Ergänzungen.
1. Des Zeitwortes.
A. Einfache.
90. Der Schmetterling.
Im ersten Falle.
Das Schmetterlingsei ward eine Raupe. Die Raupe wurde eine Puppe. Die Puppe wird ein Schmetterling. Diese Verwandlung bleibt ein Naturräthsel. Sie bleibt ein Wunder. Des Wunders Schöpfer heißt Gott.
91. Ohne Glauben.
Im zweiten Falle.
Der Ungläubige entsagt der Kindschaft mit Gott. Er vergißt die Wohlthaten des Himmelsvaters. Er spottet der göttlichen Gnade. Seine Hand entsagt der Hilfe von oben. Er gedenkt nicht des Endes. Sein Herz entbehrt alles Trostes. Der Ungläubige bedarf unserer zurechtweisenden Hand.
92. Der echte Christ.
Im dritten Falle.
Der echte Christ glaubt dem Evangelio. Das Gesetz des Herrn befiehlt ihm. Er gehorcht dem Gesetze. Sein ganzes Leben gehört dem Höchsten. Sein Herz vertraut dem allgütigen Himmelsvater. Es folgt ihm. Es dankt ihm. Dem Allgütigen gebührt ja alle Ehre.
Der falsche Christ zürnt dem Gläubigen. Er mißtraut ihm. Er flucht ihm wol gar. Er schadet seiner Ehre.
Der fromme Christ verzeiht einem solchen Uebermüthigen. Er vergibt seinem Feinde. Er lebt seinem göttlichen Vorbilde nach.
93. Jakob.
Im vierten Falle.
Jakob besaß viel Schlauheit. Er überlistete den Esau. Dadurch erhielt er das Recht der Erstgeburt. Er betrog seinen blinden Vater. Dadurch erschlich er den väterlichen Segen.
Gott aber strafte den Sünder. Den Esau erfaßte die Wuth. Er ballte die Fäuste. Seine Lippen schäumten Zorn. Er haßte den Bruder. Er wollte die erlittene Schmach rächen. Seine Hand wollte den Betrüger erwürgen.
Rebekka vernahm den Racheschwur. Entsetzen ergriff ihr Mutterherz. Sie erkannte die Gefahr. Sie fürchtete den Erzürnten. Sie rief den Jakob. Schnell war ein Rettungsplan geschmiedet. Ihr Liebling mußte die Flucht ergreifen.
Auch Rebekka belog nun den blinden Alten. Sie scheute diese Sünde nicht. Die Lüge sollte Jakob’s Sicherheit bewirken.
Jakob trat die schwere Reise an. Er hatte großen Kummer zu tragen. Er mußte die zärtlich liebende Mutter verlassen. Er mußte alle häuslichen Bequemlichkeiten entbehren. Er mußte die theure Heimat meiden. Eine schwere Schuld belastete sein Herz. Ihn drückte das böse Gewissen. Die Reue quälte sein Gemüth. Vielleicht feuchteten Thränen seine Augen.
So verfolgte die Strafe den Sünder. So zeigte der Herr seinen gerechten Arm.
94. Der Lügner.
(Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Fall.)
Moritz entehrte sich, indem er der Lüge Freund war. Hatte er sich einmal beschmutzt, bemühte er sich, die Schuld auf Andere zu schieben. Er beklagte sich wol gar, daß ihn ein gewisser Knabe mit Koth beworfen habe.
Diese Lügenhaftigkeit verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Einmal beschäftigte sich Moritz im Schlafzimmer. Dort befanden sich Streichhölzchen. Mit diesen spielte er. Die Hölzchen aber entzündeten sich. Das Feuer griff schnell um sich. Vergebens strengte er sich an, es zu löschen. Es ließ sich nicht mehr dämpfen. Schon bewegte es sich an einem Vorhange empor.
Moritz entsetzt sich. Er will sich entfernen. Er möchte sich am liebsten verstecken. Da tritt sein Vater herein. Dieser besinnt sich nicht lange. Er faßt sich schnell und reißt den Vorhang herunter. Dabei verbrennt er sich zwar, aber der Schmerz läßt sich ertragen. Die Flamme züngelt noch einmal empor. Bald aber hat sie sich doch unterdrücken lassen.
Moritz erdreistet sich aufs neue zu lügen. Darüber betrübt sich der Vater. Er läßt sich jedoch nicht täuschen. Er überzeugt sich, daß Moritz das Unheil angerichtet habe. Dieser sieht sich bald überführt. Die Strafe blieb natürlich nicht aus. Moritz schämte sich. Zum Glück änderte er sich bald. Er legte die Lügen ab. Er besserte sich.
95. Der Verschwender.
(Alle vier Fälle. Einfache Ergänzung.)
Valentin war der Sohn eines reichen Edelmannes. Sein Vater hatte mehrere Güter. Er hieß ein Millionär. Alle diese Schätze wurden Valentin’s Eigenthum. Der reiche Erbe aber wurde ein Verschwender.
Sein Charakter entbehrte aller Grundsätze. Er vergaß die Mahnungen seines seligen Vaters. Er achtete nicht der Mahnungen der Vernunft. Er spottete jeder Arbeit.
Valentin huldigte allen Untugenden. All sein Denken galt den sinnlichen Genüssen. Er fröhnte allen erdenklichen Leidenschaften. Aber die Strafe folgte dem Laster. Valentin schadete seiner Gesundheit.
Er verlor alle Achtung. Sein Vermögen ging den Krebsgang. Seine guten Freunde verließen ihn. Die Gläubiger dagegen suchten ihn auf. Schließlich verhaftete ihn das Gericht. Den einstigen Millionär beherbergte ein Gefängniß. Valentin erhielt eine lange Freiheitsstrafe.
Endlich hatte er sie verbüßt. Aber er war nun ein Bettler. Jetzt erst gedachte er der wohlgemeinten Rathschläge seines Vaters. Sein Gemüth erlag der Reue. Er starb den Tod eines Untergegangenen.
96. König und Volk.
(Die Ergänzung durch Hauptwörter mit Verhältnißwörtern.)
Ein König lebt seiner Stellung gemäß. Er glänzt infolge seiner Würde. Kraft seiner Macht regiert er. Vermöge seines Heeres schützt er. Zufolge seiner Gewalt kann er strafen. Er straft laut der Gesetze.
Das Volk steht unter dem Gesetze. Der brave Unterthan lebt nach den gegebenen Verordnungen. Er schweigt zu den Reden der Aufrührer. Seine Gedanken stimmen für den Frieden. Er denkt an die Schrecken einer Revolution. Sie drängt zu schrecklichen Greueln. Sie führt durch Menschenblut.
97. Im Sturme.
(Die Ergänzung ein Zeitwort in reiner Form.)
Der alte Donnergott beliebt zu grollen. Der Himmel beginnt zu dunkeln. Der Sturm fängt an zu toben. Das Schiff sucht zu entkommen. Es strebt einzulaufen. Das Fahrzeug hebt an zu kämpfen. Es scheint zu bersten. Es droht zu sinken. Der Kapitän aber hofft dennoch zu siegen.
Er befiehlt zu kappen. Er verordnet zu kreuzen. Das Matrosenvolk indeß fürchtet zu stranden. Es wünscht zu ankern.
Da mahnt der Kapitän zu gehorchen. Endlich beginnt er zu fluchen. Er droht zu züchtigen. Er gedenkt sogar zu schießen.
Der Kapitän verfügt aufs neue zu kreuzen. Die Matrosen beschließen zu gehorchen. Es gelingt endlich anzulegen. Das Schiff ist gerettet.
98. Die Wahrheit.
(Einfache Ergänzung. Alle vier Fälle.)
Die Wahrheit siegt kraft ihrer Macht. — Sie stammt aus dem Himmel. — Christus zeugte von ihr. — Er starb sogar für sie. — Was hatte er zu dulden!
99. Die Eisenbahn.
(Wiederholung aller Ergänzungen mit Verhältnißwörtern.)
Ein Eisenbahnzug wird vermöge der Dampfkraft bewegt. Die Wagen rollen auf eisernen Geleisen dahin. Man staunt über die Fahrgeschwindigkeit. Die Mitfahrenden wähnen zu fliegen.
Die Eisenbahnen wirken auf alle Handelsverhältnisse wohlthätig ein. Sie halten auf strenge Pünktlichkeit. Die Fahrten hängen nicht von der Witterung ab.
Ihr Nutzen wird von dem Publikum auch verstanden. Die Eisenbahnen streben daher nach immer größerer Ausdehnung.
Eine Eisenbahnfahrt leidet zwar auch an Schattenseiten. Die Zeitungen berichten sehr oft von Eisenbahnunfällen. Zuweilen rennt ein Zug an den andern. Wagen kommen aus den Geleisen. Infolge dieser Ereignisse verunglücken namentlich viele Bahnbeamte. Manche verunglücken freilich auch zufolge ihrer Unvorsichtigkeit. Viele denken gar nicht mehr an die Gefahr. Sie bauen leider zu sehr auf ihre Sicherheit. Einzelne wagen in dieser Hinsicht wol gar zu freveln.
Trotz alledem aber steht der Segen der Eisenbahnen weit über ihren Nachtheilen.
Hauptwiederholung.
100. Der Geburtstag.
(Erweitertes Subject. Prädikat und einfache Ergänzung.)
Das einzige Söhnchen eines reichen Kaufmanns in dem schöngelegenen Dorfe S. feierte seinen achten Geburtstag.
Der freundliche Vater des lieben Knaben hatte alle artigen Gespielen der nächsten Nachbarschaft eingeladen.
Sein biederes Vaterherz war dem frohen Treiben einer lustigen Kinderschaar hold.
Auch der lieben Mutter des munteren Willi gefiel ein solch heiteres Kränzchen aus dem glücklichen Reiche lebensfroher Kinder.
Der hellerleuchtete Salon des wohlhabenden Kaufmanns nahm das fröhliche Völkchen der zahlreichen Festgeladenen auf.
Der bunte Kranz der lebendigen Schaar entwickelte ein jubelndes Leben.
Die umsichtigen Eltern des blondlockigen Geburtstagskindes hatten für allerhand Unterhaltungen aus dem großen Bereiche der kindlichen Spiele gesorgt.
Sogar der alte Onkel des gefeierten Willi hatte eine allerliebste Auswahl verschiedener Belustigungsgegenstände mitgebracht.
Die heitere Kinderschaar des traulichen Kreises folgte der freundlichen Einladung zum Spiele.
B. Doppelte Ergänzung.
101. Der Thierquäler.
(Im vierten und zweiten und vierten und dritten Falle.)
Ein Herr beschuldigte einen Fuhrmann der Thierquälerei. Der Fuhrmann zieh ihn dafür der Lüge. Der Herr aber überführte ihn der Schandthat. Er versicherte sich seiner Person. Schließlich übergab er den Thierquäler der Polizei. Die Polizei aber überlieferte den rohen Menschen dem Gerichte.
Der Fuhrmann suchte den Richter seiner Unschuld zu versichern. Jener Herr belehrte indeß den Mann des Gesetzes eines Besseren. Der Richter verwies den Angeklagten seiner Lüge. Er überhob ihn schließlich aller weiteren Selbstvertheidigung.
Das Strafurtheil beraubte den Fuhrmann seiner Freiheit. Es überwies ihn dem Gefängnisse. Das Fluchen des Verurtheilten entband ihn der Verbüßung der Strafe nicht. Nur die Milde des Richters entließ ihn schließlich der Haft.
102. Oskar.
(Rückbezügliche Zeitwörter. Im dritten und vierten Falle.)
