Hochwald-Lausche (2½ Std.).

Unser Abstieg geschieht auf dem ersten Wege r. bei den Bergwirtschaften; nach 20 Min. sind wir am Rande des Bergwaldes unten angelangt. Vor uns haben wir jenseits einer Wiese die obersten abseitigen Häuser von Krombach, dahinter den Plissenberg, über welchen die Lausche herüberblickt; l. davon den Kleis, dazwischen den Dürre- und Mühlsteinberg bei Hoffnung. Bei Grenzstein 152 (vom Jahre 1649) treffen wir nach 1 Min. auf die Straße, welche die beiden Grenzdörfer Krombach und Hain mit einander verbindet, und in die l. Hand der oben ([S. 31]) erwähnte Ringweg vom Forsthaus Nr. VI her über den aussichtsreichen Rücken des Schafberges (562 m) einmündet.

Pfarrdorf Krombach, das, hinter einem Wäldchen versteckt, 4 Min. l. liegen bleibt, ist eine uralte deutsche Besiedlung; schon 1391 wird es urkundlich genannt. Es zieht sich mit seinen 180 Häusern längs eines unterm Sattel entspringenden Bächleins – eines Zuflusses des in die Polzen mündenden Zwittebaches – zwischen Plissenberg und Gulichberg abwärts, hat eine 1874 erbaute Kirche, eine schöne Volksschule und ein zur kaiserlichen Herrschaft Reichstadt gehöriges Herrenhaus mit Bräuhaus, wo ehedem ein weit berühmtes Bier gebraut wurde. Hier bestand im 17. Jahrh. eine Glashütte der Schürer v. Waldheim, von der heute noch Reste vorhanden sind. Eine Berühmtheit Krombach's ist die im Garten des Knobloch'schen Hauses Nr. 19 im Oberdorfe stehende, vollkommen gesunde, etwa 10 m hohe Riesen-Eibe mit einem Umfange von 3·60 m in Manneshöhe; ihr Alter wird von Einigen auf 940, von Andern sogar auf 1800 Jahre geschätzt, weil die Eibe überaus langsam wächst. Jedesfalls ist sie älter als das Dorf. Übrigens gibt es im Ortsgebiete noch zwei jüngere Eiben von 7–8 m Höhe, und es ist möglich, daß es sich hiebei um den Rest eines älteren Eibenbestandes zwischen Krombach und Spittelgrund handelt. Im bairischen Erbfolgekriege, insbesondere aber am 22. Sept. 1778, beim Einmarsche der feindlichen Truppen, litt der Ort sehr.

Uns r. wendend, haben wir nach 150 Schritten den Hain-Sattel, die Sattelhöhe zwischen Hochwald und Johannisstein auf der Hauptwasserscheide (578 m) zwischen Ost- und Nordsee erreicht, über die auch die Landesgrenze zwischen Böhmen und Sachsen streicht und Krombach von Hain scheidet; die beiden obersten Häuser beider Orte stehen zu beiden Seiten der Straße; r. das zu Hain gehörige Gasthaus »Kaiser Wilhelmshöhe« und l. das zu Krombach (als Nr. 182) gehörige im Jahre 1903 erst erbaute Gasthaus »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe«. Gerade auf letzteres zu führt der Kammweg; hier haben wir vor uns den Töpfer, rückwärts den Kleis, r. den Hochwald, l. den Johannisstein.

