Halensee
(Da, MUSE, DU den Geist in diese Richtung schickst: —)
Man hat die Lichtung des Parquets neu-gelb gewichst.
Weiß brennt der Saal.
Doch in den festlichsten Minuten
Verzischen heiß der Bogenlampen Fluten;
Ein Dämmerlicht von grün und roten Birnen
Rückt näher die Privatbeamten an die Dirnen.
Und hoch und tief im Hinterraum
Wächst nun empor ein Tannenbaum,
Den vorher keiner sah —
Rauscht auf und ist mit Glühbewußtsein da.
Aus Goldovalen weiht ein Fürstenlächeln
Erlaubte Lust im Voraus zur Askese;
Der Siegerkranz wird noch die Narben fächeln,
Und ehrlos macht allein die Antithese.
. . . Wie hockt und knarrt, wachholderhaft gestrüppig,
Das nette Unterholz an kleinen Tischen!
In Pfützen-Augen blinkt, gemäßigt-üppig,
Der Wunsch, reelle Kragenhöhen aufzufischen.
. . . Die Saiten und die Tasten
Schrilln den Kommando-Takt,
Da sind die süßen Lasten
Vom Faunengriff gepackt.
Sie setzen ein mit Wippen,
Mit Schwänzeln und mit Kippen.
Accentuiern ihr Rundes,
Als wär es ein Profundes;
Das ist ein Strecken, Haschen
Der Finger und der Taschen,
Als sollte schon im Stampfen
Die teure Gier verdampfen.
Dies Branden wird kein Öl vereiteln.
Öl glotzt verdummt von Herrenscheiteln,
Und — unter prallen Knallgas-Garben —
Entfaltet es Petroleumfarben.
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Schon zeigt ein jeder Bierglas-Pegel
Die Schmach des tiefsten Wasserstands,
Und rotgeschminkte Halbmond-Nägel
Vergilbung Cigarettenbrands.
Die Blusen mögen nicht mehr schließen,
Der Oberkellner murrt mit Nadeln.
„Ich schwur mirs zu, sie zu genießen!“
(Denn nur die Pflicht kann es noch adeln.)
Ihn quält an seiner Blutverlustmaid
Des kaum erworbnen Rechts Bewußtheit.
Und Lüste, schon vorausverdammte,
Erledigt der Privatbeamte.