Der Aufnahme-Apparat.
Zur Herstellung kinematographischer Aufnahmen dient ein photographischer Apparat, der mit einer Film-Transportvorrichtung versehen ist. Der unbelichtete Film wickelt sich von einer Spule ab und wird nach der Belichtung aufgerollt. Transport-Mechanismus und Filmspulen sind lichtdicht in der Kamera untergebracht; in der Vorderwand derselben befindet sich das Objektiv und hinter letzterem bewegt sich die Verschlußblende. Die Weiterbewegung des Filmbandes geht ruckweise vor sich; während jeden Stillstandes gibt die Blende das Objektiv frei und es findet eine Belichtung statt.
Es liegt nahe, einen und denselben Bewegungs-Mechanismus für Aufnahme und Projektion zu verwenden, und dies geschieht auch zuweilen. Eine solche Kombination ist für die Zwecke des Amateur-Photographen im allgemeinen wohl dienlich; wenn aber, wie für berufsmäßige Arbeiten, eine hohe Leistung verlangt wird, so sind getrennte Apparate, die beide für ihre besondere Aufgabe ausgebildet sind, unbedingt vorzuziehen.
Worauf kommt es nun beim Aufnahme-Apparat an? — Der Mechanismus soll das Band ruckweise derart vorwärts bewegen, daß bei ruhigem Drehen 15 bis 20 Bilder in der Sekunde hergestellt werden. Dabei muß der Transport ein absolut exakter sein; denn wird der Film einmal um »eine Idee« zu wenig und das nächste Mal zu weit vorwärtsgezogen, so muß diese Ungenauigkeit bei der Projektion unbedingt ein Vibrieren des Lichtbildes zur Folge haben. Das Abrollen und selbsttätige Aufwickeln des Bandes soll glatt und ohne Störung von statten gehen; ferner soll der Film auf dem ganzen Wege keinerlei Beschädigung ausgesetzt sein. Wichtig ist es schließlich, daß sich der Apparat den Aufnahmeverhältnissen, insbesondere der wechselnden Beleuchtung und der Geschwindigkeit des Objektes in möglichst weiten Grenzen anpassen läßt.
Ein Punkt ist von großem Belang: es braucht keine Rücksicht auf das Flimmern genommen zu werden. Daher gilt es hier keineswegs, wie beim Wiedergabe-Apparat, das »Tempo« möglichst rasch zu gestalten, d. h. die Zeit der Weiterbewegung im Verhältnis zur Ruhepause möglichst kurz zu machen; man kann den Transport vielmehr »ohne Überstürzung« vor sich gehen lassen und gewinnt dadurch den Vorteil, daß der Mechanismus mit größerer Ruhe und Sicherheit arbeitet. Der Aufnahme-Apparat hat es außerdem nur mit funkelnagelneuen Films zu tun; es wird nicht von ihm verlangt, daß er auch abgenutzte und womöglich zum Teil eingerissene Filmbänder transportiert.
Kinematographische Aufnahmen lassen sich nur bei guter Beleuchtung herstellen, da ja die Einzelbelichtungen äußerst schnell erfolgen. Damit man nun aber nicht bloß auf kräftigen Sonnenschein angewiesen ist, muß der Apparat mit einem sehr lichtstarken Objektiv versehen werden, das möglichst weiten Spielraum bietet. Außerdem wird scharfe Auszeichnung auch bei voller Öffnung verlangt. Die zur Projektion meist verwandten Instrumente Petzvalscher Konstruktion reichen hier, wenn es sich um gute Leistungen handelt, nicht aus; es sind dazu anastigmatisch korrigierte Objektive erforderlich.
Wenn so die Anpassung an die Lichtverhältnisse durch Verwendung eines geeigneten Objektives geschieht, so fällt der Verschlußblende die Aufgabe zu, sich der Geschwindigkeit des aufzunehmenden Gegenstandes anzuschmiegen. In erster Linie hat die Blende den Wechselvorgang des Filmbandes völlig zu verdecken; sie muß dazu völlig undurchsichtig sein, und man läßt sie in der Regel in Flügelform hinter dem Objektiv rotieren, derart, daß kein »falsches Licht« auf den Film gelangen kann. Eine gewöhnliche Flügelblende würde nun, vorausgesetzt, daß man stets dieselbe Anzahl Bilder in der Sekunde aufnimmt, immer gleiche Belichtungen geben, z. B. von 1/30 bis 1/40 Sekunde. Eine solche Exposition wird aber für sehr rasch bewegte Gegenstände nicht kurz genug sein, um diese scharf wiederzugeben. Der Amateurphotograph, welcher springende Pferde, vorbeisausende Automobile und dergl. photographiert hat, weiß das. Aus diesem Grunde muß sich die Verschlußöffnung entsprechend verkleinern lassen; man fertigt dazu die Blende in der Regel aus zwei Segmentteilen, die gegeneinander verstellbar sind.