Der begabte Oskar ließ sich an einem Schauladen von einem schönen Bilde fesseln. Er erbaute sich förmlich an der herrlichen Zeichnung. Er nahte sich der Kunstschöpfung wiederholt mit stiller Bewunderung.
Bald darauf besprach er sich mit seinem Vater. Der Vater entschloß sich zum Leihen des Bildes. Oskar verpflichtet sich dafür zum Copiren desselben. Er fürchtet sich nicht vor der Schwierigkeit.
Tagtäglich widmet er sich nun der Künstlerarbeit. Zwei Wochen quält er sich mit dem Anlegen der Figuren. Drei Wochen plagt er sich mit der Schattirung. Endlich ist die Copie fertig. Welch ein Genie spricht sich in ihr aus! Sie läßt sich kaum von dem Originale unterscheiden.
Der Vater betrachtet sie. Er giebt sich lange dem Staunen hin. Endlich spricht er zu Oskar: „Mein Sohn! Du neigst Dich ganz zur Kunst hin. Du sollst Dich ihr auch ergeben dürfen.“
103. Eine Verirrung.
(Rückbeziehung. Vierter und zweiter Fall.)
Der Korporal Schimmel befleißigte sich der größten Pünktlichkeit. Er entledigte sich aller dienstlichen Aufträge aufs sorgfältigste. Er entäußerte sich oft sogar seiner freien Zeit. Seine soldatische Ausbildung entzog sich jedem Tadel. Während seiner ganzen Dienstzeit durfte er sich keiner Pflichtverletzung anklagen.
Später wurde er Offizier. Leider schämte er sich nun seiner niederen Abkunft. Er erinnerte sich nicht gern mehr seiner armen Eltern. Er enthielt sich sogar des Besuchs derselben.
Erst nach vielen Jahren besann er sich eines Besseren. Er entschlug sich der stolzen Gedanken. Die dankbare Kindesliebe bemächtigte sich wieder seines Herzens.
104. Bestrafte Eitelkeit.
(Doppelte Ergänzung. Vierter und vierter Fall.)
Otto’s Sparbüchse hatte sich wieder um einige Thaler bereichert. Da erklärte sich der eitle Knabe für den Ankauf einer Taschenuhr. Bald auch setzte er sich in den Besitz einer solchen Zeitmesserin. Fast alle Augenblicke sah er sich die Uhr an. Bald aber wunderte er sich über ihren Gang. Sie kehrte sich wenig an die rechte Zeit. Sie ließ sich zuweilen sogar an das Gehen erinnern.
Da entschloß sich Otto zur Selbsthilfe. Er wagte sich an das innere Werk. Endlich machte er sich gar an die Räder.
Die Uhr aber rächte sich für diese Kühnheit. Sie bewegte sich nicht mehr von der Stelle. Otto ärgerte sich über diese Tücke. Die Uhr kümmerte sich indeß nicht um seinen Groll. Sie blieb stehen. Sie war schlecht.
Otto mußte sich als einen Betrogenen betrachten. Er sah sich jetzt um sein schönes Geld gebracht.
Er ließ sich die Eitelkeit blenden. Lange noch grämte er sich über seine Thorheit.
105. Großmuth.
(Ergänzung. Dritter und vierter Fall.)
Ein schwer verwundeter Zuave entsendete einem deutschen Freiwilligen noch einen Schuß. Der Freiwillige hätte dem braunen Gesellen eine Kugel erwidern können. Sie würde diesem sicher das Herz durchbohrt haben. Aber der Deutsche verzieh dem tückischen Feinde die That. Er entriß ihm blos das Gewehr. Zudem schnallte er ihm den Säbel ab. Darauf aber verkündete er dem Zuaven die Gefangenschaft.
Der Schmerz der Wunde hatte dem Afrikaner die Wangen gebleicht. Ein brennender Durst erschwerte ihm das Sprechen. Der Freiwillige reichte ihm die Feldflasche. Auch ein Stück Brod gab er dem Hungrigen. Wie mundete dem Erschöpften der Schluck Wein! Wie schmeckte ihm der Bissen Brod!
Der Freiwillige indeß zeigte dem Gefangenen noch mehr Großmuth. Er verband ihm seine Wunde. Er trug ihm sein Gepäck. Er bot ihm sogar seinen Arm an.
Solcher Edelsinn rührt dem Wüstensohne das Herz. Er drückt dem Deutschen die Hand. Er will ihm sogar die Hand küssen. Der Freiwillige indeß entzieht ihm dieselbe.
Der Freiwillige übergab den Gefangenen dem nächsten Feldgendarm. Darauf aber bot er den feindlichen Reihen aufs neue die Stirn. Aufs neue zeigte er dem Feinde seinen Heldenmuth.
106. Der Geiz.
(Wiederholung der Doppelergänzungen.)
Der Geiz beraubt den Menschen vieler Freuden. Er verdüstert ihm das ganze Leben. Er taucht das Herz in eisige Kälte. Er fesselt seine Beute an den todten Geldkasten. Der Geizige erbarmt sich nicht einmal seines Viehes.
107. Michel.
(Fortsetzung.)
Der alte Diener Michel bewies seinem Herrn große Treue. Dafür schenkte ihm dieser auch volles Vertrauen. Er nannte ihn seine rechte Hand. Er bezeichnete ihn als seinen Vertrauten. Er würdigte ihn sogar der Mitwissenschaft seiner Vermögensverhältnisse.
Ueber diese Auszeichnung ärgerten sich die anderen Diener. Sie ergingen sich in neidischen Bemerkungen. Sie erlaubten sich wol gar Schimpfreden.
Der alte Michel aber enthielt sich aller Gegenbeleidigungen. Er befleißigte sich der großmüthigsten Geduld. Er suchte die Mißgünstigen nicht einmal eines Besseren zu belehren.
Endlich zeigte Jemand dem Herrn das ungebührliche Verhalten jener Diener an. Der Herr dankte diesem für diese Mittheilung. Gleich darauf besprach er sich mit dem Alten. Michel bewahrte sich dabei vor jeder Anklage.
Ueber diese Biederkeit freute sich der Herr abermals. Jene Diener aber erhielten von ihm harte Strafe. Er entließ sie ihrer Stellung.
108. Eine Jubelfeier.
(Wiederholung. Subjecte, Prädikate, Ergänzungen erweitert.)
Der allgütige Vater aller Menschenkinder ließ den ehrwürdigen Pfarrer des großen Fabrikdorfes W. an der gebirgigen Grenze des böhmischen Landes den schönen Tag seines fünfzigjährigen Amtsantrittes erleben.
Die sämmtlichen Einwohner des belebten Ortes zollten dem greisen Hirten ihrer Seelen die aufrichtigste Theilnahme ihrer biederen Herzen.
Selbst die verschiedenen Kreise der wohlgesitteten Schuljugend bezeugten dem freundlichen Inspector ihrer geliebten Bildungsstätte den ungeheucheltsten Antheil an seinem seltenen Glücke.
Die wohlhabenden Bewohner des umfangreichen Kirchspiels hatten es sich bedeutende Opfer an baarem Gelde kosten lassen.
Die heutige Feier eines so bedeutungsvollen Festes sollte auf die gesammte Einwohnerschaft einen bleibenden Eindruck machen. Das gutgeschulte Musikchor des bevölkerten Ortes brachte dem frohbewegten Jubelgreise eine erhebende Morgenmusik nach Compositionen alter Meister.
Auch die weithallenden Glocken des fahnengeschmückten Thurmes sendeten dem gottbegnadigten Priester der ehrsamen Gemeinde die jubelnden Grüße ihrer ehernen Zungen.
Mehrere große Ehrenpforten mit sinnigen Inschriften gaben den verschiedenen Aufgängen zu dem mit frischen Blumenkränzen gesäumten Gotteshause ein festliches Gepräge.
Eine ziemliche Zahl angesehener Glieder der dankbaren Kirchfahrt überreichte dem hochgeachteten Verkünder des göttlichen Wortes eine wunderschöne Prachtbibel mit schwerem Goldbeschlage.
Die bemittelten Jünglinge des kleinen Nebendorfes N. schenkten ihrem alten Beichtvater eine silberne Dose von dem berühmtesten Goldarbeiter der fernen Residenz.
Und so wurden dem überraschten Jubelgreise noch verschiedene Geschenke der kostbarsten Art von seinen theilnehmenden Kirchkindern überbracht.
Der gefeierte Alte freute sich der herrlichen Festgaben seiner geliebten Gemeinde.
Noch mehr aber freute sich der Freudenthränen weinende Seelenhirt über die ungekünstelte Theilnahme der braven Herzen seiner von ihm treu gehüteten Heerde.
Ein allgemeines Volksvergnügen zu Ehren des seltenen Tages gab dem schönen Feste aufrichtiger Dankbarkeit einen heiteren Abschluß.
2. Ergänzung der Eigenschaftswörter.
109. Judas.
(Im zweiten Falle.)
Judas war schon längst des Geizes verdächtig. Er war nie der Armen eingedenk. Sein Herz zeigte sich alles Mitleids quitt.
Nie war er sich der Liebe seines Herrn bewußt. Wohl aber schien er der Heuchelei fähig zu sein. Diese Eigenschaften machten ihn der Huld seines Herrn unwürdig.
Judas ging seines Heils verlustig. Er machte sich des heillosesten Verrathes schuldig. Und so wurde er einer schweren Sünde theilhaftig.
Er war der Pläne der schändlichen Pharisäer kundig. Einer Belohnung ihrerseits durfte er gewiß sein. So beging er den schändlichen Verrath.
Aber jede böse That ist ihrer Strafe gewiß. Judas wurde sich seines Verbrechens bewußt. Die Reue folgte. Sein Gemüth war alles Haltes ledig. Sein Herz war aller Hoffnung auf Vergebung bar. Er wurde endlich der quälenden Gewissensbisse müde. Sein Ende war Selbstmord. Immerhin aber ist dieser gefallene Jünger des Mitleids bedürftig.
110. Strenge Zucht.
(Dritter Fall.)
Strenge Zucht ist manchem Kinde lästig. Schon ein leiser Tadel ist ihm ärgerlich. Ernste Zurechtweisungen werden ihm widerlich. Am unangenehmsten ist ihm die Ruthe. Diese aber ist manchen Kindern gerade sehr nützlich. Jede Strafe ist überhaupt dem Empfänger heilsam.
Das Kind ist dem Vater lieb. Des Kindes Seelenwohl ist ihm nicht gleichgiltig. Seine Erziehung ist ihm wichtig. Er selbst ist dem Strafen abhold. Das Züchtigen wird ihm schwer. Bleibt aber das Kind dem Guten nicht treu; wird ihm der Gehorsam zu schwer; ist ihm die Wahrheitsliebe nicht eigen; ist ihm der Fleiß zu unbequem; dann straft er. Dadurch soll dem Kinde das Vergehen bewußt werden. Es soll ihm leid sein. Es soll den Untugenden in Zukunft feind bleiben.
111. Die alte Linde.
(Im vierten Fall.)
Hinter meinem Vaterhause stand eine Linde. Sie mochte wohl hundert Jahre alt sein. Sie stand auf einem Hügel. Derselbe war etwa zehn Meter erhaben. Der Stamm der Linde war zwei Meter dick. Sie war im Ganzen etwa fünfzig Meter hoch. Der Umfang ihrer Aeste war dreißig Meter breit.
Später wurde diese Linde gefällt. Ihr Holz war an die dreißig Thaler werth. Der Kessel, in dem sie gestanden hatte, war drei Meter tief. Zudem war das Loch wenigstens fünf Meter breit.