Zu Krombach, als Nr. 175, gehört auch die ebenfalls einschichtige Gastwirtschaft am Johannisstein l. Hand; sie enthält Tanzsaal und Fremdenzimmer (Nachtlager für 10 Personen zu K 1.80) und wurde 1880 auf einem Grundstücke des ehemaligen »Dreilinden-Gutes« errichtet. Ein Abstecher dahin von unserm Standpunkte beim Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« erfordert nur 5 Min. auf einem langsam ansteigenden Bauernwege. Der Johannisstein ist ein kahler, freistehender Klingsteinfelsen von 596 m Seehöhe, dessen Gestein in fast wagrecht liegende Säulen abgesondert ist, die sich nach oben zu verkürzen und eine natürliche Treppe darstellen. Der Berg wird von der Landesgrenze geschnitten und soll den Namen von einem Stollen haben, der bei Gelegenheit von Bergbauversuchen 1538 und 1559 hier angelegt wurde, nach Anderen von einer Statue Johannis des Täufers, um die man beim Abbrennen der Johannisfeuer tanzte. An seinen Lehnen wächst Feld-Enzian (Gentiana campestris L.). Beim Baue der Gastwirtschaft fand man Pfeilspitzen, verschiedene Münzen, eine Hellebarde aus dem 14. Jahrh., eine Reiterpistole, eine französische Medaille u. dgl. als Erinnerungszeichen an die mannigfachen Kriegsereignisse, die sich in dieser Gegend abspielten. Der Erbauer der Gastwirtschaft hat 1881 den Felsen durch eine bequeme, mehr als 40 Stufen zählende Treppe zugänglich gemacht und oben eine steinerne, turmartige Aussichtswarte angelegt. Die Aussicht von da, zu deren Genusse man sich eines Automat-Fernrohres gegen eine Gebühr von 10 Pf. bedienen kann, ist entzückend und besonders weitreichend gegen Böhmen, wo Berg an Berg sich reiht; im Herbste 1853 erfreute sich Kaiser Ferdinand I. von Österreich daran, als er von Reichstadt aus sein Herrschaftshaus in Krombach besuchte. Im Nordosten blickt man über Hain auf Berg und Tal Oybin, dahinter ein Teil von Zittau mit dem Viadukt der Reichenberger Bahn, r. vom Oybin den Töpfer, l. den Pferdeberg, l. von diesem (im Norden) den Jonsberg, dahinter das Jonsdorfer Tal, Großschönau, den Gebirgszug zwischen Bautzen und Löbau, am Horizonte die Landeskrone; im Westen den Plissenberg mit dem Rabensteine, dahinter die Lausche und den gr. Winterberg; südwestlich übers Krombacher Tal aufs Schwoikaer Gebirge und den Kleis, südlich Hochwald und Jeschkenkoppe, östlich das Iser-, dahinter das Riesengebirge.

Das in alten Zeiten noch nicht bestandene, nördlich von Krombach jenseits Landesgrenze, am Ursprunge eines in die Mandau sich ergießenden Baches zu beiden Seiten der nach Oybin hinabführenden Steilstraße, die dem Winter-Sporte der Hörnerschlittenfahrten (die Person 30 Pf.) dient, gelegene Dörfchen Hain zählt einige 30 Häuser mit zum Teil wunderlich-altertümlichen Holz-Essen und hat sich dank seiner Gebirgs- und Höhenlage – es ist die höchst gelegene (550–578 m) Ortschaft der Oberlausitz – zu einer beliebten Sommerfrische entwickelt. Außer der erwähnten Gastwirtschaft »Kaiser Wilhelmshöhe« bietet das »Forsthaus Hain« im Mitteldorfe vorzügliche Verpflegung. Westlich bei Hain liegt auf einer freihinaushängenden, mit einem Geländer umgebenen Felsplatte der herrliche Aussichtspunkt »Ludwigshöhe«, wo man das ganze liebliche Oybintal vor sich hat mit dem Jeschken rückwärts.

Durch schönen Wald gelangt man auf der Steilstraße über Hain in 20 Min. zu den ersten Häusern des Kirchdorfes Oybin, in 40 Min. zur Bahnstation. Der Ort zählt 800 Einwohner, eine bedeutende Anzahl schöner Villen, eine Studentenherberge, und zieht sich nahezu eine Stunde lang in einem Tale hin, das von einem Kranze felsiger Waldberge (Töpfer, Scharfenstein, Ameisenberg, Pferdeberg, Berg Oybin) umschlossen und seit 1873 ein stark besuchter Bade- und klimatischer Kurort für Nervenleidende und Blutarme geworden ist. Der weitgespannte Waldsaum und die niedrigeren Berghänge bieten eine Fülle der angenehmsten Spaziergänge, die umliegenden, vortrefflich zugänglich gemachten Fels- und Berggipfel die herrlichsten Aussichten, deren Erschließung ein Verdienst des dortigen Gebirgsvereines ist. Die Perle des Oybintales aber ist der vielbesuchte Berg Oybin, ein mitten aus dem Tale 116 m hoch in Gestalt einer riesigen Felsglocke, in mehreren Terrassen aufsteigender, von Runsen durchfurchter Sandsteinberg. Seine Oberfläche trägt die ansehnlichen Reste einer durch Heinrich von Leipa um 1312 erbaut gewesenen, 1343 auf Geheiß des Kaisers Karl IV. zerstörten Ritterburg und eines von demselben Kaiser 1366–1384 an ihrer Stelle nach Plänen Peter Parler's von Gmünd erbauten, seit 1577 in Ruinen liegenden Cölestiner-Mönchsklosters mit einem, von dem um die Hebung Oybins vielverdienten Dr. Alfred Moschkau 1879 begründeten und seit 1883 dort befindlichen, historischen Museum (Eintritt 50 Pf.), ferner den 1515 angelegten Ortsfriedhof und den Gesellschaftsplatz mit Gastwirtschaft und reizender Aussicht gegen Zittau. Man besteigt ihn vom Bahnhofe an der 1734 erbauten, teilweise in den natürlichen Felsen gearbeiteten Kirche vorüber in 20 Min.

