Tobiaskiefer-Hochwald (2 Std.).
Wir folgen nördlich dem Waldfahrwege, dem alten Verkehrswege zwischen Zittau und Gabel, und erreichen durch einen Hohlweg abwärts, bei der Höhenkote 476, nach 6 Min. die Landesgrenze, gerade an der Spitze des Dreiecks, das sie hier bildet. Hier ist ein Wegweiser an einem Baume.
R. kommt man in den herrlichen, von seltsam gestalteten Sandsteinfelsen (Uhusteine, Mönch, nackte Männer, Schiller und Goethe) besäumte Weißbachtal und entlang der Landesgrenze in 1 Std. nach Hartau, wo der Weißbach in die Neiße mündet; von da weiter in 45 Min. nach Zittau. In diesem Tale führte ursprünglich der uralte Saumweg von der Burg Lämberg her nach Zittau noch eine Strecke weit, bis zum »böhmischen Tor«, d. i. zwei zusammen geneigten Felsblöcken mit alten Wappen und Jahreszahlen.
Auch unser Kammweg, ein angenehmer Waldweg, folgt der Landesgrenze, aber l., bis diese nach 5 Min. l. abbiegt, wir aber – auf sächsischem Boden – geradeaus weiter in 10 Min. zum Lückendorfer Forsthause (einfache Gastwirtschaft mit Garten) gelangen. Knapp vor dem Forsthause, wo l. der Wald aufhört, haben wir einen plötzlichen Anblick des Hochwaldes, hinter dem l. die Spitze des Kleis herausschaut; l. vom Hochwalde kommt dann auch noch der Falkenberg zum Vorschein und hinter diesem r. der Mergtaler Limberg. Das Forsthaus gehört zu Lückendorf und liegt einschichtig, 482 m hoch auf der Hauptwasserscheide, an der geschichtlich bedeutsamen Verkehrsstraße, welche in je 1½ Std. nördlich über Eichgraben nach Zittau, südlich über die Landesgrenze durch Petersdorf nach Deutschgabel, bzw. zu den Bahnstationen in beiden Städten führt. Sie wurde im 14. Jahrh. auf König Johann's Befehl aus dem Weißbachtale herauf übers Gebirge, den damals noch völlig unwirtlichen »Gäbler«, verlegt und erhielt ihre heutige Gestalt 1848. Gerade gegenüber vom Forsthause an der Straße im Walde stand ehedem eine elende Hütte, das schon 1450 bestandene »Ausgespann« für die Fuhrleute, welche vom Eichgraben bis hieher Vorspann genommen hatten. Als im Jahre 1838 das Forsthaus gebaut wurde, mußte die »schwarze Bürste« weichen, worin ein früherer Kretschambesitzer aus Lückendorf seine Schankwirtschaft betrieben hatte. Dicht am Garten des Forsthauses stehen noch acht wallartige Verschanzungen, welche 1813 vom Landvolke erbaut werden mußten. Hier ist am 19. August 1813 Napoleon durchgezogen, hat im Petersdorfer Zollhause, wo Fürst Poniatowsky, der Kommandant der französischen Vortruppen, wohnte, auf einem Holzschemel, der heute noch dort gezeigt wird, gerastet und dann im damaligen Postgebäude zu Deutschgabel – der einzigen Stadt in Böhmen, die Napoleon betreten hat – sich aufgehalten. Am 23. Juni 1866 fand hier ein Vorpostengefecht zwischen österreichischen Hußaren und preußischen Uhlanen statt.