Der Lindenstamm sollte nun zerschnitten werden. Aber die Säge langte nicht zu. Ihr Bügel stand zwanzig Centimeter zu niedrig. Das Sägenblatt war sechzig Centimeter zu kurz. Man mußte deshalb den Stamm wenden.
Es wurde eine andere Linde gepflanzt. Diese war freilich etwa neunundneunzig Jahre jünger.
112. Der Knochen.
(Ergänzung der Eigenschaftswörter durch ein Verhältnißwort.)
Im Hofe, erzählte ein Vater, lag ein fetter Knochen. Links von ihm kauerte eine Katze. Rechts davon saß Ammi. Beide waren auf den Knochen förmlich versessen. Der Magen einer Katze ist überhaupt stets gierig auf Fraß. Ihre Augen sind lüstern nach jedem Stückchen Fleische. Sie ist daher fortwährend zum Naschen bereit.
Nicht weniger war Ammi auf den Knochen erpicht. Auch Hundemagen sind ja auf Fleisch zuweilen sehr begierig.
Lange saßen die beiden Gegner einander gegenüber. Die Katze schien auf einen kühnen Sprung vorbereitet zu sein. Ebenso schien auch Ammi auf einen Gewaltstreich gefaßt. War er doch auch zum Apportiren wohl abgerichtet.
Man mußte auf den Ausgang gespannt sein. Da plötzlich krümmt die Katze den Rücken. Somit sind ihre Füße zum Sprunge eingerichtet. Ihr Auge sprüht förmlich Funken. Sie ist wie von einem bösen Geiste besessen. Ein gewaltiger Satz — und der Knochen ist in ihrer Gewalt. Im Nu sitzt sie damit auf dem Baume. Sie ist stolz auf ihre Beute.
Ammi scheint einen Augenblick vom Schreck ergriffen zu sein. Bald aber kommt er wieder zur Besinnung. Er ist ergrimmt über die Frechheit der Katze. Er ist entrüstet über die eigene Dummheit. Aber Alles zu spät. Ihm bleibt blos das Nachsehen.
113. Der Löwenbändiger.
(Wiederholung der Ergänzungen der Eigenschaftswörter.)
Die Straßenecken sind von neugierigem Publikum umstanden. Ein breiter Anschlagbogen ist mit großer Schrift bedruckt.
Ein Löwenbändiger will heute Abend eine Vorstellung geben. Solchen grassen Schauspielen ist das Volk sehr zugethan. Die Sucht nach Schauerlichem war stets der großen Menge eigen. Freilich ist dieser Zug des Menschen nicht recht würdig.
Die angezeigte Stunde schlug. Das Volk versammelte sich.
Der Löwenkäfig war drei Meter hoch. Zudem war er sechs Meter lang und vier Meter tief. Das Eisengitter schien mehrere Zentner schwer zu sein.
So war der Käfig für einen Löwen sehr bequem. Das majestätische Thier aber schien über die gaffende Menge etwas erregt zu sein. Ihr Tumult war ihm ärgerlich. Er schien des Beschauens förmlich müde zu werden.
Endlich erschien der Löwenbändiger. Er mußte wohl aller Furcht ledig sein. Gewiß war er sich seiner Uebermacht über das Thier bewußt. Er trug ein Lamm unter dem Arme.
Das Publikum war über sein Erscheinen erfreut. Es war ja auf die Vorstellung äußerst gespannt.
Der Löwe wurde ob des Lämmchens etwas unruhig. Seine Augen wurden nach dem Braten lüstern. Aber er blieb des Gehorsams eingedenk. Er war ja auf Selbstbeherrschung abgerichtet. Und er war ihrer auch vollkommen mächtig.
Das Lämmchen wird ob des Unholds keineswegs ängstlich. Es ist an den Anblick gewöhnt. Es scheint sich seiner Unantastbarkeit bewußt zu sein.
Der Löwe gehorcht aufs Wort. Er ist zu allen Sprüngen willig. Er ist zu jeder Unterwürfigkeit bereit. Nicht einer einzigen Widersetzlichkeit macht er sich schuldig. Der Stock würde ihm sonst auch gewiß sein. So ist er schließlich einer Belohnung sicher. Und ein Stück rohes Pferdefleisch ist seinem Magen sehr erwünscht.
Die Vorstellung lief ohne Unfall ab. Der kühne Löwenbändiger schien dem Händeklatschen der erstaunten Menge nicht feind zu sein. Ihr Beifall war ihm angenehm. Dankend trat er ab.
Hauptwiederholung.
114. Der Dieb.
(Erw. Subj. u. Präd. Ergänz. d. Zeit- u. Eigenschaftsw.)
Der älteste Sohn des braven Zutreibers des verschiedenen Schlachtviehes in der belebten Stadt R. war des schlauen Diebstahls einer goldenen Taschenuhr verdächtig.
Deshalb wurde dieser längstbekannte Freund des leichtsinnigen Umhertreibens des freien Verkehrs mit seinen liederlichen Genossen verlustig.
Die düstere Zelle des einsamen Gefängnißthurmes inmitten der alten Stadtmauer schien freilich dem großen Verehrer eines ungebundenen Lebens nicht angenehm zu sein.
Der kluge Vorsitzende des städtischen Gerichts war auf ein freches Ableugnen der gesetzwidrigen That von seiten des durchtriebenen Burschen vorbereitet.
Das gesammte Personal des löblichen Schöppengerichts war indeß von der nichtswürdigen Veruntreuung fremden Eigenthums durch jenen schlauen Jünger der gefährlichen Taschendiebe überzeugt.
Das kecke Ableugnen des schmählichen Vergehens mußte daher dem verstockten Uebertreter des siebenten Gebotes nur nachtheilig sein.
Die gesammte Bewohnerschaft der mittelgroßen Stadt war auf das endliche Strafurtheil der gewissenhaften Richter gespannt.
Die schließliche Bestrafung mit zehn langen Monaten schwerer Arbeit auf dem strengen Zuchthause der nahen Festung N. war für jenes räudige Mitglied der menschlichen Gesellschaft nicht zu hart.
Der Umstand des Ortes.
115. Eine Stätte der Armuth.
(Wo? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Das enge Stübchen der alten Mutter Beate bot ein trauriges Bild. In einem düsteren Winkel erblickte man ein Häufchen halbvermodertes Stroh. Auf demselben lagen einige zerlumpte Kleidungsstücke. Hier schlief die arme Alte. Oberhalb ihres Kopfes hatte ihre Katze ihr Nachtlager aufgeschlagen.
Neben dieser elenden Ruhestatt der bejahrten Beate stand ein morsches Tischchen. An diesem saß sie gewöhnlich. Dabei huschelte die Katze hinter ihrem Rücken. Der Tisch war zugleich der Aufbewahrungsort für die ärmlichen Nahrungsmittel. Hier lag ein Laib Brod. Vorn war derselbe mit Schimmel bedeckt, hinten hatten ihn die Mäuse benagt. Dort stand ein Rest gekochter Kartoffeln. Mitten auf dem Tische erblickte man eine thönerne Kaffeekanne. Vor ihr stand eine halbzerbrochene Tasse. Zwischen beiden sah man ein Häuflein grobes Salz.
Dicht bei der Thür knisterte ein kleiner Blechofen. Eine Hand voll dürrer Aeste lag zu seinen Füßen. An der einen Wand hing ein verblichenes Christusbild. Unter ihm war ein handgroßer Spiegel befestigt. Rechts davon erblickte man das Bildniß des Landesvaters. Links davon sah man ein aus einem Kalender geschnittenes Schlachtenbild. Die Wände selbst befanden sich in einem sehr kläglichen Zustande. Oben drang das Regenwetter herein. Unten war das Gebälk vom Moder zerfressen. Ueber dem einzigen Fensterchen zeigte sich sogar ein fast einen Centimeter breiter Riß.
So fand das Auge nirgends eine kleine Befriedigung. Ueberall trat ihm das Bild der Armuth entgegen.
116. Sturax.
(Wohin? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Der alte Schäfer Thomas hatte einen vortrefflichen Jagdhund. Er hieß Sturax. Sturax war ein überaus kluges Thier. Er kannte die besten Weideplätze ganz genau. Bald trieb er deshalb die Schafe links dahin. Bald führte er sie rechts. Jetzt mußten sie vorwärts gehen. Nach einer Weile drängte er sie seitswärts. Er selbst rannte dabei stets hin und her. In diesem Augenblicke eilte er dorthin, im nächsten jagte er wieder hierhin.
Im späteren Herbste durfte sich die Heerde überallhin zerstreuen. Einige Schafe begaben sich dann nach dem nahen Waldrande. Andere grasten an einem Bache fort. Eine Anzahl kletterte auf die Hügel. Einzelne zogen sich unter Gebüsch zurück.
An solchen Tagen legte sich Sturax meist zu den Füßen des alten Thomas. Ohne Auftrag lief er dann nirgends hin. Seine Augen aber flogen dabei hinüber und herüber. Sie verfolgten die einzelnen Schafe bergauf und thalab.
Endlich sank dann die Sonne hinter die fernen Gebirgshäupter. Dämmerung lagerte sich über die Flur. Da gab Thomas das Zeichen zur Heimkehr. Sogleich trieb Sturax die zerstreute Heerde zu dem Hirten zurück. Langsam schritt dieser nun voraus. Geduldig folgte die Heerde durch Dick und Dünn. Hierbei übte Sturax wieder das Wächteramt nach allen Seiten hin.
So gelangte die Schaar endlich vor den Schafstall. Aber auch hier trat der treue Hund noch nicht ab. Er begleitete sein Volk noch in den Stall hinein.
117. Treibjagd.
(Woher? Umstandswörter und Verhältnißwörter.)
Die Jäger standen in einem weiten Kreise postirt. Der Schnee fiel in dichten Massen hernieder. Das störte sie nicht.
Bald erscholl das Lärmen der Treiber daher. Einige kamen von den Anhöhen herab. Andere kletterten von den nahen Felsen herunter. Von links schrillten Pfeifen. Von rechts nahten die Fuchsklappern. Wieder wo andersher ertönte Peitschengeknall.
Das gescheuchte Wild stürzte von allen Seiten herbei. Aus dem Walde kamen eine Menge Hasen. Rehe fegten über die kahlen Stoppelfelder daher. Ein feister Hirsch jagte von seitwärts auf die Jäger zu.
Mochten aber die armen Thiere von daher oder dorther kommen, das Blei aus dem Rohre der Jäger brachte ihnen den Tod.
Wiederholung der Ortsbestimmung.
118. Die Elbe.
(Wo? Wohin? Woher?)
Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge. Sie fließt zunächst durch den östlichen Theil Böhmens. Bei dem Städtchen Melnik wird sie schiffbar. Auf ihrem Rücken schaukeln hier schon bedeutende Kähne. Unweit Schandau tritt sie nach Sachsen ein. Sachsen empfängt also den herrlichen Strom aus Böhmen.
In der Nähe des Städtchens Strehla verläßt er den sächsischen Staat wieder. Von hier an lenkt er seinen Lauf westlich. Sein Sinn steht nach Magdeburg. Dort bildet die Elbe eine sehr belebte Handelsstraße. Von Magdeburg weg steuert sie weiter nach Norden. Endlich windet sie sich aus der nördlichen Ebene heraus. Dicht bei Hamburg nimmt sie noch eine bedeutende Breite an. Mehrere Meilen von dieser Stadt ergießt sie sich dann in die Nordsee.
