B. Die Welt der Planeten!

»Ein kleines Wörtlein sprach Gott aus,
Klein unter alle Maßen:
Da spranget ihr aus nichts heraus
Auf die bestimmten Straßen.
Auf diesen laufet ihr nun fort
Und webet uns die Zeiten,
Und unaufhörlich helft ihr dort
Uns Tag und Nacht bereiten!« – (F. Spee.)

Unsere große Sonne umwandern in fast kreisförmigen Bahnen acht Planeten!

Sie heißen: »Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun!«

Zwischen dem Mars und dem Jupiter bewegen sich, wie schon erwähnt wurde, noch eine große Anzahl von kleinen Körpern. Wir nennen sie kleine Planeten, Planetoiden oder Asteroiden.

Ebenso, wie die Namen der Wochentage sind auch die der Planeten aus alter Zeit auf uns herübergekommen.

In der Regel teilt man die sieben Körper, welche mit unserer Erde zu unserem Sonnensystem gehören, in zwei große Klassen ein, nämlich in innere und äußere Planeten. Zu den ersteren gehören Merkur und Venus. Zu den äußeren aber zählt man den Mars, den Jupiter, den Saturn, den Uranus und den Neptun.

Der sonnennaheste Planet ist

der Merkur.

Er beschreibt um die Sonne herum eine kleine Bahn und braucht für diese seine Wanderung 88 Tage. Ein Merkurjahr dauert also nur solange. Der Planet ist viel kleiner, als unsere Erde; aber er ist größer als der Erdmond.

Von seiner Oberfläche sehen wir nur sehr wenig, denn einmal steht er so nahe bei der Sonne, daß sie ihn fast immer in ihren Strahlenmantel einhüllt; das anderemal aber wendet er ihr, wie die jüngeren Beobachtungen dargetan haben, stets nur die eine Seite zu.

Ob der Merkur eine Atmosphäre, – also einen Luftgürtel, – wie ihn die Erde besitzt, hat, wissen wir nicht genau.

Ein Teil der Forscher nimmt an, daß der Planet eine sehr hohe und dichte Atmosphäre habe; andere Beobachter wieder sprechen ihm den Luftgürtel ab.

Merkur hat keinen Mond. Wir könnten den Planeten eher einen »Mond der Sonne« nennen. Von dieser ist er acht Millionen Meilen entfernt. Der Planet ist ähnlich wie unser Mond, einem Phasenwechsel unterworfen. Wir sehen ihn also einmal als eine schmale Sichel im ersten und im letzten Viertel, das anderemal als vollbeleuchtete Scheibe und endlich gar nicht.

Die Venus.

Sie ist das schönste Gestirn an unserem Firmamente. Wir sehen sie bald am östlichen Horizonte, und zwar vor Sonnenaufgang, bald am westlichen Himmel und dann nach Sonnenuntergang. Im erstgenannten Falle ist sie unser Morgenstern, im anderen unser Abendstern!

Ihr goldgelbes und starkes Licht hat zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gelenkt.

Im Altertume war der Planet der Göttin Venus geweiht und im Mittelalter der Jungfrau Maria. Er ist der »Dunkelstern der deutschen Dichter« und das Gestirn der Hirten.

Die Venus ist fast so groß wie unsere Erde, also größer als der Planet Merkur und unser Mond.

Sie ist ebenfalls einem Phasenwechsel unterworfen.

Von der Sonne ist sie 14 Millionen Meilen entfernt und umwandert sie in 225 Tagen. Ein Venusjahr ist also über 100 Tage kürzer, als ein irdisches.

Über die Dauer der Tageslänge sind sich die Astronomen noch nicht einig. Die einen behaupten, daß ein Venustag gleich einem Venusjahre, also 225 irdische Tage lang sei. Hierbei gibt man der Vermutung Raum, daß der Planet die Drehung um seine Achse verlangsamt habe.

Die anderen Forscher aber erklären, daß die Venus zu der Drehung um ihre Achse 24 Stunden brauche, daß also ein Venustag die Länge eines irdischen habe.

Diese Annahme wird durch die neuesten Beobachtungen eines Astronomen der Sternwarte zu Pulkowa bei St. Petersburg, – mit Namen Belopolsky, – bestätigt. Man hat den Planeten Venus mit dem Spektroskop untersucht und dabei gefunden, daß er eine hohe und dichte Lufthülle besitzt. Diese ist so dicht, daß wir mit unseren Teleskopen nicht allzutief in sie einzudringen vermögen. Infolgedessen sehen wir auch fast gar nichts von der Oberfläche des Planeten. Die Flecken, die man auf den Hörnerspitzen seiner Sichel hat beobachten können, deuten wohl mehr auf Wolken in seiner Lufthülle hin, als auf Festlande und Meere auf seiner Oberfläche.

Die Beobachtungen, die wir von dem Planeten Venus bisher gewonnen haben, sagen, daß die Atmosphäre jener Welt deshalb wohl so dicht und etwas anders, als die unsrige, zusammengesetzt ist, damit die Strahlen der nur 14 Millionen Meilen von ihm entfernten Sonne nicht allzusehr in seinen Luftgürtel eindringen. Auf diese Weise wäre es möglich, daß das Klima auf jenem Gestirne dem irdischen entspräche. Nach allem, was wir vom »Schwestergestirne der Erde« wissen, dürfen wir annehmen, daß es fast so groß wie unsere Erde ist, daß es Tag und Nacht besitzt, daß die Tage und Nächte dort ebenso lange dauern, als die unsrigen, und daß auch die Venus sicher Festlande, Gebirge und Meere hat wie die Erde.

Unsere Nachbarwelt kann mit Lebewesen bewohnt sein! Diese Wesen können uns Menschen ähnlich sein. Man hat dieses Bewohntsein jener Kugel sogar aus Beobachtungen schließen wollen. Wenn die Venus nämlich als schmale Sichel am Firmamente hängt, dann sehen wir ihren übrigen, – nicht von der Sonne beleuchteten Teil ihrer Scheibe, – in mattes Licht eingehüllt. Er ist in eine Art »Phosphoreszenz« getaucht, – in einen Lichtschimmer, – von dem wir bei der Besprechung der Nebelflecken bereits erfuhren. Dieser seltsame und uns noch ganz rätselhafte Schein, den wir auf jenem Planeten gewahren können, nennt der Astronom das »sekundäre Venuslicht«! Wir werden später bei der Beschreibung unseres Mondes etwas Ähnliches kennen lernen, – nämlich das »sekundäre Mondlicht«! Dieses hat aber eine ganz andere Entstehungsursache als das »sekundäre Venuslicht«. Um das letztere zu erklären, hat man angenommen, daß die Wesen auf dem »Schwestergestirne der Erde« den Pflanzenwuchs der großen Steppen dort zeitweilig anzündeten, daß man diesen Feuerschein bei uns auf Erden im Fernrohre sehen könne und ihn als »sekundäres Licht« deute.

Andere Astronomen glauben, daß die Oberfläche des Planeten teilweise mit einem Gestein bedeckt sei, das ähnlich unserem Bergkristall das Licht der Sonne stark breche. Diese Lichtbrechung vermögen wir in unseren Teleskopen als »sekundäres Licht« zu erkennen. Wieder andere Himmelsforscher behaupten, daß dieser Lichtschein von starken Polarlichtern herrühre, und diese Erklärung scheint die annehmbarste von allen zu sein, denn sie läßt sich noch auf eine andere Weise stützen.

Ist die Sonne nämlich reichlich mit Flecken bedeckt, dann flammen an den Polen unserer Erde prachtvolle Nordlichter auf. Die Beobachtungen haben nun gezeigt, daß das »sekundäre Venuslicht« auch stets stärker schimmert, wenn viele Flecken auf der lichten Scheibe der Sonne sich befinden. Das »sekundäre Venuslicht« kann also sehr wohl von Polarlichtern herrühren.

Der Planet hat keinen Mond, obgleich man eine Zeitlang dies annahm. Er ist also, – wie der Merkur, – ein »Mond unserer Sonne«!

Manchmal kommt es vor, daß die Venus als ein kleines, schwarzes Scheibchen über die Scheibe der Sonne hinwegzieht. Wir können dies mit unseren Fernrohren erkennen und nennen einen solchen Vorübergang des Planeten an unserem Tagesgestirn einen »Venusdurchgang«. Diese Venusdurchgänge sind überaus selten. Kaum zwei ereignen sich in einem Jahrhundert!

Sie bieten dem rechnenden Astronomen aber ein sehr willkommenes Hilfsmittel, um die genaue Entfernung unseres Zentralgestirnes von der Erde zu bestimmen.

Die Erde.

Wenige Menschen denken über die Bedeutung des Planeten, auf dem wir wohnen, und über seine Stellung im Weltenraume nach. Sie gehen Tag für Tag auf ihm ihren Geschäften nach, freuen sich ihres Daseins oder sind traurig über so manches, das ihren Wünschen zuwider ging. So geht die Zeit dahin und mit ihr werden wir alt und gehen selbst aus dieser Welt.

Tausende von Menschen verließen sterbend die Erde, ohne zu wissen und zu erfahren, daß sie nichts anderes, als ein Stern unter den anderen am Himmel ist. Als solcher gehört sie zunächst zum großen Reiche unserer Sonne. Sie ist ein Planet und umwandelt den Sonnenball in 365 Tagen. Wir nennen diesen Zeitraum ein Jahr!

Wir haben früher schon bei der Beantwortung der Frage: »Wie mögen die Sternenwelten entstanden sein?« gehört, daß unsere Erde einst selbst eine kleine Sonne, – ein leuchtender Stern, – war, daß sie sich aber im Laufe langer Zeiten allmählich abkühlte und endlich ein Planet wurde. Als solcher nahm sie den Zustand an, in dem wir sie heute um die Sonne herum schweben sehen.

Trotzdem sie erkaltet und dunkel geworden ist, sendet sie doch noch Licht in den Raum hinaus, und könnten wir uns im Geiste einmal auf unsere Nachbarwelt, – den Mond, – versetzen, dann würden wir sehen, daß unsere Erde als leuchtender Stern am Firmamente des Mondes hängt. Dies ist aber nur aus dem Grunde möglich, weil unser Planet sein Licht von der Sonne erhält. Die Erde erstrahlt als »Mond unseres Mondes« in rotem Lichte.