In nächster Nähe des Forsthauses, 25 Min. nordöstlich, ist der Straßberg (544 m) mit dem vom Zittauer Verein »Globus« errichteten Aussichtsbalkon »Fuchskanzel« mit prächtiger Um- und Fernsicht über den Zittauer Kessel bis zum Kottmar, dem Löbauer Berge und der Landeskrone. Etwa 15 Min. vom Forsthause entfernt liegt nördlich an der Straße nach Zittau auf felsiger Kante die Ruine Karlsfried, wenige Mauerreste, darunter die des Bergfrieds und eines Torturmes einer im Jahre 1337 auf Befehl Karl IV. zum Schutze der Straße erbauten Zoll- und Geleitsburg, die in den Hussitenwirren eine Rolle spielte – in ihrer Nähe fand am 25. Januar 1424 ein für die Zittauer unglücklicher Kampf statt – und 1442 von den Städten Zittau und Görlitz, die sie das Jahr zuvor von Johann v. Wartenberg auf Blankenstein gekauft hatten, zum Abbruch bestimmt wurde, der jedoch nur ganz allmählich erfolgt sein kann, da die Ruine 1720 noch drei Stock hoch war. Aus der Turmruine hat man einen romantischen Blick östlich hinab in das Weisbachtal mit seinen seltsamen Felsgruppen.
Die Gabler Straße beim Forsthause kreuzend, setzen wir unsern Weg in gerader Richtung auf schöner Waldstraße fort, an der überdies Eschen, weiterhin Ahorn als Alleebäume gepflanzt sind. Nach 10 Min., währenddem wir eine Drehung nach l. machen, ist der Wald zu Ende; Lückendorf mit der Brandhöhe liegt vor uns, dahinter der Hochwald, neben dem dann l. der Mergtaler Limberg und der Kegel des Falkenberges zum Vorschein kommen. Nach 9 Min. mündet r. von Eichgraben her zwischen dem Heideberge (544 m) und Zigeunerberge (507 m) hindurch, die uns r. bleiben, ein Touristen-Weg, kurz bevor unsere Straße eine scharfe Knickung nach l. macht, wobei wir geradeaus die Spitze des Rollberges, und links den Jeschkenrücken mit der Koppe zu Gesicht bekommen. Nach 5 Min weist r. eine Wegtafel nach Oybin.
Diesen Abweg können diejenigen einschlagen, welche den Kammweg über die »Fürstenhöhe« schon kennen. Man trifft nach 15 Min. auf den Kreuzweg, welcher r. vom Töpfer durch die kleine Felsengasse herabkommt und den man jetzt l. verfolgt. Gleich hinter der Kreuzung kann man (8 Min. hin und zurück) den Scharfenstein, das sogenannte »Lausitzer Matterhorn« besteigen, eine frei und steil aufragende Sandsteingruppe, die mittelst Treppen und Stufen vom Zittauer Verein »Globus« zugänglich gemacht worden ist. Oben ist eine Schutzhütte. Der Ausblick ist vielseitig: westlich das bergumschlossene Oybintal zu Füßen, dahinter die Lausche; südwestlich Hochwald, r. hinter ihm der Kleis; südöstlich das Jeschkengebirge. Der Touristenweg führt von der Kreuzung ansteigend zur Edmundshütte (idyllisches Blockhaus, 1897 vom Oybiner Verschönerungsverein errichtet) und zur Aussichtsbank am Margaretensteig, fällt dann und tritt in die große Felsengasse mit wild zerklüfteten Felswänden. R. Abstecher (einige Stufen hinauf) zur Mönchskanzel auf jäh abstürzender Felswand (Ruhebank) mit malerischem Ausblicke ins Oybintal. Nach 4 Min. ist man über Stufen hinab am Ende der Felsengasse; r. ist der Muschelsaal, ein grottenartiger Felsüberhang mit Ruhebank und muschelartigen Auswaschungen in dem eisenhältigen Sandstein. Nach 3 Min. trifft man auf den »Fürstensteig«, der l. von Lückendorf heraufkommt, und ist wieder auf dem Kammwege.
