Sternschnuppen und Meteore.
Sternschnuppen sind also nichts anderes, als die Überreste zerfallener Kometen. Sternschnuppen und Kometen sind demnach miteinander verwandt. Ebenso wie die Sternschnuppen der »Bieliden«, die um den 27. November stets bisher zur Erde niedergingen, mit dem »Bielaschen Kometen« verwandt sind, so sind es die Auguststernschnuppen, und zwar sind diese verwandt mit einem Kometen des Jahres 1862. Die Aprilsternschnuppen wiederum sind mit dem Kometen des Jahres 1861 verwandt.
Wenn man die Flugrichtung der Sternschnuppen nach rückwärts zu verlängert und diese Flugrichtung in eine Sternkarte einträgt, findet man, daß alle Sternschnuppen eines bestimmten Schwarmes aus einem gemeinsamen Ausgangspunkte herzukommen scheinen. Diesen gemeinsamen Ausgangspunkt nennen wir den Radianten. Er liegt stets in einem Sternbilde. So liegt der Radiant der »Bieliden« im Sternbilde der »Andromeda«. Deshalb nennt man den ganzen Schwarm der Bielieden auch die »Andromediden«. Der Schwarm der Augustmeteore (der Auguststernschnuppen) liegt im Sternbilde des »Perseus«. Man nennt darum den ganzen Schwarm die »Perseiden«! –
Außer den Sternschnuppen kennen wir am Himmel noch andere Erscheinungen, die blitzartig auftauchen, oft mit einem lichten Schweife ein Stück über den Himmel dahinziehen und nicht selten mit Getöse und Sprühfeuer zerplatzen.
Diese »Himmelsraketen« nennt man Bolide, Feuerkugeln oder auch Meteore. Sie bestehen entweder aus nickelhaltigem Eisen oder aus Gesteinsmassen und haben oft ein enormes Gewicht!
So wurde bei Ovisak in Grönland ein solcher, vom »Himmel gefallener Stern« gefunden, der 25 000 Kilogramm wog.
Der Nordpolfahrer Roß entdeckte in Grönland einen anderen Eisenblock, der vom Himmel gestürzt war. Dieser schmückt heute das naturhistorische Museum zu Newyork und wiegt 40 000 Kilogramm. Solche Weltentrümmer, die wir Meteoriten nennen und die nichts mit den Kometen gemeinsam haben, sondern aus fernen Räumen des Weltalls kommen, können unserer Erde sehr wohl einmal gefährlich werden! Ein kilometerlanges Stück einer solchen außerirdischen Masse könnte sehr wohl die Lebewesen des Erdballes in unheilvoller Weise gefährden. –
Der berühmte schwedische Physiker, Svante Arrhenius, ist der Meinung, daß sich aus Kometen und Meteoren neue Himmelskörper bilden können.
Der Anfang dieser Bildung scheint an einzelnen Stellen unseres Sonnenreiches sich in der Tat schon vollzogen zu haben, denn bei der Besprechung des Planeten Uranus hörten wir, daß man seine rückläufigen vier Monde für eingefangene kleine Planeten oder Kometen hält, die sich allmählich dann zur Kugelgestalt der Monde umformten! –
Da in unserer »aufgeklärt« sein wollenden Zeit es noch immer Leute gibt, die Angst und Furcht beim Erscheinen eines Kometen am Himmel befällt, so sei am Schluß dieses Kapitels nochmals darauf hingewiesen, daß diese Sorge ganz töricht und unserer Zeit unwürdig ist!
Nach allem, was die moderne Wissenschaft bis zur Stunde von diesen überaus schönen und großartigen Himmelserscheinungen, dem Kometen nämlich, – weiß, sind sie durchaus harmloser Natur!
Es sind »Vagabonden im Weltall«! Man traut einem Vagabonden auf Erden allerdings nicht viel Gutes zu. Das mag sein; aber irdisch-menschliche Verhältnisse passen nicht auf alle Dinge, vor allem sehr wenig auf die Gestirne am Firmamente.
Unsere Erde wird einmal zugrunde gehen! Darüber besteht kein Zweifel! Wir werden im letzten Kapitel dieses Buches darüber noch mehr hören; aber durch einen Kometen wird sie kaum enden. Gerade die Wiederkehr des großen »Halleyschen Kometen« im Jahre 1910 hat uns manchen und wichtigen Aufschluß hierüber und über die Natur dieser einst so gefürchteten und von den Menschen gehaßten Himmelslichter gegeben! –
Viertes Kapitel.
Die Welt der Fixsterne.
»Gottes Pracht am Himmelsbogen
Ist in Sternen aufgezogen,
Welch' ein heil'ger, stiller Chor!
Daß das Herz Dir größer werde,
Blicke von der kleinen Erde
Zu dem ew'gen Glanz empor!«
(Mahlmann.)
In jungen Jahren, als ich getreu den Worten im Liede der »Preciosa« die »Sterne noch nicht begehrte«, habe ich mir doch manchmal den Kopf darüber zerbrochen, wie weit die »Lichter am Himmel« von uns entfernt sein mögen!
Solche Gedanken kamen mir, wenn ich an einem klaren Winterabend von den Großeltern aus dem Nachbardorfe nach Hause zurückkehrte. Ich mußte dann stets eine Stunde lang über freies Feld gehen, und meine kindliche Seele war entzückt und erfreut über das wundervolle Bild des sternenbesäten Himmels, der sich über dem Bergtale ausspannte.
Im Hause angekommen befragte ich den Vater; aber der vermochte mir auf meine Fragen nicht so Rede und Antwort zu stehen, wie ich es mir wünschte, und so mußte ich Geduld haben, bis zu einer späteren Zeit. Diese kam und mit ihr manche Erklärung dessen, was mir in der Jugend geheimnisvoll und rätselhaft war, was Jahre hindurch wie ein Traum über meiner Seele lag.
Heute weiß ich, daß der nächste Stern am Himmel, – der nächste Nachbar unserer großen Sonne, – am südlichen Himmel steht. Die Astronomen haben ihn »alpha centauri« genannt, weil diese Sonne, – eine Schwester der unsrigen, – im Sternbilde des »Centauren« leuchtet.
Wollten wir eine Reise nach jenem Sterne unternehmen, dann müßten wir, wenn das möglich wäre, Millionen von Jahren alt werden. Als wir unsere Sonne beschrieben, hörten wir, daß sie zwanzig Millionen Meilen von unserer Erde entfernt ist. Das ist ein sehr weiter und langer Weg; aber der Pfad nach dem Sterne alpha im Bilde des »Centauren« ist 225 000mal weiter.
225 000mal 20 Millionen Meilen Weges, – das ist eine riesenhafte Entfernung.
Als wir von den Monden des Planeten Jupiter in unserem Sonnenreiche sprachen, erfuhren wir, daß sie einem Astronomen ein Mittel boten, zu berechnen, welche Wegestrecke das Licht in einer Sekunde zurücklegt 300 000 Kilometer sind es oder etwa 45 000 deutsche Meilen! Mit dieser »Einheit« haben wir die Räume unseres Sonnenreiches vermessen und festgestellt, daß der Mond 50 000 Meilen von uns, Jupiter 100 Millionen, der Neptun aber 600 Millionen Meilen von der Sonne entfernt ist.
Mit der Maßeinheit: »300 000 Kilometer« kommen wir aber in den Räumen der nächtlichen Sterne nicht aus. Wir müssen uns deshalb nach einer anderen Maßeinheit umsehen.
Zwischen zwei Schlägen unseres Herzens umkreist der Lichtstrahl beinahe achtmal unseren Erdball. Wir zerlegen eine Stunde in Sekunden, und erhalten die Zahl 3600. Wir zerlegen weiter einen Monat in Sekunden und die Summe, die wir in der Rechnung erzielen, wird enorm groß sein. Noch größer aber wird sie werden, wenn wir ein Jahr in Sekunden zerteilen! Wir multiplizieren diese Summe nun mit 300 000 Kilometern und erhalten so den Weg, – in Kilometern ausgedrückt, – den das Licht in einem Jahre zurücklegt. Diese Wegstrecke ist die »Einheit«, mit der wir die Sternenräume und die Entfernungen der einzelnen Sterne voneinander ausmessen. Diese Maßeinheit heißt das »Lichtjahr«! Wenden wir sie nun auf die Entfernung unserer Sonne vom Sterne alpha im Bilde des »Centauren« an, dann hören wir, daß das Licht 4½ Jahre unaufhörlich eilen muß, ehe es von dort bis zu uns gelangt!
Die Astronomen sagen, der Stern »alpha centauri« am südlichen Himmel ist 4½ Lichtjahre von uns entfernt!
Würde der Stern alpha im Bilde des »Centauren« in dieser Stunde erlöschen, wir erführen das nicht sofort, sondern erst nach 4½ Jahren, denn solange ist das Licht von dort bis zu uns unterwegs.
Daß das Licht von jenem Sterne überhaupt zu uns gelangt, daran ist der Äther Schuld! Er ist der »unsichtbare Draht«, auf dem die »Lichtdepeschen aus der fernen Sternenwelt« zu uns gelangen. Dieser Äther ist ein überaus feiner Stoff, dessen Dasein wir nur annehmen, jedoch ihn sichtbar nicht nachweisen können. Er füllt ganz bestimmt die Räume zwischen den einzelnen Sternen aus und stellt vielleicht den Urzustand des Stoffes dar, aus dem sich einst alle Weltkörper, die heute in den Tiefen des Raumes funkeln, bildeten und noch bilden werden. Der Äther wäre also das »große Meer«, in dem die »Sternenschifflein« schwimmen! –
Am Maßstabe des »Lichtjahres« gemessen, hören wir weiter, daß der Sirius, – die hellste Sonne an unserem Winterhimmel, – acht Lichtjahre, der Polarstern achtzig Lichtjahre, die schöne Wega im Bilde der »Leier« 96, – nach anderen 46 Lichtjahre, – und der im rötlichen Lichte schimmernde Arktur im Sternbilde des »Bootes« 137 Lichtjahre von uns absteht.