Unseren Kammweg fortsetzend, wenden wir uns von der Straße, auf der wir gekommen, bei dem Gasthause »zur Kaiser Franz Josefs-Höhe« in spitzem Winkel l. von der Landesgrenze ab und verfolgen den Fahrweg, der auf das einzelne Krombacher Gehöft vor uns führt; dasselbe bleibt knapp r. Wir wandern nunmehr durch längere Zeit wieder auf böhmischem Boden.

Vor uns, in südwestlicher Richtung, haben wir jenseits des kahlen Gulichberges den Kleis, l. davon in südlicher Richtung den Mergtaler Limberg, dahinter den Lauf- und Kamnitzberg; r. vom Limberge der Ortelsberg vor dem Wilsch, r. davon der spitze Ronberg neben der Koselspitze, vor dieser der Grünerberg (l.) mit Großmergtal (Kirche) und der Glasertberg (r.); nahe am Kleis der Hutberg bei Mertendorf; r. vom Kleis bis zur Lausche im Westen sind die Berge bei Falkenau eingeschoben.

Nach 2 Min. senkt sich der bis dahin ebene Weg; der Mühlsteinberg mit seinen Brüchen wird r. sichtbar; wir kommen an einer Einschicht (l.) – auf der sogenannten »Katzenstirn«, wenn wir recht berichtet sind – und einem Wäldchen (r.) vorüber, worauf r. neben dem Mühlsteinberge auch der Jonsberg (642 m, Klingstein, hieß 1450 Jonasberg) sichtbar wird, an dem l. vorüber der Blick über weites Gelände hin auf den Kottmar und den Löbauer Berg schweift. Nach 8 Min. treffen wir auf die Straße, welche von Krombach nach Jonsdorf durch Schanzendorf zieht u. zw. gerade in der Mitte des Dorfes, bei einer Markentafel und einem Verzeichnisse der Gasthäuser des Ortes. Letzteres Dorf, das jetzt 136 Häuser zählt, soll auf den Gründen des Krombacher Meierhofes erbaut sein, weshalb es auch im Gemeindeverbande von Krombach ist; seinen Namen führt es seit 1778, seitdem die österr. Kroaten hier gegen die Preußen und die mit ihnen verbündeten Sachsen Schanzen errichtet hatten, die Kaiser Josef II. am 19. September 1779 in Augenschein nahm und die 1813 von den Franzosen wieder in Stand gesetzt wurden und teilweise am »Heidelstein«, wo vor etwa 25 Jahren Sandstein gebrochen wurde, noch zu sehen sind. Wo Schanzendorf heute steht, führte zu einer Zeit, als die Gegend noch unwirtlich war, die alte Leipaer Straße von Zittau her über Nieder-Oybin zwischen Jonsberg einerseits und dem Ameisenberge mit dem Pferdeberge andererseits hindurch über den sog. »Stern«, wo die Wege von Schanzendorf, Jonsdorf, dem Jonsberge, der Ludwigshöhe, dem oberen Hain und dem Johannisstein zusammentreffen; sie ist von der Landesgrenze ab schon längst nur mehr ein Waldfahrweg, seitdem die Zollstraße über Jonsdorf und über die zugleich die Landesgrenze und Hauptwasserscheide bildende bewaldete Sattelhöhe (487 m) zwischen Plissenberg und Jonsberg verlegt ist; die alte Straße mündet in die jetzige dort, wo wir auf diese treffen.

Auf letzterer Straße erreicht man vom letzten Hause in Schanzendorf, dem Zollamte, in 20 Min. das Nebenzollamt und das Gasthaus »Schweizertal« in Neujonsdorf, 10 Min. weiter die Station Jonsdorf, Endstation der Bahnlinie Zittau-Jonsdorf, nächst der Kirche von Altjonsdorf. Kirchdorf Jonsdorf, Geburtsort des Lausitzer Historikers Pescheck, Sitz eines rege wirkenden Gebirgsvereines, zerfällt in Alt- und Neujonsdorf und hat sich neben Oybin wegen seiner klimatisch milden Lage in breitem, sonnigem Tale, wegen seiner herrlichen Waldanlagen und Felsszenerien und wegen seiner reichen Auswahl guter Privat- und Gastwohnungen zu einer beliebten Sommerfrische emporgeschwungen; besonders Neujonsdorf ist ein Gebirgs-Idyll schönster und eigenster Art und besitzt in seiner »Felsenstadt« am phonolithischen Mühlsteinberge (562 m, seit Jahrhunderten bestehende Mühlsteinbrüche daselbst östlich der Felsenstadt) mit ihren wunderbaren Felsgestaltungen, ihren Aussichtspunkten (Karola- und Albertfelsen, Friedrichshöhe) und dem in Basaltsäulenform abgesonderten Sandstein (am Humboldtfelsen zur Erinnerung an den Besuch des berühmten Gelehrten im Jahre 1851 so benannt, und an der Orgel) ein landschaftliches Juwel eigenster Art. Wer dieselbe besuchen will, zweigt vom Zollhause an der Schanzendorfer Straße ab und trifft bei den Rabensteinen wieder auf den Kammweg.

