Handhabung der Bogenlampe.

Um die Bogenlampe in Betrieb zu nehmen, steckt man, nachdem die Kohlen eingespannt und die Drähte angeschlossen sind, den Stöpselkontakt ein, schließt den Ausschalter und setzt die Kurbel des Widerstandes auf den ersten Kontaktknopf. Bei der automatischen Bogenlampe stellt sich alsdann der Lichtbogen von selbst her; hat man hingegen eine Lampe mit Handregulation, so muß man die Kohlenstifte durch Drehen des Triebes kurz zur Berührung bringen und dann sofort wieder einige Millimeter auseinander drehen, worauf sich der Lichtbogen bildet. Alsdann stellt man die Kurbel des Widerstandes je nach Bedarf auf weitere Kontaktknöpfe.

Es ist nun, wenn man mit Gleichstrom zu tun hat, höchst wichtig, sich zu überzeugen, ob auch die Drähte richtig angeschlossen sind, das heißt, ob der positive Pol zur oberen und der negative Pol zur unteren Kohle geführt ist. Es gibt ein einfaches Mittel, dies zu erkennen. Nachdem die Lampe kurze Zeit gebrannt hat, muß sich nämlich in der oberen Kohle ein Krater bilden, während die untere spitzenförmig anwächst; dabei muß das Licht nach vorwärts geworfen werden. Ein weiteres Merkmal besteht darin, daß beim Ausschalten die obere Kohle infolge der stärkeren Erhitzung stärker und länger nachglühen muß, als die untere. Zeigt es sich nun, daß sich an der unteren Kohle ein Krater bildet und daß diese länger nachglüht als die obere, so ist die Verbindung falsch; man steckt alsdann den Stöpselkontakt umgekehrt ein oder wechselt die Drähte in den Polklemmen der Lampe. Wenn man bei Herstellung des Anschlusses nicht weiß, welches der positive und welches der negative Draht ist, so verbindet man auf gut Glück und prüft die Richtigkeit in der eben beschriebenen Weise. Nachher wird man dann gut tun, die Pole zu bezeichnen. Man kann übrigens auch den positiven Pol mit Hilfe von Lakmus-Papier (Polfinder-Papier) erkennen; dieses wird angefeuchtet und die blanken Drahtenden darauf gehalten, jedoch achte man ja darauf, daß sich die Drähte nicht berühren. Dasjenige Ende, welches das Papier rot färbt, ist der negative Pol. Für Wechselstrom hat dies natürlich keine Geltung; denn dort gibt es ja keine positiven und keine negativen Pole, sodaß man die Drähte nach Belieben anschließen kann. Neue Kohlen zischen anfangs; es müssen sich nämlich zunächst Krater und Spitze bilden, bis die Lampe ruhig brennt.

Fig. 84.

Bei Gleichstrom ist noch zu beachten, daß die obere Kohle gegen die untere etwas zurück stehen soll, wie es in [Fig. 78] angedeutet ist. Dies geschieht, damit sich der Krater nach vorne bildet und das Licht gleichmäßig gegen den Kondensor wirft; doch darf die obere Kohle nicht soweit zurück stehen, daß die Spitze der unteren einen Schatten gegen die Linse gibt. Während des Betriebes muß man bei der Handregulationslampe alle paar Minuten die Kohlenstifte nachstellen. Wie weit die Kohlenspitzen voneinander entfernt sein müssen, das hängt von der Stromstärke und der Dicke der Kohlen ab. In der Praxis ergibt sich der richtige Abstand ganz von selbst; es zeigen sich nämlich bei zu kleinem und zu großem Abstand folgende fehlerhafte Erscheinungen. Wenn die Kohlen einander zu nahe sind, so macht sich ein lautes Zischen bemerkbar; die Spitze der unteren Kohle wird größer und wächst in den Krater der oberen hinein (vgl. [Fig. 84]), sodaß schließlich beide Kohlen zusammenbacken und nur noch rot glühen. Ist anderseits der Abstand der Kohlen zu groß ([Fig. 85]), so nimmt zunächst die Helligkeit des Lichtes ab, außerdem beginnt der Lichtbogen auf den Kohlenspitzen zu wandern und zu flackern, wobei schließlich das Licht auslöscht. Dieses Auslöschen erfolgt umso früher, je geringer die Spannung (Voltzahl) ist.

Fig. 85.

Bei der in [Fig. 81] dargestellten Lampenform, wo die positive Dochtkohle wagerecht angeordnet ist, muß man ebenfalls dauernd darauf achten, daß die beiden Kohlenspitzen richtig zueinander stehen und eine günstige Lage des Kraters herbeiführen. Wenn nötig, ist zu korrigieren. Diese Anordnung der Kohlenstifte im rechten Winkel gegeneinander ist vorteilhaft bei Stromstärken bis zu 30 Ampères.