Alle Planeten unseres Sonnenreiches, – also auch die Erde, leuchten in solchem, von unserer Sonne entlehnten Lichte. Auch unser Mond und alle anderen Monde, die wir in unserem Sonnensystem kennen, empfangen ihr Licht von der Sonne. Nur dadurch werden sie für unser Auge sichtbar!

Unsere Erde ist eine an den Polen abgeplattete Kugel. Bei dem Planeten Merkur und Venus hat man eine solche Abplattung an den Polen noch nicht einwandsfrei feststellen können; aber man nimmt trotzdem an, daß beide abgeplattet sind, weil auch die anderen Planeten unseres Sonnenreiches diese Abplattung an den Polen zeigen.

Der Durchmesser unserer Erde beträgt 12 736 Kilometer. Sie dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre Achse herum. Dadurch wird der Wechsel von Tag und Nacht erzeugt, denn, wenn wir Tag haben, dann ist die eine Hälfte der Erde, in deren Achsendrehung, dem Lichte der Sonne zugewandt und wird von dieser bestrahlt. Haben wir aber Nacht, dann ist die eine Hälfte der Erde, in ihrer Drehung um die eigene Achse, von der Sonne abgewandt. Sie empfängt also kein Licht von dieser.

In früheren Zeiten der Erdgeschichte waren die Tage kürzer. Sie dauerten einmal vier, dann acht, dann zwölf und endlich zwanzig Stunden. Daß sie immer länger wurden, hat vielleicht seine Ursache in unserem Monde. Vermöge seiner Anziehungskraft hebt er das Wasser der Ozeane empor. Er erzeugt dadurch zwei große Wellen, die sich stets nach Westen hin bewegen. Nun dreht sich aber unsere Erde in der Richtung von Westen nach Osten um ihre Achse. Die beiden Wellen sind also dieser Achsendrehung gerade entgegengesetzt.

Sie üben somit eine hemmende Wirkung auf diese Achsendrehung aus, – d. h. mit anderen Worten ausgedrückt, sie bewirken, daß Tag und Nacht auf Erden immer länger werden. Es wird einmal die Zeit kommen, wo die Erde sich in zwei, zehn, zwanzig, hundert und endlich in 365 Tagen einmal um ihre Achse drehen wird. Ist der letztgenannte Zeitpunkt eingetreten, dann wird die Erde der Sonne immer nur die eine Hälfte ihrer Kugel zukehren. Die hemmende Kraft, welche der Mond auf die Achsendrehung unseres Planeten ausübt, nennen wir die »Gezeiten«! Die Bahn, welche der Erdball um unsere Sonne herum beschreibt, ist nicht ganz kreis- sondern eiförmig. Wir sagen, die Erdbahn ist eine Ellipse! Den Punkt der Bahn, auf welchem die Erde unserer Sonne am nächsten steht, nennen wir das Perihel. Der Punkt aber, in welchem sie auf ihrer Wanderung um die Sonne von dieser am weitesten entfernt ist, heißt das Aphel! –

Verbinden wir die beiden Pole der Erde durch eine gedachte Linie miteinander, dann erhalten wir die Achse der Erde. Sie zeigt auf einen Stern in der Schwanzspitze des »kleinen Bären« hin. Die Alten nannten diesen Stern »Kynosura«, d. h. »Hundsstern«. Wir nennen ihn den Polarstern; aber er hat diese Stellung als »Stern am Pole« nicht immer bekleidet. Vor vielen tausend Jahren war ein Stern im Bilde des »Drachen« unser Polarstern. Aus jener Zeit rührt noch das Drachenwappen der Chinesen her, und in etwa 14 000 Jahren wird der hellste Stern im Bilde der »Leier«, den wir die Wega nennen, unser »Stern am Pole« sein.

Als unsere Erde aus dem glühendflüssigen Zustande in den der Erstarrung überging, bildeten sich die Gebirge auf ihr. Diese sind nichts anderes, als große Falten in der alten Haut unseres Planeten. In moderner Zeit hat man wiederholt die Frage aufgeworfen, ob unsere Erde in ihrem Innern gasförmig oder fest sei! Ein Teil der Forscher nimmt das letztere an! Die übrigen aber behaupten, daß unter einer sehr dünnen Kruste, die unsere Kugel nach außenhin abschließt, feurigflüssige Massen lagern und der Erdkern gasförmig sei.

Dieser gasige Kern der Erde indes zeigt eine Starre, wie der Gaskern der Sonne, und zwar aus dem Grunde, weil die über ihm lagernden Schichten ungeheuer auf ihn drücken.

Unsere Erde besitzt einen Luftgürtel, – eine Atmosphäre!

Die wirkliche Höhe dieser vermögen wir nicht genau zu bestimmen. Man hat ihre Höhe auf 350 Kilometer geschätzt; aber dieses Resultat ist ungenau. Der Luftgürtel unseres Planeten, der aus einem Gemenge von Sauerstoff, Stickstoff und Kohlensäure besteht, ist für das Leben der Pflanzen, Tiere und Menschen unbedingt erforderlich. Ohne ihn könnten die Lebewesen auf Erden nicht existieren.

Unter den vielen Rätseln, welche unsere Erde der Forschung ausgibt, seien noch zwei besonders erwähnt, – der Erdmagnetismus und die Polarlichter!

Alle Körper, die wir im Weltall kennen, sind mit jener wichtigen Kraft ausgestattet, die wir die Anziehungskraft (Schwerkraft oder Gravitation) genannt haben. Unsere Erde wirkt aber auch wie ein großer Magnet. Dieser hat zwei Pole, nämlich einen Nordpol und einen Südpol. Der magnetische Südpol unseres Planeten liegt indes neben seinem geographischen Nordpole, und der magnetische Nordpol der Erde neben dem geographischen Südpole derselben. Den magnetischen Südpol konnten wir in Nordamerika, und zwar auf der Halbinsel Boothia-Felix entdecken.

Die Polarlichter sind elektromagnetische Erscheinungen. Sie beruhen also auf starken, elektrischen Entladungen und stehen mit dem Erdmagnetismus in einem bestimmten Zusammenhange, der indes noch nicht genügend erklärt ist.

Blitzen sie am Nordpol der Erde auf, dann nennen wir sie Nordlichter. Zeigen sie sich am Südpol, dann nennt man sie Südlichter. Sie erscheinen oft in großer Pracht und in starkem Glanze, bald in Band-, bald in Fächer- und bald in Wellenform. Sie treten zahlreich stets dann auf, wenn unsere Sonne, – wir hörten dies bereits, – reichlich mit Flecken besetzt ist. Interessant ist auch, – man konnte dies wiederholt beobachten, – daß Erdbeben und vulkanische Erscheinungen bei uns mit den Polarlichtern in einem ursächlichen Zusammenhange stehen. –

Der Mond unserer Erde.

Die Nacht ist lind und lau! Glühwürmchen huschen durch das Dunkel, und die Grillen konzertieren draußen auf der Wiese. Sie begleiten mit ihrem Geigen den frohen Männerchor der Frösche. Am Himmel stehen einige schwarze Wolken, und es sieht aus, als ob in der Nacht ein Gewitter kommen wollte!

»Das wäre nicht gut,« meint der Landmann, der mit Frau und Kindern in der Laube hinter seinem Hause sitzt, »denn wir haben heute das Getreide gehauen! Ich denke, der Mond, der bald herauskommen muß, wird das dunkle Gewölk fressen!« –

Das ist nun einmal ein alter Aberglaube unter den Landleuten, der besagt, daß der gute, alte Mond am Himmel in der Sommernacht die Gewitterwolken zerstöre!

Alle waren still, als der Vater so redete, und als er geendet hatte, horchten sie wieder hinaus in das Dunkel, das belebt war vom geschäftigen Treiben der Nachttiere!

Da mit einem Male veränderte sich die Szenerie!

Die Bäume im Garten, die man vorher in der Finsternis nicht hatte erkennen können, traten, – vom Mondlichte übergossen, – schreckhaft hervor, und ein altes Gemäuer hob sich in magischer Beleuchtung aus dem Schwarz der Nacht ab. Das Licht des Mondes, der aufgegangen war, umfloß alles! Es huschte durch die Blätter und das Geäst der Bäume, es schlüpfte durch die Maschen der Gartenlaube und floh gespenstisch über den Erdboden dahin. Der Mond war in voller Größe nun über dem Dorfe emporgestiegen und begann seine Herrschaft über die Sommernacht!

Wie oft mag er schon auf- und untergegangen sein an unserem Himmel? Was mag er alles schon mit angesehen haben unten auf der leidvollen Erde? Könnte er doch reden, – der alte schelmische Gesell! Er würde uns gar vieles erzählen, was uns heute auch bei ihm noch ganz geheimnisvoll anmutet!

Gar viele Rätsel umgeben ihn ja noch! –

Er, – der Begleiter unserer alten Erde, – ist kleiner, wie diese. Er umwandelt sie in einem Abstande von 50 000 Meilen, und zwar einmal in 28 Tagen. Wir nennen diese Zeit einen Monat. Das ist eigentlich, – bürgerlich gesprochen, – nicht ganz richtig, denn die Monate des Jahres dauern etwas länger!

Er wendet unserer Erde immer nur die eine Seite zu. Trotzdem aber dreht er sich in den 28 Tagen, die er zu einer Wanderung um die Erde herum braucht, doch auch einmal um seine Achse.

Eine Abplattung an seinen Polen hat man nicht feststellen können.

Auch der Mond war einst ein selbstleuchtender Stern. Da er aber kleiner, – als die Erdkugel, – ist, hat er sich auch viel rascher, als diese, abgekühlt. Darum betrachten ihn die Himmelsforscher als einen längst verbrauchten, erstorbenen Weltkörper!

Wenn der Mond sich uns als volle Scheibe zeigt, – wenn wir also Vollmond haben, – dann können wir auf ihm dunkle Flecken erkennen. Nehmen wir beim Betrachten derselben die Phantasie ein wenig zu Hilfe, dann läßt sich aus diesen Flecken ein Gesicht zusammendeuten. Es ist das »Mondgesicht«, mit Grübchen und Stirnfalte, schelmisch lächelnd oder von heftigem Schmerze verzerrt!

