Ein Gemütsmensch
Der Münchener Vertreter einer Lebensversicherungs-Gesellschaft erhielt kürzlich aus einem Provinzstädtchen folgenden vielsagenden Schreibebrief: „Hochgeehrter Herr! Mit tiefer Betrübnis im Herzen ergreife ich die Feder, um einige Zeilen an Sie zu richten. Meine liebe Frau Anna Maria, geborene Lindner, welche, wie Ihre Liste ausweisen wird, bei Ihrer ehrenwerten Gesellschaft für 3000 Mark versichert war, ist plötzlich gestorben und hat mich in Verzweiflung zurückgelassen. Der schmerzliche Schlag traf mich heute morgen 6 Uhr. Trachten Sie doch gütigst, daß ich die versicherte Summe recht bald erhalte. Die Police-Nummer ist 21 762. Ich kann im Ernst und in voller Wahrheit sagen, sie war eine treue Gattin und auch eine zärtlich liebende Mutter. — Ich habe, damit alles schneller geht, gleich das bezirksärztliche Zeugnis beigelegt. Sie war nur ganz kurze Zeit leidend; sie hat aber doch recht viel gelitten, und für mich war der Schmerz um so größer. Ich denke, Sie werden etwas zu meinem Troste beitragen und das Geld recht bald schicken, besonders wenn ich Ihnen die Zusicherung gebe, daß ich auch meine zweite Frau seinerzeit bei Ihnen versichern lassen will, und zwar um das Doppelte, also 6000 Mark. Mein Schmerz ist groß, jedoch die Hoffnung auf Ihre freundliche Güte und Gefälligkeit hält meinen gesunkenen Mut noch aufrecht. Der recht baldigen Einsendung des obigen Betrages sieht mit Hochachtung entgegen N. N. mit Kindern.“
Abwechslung
„Nachdem dem Herrn Kommerzienrat Mayer sein Kassierer mit dessen Frau durchgegangen ist, hat er sich eine Kassierin genommen!“ — „Nun, und jetzt?“ — „Ist er mit der Kassierin verduftet!“