nacht mehr.

Baron Leo ist fast täglich bei mir, bei uns. Er hat sich zu den Heidkampern einquartiert. Die Heidkamperin möchte mir so viel sein in dieser Zeit, aber mein Leid, das ich mit Aufbietung all meiner Kraft unter meine Füße zwinge, das überwältigt die liebe Freundin. Wie Bäche rinnen ihre Tränen, sobald sie meiner ansichtig wird, ganz ohne Fassung ist die gutmütige, weiche Seele. Deshalb kann ich auch nicht ihren Wunsch erfüllen, sie ein einzigmal mit zu Ritter Lage zu nehmen. Er würde sich in vernichtendem Spott dagegen wehren, denn Beherrschung gilt ihm alles. –

Baron Leo vermag es, stundenlang mit mir bei dem Kranken zu sein und ganz frohmütig zu scherzen. –

Nur Zukunftspläne formen wir nicht. Ritter Lage haßt Schonung.

So schlägt uns keine Stunde. Genau wie den Glücklichen. –

Über den neuen Namen, der den »grauen Alltag« verdrängen soll, spricht Clemens des öfteren mit uns, aber wir finden keinen Ersatz. Ganz hitzig können wir bei dem Suchen werden, und einig sind wir uns nur darin, daß der »graue Alltag« verschwinden muß. –

»Öde und langweilig ist’s eigentlich nie bei den Lages gewesen«, erzählte Clemens; »ich habe in vielen der alten Folianten geblättert. Vielleicht war die Sippe zu gescheit dazu. Also hat der ›Alltag‹ keine Berechtigung. Aber das ›Graue‹, das Unheimliche und Düstere –, das haben wir kennengelernt, bei Gott!« Er war blaß, als er dies sagte, und seine Zähne knirschten leicht. »Soll nicht doch der Name bestehen bleiben, Gitti?«

»Nein, Clemens!«

»Wie zart und leise sie diesen kleinen Widerspruch wagt, – hörst du, Leo? Und könnte doch zornig sein, daß ich dem garstigen Namen Berechtigung zuweise, da das Lichtchen von Lage längst alle Winkel erhellt hat.«

»Du bist das Licht von Lage«, sagte ich an seinem Ohr. »Ich habe es vom ersten Sehen an gewußt.«

»Der Leuchter taugt nichts«, rief er schroff, und warf plötzlich die Schachfiguren durcheinander. –

In solchen Augenblicken vermag ich es, lachend mit ihm zu schelten und an seinen dunklen Locken zu zausen. Würde ich schweigen zu seinem Zornanfall, so würde sofort das Mißtrauen in ihm aufstehen. Daß ich Mitleid haben könnte …

Und so muß ich in angespannter Selbstzucht alles niederzwingen, was sonst ein junges Menschenkind sich zur Hilfe heranholt in seiner seelischen Not.

Oft verläßt Baron Leo brüsk das Zimmer, dann legt sich eine tiefe Zornesfalte zwischen Ritter Lages Augen, und ich muß rasch mein eigenes Antlitz an seiner Brust bergen, damit er nicht gewahr wird, daß ich mich fürchte. Schreckhaft bin ich geworden. Das hätte ich nie von der mutigen Gitti gedacht. –

Am 2. Advent.

Eben habe ich das zweite Lichtchen entzündet.

Ich bin schon im Brautkleid. Aber mein Liebster ist heute recht schwach nach einer schlaflosen Nacht. Die Ärzte sind bei ihm und haben angeordnet, daß die Trauung nicht in unserer Kirche, sondern im Tempel stattfindet. Die Stätte, da wir uns fanden, soll uns auch ewig binden. –

Pfarrer Trewes und Konrad Oswald sollen uns nach protestantischem und katholischem Ritus zusammengeben, gleich nachdem der Ortsvorsteher uns standesamtlich verbunden hat.

Leo von ter Mählen geleitet mich durch den unterirdischen Gang zu meinem Liebsten.

Tante Fernande als stellvertretende Brautmutter weint unablässig und ist kaum zu gebrauchen.

Eva sieht grau und verfallen aus.

So läßt mich alles allein.

Denn Baron Leo kann auch nur die nötige Haltung bewahren, indem er sich mit ungewohnter Strenge panzert.

Wie bin ich einsam in der heiligen Stunde, da sonst eine Braut am Mutterherzen ruht und sich alle Bangigkeit von treuen Lippen hinwegscheuchen läßt. Selbst Clemens-Hartmut muß der Feier fernbleiben. Was soll dies liebe, ernste, heißempfindende Kind bei solch seltsamem Fest?