Unser Weg geht weder r. noch l. in Schanzendorf, sondern quer über die Jonsdorfer Straße hinweg, sodann auf einem guten Gemeindefahrwege zwischen den Häusern geradeaus weiter, immer den Jonsberg zur Rechten, bis wir nach 5 Min. am letzten Hause, dem Gasthause »zum Roß« vorbeikommen. Gleich dahinter lesen wir auf einem Wegweiser: »Nach den Mühlsteinbrüchen, nach Niederkrombach-Lichtenwalde, Grenzweg über die Kühhutje«. Hier haben wir nach l. auch wieder einen weiten Ausblick zwischen Kleis und Mergtaler Limberg hindurch auf den Grünerberg, Ortelsberg, das Schwoikaer Gebirge und den Koselrücken hinter einander. Wir wenden uns nach r. und erreichen nach 3½ Min. den Waldrand am Plissenberge, und zwar an seiner nordöstlichen, 644 m hohen Kuppe (auch »Schanzberg« geheißen), während seine höchste Erhebung in der Mitte 659 m und seine südwestliche Kuppe 605 m mißt; er bildet nämlich einen fast 3 km langen Rücken aus Klingstein auf einer, dem östlichen Flügel des Elbesandsteingebirges vorgelagerten Stufe zwischen Schanzendorf und Niederlichtenwalde. Hier machen wir kurzen Halt und erfreuen uns an dem herrlichen Ausblicke rückwärts gegen Ost und Süd, der besonders eindrucksvoll auf diejenigen sein muß, die die Tour umgekehrt machen.

Ost: Vor uns die letzten Häuser von Schanzendorf, dahinter der Johannisstein zwischen Jonsberg (l.) und Hochwald (r.). Südost: Tolz und Roll hinter einander. Süd: Limberg, r. hinter einander Lauf-, Kamnitz- und Tachaberg, r. davon der schopfige Eichberg im Kummergebirge, r. dahinter der gr. Peschkaben bei Dauba, dann der Maschwitzer Berg und der Wilsch, mit welchem die Aussicht südwestlich abschließt.

Fichtenwald nimmt uns auf; am Waldsaume beachten wir noch die dort blühende Arnika, dann steigen wir durch 13 Min. fast immer aufwärts auf breitem Fahrwege, den hie und da der sattgrün glänzende Rippenfarn (Blechnum spicant Roth) besäumt. Ein Grenzstein mit der Jahreszahl 1694 steht daselbst: wir sind wieder an der Landesgrenze! Der Weg, ein prächtiger Sandweg, führt 4 Min. weiter zu einer wichtigen Wegteilung: während der Fahrweg geradeaus weiter nach Niederlichtenwalde hinab führt, biegen wir nach r. auf einen holprigen Fußweg ab, der entlang der Landesgrenze zumeist ziemlich steil abwärts führt. Gleich anfangs haben wir wieder einen lang entbehrten Ausblick, nämlich nach r., wo der Rehstein, ein merkwürdig geformter Sandsteinfels, steil aus dem Waldesdunkel emporsteigt. Man sieht über die Jonsdorfer Felsen hinweg auf die ausgedehnten Häuserreihen von Herwigsdorf und Seifersdorf mit der Landeskrone im Hintergrunde. Nach 12 Min. ist man unten bei einem Wirtschaftsstreifen (l.) angelangt, über den hinweg man die steilen Gebilde der Rabensteine unmittelbar vor sich sieht, darüber die Lausche, von der sich, den Kleis im Hintergrunde, die Ortschaften Jägerdörfel, Ober- und Niederlichtenwalde nach l. herab ziehen. Hier steht ein Grenzstein mit der Jahreszahl 1783. Noch 2 Min. und wir sind beim Hauptgrenzstein V auf dem höchsten Punkte der Straße, die von Niederlichtenwalde herauf über Neujonsdorf (Gasthaus »zur Gondelfahrt« 20 Min.) zur Station Jonsdorf (45 Min.) führt. Dieselbe kreuzend, sind wir nach 3 Min. oben bei den waldumschlossenen Rabensteinen (543 m). So heißt eine schon seit dem 14. Jahrh. bekannte abenteuerliche Felsengruppe auf der Landesgrenze, deren abgesondert aufragende, bienenwabenartig ausgewitterte und über und über mit gelbem Schwefelmoos (Lepraria ochroleuca Ach.) bedeckte Sandsteinkegel die wunderlichsten Naturspiele (Profile von Menschenköpfen, solche eines Löwen- und Pferdekopfes) zeigen, je nach dem Standpunkte, den man einnimmt. Auf der Plattform am Fuße des östlichen Kegels auf böhmischer Seite erbaute 1877 ein Lichtenwalder Insasse eine Gastwirtschaft, die im Laufe der Jahre mehrfachen Änderungen (1885 infolge Brandes) unterzogen wurde. Aus den Fenstern der Gastwirtschaft blickt man südlich l. auf den Plissenberg bei Niederlichtenwalde, r. auf den Steinberg bei Oberlichtenwalde und zwischen durch auf Grünerberg und Ortelsberg hinter einander. Von dem über eine Holztreppe besteiglichen Kegel hat man eine zwar nicht großartige, aber immerhin schöne und seltene Aussicht, die sich mit der vom »Falkensteine« deckt, einem gegenüber auf sächsischer Seite aufragenden, ähnlich geformten und etwas höheren Felsen, welcher 1879 ebenfalls durch Stufen zugänglich gemacht wurde.

