Veni creator spiritus

Komm heiliger Geist, Du schöpferisch!

Den Marmor unsrer Form zerbrich!

Daß nicht mehr Mauer krank und hart

Den Brunnen dieser Welt umstarrt,

Daß wir gemeinsam und nach oben

Wie Flammen ineinander toben!

Tauch auf aus unsern Flächen wund,

Delphin von aller Wesen Grund,

Alt allgemein und heiliger Fisch!

Komm reiner Geist, Du schöpferisch,

Nach dem wir ewig uns entfalten,

Kristallgesetz der Weltgestalten!

Wie sind wir alle Fremde doch!

Wie unterm letzten Hemde noch

Die Schattengreise im Spital

Sich hassen bis zum letzten Mal,

Und jeder, eh’ er ostwärts mündet,

Allein sein Abendlicht entzündet,

So sind wir eitel eingespannt,

Und hocken bös an unserm Rand,

Und morden uns an jedem Tisch.

Komm heiliger Geist, Du schöpferisch,

Aus uns empor mit tausend Flügen!

Zerbrich das Eis in unsern Zügen!

Daß tränenhaft und gut und gut

Aufsiede die entzückte Flut,

Daß nicht mehr fern und unerreicht

Ein Wesen um das andre schleicht,

Daß jauchzend wir in Blick, Hand, Mund und Haaren,

Und in uns selbst Dein Attribut erfahren!

Daß, wer dem Bruder in die Arme fällt,

Dein tiefes Schlagen süß am Herzen hält,

Daß, wer des armen Hundes Schaun empfängt,

Von Deinem weisen Blicke wird beschenkt,

Daß alle wir in Küssens Überflüssen

Nur Deine reine heilige Lippe küssen!

Abschied
Ein Fragment

Stimme

War Dein Gang in großer Sonne verschwebend,

War Dein windiges Kleid, mir vorüberlebend,

War der tiefe Atemzug Dein Gesicht,

War das alles ein Letztesmal,

Und ich ahnte den Abschied nicht?

Die Straße hat Deinen Fuß vergessen,

Erde und Ätherstrahl gaben Dein verschüttetes Lachen aus.

Die boshafte Treppe im Haus,

Wo aufwärts das Letztemal Dein Antlitz durch mich brach,

Wie das dunkelselige Licht

Durch erhabene Fenster der Tempel bricht,

Wissend höhnt mir die Treppe, nach.

Denn ich atmete nicht,

Daß Dein ferner Atem sich nicht mehr in meinen flicht.

Antwort

Es gibt nicht eine Stelle,

Die Du durch Dich nicht abgestellt.

Es gibt nicht eine Helle,

Die von Dir nicht ins Finster fällt.

Alle Welt ist Letztesmal

Abschied heißt jedes Tal.

Mit müden Straßenbäumen bin ich weggeglitten,

Aus vielen Träumen bin ich abgeschritten.

Und doch, es eint,

Daß wir uns vorbeigeweint,

Und daß wir arm sind, ohne Gleichen,

Niemals zu uns hinüberreichen!

O Abschied, Brunnen aller Worte!