Am nächsten Morgen.

Diese Zeilen trage ich nun in den ehrenfesten Folianten mit meinem neuen Namen ein. Ich heiße Brigitte Freifrau von Lage geborene Freiin von Lage. Gott segne meinen Ausgang und Eingang in das neue Leben! –

Unsere beiden Diener Jan Ulles und Ludwig geleiteten gestern unsern kleinen Zug mit Lichtern durch den Gang. Es durchschauerte mich seltsam … Einen Augenblick faßte Leo von ter Mählen meinen Arm fester. Wollte er mich zurückhalten? Oder glaubte er, ich würde die Besinnung verlieren? Groß und stolz sah ich ihn an, da murmelte er eine Entschuldigung. –

Vor der Tür zu Ritter Lages Zimmer ließ man mich allein. Wieder klopfte ich leise und öffnete sacht die Tür nur eine kleine Spalte. Denn ich hörte meinen Geliebten leise sprechen. War es ein Gebet? Ich faltete auch meine Hände.

… »schreibe mir meine Bitte vor, du, die ganze Weisheit und die volle Güte. Und der du mich von Ewigkeit an geliebt hast. Ja, deine große Sorge ist meine letzte Stunde. Du willst, daß sie glücklich sei, und um sie so zu machen, bereitetest du alles vor, vom Anbeginn des Lichtes … Lichtchen, bist du es?«

»Ja, Ritter Lage.«

»So komm doch herein, du Schönes, du Scheues, du ganz Liebes! Wärest du eher gekommen, hätten wir miteinander beten können. Alle Lages fangen ihren Ehestand mit Gebet an. Selbst so wilde, rastlose Gesellen, wie ich einer bin. Gott grüß’ dich, Gitti!«

»Gott grüß’ dich, Liebster!«

Dann war die schöne Feier. Und dann gingen die andern alle fort. Nur wir beide saßen Hand in Hand und Mund an Mund. Und er umschlang mich mit seinem gesunden Arm, während ich vor ihm kniete, und sagte mir aberhundert Liebesworte ins Ohr. – Die ich nimmer vergessen werde. Eva kam, und ich folgte ihr und legte ein weites, weißes, weiches Hausgewand an, das mit einem feinen goldenen Gürtel von seltsamer Form, Ritter Lages Brautgeschenk, zusammengehalten wurde. In diesem Kleide durchwachte ich meine Brautnacht. Mein liebster Mann schlummerte bald ein, und heute morgen schaute er ganz hell aus den Augen und grüßte mich froh: ›Guten Morgen, Freifrau von Lage!‹ Und jagte mich dann heim in den grauen Alltag, auf daß auch ich mich ausruhen solle. Dafür begehrte er unsern Sohn, Clemens-Hartmut Lage. – Der Junge ist baß erstaunt, daß aus ihm schier über Nacht ein Freiherr Lage geworden ist. Er ist zärtlich-gut zu seinem Vater und betreut ihn wie ein gelernter Krankenwärter. – Auch ich habe fest und traumlos ein paar Stunden geschlafen. –

Am heiligen Abend.

O du fröhliche, selige Weihnachtszeit!

Nie habe ich dies alte, erinnerunggesättigte Lied so innig gesungen wie diesmal. – Fröhlich und selig sind die Tage bis heute verlaufen. Ritter Lage, wie liebt dich dein Weib! Daß ich bei dir sein, daß ich dich pflegen darf! Daß ich jeden Tag und beinahe jede Stunde hören darf: ›Meine Gitti, sei gesegnet!‹ Nun hat mein einziger doch heute zum erstenmal Pläne geschmiedet, und ich habe ihm jauchzend zugestimmt.

Gleich nach dem Fest wollen wir mit dem Reise-Kraftwagen in ein milderes Klima fahren. Der graue Alltag drückt zu sehr die Stimmung herunter, – – der Name tut es, und auch die graue, dicke Nebelluft. – Baron Leo und Ludwig wollen uns als Kuriere begleiten. Mein Tag war heute schon reich und ausgefüllt. Denn ich brachte die erlesenen Gaben, die mein Liebster mir für unser Dorf gespendet, in die Häuser, und überall leuchteten Lichter im grauen Alltag, das waren die dankbaren Augen meiner Pflegebefohlenen.

