IV.

Weihnachten und Neujahr waren herangekommen. Ich hatte diese festliche Zeit fast ausschließlich im Kreise meiner nächsten Verwandten zugebracht, war daher mit Burda, der jetzt mehr als je seine eigenen Wege verfolgte, nur wenig zusammengetroffen. Erst der beginnende Karneval brachte uns einander wieder näher. Burda forderte mich nämlich eines Tages auf, mit ihm den Hofball zu besuchen, der demnächst stattfinden sollte, und an welchem jeder Offizier teilnehmen konnte. „Du kannst dir wohl denken,“ sagte er, „was mich dazu bestimmt. Die Prinzessin erscheint jedenfalls auch, und somit ist die erste, vorderhand einzig mögliche Gelegenheit zu persönlicher Annäherung geboten. Man wird es herbeizuführen wissen, daß ich vorgestellt werde — das Weitere findet sich dann. Im übrigen ist es jedenfalls interessant, ein solches Fest in Augenschein zu nehmen.“ Ich pflichtete bei, und wir trafen die nötigen Verabredungen.

Es war ein eisig kalter, dunkler Januarabend, als Burda und ich — wir hatten einen Fiaker genommen — in der Hofburg vorfuhren und die hell erleuchtete Treppe hinanstiegen. Der Eintrittssaal war noch ziemlich leer; nur diensttuende Hofchargen, einige höhere Militärs — darunter auch der Adjutant des Fürsten L..., ein noch sehr junger, etwas stutzerhaft aussehender Major — und mehrere Staatsbeamte, welche Ordensritter waren, standen in kleine Gruppen verteilt. Nach und nach aber bewegte es sich immer zahlreicher durch die hohen, weit geöffneten Flügeltüren herein. Es glänzte und flimmerte von gold- und silbergestickten Uniformen, von Ordensbändern und Sternen; die Großwürdenträger des Reiches erschienen, darunter ungarische und polnische Magnaten in reicher, malerischer Nationaltracht. Endlich die Damen: ein blendendes Gewoge von Spitzen, Samt und Seide, von Blumen und Federn, von Diamanten und Perlen. Entblößte Nacken und Arme schimmerten; stolze, ausdrucksvolle Frauenköpfe tauchten auf, helle und dunkle Augen leuchteten, rosige Lippen lächelten Grüße zu. All das bewegte und drängte sich mehr oder minder rasch dem großen Saal entgegen, der erwartungsvoll die Zuströmenden aufnahm.

Die Prinzessinnen L... waren noch nicht erschienen, und schon begann das Antlitz Burdas, mit dem ich mich nahe am Eingang hielt, sich zu verfinstern — als sie in Begleitung einer älteren Dame von auffallender Hoheit in Gestalt und Blick hereintraten. Heute alle drei in duftiges, mit kleinen Silberflittern übersäetes Weiß gekleidet, Maiglöckchen im Haar — ein entzückendes Bild jugendlicher Anmut und Frische. Diesmal konnte ich deutlich wahrnehmen, daß Burda sofort bemerkt wurde. Um die Lippen der beiden Älteren zuckte es eigentümlich, während die Jüngste — ich glaubte mich nicht zu täuschen — wie unmutig das Haupt abwandte und mit einer gewissen Hast dem Saale zustrebte.

Als nun auch wir ihn betraten, standen wir vor einer dichten Menge, die keinen Überblick gestattete, während der Schall der verworrenen Stimmen wie fernes Meeresbrausen an unser Ohr schlug. Plötzlich trat tiefe Stille ein, und die Massen teilten sich. Eine Tür hatte sich geöffnet, auf deren Schwelle der Zeremonienmeister erschien, das Nahen des Hofes ankündigend. Gleich darauf zeigte sich der jugendliche Monarch, der damals seine hohe Braut noch nicht heimgeführt hatte, eine Erzherzogin am Arm. Hinter ihnen die männlichen und weiblichen Familienmitglieder — dann der gesamte Hofstaat, mit dem Fürsten L... an der Spitze. Der Kaiser geleitete seine Dame nach der Balustrade, woselbst sie im Kreise der übrigen Platz nahm. Gleich darauf erhob sich der Taktierstab des Kapellmeisters — und der Ball begann.