Unsere Vorfahren haben aus diesen Flecken das Bild eines Mannes herauslesen wollen, der eine Holzlast auf dem Rücken trägt, oder das eines Hasen!

Im Fernrohre sehen wir die dunklen Flecken noch viel deutlicher, als mit dem bloßen Auge. Wir nennen sie mare, d. h. Meere, und glauben, daß sie die wasserleeren Becken der einstigen Mondmeere seien.

So kennen wir auf unserer Nachbarwelt einen »Ozean der Stürme«, ein »Regenmeer«, ein »Meer der Heiterkeit« und ein »Meer der Ruhe«, einen »Meerbusen des Taues« und einen »Sumpf der Träume«.

Tafel 7.

Süden.

Norden.

Unser Mond im photographischen Fernrohre (bald nach dem ersten Viertel).
(Photographiert mit dem Équatorial coudé [gebrochenem Fernrohre] von Professor Loewy in Paris.)

Heute besitzt der Mond alle diese Meere nicht mehr, denn seine Wassermassen sind in seinen Körper längst eingesunken. Das bißchen Feuchtigkeit, das er noch hat, ist nicht mehr der Rede wert. Wenn wir den Mond mit dem Fernrohre noch aufmerksamer betrachten, dann können wir auf ihm auch Gebirge entdecken. Man hat diesen zum weitaus größten Teile den Namen irdischer Gebirge gegeben. Infolgedessen kennen wir auf ihm die Alpen mit dem merkwürdigen Alpentale, den Vulkan, die Kordilleren, die Karpathen und die Apenninen.

Der Satellit der Erde ist überhaupt sehr gebirgig, viel mehr, als die Erde! Im Fernrohr sehen wir über seine Oberfläche zerstreut, – ganz besonders zahlreich aber um seinen Südpol herum, – Gruben, die unseren irdischen Vulkanen nicht unähnlich sind. Die größten von ihnen haben wir Wallebenen, die größeren Ringgebirge, die kleineren Krater und die kleinsten Kratergrübchen genannt. Wir kennen weit über 40 000 dieser seltsamen Bildungen. Auf unserer Erdoberfläche finden wir dergleichen nicht!

Ein Teil dieser Krater, Ringgebirge und Wallebenen ist unter dem Einfluß heftiger vulkanischer Kräfte dort ganz zweifellos entstanden, ein anderer Teil durch Blasenbildung zu der Zeit, als der Mond noch zähflüssig war. Die Blasen brachen ein, und so entstand der Ringwall des Kraters und die Ebene, die der Wall umrandet. Die kleineren und kleinsten dieser Gruben sind durch das Aufstürzen von Meteoriten (Weltentrümmern) gleichfalls zu der Zeit gebildet worden, als der Mond noch nicht völlig fest und erkaltet war.

Der Trabant der Erde hat fast gar keine Luft mehr, die ihn vor solchem Niedergehen größerer Meteormassen hätte schützen können, wie unser Luftpanzer die Erde schützt.

In der Nähe des Mondsüdpoles sehen wir einen sehr schönen Krater. Er hat den Namen Tycho erhalten. Von ihm aus gehen zahlreiche Streifen nach allen Richtungen der Mondkugel hin. Wir erkennen sie sehr gut dann, wenn die Scheibe des Mondes voll beleuchtet ist. Sie geben ihm an dieser Stelle das Aussehen einer abgehäuteten Apfelsine, und sie leuchten im Strahle der Sonne hell auf. Solche lichte Streifen finden wir auch noch bei einigen anderen Kratern, so bei Kopernikus und Kepler.

Diese Lichtstreifen sind dadurch entstanden, daß der Mond einmal an der Stelle platzte. In seinem noch flüssigen Innern befanden sich Gase. Diese wollten sich entladen und, da ihnen die Kruste der Mondkugel einen Widerstand entgegensetzte, so sprengten sie diese. In die Sprünge drang dann vom Mondinnern her Lava ein und füllte die Risse bis oben hin an. Ja, – es floß sogar Lava über, erhärtete und bildete so eine Art Glasfluß, den wir bei den Ringgebirgen Tycho, Kopernikus und Kepler deutlich erkennen können, wenn diese zur Vollmondszeit im Strahle der Sonne grell aufleuchten.

Auch an anderen Stellen der Mondkugel zeigen sich solche Sprünge, – so in der Nähe der Ringgebirge Sabine, Arago, Ritter und Triesnecker. Diese Risse sind indes nicht mit Lava angefüllt worden, sondern in ihrem ursprünglichen Zustande verblieben. Wir nennen diese Sprünge, die oft durch Berg und Tal hindurchgehen, Rillen!

Man hat den Wallebenen, Ringgebirgen und Kratern auf dem Monde Namen gegeben, meist die berühmter Astronomen und Naturforscher. Einer von diesen Kratern hat eine ganz eigenartige Form. Er sieht aus wie ein großer, flacher Käse. Seine seltsame Gestalt rührt davon her, daß die ganze, vom Kraterrande umsäumte Ebene mit Lava bis oben hin vom Mondinnern her angefüllt wurde.

An anderen Kratern hat man im Laufe der Jahre Veränderungen wahrnehmen können, die auf eine noch nicht ganz erloschene, vulkanische Tätigkeit auf jener Kugel hindeuten.

Wieder andere Krater sehen aus, als hätten sich zwei von ihnen ineinander geschoben, als hätte man zwei Ringe ineinander gesteckt. Man nennt solche Gebilde »Zwillingskrater«. Diese eigenartigen Formationen der Krater gehören zu dem Schönsten, das wir auf dem Monde kennen. Wenn der Begleiter der Erde sich uns als schmale Sichel zeigt, sehen wir im Fernrohre einen Teil von diesen kreisförmigen Gruben an der Lichtgrenze entlang liegen. Die eine Hälfte von ihnen ist dann stets noch in tiefe Finsternis gehüllt; die andere aber wird bereits grell vom Strahle der Sonne beleuchtet, oder der ganze Krater ist voller Licht, und die eine Seite seiner Umrandung wirft einen langen Schatten in die Kraterebene hinein, so daß diese fast ganz mit Schatten ausgefüllt wird.

Aus der Länge dieser Schatten vermag der Astronom die Höhe des Kraterrandes zu bestimmen und in gleicher Weise auch die der übrigen Gebirge auf jener Welt, denn sie werfen, – von den Strahlen der Sonne getroffen, – lange Schatten!

Da wir eine Anzahl von Meeren und Gebirgen auf dem Monde kennen gelernt haben, so vermögen wir nun das schelmisch lächelnde Antlitz des Mondes aus ihnen zusammenzusetzen.

Die Nase dieses »Mondgesichtes« wird gebildet von dem Mond-Apennin, die Nasenspitze von dem schon mehrfach genannten Krater Kopernikus und das rechte Auge vom mare imbrium (dem Regenmeere).

Das linke Auge stellt ein anderes Meer dar, dem wir den Namen mare serenitatis (Meer der Heiterkeit) gegeben haben.

Die Augenbrauen werden angedeutet durch die dunkle Fläche des mare tranquillitatis (des Meeres der Ruhe) und des mare foecunditatis (des Meeres der Fruchtbarkeit).

Die Stirn des »Mondgesichtes« ziert ein dunkler Flecken. Diese Stirnfalte also ist das mare frigoris (das Meer der Kälte).

Das mare nubium (das Meer der Wolken) bildet den Mund des »Mondgesichtes« und die rechte Wange der oceanus procellarum (der Ozean der Stürme, auch der »Stille Ozean des Mondes« genannt).

Die linke Wange indes wird durch eine große Zahl von Kratern und durch wild zerklüftete Gebirgsketten dargestellt.

Im Laufe von 29½ Tagen zeigt uns der Mond nach und nach alle seine Lichtgestalten. Wir trennen diese seine Phasen! Erscheint der Begleiter der Erde in Sichelform, und zwar in der Gestalt der oberen Schleife des großen Buchstabens Z[2], dann haben wir erstes Viertel. Ist seine Scheibe voll erleuchtet, dann nennen wir dies Vollmond. Zeigt er sich uns abermals in der Sichelform, und hat diese die Gestalt der äußeren Schleife des großen Buchstaben A[2], dann haben wir letztes Viertel.

[2] Gemeint ist die Form der Großbuchstaben A und Z in Kurrent- bzw. Sütterlinschrift. Anm. zur Transkription.

Als Neumond sehen wir den Trabanten gar nicht! Die Reihenfolge der Mondphasen ist also die, daß stets auf den Neumond das erste Viertel, auf dieses der Vollmond, auf ihn das letzte Viertel und auf dieses wiederum der Neumond folgt. Jede Phase umfaßt etwa sieben irdische Tage.

Wenn der Mond als schmale Sichel im ersten Viertel am westlichen Horizonte hängt, dann können wir mit bloßem Auge schon gewahren, daß der übrige, von der Sonne nicht erleuchtete Teil seiner Scheibe in einen merkwürdigen Schimmer getaucht ist.

Wir nennen diesen Schein »Phosphoreszenz« und hörten von ihm schon früher bei der Besprechung des Planeten Venus. Dieser phosphoreszierende Schimmer heißt hier das »sekundäre Mondlicht«!

Ein im astronomischen Sehen geübtes Auge wird sehr bald erkennen, daß dieses »sekundäre« Licht des Mondes eine ganz verschiedene Färbung zeigt.

Einmal sieht es bläulich, einmal grünlich und dann wieder rötlich aus.

Diese verschiedene Färbung sagt uns, daß das »sekundäre Mondlicht« nichts anderes ist, als das Licht, das unsere Erde nach dem Monde hinstrahlt und das zum Teil von diesem wieder auf die Erde zurückgeworfen wird.

Stehen dem Monde die Festlande auf Erden gegenüber, dann ist das »sekundäre Licht« rötlich gefärbt, sind ihm die Ozeane der Erde zugekehrt, dann zeigt es einen bläulichen Schimmer, und wendet unser Planet die Urwälder Afrikas und Amerikas seinem Begleiter zu, dann zeigt das »sekundäre Licht« eine grüne Farbe.