Würde in dieser Stunde der »Stern am Pole« sein Licht verlieren, die Schiffer auf dem Meere stellten noch volle achtzig Jahre lang den Kurs ihrer Schiffe nach ihm ein, und solange, bis der letzte Lichtstrahl nach achtzig Jahren von ihm aus zu uns gelangt wäre! Dann würde der Polarstern erst für uns erloschen sein, eher nicht!
Tafel 12.
Die schöne Sterngruppe der »Plejaden« im Bilde des »Stieres«.
(Originalaufnahme. Photographiert von Prof. Barnard, Yerkessternwarte U. S. A.)
Ohne jeden Zweifel sehen die Astronomen mit ihren Fernrohren noch immer zu Sternen am Himmel auf, die längst erloschen sind; aber der letzte Lichtstrahl ist bei uns von ihnen noch nicht eingetroffen. Mithin sind sie für unseren Anblick auch noch nicht verschwunden! Ganz sicher sind schon zahllose Sonnen aus den Nebeln, die wir im ersten Kapitel dieses Buches kennen lernten, hervorgegangen; aber wir sehen sie in unseren Teleskopen noch nicht als Gestirne, weil der erste Lichtstrahl, den sie lange schon aussandten, bei uns noch nicht angelangt ist.
Es gibt Sterne am Himmel, die hunderte, ja tausende von Lichtjahren von uns entfernt sind! –
Wo aber sind die Grenzen der Sternenwelt? –
Die moderne Himmelsforschung sagt uns, daß die Milchstraße aller Wahrscheinlichkeit nach die Grenze ist, die die für uns sichtbare Welt abschließt. Die äußeren Sterne der Milchstraße, – so hat man in der Rechnung gefunden, – sollen 7000–12 000 Lichtjahre von uns entfernt sein. 12 000 Jahre muß der schnellflüssige Bote »Licht« ununterbrochen also eilen, will er uns von dorther eine Kunde bringen!
Ob aber die Grenzen der Welt dort wirklich sind? Die einen nehmen es an, die anderen verneinen es. Sie sagen, daß jenseits dieser Grenzpfähle noch zahllose Sterne sich befinden können, die wir nur deshalb nicht mehr gewahren, weil Fernrohr und photographische Platte zu schwach sind, um sie uns zu zeigen.
Eins aber steht, – mögen die Grenzen der Welt dort liegen oder nicht, – fest, daß alles menschliche Maß und alle menschliche Größe vor diesen Maßen und vor diesen Größen am Firmamente verschwindet! Die Maße und die Größen, die in den Räumen der Sternenwelten herrschen, sie lehren uns, wie klein die Erde und wie klein unser großes Sonnenreich ist. Sie zeigen uns die Allgewalt dessen, der Raum und Zeit, solche Maße und solche Größen einst ins Dasein rief! –
Diese fabelhaften Größen und Entfernungen in den Weltallsräumen lehren uns, daß wir bescheiden und demütig sein sollen!
Das Licht aller Sterne, die wir am Himmel erkennen können, es flutet durch den Raum und nimmt im Lichtbilde alle Ereignisse mit hinaus, die sich auf der Oberfläche dieser Sterne abspielen.
Sehen wir zur erleuchteten Scheibe des Vollmondes empor, dann erblicken wir dunkle Flecken, Krater und Gebirge auf ihr. Sie bilden das »Mondgesicht«, das nur im Lichte des Mondes sichtbar wird!
So senden auch die übrigen Gestirne im Lichte ihr Bild hinaus in den Raum und aus allen diesen Lichtbildern, – goldenen Lettern im großen Buche der Ewigkeit, – setzt sich die gesamte »Geschichte der Gestirne« zusammen. Diese Geschichte ist aber die der ganzen Welt! – Wie wunderbar ist doch diese Erkenntnis, daß alles, was in der »Welt des Großen« und in der »Welt des Kleinen«, – auf unserer Erde nämlich, – sich ereignet, im Lichte zusammenfließt, daß auch die Sterne am Himmel durch das Licht miteinander so verbunden werden, – wie wir Menschen mit unseren Eltern, Geschwistern und Mitmenschen durch die Kraft des Geistes verbunden sind, der uns denken und handeln läßt.
Das Sternenlicht redet eine gar wunderbare Sprache, die immer und überall den preist, der die Sterne erschuf und der jene Harmonie über seine Schöpfung legte, die den Kundigen am Firmamente in grenzenloses Erstaunen versetzt! –
Mag der Naturforscher mit dem Mikroskop noch soviel Wunderbares entdecken, mag er noch soviel Schönheit und Reichtum an Formen unter seinen geschliffenen Gläsern auf Erden erblicken, das, was uns Fernrohr, Spektroskop und photographische Platte am gestirnten Himmel offenbaren, ist viel großartiger, viel wunderbarer und weihevoller! Gerade deshalb hat man ja auch die Astronomie die »Königin der Naturwissenschaften« genannt! Sie öffnet dem menschlichen Auge und der Seele die Tür zur Werkstatt des Schöpfers!
Ist der Abend angebrochen und beginnt die Nacht ihre schwarzen Schwingen auf die Erde zu legen, dann öffnen die Sterne am Firmamente ihre kleinen Fenster und äugen zu uns hernieder! Immer einer nach dem andern kommt mit seinem Lichte!
Erst erscheinen nur wenige. Es sind die hellsten Sterne, dann kommen immer mehr zum Vorschein und, – wenn es ganz dunkel geworden ist, – sieht der nächtliche Himmel aus, als wäre er mit lichten Punkten übersät!
Durch all' diese Lichter an ihm windet sich ein zarter mattschimmernder Schleier. Es ist die geästelte Milchstraße, – ein »Wasserfall« von glitzernden »Sonnen-Tropfen«, wenn wir irdisch und poetisch von ihr reden wollen! –
Der Laie, der noch nie durch ein Fernrohr zum Himmel aufschaute und auch sonst von den Errungenschaften der Astronomie wenig gehört hat, nimmt stets an, daß die Zahl der Gestirne, die wir mit dem bloßen Auge erblicken können, unbegrenzt sei!
Das ist aber ein arger Irrtum, denn wir sehen mit dem bloßen Auge am ganzen Himmel nicht mehr als 5719 Sterne und von diesen in unseren nördlichen Gegenden nur die Hälfte, denn die 5719 Sterne verteilen sich auf beide Himmelshemisphären, – auf die nördliche und die südliche! –
Wir erblicken also bei uns nur allerhöchstens 3000 Sterne am Nachthimmel!
Diese, mit dem bloßen Auge sichtbaren Sterne teilt der Astronom, – nach dem Grade ihrer Helligkeit, – in sechs Klassen ein, und zwar in der Weise, daß er in die erste Klasse die hellsten, in die zweite Klasse die weniger hellen und in die sechste Klasse endlich die Sterne zählt, die gerade noch so hell sind, daß er sie mit dem bloßen Auge erkennen kann!
Was über die sechste Helligkeitsklasse hinausliegt, das ist dem Fernrohre vorbehalten. Dies sieht schärfer, als das Auge, und zeigt uns viele Millionen von Sternen!
Betrachten wir mit einem genügend stark vergrößernden Teleskope eine Stelle am Himmel, an der mit dem bloßen Auge höchstens 3–4 Sterne zu sehen sind, dann werden wir ungemein erstaunt sein. Im Fernrohre zeigen sich uns nämlich dort mehrere hundert Sterne! –
Die Sterne, die uns das Fernrohr offenbart, teilen wir in zehn Klassen ein. Wir sagen, das Teleskop zeigt uns Sterne bis hinab zur sechzehnten Helligkeitsklasse. Dann aber versagt auch seine Kraft und die photographische Platte, die wieder noch viel besser sieht, als das Fernrohr, muß einspringen! Sie offenbart uns noch Sterne, die wir im Fernrohre nicht mehr erkennen können; aber damit ist nicht gesagt, daß der Sternenreichtum dort erschöpft sei, wo die photographische Camera versagt! Ganz im Gegenteil! Es können Millionen von Gestirnen noch vorhanden sein, die uns auf ewig verborgen bleiben, weil eben unsere Sehwerkzeuge und Hilfsmittel nicht ausreichen, um sie uns erkennbar zu machen.
Sterne am Himmel gibt es, wie Sand am Meere! Unzählige Sterne bevölkern also den weiten Raum; aber mit dem bloßen Auge sehen wir von dieser Unzahl nur einen ganz verschwindend kleinen Teil, im Ganzen 5719 Stück!
Tausende von Jahren ist der Menschheit diese Erkenntnis verborgen geblieben. Alles, was man darüber wußte, war Vermutung! Was hat uns Fernrohr und lichtempfindliche Platte schon offenbart und, was werden die späteren Geschlechter noch erfahren? Wir wissen es nicht; aber das eine wissen wir, daß der Geist des Menschen nicht still steht, sondern rastlos vorwärts drängt zu neuen Erfolgen, zu immer größerer Einsicht und Klarheit!
Über einhundert Millionen Sterne enthüllen die Riesenfernrohre, die einige Sternwarten der Erde besitzen, unserem Anblick. Ein jeder Stern ein leuchtendes Gottesauge, das erhaben und friedvoll zur Erde niedersieht!
Muß sich nicht die Seele des Empfänglichen weiten, wenn er am Fernrohre unter diesem nächtlichen Zauber sitzt, unter all' diesen Diamanten, Rubinen, Topasen und Smaragden? Diese märchenhafte Pracht der Sternennacht gehört zu dem Schönsten, was unser Auge genießen darf; aber wie wenige Menschen vertiefen sich in sie, wie wenige blicken zum gestirnten Firmamente auf und denken auch nur einmal über das nach, was dort oben flammt und zittert! – Die hellsten Sterne am Firmamente stellen sich für unseren Anblick zu Bildern zusammen!
In einer schönen W-Form zeigt sich uns das Sternbild der »Cassiopeja«. Das Bild des »Schwans« sieht aus wie ein langgestrecktes Kreuz, und das des »großen Löwen« wie ein umgekehrtes Fragezeichen.
