Warum mein Gott
Was schufst Du mich, mein Herr und Gott,
Der ich aufging, unwissend Kerzenlicht,
Und dahin jetzt im Winde meiner Schuld,
Was schufst Du mich, mein Herr und Gott,
Zur Eitelkeit des Worts,
Und daß ich dies füge,
Und trage vermessenen Stolz,
Und in der Ferne meiner selbst
Die Einsamkeit?!
Was schufst Du mich zu dem, mein Herr und Gott?
Warum, warum nicht gabst Du mir
Zwei Hände voll Hilfe,
Und Augen, waltend Doppelgestirn des Trostes?
Und eine Stimm aprilen, regnend Musik der Güte,
Und Stirne überhangen
Von süßer Lampe der Demut?
Und einen Schritt durch tausend Straßen,
Am Abend zu tragen alle
Glocken der Erde
Ins Herz, ins Herze des Leidens ewiglich?!
Siehe es fiebern
So viele Kindlein jetzt im Abendbett,
Und Niobe ist Stein und kann nicht weinen.
Und dunkler Sünder starrt
In seines Himmels Ausgemessenheit.
Und jede Seele, fällt zur Nacht
Vom Baum, ein Blatt im Herbst des Traumes.
Und alle drängen sich um eine Wärme,
Weil Winter ist
Und warme Schmerzenszeit.
Warum, mein Herr und Gott, schufst Du mich nicht,
Zu Deinem Seraph, goldigen, willkommenen,
Der Hände Kristall auf Fieber zu legen,
Zu gehn durch Türenseufzer ein und aus?!
Gegrüßet und geheißen:
Schlaf, Träne, Stube, Kuß, Gemeinschaft, Kindheit, mütterlich?!
Und daß ich raste auf den Ofenbänken,
Und Zuspruch bin, und Balsam Deines Hauses,
Nur Flug und Botengang, und mein nichts weiß,
Und im Gelock den Frühtau Deines Angesichts!
Die Tugend
Die Lüge ist das Weib des Potiphar,
Mit schleppenträgem Kleide angetan.
Das ist bemalt mit allem, was da war,
Und ist, und sein wird. Mond und Sternenbahn,
Mit Frucht und Jahreszeit und Hof und Hahn,
Und Stadt und Meer und Schiff und Berg und Schar.
Und alles das, auf dem Gewande kreisend,
Hältst Du für wahr und für Dich unterweisend!
Die Welt ist Abfall. Und der Satan legt
Den Himmelsmantel an, mit Stern und Zeit.
Was durcheinander Ding an Ding bewegt
Ist Todesangst und letzte Eitelkeit.
Des Bösen Rechnung, Welt, ist stoßgefeit,
Sie scheint zu sein, weil sie kein Sein zerschlägt.
Wo Gottes Wahrheit weicht vor einem Kinde,
Und in die Knie bricht im geringsten Winde.
Doch ist Gesetz dadurch, daß man es bricht!
Die Welt ist Bruch und Schuld auf immerdar.
Allein darin verbürgt sie uns das Licht,
Und in der Sünde wird es offenbar.
Durch unser Leiden werden wir gewahr,
Wie Gott in uns durch eitles Tun zerbricht.
Und Sehnsucht wächst aus überströmten Tagen,
Zu opfern uns, uns selbst ans Kreuz zu schlagen.
So ist nur eins, das Opfer, was uns bleibt,
Im Sturm der Räume, und im Tanz der Uhr!
Die Stunde grinst herbei, die uns entleibt,
Und wir sind ohne Lohn und ohne Spur.
O Liebe, Opfer! Tötend, was uns treibt,
Sind wir erst, sind wir gegen die Natur.
Und ich bin Mensch, in meinem Menschenleben,
Dem Schein ein Sein, dem Unsinn Sinn zu geben.