Wie interessant ist es doch, daß wir das Bild unserer Erde von unserer Nachbarwelt, – dem Monde, – ablesen können, wie das Bild unseres Antlitzes von einem Spiegel!

Da unser Mond der Erde nur die eine Seite zuwendet, so empfängt diese vierzehn Tage lang das Licht der Sonne; die andere Hälfte aber umgibt während dieser Zeit eine eisige Kälte, nämlich die des Weltenraumes (-273 Grad Celsius).

Auf dem Monde dauert also ein Tag vierzehn irdische Tage und eine Nacht währt dort die gleiche Zeit.

Könnten wir uns im Geiste auf unsere Nachbarwelt versetzen, dann würden wir uns wie verzaubert vorkommen.

Über der wildzerklüfteten Landschaft, die uns auf jenem Gestirne aufnimmt, wölbt sich ein rabenschwarzer Himmel, denn der Mond hat fast keine Luft und auch kein Wasser mehr, die bewirken, daß sich über unserem Haupte auf Erden ein oft tiefblaues Firmament ausspannt. Das Fehlen der Luft würde ferner schuld sein, daß wir auf dem Monde nicht einen Laut zu hören bekämen. Am schwarzen Himmel des Mondes hängt in voller Pracht die sengende Sonne, umgeben vom Glorienscheine der Korona und von der Staubwolke des Tierkreislichtes.

Neben der Sonne strahlen die beiden Planeten Merkur und Venus und alle Sterne, die wir in dunkler, klarer Nacht auch an unserem Himmel sehen. Auch unser Mond hat, – wie schon bemerkt wurde, – einen Mond! – Es ist dies unsere Erde. Diese erscheint am Firmamente des Mondes gleichfalls im Wechsel ihrer Lichtgestalt. Sie zeigt sich also einmal als Neuerde, dann im ersten Viertel, dann als Vollerde und endlich im letzten Viertel.

Als Vollerde, – also als »Vollmond des Mondes« –, aber ist sie vierzehnmal größer, als uns der Mond an unserem Firmamente erscheint. Auf dieser gewaltigen Scheibe des »Mondes unseres Mondes« würden wir ebenfalls dunkle Flecken gewahren, – die Meere, – die Festlande, als rötlich schimmernde Gebiete, und endlich zwei glänzendweiße Stellen an den beiden Polen der Erde, – die Schneezonen oder Polarkalotten.

Auf unserer Erde würden wir vom Monde aus in einem Riesenfernrohre auch rillen- oder lichtstreifenartige Gebilde erkennen können, nämlich die großen Ströme, – so den Amazonenstrom und den Mississippi.

London, Newyork, Berlin und Paris würden als dunkle Punkte auf den Festlanden der Erde erscheinen. – Die Kriegsschiffe der europäischen und Balkanstaaten, die kürzlich im Marmarameere vor Anker lagen, hätte man gleichfalls auf der Scheibe der Erde erkannt; aber man hätte nicht gewußt, was man aus diesen dunklen, sich hin- und herbewegenden Punkten machen sollte! Man würde die Truppen der Balkanmächte, die gegeneinander kämpften, vom Monde aus mit einem Riesenfernrohre haben beobachten können, ohne aber eine Vorstellung davon zu erlangen, daß dies ein schreckliches Menschenmorden bedeutete.

Die Astronomen, welche sich mit der Erforschung des Mondes beschäftigen, nennt man Selenographen, zum Unterschiede von den Geographen, die unserer Erde ihr Interesse widmen.

In der Neuzeit wendet der Himmelsforscher auch beim Monde die lichtempfindliche Platte an, und zwar mit bestem Erfolge! Aus den herrlichen Bildern, die man im Laufe der letzten dreißig Jahre mit der Kamera vom Begleiter der Erde erhalten hat, wird in Kürze ein sehr schöner Mondatlas erstehen. Dieser wird nicht bloß ein hervorragendes Kunstwerk sein, sondern auch der Nachwelt zeigen, was menschlicher Fleiß und menschliches Forschen zustande brachten.

In alter Zeit schon hat man die Frage aufgeworfen, ob der Mond bewohnt sei. Man hat diese Frage in recht phantastischer Weise zu beantworten versucht, ja sogar den Vorschlag gemacht, den Mondbewohnern (den Seleniten) Zeichen zu geben! Indes die moderne Forschung neigt, – nach allem, was sie vom Monde weiß, – immer mehr der Ansicht zu, daß es Mondbewohner, die uns Menschen ähnlich sind, nicht geben kann, weil auf jener Kugel die Bedingungen fehlen, unter denen das menschliche Leben auf Erden sich entfaltet und gedeiht. – Indes auch der Mond kann bewohnt sein; aber nur mit Wesen, die zu den Lebensbedingungen passen, unter denen dieses Gestirn um unsere Erde und durch den Weltenraum schwebt!

Wie diese Wesen aber aussehen, das wissen wir nicht und werden es auch wohl niemals erfahren! …

Der Mars.

Nimmt man heute eine illustrierte Zeitschrift zur Hand, dann findet man sicher in der einen oder anderen Nummer derselben auch einen astronomischen Aufsatz, der sich in gemeinverständlicher Form mit einem der größten Rätsel in unserem Sonnenreiche beschäftigt, – nämlich mit dem Planeten Mars!

Wir sprechen heute von Marsbewohnern fast in der gleichen Weise wie von den Buschmännern Australiens oder wie von den Leuten im Sudan. Dieses Interesse an dem »Mars und seinen Bewohnern« ist ein durchaus begreifliches! Es hat seinen Grund darin, daß der Planet eine große Ähnlichkeit mit unserer Erde zeigt, und zwar hinsichtlich seiner Größe, seiner Oberflächenbeschaffenheit, seiner Tage, seiner Jahreszeiten, seiner Meere, Festlande und Pole. Indes dies alles würde ihn nicht so sehr in den Vordergrund gerückt haben, wenn nicht der im Jahre 1910 verstorbene, berühmte Mailänder Astronom Giovanni Schiaparelli die ganze gebildete Welt, vor allem aber die Wissenschaft, im Jahre 1877 zum ersten Male, auf das höchst merkwürdige Netz von dunklen, geraden Linien aufmerksam gemacht hätte, mit dem das ganze Marsland bedeckt erschien. –

Der Planet Mars ist kleiner, als die Erde und die Venus; aber er ist größer, als unser Mond und der Planet Merkur.

Alle fünfzehn Jahre kommt er uns einmal bis auf 55 Millionen Kilometer nahe. Dann können wir in unseren großen Fernrohren eine Fülle von Einzelheiten auf seiner, im roten Lichte strahlenden Scheibe erkennen.

Wir sehen zunächst, daß er einen Luftgürtel hat, der allerdings nicht so hoch ist, wie der unsrige; aber das Spektroskop sagt uns von diesem Luftgürtel des Mars, daß er ganz ähnlich zusammengesetzt ist, wie der irdische. Er enthält vor allem Wasserstoff, den wichtigsten Bestandteil unseres Wassers!

Der kleine Lichtzerleger, – das Spektroskop, – sagt uns ferner, daß die Marsluft etwa derjenigen entspricht, in welche die Spitzen unserer höchsten, irdischen Gebirge eingetaucht sind.

Die Atmosphäre dort ist also ungemein zart und lichtdünn! –

Im Teleskope sehen wir ferner zwei stark weißglänzende Flecken an den beiden Polen des Planeten. Diese sind also genau so mit Eis umgeben, wie die irdischen. Weiße Flecken erblicken wir ferner auch noch auf dem Festlande des Mars. Wir schließen daraus, daß einzelne hohe Berge vorhanden sind, die Gletscher tragen.

Oder diese weißen Stellen deuten auf den Niedergang von Neuschnee im Marsherbste und -winter hin.

Tafel 8.

Süden.

Norden.

Karte der Marsoberfläche.
(Gezeichnet von Ed. Antoniadi, – Sternwarte zu Juvissy bei Paris.)

Wir können im Teleskope außerdem noch eine Reihe dunkler Flächen erkennen, wie auf den Hörnerspitzen der Venus und auf der lichten Scheibe des Vollmondes. Diese dunklen Gebiete auf der roten Marsscheibe nennen wir »Meere«, und wir erkennen bei näherem Zusehen, daß unser Nachbar im Weltenraume viel weniger Wasser besitzt, als der Erdball. Er hat keine offenen Ozeane mehr, sondern nur Binnenmeere, Seen und Sümpfe. Solche Marsmeere sind das mare Cimmerium (das cimmerische Meer) und das mare Erythraeum (das erythräische Meer). Ein Meerbusen ist der sinus Sabaeus (der sabäische Meerbusen). Durch ihn geht der Nullmeridian des Mars!

Bei näherer Betrachtung des Planeten finden wir weiter, daß auf ihm die Verteilung des Landes gleichfalls eine ganz andere ist, als bei uns. Auf Erden läuft alles Land nach dem Südpole zu in Spitzen aus; beim Mars aber dacht es sich sowohl nach dem Nord-, als auch nach dem Südpole zu rückenartig ab. Alles Marsland zieht sich ferner, wie ein schmaler Gürtel, um den Äquator der Marskugel herum, und es ist auf ihm mehr Land vorhanden, wie auf Erden.

Ein Unterschied ist hier aber doch vorhanden, der nämlich, daß eine allgemeine Ebnung des Geländes bereits eingetreten ist. Er ist ja auch um vieles älter, als die Erde! Kordilleren, Anden und einen Himalaja gibt es auf diesem Gestirne nicht, sondern nur Hügelland, denn die Gebirge sind dort im Laufe der Jahrtausende abgebröckelt und kleiner geworden. Auf Erden findet dieses Abbröckeln der Gebirge gleichfalls statt, und unsere Alpen haben im Laufe vieler Jahrtausende bereits die Hälfte ihrer einstigen Höhe eingebüßt.

Wir dürfen indes dem Mars einzelne hohe Berge nicht absprechen. Er besitzt sicherlich solche, die Gletscher tragen, so z. B. die »Schneeinsel« im Kepler-Ozean. –

Darauf deuten auch einzelne, im Lichte der Sonne grell aufblitzende Punkte auf dem Marsfestlande hin, die man im Marsfrühlinge und -sommer erkennen konnte.

