Freudenhöhe-Tobiaskiefer (2½ Std.).
Von Freudenhöhe weg wandert man auf der prächtigen Kaiserstraße wsw.; sie zieht sich zwischen hochstämmigem Wald, der jede Aussicht absperrt, an der nach N. abfallenden Lehne des Schwammberges fast eben dahin und ist überdies rechterseits mit einer Allee alter Eschen besäumt. Erst nach 14 Min. wird die Straße waldfrei; r. vorn erscheint der Trögelsberg, l. rückwärts an der Lehne des Schwammberges begrüßt uns als erster Vorposten des Sandsteingebirges das schroffe, von Kletterfexen hie und da aufgesuchte Gebilde des »Rabensteins«. In 1 Min. ist die einschichtig an der Straße r. gelegene als No. 168 zu dem wenige Min. entfernten Pfarrdorfe Pankraz gehörige Windschänke auf der 391 m hohen Satteleinsenkung zwischen Schwammberg (659 m) und Trögelsberg (537 m) erreicht, wo von r. her aus dem Neißetale eine Bezirksstraße über die weit zerstreute Ortschaft Niederberzdorf (117 H.) in 45 Min. einmündet. Das Gasthaus führt seine Bezeichnung »zur freien Aussicht« nicht mit Unrecht: ein fesselndes Panorama spannt sich zwischen den Gehängen des Schwammberges im SW. und des Trögelsberges im NO.
So ziemlich den Mittelpunkt bildet über Ringelshain (Kirche und Fabriksschlote) der Ortelsberg bei Zwickau, dem in gleicher Entfernung der Limberg bei Mergtal r. und der Tolzberg bei Brims l. zur Seite steht. Zwischen Ortelsberg und Limberg sind rückwärts die Rücken von Sonneberg und Blottendorf eingeschoben; knapp r. am Limberg zeigt sich die Spitze des Kleis über den Häusern von Schwarzpfütze im Vordergrunde, dann folgt vorn der Falkenberg bei Petersdorf vor den Bergen bei Falkenau, und den Abschluß auf dieser Seite bildet der Hochwald (Turm), hinter dem r. der Gipfel der Lausche hervorschaut. Andererseits, zwischen Ortelsberg und Tolzberg, erhebt sich der Laufberg bei Brims l. hinter Ringelshain. 2. an den Laufberg schließt sich jenseits der hochgelegenen Häuser von Kunewalde das Schwoikaer Gebirge vor dem Koselrücken. 2. vom Tolzberge hat man das Pfarrdorf Pankraz zu Füßen vor dem Kirchberge, der den Roll deckt, l. neben sich aber die Spitzen der beiden Bösige dem überraschten Beschauer frei läßt.
Das Gasthaus gehört zu dem vor uns am Fuße des Kammes liegenden, nur wenige Min. entfernten, alten Pfarrdorfe Pankraz, das im 14. Jahrh. »Dietrichsdorf« hieß, in der 1710 erbauten Kirche zwei wertvolle Bilder besitzt und 176 Häuser zählt, deren Bewohner vorwiegend Landwirtschaft betreiben. Pankraz ist Geburtsort des 1662 im Alter von 55 Jahren verst. gekrönten Dichters Christian Keimann. Von hier sind die Bahnstationen Ringelshain und Schönbach-Seifersdorf auf guten Straßen in je 40 Min. zu erreichen, wobei man die ganz nahe r. am Saume des Trögelsbergwaldes gelegenen »Elefantensteine« nicht übersehen möge, Sandsteingebilde von Elefanten ähnlicher Gestaltung, die nach ihrer Färbung auch die »weißen Steine« genannt werden.
Knapp hinter dem Gasthause zweigt der Kammweg r. von der Kaiserstraße ab und führt ziemlich steil in einer Art Hohlweg lehnan durch Nadelwald auf die Höhe des Trögelsberges (537 m). Dieser bildet den höchsten Punkt des westlichen Abfallrückens des Jeschkengebirges und ist sowohl wegen des in scharfem Kamm anstehenden und den darunter lagernden Grauwackenschiefer in steil aufgerichteten mächtigen Bänken überragenden Koryzaner Quadersandsteins, wie auch wegen der in den Sandsteinbrüchen daselbst vorfindlichen Versteinerungen (insbes. Pecten aequicostatus) eine für Geologen höchst interessante Örtlichkeit, so daß selbst Alexander v. Humboldt, wie es heißt, noch als Greis im J. 1851 hieher reiste. Auch Kaiser Josef II. berührte am 17. Sept. 1779 gelegentlich seiner strategischen Bereisung Nordböhmens diesen Berg. Er gewährt von den felsigen Punkten seines Kammes – der Gipfel selbst ist bewaldet – eine weite Rundsicht, die nur gegen den sö. vorgelagerten Jeschkengebirgszug unterbrochen, äußerst lohnend aber gegen W. ist.