Sofort vollzog sich eine Bewegung im Saale. Die älteren Herren verließen ihn oder zogen sich in entfernte Ecken zurück, während die Tanzlustigen, so gut es anging, in der Nähe der Damen blieben, welche längs der Wände zu sitzen kamen.

Ich selbst hatte mich von Burda zurückgezogen und war mit mehreren andern in eine offene Verbindungstür getreten; von dort aus konnte ich den ganzen Saal überblicken, wo der Tanz bereits begonnen hatte. Bald fiel mir auch unter den walzenden Paaren die Prinzessin ins Auge, die mit einem blutjungen Dragoneroffizier von kleiner, aber zierlicher Gestalt lustig dahinflog. Ich spähte nach Burda und fand ihn an einem Pfeiler stehen, den er auch hier, hart an einem Spiegel, zu behaupten gewußt hatte. Wie ich ihn so betrachtete, der, ein Bild starrer Erwartung, vor sich hinblickte, kam mir seine Erscheinung weit weniger vornehm und anziehend vor, als sonst; er wurde offenbar von der ganzen Umgebung in den Schatten gestellt. Auch fiel mir jetzt zum erstenmal auf, daß seine Gesichtszüge eigentlich unbedeutend waren und daß er eine sehr kleine, gedrückte Stirn hatte.

Während ich so meine Betrachtungen anstellte, fühlte ich mich leicht an der Schulter berührt. Ich wendete mich um — und stand dem Adjutanten des Fürsten gegenüber.

„Dürfte ich Sie bitten,“ sagte der Major sehr freundlich mit leiser Stimme, „mir einen Augenblick zu schenken, Herr Leutnant? Ich hätte ein paar Worte mit Ihnen zu sprechen.“ Er faßte mich zuvorkommend unter dem Arm und führte mich in ein kleineres Nebengemach, wo ein vereinsamtes Büfett stand. Dort lud er mich zum Sitzen ein und begann, indem er mir vertraulich näher rückte: „Vor allem möchte ich Sie fragen, wie der große, schlanke Offizier heißt, welcher im Saale an einem Spiegelpfeiler steht. Sie werden wohl wissen, wen ich meine, da Sie, wenn ich nicht irre, in seiner Gesellschaft hier erschienen sind.“

Ich war begreiflicherweise gleich anfangs sehr betreten gewesen; nun aber suchte ich mich zu fassen und nannte mit möglichster Unbefangenheit den Namen Burdas.

„Und darf ich mir erlauben, weiter zu fragen, ob Sie mit diesem Herrn näher bekannt sind — das heißt, ob Sie mit ihm auf vertrautem Fuße stehen?“

Ich erwiderte, daß Burda mein Freund sei.

„Das ist mir lieb“, sagte der Major, indem er seine Hand leicht auf die meine legte. „Denn Sie können Ihrem Freunde auch einen wahren Freundschaftsdienst erweisen. Wollen Sie das?“

Diese Worte klangen höchst einschmeichelnd; aber mir ahnte nichts Gutes. „Gewiß bin ich bereit — und wenn Sie mir erklären wollen — —“

Er lehnte sich zurück und hustete leicht. „Nun,“ begann er, „das Ganze ist von nicht allzu großer Bedeutung — aber immerhin eine delikate Angelegenheit. Ihrem Freunde hat es nämlich beliebt, an der jüngsten Tochter meines Chefs Wohlgefallen zu finden. Nun steht dies allerdings jedermann frei, besonders einem in jeder Hinsicht ausgezeichneten Offizier, wie dies Ihr Freund ohne Zweifel ist. Nur mit den Kundgebungen seines Wohlgefallens sollte er, in richtiger Erwägung der Umstände, etwas vorsichtiger sein. Daß er im Theater beständig nach der fürstlichen Loge blickt, möchte noch hingehen. Allein die Prinzessin kann seit einiger Zeit kaum mehr ans Fenster treten, ohne den Herrn Leutnant zu gewahren, der vor dem Palais auf und nieder schreitet; sie kann keinen Spaziergang unternehmen, ohne von ihm, wie von ihrem Schatten, gefolgt zu werden — ja selbst, wenn sie ausfährt, weiß es Ihr Freund so einzurichten, daß er beim Ein- und Aussteigen stets in der Nähe ist. Unlängst ist es sogar vorgekommen, daß, als der Wagen eine Zeitlang vor einem Juwelierladen hielt, eine Rose durch das offene Coupéfenster geworfen wurde. Im Anfang“, fuhr der Major mit ironischem Lächeln fort, „hat man die Sache nicht allzu übel aufgenommen. Sie wissen ja, junge Damen sind — wie soll ich nur sagen? — unter allen Umständen nicht ganz frei von einer gewissen Koketterie. Bald aber mokierte man sich — und jetzt, da bereits zum zweiten Male mit der Post anonyme Verse eingetroffen sind, in welchen die licentia poetica bis zum äußersten getrieben wurde — jetzt fängt man an, diese fortgesetzten Huldigungen unerträglich zu finden, und hat sich bemüßigt gesehen, den durchlauchtigsten Papa ins Vertrauen zu ziehen. Dieser hat wieder mich beauftragt, die Sache in unauffälligster, schonendster Weise beizulegen, und ich selbst glaube am besten zu tun, wenn ich Sie jetzt herzlich bitte, Ihren Freund auf das Unstatthafte seines Benehmens aufmerksam zu machen.“