Unsere Vorfahren lasen aus den Gestirnen mit Hilfe der Phantasie noch mehr heraus als wir, und so entstanden Sternbilder, deren Namen an die Götter- und Heldensagen der Alten gemahnen. In jenen Tagen hat das Sternbild des »Orion« (des himmlischen Jägers) seinen Namen erhalten, ferner das des »großen und kleinen Bären« (eigentlich das der »großen und kleinen Bärin«), weiter das des »Herkules«, – des gigantischen Helden, – das der »Andromeda«, – der sagenhaften Königstochter, – und endlich das des »Cepheus«, – des Königs der Äthiopier!
Alle die Sternbilder, die man in mehr oder weniger phantastischer Weise im Altertume benannt hat, teilte man in drei Klassen ein. In die erste gehörten die Sternbilder des nördlichen Himmels, in die zweite die des südlichen Firmamentes und in die dritte endlich die des Tierkreises oder des Zodiakus. –
Zweiundzwanzig Sternbilder umfassen, – diese Einteilung ist bis heute verblieben, – den nördlichen Himmel. Zu ihnen gehören die bereits genannten des »großen und kleinen Bären«, des »Cepheus« und der »Cassiopeja«. Aus vierzehn Bildern baut sich der südliche Himmel auf, und dazwischen liegt der Gürtel des Tierkreises. Dieser setzt sich aus den folgenden zwölf Sternbildern zusammen: »Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Wage, Skorpion, Schütz, Steinbock, Wassermann und Fische«. –
Die Sonne und die Planeten mit ihren Monden durchwandern im Laufe eines Jahres diese zwölf Sternbilder des Tierkreises. Das Bild des »großen Bären« an unserem Nordhimmel kennt heute jedes Schulkind. Vier helle Sterne bilden den Leib des Tieres oder den Kasten des Wagens, da man das Bild auch den »großen Wagen« nennt. Drei helle Sterne aber stellen die Deichsel des Wagens oder den Schwanz des Tieres dar.
Verbinden wir nun die beiden hellen Sterne an der rechten Wagen- oder Körperseite des Tieres durch eine gedachte Linie miteinander, und verlängern wir diese um das Fünffache nach oben hinaus, dann gelangen wir zu einem anderen hellen Sterne, der am Himmelspole steht, nämlich zu unserem Polarsterne.
Er ziert die Deichselspitze des »kleinen Wagen« oder die Schwanzspitze des »kleinen Bären«. Das Sternbild wird deshalb so genannt, weil es Ähnlichkeit mit dem des »großen Bären« oder des »großen Wagen« hat.
Der mittelste Stern in der Deichsel des »großen Wagen« oder im Schwanze des »großen Bären« heißt Mizar. Die Araber haben ihm diesen Namen gegeben. Über ihm gewahren wir ein weniger helleuchtendes Sternchen, das Alkor (Reiterlein) heißt.
Wenn wir eine klare Winternacht bis zum Frühmorgen im Freien verbringen würden, dann gewahrten wir, daß sich einige Sternbilder im Kreise um den Himmelspol, – also um den Polarstern, – herum bewegten. Man nennt diese Sternbilder deshalb auch Circumpolarsterne. Zu ihnen gehören der »große und kleine Bär«, der »Drache«, der »Cepheus«, die »Giraffe«, die »Jagdhunde«, die »Zwillinge«, der »Fuhrmann«, der »Perseus«, die »Cassiopeja«, der »Schwan«, der »Herkules«, der »Bootes« und die »Jagdhunde«.
Durch diese scheinbare Bewegung des Sternenhimmels um den Pol, die nur eine Folge der Drehung unserer Erde um ihre eigene Achse ist, wird bewirkt, daß das Bild des »großen Bären« einmal links und einmal rechts vom Pole, bald über und bald unter ihm steht!
Wir beobachten den gestirnten Himmel in einer klaren Winternacht bald nach Weihnachten, und zwar etwa gegen zehn Uhr des Abends.
Der »große Bär« steht rechts vom Polarsterne und sein Schwanz hängt nach unten zur Erde nieder. Gegen Morgen erblicken wir das Bild über dem Himmelspole. Es ist also im Laufe der Nacht ein großes Stück nach oben gerückt, und am kommenden Abend um zehn Uhr wird es wieder an der alten Stelle zu finden sein.
Dem »großen Bären« gegenüber liegt das Bild der »Cassiopeja«, das, – wie schon bemerkt wurde, – die Form eines großen lateinischen W hat. Links vom »großen Bären« finden wir die »Jagdhunde« und unterhalb beider Gestirne den »großen Löwen«. Rechts von diesem wieder sind der »Krebs«, die »Zwillinge«, die »Wasserschlange« und der »kleine Hund«; links vom »großen Löwen« aber der »Bootes«, die »nördliche Krone«, die »Schlange«, die »Wage« und die »Jungfrau«.
Der hellste Stern im Bilde des »großen Löwen« heißt Regulus. Den beiden hellen Sternen in den »Zwillingen« hat man den Namen Castor und Pollux gegeben.
Der hellste Stern im »Bootes« wird Arktur genannt. Von ihm hörten wir früher bereits!
Der hellste Stern in der »nördlichen Krone« heißt Gemma und der in der »Jungfrau« Spica.
Im Südosten sehen wir an unserem Winterhimmel noch ein sehr schönes, großes Sternbild. Es sieht aus, wie ein auseinandergezogenes Trapez und heißt »Orion«. In seiner Mitte können wir drei helle Sterne dicht nebeneinander gewahren. Sie bilden den »Jakobstab« oder den »Gürtel des Orion«. Mit dem bloßen Auge noch erkennen wir unterhalb des Jakobstabes eine mattschimmernde Stelle. Es ist die des großen Orionnebels!
Die hellsten Sterne im »Orion« heißen Beteigeuze, – an der linken, oberen Ecke des langgestreckten Trapezes, – dann Bellatrix, – an der rechten oberen, – und Rigel, – an der rechten unteren Trapezecke. In der Umgebung des »Orion« finden wir das Sternbild des »Perseus« mit dem hellen Sterne Algol, dann das des »Stieres« mit den Hyaden und den Plejaden, – zwei sehr schönen Sternengruppen, die wir später noch näher kennen lernen werden, – weiter das des »Widders«, des »Walfisches«, des »Eridanus« und des »Hasen«. Links vom Sternbilde des »Orion« haben wir den »großen Hund« mit dem im Demantlichte funkelnden Sirius, – der schönsten und hellsten Sonne an unserem Winterhimmel! Die Siriussonne war der Stern des Gottes Isis-Sothis, der im alten Pharaonenlande Egypten eine hohe Verehrung genoß und dem zahlreiche Tempel geweiht waren.
Man findet sich am gestirnten Himmel sehr bald zurecht, wenn man, – mit Hilfe einer Sternkarte, – die Sternbilder aufsucht. Am besten wählt man als Ausgangspunkt das Bild des »großen Bären« und hält dann nach jedem weiteren Sternbilde in der Richtung nach Norden, Osten, Süden und Westen hin Ausschau.
Die Sternkarte hält man dabei über den Kopf, und zwar in der gleichen Weise, wie es uns der Sternenhimmel mit seinen Bildern anzeigt.
Außer den Sternkarten gibt es noch Himmelsgloben, mit denen man sich am gestirnten Firmamente zurechtfinden kann; aber man muß sich dann den hohlen Himmelsglobus aus Glas und die Sterne auf ihm als dunkle oder goldene Punkte denken. Der Beobachter versetzt sich im Geiste in den Mittelpunkt dieser gläsernen Himmelshohlkugel und schaut in ihr nun auf zur Kugelschale. Er wird dann an ihr die Sternenpunkte genau so erblicken, wie wir sie am Firmamente von der Erde aus sehen können.
Im Altertume glaubte man, daß die Sterne an eine gläserne Kugelschale, die sich über der Erde wölbte, fest angeheftet seien. Von dieser Vorstellung rührt der Name »Fixsterne« her, der bis zur Stunde in der Himmelskunde verblieben ist. Die »Fixsterne« (Stellae fixae) waren die an den Himmel fest gehefteten Sterne, zum Unterschiede von der Sonne, dem Monde und den Planeten, die an besonderen Kugelschalen aus Kristall hingen und zugleich mit der »Fixsternsphäre« (der gläsernen Kugelschale mit den Fixsternen) nun die in dem Mittelpunkte des Weltalls ruhende, zylinderförmige Erde umkreisten.
Diese Anschauung hat die kommende Zeit aber als irrig gebrandmarkt und durch eine bessere ersetzt. Sie hat nachgewiesen, daß die Erde nicht still in der Mitte des Weltalls steht, sondern, daß sich Erde und Mond und alle übrigen Planeten, die wir kennen, um unsere Sonne drehen, daß diese also der Mittelpunkt des Reiches ist, in dem sie herrscht und in dem die Planeten weilen.
Die moderne Forschung hat uns noch mehr über diese Bewegung verraten, nämlich, daß die Sonne selbst nicht still im Raume steht, sondern in ihm dahinschreitet.
Aber nicht bloß die Sonne hat diese Bewegung durch den Raum, sondern alle ihre Schwestern am Firmamente haben sie, – all' die Sterne, die wir in dunkler Nacht im Äther funkeln sehen!
Man sagt, die Sterne am Himmel haben eine Eigenbewegung! –
Wir wissen heute, daß unser Tagesgestirn nach dem Sternbilde des »Herkules« (nach der Meinung anderer Forscher nach dem hellen Sterne Wega in der »Leier«), und zwar mit einer Schnelligkeit von 19 Kilometern in der Sekunde hineilt, ferner, daß ein heller Stern im Bilde des »großen Bären« in einem Jahre eine Wegesstrecke zurücklegt, die 11 000 Millionen Kilometer lang ist. Mit einer Geschwindigkeit von 350 Kilometern in der Sekunde eilt dieser Stern also durch den Raum. Wir erfuhren endlich, daß Sirius im Bilde des »großen Hundes« auf das Sternbild der »Taube« zueilt und die helle Wega in der »Leier« auf unsere Sonne hin. Andere Sterne wieder schwingen nach der Milchstraße.
