Amore

Wenn noch die Eitelkeit

Das Auge Dir entweiht,

Ist kommen nicht die Zeit.

Solang Du noch willst stehn

Auf Podien, gesehn,

Kann Glück’s Dir nicht geschehn.

Wer sich noch nicht zerbrach,

Sich öffnend jeder Schmach,

Ist Gottes noch nicht wach.

Wer noch mit Eifer spitzt,

Daß er ein Weib besitzt,

Ist noch nicht ausgewitzt.

Erst wenn ein Mensch zerging

In jedem Tier und Ding,

Zu lieben er anfing.

Erst wer Erfüllung floh,

Wächst an zum Höchsten so,

Wird letzter Sehnsucht froh.

Erst wer sich jauchzend bot

Der Schande und der Not

Und zehnfach jedem Tod,

Im heiligen Verzicht,

Vor Liebe ihm zerbricht

Sein irdisch Angesicht!

Wohin schwillt er empor!

Was schwingt er überm Chor

Unendlich sein amor’!!