Da hatte ich nun, was ich vorausgesehen, und befand mich in größter Verlegenheit. „Sie werden nicht verkennen, Herr Major,“ sagte ich nach einer Pause, „welch peinlichen Auftrag Sie mir da erteilen. Es fällt immer ein schiefes Licht auf denjenigen, der sich in fremde Angelegenheiten mischt, und oft wird gerade der wohlmeinendste Rat zur Beleidigung. Das aber habe ich meinem Freunde gegenüber zu befürchten, der in jeder Hinsicht von äußerster Empfindlichkeit ist. Da ich jedoch erkenne, daß ihm jedenfalls ein Wink gegeben werden muß, so werde ich es trotzdem versuchen, wenn ich auch — und ich bitte dies wohl zu beachten — für den Erfolg nicht einstehen kann.“

„Gewiß, das können Sie nicht“, sagte der Major, indem er aufstand. „Aber ich lege Ihnen die Sache noch einmal ans Herz; denn ich würde es aufrichtig bedauern, wenn ich gezwungen wäre, andere Wege einzuschlagen.“

Er hatte bei diesen Worten eine etwas strenge Miene angenommen und reichte mir die Hand zum Abschied.

Den unerquicklichsten Gedanken und Empfindungen überlassen, ging ich noch eine Weile auf dem glatten Fußgetäfel des stillen Raumes auf und nieder, in welchen die Tanzmusik, leicht gedämpft, herüberdrang. Da war denn der leuchtende Traum Burdas zerflossen und hatte einer höchst unangenehmen Wirklichkeit Platz gemacht! Was sollte ich nun tun? Wie dem Verblendeten die Augen öffnen, um ihn vor dem Fluch der Lächerlichkeit — und vielleicht vor noch Schlimmerem zu bewahren? Ich trat an das Büfett und trank ein Glas Limonade, ohne den Süßigkeiten Beachtung zu schenken, die vor mir in allen Formen und Farben aufgehäuft waren. Dann machte ich mich wieder auf den Weg nach dem Saale, wo eben eine Française zu Ende ging. Wie ich bemerken konnte, hatte die Prinzessin auch diese mit dem jungen Dragoneroffizier getanzt, dessen zartes, fast mädchenhaftes Gesicht sehr erhitzt aussah. Als sich jetzt die Reihen lösten und die Paare Arm in Arm nach rechts und links auseinanderbogen, verließ eine Schar von Zusehern den Saal, darunter auch Burda, der kreidebleich war und mich kaum erkannte, als ich jetzt auf ihn zuging.

„Ah, du bist’s!“ sagte er endlich. „Wo hast du denn gesteckt?“

„Ich war in einem Nebenzimmer, wo ich mich nach einigen Erfrischungen umgesehen hatte.“

„Und sonst — wie unterhältst du dich?“ fragte er zerstreut.