Die Beobachtungen der letzten Jahre haben ergeben, daß diese »Eigenbewegungen« die Gestirne am Firmamente uns erscheinen lassen, wie einen großen Bienenschwarm, dessen einzelne Glieder nach allen Richtungen der Windrose auseinanderfliegen; aber trotzdem herrscht auch hier, wie überall im Weltall, die größte Ordnung!
Durch langwierige Rechnungen und unermüdliche Beobachtungen hat man festgestellt, daß das ganze »Volk der Sterne« auf der weiten Himmelsau sich unserem Anblick darstellt, wie zwei endlose Karawanenzüge, die schweigend in der Wüste aneinander vorüberziehen. Keine von diesen beiden Karawanen weiß, woher die andere kommt und wohin sie zieht! Sie kennen nur den augenblicklichen Weg, auf dem sie an einander vorüberwandern!
Von unserer Erde aus sehen wir dieses Vorüberziehen der beiden »Stern-Karawanen« (der beiden Sternströme) und können es feststellen! Staunend stehen wir und fragen uns: »Woher mögen diese beiden Sternströme kommen und wohin mögen sie ziehen?« –
Nur die eine Antwort gibt es auf diese große Frage. Sie lautet: »Aus der Ewigkeit, – in die Ewigkeit!«
Wenn wir an einigen klaren Abenden, die aufeinander folgen, den hellsten Stern Algol im Sternbilde des »Perseus« recht aufmerksam beobachten, dann werden wir finden, daß er seine Helligkeit verändert. Das Licht Algols nimmt einmal zu und dann wieder ab. Der Lichtwechsel zeigt also eine Periode, und Sterne, die einem solchen Lichtwechsel unterworfen sind, nennt man »veränderliche«.
Einer der merkwürdigsten »veränderlichen Sterne« neben Algol ist der Stern Mira (der Wunderbare) im Bilde des »Walfisches«. Er strahlt im roten Lichte! Interessant ist ferner noch ein Stern im Bilde der »Leier« (lyra). Nach diesen drei genannten Sternen werden alle »veränderlichen Sterne«, die wir kennen, – es sind deren etwa 500, – in drei Klassen eingeteilt, nämlich in die »Algol-, Mira- und Lyrasterne«.
Welches ist der Grund des Lichtwechsels bei diesen »veränderlichen Sternen«? –
Bei den Algolsternen nimmt man an, daß eine leuchtende Sonne eine andere, die bereits dunkel geworden ist und ihr Licht verloren hat, umkreist. In diesem Umkreisen blendet die dunkle Sonne die helle ab; sie raubt ihr also zeitweise das Licht. Die Dauer des Lichtwechsels hängt von der Zeit ab, in der sich die dunkle Sonne um die helle bewegt.
Bei den Mirasternen indes liegt die Sache anders!
Am Eingang dieses Buches wurde gesagt, daß man aus der Farbe der Gestirne auf ihr Alter Schlüsse ziehen könne.
Sterne, die, – wie der Sirius im Bilde des »großen Hundes«, – im weißblauem Lichte leuchten, gehören zu den jungen Sternen. Wenn wir in der Sprache der Dichter von ihnen reden wollen, dann müssen wir sagen, daß sie die »Sternenkinder« sind!
Hat ein Stern aber lange genug das weißblaue Lichtkleid getragen, dann vertauscht er es mit einem gelben. Er tritt in das zweite Stadium des Sternenalters ein, nämlich in das Mannesalter. In diesem gelben Lichtgewande sehen wir unsere Sonne am Himmel und auch den hellen Stern Capella im Bilde des »Fuhrmann« am nördlichen Firmamente. Unsere Sonne und die Capella sind also um vieles älter, als der Sirius.
Wenn unsere Sonne und die Capella lange genug das gelbe Gewand getragen haben, dann werden sie es ab- und das rote anlegen. Dies ist das Kleid der »Sternengreise«, und in ihm sehen wir nur sehr wenige Sterne am Himmel. Zu ihnen gehört der bereits genannte Stern Mira im »Walfisch«.
Die roten Sterne sind also die ältesten, die wir im Weltall kennen. Ihre einst feurigflüssige Oberfläche fängt an, sich mit einer dünnen Kruste zu überziehen. Die rote Sonne beginnt zu erkalten. Nun kann es aber vorkommen, daß heftige Strömungen im Innern dieser Sonne die dünne Kruste durchbrechen. Wir hörten Ähnliches schon bei der Besprechung der Sonnenflecken und Sonnenflammen (Protuberanzen). Glühende Gase und metallische Massen strömen aus dem Innern des Sonnenkörpers hervor und kühlen sich an seiner Oberfläche dann ab. Diese Auswürfe sehen wir von unserer Erde aus auf der Oberfläche jener Sonnen, und wir deuten sie als »Neue Sterne«!
Der »rote Flecken« auf dem Jupiter läßt auch diesen Weltkörper als einen kleinen »Neuen Stern« in unserem Sonnenreiche erscheinen!
Auch bei den Mirasternen unterliegen diese Ausbrüche gasiger und feurigflüssiger, metallischer Massen einer Periode.
Vielleicht sind die Sonnenflecken, die auf unserem Tagesgestirne ja gleichfalls eine Periode von elf Jahren besitzen, Anzeichen dafür, daß unsere Sonne in den Zustand der »Mirasterne« übergehen will. – Vielleicht ist auch unsere Sonne ein »veränderlicher Stern« am Himmel.
Der Lichtwechsel der »Lyrasterne« ist in ähnlicher Weise zu erklären, nur ist die Periode, in der sich dieser Lichtwechsel vollzieht, noch größeren Schwankungen unterworfen.
In einem gewissen Zusammenhange mit den »veränderlichen Sternen« stehen die »neuen Sterne« am Himmel, – auch Novae genannt.
Ein solcher »neuer Stern«, – eine Nova, – die in der Geschichte der Himmelskunde unserer Tage eine sehr große Bedeutung erlangt hat, erschien im Monat Februar des Jahres 1901, und zwar im Sternbilde des »Perseus«.
An jener Stelle des Himmels zeigte sich ganz plötzlich ein »neuer Stern«, den man nie vorher dort gesehen hatte. Seine Helligkeit war erst so groß, wie die der Venus oder des Sirius; aber sie nahm allmählich wieder ab, und nach Verlauf einiger Wochen trat die Nova in die Klasse der »veränderlichen Sterne« ein.
Die Photographien, die man von diesem »Neuen Sterne« im Bilde des »Perseus« erhielt, zeigten weite, wallende Nebelmassen rings um die Nova herum. Das Spektroskop verriet uns, daß dort zwei Sonnen, die durch den Raum wanderten, aneinander gerannt waren. In diesem Zusammenpralle waren beide Sonnen zerschellt worden und hatten sich in die Nebelform aufgelöst.
Mit unseren feinen Hilfsmitteln, – Fernrohr, Spektroskop und photographischer Platte, – konnten wir den Verlauf der Katastrophe am Himmel so verfolgen, wie er sich zugetragen hatte; aber nicht in jener Februarnacht des Jahres 1901 war sie erfolgt, sondern Hunderte von Jahren früher. Das Licht war nur solange unterwegs, um uns die Schreckenskunde zu bringen!
Wenn sich um jene beiden Sonnen, die im Bilde des »Perseus« aneinander prallten und zerschellten, Planeten drehten und einer von diesen Planeten bewohnt war, dann erlebten die Bewohner in der Katastrophe einen schrecklichen Weltuntergang!
Außer diesem »neuen Sterne« im Bilde des »Perseus« sind ihrer eine ganze Anzahl schon vorher erschienen. Man kann ruhig sagen, daß ein jedes Jahrhundert seinen »neuen Stern« hatte. Die wichtigsten Novae unter den uns bekannten waren die des Jahres 1572 und des Jahres 1604. Die erste erschien im Bilde der »Cassiopeja« und wurde von dem berühmten Astronomen Tycho Brahe beobachtet und beschrieben. Er hat diesen »neuen Stern« den »Pilgerstern« genannt. Die zweite Nova erschien im Bilde des »Schlangenträgers« und wurde von Johannes Kepler beschrieben.
Mit Hilfe der Photographie hat man in den letzten zehn Jahren verschiedene »Neue Sterne« entdeckt, oft auf Platten, die schon vor Jahren belichtet worden waren. Die meisten dieser so gefundenen »neuen Sterne« flammten in der Milchstraße auf!
Das deutet wieder darauf hin, daß in ihr noch feurige Kämpfe zwischen den einzelnen Sonnen herrschen, und daß diese Kämpfe notwendig sind, um die Harmonie auch hier herzustellen, die wir sonst überall im Weltall finden! Für eine harmonische Entwicklung der einzelnen Sonnen sind große Abstände von einander sicher nötig. Diese aber werden durch Katastrophen geschaffen, wie wir sie in den »neuen Sternen« kennen lernten!
Tafel 13.
Ein Teil der Milchstraße im Sternbilde des »Schwan«.
(Fast in der Mitte des Bildes gewahren wir den berühmten Nordamerikanebel. Zerklüftete Kanäle und Höhlungen durchsetzen überall den Sternenreichtum. Diese Gegend ist eine der interessantesten und auffallendsten in der nördlichen Milchstraße. Originalphotographie von Prof. Max Wolf in Heidelberg.)