Im N. erblickt man zu Füßen die Häuser von Niederberzdorf, dahinter Grottau und Zittau mit den umliegenden Ortschaften, rückwärts – besonders schön – die Landeskrone bei Görlitz; nö. den Gickelsberg, weiter r. das Isergebirge mit den Vogelkoppen und der Tafelfichte; ö. unten im Neißetale Weißkirchen und einen Teil von Kratzau; sö. jenseits des Pankrazer Sattels den massigen Kalkberg und den Langeberg; s. Ruine Dewin, r. davon die Hirschberge, Roll, Wartenberger Limberg, Kamnitzberg (Turm); Tolzberg im Südwesten, r. dahinter Leipaer Spitzberg (Turm) und Schwoikaer Gebirge; w. Ortelsberg und Mergtaler Limberg; nw. Hochwald und Lausche hinter dem Pfaffenstein.
Wohl Niemand versäumt es, ein oder das andere Gesteinsstück mit besonders schönen Muschelabdrücken aus dem zum Teil mauerartig aufstrebenden Gestein als Andenken abzulösen, bevor er über das bröcklige Gestein der Kuppe hinabsteigt auf den bequemen Weg, der in prächtigem Jungwald längs des Kammes weiterzieht. Nach wenigen Min. kreuzt ihn ein Fußsteig, der von Pankraz herauf nach Niederberzdorf führt, ungefähr an der Stelle, wo der Blick an einer mächtigen Felsenwand vorbei auf den Hochwald fällt, der mit seinem Turme die vorliegenden Baumwipfel überragt. Ein prächtiges Bild! – Hochstämmiger Nadelwald nimmt uns auf, die so eben erwähnte, vielfach zerklüftete Felsenwand, die sogenannten »Trögelsteine«, die im Spitzstein (507 m) gipfeln, lassen wir zu unserer Linken und wandern etwas abwärts, hie und da an einen Grünsteinbrocken stoßend, bis wir – 30 Min. nach Verlassen der Trögelsbergkuppe – am Waldsaume bei einem hohen Kreuze angelangt sind, im Angesichte der Häuser von Paß.
Auf dieses Kreuz mag sich die folgende Legende beziehen, die sich im Munde des Volkes erhalten hat und in Prof. Paudler's Kammwegbuche wiedererzählt wird. Als einst ein Grenzjäger dieses Christusbild erblickte, soll er ausgerufen haben: »Was kann so ein blecherner Christus nützen!« Und bei diesen Worten schoß er nach dem Christusbilde und traf den Heiland in die Seite. Allein in demselben Augenblicke stürzte der Grenzjäger tot zur Erde, um nie wieder ein Frevelwort auszustoßen.
Wir überschreiten die von Wiesen und Feldern überdeckte, 450 m hohe Lichtung des Passerkammes, welcher als Scheidegrenze des Jeschkengebirges vom Sandsteingebirge gilt, dessen östlicher, 13 km langer Flügel vom Lauschepaß bis hieher reicht. Das vorherrschende Gestein dieses Gebirges, das wir nunmehr bis zum Endpunkte der Kammwanderung, zum Rosenberge, nicht mehr verlassen, ist der Sandstein, der in Tälern und Schluchten in weißgrauen Felsmassen überall anzutreffen ist, im übrigen aber überlagert wird von mächtigen Decken des Basalts und Klingsteins, die der Landschaft eine weitgehende Gliederung verleihen.