West: Die Lausche, l. unter ihr Jägerdörfel. Südwest: Der Steinberg, davor Ober- und Niederlichtenwalde, dahinter der Kleis, mehr nach l. der Glasertberg vor dem Schwoikaer Gebirge. Süd: Grüner- und Ortelsberg hinter einander. Südost: Plissenberg. Ost: Johannisstein, l. davon die Jonsdorfer Mühlsteinbrüche, dahinter der Jonsberg, an seinem Fuße l. Kirchdorf Jonsdorf, weiter draußen Zittau und Reibersdorf. Nordost: In geringer Entfernung die Nonnenklunzen, l. dahinter Herwigsdorf und Seifersdorf, am Horizonte die Landeskrone. Nord: Buch- und Sonneberg ganz nahe.

Die Einschicht »Rabenstein« gehört zu dem nur einige Minuten südlich entfernten, langhin zur Seite der Sandsteinbasis des Plissenberges am Zwittebache, der hier am Lauschepaß seinen Ursprung hat, sich erstreckenden, schon im Jahre 1391 mitten im »gelichteten« Markwalde bestandenen, heutigen Weberdorfe Niederlichtenwalde (164 Häuser mit Zollamts-Expositur), aus welchem Orte die Waldhornbläser Hammer stammen, die Ende des 18. Jahrh. viel Aufsehen mit ihrer Kunst machten. Im siebenjährigen und im Kartoffelkriege hatten die Österreicher bei Niederlichtenwalde, u. a. auch auf dem Rabenstein, Beobachtungsposten aufgestellt.

Denjenigen, die den Kammweg von den Rabensteinen zur Lausche schon kennen, sowie für diejenigen, die die Kammtour hier unterbrechen und etwa der Station Zwickau (1¾ Std.) oder der Station Großschönau (1½ Std.) oder der Station Jonsdorf zustreben, empfehlen wir folgenden Abstecher. Denselben Weg, wie man heraufgekommen, wieder auf die Straße und auf dieser l. im Walde abwärts; nach 15 Min. den Fußweg l., und von diesem nach 2 Min. r. aufwärts durch eine 2 m breite und 15 m hohe natürliche Felsengasse hinan zu den Nonnenklunzen, einer Gruppenreihe mächtiger, wild zerklüfteter Sandsteinfelsen (536 m), von denen einige Form und Gestalt von Nonnen haben. Auf der Höhe derselben, die seit 1846 zugänglich gemacht ist, befindet sich seit 1860 eine, zuletzt 1903 erneuerte Gastwirtschaft (Nachtlager für 7 Personen) mit Gesellschafts- und Echoplatz (siebenfach, ein Böllerschuß 50 Pf.) und einer Aussichtsanlage auf dem über eine Brücke besteiglichen Basteifelsen, der »Nonnenhöhe«, an der mehrere Gedenktafeln angebracht sind, darunter auch eine an den König Friedrich August II. von Sachsen. Man hat im Osten zu Füßen Neujonsdorf vor dem Jonsberge, im fernen Hintergrunde r. die Ausläufer des Isergebirges mit der Tafelfichte; weiter r. vorn die Mühlsteinfelsen, darüber den Hochwaldturm, l. vom Jonsberg das Zittauer Talbecken vor der Landeskrone im Hintergrunde; im Süden die über den Wald schauenden Rabensteine, l. der Plissenbergrücken, r. weiter rückwärts der spitze Kleis, westlich die Lausche. Vom Gesellschaftsplatze steigt man sodann durch die Gastwirtschaft und über die Stufen hinab, geht am Ende derselben l. fort in 3 Min. auf die angenehme Waldstraße, die Jonsdorf mit Oberwaltersdorf verbindet; auf dieser l. trifft man nach 11 Min. jenseits des »hohlen Steines« wieder auf den Kammweg, der von den Rabensteinen herkommt.