Die Elbe nimmt auf ihrem langen Laufe viel Nebenflüsse auf. Eine große Zahl kommt von Westen daher. Andere strömen ihr von Osten her zu. Ihre Ufer sind fast überall sehr fruchtbar. Die reizendsten derselben liegen zwischen Bodenbach und Schandau. Die Elbwellen tragen eine Menge Kaufmannsgüter nach Süden. Aus der Tiefe dieses Flusses holt der Fischer manche Delicatesse für unsern Tisch. An seinem Gestade liegt manche schöne Stadt. Ueber seinen Spiegel führt manche schöne Brücke. In seine Fluten taucht zur Sommerzeit manch liebes Menschenkind.
119. Die Luft.
(Fortsetzung.)
Luft gibt es überall. Sie befindet sich sogar im Wasser. Sie dringt in den kleinsten Raum. Sie kommt aus dem winzigsten Pflanzenzellchen.
Die Luft lenkt ihre Strömungen nach allen Himmelsgegenden. Sie bläst aus allen Winkeln der Windrose. Luft ist selbst noch im sogenannten luftleeren Raume enthalten.
Sie erhält allenthalben das Leben. Selbst in das todte Steinreich trägt sie Schöpfungskraft. Sie fächelt säuselnd durch die Haine. Sie rauscht als Wind durch die Gipfel. Sie wüthet als Sturm in den Wäldern. Sie braust als Orkan vom Meere herüber.
Des Windes Sausen hörest Du. Du weißt indeß nicht, von wannen er kommt und wohin er fährt.
Hauptwiederholung.
120. Die neue Gutsherrschaft.
(Subject, Prädicat, Ergänzungen. Ortsbestimmungen.)
Eine mit zwei muthigen Apfelschimmeln bespannte Karosse aus der berühmten Wagenbaufabrik der königlichen Residenz brachte dem dichtbevölkerten Dorfe W. bei der fabrikreichen Stadt Ch. die neue Gutsherrschaft den mit Ehrenpforten geschmückten Dorfweg daher.
Die zahlreiche Jugend des großen Schulbezirks widmete dem jungen Paare aus einem altadligen Geschlechte am fahnengeschmückten Eingange des frohbewegten Ortes einen mehrstimmigen Gesang nach einer reizenden Composition des alten Cantors.
Der ehrwürdige Pfarrer des wohlhabenden Kirchspiels sprach unter einer riesigen Linde inmitten des weitgedehnten Dorfes der mit Jubel begrüßten Gutsherrschaft die herzlichsten Glückwünsche der gesammten Gemeinde aus.
Der beliebte Seelsorger nannte von seinem altarähnlichen Tritte herab den jungen Herrn einen bekannten Freund christlicher Sitte.
An dem dichtbekränzten Thore des umfangreichen Rittergutes überreichte der bejahrte Schulze des betreffenden Ortes dem nunmehrigen Schutzherrn der zahlreichen Bewohnerschaft ein kostbares Jagdgewehr neuester Einrichtung.
Der liebenswürdigen Gemahlin des jungen Herrn dagegen schenkte die schmucke Tochter des reichsten Bauers des festgestimmten Ortes auf dem weiten Hofe des alterthümlichen Rittersitzes ein mächtiges Butterfaß mit silbernen Reifen.
An der beflaggten Thür des sogenannten Herrenhauses übergab wiederum die männliche Dienerschaft des gnädigen Herrn dem neuvermählten Paare einen geschnitzten Holzteller mit einem hausbackenen Brode.
Der männlichschöne Graf freute sich im tiefsten Grunde seines gefühlvollen Herzens der vielen Beweise vertrauensvoller Gesinnung von seiten der biederen Ortsbewohner.
Diese sinnige Feier ihres heutigen Einzugs in ihren neuen Wohnsitz blieb dem ehrenwerthen Paare eine freundliche Erinnerung auf den bunten Blättern ihrer beiderseitigen Lebensgeschichte.
Der Umstand der Zeit.
121. Ein Brief.
(Wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Lieber Theodor!
Vorgestern ist unsere Reise nach Amerika zur Gewißheit geworden. Ueber ein Kleines wirst Du mich also nicht mehr sehen. Mein Vater verkauft bereits unsere Möbeln. Unser Haus ist unlängst in die Hände meines Onkels übergegangen. Derselbe wird nächstens auch meines Vaters Geschäft übernehmen. Sie sind heute um den Kaufpreis einig geworden.
Auch ich habe soeben ein Verkaufsgeschäft abgeschlossen. Nachbars Otto erhält nämlich heute noch meine Kaninchen. In einer Stunde werden sie abgeholt. Für mein Eichhörnchen wird sich hoffentlich auch bald ein Liebhaber finden. Ich habe schon mein Absehen auf Jemand gerichtet. Es muß indeß nicht Alles sogleich verkauft sein. Es hat noch bis zum ersten Juni Zeit damit.
Während der letzten Tage ist eine merkwürdige Veränderung mit mir vorgegangen. Ich hatte sonst diese Thiere unendlich lieb. Jetzt kann ich sie gleichgiltig hingeben. Vor vier Wochen bot mir ein Engländer zwei Thaler für das Eichhörnchen. Neulich wollte er sogar drei Thaler dafür geben. Ich hätte es ihm damals um keinen Preis abgelassen. Und nun habe ich zehn Groschen dafür erhalten.
So herrscht gegenwärtig in meinem Hause ein eigenthümliches Leben. Vor acht Tagen noch befand sich Alles darin in schönster Ordnung. Jetzt geht es bunt durcheinander. Hoffentlich wird nach kurzer Zeit alles Entbehrliche verkauft sein. In den letzten Tagen unseres Hierseins werden wir freilich ein ziemlich ungemüthliches Leben führen müssen. Ich tröste mich indeß während dieser Zeit mit den Worten meines Vaters. Er sagte kürzlich: Einst wird’s besser!
Zu nächstem Sonntage werde ich Dich noch einmal besuchen. Später würde mir ein Besuch nicht gut mehr möglich sein. Ich werde jedenfalls vormittags gegen neun Uhr bei Dir eintreffen. Vielleicht brauche ich erst abends heimzukehren.
Sitzen wir dann zusammen in der Laube, wird Dir noch Mancherlei von seiner bevorstehenden Reise erzählen
Dein Bruno.
122. Der Gemsjäger.
(Wie lange? Seit wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Ein Gebirgsreisender begleitete einen alten Gemsjäger bei drei Stunden. Dabei erzählte der Alte fortwährend von seinem Jagdleben.
„Ich bin“, sagte er unter Anderem, „seit acht Tagen von heim fort. Von früh bis abends durchstöbere ich das Gebirge. Dabei gibt es natürlich unaufhörlich zu steigen. Ueberdies ist man jederzeit jeder Witterung ausgesetzt. Auch hat man fast immer mit Gefahren zu kämpfen. Namentlich muß man auf den hohen Felsenpfaden stets auf der Hut sein. Ich habe einmal über zwei Stunden über einem Abgrunde gehangen. Ein andermal bin ich beinahe drei Tage ohne einen Trunk Wasser gewesen.
Die Gemsjagd ist überhaupt nicht Jedermanns Ding. Der Gemsjäger muß oft tagelang hinter einem Verstecke aushalten. Er muß stundenlang regungslos liegen können. Dabei muß natürlich ununterbrochen ausgeschaut werden. Er muß ja jederzeit einer Gemse gewärtig sein. Und das gibt unausgesetzt Aufregung.
Trotz alledem aber wird die Gemsjagd ewig ihre Reize behalten. Ich selbst bin schon gegen vierzig Jahre Gemsjäger. Und ich werde es bleiben bis an mein Ende.“
123. Ein alter Krieger.
(Wie oft? Umstands- und Verhältnißwörter.)
Der alte Nachtwächter Schmiedel war ein vielerfahrener Mann. Er war dreimal mit ins Feld gezogen. Er hatte gegen zehnmal im Feuer gestanden. Jederzeit mußte er zu den Tapfersten gezählt werden. Merkwürdigerweise war er jedesmal ohne Verwundung davongekommen.
Er erzählte übrigens selten von seinen Heldenthaten. Nur dann und wann vermochte ihn ein guter Freund zur Mittheilung seiner Erlebnisse zu bewegen. Zuweilen gedachte er dabei mit Seufzen der blutigen Jahre. Manchmal pries er wieder jene große Zeit.
Schmiedel hatte also dem Vaterlande oft große Dienste geleistet. Er hatte demselben mitunter große Opfer gebracht. Und jetzt? Jetzt mußte er täglich in nächtlicher Stille das Dorf bewachen. Jetzt mußte er Nacht für Nacht die einsame Runde machen. Nicht über zwölfmal das ganze Jahr hindurch hatte er eine Nacht frei. Und welches war sein Gehalt? Er erhielt allmonatlich vier Thaler. Das macht jährlich achtundvierzig Thaler.
So ist gewöhnlich Undank der Welt Lohn. Die einstigen Thaten der heldenmüthigen Krieger werden nicht selten später vergessen.
124. Moses.
(Wiederholung aller Zeitbestimmungen.)
Der kleine Moses war lange das Angstkind seiner Eltern. Seine Mutter hielt ihn geraume Zeit versteckt. Sein kindliches Weinen erfüllte sie gewiß sehr oft mit Zittern. Es konnte ja jeden Augenblick von den ägyptischen Kindesmördern gehört werden. Um sein Leben wäre es dann geschehen gewesen.
Seit Wochen schon mochte die geängstigte Mutter über einen Rettungsplan nachdenken. Nächtelang mochte sie darüber sinnen. Täglich mochte sie den lieben Gott um einen glücklichen Gedanken bitten.
Der Knabe entwickelte sich bereits merklich. Seine Stimme wurde von Tag zu Tag heller. Noch immer aber fand die arme Mutter keinen Rettungsweg. Und so steigerte sich fast stündlich ihre Sorge um sein Leben. Durchstreiften doch Pharao’s Knechte wiederholt die israelitischen Hütten.
Da endlich kam der Geängsteten ein glücklicher Gedanke. Er sollte auch sogleich ausgeführt werden. Sie holte alsbald Weidenruthen herbei. Schon nach wenig Stunden war ein Körbchen geflochten. Darauf klebte sie es mit Pech aus. Jetzt füllte sie es zur Hälfte mit Stroh. Und so stand die seltsame Wiege bald fix und fertig da.
In dieses Körbchen legte nun die Mutter ihren Liebling. In aller Frühe des nächsten Tages erblickte man es zwischen dem hohen Grase des Nils. Gerade an dieser Stelle kam ja selten ein Aegypter vorbei. Nur die menschenfreundliche Königstochter nahm gewöhnlich ihren Spaziergang in diese Gegend. Ueberdies mußte auch die Schwester des Knaben unausgesetzt Wache halten. Sie mußte fortwährend nach dem Kleinen sehen. Auch sollte sie zuweilen der Mutter über sein Befinden berichten. Ueberdies sah die Mutter gewiß selbst manchmal nach ihm.
Hier nun wurde das Kind wenige Stunden darauf von der Königstochter entdeckt. Diese besann sich ob ihres Thuns keinen Augenblick. Das Kind wurde sofort einer Amme zur Erziehung übergeben. Die Amme war bekanntlich des Kindes eigene Mutter.
Zehnmal hätte diese der edlen Prinzessin vor Freuden die Hand küssen mögen. Unzählige Male mag die glückliche Mutter dem lieben Gott für die Rettung ihres Kindes gedankt haben.
Nach einer Reihe von Jahren nahm die Prinzessin den nun zum Jünglinge erwachsenen Findling als ihren Sohn an. Von jetzt an führte er den Namen Moses.
Moses bewahrte seinem Volke stets ein theilnehmendes Herz. Er besuchte es fast täglich bei seiner Sklavenarbeit. Leider wurde er eines Tages aus Liebe zu seinen Brüdern zum Todtschläger. Er hätte sein Gewissen vor der That fragen sollen. Es räth jederzeit das Rechte.