Gleich darauf haben wir die ersten Häuser von Lückendorf knapp unter der Brandhöhe (504 m) erreicht; als Zierden tragen dieselben bemalte Scheiben aus Holz, auf die wohl von den Besitzern der Königschuß getan worden sein mag. Die Straße steigt hier etwas an, l. vom Roll treten die Hirschberge heraus, zu unserer L. der Pfaffenstein mit dem Spitzberge. Nach 3 Min. kommen wir an einer Markentafel (r.) vorüber, auf welcher die Entfernungen auf die Fürstenhöhe, Hochwald, Forsthaus Nr. VI und Hain mit 13, bzw. 65, 50 und 30 Min. angegeben sind. Nach weiteren 3 Min. sind wir beim Kurhaus Lückendorf angelangt, das an der schönsten und aussichtsreichsten Stelle des Dorfes, am Fuße des mit Nadelwald bedeckten Brandberges gelegen ist. Dasselbe enthält nebst Gastwirtschaft 20 Fremdenzimmer zum wöchentlichen Preise von 5 bis 7 Mark für ein Bett. Wundervoll ist der Blick von seiner Terrasse auf den Pfaffenstein, auf Jeschken, Roll, Tolz- und Falkenberg, während von den Turmzimmern aus sogar die Kuppen des Iser- und Riesengebirges herüber grüßen.
Pfarrdorf Lückendorf, das mit dem größten Teile seiner zwischen Wiesen und Obstgärten verstreuten Häuser seitab l. bleibt, ist das südlichste Dorf der Lausitz und liegt an einem Zuflusse des in die Polzen mündenden Jungfernbaches auf der Hauptwasserscheide zwischen Ost- und Nordsee von 373 bis gegen 500 m Seehöhe; seine 500 Bewohner betreiben Landwirtschaft, Handweberei und Holzdrechslerei. Vermöge seiner staub- und rauchfreien, geschützten, waldreichen Lage ist es seit einigen Jahrzehnten als Sommerfrische in Aufnahme gekommen, insbesondere aber seit der Eröffnung des stattlichen Kurhauses im Jahre 1898.
Gute Verpflegung und Aufenthalt findet man u. a. auch im Bergrestaurant und im Kretscham; außerdem steht eine große Zahl von Logierhäusern zur Verfügung. Der Ort ist uralt und mag in der Zeit der deutschen Kolonisation von einem Lucko gegründet und benannt worden sein. Im Jahre 1404 wird er zum erstenmale urkundlich genannt, als er in Besitz der Stadt Zittau kam, in welchem er bis heute, mit einer nur ganz kurzen Unterbrechung, geblieben ist. Im Jahre 1690 wurde die Kirche gebaut, wozu das Steinwerk von der Ruine Karlsfried benützt wurde. Hier wirkt Pastor Sauppe, der unermüdliche Aufheller der Geschichte von Oybin und Lückendorf.
Unmittelbar vor dem Kurhause weist uns das Kammzeichen r., teilweise über Stufen, in den Nadelwald auf die Südlehne des Brandberges hinauf, wo der Sandstein, aus dem der Berg besteht, in charakteristischen Wollsackformen zu Tage liegt. Schon nach 2 Min. wird der Weg eben und wendet sich nach l.; starre Binsen (Juncus squarrosus L.) und Adlerfarn (Pteris aquilina L.) besäumen ihn; nur eine kurze Strecke ist l. ein Ausblick frei, sonst führt er im Walde, den Hochwaldturm im Durchblicke, weiter, bis er nach 5 Min., wo l. unten die letzte Villa von Lückendorf steht, an der Fürstenhöhe endet. Kaiser Josef II. besuchte am 17. September 1779 gelegentlich seiner Bereisung Nordböhmens diesen Punkt, wo die Kaiserlichen in den schlesischen Kriegen Verhaue angelegt hatten, und ergötzte sich an dem wundervollen Blicke in das mit landschaftlichen Reizen so reich gesegnete Böhmen; er kam damals von Spittelgrund her übers Ausgespann und nahm vorher vor dem Pfarrhause eine kleine Erfrischung ein; das »Kaiserbörnel« hält das Andenken an diesen Besuch fest. Auch andere fürstliche Personen haben diesen Platz besucht und so den Anlaß zu seiner Benennung gegeben; u. a. war Friedrich August II., König von Sachsen, am 13. August 1850 hier, 1888 der jetzige König Friedrich August III. und 1890 König Georg von Sachsen. Dieser Punkt bietet in der Tat ein Aussichtsbild von seltener Schönheit, was Reichhaltigkeit und Feinheit der Gruppierung anbelangt, wie kein anderer unter allen den zahlreichen Spaziergängen am Brandberge.