Den Rabenstein verlassend, steigen wir auf sandigem Waldwege, den Falkenstein r., steil über Stufen 3 Min. lang abwärts zu den Grenzsteinen 75–73, um gleich wieder durch 2½ Min. anzusteigen. Oben ein hübscher Rückblick auf den Rabenstein. Nun wiederum 1 Min. steil im Zickzack über Stufen hinab auf eine Wiese, wo wir eine Ursprungsader des Zwittebaches queren und auf den Grenzhauptstein IV stoßen; l. ist der Steinberg bei Oberlichtenwalde sichtbar. Wir biegen aber gleich wieder in Wald, von der Landesgrenze nach r. ab, und erreichen langsam ansteigend in 12 Min. auf einer Waldblöße die von Jonsdorf (r.) herkommende Straße (Wegweiser): umblickend gewahren wir jenseits des Rabensteins den Hochwald. Wir wenden uns l. auf die Straße, kommen gleich wieder in Wald und haben erst nach 7 Min. wieder einen freien Ausblick: geradeaus die Lausche, nach Süden aber einen überraschenden Durchblick zwischen Plissen- und Steinberg über Niederlichtenwalde hinweg auf Lauf- und Wellnitzberg mit dem Kamnitzberge bei Reichstadt inmitten, mit den Bösigen neben den Buchbergen l., und dem Ortelsberge r. Eine Bank daselbst ladet im Genusse dieses Ausblickes zu einigem Verweilen ein. Gleich dahinter schließt sich wieder der Wald, nur die Lausche bleibt in der Richtung der Straße sichtbar. Ziemlich eben weiter sind wir nach 7 Min. am Lauschepaß angelangt, der 564 m hohen Sattelhöhe zwischen der Lausche und dem Sonneberge (630 m), über den die Landesgrenze schneidet und wo auf österreichischer Seite das zu Oberlichtenwalde gehörige Gasthaus »zur Wache«, sächsischerseits das zu Neuwaltersdorf gehörige Gasthaus »Rübezahl« steht; hier auf der Hauptwasserscheide zwischen Oder und Elbe, wo auch die Knieholzkiefer in einer vereinzelten Gruppe anzutreffen sein soll, hat einerseits der Waltersdorfer Bach, ein Zufluß des Lausebaches bzw. der Mandau, andererseits der Zwittebach, ein Zufluß der Polzen, seinen Ursprung; nördlich führt die Zollstraße über Waltersdorf nach Großschönau, südlich über Niederlichtenwalde nach Zwickau. Ein Wegweiser daselbst belehrt über Richtungen und Entfernungen.

Waltersdorf, zerfallend in Alt- und Neuwaltersdorf, ist ein freundliches Kirchdorf mit 2400 Einwohnern, bedeutender Zwillich-, Wollwaren- und Papiererzeugung und zieht sich vom Lauschepaß längs der Straße fast bis Großschönau; ein Denkmal erinnert an den daselbst 1786 geborenen Hofkapellmeister Friedrich Schneider (gest. 1853); auf dem 646 m hohen Buchberge östlich des Dorfes steht ein Denkmal Kaiser Friedrich III. und eine 1880 vom Waltersdorfer Gebirgsvereine errichtete Schutzhütte.

Auf österreichischer Seite grenzen außer der »Wache« keine Häuser an die Paßhöhe; Niederlichtenwalde, wohin die Straße führt, ist 2 km entfernt und Jägerdörfel, ein aus 18 Häusern und einem kaiserlichen Forsthause bestehendes, unmittelbar am Süd-Fuße der Lausche gelegenes Weberdorf, das einen Ortsteil von Oberlichtenwalde bildet, ist auf ansteigender Waldstraße 20 Min. entfernt, das schon 1391 bestandene Bauerndorf Oberlichtenwalde selbst (128 Häuser), in der Richtung dieser Straße nach 15 Min. weiter. Im Jahre 1778 wurde hier der kaiserliche General De Vins durch die einmarschierenden Preußen überrumpelt, so daß er sich bei Nacht auf einem Fußsteige auf den Limberg zurückziehen mußte; am 19. September 1779 besuchte deshalb Kaiser Josef II. die Örtlichkeiten dieses kriegerischen Ereignisses. Von Jägerdörfel führt in 30 Min. ein im Jahre 1851, aus Anlaß eines in Aussicht gestellten Besuches des Kaisers Ferdinand I. angelegter, sehr bequemer Zickzackweg, der sogenannte »böhmische Weg«, auf die Lausche, in den auch von Neuhütte her ein Touristenweg einmündet und den man bis zum »Rondeau« am Beginne des Zickzackweges befahren kann. Wir schlagen diesen Weg jedoch nicht ein.

