6. VIII. 1915.

Liebe Lisbeth,

jetzt ist wohl bald der Jahrestag, an dem Du von August für immer Abschied genommen hast — rückte er damals gleich ab? Und nun liegt Helmuth verwundet — hast Du nähere Nachrichten? er schrieb mir wenige Tage nach seiner Verwundung aus dem Feldlazarett 4. 50. Inf.-Div. Westen; ich schrieb ihm sofort wieder (18. Juli) habe aber seitdem keine Antwort, was mich etwas beunruhigt. Es war ein Granatsplitter im Hinterkopf. Er schrieb kurz nach der Operation, die glücklich verlaufen sein soll; aber, weiß Gott was hinterher kam; mich beängstigt sein Schweigen jedenfalls. Denn gerade im Lazarett ist man schreiblustig, wenn es einem gut geht. Gib mir bitte Nachricht, was Du über Helmuth weißt und besuche ihn ja, wenn das Lazarett für Zivilpersonen erreichbar ist. Es ist ja auch die Frage, ob er dort geblieben ist. Wie gehts Euch allen; wo ist Dein Bruder? Grüß alle von mir und laß Dir die Hand drücken

von Deinem
Franz.