Die Wahl der richtigen Kohlenstärke — das gilt allgemein — ist von großer Wichtigkeit: sind die Kohlen zu dick, so erhält man kein ruhiges Licht, indem der Krater wandert; benutzt man zu dünne Kohlen, so muß man infolge starken Abbrennens häufig nachstellen, die Stifte glühen weit hinauf und entwickeln eine unnütze Hitze. Man spanne die Kohlen im Halter gut an. Werden sie bei kalter Lampe lose eingesetzt, so fallen sie, nachdem die Lampe erhitzt ist, leicht heraus. Spannt man die Kohlen andererseits bei heißer Lampe zu fest an, so mögen sie beim Abkühlen der Halter brechen.

Während es bei Gleichstrom leicht ist, dauernd eine gute Lichtausnutzung zu erzielen, bietet dies bei Wechselstrom Schwierigkeiten. Die erfahrenen Vorführer arbeiten sich ihre Methode aus, mit der sie das beste Licht bekommen, und es ist wohl schwer zu sagen, welche Anordnung am besten ist; denn die Übung spielt dabei eine große Rolle. Vielfach stellt man die Kohlen senkrecht übereinander, sehr häufig findet man die Gleichstromstellung, wobei nur einer der beiden Krater zur Geltung kommt, angewandt, während andere wieder eine Winkelstellung der Kohlen bevorzugen. Der eine benutzt zwei Dochtkohlen, der andere zwei Homogenkohlen, der dritte findet es besser, wie bei Gleichstrom oben eine Docht- und unten eine Homogenkohle zu nehmen. Die Winkelstellung erscheint auf jeden Fall für hohe Stromstärken, etwa über 30 Ampères, weniger gut geeignet; der Lichtbogen ist schwerer ruhig zu halten und man verliert leicht die Kontrolle über den Krater. Bei der senkrechten Stellung der Kohlen muß man den Abstand der Spitzen ziemlich gering halten; andernfalls macht sich auf dem Schirm ein dunkler Streifen bemerkbar und außerdem neigt sonst der Lichtbogen dazu, herum zu tanzen. Macht man den Abstand zu gering, so leidet dadurch die Helligkeit. Man muß die Kohlen häufig nachstellen, denn es ist sehr wenig Spielraum im Abstände der Spitzen, und oft durch das Fensterchen kontrollieren. Wenn der Krater sich an falscher Stelle, z. B. nach rückwärts, bildet, so suche man durch Verstellung der oberen Kohle eine Besserung herbeizuführen. Die Triebverstellung sollte aber ganz langsam und vorsichtig, nicht stoßweise, erfolgen, denn der Lichtbogen ist äußerst empfindlich. Unter Umständen empfiehlt es sich, wenn der Krater verändert werden muß, den Lichtbogen auf einige Minuten länger zu machen. Auch bei neuen Kohlen lasse man den Bogen zuerst lang brennen. Viele Vorführer feilen die beiden Dochtkohlen auf einer Längsseite flach, wobei sie die Stifte in einen V-förmigen Ausschnitt eines Brettes legen, und bringen die flachen Seiten gegen den Kondensor. Das gleiche: Begünstigung der Kraterbildung nach vorne, erzielt man mit exzentrischen Dochtkohlen. Andere wieder arbeiten stets mit zugespitzten Kohlenstiften, um dadurch den Lichtbogen stabiler zu halten. Die Gleichstromstellung der Kohlen bietet eine leichtere Handhabung, sie gibt aber eine etwas geringere Lichtausnutzung und erfordert daher etwas mehr Strom. Auch hier muß man häufig nachstellen und den Abstand der Spitzen möglichst gleichmäßig halten.

Eingangs wurde darauf hingewiesen, daß man den Widerstand nicht von vornherein auf die volle zur Verwendung kommende Stromstärke stellen solle. Beim Zünden der Bogenlampe steigt nämlich die Stromstärke momentan sehr stark an — wenn z. B. in einem Netze von 110 Volt man den Widerstand auf 50 Ampères gestellt hat, so steigt sie über 100 Ampères — und dabei kann leicht die Sicherung durchschlagen. Also stets den Widerstand eingangs auf eine geringe Stromstärke einstellen, und erst nach dem Zünden weitere Kontakte einschalten! Bekommt man beim Zünden kein Licht, so ist irgendwo der Strom noch unterbrochen; man prüfe mit Ruhe und systematisch alle Drahtverbindungen und sehe die Sicherungen nach. Man halte Reservestöpsel für die Sicherungen vorrätig.

Die Bogenlampe muß hinreichend oft gereinigt werden. Auf die Zahntriebe gebe man besser Talk als Öl. Aufgelagerter Kohlenstaub kann über die Isolation hinweg die Bildung eines Lichtbogens veranlassen.