Der ganze Höhenkranz vom Mergtaler Limberge im Südwesten bis zu den Felsenzinnen des Pfaffensteins im Osten breitet sich vor dem bewundernden Auge aus, und wird durch den Falkenberg, die Stadt Deutschgabel, den Tolzberg und Roll, die hinter einander in einer Linie gerade nach Süden liegen, wirkungsvoll in zwei Gruppen gegliedert. In dem Bilde r. vom Roll zeigt sich der doppelgipflige Bösig, das Kummergebirge mit dem Petzberge und dem an seinem Schopfe kenntlichen Eichberge, zwischen beiden hinten der weiß leuchtende Würfel des Schlosses Hauska auf waldiger Höhe, weiter r. näher der Kamnitzberg bei Reichstadt und der Laufberg nahe am Limberge; zwischen Kamnitz- und Laufberg schieben sich die Mikenhaner Steine, dahinter die Ruine Altperstein und der Maschwitzer Berg vor der Nedoweska im Daubaer Gebirge. In dem Bilde l. vom Roll erscheint fast in der Mitte die Spitze des gr. Hirschberges bei Wartenberg, in der Richtung der Ortschaften Petersdorf, Hirndorf und Markersdorf zu Füßen, l. davon der Dewin mit dem Hammerspitz, vor diesem der Audishorner Spitzberg, der Silberstein und, am nächsten, Schloß Lämberg. L. davon blickt man über Lückendorf und den Schwarzenberg längs des Jeschkenzuges vom Trögelsberge bis zur Koppe südöstlich auf den Musky bei Münchengrätz und die zweizinkige Ruine Trosky bei Turnau. Im Osten heben sich über dem Görsdorfer Spitzberge und dem Pfaffensteine die Höhen des Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel, Schwarzeberg) heraus, hinter welchem nach r. hin bis zum Langeberge im Jeschkengebirge die Häupter des Riesengebirges (hohes Rad) in die neblige Ferne tauchen.
Nun r. ab den grasigen, vom Erbauer des Kurhauses als nächste Verbindung mit Bahnhof Oybin (30 Min.) angelegten Fürstensteig, an »Adolfs Ruheplatz« (r.) vorüber, in 4 Min. empor auf den bewaldeten Grat, wo von rechts her der vielbegangene Touristenweg (blauer Balken auf weißem Grunde) durch die romantische Felsengasse vom Töpfer, bzw. von Oybin, einmündet (Ruhebank). Nun l. durch den Wald auf die von Lückendorf nach Oybin führende Kammstraße hinab (4 Min.), die wir beim Kurhaus verlassen. Auf dieser r. (2 Min.) zu einer wichtigen Wegkreuzung auf weiter Blöße beim sog. Kammloche unmittelbar an der Landesgrenze und auf der Hauptwasserscheide (564 m) mit prächtigem Rückblicke auf das Jeschkengebirge zwischen Pfaffenstein (l.) und Falkenberg. Wegtafeln belehren über die einzuschlagenden Richtungen. Auch ein Werkelmann hat daselbst seinen Stand.