Moses mochte wol von Jugend an etwas jähzornig sein. In der Wüste dachte er später gewiß zuweilen an seine That zurück. Sicher hat er sie hundertmal bereut.
Hauptwiederholung.
125. Jäger und Müller.
(Subject, Prädicat, Ortsbestimmung. Ergänzungen.)
Der braune Hund des herrschaftlichen Jägers hatte den ersten Dienstag nach dem heiligen Osterfeste auf dem grünen Gemeindeanger des kleinen Dorfes K. dem reichen Müller der neugebauten Mühle eine fette Henne aus dem theuern Geschlechte der Perserhühner erbissen.
Die nächste Mittwoch darauf erschlug der rachsüchtige Müller dem unschuldigen Jäger unweit des alten Gottesackers hinter dem niedrigen Kirchlein eine junge Gans mit schwarzen Flügeln.
Zudem nannte der jähzornige Mühlenbesitzer den braven Herrn jenes Hundes denselben Tag noch in dem vielbesuchten Gasthause zum braunen Stier einen elenden Pfuscher des edlen Waidwerkes.
Wenige Tage darauf überreichte ein uniformirter Diener des nächsten Gerichtsamtes dem schnöden Beschimpfer eines achtbaren Mannes vor dem eisernen Thore seines geräumigen Gehöftes eine versiegelte Vorladung zum baldigen Erscheinen vor Gericht.
Der beleidigte Forstmann hatte nämlich drei Tage nach jener Verunglimpfung geeigneten Ortes den ernannten Wächtern des schützenden Gesetzes die entehrende Auslassung des hitzköpfigen Müllers angezeigt.
Drei ehrsame Gäste jenes bekannten Gasthauses versicherten zur betreffenden Stunde im öffentlichen Gerichtslokale die anwesenden Richter der reinen Wahrheit der schriftlichen Aussage des beleidigten Jägers.
Eine Stunde später verkündete der beleibte Vorsitzende des Gerichts dem ergrimmten Angeklagten in einem besonderen Zimmer des kolossalen Gerichtshauses die gesetzliche Verurtheilung zur mündlichen Abbitte der ausgesprochenen Beleidigung.
Von dieser Zeit an erklärte sich der bestrafte Müller allerorts als einen unversöhnlichen Feind des Jägers.
Dieser indeß ließ jenem niemals irgendwo etwas von Erbitterung merken.
Der Umstand der Weise.
126. Mißgeschick.
(Umstandswörter, Hauptwörter mit und ohne Verhältnißwörter.)
Konrad war unter vielen Entbehrungen herangewachsen. Er hatte sein Brod mit Thränen essen müssen. Trotzdem sah man ihn immer zufriedenen Sinnes.
Seine Eltern waren höchst brave Leute. Im Schweiße ihres Angesichts aßen sie ihr Brod. Sie arbeiteten fleißig. Sie sparten auch nach Kräften. Vergeblich doch strebten sie nach Verbesserung ihrer bedrängten Lage. Sie vermochten bei allem Entsagen keinen Vorsprung zu gewinnen. Und warum das? Weil die Lebensmittel unerhört im Preise stiegen. Ebenso gingen die Preise aller anderen Lebensbedürfnisse in die Höhe. Fast kein Quartal ging ohne Steigerung des Miethzinses vorüber.
Konrad stand seinem Vater in der Arbeit treulich zur Seite. Er wollte sein täglich Brod nicht umsonst essen. Und so war es auch recht. Gerade so sollten alle ärmeren Kinder thun.
Konrad’s Vater war ein außerordentlich kräftiger Mann. Noch nie hatte er sich krank gefühlt. Er lebte deshalb in Hoffnung auf ein hohes Alter. Der liebe Gott indeß wollte es anders.
Mit neugestärkten Kräften ging der rüstige Mann eines Morgens in den Wald. Wie ein Riese schritt er unter den Tannen dahin. Frohen Muthes setzte er bald darauf einem mächtigen Baume die Axt an die Wurzel. Lustig hallten die kräftigen Axtschläge den Wald entlang.
Mehrere Stunden mochte der Brave bereits angestrengt gearbeitet haben. Da überkam ihn urplötzlich ein eigenthümlicher Schwindel. Er legte schleunigst die Axt aus der Hand. Einige Minuten suchte er sich nach Kräften noch zu halten. Darauf aber schwand ihm allmälig die Besinnung. Er stürzte unter einem tiefen Seufzer zu Boden. Nach einer Viertelstunde lag er als Leiche da.
Aufs tiefste erschüttert trugen ihn die andern Waldarbeiter heim. Konrad vermochte das Unglück augenblicklich kaum zu fassen. Stieren Blickes blieb er eine geraume Zeit vor der Leiche stehen. Dann aber warf er sich mit einem Aufschrei der Verzweiflung über sie hin. Unter heißen Thränen küßte er die kalten Lippen. Nur mit Mühe vermochte man ihn von dem geliebten Todten zu entfernen.
Verhältnißmäßig gefaßter zeigte sich Konrad am Begräbnißtage. Ohne lautes Wehklagen folgte er dem Sarge. In stiller Ergebung blickte er in das offene Grab hinab. Festen Glaubens schaute er dann zum Himmel empor. Nach frommer Weise betete er schließlich für den Geschiedenen ein stilles Vaterunser.
So war jetzt Konrad unerwartet vaterlos geworden. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hatte ihn das Geschick ereilt. Aber er verlor nicht kleinmüthig die Hoffnung. Mit Gott auf eigenen Füßen! Also lautete von jetzt an sein Wahlspruch. Und Gott der Herr führte ihn wohl.
127. Ein Stier.
(Desgleichen.)
Ein unlängst gefangener Stier tobte gewaltig innerhalb seiner vier Pfähle. Funkelnden Auges maß er den engen Raum seines Gefängnisses. Unter wildem Grunzen rannte er darin umher. Plötzlich stand er einige Minuten still. Gleich darauf stürzte er mit wüthendem Gebrüll über seinen Freßtrog her. Derselbe wurde ohne Gnade zertrümmert. Jetzt wühlte das Unthier mit seinen Hörnern wie verzweifelt den Boden auf. Dabei warf es die Erde hoch empor. Sogar Steine flogen sausend durch die Luft. Noch aber war damit seine Wuth nicht im mindesten gekühlt. Gesenkten Kopfes rannte es hierauf wieder gegen die eiserne Umzäunung. Unter Gekrach prallte die dicke Stirn an die festen Stäbe. Die Bestie schien allen Ernstes die Gitter durchbrechen zu wollen. Die Versuche liefen allerdings nicht ohne einige Verwundungen für dasselbe ab.
Auf das furchtbare Gebrüll hin eilten die Wärter des Thiergartens schleunigst herbei. Sie wollten anfänglich den Unhold in Güte besänftigen. Aber sie bemühten sich umsonst. So leichten Spieles sollten sie nicht zum Ziele gelangen.
Endlich schritten die kräftigen Männer mit Knütteln ein. Ohne Schonung schlugen sie auf das Thier los. Wie Hagelwetter fielen die Hiebe auf dasselbe nieder.
Nur auf diese Weise brachte man den Rasenden zur Besinnung. Dumpf grollend zog er sich schließlich in seinen Stall zurück.
Hauptwiederholung.
128. Schulprüfung.
(Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Art und Weise, Ergänzungen.)
Morgens acht Uhr widmete der hochbejahrte Director des städtischen Waisenhauses von seinem schwarzen Pulte aus mit aller Innigkeit seines weichen Herzens den anwesenden Geistlichen der protestantischen Kirche eine ehrfurchtsvolle Begrüßung.
Der älteste unter den anwesenden Seelsorgern erwiderte gleich darauf von seinem Platze aus in schlichter Rede dem braven Oberhaupte dieser bewährten Wohlthätigkeitsanstalt einen herzlichen Gegengruß.
Nach der erbaulichen Religionsstunde rechnete der dreizehnjährige Oberste der munteren Knabenschaar an der großen Wandtafel seinen aufmerksamen Mitschülern nach den einfachsten Regeln der Rechnenkunst ein schwieriges Exempel aus der zusammengesetzten Zinsrechnung vor.
Hierauf trug der jüngste Schüler der obersten Klasse den fremden Anwesenden vom niederen Trittbrete des schmalen Katheders herab in gelungenster Weise das lange Gedicht vom braven Manne vor.
Während dieses ganz vorzüglichen Vortrags warf der später eingetretene Bürgermeister der betreffenden Stadt von seinem entfernten Sitze aus dem wohlgeübten Declamator mit sichtlicher Freude wohlwollende Beifallsblicke zu.
Später entwickelten mehrere Knaben der ersten Abtheilung unter der geschickten Leitung eines gewandten Lehrers an der prachtvoll colorirten Wandkarte des neuen deutschen Reiches der strengen Prüfungscommission ihre bedeutenden Kenntnisse in der vaterländischen Geographie.
Gegen zehn Uhr zeigte ein dritter Lehrer des wohlgeleiteten Waisenhauses in einer kleinen Nebenstube unter einigen erläuternden Bemerkungen den erwachsenen Zeugen der öffentlichen Prüfung die von den verschiedenen Zöglingen der Anstalt gefertigten Papparbeiten.
Indessen folgten sämmtliche Zöglinge geräuschlos ihrem geschickten Turnlehrer als militärisch geordnete Reihen auf den geräumigen Turnplatz hinter dem wohlgepflegten Blumengarten des verdienstvollen Directors.
Hier zeigte binnen einer Stunde ein jeder den zahlreichen Zuschauern nach Kräften seine besondere Geschicklichkeit in der nützlichen Kunst des Turnens.
Schließlich machte der helle Klang der lieben Mittagsglocke vom nahen Thurme herab der munteren Arbeit plötzlich ein Ende.
Mit Schluß der gegenwärtigen Turnprüfung sprach der würdige Oberpfarrer der schöngelegenen Stadt gleich auf dem freien Platze neben den verschiedenen Turngeräthen ohne allen Rückhalt den fleißigen Schülern der wackeren Anstalt seine volle Zufriedenheit mit ihren heutigen Leistungen aus.
Der Umstand des Grundes.
129. Unverstand.
(Ursache oder Sachgrund. Durch Verhältnißwörter.)
Auf dem Tische stand eine brennende Petroleumlampe. Das Oel darin war durch die Flamme warm geworden. Der Cylinder glühte vor Hitze. Da kam von ungefähr der zehnjährige Karl an den Tisch. Aus purem Unverstande blies er in die Flamme hinein. Durch den Luftdruck aber schlug dieselbe in den Ballon. Vermöge der plötzlichen Glut zersprang dieser.
Karl prallte vor Schreck zurück. Infolge des Knalles sprang sein Vater herbei. Glücklicherweise löschte er das Feuer sogleich durch Ueberschütten mit Asche.
Der unvorsichtige Knabe hätte von Rechtswegen tüchtige Strafe verdient. Auf sein inständiges Bitten aber erließ sie ihm der Vater. Wegen des gehabten Schreckens wurde Karl indeß noch denselben Tag ernstlich krank.
130. Lohn der Wißbegier.
(Beweggrund.)
Der junge Bauer Ehrenreich kaufte sich aus Wißbegierde ein Buch nach dem andern. Um der Bereicherung seiner Kenntnisse willen las er oft bis in die Nacht hinein. Wegen eines neuen Werkes konnte er bei dem schlechtesten Wetter den Weg in die ferne Stadt unternehmen. Seines Lerndranges halber legte er sich auch naturhistorische Sammlungen an. Später unternahm er sogar seiner Ausbildung halber größere Reisen.