Wir folgen dem Kammzeichen, das uns bei der »Wache« quer über die Straße auf einen Fahrweg weist, der 1892 vom Zittauer Rat an Stelle eines seit 1823 bestandenen Steilweges angelegt wurde und an der nördlichen Lehne des Berges, an Ruhbänken vorüber, in 35 Min. auf den Gipfel führt, anfangs am Waldrande und allmählich ansteigend, wobei man einen prächtigen Ausblick nach Großschönau hat, zum Schluß auf ziemlich steilem Zickzackwege mit zwei scharfen Kehren durch prächtigen Buchenwald; in ihn mündet unterwegs r. ein geraderer Weg von Waltersdorf-Großschönau und ein anderer von Tollenstein.

Die Lausche ist die höchste Erhebung (791 m) im Bereiche des Sandsteingebirges. Sie besteht aus Klingstein und überragt etwa 140 m ihre Basis im zentralen Teile des Gebirges; bis zum Jahre 1631 hieß der Berg allgemein Mittags- oder Spitzberg, und die nördliche niedrigere Kuppe Hickelstein. In heidnischer Zeit soll daselbst eine Sonnengottheit (Bilwise) verehrt worden sein. Der Sage nach zeigt sich auf der Lausche, aber äußerst selten, ein wunderbarer Vogel, fast wie ein Adler gestaltet, aber bunter und mit wunderlichem, glänzendem Gefieder; dieser Vogel ist ein verzauberter Prinz aus dem Böhmerlande, der noch immer seiner Erlösung harrt durch einen Jäger, der niemals auch nur das Geringste entfremdet habe. Im dreißigjährigen Kriege und in den Napoleon'schen Kriegen diente das Waldesdunkel der Lausche, in welchem noch 1608 Wölfe hausten, den Bewohnern der Umgebung als Zufluchtsstätte. Manche pflanzliche Seltenheit stößt dem Kenner auf: Alpen-Weidenröschen (Epilobium alpinum L.), langblättrige Sternmiere (Stellaria longifolia Fries), zweiblütiges Veilchen (Viola biflora L.), Knotenfuß (Streptopus amplexifolius DC.), Alpenlattich (Mulgedium alpinum Less.), lockerblütige Ragwurz (Orchis laxiflora Lam.), herzblättrige Zweiblatt-Orche (Listera cordata R. Br.), Braun's Schildfarn (Aspidium Braunii Spenn.), Lanzenschildfarn (Aspidium lonchitis Sw.), russige Grübchenflechte (Sticta fuliginosa Ach.), und noch manche andere. Der geräumige Gipfel trägt außer einer kleinen steinernen Kapelle und außer einer Triangulierungssäule der mitteleuropäischen Gradmessung eine Gastwirtschaft (Nachtlager mit Frühstück Mk. 1·50), deren erste Anlage bis zum Jahre 1822 zurückreicht; im Jahre 1882 wurden die Baulichkeiten bequemer und zeitgemäßer hergerichtet und gleichzeitig ein 10 m hohes hölzernes Umschaugerüst (Benützung 10 Pf.) errichtet, auf welchem 1892 der Gebirgsverein in Waltersdorf eine Orientierungstafel anbrachte; derselbe Verein hat 1895 an einem Pavillon neben dem Gasthause zwei Tafeln befestigt, auf denen die Entfernungen näherer und fernerer bekannter Punkte angegeben sind. Ein kais. deutscher und ein kaiserlich österreichischer Postkasten befindet sich am Gasthause; auch ist seit 1893 eine kaiserlich deutsche Fernsprechstelle daselbst. Mitten durch das Gasthaus schneidet die Landesgrenze, so daß man entweder in der böhmischen, als Nr. 143 zu Oberlichtenwalde, oder in der sächsischen, als Nr. 334 zu Waltersdorf gehörigen Gaststube einkehren kann. Seit 1826 steht neben dem Gasthause eine Glasbude, worin im Jahre 1881 Ignaz Kriesche aus Steinschönau sein fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum feierte.

Die Lausche ist seit jeher ein Aussichtspunkt ersten Ranges; viele Tausende, darunter die Könige Friedrich August II. (1823 und 1850) und König Johann von Sachsen, auch der Astronom David (1825), besuchten und besuchen jahraus jahrein von nah und fern dieselbe, um sich an der entzückenden und umfassenden Aussicht zu erfreuen und auch wohl das Schauspiel eines Sonnenaufganges zu genießen. Die Aussicht ist ganz eigenartig deshalb, weil sich gegen Norden die langen Ortschaften der volk- und industriereichsten Gegend Deutschlands und Österreichs fast ohne Unterbrechung hinziehen. Rundsicht-Aufnahmen bekommt man auf dem Berge zu kaufen.