Nördlich führt die Straße in 25 Min., am Kelchstein – 13–15 m hoher, verkehrt kegelförmiger Sandsteinblock aus rötlichem Sandstein – vorüber (l.) zur Station Oybin; südlich schließt sich an den Kammweg der sog. »Ringweg« (blauer Ring auf weißem Grunde) an, der zunächst in 22 Min. über die Landesgrenze zum Forsthaus Nr. VI (einem einfachen als Nr. 260 zu Hermsdorf gehörigen, einschichtigen Gasthause in idyllischer Waldlage auf dem 455 m hohen Sattel zwischen Hochwald und Falkenberg mit hübscher Aussicht auf Tolz, Roll und die Bösige, 1½ Std. von der Station Deutschgabel) und von da um den Südfuß des Hochwaldes unter prächtigen Ausblicken in 40 Min. nach Hain führt; westlich setzt sich der mit blauem Balken markierte Weg, welcher von der Fürstenhöhe bis hieher mit unserem vereinigt war, in 20 Min. bis zum Forsthaus Hain fort, unter geradezu entzückenden Ausblicken aufs Oybintal und Zittau.
Wir wandern geradeaus weiter auf der Straße aufwärts, wobei wir dieselben Rückblicke haben wie vorhin, und treffen nach 4 Min. wieder auf eine Wegteilung: geradeaus nach Hain und auf den Johannisstein, r. nach Oybin, l. auf den Hochwald. Letzterer ist der unsere. Am Waldsaume (r.) empor, durch den anfangs Durchblicke ins Oybintal möglich sind, dann l. anfangs mäßig ansteigend, dann ziemlich steil durch schönen Buchenwald, wo Zahnwurz (Dentaria enneaphylla L.), Sanikel (Sanicula europaea L.), Rapunzel (Phyteuma spicatum L.) und rundblättriges Labkraut (Galium rotundifolium L.) besonders üppig gedeihen, kommen wir der Landesgrenze entlang bald r. bald l. biegend, in 40 Min. auf den südlichen Gipfel des Hochwaldes, den man beim Gasthause über Stufen betritt. Auf halbem Wege dahin kommen wir an einer Ruhebank beim hydraulischen Widder vorüber, der das Wasser aus dem Johannesborne daselbst auf den Hochwald treibt, und etwas höher bei einem Wirtschaftsstreifen mit hübschem Durchblicke auf Schloß Lämberg.
Der Hochwald, im Volksmunde seiner Gestalt nach »Heufuder« genannt, ist ein langgestreckter Klingsteinrücken, der von West nach Ost auf der Grenzscheide zwischen Böhmen und Sachsen als höchster Punkt im östlichen Flügel des Sandsteingebirges hinzieht, südlich steil abfällt und mehrere Kuppen bildet, von denen die höchste (748 m) vom Jahre 1879 bis zum Jahre 1892 einen, vom Zittauer Vereine »Globus« beschafften, 10 m hohen hölzernen Aussichtsturm, den Karolathurm – der sächsischen Königin zu Ehren benannt – trug, dessen Strebepfeiler auf böhmischem Grunde standen. Statt seiner wurde auf der sächsischerseits gelegenen Nord- oder Oybinkuppe (744 m) von demselben Vereine mit dem Kostenaufwande von 13000 Mk. ein 25 m hoher Steinturm errichtet, der am 14. September 1892 die Weihe erhielt. Die 1853 vom »Vater Marx« erbaute, in ihrem heutigen Zustande seit dem Brande im Jahre 1877 bestehende »alte« Gastwirtschaft auf böhmischem und die 1889 eröffnete »neue« Gastwirtschaft auf sächsischem Grunde – beide unter einem Betrieb, mit Nachtherberge zu Mk. 