Bevor wir weiterschreiten, beachten wir nach l., bezw. s. den Ausblick auf den Limberg bei Wartenberg und dahinter auf den Roll und die Buchberge bei Hühnerwasser, etwas weiter l. auf Silberstein und Spitzberg bei Audishorn. Nach 3 Min. sind wir bei den ersten Häusern des Dorfes Paß, das in diese Lichtung eingebettet ist. Bei der Ortskapelle treffen wir auf die Dorfstraße, wenden uns nach r. und haben das ansehnliche, massiv gebaute Slany'sche Gasthaus vor uns, neben einer stattlichen, im J. 1832 gepflanzten Linde, die einigen zur Rast einladenden Tischen und Bänken Schatten spendet. Paß ist ein kleines Gebirgsdorf mit 24 Häusern, die sich in zwei Reihen hinziehen, und mag ziemlich alt sein. Wenigstens war der »Paß« als Saumweg und Straßenübergang einst so berühmt, daß der Ortschaft diese Bezeichnung bis heute als Auszeichnung verblieben ist. Wegen seiner hohen und schönen Lage wurde der Ort in alter und neuer Zeit von Fremden viel aufgesucht und auch von Feinden heimgesucht, namentlich im Franzosenkriege 1813 und im Preußenkriege 1866; auch 1778 hatten hier und bei Spittelgrund die Preußen Verschanzungen und Verhaue angelegt. Auch ist am 30. Juni 1766 der nachmalige Kaiser Josef II. auf seiner Reise von Zittau nach Reichenberg von Grottau aus herauf geritten. Über Paß führt heute eine Bezirksstraße einerseits nach Pankraz (45 Min.), andererseits über Spittelgrund (30 Min.), wohin Paß eingeschult ist, in 40 Min. nach Grottau (Bahnstation); auch von der Station Ketten (40 Min.) über Niederberzdorf (20 Min.) mündet eine Straße ein, während ein Fußweg über Schwarzpfütze zur Station Ringelshain führt (1 Std.). Reich ist die Chronik von Paß und Umgebung an Pascher- und Räubergeschichten, die zu der Zeit sich abspielten, bevor im vorigen Jahrh. (um 1830) die Grenzwache, die jetzige Finanzwache, errichtet wurde. Heutzutage ist man im Paßer Gasthause gut und sicher aufgehoben.
Zwischen Gasthaus und Linde hindurch führt der Kammweg weiter. Die an einander gereihten Häuser von Paß bleiben r., und über sie hinaus schweift der Blick auf das granitische Neißetal bei Zittau und Grottau, auf den Gickelsberg dahinter und weiter aufs Iser- und Riesengebirge. Während wir uns um den 532 m hohen bewaldeten Hügel westlich des Dorfes herum nach l. wenden, kommen r. an der Tallehne des Spittelbaches einige Häuser des nahen Dorfes Spittelgrund (74 H.) zu Gesicht, woselbst der Dresdner Bildhauer Franz Schwarz, ein Neffe des aus Grafenstein stammenden Bischofs Franz Bernert, geboren ist. Bald darauf nimmt uns hochstämmiger Nadelwald auf; ein breiter Pürschweg führt darin mit wenig Windungen und fast eben in westlicher Richtung weiter zur Seite des Kaisergrundes, der sich zur Rechten, aber für uns unsichtbar, am Spittelbach gegen die Tobiaskiefer hinaufzieht und seinen Namen deshalb bekommen hat, weil ihn Kaiser Josef II. am 17. Sept. 1779 in der Richtung auf Lückendorf durchritt; über ihn hinweg ist an vereinzelten Stellen blitzartig ein Durchblick gegen den Hochwald hin zu erhaschen.
Dichter Wald umgibt auch die 15 Min. vom letzten Hause in Paß unmittelbar r. am Wege sich erhebenden Rabensteine, gewaltige, durch tiefe, enge Schluchten zerrissene, in parallelen Mauern aufgebaute, 472 m hohe Sandsteinfelsen, die man leicht verpassen kann, weil sie ebenso, wie die linker Hand, aber weiter abseits und versteckt gelegenen »Puppensteine« nur wenige Meter über die Baumwipfel hinausragen, immerhin aber wegen der Schönheit und Seltenheit der gigantischen Formen und wegen der Steilheit ihrer Abstürze sehenswert sind. Die höchsten dieser Felsen messen ungefähr 18–20 m und sind, eine gewisse Fertigkeit im Klettern vorausgesetzt, durch zwei Kamine besteiglich; die eine dieser Spitzen, die sogenannte »Fellerwand«, wurde zum erstenmale am 19. Juni 1894 von mehreren Reichenberger Touristen unter Führung eines bekannten Zittauer Bergsteigers erklettert. Einige der Felssäulen sind jedoch unschwer besteiglich und lassen ein malerisches Berg- und Waldland vom Hochwald bis zur Tafelfichte überblicken.