Um seiner Kenntnisse willen ehrte man ihn daher auch in seinem Dorfe allgemein. Man zog aus Achtung die Mütze vor ihm ab. Seiner reichen Erfahrungen wegen betraute man ihn später mit verschiedenen Aemtern. Seines klaren Urtheils halber wählte man ihn endlich sogar zum Schulzen des Ortes. Kraft ihrer inneren Ueberzeugung hielten die Ortsbewohner ihn allein für geeignet dazu.
Und Ehrenreich füllte um der Wohlfahrt seines Vaterdorfes willen seine Stellung würdig aus. Nie handelte er aus Eigennutz. Nie stiftete er Gutes blos der Ehre halber.
131. Der tolle Hund.
(Erkenntnißgrund.)
Ein Jäger sah einen Hund am Raine kauern. In dem Gebaren des Thieres lag etwas Verdächtiges. Dem Aussehen nach mußte er krank sein.
Der Jäger trat ihm näher. An dem geifernden Maule des Thieres erkannte er jetzt dessen Tollwuth. Besonders deutlich sprach diese schreckliche Krankheit aus den triefenden Augen. Der Gleichgiltigkeit des Thieres wegen schloß der Jäger allerdings auf sein baldiges Ende. Aus seinem jämmerlichen Winseln ließ sich die Größe seiner Schmerzen ermessen. An seinen kläglichen Blicken hätte man fast das Verlangen nach Erlösung erkennen mögen.
Zufolge dieser Erscheinung hielt der Jäger das Thier für nicht mehr gefährlich. Einige Sekunden darauf machte er durch eine Kugel den Leiden desselben ein Ende. Den jetzt sichtbar werdenden Zähnen nach mußte das Thier noch jung sein. Laut der Inschrift des Halsbandes gehörte es dem Arzte des nächsten Dorfes.
132. Jahrmarktsgeschenke.
(Zweck und Stoff.)
Eine Mutter brachte für ihre Kinder allerhand Geschenke vom Jahrmarkte mit. Paul bekam eine Windmühle zum Spielen. Ewald erhielt ein Kästchen für seine Schiefer. Leopold schenkte die Mutter ein Sprungseil zum Turnen. Elise übergab sie ein Körbchen zu ihren Stickereien.
Mit dem Ankaufe dieser Geschenke hatte die Mutter für die armen Blinden ein gutes Werk gethan. Alle diese Sächelchen nämlich waren im Blindeninstitute gefertigt.
Die Windmühle war aus Pappe zusammengeleimt. Das Kästchen hatte einer jener blinden Knaben aus Draht geflochten. Das Sprungseil war aus Hanf geflochten. Das Körbchen mußte aus Lindenholz geschnitzt sein.
Die vier Geschwister dankten der guten Mutter aufs herzlichste für die hübschen Sächelchen.
133. Heuchler.
(Wiederholung. Ursache. Beweggrund. Erkenntnißgrund. Zweck. Stoff.)
Heuchler erkennt man an ihren Mienen. Sie spielen die Frommen aus schlauem Eigennutze. Sie leben blos für den Schein. Durch dieses Wesen aber verlieren sie alle Achtung. Man flieht sie um ihrer Falschheit willen.
Ein Heuchler ist ja nur aus Lug zusammengesetzt. All sein Handeln ist auf Täuschung berechnet. Er lebt für trügliches Blendwerk.
134. Der Wagehals.
(Desgleichen.)
Richard ging zu seinem Vergnügen an einem mit Eis bedeckten Teiche hin. Der geringen Kälte halber war das Eis noch nicht stark. Richard vermochte sich vor dem Verlangen nach einem Wagestückchen nicht zu halten. Aus reinem Uebermuthe betrat er die schwache Eisdecke. Infolge der Last des Knaben brach leider diese sofort zusammen.
Auf das Geschrei des Verunglückten eilte ein fremder Mann herbei. Seiner Kleidung nach schien er ein Fleischer zu sein. Er hatte aus den verzweifelten Tönen sogleich die lebensgefährliche Lage des Knaben erkannt. Und er schreckte nicht aus Furcht vor dem Rettungswerke zurück.
Aus Mitleid mit dem Armen springt er ohne Zögern in den Teich. Schon in der nächsten Minute ist Richard durch den edlen Muth des Fremden gerettet. Vor Schreck ist der Knabe leichenblaß geworden. Seine Glieder zittern vor Frost. Dieses bedenklichen Zustandes wegen führt ihn sein Retter schleunigst nach Hause.
Die Mutter erkennt an den triefenden Kleidern des Knaben sofort den traurigen Vorfall. Sie läßt aus Vorsicht den Arzt rufen. Dieser aber schließt aus dem Pulsschlage des Kindes auf keine bedenklichen Folgen. Nach seinem Urtheile ist das Bette die beste Medicin für den noch Zitternden. Es soll vor allen Dingen zu dessen Erwärmung dienen.
Richard’s Vater wollte den fremden Mann für seine edle That belohnen. Dieser aber wünschte um seines Liebesdienstes willen durchaus nicht belohnt zu sein. Aus reiner Uneigennützigkeit nannte er nicht einmal seinen Namen. Sein ganzes Wesen bestand aus echtem Christensinn.
Hauptwiederholung.
135. Ein Bombardement.
[Subject. Prädicat. Zeit. Ort. Weise. Grund (Zweck). Ergänzungen.]
Der tapfere Commandant von zwölf gezogenen Batterien sendete auf erhaltenen Befehl des berühmten Feldmarschalls M. bereits seit vierundzwanzig langen Stunden ohne die geringste Unterbrechung von einer bewaldeten Anhöhe aus der starkbefestigten Stadt R. seine wohlgezielten Vollgeschosse.
Ebenso lange überschüttete die hartbedrängte Besatzung der belagerten Feste zum Schutze des gefährdeten Bollwerks mit seltenem Muthe von ihren wohlgeschützten Wällen herab die eisernen Linien des überlegenen Feindes mit verheerenden Sprengkugeln.
Viele der in Todesgefahr schwebenden Einwohner entflohen aus Furcht vor einem blutigen Sturme ängstlich klopfenden Herzens durch einen verdeckten Gang der hinteren Stadtmauer der weiten Stätte furchtbaren Grauens.
Die beherzteren Charaktere dagegen boten zur Unterstützung ihrer kämpfenden Brüder selbst während der heftigsten Kanonade in den am meisten bedrohten Stadttheilen mit wahrer Todesverachtung allen Gefahren männlichen Trutz.
Mit aller Inbrunst ihrer zitternden Herzen flehte in einer unterirdischen Kapelle des bereits stark beschädigten Domes eine große Anzahl frommer Frauen der inneren Stadt wiederholt den allmächtigen Herrn des Himmels um seinen gnädigen Beistand zur endlichen Zurückwerfung des mächtigen Feindes.
Einige Hundert der wackeren Vertheidiger der geängstigten Stadt waren bereits bis gegen Mittag auf den äußersten Forts für die Rettung der Stadt in treuer Erfüllung ihrer heiligen Soldatenpflicht den feindlichen Kugeln zum Opfer gefallen.
Inmitten der schreckenreichen Nacht entzündeten im innern Theile der Stadt zum Entsetzen der armen Einwohner die sprühenden Brandgeschosse des ungestümen Belagerungsheeres unbarmherzig den ziemlich erschöpften Gegnern eins der stärksten Pulvermagazine.
Die furchtbare Explosion richtete infolge des ungeheuren Luftdrucks in der kurzen Zeit von wenig Minuten an jener Stelle unter entsetzlichem Gekrache den vielen Umwohnenden sehr bedeutenden Schaden an.
Zur Beendung des mörderischen Kampfes befahl der feindliche General den nächsten Morgen gegen fünf Uhr von seinem hochgelegenen Beobachtungspunkte aus mittelst weithin schallender Trompetensignale seinen wohlgeübten Fußtruppen zu stürmen.
Schon nach einer Viertelstunde verzweifelter Gegenwehr ließ der bejahrte Festungscommandant tieferschütterten Herzens von dem hohen Thurme des alten Rathhauses herab dem Feinde zum Zeichen der Ergebung die weiße Fahne entgegenwehen.
136. Zu Weihnachten.
[Desgleichen. — Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Weise, Grund (Zweck), Ergänzung, Stoff.]
Die wohlerzogenen Kinder eines reichen Kaufmanns der großen Residenz schenkten einander zur gegenseitigen Ueberraschung auf wahrhaft herzliche Weise zum jedesmaligen heiligen Weihnachtsabende im Angesicht des festlich geschmückten Christbaums allerhand selbstgefertigte Sächelchen aus verschiedenen Stoffen.
Wieder einmal stieg die heilige Weihnachtszeit im feierlichen Gewande aus Myriaden Diamanten zur allgemeinen Freude der christlichen Kinderwelt vom Himmel hernieder.
Auch dieses Jahr wollten jene freundlichen Kinder aus aufrichtiger Liebe zu einander in ihrem trauten Kreise in aller Stille jener löblichen Gewohnheit ihr altes Recht werden lassen.
Die zehnjährige Gertrud stickte während der letzten acht Tage vor dem Feste in der nahen Behausung ihrer getreuen Schulfreundin ihrem munteren Bruder Günther für seine beliebten Ferienausflüge eine kleine Reisetasche aus bunter Wolle zum Umhängen.
Der lebhafte Günther dagegen schnitzte dieser seiner Schwester zur Aufbewahrung ihrer niedlichen Schmucksächelchen in seinen Freistunden in der engen Familienwohnung des alten Markthelfers seines Vaters mit außerordentlicher Sorgfalt ein länglich viereckiges Kästchen aus bräunlichem Buchenholze.
Die ältere Schwester Martha häkelte nach dem jedesmaligen Abendbrode in des guten Papas geräumiger Schreibstube unter dem halblauten Gesange sinniger Lieder dem gutmüthigen Bruder Hans aus kluger Rücksicht auf seine große Liebe zu der schönen Tugend der Sparsamkeit eine mittelgroße Geldbörse von glänzenden Perlen.
Der sanfte Hans wieder flocht der geliebten Schwester Martha innerhalb dreier Tage in dem schmalen Comptoirstübchen des väterlichen Geschäftes fast ohne jegliches Werkzeug zur Bequemlichkeit bei ihren vielen Nadelarbeiten einen allerliebsten Wandkober aus feinem Silberdrahte.
Der neckische Julius endlich baute gelegentlich in der etwas düsteren Garderobenstube seiner geliebten Mutter mit sichtlichem Vergnügen seinem kleinen Bruder Leo zur zeitweiligen Unterhaltung eine mächtig große Windmühle aus dauerhafter Pappe.
Auch die brave Mutter der liebenswürdigen Kinder blieb zur Erhöhung der Festfreude für ihre Lieblinge während dieser letzten Zeit vor Weihnachten in ihren vier Pfählen bei allen sonstigen häuslichen Besorgungen nicht unthätig.
Die gute Mutter arbeitete mit geschickten Händen ununterbrochen hinter verschlossenen Thüren allen ihren Kindern für die kalten Wintertage warme Anzüge aus gleichfarbigem Tuche.
Auf diese Weise bereitete der heilige Abend alle Jahre in diesem herzlichen Familienzirkel zu aller Herzerquickung sämmtlichen Familiengliedern große Freude.
137. Ein trauriges Ende.
(Desgleichen.)
Subject.
Der Tod tritt oft schnell heran.
Beifügung.
Der kleine Hermann war ein lieber Knabe. Schon der Ausdruck seines Gesichts zeugte davon.
Ergänzung.
Sein Lächeln bekundete Gutmüthigkeit. Sein Wesen war Jedermann angenehm. — Eines Tages spielte er mit seiner Schwester Verstecken.
Zeit.