1–1·50 und kais. deutscher und kais. österr. Postablage – stehen neben einander, nur durch die Landesgrenze geschieden, auf der südlichen Kuppe neben der aussichtsreichen Gipfelterrasse und sind mit dem Turme durch einen breiten Weg in Verbindung. In der böhmischen Wirtschaft, die als Nr. 251 zu dem 45 Min. südlich entfernten, 266 Häuser zählenden Bauerndorfe Hermsdorf gehört, erhält man nur Wein und Kaffee, in der sächsischen Bier und warme Speisen. Die Besitze der Herrschaften Deutschgabel, Reichstadt und Zittau stoßen hier, beim sog. »Clam'schen Stein« zusammen. Der Berg muß schon im vorvorigen Jahrhundert seiner Aussicht halber besucht worden sein, da ein Zittauer Ratsherr 1787 eine Treppe von 84 Stufen, die zum Teil heute noch in Benützung stehen, zur leichteren Besteigung des Gipfels anlegen ließ, der damals und noch 1830 ein Kreuz trug und »Kreuzstein«, angeblich auch »Ilmenstein« hieß. Seither haben Sachsens Könige und manch andere fürstliche Persönlichkeiten den Berg besucht; als erster im Jahre 1821 der nachmalige Kaiser Ferdinand I. von Österreich. In der Verkaufsbude neben den Gastwirtschaften bilden die auf dem Berge vorkommenden »Veilchensteine«, d. i. Klingstein, der mit einer nach Veilchen duftenden Alge (Chroolepus Jolithus Ag.) überzogen ist, eine Spezialität. Von sonstigen naturgeschichtlichen Seltenheiten wären außer nordischen, eiszeitlichen Geschieben auf den Hängen des Berges noch zu erwähnen: Mittleres und Alpen-Hexenkraut (Circaea intermedia Ehrh. und alpina L.), herzblättrige Zweiblattorche (Listera cordata R. Br.), Basalt-Nordfarn (Woodsia ilvensis R. Br.), sprossender und Tannenbärlapp (Lycopodium selago L. und annotinum L.), eine Schließmundschnecke (Clausilia filograna), die seltene grüne Eidechse (Lacerta viridis Dand.); früher soll auch die grüne Nießwurz oder Schneerose (Helleborus viridis L.) daselbst gefunden worden sein. Nach den Sagen der Walen sollen sich im Boden des Hochwaldes kostbare Edelsteine befinden, und noch jetzt soll ein Bergmännlein hier hausen, das dem, welchem es wohl will, Gold und Silber und Edelgestein, insbesondere aber wohltätige Heilkräuter zeigt.
Der Rosenberg von Südost.
Postkarte.
Die Aussicht von der felsigen Plattform zwischen den beiden Gasthäusern, sowie aus den Gasthausfenstern selbst – hier auch durch färbige Scheiben – gegen Süden ist ungemein anziehend und hat den touristischen Ruf des Hochwalds begründet. Um einen Ausblick gegen Norden ins Oybintal und gegen Zittau zu gewinnen, muß man den Turm (128 Stufen) besteigen; die Eintrittskarten hiezu (zu 10 Pfg.) löst man im Turmwächterhause daneben, wo man auch das Aussichtspanorama (10 Pf.) und Erfrischungen erhält, und wo überdieß ein Relief des Zittauer Gebirges, sowie die seit 20. April 1893 eröffnete kais. deutsche Fernsprechstelle sich befindet. Neben Haus und Turm ist auch noch ein Gärtchen mit Alpenflora. Die hervorragendsten Punkte des Panorama's sind auf der Zinnengallerie des Turmes anzeichnet.
