Romanze einer Schlange

Wo von den aufwärtsatmenden Vulkanen

Erhaben stürzet Gold um Gold,

Unter dem Blau, das in Orkanen

Tiefdröhnend durcheinander rollt,

Roll ich mich im Gerölle,

In meiner Quader Hölle,

Und starre stolz nach den Alleen,

Wo Bäume wehn, und weiße Füße wehn,

Und Sonne, Strom und Sommer toben hold.

Weh euch! Ich wurde wach als Schlange,

Und Feindschaft, Stolz und Haß sind mein Gebot.

Die Nachtigall zerbricht sich im Gesange,

Und stürzet ab in ihren Tod,

Wenn ich mit meinem Blicke

Sie banne und bestricke.

Das Liebliche entgeht mir nicht!

Ich bin im Licht der Bösewicht,

Vernichtung und Gericht, das euch bedroht.

Unendlich singen Amseln in den Kronen,

Und an den Quellen tönt die Kreatur.

Es ist mein Teil in Stein und Stolz zu wohnen,

Und die Gestalt zu sein, in die ich fuhr.

Sind alle guten Wesen

Zu Müttern auserlesen,

So haßt mit Wut mich meine Brut,

Und krümmt sich fort in dumpfem Mut,

Und ich gewunden auf dem Grunde starre nur.

Ich frage nicht, warum bin ich erschaffen

Zum Wurm in dem umblauten Reich?!

Denn keine Sehnsucht lebt, mich hinzuraffen,

Und ich allein will sein mir selber gleich.

Der Hölle siebentiefste Flammen,

Sie quälen nicht, den sie verdammen!

Mich schmerzt mein Kriechen nicht, wenn durch Alleen

Sich Bäume wehn und weiße Füße wehn,

Ich kann nicht weinen, liebe keinen, Wehe euch!