Zur Vervollständigung der Kamera gehört insbesondere ein Sucher, welcher die Aufnahmeszene zeigt. Namentlich für rasches Arbeiten ist es gut, wenn der Sucher nicht zu klein ist. Die für Berufsleute bestimmten Apparate haben noch verschiedene Einrichtungen, wie ein Zählwerk, welches angibt, wieviel Meter Film belichtet sind, und eine Markiervorrichtung zur Bezeichnung der Stelle, wo die Aufnahme zu Ende ist. Die Films werden in der Regel mit Hilfe von Kassetten eingesetzt, die nach erfolgter Aufnahme bei Tageslicht ausgewechselt werden können.
Bei den Aufnahmeapparaten wird zur Vorwärtsbewegung meist der Greifer oder auch das Malteserkreuz benutzt, seltener der Schläger. Das Greifersystem, welches für das Werk des Vorführungsapparates weniger beliebt ist, muß hier als besonders geeignet bezeichnet werden. Gut ausgeführt, garantiert es einen genauen Transport des Filmbandes um jeweils dieselbe Strecke. Der Vorschub des Filmbandes von der Spule zur Belichtungsstelle und der Transport von dort zur Aufwickelspule geschieht zuweilen mit Hilfe einer einzigen Trommel, wie es die Abbildung [Fig. 115] zeigt. Der Film läuft zuerst oben über die Trommel und wird nachher von dem unteren Teil derselben transportiert. Zwischen Trommel und Türe muß das Band sowohl oben wie unten eine hinreichend große Schlaufe bilden.
Fig. 115.
Die in [Fig. 115] dargestellte Kamera, die einfacherer Art ist, faßt Filmrollen bis zu etwa 35 Meter Länge, welche mittels Kassetten bei Tageslicht eingesetzt und ausgewechselt werden können. Der ruckweise Transport des Bandes geschieht durch einen Greifer. Als Objektiv ist ein festeingestelltes Collinear f:6,3 vorgesehen. Um einen Anhalt bezüglich Abmessungen und Gewicht eines solchen Apparates zu bieten, sei mitgeteilt, daß dieses Modell 23 1/2 × 12 × 23 1/2 cm groß ist und etwa 2 1/2 kg wiegt.
Fig. 116.
Die für größere Filmrollen bis zu 50 oder bis zu 100 und mehr Meter Länge verwendbaren Apparate, wie ein solcher in [Fig. 116]-118 abgebildet ist, werden in der Regel mit den oben erwähnten Einrichtungen versehen, die für den Fachmann eine große Annehmlichkeit bilden. So hat dieses Modell ein Zählwerk zur Feststellung der Länge des belichteten Film sowie eine Markiervorrichtung, welche die Schlußstelle der einzelnen Aufnahmen kennzeichnet; ferner ist ein Geschwindigkeits-Anzeiger daran angebracht, an welchem der Photograph kontrollieren kann, ob er die Kurbel mit der richtigen Schnelligkeit dreht. Außer einem Sucher besitzt der Apparat noch eine Vorrichtung zur Kontrollierung der Bildschärfe; man kann nämlich von rückwärts her durch eine Art Kanal, der mitten durch die Kamera läuft, vor der Aufnahme die scharfe Einstellung des Objektivs prüfen, wozu man in die Türe ein Stück matten Zelluloids oder Pauspapier einsetzt, worauf das Bild sichtbar wird. Dieser durch den Apparat laufende Einstellkanal (vgl. [Fig. 117]) hat vorne ein verschiebbares Teil, das sich, wenn die Türe zum Einlegen des Filmbandes geöffnet werden muß, nach rückwärts schieben läßt; nach erfolgtem Einspannen wird er wieder dicht gegen die Türe angeschoben. Das an der Rückseite des Apparates austretende Ende des Rohres läßt sich zum bequemeren Anbringen des Auges ein Stück herausziehen. Zum Verschluß dieser Rohröffnung dient eine Büchse, die während der Aufnahme aufgesteckt sein muß, weil sonst der Film von rückwärts Licht empfängt und die Bilder dadurch verschleiert werden.
Fig. 117.