Das Interessanteste aber, was uns heute dieses Marsfestland bietet, das ist jenes rätselhafte Geäder, das allgemein die »Marskanäle« genannt wird.

Der bereits erwähnte Astronom Giovanni Schiaparelli sah im Jahre 1877 auf der Sternwarte zu Mailand mit einem vorzüglichen Fernrohre und in der klaren Luft Oberitaliens wie von dunklen Flecken, die wir Meere, Seen und Sümpfe genannt haben, dunkle Linien ausgingen. Sie verbanden Wasserfläche mit Wasserfläche schnurgerade. Niemals endigte eine solche dunkle Linie mitten auf dem Festlande. Das ist das Seltsamste an diesem ganzen »Kanalnetze«. Schiaparelli hat diesem Geäder den Namen canale, – d. h. Rinne, – gegeben. »Kanäle« haben es später erst die Phantasten genannt! –

Im Jahre 1882 erklärte derselbe Forscher, daß er bald nach der Schneeschmelze am Marssüdpole gesehen habe, wie sich alle diese Linien verdoppelten. Das ganze Marsland sah aus, als hätte man es nach allen Richtungen hin mit Eisenbahnschienen belegt. Diese Verdoppelungen traten stets sofort und in ihrer ganzen Länge auf. Man hat gefunden, daß diese »Kanäle« bis zu 5000 Kilometern lang und bis zu 1000 Kilometern breit sein können. Der Zwischenraum zwischen einer solchen »Kanalverdoppelung« beträgt 500 bis 1000 Kilometer. Es sind also gewaltig große Wasserstraßen, wenn wir in diesem Netzwerke wirklich ein »Kanalsystem« vor uns haben! –

Die Linien zeigen sich, – wie schon angedeutet wurde, – stets nach der Schneeschmelze an den Polen des Mars, und sie verschwinden im Marssommer oft ganz. Stets verblaßt in dieser Jahreszeit die Verdoppelung! –

Alle möglichen Deutungen sind zur Erklärung dieser rätselhaften Gebilde gegeben worden. Es sollen hier nur die wichtigsten genannt werden, und zwar nur die, welche wirklich die Aufmerksamkeit der Forscher erregten!

Hat der Mars Wasser wie die Erde, dann können diese dunklen Linien sehr wohl Wasserstraßen sein. Sie sind dann eben Schöpfungen von intelligenten Wesen, die jene Welt bewohnen!

Die Kanäle wurden von den Marsbewohnern angelegt, um die Gewalten des Wassers, – nach der Schneeschmelze an den Polen, – einzudämmen oder nach dem Innenlande zu leiten.

Hat der Mars kein Wasser mehr und auch keine Bewohner, dann können diese »Kanäle« vielleicht die Überreste einer erloschenen Kultur sein!

Man hat die Marskanäle auch für eine optische Täuschung gehalten, die unser Auge bei der Betrachtung des Planeten im Fernrohre erleidet.

Ein Forscher führt die »Kanäle« auf vulkanischen Ursprung zurück, wie die schon genannten Lichtstreifen und Rillen auf unserem Monde.

Man hält sie auch für Erdbebenspalten! –

In jüngster Zeit hat ein Marsbeobachter erklärt, daß der Planet, – von der Raumkälte (-273 Grad Celsius) umgeben, – zu einem Eisklumpen erstarrt sei. –

Die rätselhaften »Kanäle« seien nichts anderes, als Sprünge in dem Eismantel, der den Mars umhülle. Die Sonne taue den Eispanzer zeitweise auf, und so entstünden jene großen Sprünge, die wir von unserer Erde aus im Fernrohre erkennen könnten und die wir als »Kanäle« deuteten!

Eigenartig ist es, daß Lowell, – ein amerikanischer Astronom, – die Neubildung von »Marskanälen« auf photographischem Wege und zugleich auch mit dem Fernrohre im letzten Marsfrühlinge, – also nach der großen Schneeschmelze am Südpole, – feststellen konnte!

Dies würde darauf hindeuten, daß die »Marskanäle« tatsächlich Gebilde der Marsoberfläche und als solche Erzeugnisse der Marsbewohner sind. Wird diese Beobachtung Lowells später noch von anderer Seite bestätigt, dann besteht gar kein Zweifel, daß der Mars mit intelligenten Wesen bevölkert ist. Diese können uns Menschen durchaus ähnlich sehen, denn der Planet zeigt fast die gleichen Bedingungen für das Dasein von Lebewesen, wie unsere Erde.

Die rätselhaften Linien, die wir »Kanäle« nennen, wären dann Wasserstraßen, welche die Marsbewohner mit Absicht, – allerdings im Laufe langer Zeiten, – angelegt hätten!

Man nahm sogar an, daß die Marsbewohner uns Feuerzeichen geben, und dachte allen Ernstes daran, solche Zeichen zu erwidern!

Der berühmte Physiker Tesla erklärte, daß er die Wasserkräfte des Niagarafalles in Nordamerika ausnützen und mit deren Hilfe Lichtsignale (Blitze) nach dem Mars hinaufschleudern wolle. Diese würden so stark sein, daß die Marsbewohner sie, – als ihnen von uns zugesandt, – erkennen müßten.

Man hat sogar schon über ein Alphabet nachgedacht, das man, – im Teslaschen Funkenspruche mit den Marsbewohnern, – in Anwendung bringen könnte. Vielleicht ist der Tag nicht mehr fern, der uns den Schleier auch vom »Marsgeheimnis« hinwegzieht und der Menschheit die langersehnte Kunde bringt, daß jenes Gestirn bewohnt ist. Vielleicht gelingt es der von Tag zu Tag sich verfeinernden Technik doch noch, den Traum unserer Generation zu verwirklichen, daß wir mit den Wesen anderer Himmelskörper in einen Gedankenaustausch treten!

Eine im Pyrenäenbade Pau in Frankreich verstorbene Dame hat einhunderttausend Franken in ihrem Testamente demjenigen vermacht, der die erste Verständigung mit den Bewohnern eines anderen Himmelskörpers herbeiführt. Der kommenden Generation wird es vorbehalten sein, die »Marsfrage« noch besser zu beantworten, als wir es heute vermögen!

Tafel 9.

Süden.

Norden.

Ein Stück Marsoberfläche, von zahlreichen »Kanälen« bedeckt.
(Gezeichnet von Dr. Lampland, – Flagstaffsternwarte zu Arizona [U. S. A.].)

Der Mars dreht sich in 24½ Stunden einmal um seine Achse. Die Tage dort dauern also nur um ein weniges länger, als die irdischen. – Zu einem Umlaufe um die Sonne braucht der Weltkörper zwei irdische Jahre. Infolgedessen sind seine Jahreszeiten etwas länger, als unsere.

Eine Abplattung seiner Pole hat man noch nicht genau feststellen können; aber man nimmt sie an!

Der Mars wird von zwei Monden umkreist. Sie heißen Phobos und Deimos und sind nach den beiden Rossen des Kriegsgottes, Furcht und Schrecken, benannt worden. Sie sind die kleinsten Monde, die wir im Reiche unserer Sonne kennen.

Phobos ist der Mond, der dem Mars am nächsten steht. Er umkreist den Planeten in 7½ Stunden und hat bereits drei Umläufe um den Mars vollendet, ehe sich dieser einmal um seine Achse drehte. Daher kommt es, daß dieser Mond scheinbar im Westen auf- und im Osten untergeht. Für die Marsbewohner, wenn es diese wirklich gibt, ist er eine große Uhr am Himmel, an der sie die Tageszeiten ablesen können!

Die Winzigkeit der Marsmonde gab Anlaß zu der Vermutung, daß der Planet ursprünglich gar keine Trabanten besessen hat, sondern daß es sich bei ihm um eingefangene Monde handelt! Aller Wahrscheinlichkeit nach stammen die beiden Marsmonde aus der großen Lücke zwischen Mars und Jupiter. Sie ist mit einer sehr großen Zahl von kleinen und kleinsten Weltentrümmern angefüllt. Wir haben diesen den Namen Asteroiden, Planetoiden oder kleine Planeten gegeben!

Die kleinen Planeten, auch Planetoiden oder Asteroiden genannt.

Zwischen dem Mars und dem nächsten Planeten Jupiter müßte eigentlich noch ein Planet um die Sonne kreisen, und dieser Körper müßte größer als Mars und Erde sein.

Schon Kepler, – der berühmte Hofastronom des Kaisers Rudolf II. von Österreich, – hat einen solchen Planeten in der Lücke zwischen Mars und Jupiter vermutet, und er glaubte, daß der Weltkörper möglicherweise in einer Katastrophe vernichtet worden sei.

Am Neujahrstage des Jahres 1801 entdeckte der Astronom Piazzi in Palermo in jenem Zwischenraume zwischen Mars und Jupiter ein kleines Sternchen, das seinen Standort am Firmamente unter den anderen Sternen veränderte. Piazzi gab ihm den Namen Ceres. –

Einige Zeit später fand der Bremer Arzt Olbers in der genannten Lücke einen zweiten beweglichen Stern. Im Verein mit dem Astronomen Harding entdeckte Olbers dann noch drei weitere solche Sternchen, so daß man durch einige Jahrzehnte hindurch in jener Lücke vier kleine Himmelskörper kannte, die sich gleich den Planeten um die Sonne herum bewegten.

Ihre Zahl vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Seit man die Photographie, um sie zu entdecken, zu Hilfe genommen hat, ist ihre Zahl auf fast achthundert bereits gestiegen. Aber, – damit ist der Vorrat noch lange nicht erschöpft. Es gibt ihrer sicher noch sehr viele, die so winzig sind, daß sie weder mit dem Fernrohre noch mit der lichtempfindlichen Platte aufgefunden werden können.

Der größte von diesen Körpern hat einen Durchmesser von etwa 800 Kilometern. Es ist die Vesta!

Die kleinsten fassen etwa 5 bis 10 Kilometer im Durchmesser.

Welche Bedeutung haben diese winzigen Himmelskörper, die wir als »Weltentrümmer« ansprechen, in unserem Sonnenreiche?