Nicht alle »neuen Sterne« lassen sich durch die Annahme von Zusammenstößen zweier Sonnen erklären, sondern wir müssen andere wissenschaftliche Deutungen suchen. Sie alle hier zu nennen, würde zu weit führen. Nur eine sei erwähnt, die nämlich, welche will, daß die größere Sonne auf der kleineren, – vermöge ihrer stärkeren Anziehungskraft, – Erscheinungen hervorruft, welche denen ähnlich sind, die der Mond, – vermöge seiner Anziehungskraft, – auf den Meeren unserer Erde auch bewirkt. Auf der kleineren, feurigflüssigen Sonne werden also durch die größere Sonne ebbe- und flutartige Vorgänge erzeugt. Diese sehen wir in unseren Beobachtungsinstrumenten und deuten sie als »Neue Sterne«! –
Wenn wir den Stern Betha im Bilde des »Schwanes« mit einem Fernrohre untersuchen, dann bemerken wir, daß dieser Stern aus zwei Sonnen besteht, die sich umeinander drehen. Wir nennen ein solches Sternpaar einen Doppelstern, und ihrer gibt es sehr viele in den Räumen des Alls. Ja, – man behauptet neuerdings sogar, daß jede zweite Sonne am Firmamente ein Doppelstern sei, und unsere Sonne als Einzelstern eine Ausnahme bilde. Aber, – vielleicht ist auch sie mit dem großen Jupiter, den wir ja eine »erlöschende Sonne« nannten, ein Doppelstern und wird als ein solcher von den Bewohnern in den Systemen ferner Sonnen gesehen!
Einen anderen, sehr schönen Doppelstern, an dem man auch die Sehschärfe kleiner astronomischer Teleskope prüft, birgt das Sternbild des »großen Bären«. Es ist der schon genannte Stern Mizar in der Deichsel des »großen Wagen« oder in der Schwanzspitze des »großen Bären«. Über ihm steht ein zweiter Stern, der den Namen Alkor (Reiterlein) hat. Wenden wir auf die beiden Sterne ein genügend stark vergrößerndes Fernrohr an, dann finden wir, daß sowohl Mizar, als auch Alkor Doppelsterne sind. In Wirklichkeit stehen hier vier und nicht zwei Sonnen am Himmel!
Zahlreich sind die Doppelsterne in den Sternbildern des »Orion«, des »Widder« und des »Perseus«. Man kennt ihrer bis jetzt über 15 000 Stück!
An einigen Stellen des Raumes finden wir Sternsysteme, wo sich drei und noch mehr Sterne umeinander, also um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen.
Im großen Orionnebel steht ein sechzehnfacher Stern, der das »Trapez« heißt. Sechzehn Sonnen bilden hier ein einziges Sternsystem, und alle diese sechzehn Sterne drehen sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt.
Die Doppel- und mehrfachen Sterne bilden den Übergang zu den »Sterngruppen oder Sternhaufen«, die wir noch kennen lernen werden. Man könnte, wenn man mit dem Fernrohre beobachtet, glauben, daß die beiden Sonnen eines Sternpaares sehr eng beisammen stehen, denn oft ist der Zwischenraum, der beide Sonnen voneinander trennt, nicht größer als die Breite eines Haares. Indes diese Ansicht wäre falsch, denn die Sonnen eines Doppelsternes sind oft viele Millionen Kilometer von einander entfernt. So steht der Begleiter beim Doppelstern Pi im Bilde des »Schlangenträgers« von seinem Hauptsterne etwa 4500 Millionen Kilometer ab. Auch der nächste Nachbar unserer Sonne, – der Stern Alpha im Bilde des »Centauren« am Südhimmel, – ist ein solcher Doppelstern, und die beiden Sterne dieses Paares sind über 4000 Millionen Kilometer von einander entfernt!
Die großen Abstände der beiden Sterne eines Paares schmelzen deshalb so zusammen, weil die Sonnen ungeheuer weit draußen im Raume stehen, – oft Hunderte von Lichtjahren weit von uns!
Wenn wir auf der Eisenbahn oder auf der Landstraße uns von einer Stadt entfernen, dann sehen wir, wie die Türme kleiner werden und die Häuser eng zusammenrücken. Je weiter wir nun kommen, umso mehr schmilzt alles in einen dunklen Punkt zusammen. Das Gleiche ist in der Sternenwelt der Fall. Auch wir sind von jenen Doppel- und mehrfachen Sternen ungeheuer weit entfernt. Infolgedessen, schrumpfen die Abstände zwischen den einzelnen Sternen eines solchen Paares zur Breite eines Haares oft zusammen. –
Wir lernten im vorangegangenen als hauptsächlichste Farben der Gestirne die weiße, die gelbe und die rote kennen.
Nun finden sich aber in den Doppel- und mehrfachen Sternsystemen Farben, die uns ganz eigenartig anmuten. Wir sehen nämlich, wie weiße Sonnen gelbe, blaue und rote umwandeln; aber wir finden auch Sonnen, die in den Komplementär- oder Ergänzungsfarben rot und grün, blau und gelb aufleuchten.
Knüpft man an das Objektiv des Fernrohres, mit dem man beobachtet, einen dünnen Faden, und blendet man mit ihm nun bald die eine, bald die andere Sonne des betreffenden Sternpaares ab, so findet man, daß beide Sonnen des Paares die ihnen eigentümliche Färbung behalten. Die bunten Farben sind also diesen Doppelsternen eigen. Das wird stets der Fall sein, wenn sich eine weiße Sonne um eine blaue, rote oder grüne dreht oder, wenn zwei blaue und zwei rote Sonnen einander umkreisen.
So ist bei dem schon genannten Doppelsterne Betha im »Schwan« der Hauptstern rötlich, der Begleiter indes blau. Rot ist der Hauptstern beim Sterne Nr. 2 in den »Jagdhunden« und blau sein Begleiter.
Wir besitzen sogar Doppelsterne, in denen die eine Sonne lila- oder aschfarben, die andere aber weiß aussieht.
Im Sternbilde der »Andromeda« haben wir einen dreifachen Stern. Der eine von ihnen ist grün, der andere blau und der dritte goldfarbig.
Wenn wir über das Licht solcher bunter Sonnen, die der Schöpfer zu einem System vereinigte, nachdenken, dann muß es uns ergehen, wie dem Derwisch im Märchen aus »Tausend und einer Nacht«!
Nehmen wir einmal an, wir erwachten eines Morgens nach erquickendem Schlafe auf einem Planeten, der sich um eine solche buntfarbige Sonne, – wie wir sie hier kennen lernten, – wälzt.
Anstatt unserer, in gelbem Lichte strahlenden Sonne wäre dort am Frühmorgen eine blaue, oder eine grüne oder eine rote Sonne über den östlichen Gehängen emporgestiegen und hüllte alles nun in die ihr eigene Glut!
Ganz anders gefärbt würde das Erdreich aussehen, ganz anders der Spiegel des Meeres, ganz anders der Pflanzenteppich und der Wald. Am Mittag ginge diese bunte Sonne in Westen schon unter, und eine andere stiege im Osten auf, um über die Stunden des Nachmittags zu gebieten.
Wieder würde alles in die Lichtfülle dieser anderen, bunten Sonne getaucht sein.
Die Pracht und Schönheit, die diese beiden, bunten Sonnen in der Landschaft jenes Planeten hervorriefen, wäre unbeschreiblich; aber eins stünde fest, wir würden diese Lichtfülle, diesen Wechsel des Lichtes, diese zweischattigen Tage und den höchst eigenartigen Zauber einer auf einen solchen Tag folgenden Mondnacht nicht mit unsern irdischen Augen zu ertragen vermögen. Unser ganzer Organismus würde sich gegen den Einfluß solchen Sonnenlichtes sträuben!
Wir würden zugrunde gehen! –
Wenn der Schöpfer in das Reich solcher buntfarbigen Sonnen Lebewesen gesetzt hat, damit sie unter dem Einflusse dieses Lichtes dort gedeihen, dann müssen diese Lebewesen ganz anders aussehen und ganz anders geartet sein, als wir Menschen, als unsere Tiere und Pflanzen es sind.
Unmöglich wäre es nicht, daß sich im Reiche solcher Sonnen das Leben entfaltet hat, denn wir sehen ja auf unserer Erde schon, daß es unter Bedingungen gedeiht, die uns manchmal mit Staunen erfüllen. Der Schöpfer hat viele Möglichkeiten, um seine Absichten geltend zu machen. Infolgedessen können auch dort Wesen wohnen. Nur wissen wir es nicht und können uns auch keine Vorstellung davon machen, wie sie beschaffen sein müssen, um leben zu können!
Die beiden Sterne, – nämlich der Hauptstern und der Begleiter, – eines Paares stehen oft so eng beieinander, daß wir sie mit den größten und schärfsten Teleskopen nicht zu trennen vermögen. In diesem Falle müssen wir das Spektroskop zu Hilfe rufen. Das sagt uns, daß es sich hier um Doppelsterne handelt. Wir nennen solche Doppelsterne, die nur das Spektroskop in zwei einzelne Sterne aufzulösen vermag, »spektroskopische«.
Spektroskopische Doppelsterne finden wir im Bilde der »Jungfrau«, des »Stieres«, des »Fuhrmanns« und des »Perseus«.
Auf dem sehr interessanten Gebiete der modernen Doppelsternforschung haben sich besonders die Astronomen Struve in Dorpat (Rußland), Vogel in Potsdam und in jüngster Zeit der Amerikaner Burnham, – ein ehemaliger Zeitungsredakteur, – rühmlichst hervorgetan.
Gerade Burnham war es, der, – vermöge seiner vorzüglichen Augen, – im Fernrohre noch eine ganze Anzahl von Sternen in Doppelsterne auflöste, die andere Beobachter als solche nicht mehr erkennen konnten.
Im Spektroskop ermittelt man die Doppelsterne dadurch, daß man Obacht gibt, ob sich die sogenannten Spektrallinien verdoppeln. Von einem jeden Sterne wird im Spektroskop nämlich ein aus den sieben Farben des Regenbogens bestehendes Spektrum (Farbenband) erzeugt. In diesem Farbenbande aber zeigen sich dunkle Linien, die man, – nach ihrem Entdecker Fraunhofer, – die »Fraunhoferschen Linien« benannt hat. Diese geben uns an, aus welchen Stoffen eine Sonne besteht und mit welchen sie sich umhüllt. Die Fraunhoferschen Linien sagen uns, daß unsere Sonne Eisen, Zink, Wasserstoff, Helium (Sonnengas) usw. besitzt. Sie erzählen uns ferner, daß diese Stoffe sich auch auf den anderen Sonnen, – den Schwestern der unsrigen, – vorfinden!