Es war um die Dämmerstunde. Sie hatten das Spiel bereits mehrmals gespielt. Ihr Vater sah ihnen schon seit geraumer Zeit zu.
Ort.
Er stand am Fenster. Hermann versteckte sich jetzt hinter eine Mauer. Hier sollte ihn die Schwester nicht finden.
Weise.
Er kauerte in lauschender Stellung. So hoffte er mit Zuversicht unentdeckt zu bleiben.
Ort.
Plötzlich aber rollte ein Ziegel vom Dache herab. Der Ziegel fiel dem Knaben gerade auf den Kopf.
Ursache.
Er war durch einen Windstoß losgelöst worden.
Erkenntniß.
Der Vater erkannte an dem jähen Aufschrei seines Kindes etwas Entsetzliches.
Beweggrund.
Von banger Ahnung getrieben eilte er herbei.
Zweck.
Er wollte zu Hilfe kommen.
Zahl.
Hier aber hätten zehn Aerzte nicht mehr helfen können.
Stoff.
Der fallende Ziegel war aus gebranntem Lehm. Er hatte den armen Knaben erschlagen.
138. Luxus.
[Desgleichen. — Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Weise, Grund (Zweck), Ergänzungen, Zahl, Stoff.]
Ein steinreicher Graf aus einem alten Geschlechte des östreichischen Adels ließ vor einigen Jahren aus lauter Eitelkeit seiner stolzen Gemahlin in der unmittelbaren Nähe einer lebhaften Seestadt der deutschen Nordküste mit ungeheueren Opfern mehrere prachtvolle Wohnsitze aus kostbarer Steinmasse errichten.
Der berühmte Baumeister des verschwenderischen Herrn mußte in Zeit von zehn Monaten auf einer sonnigen Hügelkette unweit des ziemlich großen Hafens nach dem geschmackvollsten Muster französischer Bauweise der jungen Gräfin zum zeitweiligen Aufenthalte während der heißen Sommertage zwei reizende Villen aus weißem Marmor erbauen.
Der gepriesenste Ofenfabrikant der nunmehrigen Kaiserstadt Berlin fertigte kurz nach Beginn des bewundernswerthen Baues in seinen eigens dazu eingerichteten Brennöfen mit aller Sorgfalt den schmucken Wohnzimmern der vorerwähnten Frau sechs wundervolle Kamine aus weißem Porzellan zur Benutzung für die kühlen Abende.
Der sehr geschickte Hoftischler des französischen Kaisers hatte unter anderem während der letzten Monate der kurzen Bauzeit in seiner umfangreichen Werkstatt an einer der volkreichsten Straßen mit allem Aufgebot seines Geschmacksinnes der hohen Frau zur hinlänglichen Bequemlichkeit ein Dutzend große Armsessel aus dem feinsten Mahagoniholze zu verfertigen.
Der erste Tapezier der nahen Seestadt mußte gleich nach Vollendung der reizenden Sommersitze der den Luxus liebenden Dame zur Bewunderung des gräflichen Reichthums vor allen Fenstern der zahllosen Zimmer auf die ausgesuchteste Weise je vier faltenreiche Gardinen von der schwersten Seide anbringen.
Zudem mußte derselbe gesuchte Verschönerungskünstler der gräflichen Eigenthümerin dieser seltenen Prachtvillen sofort fünfzig Stück auserlesene Teppiche aus den besten orientalischen Stoffen aus einer türkischen Fabrik unter sicherer Begleitung eines zuverlässigen Mannes zum Belegen der Fußböden kommen lassen.
Die namhafteste Glasfabrik der erfinderischen Stadt London arbeitete zu gleicher Zeit in ihren vorzüglichen Glasschleifereien ohne Rücksicht auf den Kostenpunkt der eitlen Herrin zehn überaus kunstvolle Kronleuchter aus dem reinsten Krystallglase zur Zierde der hauptsächlichsten Salons.
Ein alter Gärtner des ruhmsüchtigen Grafen versah während des Monates Mai von seiner großen Zierpflanzenplantage aus die beiden an die Villen stoßenden Gärten zur Erholung der empfindsamen Frau in den heißen Sommertagen mit fürsorglicher Umsicht mit vier dichten Lauben aus saftigem Osterluzzei.
Außerdem schufen eine Menge andere Menschenhände in verhältnißmäßig kurzer Zeit in den weiten Räumen der prächtigen Lustschlösser unter steter Vorschrift des eigensinnigen Grafen zur Vervollständigung der kostbaren Einrichtung der hohen Gebieterin noch eine ganze Menge Luxusgegenstände aus dem theuersten Material.
Die Aussageweise.
139. Der Mensch.
(Wirklich. Möglich. Nothwendig.)
Der Mensch ist ein Kind Gottes. Er lebt und stirbt nach Gottes Willen. Er kann König oder Bettler sein, ganz gleich. Das darf Niemand vergessen. Mancher mag freilich nichts davon wissen. Viele möchten am liebsten nicht daran denken.
Jeder Mensch will gern glücklich sein. Jeder soll es auch werden. Jeder darf darnach streben. Was aber kann er dazu beitragen?
Er muß beten und arbeiten. Auch die kleinste Sünde muß ihm ein Abscheu sein. Das möge Jeder bedenken.
Wortfolge.
140. Die Rose.
A. Gerade Wortfolge.
B. Umgekehrte Wortfolge.
Die Rose ist eine herrliche Blume.
Eine herrliche Blume ist die Rose.
Schon ihr Bau ist bewundernswerth.
Bewundernswerth ist schon ihr Bau.
Ihre Farben sind reizend.
Reizend sind ihre Farben.
Ihr Duft strömt zauberhaft.
Zauberhaft strömt ihr Duft.
Eine Rosenknospe fesselt unser Auge wunderbar.
Wunderbar fesselt unser Auge eine Rosenknospe.
Die frischerblühte Rose ist ein Bild höchster Anmuth.
Ein Bild höchster Anmuth ist die frischerblühte Rose.
Sie ist der Gärten schönster Schmuck.
Der Gärten schönster Schmuck ist sie.
Sie wird darum auch die Königin der Blumen genannt.
Der Blumen Königin wird sie darum auch genannt.
Mancher Dichter hat sie schon besungen.
Sie hat schon mancher Dichter besungen.
141. Wiegenbau.
(Gerade Wortfolge.)
Ein kleiner Sänger des Waldes baute in den ersten Maitagen in dem dichten Gezweige eines niederen Fichtenbäumchens mit bewundernswerther Sorgfalt seinen zukünftigen Kindern zum Schutze eine niedliche Wiege aus zartem Moose.
(Versetzung der einzelnen Satztheile.)
Es baute ein kleiner Sänger des Waldes in den ersten etc.
In den ersten Maitagen baute ein kleiner Sänger etc.
In dem dichten Gezweige eines niederen Fichtenbäumchens baute ein etc.
Mit bewundernswerther Sorgfalt baute ein kleiner Sänger etc.
Seinen zukünftigen Kindern zum Schutze baute ein kleiner etc.
Zum Schutze für seine zukünftigen Kinder baute ein etc.
Eine niedliche Wiege aus zartem Moose baute in den etc.
Aus zartem Moose baute ein kleiner Sänger des Waldes etc.
142. Vom einfachsten bis zum erweitertsten einfachen Satze.
I. | |||
Subj.: | Gott | Der Geist | Der Wasserfall |
Präd.: | ist ein Geist. | ist unsterblich. | braust. |
II. A. | |||
Subj.: | Das Bild | Die Kälte | Der Dorn |
Beif.: | des Vaters | Sibiriens | der Rose |
Präd.: | ist ein Heiligthum. | ist groß. | verwundet. |
B. | |||
Beif.: | Der fromme | Plötzliche | Das arme |
Subj.: | Elias | Abkühlung | Kind |
Präd.: | war ein Prophet. | ist schädlich. | bettelt. |
C. | |||
Beif.: | Sein | Unser | Mein |
Subj.: | Vater | Heer | Blut |
Präd.: | war ein Graf. | ist tapfer. | wallt. |
D. | |||
Subj.: | Die Noth | Die Scheere | Der Storch |
Beif.: | unter den Menschen | in Kindeshand | auf dem Dache |
Präd.: | ist ein Besserungsmittel. | ist gefährlich. | klappert. |
III. 1. A. | |||
Subj.: | Gott | Ein Engländer | Der Wolf |
Präd.: (Zeitw.) | regiert | bestieg | raubt |
Ergänz. 4. Fall: | die Welt. | den Montblanc. | Lämmer. |
B. | |||
Subj.: | Der Mitleidige | Gott | Der Magen |
Präd.: | hilft | verzeiht | dient |
Erg. 3. Fall: | dem Armen. | dem Sünder. | den Gliedern. |
C. | |||
Subj.: | Der Müde | Die Nacht | Der Feind |
Präd.: | wünscht | beginnt | hoffte |
Ergänz.: | zu ruhen. | zu dämmern. | zu siegen. |
D. | |||
Subj.: | Der Fromme | Der Christ | Das Gebet |
Präd.: | weiht | dankt | gibt |
Erg. 3. Fll.: | dem Herrn | Jesu | dem Schwachen |
Erg. 4. Fll.: | sein Leben. | die Erlösung. | Kraft. |
2. | |||
Subj.: | Die Strenge ist | Die Eltern sind | Der Stolze ist |
Ergänz.: | dem Kinde | der Liebe | auf seine Schönheit |
Präd.: (Eigsch.) | heilsam. | werth. | stolz. |
IV. A. | |||
Subj.: | Kain | Das Schiff | Viele |
Präd.: | fand | nahm | finden |
Ort: | nirgends | an dem Strande | in Californien |
Erg. 4. Fll.: | Ruhe. | Steinkohlen auf. | Gold. |
B. | |||
Subj.: | Der Hund | Paul | Der Reiter |
Präd.: | folgt | half | sah |
Erg. 3. Fll.: | seinem Herrn | dem Blinden | seinem Pferde |
Ort: | in alle Welt. | über den Graben. | in das Maul. |
C. | |||
Subj.: | Die Weisen | Der Hauptmann | Der Jagdhund |
Präd.: | brachten | schickte | brachte |
Erg. 3. Fll.: | dem Heilande | seinen Kindern | dem Förster |
Erg. 4. Fll.: | Geschenke | Anzüge | einen Hasen |
Ort: | aus dem Morgenlande. | von Paris. | über die Stoppel daher. |
V. A. | |||
Subj.: | Der Gerechte | Gustav Adolf | Der Wächter |
Präd.: | findet | sprach | ertappte |
Zeit: | einst | vor der Schlacht | während der Nacht |
Ort: | drüben | unter freiem Himmel | in einem Keller |
Erg. 4. Fll.: | seinen Lohn. | ein Gebet. | einen Dieb. |
B. | |||
Subj.: | Die alten Deutschen | Die Schweizer | Bello |
Präd.: | opferten | huldigten | wehrte |
Zeit: | tagelang | immer | stets |
Ort: | in ihren Hainen | in ihren Bergen | an der Thür |
Erg. 3. Fll.: | den Götzen. | der Freiheit. | den Bettlern. |
C. | |||
Subj.: | Der Lehrer | Die Weichsel | Der Fuchs |
Präd.: | erzählt | überschwemmt | stiehlt |
Zeit: | mitunter | fast alljährlich | zuweilen |
Ort: | in der Schule | in Polen | im Hofe |
Erg. 3. Fll.: | den Schülern | den Landbewohnern | der Bauerfrau |
Erg. 4. Fll.: | eine Geschichte. | die Fluren. | eine Gans. |