Wir hörten bereits, daß der Astronom Johannes Kepler annahm, sie seien die Überreste eines größeren Planeten, der entweder zerfiel, weil er schon sehr alt war, oder der in einem Zusammenstoße mit einem anderen Weltkörper zerschellt wurde. Wahrscheinlicher aber ist die folgende Ansicht, die in jüngster Zeit zur Erklärung über die Herkunft dieser kleinen Körper gegeben wird. Sie besagt, daß die kleinen Planeten, Asteroiden oder Planetoiden sich durch Verdichtung aus dem Reste des Urnebels gebildet haben, aus dem einst die Sonne, mit ihren Planeten und deren Monden hervorging. All' diese kleinen Körper kreisen, – es wurde schon gesagt, – wie die Planeten um die Sonne, deshalb auch ihr Name »kleine Planeten«; aber viele halten ihre Bahn nicht ganz inne. Sie verirren sich in das Machtgebiet der benachbarten Planeten, und auf diese Weise kann es geschehen sein, daß der Mars sich seine zwei Monde einfing, und daß auch der Jupiter und der Saturn, wie wir noch hören werden, sich solche Monde, ehemalige kleine Planeten, angeeignet haben!

Einer von den kleinen Körpern hat eine »astronomische Berühmtheit« erlangt! Es ist der kleine Planet »Eros«, der, außer dem Monde, unserer Erde zu gewissen Zeiten am nächsten kommt. Eros wurde im Jahre 1898 auf der Berliner Uraniasternwarte vom Astronomen Gustav Witt auf photographischem Wege entdeckt.

Die Astronomen benützen seine große Annäherung an unsere Erde, um mit seiner Hilfe die genaue Entfernung der Sonne von uns zu bestimmen.

Die Asteroiden, Planetoiden oder kleinen Planeten besitzen keine Atmosphäre. Man hat eine Zeitlang geglaubt, daß die Vesta einen Luftmantel habe; aber die sehr sorgfältigen neueren Beobachtungen ergaben das Gegenteil. Da diesen Körpern der Luftgürtel fehlt, so haben sie auch kein Wasser. Für das Dasein von Lebewesen, – wie wir sie auf unserem Erdballe finden, – kommen sie also nicht in Frage.

Der Jupiter.

Würde unsere Sonne plötzlich vom Himmelsgewölbe verschwinden, dann übernähme der größte der Planeten, der Jupiter, die Führung über das Sonnenreich. Alle Planeten, also auch unsere Erde würden sich dann um ihn, – als das Zentralgestirn des Systems, – drehen.

Jupiter ist der »Riese unter den Planeten«!

Über 1300 Erdbälle könnte man aus ihm formen. In einem Abstande von etwa 100 Millionen Meilen umkreist der gewaltige Körper die Sonne und er gebraucht zu einem Umlaufe zwölf Jahre.

Mit dem Saturn, dem Uranus und dem Neptun bildet er die Gruppe der sogenannten »äußeren Planeten«. An den Polen ist er stark abgeplattet. Diese Abplattung rührt sicher von der sehr raschen Drehung des Planeten um seine Achse her. In nur zehn Stunden erfolgt diese Achsendrehung. Ein Tag auf dem Jupiter dauert also nur zehn Stunden.

Wenn wir den »König der Planeten« im Fernrohre betrachten, dann gewahren wir im Luftgürtel des im gelben Lichte strahlenden Gestirnes Streifen, Wolken und knotenartige Verdickungen. Diese Gebilde sind starken Veränderungen unterworfen, und zwar, infolge seiner sehr schnellen Achsendrehung. Sie lösen sich auch rasch immer wieder auf.

Das Spektroskop sagt uns, daß die Atmosphäre, in die der Planet sich einhüllt, tief und dicht ist. Die Strahlen der Sonne vermögen also nicht allzuweit in sie einzudringen. Das Spektroskop verrät uns ferner noch, daß der Jupiter wahrscheinlich noch nicht völlig erkaltet ist, sondern sicher noch etwas Eigenlicht ausstrahlt. Er würde demnach für die »Welt seiner Monde« eine kleine Sonne sein! –

Nach allem, was die moderne Wissenschaft heute von diesem Planeten weiß, ist er eine im »Erlöschen begriffene Sonne«. Er befindet sich also in einem Zustande, der aus der Glut in die Erkaltung übergehen will! In der Lufthülle des »Riesen unter den Planeten« erschien in den Jahren 1872–1880 ein rotbrauner Flecken, den man auch den »roten Flecken« genannt hat. Er machte die Umdrehung des Planeten um seine Achse mit, verblaßte aber langsam und heute ist von ihm nicht mehr viel zu sehen.

Zur Erklärung dieses eigenartigen Gebildes sind eine Reihe von Deutungen gegeben worden. Die wahrscheinlichste ist die, daß es sich hier um einen gewaltigen vulkanischen Ausbruch auf der im Erstarren begriffenen Oberfläche des Jupiter handelt. Die dünne Oberflächenkruste brach ein, und es trat ein feuriger Bergrücken zutage, der seinen Lichtschein und seine glühende Asche hoch hinauf in die Luftschichten warf, die den Planeten umgeben. Jupiter hat neun Monde!

Die ersten vier entdeckte der alte Galilei zu Pisa um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts. Er gab ihnen den Namen »Mediceische Sterne«. Die anderen Monde des Planeten wurden später entdeckt, zwei von ihnen sogar erst in allerjüngster Zeit. Ein Mond des Jupiter ist fast so groß wie der Mars. Man nimmt an, daß dieser Trabant eine Lufthülle, Wasser und Festlande besitzt. Die Schar der Jupitermonde erzeugt naturgemäß zahlreiche Sonnen- und Mondfinsternisse auf der Jupiterkugel, und diese Finsternisse haben dem dänischen Astronomen Olaf Römer Anlaß zu der Berechnung gegeben, daß der Lichtstrahl in der Sekunde 300 000 Kilometer Weges zurücklegt.

Der neunte Mond des Jupiter ist rückläufig, das heißt, er dreht sich von links nach rechts um den Planeten. Man nimmt deshalb an, daß er nicht von vornherein zum Reiche des Jupiter gehörte, sondern von dem Planeten eingefangen und gezwungen wurde, als Mond um ihn zu kreisen. Es handelt sich bei diesem Monde vermutlich um einen kleinen Planeten oder Asteroiden.

Der Saturn.

Durch Jahrtausende hindurch galt dieser Planet als der »Grenzwächter unseres Sonnenreiches«! Er war also der äußerste Planet, der um unser Zentralgestirn kreiste. Der Saturn ist 200 Millionen Meilen von der Sonne entfernt und umwandert sie einmal in 30 Jahren. An seinen beiden Polen ist auch er stark abgeplattet und auch bei ihm rührt die starke Abplattung von der schnellen Achsendrehung her. Diese dauert zehn Stunden. Solange also währt ein Tag auf jener Welt!

Das Licht des Planeten ist bleifarben, und der Durchmesser der Saturnkugel beträgt etwa 130 000 Kilometer. Er ist demnach zehnmal größer, als der irdische.

Der Saturn gehört zu den interessantesten und rätselhaftesten Körpern in unserem Sonnenreiche, und zwar wegen seines höchst merkwürdigen Ringsystems!

Dieses ist flach und umgibt die Saturnkugel in ihrer Mitte, – frei – schwebend. Indes dieser Ring ist nicht eine feste Masse, wie man leicht annehmen könnte; sondern er besteht aus zahllosen kleinen Körperchen, – Möndchen, – die um den Saturn herum kreisen.

Wenn man mit dem Fernrohre den Ring des Saturn betrachtet, dann gewahrt man verschiedene Teilungen auf ihm. Es sieht aus, als hätte man mehrere Ringe, die immer größer werden, ineinander gelegt, jedoch so, daß zwischen jedem Ringe ein kleiner Abstand bleibt.

Manchmal erscheint uns das Ringsystem wie eine schmale Linie, manchmal sehen wir die obere und manchmal die untere Seite des Ringes. Diese verschiedene Lage des Ringes hängt mit der verschiedenen Stellung des Saturn zur Sonne und zu unserer Erde zusammen. Im Fernrohre gewahren wir in seiner, gleichfalls sehr hohen und dichten Atmosphäre ebenfalls bandartige Streifen und Wolken, die mit der schnellen Drehung des Planeten um seine Achse in einem ursächlichen Zusammenhange stehen.

Tafel 10.

Süden.

Norden.

Der Planet Saturn mit seinem seltsamen Ringsysteme.
(Die Nordseite des Ringsystems ist weit geöffnet. Norden ist in der Abbildung unten.)

Ein großer Teil der Forscher nimmt an, daß auch der Saturn noch nicht völlig erkaltet, sondern, ebenso wie der große Jupiter, eine kleine Sonne für die Rotte seiner zehn Monde ist. Saturn würde dann noch etwas Eigenlicht ausstrahlen.

Das reiche Gefolge der Monde ist im Verein mit dem Saturn ein Abbild unseres ganzen Sonnensystems. Die Monde des Planeten heißen: Mimas, Enceladus, Thetis, Dione, Rhea, Titan, Hyperion, Japetus, Phöbe und Themis.

Saturn selbst stellt die »Sonne« dieses Systems dar. Der Ring, der ihn umgibt, deutet das Tierkreis- oder Zodiakallicht an. Die zehn Monde entsprechen zunächst den uns bekannten acht und dann den zwei noch unbekannten, aber angenommenen Planeten unseres Sonnenreiches. Zwischen dem fünften und sechsten Saturntrabanten zeigt sich ein größerer Zwischenraum. Dieser entspricht der Lücke zwischen dem Planeten Mars und Jupiter! Die Lücke ist, wie wir hörten, mit der Schar der kleinen Planeten angefüllt. Moderne Astronomen vermuten, daß auch der Zwischenraum zwischen dem fünften und sechsten Saturnmonde eine Schar von kleinsten Körperchen, – ähnlich den Asteroiden, – besitzt. Ihrer Winzigkeit wegen können wir sie im Fernrohre nur nicht sehen und auch nicht mit der Camera auffinden! Jupiter ist der »Riese unter den Planeten« unseres Sonnenreiches, Titan der »Riese unter den Saturnmonden«.