Wie gern hätte ich auch im Krankenhaus und Siechenheim und besonders in meinem eigenen ›Lager Huus‹ ein besonderes Licht angezündet, indem ich ihm einen lichten Namen gab. – Aber mein Suchen war immer noch ergebnislos.

Mein Leben ist jetzt so licht. Mich stört der »graue Alltag« nicht. Mein Glück durchleuchtet ihn.

Mein Glück???

Ja! Ritter Lages Kamerad zu sein, ist Glück. –

Auch wenn ich ihn stützen muß, anstatt daß er der kleinen Gitti Stab und Stütze ist.

Mein Herr ist er darum doch. –

Wie köstlich es ist, sich jedem Wunsche des Herzlieben zu beugen.

Wie hat sich sein Befinden gehoben seit unserm Hochzeitstage! Eine große, köstliche Ruhe ist über uns beide gekommen. Meine Hände falten sich. Sein Kamerad! Ist es nicht mehr, als zwei gesunde Menschen sich geben können?

Und gibt es in der ganzen, weiten Welt eine Liebe, die größer, reiner, tiefer, ursprünglicher und gewaltiger ist als die des Ritter Lage zu seiner Gitti? – Als heute morgen an unserer kleinen Frühstückstafel, an der außer uns nur unser geliebter Junge Clemens-Hartmut teilnahm, das kristallene Schaumweinglas an das meine klang und meines Gatten tiefe, schöne Stimme rief: »Ich bring’ es dir, meine Königin«, da meinte ich, selbst das Glas müsse springen vor Überfülle der Freude … Sonne, Sonne leuchtete allüberall. –

»Und ich bring’ dir das meine, du herzliebster Ritter Lage«, rief ich schier übermütig und trank den Schaumwein bis auf die Nagelprobe. –

»Wie ihre Augen leuchten!« rief Clemens-Hartmut begeistert. »Ist Gittimutter nicht schön?«

»Du wirst sie all dein Lebtag als das Höchste lieben und ehren! Gib mir deine Hand darauf, Clemens-Hartmut!«

Wie feierlich klang die Stimme meines Liebsten! Und dann froh, wie ich sie selten hörte, gesättigt von einem tiefen Glücksempfinden: »Gott segne mein Licht von Lage!«

Am 1. Weihnachtstage.

Ich komme von meinem Liebsten.

Ich klopfte an seiner Tür.

Aber er hörte mich nicht.

Ich ging hinein.

Aber er sah mich nicht.

Geschlossen waren die liebsten Augen der Welt … Für immer!!

Herrgott! Gib meinem Liebsten fröhliche Urständ!

Ich selbst darf nicht zerbrechen. Ich soll seinen Sohn erziehen. Ritter Lages Kamerad bin ich gewesen. Ich trage seinen Namen. Er hat mich geliebt und liebt mich über den Tod hinaus.

Seinen Knaben an der Hand, trat ich in den Märchenwald. Und die heilige Weihnachtssonne leuchtete wie der Stern von Bethlehem über Lage. Da wußte ich es, daß du im Lichte weilst, mein Geliebter … Und daß nun auch deine Gitti fürder nicht im »grauen Alltag« wandeln dürfe. Aus meinem tiefsten Leid geboren, aus dunkelster Herzensnacht heraus, gabst du mir, Gott, den Namen für mein Haus und mein Dorf:

»Auf der Sonnenseite.«

Bongs Goldene Klassiker-Bibliothek

Jeder Band in Ganzleinen 3 M., Halbleder 5 M., Ganzleder 6 M.
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Romane von

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Berlin · Deutsches Verlagshaus Bong & Co. · Leipzig

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Berühmte Musiker und ihre Werke. Herausgegeben von Prof. R. Sternfeld. Mit 76 Textbildern, 13 Faksimiles und 44 Notenbeispielen.

Seelenleben unserer Haustiere. Von Dr. Th. Zell. Mit 4 bunten Beilagen und 80 Textbildern.

Im Wunderlande der Technik. Meisterstücke und neue Errungenschaften. Von Hans Dominik. Mit 190 Abbildungen und Originalzeichnungen, technischen Skizzen und Photographien.

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Jeder Band in Halbleinen 4 M., die mit * versehenen Bände je 5 M.

Berlin * Verlag von Rich. Bong * Leipzig

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.

Korrekturen:

S. 269: wiederum mein → wiederum ist mein
für einen Vorwurf wiederum [ist] mein herbes Mädchen zu scheu