Verdoppeln sich nun die Fraunhoferschen Linien, wenn wir das Spektroskop auf einen Stern einstellen, dann wissen wir, daß es sich hier nicht um eine Sonne handelt, sondern um zwei, – also um einen Doppelstern! –
Überall da, wo wir an einer Stelle des Raumes sehr viele Sterne eng beieinander finden, sprechen wir von einer Sterngruppe oder einem Sternhaufen! Es sind Sonnengemeinschaften, in denen nicht eine Sonne herrscht, sondern in denen mehrere Sonnen das Zepter schwingen.
Im Sternbilde des »Stieres« haben wir zwei solcher Sterngruppen oder Sternhaufen. Es sind die Hyaden und die Plejaden. Sie wurden an anderer Stelle des Buches bereits erwähnt.
Die mit bloßem Auge schon sichtbaren Hyaden sehen aus, wie ein großes lateinisches V. Der hellste Stern in dieser Gruppe heißt Aldebaran. Er bildet das Auge des Stieres! –
Die Gruppe der Plejaden hatte in grauer Vorzeit eine Bedeutung. Sie war das Schiffer- oder Siebengestirn, das der römische Dichter Ovid besang.
Mit dem bloßen Auge kann man sieben helle Sterne in dieser Gruppe erkennen, – daher der Name »Siebengestirn«. Ein schärferes Auge sieht neun bis elf Sterne. Wendet man aber ein Teleskop zur Beobachtung der »Plejaden« an, dann erkennt man mehrere hundert Sterne, eng beisammen stehend.
Die hellsten Sterne in den »Plejaden« heißen Maja, Merope, Elektra, Taygeta, Alkyone und Celaeno. Alle diese Sterne werden von lichten Nebelmassen umgeben, die ihre feinen, strahligen Ausläufer weit in den Weltenraum hinaussenden. Der Astronom Mädler war der Meinung, daß der Stern Alkyone in den »Plejaden« die Zentralsonne sei, um die alle Sonnen am Firmamente, – auch die unsrige, – kreisten. Spätere Beobachtungen und Berechnungen haben aber ergeben, daß diese Zentralsonne nicht bloß überflüssig, sondern sogar ganz unmöglich ist. Die Photographien, die man von der Sterngruppe der »Plejaden« erhalten hat und die die Nebelmassen um die einzelnen Sterne in ihr sehr deutlich zeigen, gehören zu den schönsten, die wir besitzen.
Mit dem bloßen Auge kann man auch die Sterngruppe im Bilde des »Krebses« erkennen. Sie wird die Krippe genannt.
Hyaden, Plejaden und Krippe bezeichnet man als sogenannte stark zerstreute Sternhaufen. Sie sind also nichts anderes, als sternreiche, aber eng begrenzte Gebiete am Himmel.
Von den stark zerstreuten, also den unregelmäßigen Sternhaufen unterscheiden sich scharf die regelmäßigen oder kugelförmigen. Zu ihnen gehört der im Bilde des »Centauren« am südlichen Himmel. Als nähere Bezeichnung haben ihm die Astronomen den griechischen Buchstaben Omega beigegeben.
Man hat diesen Sternhaufen wiederholt nach einzelnen Sternen in ihm abgezählt und gefunden, daß er über 6000 Einzelsonnen enthält. Im Fernrohre erscheint er in schöner Kugelform, und es sieht aus, als hätte man Nadeln mit goldenen oder silbernen Köpfen eng nebeneinander in ein rundes, schwarzsammtenes Kissen gesteckt. Dem bloßen Auge erscheint die Gruppe als ein mattleuchtendes, verwaschenes Gebilde.
Zwischen den beiden hellen Sternen Etha und Zetha im Bilde des »Herkules« haben wir einen anderen Sternhaufen von runder Form. Auch er ist mehrfach nach einzelnen Sternen abgesucht worden, und man hat gleichfalls über 6000 Einzelsonnen in ihm gefunden.
Sternhaufen haben wir fast in allen Sternbildern, die wir an unserem Himmel kennen, und die meisten von diesen Gruppen sind photographisch aufgenommen worden.
Bei den kugelförmigen Sternhaufen können wir sowohl im Fernrohre, als auch auf den Photographien deutlich erkennen, daß sie am Rande mattschimmernd und verwaschen aussehen, nach der Mitte hin aber an Helligkeit zunehmen. Auch finden sich in den Sternhaufen sehr viele »veränderliche Sterne«, also solche, die einem Lichtwechsel unterworfen sind.
Manche Sternhaufen sehen im Fernrohre nicht größer aus, wie eine Glaskugel, die die Kinder zum Spielen benützen; aber die einzelnen Sonnen in diesen Gruppen stehen in Wirklichkeit doch viele Tausend und Millionen Kilometer von einander entfernt.
Auch unsere Sonne steht inmitten eines solchen Sternhaufens, den wir unseren »Sonnensternhaufen« nennen. Dieser liegt in der Nähe des sogenannten Wirbelpunktes der Milchstraße, nicht weit vom Sternbilde des »Schwanes«.
Noch eins fällt uns bei der genauen Betrachtung der Sterngruppen in die Augen, nämlich, daß sie ungleich über den Himmelsraum verteilt sind, und zwar in der Weise, daß wir überall da, wo viele Nebel sich befinden, wenige oder gar keine Sternhaufen haben, und überall dort, wo sich keine Nebel zeigen, viele Sterngruppen antreffen.
Ganz besonders zahlreich stehen sie in der Nähe der Milchstraße am südlichen Himmel.
Hier haben wir zwei ganz eigenartig geformte Gebilde, die man die »Kohlensäcke« genannt hat.
Auf den Photographien sehen diese »Kohlensäcke« aus, wie zwei neblige Massen von dunkler Färbung. Einige Forscher sind der Meinung, daß sie von einem dunkeln Körper herrühren, der zwischen uns und der Milchstraße liegt. Sie stellen Unterbrechungen der Milchstraße dar.
Interessant ist auch der »Andromedanebel« – ein großer Sternhaufen, der alle Arten von Weltkörpern und diese wieder in allen Altersstufen enthält! –
Wir finden in ihm noch völlig unberührte Materie, aus der sich in der Folgezeit Sonnen bilden werden, ferner schon fertige Sonnen, die aber noch von einem Glorienscheine aus weltbildenden Stoffen umgeben sind, sogenannte »Nebelsterne«, weiter Sonnen im Erstlingszustande ihres Daseins im Weltall, also noch in der Weißglut strahlend, dann Sonnen, die im gelben oder roten Lichte flammen, und endlich Sonnen, die schon dunkel geworden sind. Deren Dasein können wir nur aus der Tatsache folgern, daß sich in diesen Sternhaufen auch »veränderliche Sterne« aufhalten. Das Licht der hellen wird durch die dunklen Sonnen, wie wir schon hörten, zeitweilig abgeblendet und verringert!
In diesen Sternhaufen werden sich auch Planeten befinden, die wir gleichfalls nicht sehen können, weil sie in dem von der zu ihnen gehörenden Sonne entlehnten Lichte leuchten, ferner werden Meteore durch den Raum dort jagen und Kometen in die Reiche der einzelnen Sonnen, die die Sterngruppe bilden, eindringen!
Sterngruppen, wie der »Andromedanebel« stellen also kleine Weltalle (Universa) dar, inmitten des gewaltig großen Universums! –
Der »Andromedanebel« war den Sterndeutern des Altertumes bereits bekannt. Er wurde im Jahre 1612 von Simon Marius in Ansbach von neuem entdeckt und dann wiederholt beobachtet, beschrieben und in neuerer Zeit auch photographiert. Wenn wir eine solche Photographie des Nebels zur Hand nehmen, dann sehen wir in dem länglich geformten Gebilde zunächst einen hellen Kern. Um diesen herum legen sich zwei lichte Arme. Der ganze »Andromedanebel« hat also die Form einer Spirale! Wenn wir noch schärfer zusehen und außerdem das Spektroskop befragen, dann erfahren wir, daß dieser Nebel gar kein Nebel, also kein Gasgebilde, sondern ein Sternhaufen in unermeßlicher Ferne von uns ist. Die einzelnen Sterne in ihm können wir nicht mehr mit dem Fernrohre erkennen, weil der »Nebel« viel zu weit von uns absteht; aber das Spektroskop weist uns unzweifelhaft nach, daß es sich hier um einen Sternhaufen handelt. Wie wir es bei den einzelnen Sternen in der Gruppe der »Plejaden« hörten, so umgeben auch im »Andromedanebel« die einzelnen Sterne dieser Gruppe lichte Nebelmassen. Auch hier haben wir wie in unserem eigenen »Sonnensternhaufen« gasige Massen und Sterne eng zusammengehörig miteinander verbunden.
Der »Andromedanebel« steht viele tausend Lichtjahre von uns ab, und es gibt Forscher, die der Meinung sind, daß er ein All außerhalb unseres Universums (Weltganzen) ist, und daß er nicht mehr von jenem silbernen Bande umschlossen wird, das die Milchstraße heißt und die den Grenzwall der für uns sichtbaren Welt bilden soll! –
Die Milchstraße, das größte unter dem Endlich-Großen im Kosmos (dem Weltall) zieht sich durch die Sternbilder des »Schwanes«, des »Fuchses«, des »Adlers«, des »Schlangenträgers« (Ophiuchus), des »Schildes des Sobieski«, des »Schützen«, des »Skorpion«, des »Altar«, des »Centauren«, des »Schiffes Argo«, des »Einhorn«, der »Zwillinge«, des »Orion«, des »Fuhrmann«, des »Perseus«, der »Cassiopeja« und des »Cepheus«.