„So ziemlich. Und du?“

„O gut, ganz gut! Aber ich gehe jetzt.“

„Schon jetzt?“

„Ja; ich habe Kopfschmerzen — mir war den ganzen Tag nicht recht wohl — —“

„Nun, dann gehe ich gleich mit. Ich habe hier auch nichts mehr zu suchen.“

Ich konnte bemerken, daß ihm meine Begleitung sehr unangenehm war. Aber ich kehrte mich diesmal nicht daran. Er hatte sich offenbar in seinen Erwartungen getäuscht gesehen, war tief verstimmt — und so nahm ich mir vor, an seiner Seite zu bleiben und das Eisen zu schmieden, so lange es noch glühte.

Auf der Straße angelangt, schlug er den Kragen seines Mantels hinauf und eilte so rasch über den Josefsplatz, daß ich Mühe hatte, ihm zu folgen.

„Warum läufst du denn so?“ rief ich ihm zu.

„Du hast doch gehört, daß ich Kopfschmerzen habe,“ erwiderte er zornig, ohne mich anzusehen. „Ich will bald zu Hause sein.“

„Du bist übler Laune“, sagte ich. „Dir ist etwas Unangenehmes begegnet.“

„Mir? Wieso? Warum?“

„Ich weiß es“, erwiderte ich fest. „Man hat sich auf dem Balle nicht umsonst deinetwegen an mich gewendet.“

Er blieb wie versteinert stehen. „An dich? Meinetwegen? Was willst du damit sagen?“ fragte er mit bebender Stimme.

Und nun teilte ich ihm, während wir weiter schritten, das Gespräch mit dem Major mit. Um ihn fürs erste möglichst zu schonen, streifte ich den heikelsten Punkt, nämlich den Unwillen der Prinzessin, nur flüchtig und legte das Hauptgewicht auf den Fürsten und auf den Auftrag, den dieser seinem Adjutanten erteilt hatte.

Aber der Erfolg war ein ganz anderer, als ich vorausgesetzt. Bei jedem Worte, das ich sprach, schien er freier und leichter aufzuatmen; sein Antlitz erhellte sich — und plötzlich rief er mit triumphierendem Lachen: „Also das ist es? Das!

Ich sah ihn verwundert an.

„Also deswegen“, fuhr er fort, „hat sie mich heute wie absichtlich keines Blickes gewürdigt? Deshalb hat sie in einem fort mit diesem jungen Laffen, dem Prinzen A..., getanzt?! O, lieber Freund, ich könnte dich für deine Mitteilung umarmen!“ Und damit schritt er, sich froh in die Brust werfend, dahin.

„Aber lieber Freund, bedenke doch —“ sagte ich ernst.

„Nein! Nein! Kein Wort mehr, ich weiß genug. Es kann sein, daß ich mich in letzter Zeit etwas unvorsichtig benommen; vielleicht hat sich die Prinzessin selbst unklugerweise irgendwie verraten — und nun, da man merkt, wie es steht, will man mich ins Bockshorn jagen. O, ich kenne das!“

Ich war äußerst unzufrieden mit mir und verwünschte es, daß ich so rücksichtsvoll vorgegangen. Ich hätte alles geradezu heraussagen sollen; denn nun hatte ich ihn gewissermaßen selbst zu dieser irrigen Auffassung verleitet. Diesen Fehler suchte ich wieder gutzumachen, indem ich sagte: „Du bist im Irrtum und sollst daher rundweg erfahren, daß sich die Prinzessin bei ihrem Vater über dein Vorgehen beschwert hat.“

Er lachte laut auf. „Das ist die rechte Höhe! Verzeih, lieber Freund, du bist in der Tat ein höchst naiver Mensch. Begreifst du denn nicht, daß man jetzt vor allem trachten muß, mich ihr gegenüber zu entmutigen? Nein, nein, mein Teurer! Bemühe dich nicht! Wie gesagt: ich weiß genug. Das Weitere wird meine Sache sein. Aber nun fühle ich das Bedürfnis, allein zu bleiben. Du wirst mich entschuldigen. Adieu! Schlaf wohl!“ Und er ließ mich an der Ecke der Singerstraße, wo wir eben angelangt waren, stehen und bewegte sich raschen Ganges mit stolz erhobenem Haupte dem Stephansplatze zu.