Ost: Der Pfaffenstein jenseits Lückendorf, Kratzau und Weißkirchen dahinter, weiter die Hemmerichberge und darüber das Isergebirge mit der Tafelfichte, den Vogelkoppen, Taubenhaus und Siechhübel, im Hintergrunde das Riesengebirge mit Reifträger, hohem Rad mit der auffälligen Schneegrubenbaude, Kesselkoppe, Brunn- und Schwarzeberg; l. hinter dem Pfaffenstein Schloß Grafenstein vor dem Gickelsberge. Südost: Der Jeschkenrücken mit der Koppe im Mittelpunkte, davor die Kirchdörfer Pankraz und Ringelshain, noch näher Petersdorf; r. hinter der Jeschkenkoppe der Kosakow, daneben die zweizinkige Ruine Trosky und der Musky bei Münchengrätz, vor diesem der Silberstein, Audishorner Spitzberg und Dewin neben einander, im Vordergrunde der Falkenberg, dazwischen Schloß Lämberg. R. hinter dem Falkenberge Stadt Deutschgabel, weiter Schloß Wartenberg vor den beiden Hirschbergen. Süd: Der Tolzberg zwischen Roll (l.) und den beiden Bösigen; r. davon der Wratner Berg (Turm) und die Hauskaer Berge hinter dem Kummergebirge, zu Füßen die beiden Gastwirtschaften des Berges; r. hinter ihnen der Mergtaler Limberg, l. dahinter der Kamnitzberg vor den Mikenhaner Steinen, im Hintergrunde Ruine Altperstein neben dem Maschwitzer Berge; r. hinter dem Limberge Pfarrdorf Lindenau und im Hintergrunde der Georgsberg bei Raudnitz. Südwest: Grünerberg, l. dahinter Ortelsberg vor dem Wilschberge, zwischen beiden das Schwoikaer Gebirge, r. von diesem der Leipaer Spitzberg (Turm) und hinter diesem der spitze Ron. R. hinter dem Grünerberge der Rodowitzer Hutberg, darüber der Koselrücken, im Hintergrunde der Geltsch bei Auscha. R. vom Rodowitzer Hutberge im Vordergrunde Pfarrdorf Großmergtal, dann die Stadt Haida vor dem Kottowitzer Berge, dahinter die Rabensteiner Höhe mit dem Hutberge (Turm), noch weiter der Zinkensteinrücken und darüber der Milleschauer; r. vor diesem folgt der Kleis hinter dem Glasertberge. West: Zu Füßen Kirchdorf Krombach, dahinter die Berge bei Falkenau, l. hinter diesen der Kamnitzer Schloßberg, r. das Kreibitzer Gebirge mit dem Kaltenberg (Turm), im Hintergrunde der hohe Schneeberg (Turm) mit Teilen des Erzgebirges und Höhen der sächsischen Schweiz; r. von Krombach Schanzendorf, dahinter der Plissenberg vor Oberlichtenwalde, neben welchem die Lausche mächtig aufsteigt; l. dahinter die Finkenkoppe, r. der Ziegenrücken und an diesem r. vorüber die Wolfsbergspitze (Turm). Nordwest: Dorf Hain zu Füßen mit dem Johannisstein, dahinter die Rabensteine, die Nonnenklunzen und die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche, weiter Warnsdorf mit der Burgsbergwarte, Seifhennersdorf und Rumburg, noch weiter der Botzen und hinter diesem der Valtenberg (Turm), r. von Hain der Jonsberg neben Jonsdorf, dahinter Großschönau, dann der Warnsdorfer Spitzberg, im Hintergrunde Bilebog und Czornebog, beide mit Türmen; r. hinter dem Jonsberge der Breiteberg vor Spitzkunnersdorf, dann der Oderwitzer Spitzberg zwischen dem Kottmar (Turm) hinter Eibau und dem Löbauer Berge (Turm). Nord: Der Oybiner Talkessel mit dem Ameisenberge, l. dahinter das Königsholz und Rotstein, r. die Jauerniker Berge und die Landeskrone hinter Zittau. Nordost: Töpfer und Scharfenstein, dahinter die Kirchdörfer Friedersdorf und Reichenau.
Wer die Kammtour hier abbrechen will und einer Bahnstation zustrebt, hat unter folgenden Abstiegen die Wahl: Zur Station Oybin, der nächsten Bahnstation, in 50 Min. den direkten steinigen Serpentinenweg hinab oder über Hain in 1¼ Std.; zur Station Deutschgabel, über Forsthaus Nr. VI, in 2¼ Std.; zur Station Zwickau über Krombach und Mergtal in 2½ Std.