Am südlichen Himmel spaltet sie sich in zwei Äste. Der eine von ihnen geht über den »Adler« nach dem »Schwan« hin, der andere aber vom »Skorpion« nach dem »Schlangenträger« und von hier gleichfalls nach dem »Schwan«. In diesem Sternbilde vereinigen sich also die beiden Teile miteinander und bilden den sogenannten »Wirbelpunkt der Milchstraße!« –
Der Einheitsstrom des galaktischen Äquators (der Milchstraße) geht durch den »Cepheus«, die »Cassiopeja«, den »Perseus« und den »Fuhrmann«, windet sich dann zum »Orion« hinüber und durch das Sternbild der beiden »Hunde« (großer und kleiner Hund) bis zum »Schiffe Argo«.
Wenn man aufmerksam den Lauf der Milchstraße verfolgt, dann findet man, daß sie einen großen Kreis bildet; aber diese Ringform ist keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare, denn die genauesten Beobachtungen und Messungen haben ergeben, daß das »Sonnenband der Milchstraße« eine spiralige Form besitzt, wie wir sie bei der Besprechung der Spiralnebel im ersten Kapitel dieses Buches schon kennen lernten!
In ihrem ganzen Verlaufe ist die Milchstraße von Buchten und Kanälen durchsetzt. Es zeigen sich in ihr wolkenartige Verdickungen und dann wieder von Sternen ganz leere Stellen, sogenannte »Sternwüsten«.
Sechzehn Sternwarten des Erdballes befassen sich zur Zeit damit, das ganze Himmelsgewölbe photographisch aufzunehmen, und zwar zu dem Zwecke, um einen großen Sternatlas zu schaffen. Wenn dieses große Werk menschlichen Geistes und Fleißes fertig sein wird, dann haben wir über hundert Millionen Sterne am Himmel in diesem Atlas festgelegt; aber unter diesen einhundert Millionen Sternen werden die der Milchstraße nicht enthalten sein. Man hat die Milchstraße poetisch einen »Wasserfall von Sonnentropfen« genannt. Ist dieser Vergleich berechtigt? Ganz gewiß ist er berechtigt, denn ein Wasserfall setzt sich doch aus Millionen und Abermillionen von Wassertropfen zusammen! –
Wir wissen bereits, daß die Sonnen, welche die Milchstraße bilden, unermeßlich weit von uns entfernt sind, und wir wissen auch, daß, – von uns aus gesehen, – in solchen Weiten alles eng zusammentritt, daß Abstände, welche viele Millionen von Kilometern betragen, in einen Punkt zusammenfließen!
Nun sehen wir aber einen breiten milchigen Schimmer, der das ganze Firmament umspannt. Eine fabelhaft große Zahl von lichten Punkten muß also dieses breite, lange Lichtband bilden.
Mögen der Sonnen dort auch noch so viele sein, man hat doch den Versuch gemacht, sie zu zählen! Es klingt beinahe wie vermessen, wenn man dies hört. Wie hat man das aber gemacht, und was hat man dabei gefunden? – Nun, man hat die Milchstraße stückweise photographisch aufgenommen, und unter einem stark vergrößernden Mikroskope die belichteten Platten nach Sternpunkten abgesucht. Hierbei ergab sich, daß die Milchstraße schätzungsweise etwa 200 Millionen Sonnen enthält.
200 Millionen Sonnen in der Größe der unsrigen! Das ist etwas, was wir nicht begreifen und uns nicht vorzustellen vermögen!
Welcher unermeßlich große Raum ist nötig, um alle diese Sonnen unterzubringen, – Sonnen, die unsere schon recht große Erde millionenmal an Größe übertreffen!
Und der Astronom sagt uns, daß man die Zahl der Sonnen in der Milchstraße nicht genau schätzen könne! 200 Millionen Sonnen nimmt man in ihr an; es können aber auch 400 oder 600 Millionen sein. Wir wissen es nicht! Hier hört eben unsere Vorstellung und alles Grübeln auf! Hier sind wir mit unserem Sehen, Prüfen und Forschen zu Ende! – Ich höre die Frage eines meiner Leser: »Was ist aber hinter der Milchstraße, wenn diese die Grenze der für uns sichtbaren Welt sein soll?«
Ja, – lieber Freund, wenn wir das wüßten! –
Ich nehme an, daß dort das Nichts ist; aber, was ist das Nichts? – Hier sind wir fertig mit unserer Erkenntnis, denn, wenn wir das »Jenseits der Milchstraße« ergründen könnten, würden wir vielleicht die ganze Schöpfung übersehen! Das aber sollen wir nicht. Die letzten Absichten hat sich der Ewige vorbehalten; aber er hat uns weit genug hinein sehen lassen in seine Werkstatt. In diesem Einblick liegt jedoch etwas anderes für uns mit begründet, das nämlich, daß unser Geist wirklich göttlichen Ursprunges ist, denn wir reichen mit ihm bis zu Gott und bis an seine Werke heran! Es gibt einige, die behaupten, daß jenseits der Milchstraße sich neue Milchstraßen dehnen und so fort in alle Ewigkeit! Das ist ganz schön; aber einmal muß auch das ein Ende nehmen. Hinter diesem Ende aber steht Gott, der die Welten in die Erscheinung rief und der sie wiederum vergehen lassen wird, wenn es ihm gefällt!
Wie die Welten vergehen werden, das wissen wir nicht, ebenso wenig, wann sie vergehen werden! Wir sehen nur, daß alles, was Gott in irgend einer Form einst schuf, diese Form wieder ablegen muß! – Wir sehen, wie die Jahreszeiten wechseln, daß die Blütenpracht des Frühlings und des Sommers vergeht, daß die Jahre eilen, und daß wir selbst aus der Mitte unserer Lieben hier scheiden müssen. Nichts Erschaffenes kann ewig dauern! –
Mithin müssen auch die Weltkörper die Form und Gestalt ablegen, in der wir sie heute am Firmamente leuchten sehen. Auch sie müssen vergehen, wenn ihre Zeit gekommen ist!
Die Himmelsforschung hat darüber Vermutungen angestellt, und im folgenden Kapitel wird die Rede von diesem »Vergehen der Weltkörper« in den Tiefen des Raumes sein! …
Fünftes Kapitel.
Das Ende der Welten!
»Nach der Trübsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, der Mond wird seinen Schein nicht mehr geben, die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden!«
(Matth. 24, 15–35.)
Als ich noch ein kleiner Knabe war, da ging ich eines Morgens in den Osterferien einmal hinaus ins Feld.
Ein Bauersmann pflügte dort mit seinen Pferden. Als er mich sah, winkte er mir! Ich ging zu ihm hin, und er zeigte mir drei große Kugeln, die er ausgeackert hatte. Sie stammten aus den Tagen der Hussiten!
Diese hatten einst auch unser Dörflein von ihrer Wagenburg aus belagert und mit ihren Lederkanonen beschossen.
Ich nahm mir eine Kugel mit und legte sie im Garten meines Vaterhauses, – des Schulhauses im Dorfe, – auf einen steinernen Sims. Hier hat sie viele Monate gelegen. Die Kugel war aus Sandstein und zeigte von dem langen Liegen in der Erde tiefe Gruben. Sie sahen aus, wie Narben. Im Winter hüllte die Kugel der Schnee ein und manchmal war sie, wenn es am kalten Tage geregnet hatte, mit einer dicken Eisschicht überzogen. In den Narben stand dann Wasser und auch dieses gefror hart. Im Frühjahre, wenn die Sonne wärmer schien und die Kugel auftaute, dann erschienen Sprünge auf ihrer Oberfläche die einige dieser Pockennarben miteinander verbanden.
Tafel 14.
Das astrophysikalische Observatorium auf dem Königsstuhl bei Heidelberg.
(Eine der bedeutendsten Sternwarten des Erdballes.)
Eines Tages wurde in unserem Garten ein Baum gefällt, und man schleifte ihn unvorsichtig hinaus. Die Äste kamen dem Sims und der Kugel zu nahe. Sie wurde zur Erde geworfen und zerschellte in Stücke!
Ich war traurig, daß man mir eine unschuldige Freude zerstört hatte und nahm die Scherben in die Hand. Sie waren morsch und schwammig und, da sie wertlos waren, warf ich sie hinaus auf die Straße.
Heute, wenn ich an jene Geschichte mit der Kugel denke, weiß ich, daß ich als Kind an der alten »Hussiten-Kugel« im kleinen einen Vorgang sich vollziehen sah, der sich auch an den Weltenkugeln im großen abspielt!
Betrachte ich einmal den Mond in meinem Fernrohre, dann muß ich an meine alte Kugel aus der Hussitenzeit denken, denn auch sie zeigte Pockennarben und Sprünge wie der Mond, weil sie morsch geworden war. Sollte der Mond auch morsch und schwammig geworden sein, gleich jener Steinkugel?
Vielleicht! –
Der Astronom sagt uns, daß er den Mond für einen erstorbenen und verbrauchten Körper ansieht. Auf ihm ist alles Leben erloschen, und er hat weder Luft noch Wasser, oder doch davon nur so wenig, daß es sich kaum lohnt, darüber zu reden. Die Kälte des Weltenraumes, – 273 Grad Celsius unter Null, – umgibt den Mond. Vierzehn Tage lang ist er der Kälte ausgesetzt, und vierzehn Tage wieder hüllt ihn die feurige Glut der Sonne ein. Dieser Kampf der Hitze gegen die Raumkälte muß den Mond langsam aufreiben. Er wird also im Laufe der kommenden Zeit allmählich zerbröckeln. Die abgebröckelten Stücke werden dann die ganze Bahn bedecken, auf der der Trabant die Erde umwandert und, wenn der Begleiter der Erde ganz zertrümmert ist, dann wird unser Planet von einem Staub- oder Meteorring umgeben sein, wie wir es bei unserer Sonne im Zodiakallicht und beim Saturn in seinem Ringsystem sehen können.
Oder, – der Mond wird einst auf die Erde, aus der er sich bildete, niederstürzen und auf ihr zerschellen. In diesem Aufprall wird er aber auch die Erde in Stücke schlagen und dabei eine solch' enorme Hitze erzeugen, daß beide Körper sofort verbrennen! –
Auf alle Fälle würde der Niedersturz des Begleiters unseres Planeten auf diese einen schrecklichen Weltuntergang heraufbeschwören, und zwar für die Lebewesen, die auf Erden dann noch wohnen.