Nach 45 Min. angenehmer Waldwanderung von Paß aus trifft man auf eine Waldlichtung, die zur Linken einen Ausblick auf die Jeschkenkoppe und r. unter ihr auf den Silberstein und den Audishorner Spitzberg gestattet, und woselbst an einer Fichte zur Rechten ein Kruzifix angebracht ist, der sogenannte Bäckenherrgott, zur Erinnerung an einen Grottauer Bäckermeister, welcher hier ermordet wurde, als er, mit Geld wohl versehen, nach Gabel zum Einkauf von Getreide ging.
Hier kreuzt nämlich den Kammweg ein Fußsteig, der l. von den Bahnstationen Lämberg-Markersdorf (über Jüdendorf) und Ringelshain (über Finkendorf) in je 1¼ Std. heraufkommt und r. in wenigen Min. in den schon erwähnten Kaisergrund hinabführt, um in diesem bachabwärts unter herrlichen Aufblicken zum Pfaffenstein mit seinen ruinenartigen Gipfelfelsen (l.) und zu den Rabensteinen (r.) Spittelgrund in 15 Min. zu erreichen.
Unser Kammweg führt einen berasten Steig aufwärts in 20 Min. auf einer kahlen, von plattenförmig abgesondertem Basalt gebildeten Hügel, den Gipfelpunkt des im Mittel 513 m hohen Schwarzenberges, wo sich mitten im Waldmeere ein ebenso unerwartetes wie fesselndes Landschaftsbild aufrollt, das man bequem auf natürlichem Steinsitze genießen kann. Die Aussicht beginnt am Gickelsberge im NO., erstreckt sich über drei Quadranten des Horizonts bis zur Lausche im NW. und ist nur gegen N. in die Zittauer Gegend durch zu hohen Waldbestand unterbrochen.
R. an den Gickelsberg schließen sich die Höhen des Isergebirges mit den Hemmerichbergen (in der Richtung der Tafelfichte), den Mittagsteinen, dem Taubenhaus, Sieghübel und Schwarzenberge im O., wo sich der breite Kamm des Trögelsberges und anschließend der Jeschkenrücken vom gr. Kalkberge bis zur Koppe in sö. Richtung vorschiebt. An dem diesseitigen Fuße lagern, durch den Kirchberg von einander geschieden, die Kirchdörfer Pankraz und Ringelshain, vor letzterem Finkendorf, und über beide hinaus, hinter einander, Silberstein, Audishorner Spitzberg und Dewin mit dem Hammerspitz. So ziemlich genau im S. liegt Schloß Lämberg, so greifbar und stattlich, wie gewiß von keiner andern Seite; l. und r. vor ihm füllen den Hintergrund der Roll (l.) und der gr. Petzberg im Kummergebirge (r.). Unmittelbar r. unter dem Schlosse glitzert der Spiegel des Markersdorfer Teiches, hinter welchem die Stadt Deutschgabel vor der dunklen Kuppe des Tolzberges sich breit macht. Die sw. Richtung ist durch den Kamnitzberg bei Reichstadt gekennzeichnet, hinter welchem l. der Maschwitzer Berg und noch weiter die Nedoweska in der Daubaer Schweiz sichtbar sind. R. auf den Kamnitzberg folgt der Laufberg bei Wellnitz, noch weiter der Ortelsberg bei Zwickau, und zwischen beiden hindurch decken sich die Schwoikaer Berge, der Leipaer Spitzberg (Turm) und der Koselrücken. Gegen W., gerade in der Richtung der Tobiaskiefer, der wir zusteuern, hat man ziemlich nahe den betürmten Hochwald vor sich, neben ihm r. die Lausche, l. den Mergtaler Limberg, vor ihm den Raubschloßberg. Zwischen Hochwald und Limberg schieben sich der Kaltenberg (Turm) und der Kleis, zwischen Limberg und Ortelsberg der Kottowitzer und der Langenauer Berg hinter dem Rodowitzer Hutberge ins Gesichtsfeld, während die betürmte Kuppe des Tannenberges zwischen Hochwald und Lausche zu suchen ist.