Der Saturnmond Phöbe ist rückläufig, gleich dem neunten Jupitermonde. Infolgedessen hält man auch Phöbe für einen eingefangenen Mond, der wahrscheinlich aus der Gruppe der kleinen Planeten stammt!

Der Uranus.

Als Wilhelm Herschel, – der einstige Stadtmusikant von Hannover und dann so berühmt gewordene Astronom, – im Jahre 1788 den Uranus mit einem seiner Riesenreflektoren (Spiegelteleskope) entdeckt hatte, ahnte er nicht, daß es sich in dem »Findlinge« um einen neuen Planeten handelte, der die alte Grenze unseres Sonnenreiches um ein Beträchtliches weiter in den Raum hinausrückte.

Dem bloßen Auge erscheint der Planet als ein winziges Sternchen, und man muß, – will man ihn sehen, – genau die Stelle am Himmel kennen, an der er jeweilig steht. Er strahlt im gelblichen Lichte und ist von der Sonne, von der er sein Licht noch erhält, 400 Millionen Meilen entfernt. In 84 Jahren vollendet er einen Umlauf um sie! –

Eine Abplattung an seinen beiden Polen hat man bisher noch nicht einwandsfrei feststellen können; aber man nimmt sie an, weil fast alle Planeten, die wir kennen, diese Abplattung zeigen!

Über seine Oberflächenbeschaffenheit und über seine Lufthülle wissen wir fast gar nichts, denn das Gestirn ist viel zuweit von uns entfernt, als daß wir Einzelheiten auf ihm genau erkennen könnten. Man hat zwar angenommen, daß er eine Lufthülle, und daß diese ebensolche wolkige und bandartige Streifen, wie die des Jupiter und Saturn, habe; aber die Beobachtungen dieser Art sind stets dann wieder verneint worden.

Uranus wird von den vier Monden Ariel, Umbriel, Titania und Oberon umkreist. Alle diese Monde sind rückläufig, wie der Saturnmond Phöbe und wie der neunte Jupitermond.

Entweder gehörten die vier Uranusmonde von Anfang an dem Reiche des Planeten an, wie es die Weltbildungshypothese auch annimmt, die außer der »Kant-Laplaceschen« am Eingang dieses Buches erwähnt wurde, oder die vier Uranusmonde sind eingefangen worden und gehörten anfänglich gar nicht zu dem Planeten.

Sie können also kleine Planeten sein, die sich in das System (den Bereich) des Uranus verirrten oder auch Kometen, die eingefangen und gezwungen wurden, als Monde nun um das Gestirn zu wandern.

Der Neptun.

Die Entdeckung dieses Planeten, des äußersten, den wir vorläufig in unserem Sonnenreiche kennen, gehört zu den größten Triumphen der rechnenden Astronomie! –

Neptun ist am Gelehrtenschreibtisch und nicht auf der Sternwarte entdeckt worden, nicht mit dem Fernrohre, sondern mit der Feder! Das klingt sehr sonderbar und doch verhält es sich so! Der Pariser Astronom Leverrier war es, der ihn am Schreibtische errechnet hat, und der Name dieses Gelehrten wird darum unsterblich bleiben!

In der Wanderung des Planeten Uranus um die Sonne zeigten sich nämlich kleine Abweichungen. Man nennt dies Störungen! Diese konnte man sich nur dann erklären, wenn man annahm, daß jenseits des Uranus noch ein größerer Körper, – also ein Planet, – um die Sonne wandere. Zwei Astronomen, – nämlich der bereits genannte Franzose Leverrier, und der Engländer Adams suchten diesen Planeten rechnerisch festzulegen. Leverrier hat dann, ohne von Adams Arbeit eine Kenntnis zu besitzen, seine Berechnungen früher als jener veröffentlicht, und so ist Adams um den Ruhm der Entdeckung gekommen. Leverrier teilte an dem Tage, an dem er seine Berechnungen fertig hatte, dem Berliner Astronomen Galle das Resultat derselben mit und forderte Galle auf, an einer, ihm näher bezeichneten Stelle des Firmamentes nach dem »Errechneten« zu suchen! In der nächsten Nacht fand dann auch Galle den »Errechneten«, und zwar sehr nahe bei dem Orte, den ihm Leverrier angegeben hatte.

Auf diese Weise ist der dem Meergotte geweihte Planet entdeckt worden! –

Neptun ist 600 Millionen Meilen von der Sonne entfernt, und umkreist sie einmal in 164 Jahren. Nur im Fernrohre ist er sichtbar, mit dem bloßen Auge indes nicht. Er strahlt in grünlichem Lichte und wird von einem Monde umwandert, der ebenfalls rückläufig ist. Über den Planeten, seine Oberfläche und seinen Mond wissen wir so gut wie nichts, weil das Gestirn ungeheuer weit von uns absteht. Wahrscheinlich ist auch er noch in einem Übergangsstadium vom feurigflüssigen zum festen Zustande!

Die moderne Forschung nimmt an, daß Neptun sicher mehrere Monde, und daß auch der Uranus deren wohl noch mehrere besitzt. Wir kennen sie nur nicht. Sie entgehen unserer Beobachtung, weil sie zu winzig sind und zu wenig Licht aussenden, als daß wir sie sehen könnten! –

Ein Teil der Astronomen ist der Meinung, daß der Neptun noch nicht unser Sonnenreich nach außen hin abschließt, sondern daß auf ihn noch ein Planet folgt. Dieser würde in einem Abstande von 1200 Millionen Meilen von uns die Sonne umkreisen.

Man hat diesem mutmaßlichen Körper, nach dem man mit Fernrohr und photographischer Platte seit Jahren eifrig sucht, bereits einen Namen gegeben. Er heißt Hades!

Bis zum Hades würde in Urzeiten der Sonnengasball sich erstreckt haben, – wie einige Forscher dies glauben. Bis zum Hades reichte die Kraft, das Licht und der Einfluß unseres Zentralgestirnes auch heute noch. Beim Hades würde der Grenzpfahl sein, der unser großes Sonnenreich nach der »Welt der übrigen Sterne« (der Fixsterne) hin absteckt! –

2400 Millionen Meilen betrüge der Durchmesser dieses Riesenreiches und doch werden wir bald hören, daß dieses ungeheuere Gebiet, von dem sich selbst die glühendste Phantasie keinen rechten Begriff machen kann, zu einem winzigen Punkte zusammenschmilzt, wenn wir aus den Tiefen des Weltenraumes – von den Grenzen der Milchstraße her, – zu unserer Sonne und ihrem gewaltigen Reiche unsere Blicke richten! –

Drittes Kapitel.
Die Welt der Kometen!

»Wenn ein hellstrahlender Komet
In den obersten Lüften steht,
Werden gar große Reiche zerstört,
Wie wir solches oft haben gehört!« –

(Inschrift auf einem alten Kometenflugblatte
aus dem Jahre 1580.)

Im Geiste versetzen wir uns einmal um mehrere Jahrhunderte, – sagen wir an den Beginn des Mittelalters, – zurück!

Kriegsgeschrei tönt durch die Lande, und die Pest zieht mit grauenhafter Macht von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, um Tod und Elend zu verbreiten. Die Menschheit ist in Angst und Sorge und fürchtet, daß noch Unheilvolleres komme.

Da, – eines Abends, als die Sonne untergegangen ist und die Sterne neugierig aus ihren Himmelsfenstern zur leidvollen Erde herabsehen, flammt unter ihnen ein ungewöhnliches Gestirn auf. Es steht am westlichen Horizonte und besitzt einen langen, lichten Schweif, den es über einen großen Teil des nächtlichen Firmamentes hinwegspannt.

Als die Menschen dieses flammende Zeichen erblicken, wird ihre Angst und Furcht noch größer, denn die »Rute am Himmel« bringt ihnen neue Not, neue Kriege und Krankheiten!

Im Glauben unserer Vorfahren waren ja die Kometen, – diese seltsamen, glanzvollen und geschweiften Gestirne, – nichts anderes, als »Unglücksboten und Geißeln Gottes«!

Wenn wir die alten Chroniken, die aus jenen Tagen stammen, nachschlagen, finden wir dies in ihnen zur Genüge bestätigt.

»Bald«, – so heißt es in den Schriften aus jener Zeit, – »zeigte sich ein Schweifstern, der aussah, wie ein Schwert, wie ein Speer, wie ein Menschenantlitz oder wie eine Mißgestalt! Achtfach ist das Unheil, das solch' ein Gestirn über die Erde und die Menschen bringt, nämlich Fieber, schwere Zeit, große Dürre, Krieg, Frost, Erdbeben, großer Menschen Tod und Umwälzungen in den Staaten!« –

Der Komet des Jahres 1460 wurde als ein »Sendbote des Satans« von den Menschen jener Tage angesehen und, als der große »Halleysche Komet« im Jahre 1682 in den Räumen des Weltalls erschien, da schrieb von ihm ein Professor in Marburg, daß dort eine Henne aus Angst vor dem Gestirne drei Eier gelegt habe, auf denen das Bild des Schweifsternes deutlich zu sehen war! –

Von all' dem Aberglauben, den unsere Vorfahren an diese prachtvollen Himmelserscheinungen geknüpft haben, ist in moderner Zeit nichts übrig geblieben. Vor dem prüfenden Blick moderner Forschung hat jener Wahnwitz nicht Stand zu halten vermocht! –

Die moderne Himmelsforschung hat gefunden, daß die schönen Schweifsterne nichts mit Hungersnot und Pest, nichts mit Krieg und anderem Elend zu tun haben, sondern, daß sie friedlich und harmlos auf ihrer Himmelsstraße einherziehen, wie alle die anderen Sterne!

Der Himmelsforscher der Gegenwart weiß ferner, daß die Kometen nichts anderes sind, als Ballen aus weltbildendem Stoffe, daß sie also aus jenem Urstoffe bestehen, den wir am Eingang dieses Buches bereits kennen gelernt haben.