Der erwählte Linsensucher ist in die Vorderwand des Apparates eingesetzt, während gegenüber in der Rückwand eine Schauöffnung angebracht ist, welche gestattet, von rückwärts her durch die Kamera hindurch das Sucherbild zu betrachten und es während der Aufnahme bequem im Auge zu halten. Für den Vorschub des Filmbandes von der Kassette zur Türe und für den Transport desselben von der Türe zur unteren Kassette sind, wie die [Fig. 117] zeigt, zwei getrennte Zahntrommeln vorgesehen. Die Verschlußblende, in der Abbildung nicht ersichtlich, besteht aus zwei gegeneinander verschiebbaren Scheiben, die eine Verstellung der Verschlußöffnung innerhalb weiter Grenzen gestatten.
Fig. 118.
Die Kurbel ([Fig. 118]) läßt sich bei diesem Apparat an drei Stellen ansetzen: die erste Stellung gibt 8 Belichtungen auf eine Umdrehung, so daß man bei zwei Umdrehungen in der Sekunde, die sich bequem ausführen lassen, die normale Zahl von 16 Bildern erhält. Die zweite Stellung gibt 4 Bilder auf eine Umdrehung und die dritte 1 Bild auf jede Umdrehung. Diese letztere Stellung kommt zur Anwendung in solchen Fällen, wo die einzelnen Belichtungen in gewissen Zeitabständen erfolgen müssen, wie z. B. bei der Aufnahme einer wachsenden Pflanze.
Die Objektive, welche zu kinematographischen Aufnahmen benutzt werden, haben in der Regel eine Brennweite von 75 mm. Kürzere oder längere Brennweiten braucht man zu speziellen Zwecken. Objektive von sehr kurzer Brennweite sind möglichst zu vermeiden, da diese ein nahes Herangehen an die Szene bedingen und infolgedessen bei solchen Weitwinkelaufnahmen häßliche perspektivische Uebertreibungen entstehen: die in der Nähe befindlichen Personen werden unnatürlich groß und weiter entfernte zu klein.
Die Verwendung lichtstarker anastigmatischer Objektive ist unbedingt anzuraten, und zwar nimmt man am besten ein derartiges Instrument mit einem recht großen Öffnungsverhältnis von beispielsweise F:5,4, F:4,5 oder F:3,5, damit man in der Lage ist, auch bei einer verhältnismäßig weniger günstigen Beleuchtung noch erfolgreich zu arbeiten. Wer für alle Fälle gerüstet sein will, versieht sich mit mehreren Objektiven verschiedener Brennweite.
Fig. 119.
Es sei hier in [Fig. 119] noch ein weiterer, auch zu fachmännischen Arbeiten bestimmter Apparat vorgeführt, welcher dadurch charakteristisch ist, daß die beiden Kassetten mit den Filmrollen außen an der Kamera angebracht werden. Der Bewegungs-Mechanismus ist ebenfalls nach dem Greifer-System gebaut, das zu Aufnahmeapparaten überhaupt bevorzugt wird. Die Führung des Filmbandes vor und hinter der Türe geschieht wie beim ersten Apparat mittels einer einzigen Trommel. Das Modell hat Zählwerk und einen großen Sucher. — Zu erwähnen ist noch eine Konstruktion, bei welcher zwei Films gleichzeitig exponiert werden können; die Verwendung eines solchen »Doppelapparates« wird nur in speziellen Fällen, beispielsweise für sehr wertvolle Aufnahmen, in Betracht kommen.
Fig. 120.
Man hat auch Miniaturapparate gebaut, bei denen Films von kleineren Abmessungen zur Anwendung kommen und deren Transportmechanismus gleichzeitig zur Projektion dient. Die Breite der Films ist hier meistens 15 mm (gegenüber 35 mm Breite der normalen Films) und die Perforation besteht aus einer einzigen Reihe schlitzförmiger Löcher, die sich in der Mitte des Bandes auf der Trennungslinie der einzelnen Bildchen befinden, wie es die beistehende Abbildung ([Fig. 120]) zeigt. Es liegt auf der Hand, daß sich diese kleinen Films nicht für größere Vorführungen eignen; solche Apparate sind vielmehr nur für die Zwecke der Amateurphotographen und zu Darstellungen in kleineren Kreisen bestimmt.
Und da haben sie ihre Berechtigung. Denn das Arbeiten mit Films der normalen Größe ist für Liebhaberzwecke doch eine recht kostspielige Sache; die Miniatur-Kameras mit ihren kleineren Films machen das Kinematographieren bedeutend billiger und ermöglichen dies Vergnügen auch einem Amateur, der nicht gerade ein Krösus ist.
Die beistehende Abbildung ([Fig. 121]) zeigt einen derartigen für kleine Films bestimmten Apparat. Es sei bemerkt, daß bei diesen kleinen Kameras der Mechanismus auch für die Projektion verwendbar gemacht wird.
Fig. 121.