Der Erde kann aber noch auf eine andere Weise das Ende drohen! – Auch sie wird im Laufe der kommenden Zeiten Luft und Wasser verlieren und, – von der Raumkälte umgeben, – zu einem Eisklumpen erstarren. Wir wissen, daß unsere Gebirge immer mehr verwittern und abbröckeln. Das Gleiche aber geschieht mit der Erde selbst. Sie wird ebenfalls morsch werden und in Trümmer zerfallen, und diese werden dann, wie ein Staubring, die Sonne umgeben.
Es wurde angedeutet, daß die Räume zwischen den einzelnen Körpern in unserem Sonnenreiche mit einem feinen Staube angefüllt sind, der vom Zodiakallicht herrührt und auch von den Überresten der Kometen (den Meteoriten). –
Unter diesen, die ziel- und regellos das Reich unserer Sonne durchwandern, kann es aber solche geben, deren Durchmesser mehrere Kilometer beträgt. – Träfe nun unsere Erde auf ihrer Wanderung um die Sonne mit einem solchen Trümmerstücke zusammen, dann würde sie in ihrem schnellen Laufe aufgehalten und eine unheilvolle Katastrophe wäre unvermeidlich.
Man hat ausgerechnet, daß es genügen würde, die Erde, die 103mal schneller als eine Kanonenkugel um die Sonne herum fliegt, dann sofort in einen Gasnebel zu verwandeln, wenn man sie in ihrem Laufe nur um einen Kilometer aufhält.
Wir hörten, daß die Bahnen der Planeten um die Sonne herum, – also auch die unserer Erde, – nicht ganz kreisförmig, sondern elliptisch sind.
Auf ihrer Wanderung um die Sonne muß die Erde nun unaufhörlich einmal jenen überaus feinen Stoff verdrängen, der das ganze Weltall bis zu den fernsten Sternen hin erfüllt und den wir Äther nennen. Sie muß aber dann auch eine große Menge von Staub (Zodiakallicht- und Meteoritenstoff überwinden, der unser Sonnenreich noch anfüllt. Die Sonne übt eine sehr große, anziehende Kraft auf alle Körper aus, die um sie herum kreisen. Sie will sie auf ihre Oberfläche herabziehen! Damit dies aber nicht geschieht, besitzen die Körper, die um die Sonne wandern, eine Kraft, die sogenannte »Fliehkraft«. Vermöge deren heben sie die zu starke Anziehung der Sonne auf, und so kommt es wieder, daß die Planeten in geordneten Bahnen um das Tagesgestirn herumwandern!
Die Erde hat also auf ihrer Reise um die Sonne unaufhörlich einen Widerstand zu überwinden, den nämlich, den ihr Äther und Weltentrümmer (Meteoriten) entgegenstellen. Sie wird demnach unaufhörlich, – wenn auch kaum merklich, – in ihrer Bewegung gehemmt. Die Folge davon ist, daß unsere Sonne die Erde immer näher an sich heranzieht. Mit andern Worten ausgedrückt heißt dies, die Bahn der Erde wird eine Spirale! Nun wissen wir aus der Küche unserer Mutter, daß der wie eine Spirale aussehende Schneeschläger nach dem Stiele hin immer engere Windungen zeigt. Denken wir uns an diesem Stiele die Sonne. Je enger also die Bahn wird, die die Erde um die Sonne herum beschreibt, umso größer wird die Anziehungskraft der Sonne. Eines Tages aber wird diese anziehende Kraft der Sonne so groß sein, daß die Fliehkraft, die die Erde besitzt, ihr nicht mehr Trotz zu bieten vermag. Unser Planet wird dann in die Sonne hineingerissen werden und in diesem »Feuerpfuhle« sofort mit allem, was auf ihm ist, verbrennen. In diesen Flammentod wird unserer Erde der Mond folgen, wenn er noch am Leben sein sollte!
In der gleichen Weise, wie es hier von unserer Erde und von unserem Monde geschildert wurde, werden alle Planeten und alle übrigen Monde im Reiche unserer Sonne ihr Ende finden!
Sie müssen in der Form, in der wir sie heute am Firmamente prangen sehen, vergehen.
Auch die Sonne kann nicht ewig dauern! –
Noch erblicken wir sie in einer zum Teil feurigflüssigen und zum Teil gasigen Gestalt; aber sie wird einst erkalten, so wie die Erde fest geworden und erkaltet ist. Wenn sie auch unvorstellbar lange Zeiten in diesem erkalteten Zustande dann noch verharren kann, so muß sie doch allmählich morsch werden und zerbröckeln. Sie wird also ebenso zerfallen, wie die Kometen, die die Sonne auflöst, und, wie meine Steinkugel aus der Hussitenzeit, die in der Erde und in deren Feuchtigkeit morsch geworden und verwittert war.
Das wäre die eine Möglichkeit, die unsere Sonne vernichten könnte. Es gibt aber noch andere!
Unsere Sonne eilt mit den Kindern ihres Hauses, – den Planeten, – durch den Raum, und zwar nach dem Bilde des »Herkules«, nach anderer Ansicht nach dem Sternbilde der »Leier«, – hin. Auf dem Wege nach dort kann sie einer erkalteten, also nicht mehr leuchtenden Sonne begegnen und mit ihr zusammenprallen. In diesem fürchterlichen Anpralle würden beide Sonnen zertrümmert und in den Raum hinausgeschleudert werden! Wahrscheinlicher aber ist es, daß durch den Zusammenstoß eine solch' ungeheuere Hitze erzeugt würde, daß beide Sonnen samt allem, was zu ihnen gehört, sofort verbrannt, also in einen Gasnebel verwandelt würden.
Es wäre dies ein schrecklicher Weltuntergang für alle Lebewesen, die sich auf den Planeten im Gefolge der beiden Sonnen befänden.
Unsere Sonne kann auf ihrer Reise durch den Weltenraum und nach dem »Herkules« hin aber auch durch eine Wolke aus kosmischen Staub (Meteorwolke) gehen. Dieses Hindurchgehen durch die Wolke kann stunden-, tagelang andauern, wenn die Wolke sehr groß und dicht ist. Die Sonne würde bei ihrer Wanderung durch diese »Wolke aus Weltentrümmern« kaum merklich aufgehalten; aber die Hemmung würde sich sofort, und zwar in großer Hitze verraten! Die Stäubchen, aus denen die kosmische Wolke bestünde, würden zu glühen anfangen und die Glut, die dadurch entstünde, genügte vollauf, um sowohl die Sonne, als auch die Planeten, die zu ihr gehören, in die gasige, – also in die Nebelform, – aufzulösen.
Was unsere Sonne aber treffen kann, das kann auch all' den übrigen Sonnen am Firmamente zustoßen. Daß dies in Wirklichkeit geschieht, lehren uns, – wir hörten es ja, – die »Neuen Sterne!« Diese sind »Brand- und Totenfackeln« in den Räumen des Weltalls, die uns verkünden, daß überall da, wo sie aufflammen, Sonnen zusammenstießen und in diesem Zusammenstoße vernichtet wurden oder, daß Sonnen mit dem Gefolge ihrer Planeten in eine Wolke aus kosmischem Staube eindrangen. In der Hitze, die bei diesem Eindringen erzeugt wurde, nahmen sie entweder einen schweren Schaden oder sie wurden in die Nebelform umgewandelt!
Immer wieder sinken also Sonnen am Ende ihrer Tage in das Grab des Nebels, – in den Urzustand, – zurück!
Solange es Sterne am Firmamente gibt, werden sich solche Katastrophen ereignen!
Einmal aber muß der Tag kommen, an dem alle Sonnen am Firmamente die Altersstufen durchschritten haben, die ihnen der Schöpfer in seinem Willen gönnte. Ist diese Stunde für die letzte Sonne am Himmel gekommen, dann wird auch sie in das »Grab des Nebels« hinabsinken und alles, was einst in lichter Pracht den weiten Raum erfüllte, wird in den Urzustand, – in den Urnebel, – zurückkehren!
Vielleicht wird Gott am Ende der Zeiten dann auch den Urnebel noch vergehen lassen, und er, – der große Allgeist, – wird allein übrig sein von Ewigkeit zu Ewigkeit! –
Wenn die letzte Sonne am Firmamente ihren letzten Lichtstrahl ausgehaucht hat, dann ist die Sterbestunde der sichtbaren Welt angebrochen und, wenn der Urnebel, der am Schluß der Zeiten übrig bleibt, auch vergehen muß, dann wird in diesem Vergehen der »Tod des Universums« gekommen sein! –
Das, was Gott mit dem Urnebel, in den alles wieder zurücksinkt, am Ende der Welt und der Tage vor hat, das wissen wir nicht! Ob er Zeit, Raum und Firmament weiter bestehen läßt oder, ob er aus dem Urnebel neue lichte Sonnen hervorruft, ist sein Geheimnis! –
Die größten Denker aller Zeiten haben darüber nachgedacht; aber sie sind zu keinem Ergebnis gelangt! Hier heißt es, zu schweigen und in Andacht den zu verehren, der so Gewaltiges und Erhabenes, so Schönes und Vollkommenes einst schuf, – nämlich das Firmament mit allen seinen Lichtern! –
Diese sind die »Augen Gottes«, mit denen er unaufhörlich zur Erde und zu den Menschen herabblickt. Sie sind die sichtbare Offenbarung des Ewigen, der die Sterne auf schweigender Bahn durch das Weltall führt, – uns zur Freude, – viel mehr aber noch zum Nachdenken!
»Wie freut sich des Emporschauens zum Sternenheere, wer empfindet,
Wie gering er, und wer Gott, welch' ein Staub er, und wer Gott,
Sein Gott ist! O sei dann, – Gefühl
Der Entzückung, – wenn auch ich sterbe, mit mir!« –
(Klopstock.)