Ich ging langsam nach Hause. Je länger ich über das Vorgefallene nachdachte, desto mehr kam ich zur Einsicht, daß ich ein solches Ergebnis hätte erwarten können. Er hatte sich in seine fixen Ideen dermaßen verrannt, daß nur der allerunsanfteste Zusammenstoß mit der Wirklichkeit ihn zur Besinnung bringen konnte. Mochte dieser Zusammenstoß erfolgen! Ich hatte das meinige getan, und Burda mußte sich die Folgen selbst zuschreiben, wenn er meine Ermahnungen in den Wind schlug. — —

* *
*

Seitdem waren kaum zwei Tage verstrichen, als er, der mir inzwischen sichtlich ausgewichen war, nach flüchtigem Pochen an die Tür in mein Zimmer stürzte. „Nun, was sagst du dazu?“ rief er, indem er ein kleines bedrucktes Blättchen vor mich hin auf den Tisch schnellte. „Lies!“

Es war ein Zeitungsausschnitt, der ein Inserat enthielt. Es lautete:

Tellheim.

Wir werden beobachtet. Äußerste Vorsicht geboten. Hoffe und vertraue! Unveränderlich

F.“

„Nun,“ drängte er, „verstehst du? Begreifst du?“

„Was soll ich denn verstehen?“ fragte ich, ihn zweifelhaft anblickend.

„Nun, so will ich denn deiner Fassungskraft zu Hilfe kommen. Tellheim — damit bin ich gemeint. Wir werden beobachtet — geht dir noch immer kein Licht auf? Äußerste Vorsicht geboten — werde ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hoffe und vertraue! Unveränderlich F. — Fanny. Du weißt doch, daß die Prinzessin Fanny heißt?“

„Also du glaubst ...?“ rief ich, außer mir vor Erstaunen über diese neue Phase seines Wahnes. „Aus welcher Zeitung ist das?“

„Aus dem Fremdenblatt.“ Dieses Journal wurde damals in den weitesten Kreisen gelesen und war so ziemlich das erste, das sich mit derlei Einrückungen befaßte.

„Du setzest wirklich voraus, daß die Prinzessin sich an das Ankündigungsbureau des Fremdenblattes —“

„Warum nicht?“ unterbrach er mich rauh. „Es gibt doch vertraute Zofen, die man mit derlei beauftragen kann.“

„Je nun — in Romanen. Aber selbst angenommen, daß man sich einer solchen Vermittlerin bedient, so wäre es doch weit einfacher — und auch weit besser gewesen, wenn man dir geschrieben hätte.“

Er stutzte. „Vielleicht“, erwiderte er verwirrt. „Und sie würde mir auch gewiß geschrieben haben,“ setzte er, froh eine Ausflucht vor sich selbst zu finden, rasch hinzu, „wenn sie meinen Namen wüßte.“

„An deiner Stelle würde ich es sehr sonderbar finden, daß dies noch nicht der Fall ist. Es wäre doch sehr leicht gewesen, deinen Namen zu erfahren.“

„Allerdings“, bekräftigte er, ärgerlich darüber, daß ich ihn in diese Klemme gebracht. Aber schon zeigte er sich von einer plötzlichen Eingebung erleuchtet. „Und man wird ihn auch wissen. Aber Geschriebenes bleibt nun einmal Geschriebenes und kann sich unter Umständen zu einem gefährlichen, weil verräterischen Dokumente gestalten, während ein solches Inserat immer und ewig nur dem Eingeweihten verständlich bleibt. Ich sehe übrigens,“ fuhr er mit zusammengezogenen Brauen kühl und gemessen fort, „daß du dich, um mir nicht zustimmen zu müssen, gewaltsam gegen diese sprechende Tatsache verstockst. Ich finde dies, nachdem dich der Major ins Vertrauen gezogen, auch sehr begreiflich. Du kannst übrigens in dieser Hinsicht vollkommen beruhigt sein. Denn insoweit kennst du mich wohl, daß ich der Mann bin, der nunmehr, nach allem, was da vorgefallen, die äußerste Zurückhaltung beobachten wird. Daher auch diese ganze Angelegenheit zwischen uns beiden von heute an nicht mehr zur Sprache kommen soll.“ Er verbeugte sich sehr förmlich und ging aus dem Zimmer.

Mochte er gehen! Wenn er nunmehr vollkommene Zurückhaltung bewahrte, so war dies gut für ihn, erwünscht für diejenigen, die seinen Kundgebungen ausgesetzt gewesen. Der Zweck meiner Mission war erfüllt. Im übrigen konnte die Sache auf sich beruhen.