Solche Urstoff- oder Nebelballen wandern durch den Sternenraum, ja es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß unsere Sonne mit ihren Planeten zur Zeit durch ein Gebiet im Weltall schreitet, das mit viel Urstoff angefüllt ist, denn die zahlreichen Kometenerscheinungen in den letzten Jahren lassen diese Vermutung zu.

Wenn nun ein solcher Nebelballen in die Nähe eines Sonnenreiches kommt, dann wird er von dessen Zentralkörper, – also dessen Sonne, – angezogen. Auch die unserige zieht ihn an, wenn er in die Nähe ihres Reiches kommt. Der Nebelballen eilt nun auf die Sonne zu und in diesem Hineilen unterliegt er einer Reihe von Veränderungen, und zwar hinsichtlich seiner Gestalt und seines Aussehens! –

In einer gewissen Entfernung von der Sonne nämlich beginnt der Nebelballen, – der Komet, – einen Schweif zu bilden. Mit diesem geschmückt, eilt er an der Sonne vorüber, verliert dann aber allmählich den Schweif und wird endlich wieder ganz unsichtbar.

Ist der Komet nun etwa verloren gegangen oder verschollen? Nein! – Er wanderte nur nach dem Punkte hin, wo er der Sonne am fernsten steht. Der Astronom nennt diesen Punkt das Aphel! In jenem sonnenfernsten Punkte indes können wir den Kometen weder im Fernrohre noch mit der Camera entdecken. Vom sonnenfernsten Punkte, – dem Aphel, – aus kehrt er nach Ablauf einer bestimmten Zeit wieder in den Punkt zurück, wo er der Sonne am nächsten steht. Wir nennen diesen Ort das Perihel. Dann erst sehen wir ihn wieder, und zwar mit dem bloßen Auge!

Nun gibt es aber Kometen, die uns niemals zu Gesicht kommen, sondern nur dem Teleskope vorbehalten sind. Diese nennt man deshalb »teleskopische Kometen«, und es werden jahraus jahrein eine Anzahl von ihnen entweder mit dem Teleskope oder in neuerer Zeit auch mit der photographischen Platte entdeckt.

Diejenigen Kometen, die aus dem sonnenfernsten Punkte – dem Aphel – immer wieder in den sonnennahesten Punkt – das Perihel – zurückkehren, nennen wir »periodische«. Sie sind Bürger unseres Sonnensystems. Zu ihnen gehören die größten und schönsten, die wir kennen, auch der große Halleysche, von dem später noch die Rede sein wird.

Jeder große Komet besteht aus drei ganz auffallenden Merkmalen, – nämlich aus einem Kopfe, einem Kerne und einem Schweife.

Der Kopf des Kometen ist der Nebelballen (die Urstoffwolke), die entweder aus dem sonnenfernsten Punkte kommt und auf das Tagesgestirn dann hineilt oder aus den Tiefen des Weltalls in unser Sonnenreich eindringt.

Ein solcher Kometenkopf kann einen Durchmesser von über einer Million Kilometer haben.

In seiner Mitte zeigt dieser Kometenkopf eine Verdichtung der Urstoffteilchen, aus denen er sich aufbaut. Diese Verdichtung hat ein sternartiges Aussehen und leuchtet hell. Wir nennen sie den Kern des Kometen!

Lange Zeit hindurch hat man geglaubt, daß uns der Kern eines Kometen einmal dann gefährlich werden könne, wenn die Erde mit ihm in Berührung komme. Die Kometenkerne sollten, – in der Meinung früherer Jahre, – aus Gesteins- oder metallischen Massen bestehen. Nun sind wir aber schon wiederholt durch die Köpfe und durch die Schweife von Kometen hindurch gegangen, und es ist uns nichts passiert. Auch hat die Himmelsforschung der Gegenwart gefunden, daß die gefürchteten Kometenkerne nichts anderes sind als Gasmassen, die, – ähnlich dem Sonnen- und Erdkern, – unter einem hohen, auf ihnen lastenden Drucke starr wie Glaserkitt werden!

Tafel 11.

Der Komet 1911 – c (Brooks).
(Aufgenommen mit dem photographischen Refraktor der K. Sternwarte zu Wien von Dr. Josef Rheden, Originalaufnahme. 56 Minuten Belichtungsdauer.)

Durch diese wissenschaftliche Annahme ist die Furcht vor den Kometenkernen so gut wie vernichtet. Die Strahlen der Sonne lösen die Spannung in der gasigen Kernmasse dann auf, wenn das Gestirn der Sonne immer näher kommt. Die Gase des Kernes strömen nun aus dem Kopfe des Kometen aus, und so entsteht der oft Millionen Meilen lange Schweif.

Der Schweif ist das prächtigste am ganzen Gestirn und verleiht diesem auch den Beinamen »großer Komet«! –

Bald sieht der Schweif des Gestirnes bandartig, bald federförmig gespalten, bald gerade und bald gebogen aus. Einige Kometen zeigten sich uns mit mehreren Schweifen, so die der Jahre 1744 und 1861.

Unsere Vorfahren behaupteten, daß Kometenschweife ausgesehen hätten wie das aufgelöste lange Haar einer Frau. Deshalb haben die Kometen auch bis zum heutigen Tage den Namen »Haarsterne« beibehalten. –

Die Photographie, die man, – wie überall in der Himmelsforschung, – auch bei der Entdeckung und Beobachtung von Kometen heute anwendet, hat uns noch verraten, daß die Schweife der Kometen Einbuchtungen, Riffe, Knicke und Ablenkungen zeigen. Das deutet auf heftige Vorgänge im Innern des Kometen hin, wie wir solche Erscheinungen ja auch im Innern und auf der Oberfläche unseres Tagesgestirns schon kennen lernten.

Es sind starke elektrische Entladungen, welche diese Veränderungen in den Schweifen der Kometen hervorrufen. Sie helfen aber andererseits auch den Kometen erleuchten. Ein Schweifstern strahlt also im eigenen Lichte; dann aber auch noch im Lichte der Sonne, deren Strahlen sich an den Teilchen aus Urstoff brechen, aus denen, – wir hörten es schon mehrfach, – der Komet besteht.

Aus dem Wenigen ersehen wir klar und deutlich, daß die Schweifsterne ungemein zart, groß, aber auch interessant und noch recht rätselhaft sind!

Zu den schönsten Kometen, die im Laufe der letzten Jahrhunderte am Himmel erschienen, gehören die der Jahre 1680, 1744, 1843, 1858 und 1861.

Zu den berühmten Schweifsternen der letzten Jahrhunderte zählt man die Kometen der Jahre 1680, 1811 und 1910 (der große Halleysche).

Im Januar des Jahres 1910 erschien ganz plötzlich an unserem westlichen Firmamente ein Schweifstern, der nur kurze Zeit sichtbar blieb. Man hat ihn den »Johannisburger Kometen« genannt, weil er auf der südafrikanischen Sternwarte zu Johannisburg zuerst gesehen worden war. Der Schweifstern gehört nicht zu den Kometen, die Bürger unseres Sonnensystems sind, also immer aus dem Aphel in das Perihel zurückkehren, sondern er kam aus den Tiefen des Weltalls und kehrte in dasselbe wieder zurück, nachdem er an unserer Sonne vorübergezogen war.

In dem gleichen Jahre erschien noch ein anderer Komet, der, – wie schon gesagt wurde, – eine historische (geschichtliche) Berühmtheit erlangt hat.

Es ist der große Halleysche Komet. Er wurde nach dem Berechner seiner Bahn um die Sonne herum, – nämlich nach Edmund Halley, – benannt. Dieser Schweifstern soll auch der Stern gewesen sein, der nach der Bibel die Weisen aus dem Morgenlande zur Krippe Christi geführt hat. Immer nach 75 Jahren kehrt er in den Punkt zurück, wo er der Sonne am nächsten steht und dann auch für unser Auge sichtbar wird.

Im Jahre 1985/1986 werden wir ihn wieder am Firmamente sehen.

Die Bahnen der Kometen sind Ellipsen, das heißt, sie haben die Form des Eies; aber diese Ellipsen sind oft so groß, daß sie weit hinaus in die fernen Sternenräume reichen. Man neigt heute immer mehr der Ansicht zu, daß auch die nichtperiodischen Kometen, also die »Kometenfremdlinge«, zu denen ja der Johannisburger Komet gehörte, auf solchen gewaltig großen, elliptischen Bahnen dahinlaufen. Wir sehen immer nur das Stück der Kometenbahn, das in der Nähe unserer Sonne liegt. Dies aber sieht aus wie ein Hufeisen. Man nennt eine solche hufeisenförmige Bahn eine Parabel! –

Wir haben gehört, daß ein Kometenkern von den Strahlen der Sonne langsam aufgelöst wird; indes nicht bloß der Kern, sondern der ganze Komet verflüchtigt sich nach und nach. Nun kommen aber gerade die Kometen von allen Körpern, die wir in unserem Sonnenreiche kennen, dem Tagesgestirne am nächsten, oft bis auf wenige tausend Kilometer.

Daß Kometen von der Sonne nach und nach aufgelöst worden sind, dafür haben wir eine ganze Anzahl von Beweisen. Zu ihnen gehört zum Beispiel der sogenannte »Bielasche Komet«, – benannt nach dem österreichischen Hauptmann Biela, der die Bahn des Schweifsternes um die Sonne herum berechnete. Dieser Komet teilte sich erst vor den Augen der Astronomen in zwei Teile und erschien dann gar nicht mehr. Die Astronomen vermuteten, daß die Sonne ihn nach und nach aufgelöst habe und daß die aufgelösten Teilchen über die ganze Bahnstraße, in der der Komet um die Sonne lief, zerstreut worden seien. Diese Annahme war richtig, denn als in der Nacht vom 27. zum 28. November 1872 unsere Erde die mit aufgelösten Teilchen besäte Bahn des »Bielaschen Kometen« um die Sonne durchschnitt, da entzündete sie die Teilchen, und wir sahen in jener Nacht einen wundervollen Sternschnuppenfall. Die kleinen Teilchen, in die sich der »Bielasche Komet« aufgelöst hatte, rieben sich nämlich am Luftmantel der Erde und erhitzten sich infolgedessen so stark, daß sie zu glühen begannen. Sie verglühten und vergasten, und wir sahen dies als Sternschnuppen!