Auch pflanzlich ist der Hügel beachtenswert; kräftige Exemplare gelbblühender Arnika (Arnica montana L.) schmücken nebst den purpurroten Blüten der knolligen Platterbse (Lathyrus tuberosus L.) den Grasteppich, während die weißlila Trauben der Waldwicke (Vicia silvatica L.) das Gebüsch umspinnen.
Vom Schwarzenberge absteigend, an einem Grenzstein mit der Jahreszahl 1723 vorüber, trifft man nach 15 Min. auf eine Schneiße, die sich nach r. öffnet und den Pfaffenstein in herrlichem Durchblicke zeigt, während man l. unmittelbar die Tobiaskiefer vor sich hat. So heißt eine uralte Kiefer mit einem Bilde des biblischen Tobias, das der Holzhändler Tobias Kunze, der Großvater der Wirtin in der Paßer Schänke, anbringen ließ, als er ums Jahr 1800 die dortige Waldstrecke zum Abtriebe erstanden hatte. Die Kiefer, bei welcher die Pascher viel verkehrten, ließ er zum Andenken stehen, worauf sie nach seinem Vornamen benannt wurde. Es ist dies aber auch ansonsten eine wichtige Stelle in dem weiten Waldgebiete. Hier verläuft bei 498 m Seehöhe die Wasserscheide zwischen Neiße und Polzen, bzw. zwischen Ost- und Nordsee, und die Zuflüsse – Weißwasserbach und Spittelbach neißewärts, Petersdorfer Bach polzenwärts – haben ihre Ursprungsadern nahe bei einander. Hier überschneiden sich auch mehrere Wege. Von N. her führt die alte Zittauer Straße, auf der uns später das Kammzeichen weiter geleiten wird, bei der Tobiaskiefer vorüber (gelbe Marken) in 45 Min. s. waldabwärts nach Finkendorf – ein von Touristen gern besuchtes, nach dem ehemaligen Ringelshainer Schulmeister Sebastian Finke, der sich 1683 daselbst zuerst ansiedelte, benanntes Wald- und Weberdorf mit 64 Häusern – und in 30 Min. weiter zur Bahnstation Ringelshain.
An dieser alten Straße, nahe sw. der Tobiaskiefer, erhebt sich der Raubschloßberg (535 m), dessen beholzter Gipfel ehedem die Burg Winterstein trug, deren Erbauung in jene Zeit fällt, als die Straße von Zittau nach Gabel noch nicht über den Lückendorfer Paß führte. Sie war schon 1369 eine »alte« Burg und wurde am 25. Juli 1441 von Johann von Wartenberg auf Blankenstein zugleich mit der benachbarten Burg Karlsfried an die Stadt Zittau verkauft, welche beide Burgen am 10. Aug. 1442 abtragen ließ, um an der Grenze alle in Fehdezeiten lästig werden könnenden Schlupfwinkel los zu sein; 1582 war die Burgstätte noch in ihrem Besitz. Ein Abstecher dahin lohnt sich jedoch nicht, da die Überreste (Spuren einer Burgwarte, eines Wallgrabens und Grundmauerwerk) zu unbedeutend und so gut wie unauffindbar sind.
W. von der Tobiaskiefer führt ein Waldweg in 30 Min. nach Petersdorf an der Zittau-Gabler Straße, der sich ö. durch den Kaisergrund fortsetzt und in ebenfalls 30 Min. nach Spittelgrund führt. Auf einem Umwege kommt man dahin auch über die Mordkiefer und den Pfaffenstein.