Von der Tafelfichte und den Bergen bei Haindorf im Osten beginnend, schließen sich nach r. die anderen Kuppen des Isergebirges (Vogelkoppen, Taubenhaus, Siechhübel) an, vor ihnen Stadt und Schloß Friedland, die Hemmerichberge, Reichenau mit Umgebung, Gickelsberg und Hohenwald bei Grottau. Im Südosten liegen nahe die vielgestaltigen Felsen und Berge bei Jonsdorf und Oybin, dahinter Hochwald (Turm) und Falkenberg, weiter das Jeschkengebirge mit der Koppe und am Horizont das Riesengebirge mit dem Reifträger, hohen Rad, Kesselkoppe und Schneekoppe, dem Keil-, Fuchs- und Schwarzenberge; weiter r. im Mittelgrunde Schloß Lämberg und die Stadt Deutschgabel, dahinter die Berge bei Wartenberg mit dem Dewin, weiter draußen die Lomnitzer Berge bei Gitschin, der Welisch, Kosakow, Ruine Trosky bei Turnau, Musky bei Münchengrätz. Im Süden der Mergtaler Limberg, Tolz und Roll hinter einander, r. davon die Bösige und der Höhenzug von Kleinbösig (Kirche) bis zu den Hauskaer Bergen, davor Altperstein (Ruine) und Maschwitzer Berg, noch näher das Schwoikaer Gebirge – in welcher Richtung seinerzeit der Dresdner Topograph Albert Schiffner die Türme von Melnik und den Dom von Prag gesehen haben will – und der Ortelsberg. Im Südwesten erhebt sich über dem Grüner, Glaserter und Dürrberge der betürmte Spitzberg bei Leipa, dahinter der breitkuppige Wilsch, näher der Kottowitzer und Langenauer Berg jenseits der Stadt Haida, davor der Kleis, noch näher der gr. Friedrichsberg, der gr. Buchberg bei Falkenau, der Blottendorfer und Sonneberger Rücken; r. hinter diesem der Hutberg (Turm) auf der Rabensteiner Höhe, die Munkerer Höhe, der Geltsch, anschließend die Elbeberge (Aarhorst) vor dem Milleschauer. Im Westen die Kuppen des Kreibitzer Gebirges mit dem Kaltenberge (Turm), der Rosenberg und hohe Schneeberg (Türme), das Erzgebirge mit dem Geising; weiter r. erblickt man über der nahen Finkenkoppe die Ruine Tollenstein und den Tannenberg (Turm), die Dittersbacher Felsen, die Zschirnsteine, den Lilienstein, gr. Winterberg (Turm), den Borsberg bei Pillnitz, den Gickelsberg bei Hohnstein, den Unger und den Tanzplan (beide betürmt). Diesen folgen nordwestlich über dem Lichtenberger Teiche und Schönborn (Kirche) die betürmte Wolfsbergspitze, der Valtenberg (Turm), Zeidler Plissenberg, Pirsken, Botzen und Jüttelsberg, im Hintergrunde das Kamenzer Gebirge. Nordöstlich zieht sich das Lausitzer Mittelgebirge mit dem Czornebog und Bilebog (Türme); daran schließen sich Kottmar (Turm), der ebenfalls betürmte Löbauer Berg mit der Stadt Löbau, der Rotstein, Oderwitzer und Warnsdorfer Spitzberg mit der Burgsbergwarte, in größerer Entfernung die Königshainer Berge, die Landeskrone und der Jauerniker Berg an. Nordöstlich tritt das Königsholz und der Breiteberg hervor; weit schweift der Blick nach Schlesien hinein bis Greifenberg, zu den Höhen bei Lauban und Marklissa, zum Probsthainer Berg, um endlich bei Neustadtel wieder auf die Tafelfichte zu treffen; im Vordergrunde schließen sich die häuserreichen Städte und Kirchdörfer Rumburg, Seifhennersdorf, Warnsdorf, Großschönau, dann Waltersdorf, Hainewalde und Zittau an einander, dahinter die Häuserreihen von Gersdorf, Ebersbach, Walddorf, Eibau, Leutersdorf, Oderwitz u. a. m.

Wer die Kammtour gegen den Tannenberg nicht fortsetzt, sondern den Abstieg auf eine Bahnstation beabsichtigt, kann folgende Wege einschlagen: auf sächsischer Seite über Waltersdorf zur Station Jonsdorf (1¼ Std.), zur Station Großschönau (1½ Std.) und zur Station Warnsdorf (1¾ Std.), auf böhmischer Seite an Jägerdörfel vorüber immer durch Wald zur Haltestelle Neuhütte (1½ Std.).