Letzterer Weg, nur in umgekehrter Richtung, empfiehlt sich auch als Variante für diejenigen, welche den Kammweg über den Schwarzenberg schon begangen haben. Man geht hinter Paß r. durch den Wald in den Kaisergrund hinab, dann l. in demselben aufw., dem kleinen, oft versiegenden Spittelbach, der bei Dönis in die Neiße mündet, entlang bis zu den Felsengruppen; bei einem Grenzsteine, 30 Min. von Paß, r. auf einem Fahrwege empor. R. wird bald darauf der Felsenkopf des Pfaffensteins sichtbar. Am Eingange zu den Pferdelöchern, auch Felsenstadt genannt, vorüber, zwischen großen Sandsteinblöcken hindurch im Bogen r. empor zum Hufeisenberge (510 m). Ein Sandsteinblock daselbst, der einem Kopfe mit Helm ähnelt, ist ein Hufeisen eingehauen, daher der Name des Berges; von hier aus empor erreicht man in 15 Min. den Kamm, wo man auf den vom Spitzberge (l., 541 m, Basalt) herkommenden Weg stößt und auf demselben r. in 5 Min. den Pfaffenstein (569 m) erreicht. Dieser gipfelt in einer mächtigen, auffällig burgruinenartig gestalteten, vielfach zerklüfteten und ausgehöhlten Sandsteinfelsgruppe, die schon von weitem Aufmerksamkeit erregt. Ingenieur Lubisch in Lückendorf wollte im Herbst 1904 auf eigene Kosten mit Bewilligung der gräflich Clam-Gallas'schen Herrschaftsverwaltung eine Blockhütte im Ausmaße von 4 × 5 m errichten und eine eiserne Stiege auf der w., Lückendorfer Seite anbringen und den Gipfelfelsen selbst mit einem eisernen Schutzgeländer umgeben lassen. Der Ausblick von da ist besonders lieblich gegen N. und NO. ins reich besiedelte Neißetal. N.: Ganz nahe der Spitzberg, dahinter Zittau und weiter das Königsholz und Hirschfelde, r. davon hinter einander Grottau und Ullersdorf. Nö. ganz nahe Spittelgrund, dann hinter einander Ketten, Grafenstein (Schloß), Wetzwalde, der Gickelsberg und Hohenwald; l. hinter dem Gickelsberge die Kirche von Reichenau, r. von ihm Pfarrdorf Oberwittig. Im O. hinter einander Niederberzdorf, Weißkirchen, Kratzau und Voigtsbach, dann neben einander die Hemmerichberge, die Vogelkoppen, Taubenhaus, Schwarzeberg und Siechhübel im Isergebirge, überragt von der Tafelfichte im Hintergrunde. Sö.: Die abenteuerlichen Rabensteine ganz nahe, dann Dorf Paß vor dem Trögelsberg, weiter der Zug des Jeschkenrückens mit der Koppe; r. von Paß der Welsberg, zwischen beiden hindurch Pfarrdorf Pankraz am Fuße des Kirchberges. S. blickt man über walddüstere Gründe (Kaisergrund) und wildes Felsengewirr (Felsentheater) auf den Schwarzeberg im Vordergrunde, hinter welchem l. der Silberstein, Audishorner Spitzberg und Roll, r. der Tolzberg sich zeigen. Sw. vorn die Kuppen des Hufeisensteines, des Raubschloß- und Fuchsberges, im Hintergrunde der Ortelsberg. W.: Das hintere Weißbachtal mit seinen Felsgebilden und dem Straßberge, dahinter Hochwald (r.) und Falkenberg (l.), zwischendurch der spitze Kleis; l. vom Falkenberge der Mergtaler Limberg, zwischendurch der Grünberg bei Zwickau; r. hinter dem Hochwalde die Lausche, näher Brandhöhe und Töpfer bei Oybin mit dem Scharfenstein, dahinter der Jonsberg. Nw. hinter dem Töpfer sieht man nach einander den Breiteberg, den Oderwitzer Spitzberg und den Kottmar (Turm), im Vordergrunde (nahe dem Spitzberge) den Heide- und spitzen Mühlsteinberg.
Nun auf demselben Wege zurück zum Hufeisenberge. Einige Min. auf dem Fahrwege weiter aufwärts, hat man l. vom Wege einen eigenartigen und prächtig Einblick in das Felsentheater, ein eigenartig aufgebautes Gewirr von Berglehnen und Felsenmassen zu Füßen, die wie Versatzstücke und Kulissen eines Theaters neben und hinter einander gestellt erscheinen und eine herrliche Augenweide, wie von dem Schnürboden eines Theaters aus, bilden. Den Hintergrund bilden südöstlich der Langeberg und der Jeschken.
Der weitere Weg führt in 15 Min. zur Tobiaskiefer. Dabei kommen wir an der Mordkiefer im Katelloch (l.) vorüber. Letztere Benennung rührt daher, weil hier ein Mädchen aus Görsdorf bei Grottau von ihrem Geliebten, einem Spittelgrunder Grenzjäger, der sich dann selbst auch den Tod gab, ums Jahr 1830 erschossen aufgefunden wurde. Zur Erinnerung daran hatte ein k. k. Finanzwachaufseher in die Rinde der sogenannten Mordkiefer einen Todtenkopf mit der Mahnung »Memento mori« eingeschnitten.