VI. A. | |||
Subj.: | Huß | Luther | Kain |
Präd.: | erlitt | schlug | erschlug |
Zeit: | 1415 | 1517 | einst |
Ort: | zu Konstanz | an die Schloßkirche | am Opferfeuer |
Weise: | geduldig | freimüthig | wuthentbrannt |
Erg. 4. Fll.: | den Feuertod. | 95 Sätze an. | den Abel. |
B. | |||
Subj.: | Johannes der Täufer | Christus | Petrus |
Präd.: | predigte | verzieh | verleugnete |
Zeit: | vor Christo | dermalen | in jener Nacht |
Ort: | in der Wüste | am Kreuze | in der Vorhalle |
Weise: | mit Nachdruck | von Herzen | auf schmähliche Weise |
Erg. 3. Fll.: | dem Volke. | seinen Feinden. | seinen Herrn. |
C. | |||
Subj.: | Der Richter | Der fromme Greis | Noah |
Präd.: | verkündigte | widmete | brachte |
Zeit: | am Montage | jeden Abend | nach der Sündflut |
Ort: | im Gerichtssaale | in seinem Kämmerlein | unter freiem Himmel |
Weise: | mit bewegter Stimme | andächtigen Herzens | mit dankbaren Gefühlen |
Erg. 3. Fll.: | einem Mörder | dem lieben Herrgott | dem Herrn |
Erg. 4. Fll.: | das Todesurtheil. | ein Gebet. | ein Opfer. |
VII. A. | |||
Subj.: | Elise | Sebastian | Ein Knecht |
Präd.: | häkelte | zertrümmerte | erschlug |
Zeit: | am Sonntage | heute früh | gestern |
Ort: | in der Laube | vor dem Spiegel | auf der Wiese |
Beweggr.: | aus Langerweile | aus Muthwillen | aus Bosheit |
Weise: | gemächlich | schnell | kalten Herzens |
Erg. 4. Fll.: | eine Börse. | eine Gipsfigur. | eine junge Katze. |
B. | |||
Subj.: | Julius | Der Großvater | Viele Leute |
Präd.: | erhält | trägt | trinken |
Zeit: | zuweilen | im Winter | in der Früh |
Ort: | in der Schule | auf der Straße | in ihrer Behausung |
Ursache: | wegen Faulheit | der Kälte halber | auf ärztlichen Rath |
Weise: | vor allen Kindern | mit Wohlbehagen | ohne Widerstreben |
Erg. 4. Fll.: | Strafe. | einen Pelz. | bittre Wässer. |
C. | |||
Subj.: | Ein Hauptmann | Der Klassenoberste | Rosalie |
Präd.: | überreichte | sang | kaufte |
Zeit: | am Donnerstage | am Examentage | vorigen Freitag |
Ort: | im Kasernenhofe | in der Aula | auf dem Jahrmarkte |
Erg. 3. Fll.: | seinem Feldwebel | dem Schulinspector | ihrer Großmutter |
Zweck: | zur Auszeichnung | zur Ergötzung | zum Geburtstage |
Weise: | unter Trompetenschall | mit viel Gefühl | schleunigst noch |
Erg. 4. Fll.: | einen Orden. | eine Arie. | eine Kaffeetasse. |
VIII. A. | |||
Subj.: | Ein junger Bildhauer | Häuptlinge der Wilden | Heinrich |
Präd.: | arbeitete | geben | zerbrach |
Zeit: | in seinen Mußestunden | zuweilen | gestern Abend |
Ort: | auf seinem Zimmer | in ihren Zelten | in der Kinderstube |
Erg. 3. Fll.: | seinem alten Lehrer | fremden Gästen | seinem Bruder |
Beweggr.: | aus Dankbarkeit | aus Hochachtung | aus Neid |
Weise: | in aller Stille | mit sichtlichem Stolze | ungesehen |
Erg. 4. Fll.: | Schiller’s Büste | ein Gastmahl | ein Spielzeug |
Stoff: | aus Alabaster. | von dem Fleische | aus Glas. |
B. | |||
Subj.: | Gerhard | Die Mutter | Ein Regiment |
Präd.: | baute | nähte | schenkte |
Zeit: | vergangenen Herbst | in zwei Tagen | während des |
Ort: | im Holzstalle | auf der Nähmaschine | mitten im Lager |
Erg. 3. Fll.: | seinem kleinen Bruder | ihrer ältesten Tochter | seinem Commandanten |
Zweck: | für den Winter | zum Balle | zum Andenken |
Weise: | mit wenig Werkzeugen | ohne besondere Anstrengung | unter militärischer Ceremonie |
Erg. 4. Fll.: | einen Schlitten | ein Kleid | ein Paar Sporen |
Stoff: | aus Eichenholz. | aus blauer Seide. | von purem Golde. |
C. | |||
Sub.: | Ein Koch | Der Kürschner | Ein Drechsler |
Präd.: | bereitete | verfertigte | arbeitete |
Zeit: | neulich | vergangene Woche | am Donnerstage |
Ort: | in einem Gasthause | in seiner Wohnung | an seinem Werktische |
Erg. 3. Fall: | einem Fremden | dem Großvater | dem Invaliden |
Ursache: | aus Unkenntniß | der Kälte halber | um seines lahmen |
Weise: | eiligst | nach dem Maße | unentgeltlich |
Erg. 4. Fall: | ein Glas Grog | ein Paar Hausschuhe | eine Krücke |
Stoff: | aus Nordhäuser. | aus Schafpelz. | aus Buchsbaumholz. |
IX. | |||
Subj.: | Die Tochter | Bertha | Die Gemeinde zu X. |
Präd.: | kaufte | mußte | überreichte |
Zeit: | vor drei Tagen | binnen acht Tagen | am Sonntage |
Ort: | in einem Gewölbe | in Papas Stube | in seinem Studirzimmer |
Erg. 3. Fll.: | ihrem Onkel | der kleinen Schwester | ihrem Seelsorger |
Bew., Urs. | aus Anhänglichkeit | wegen Faulheit | zum Jubiläum |
Weise: | ohne Handel | mit aller Sorgfalt | feierlich |
Zahl: | zwei | drei | ein Dutzend |
Erg. 4. Fll.: | Armleuchter | Nachthäubchen | Speiselöffel |
Stoff: | aus blankem | aus Wolle — | aus gediegenem |
143. Fragen nach den einzelnen Satztheilen.
Wer?
Was?
Nach dem Subjecte.
Was für ein?
Wessen?
Nach der Beifügung.
Was?
Wen?
Wem?
Nach der Ergänzung.
Wann?
Wie lange?
Wie oft?
Seit wann?
Nach der Zeit.
Wo?
Wohin?
Woher?
Nach dem Orte.
Wie? Nach der Art und Weise.
Weshalb? Nach der Ursache.
Warum? Nach dem Beweggrunde.
Woran? Nach dem Erkenntnißgrunde.
Wozu? Nach dem Zwecke.
Wie viel? Nach der Zahl.
Woraus? Nach dem Stoffe.
Ein möglichst erweiterter einfacher Satz.
144. Für die Friedenszeit.
Der junge Haustischler eines reichen Grafen im fernen Ungarlande hat während der regnerischen Tage des letzten Herbstes in seiner düsteren Werkstatt in den hinteren Räumen des gräflichen Schlosses zu P. mit äußerster Anstrengung all seines Geschmacksinnes dem alten Generale des siebenten Regimentes der östreichischen Husaren zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während der langen Friedenszeit zwei prachtvolle Sophas aus dem feinsten Cedernholze gefertigt.
Fragen nach den einzelnen Satztheilen.
(Praktische Ausführung.)
1)
Wie heißt der einfache Satz?
Der Tischler fertigte.
2)
Wer fertigte?
Der Tischler fertigte.
3)
Welche Thätigkeit vollzog der Tischler?
Er fertigte.
4)
Was fertigte er?
Er fertigte Sophas.
1)
Was für ein Tischler fertigte Sophas?
Der junge Tischler etc.
2)
Wessen junger Tischler fertigte Sophas?
Der junge Tischler eines Grafen etc.
3)
Was für eines Grafen?
Der junge Tischler eines reichen Grafen.
4)
Was für eines reichen Grafen?
Eines reichen Grafen aus dem Ungarlande.
5)
Aus was für einem Ungarlande?
Aus dem fernen Ungarlande.
6)
Was fertigte der junge Tischler eines etc.?
Der junge Tischler eines reichen Grafen aus dem fernen Ungarland fertigte Sophas.
7)
Was für Sophas fertigte der junge etc.?
Der junge etc. fertigte prachtvolle Sophas.
8)
Wie viel prachtvolle Sophas fertigte der junge etc.?
Der junge etc. fertigte zwei prachtvolle Sophas.
9)
Woraus fertigte der junge etc. zwei prachtvolle Sophas?
Der junge etc. fertigte zwei etc. aus Cedernholz.
10)
Aus was für Cedernholz fertigte etc.?
Der junge etc. fertigte etc. aus dem feinsten Cedernholze.
11)
Wem fertigte der junge etc. zwei etc. aus dem feinsten Cedernholze?
Der junge etc. fertigte dem Generale zwei etc. aus dem feinsten Cedernholze.
12)
Was für einem Generale fertigte der etc.?
Der junge Tischler etc. fertigte dem alten Generale etc.
13)
Wessen altem Generale fertigte etc.?
Der junge Tischler etc. dem alten Generale des Regiments etc.
14)
Was für eines Regiments?
Des siebenten Regiments.
15)
Wessen siebenten Regiments?
Des siebenten Regiments der Husaren.
16)
Was für Husaren?
Der östreichischen Husaren.
17)
Wozu fertigte der junge etc. dem alten etc. zwei etc. aus dem feinsten Cedernholze?
Der junge etc. fertigte etc. dem etc. zwei etc. zur Bequemlichkeit.
18)
Zu was für einer Bequemlichkeit fertigte etc.?
Der junge etc. zur häuslichen Bequemlichkeit.
19)
Zu wessen häuslicher etc. fertigte etc.?
Der junge etc. zu dessen häuslicher Bequemlichkeit.
20)
Zu was für einer häuslichen etc. fertigte etc.?
Der junge etc. zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während der Friedenszeit.
21)
Während was für einer Friedenszeit?
Während der langen Friedenszeit.
22)
Wie fertigte der junge Tischler dem etc.?
Der junge etc. fertigte etc. mit Anstrengung zwei prachtvolle etc.
23)
Mit was für Anstrengung fertigte etc.?
Der junge etc. mit äußerster Anstrengung zwei etc.
24)
Mit wessen äußerster Anstrengung fertigte etc.?
Der junge etc. mit äußerster Anstrengung des Geschmacksinnes zwei etc.
25)
Mit wessen Geschmacksinnes?
Seines Geschmacksinnes.
26)
Mit wie viel seines Geschmacksinnes?
Mit äußerster Anstrengung all seines Geschmacksinnes.
27)
Wo fertigte der junge Tischler etc. dem etc.?
Der junge etc. in der Werkstatt etc. dem etc.
28)
In was für einer Werkstatt fertigte etc.?
Der junge etc. in der düsteren Werkstatt etc.
29)
In wessen düsterer Werkstatt fertigte etc.?
Der junge etc. in seiner düsteren Werkstatt etc.
30)
In was für einer düsteren Werkstatt fertigte etc.?
Der etc. in seiner düsteren Werkstatt der Räume etc.
31)
In wessen Räumen?
In den Räumen des Schlosses etc.
32)
In was für einem Schlosse?
In dem gräflichen Schlosse.
33)
In was für Räumen des gräflichen Schlosses?
In den hinteren Räumen des gräflichen Schlosses.
34)
Wann fertigte der junge etc. in etc. dem etc. zu etc. mit etc. zwei etc. aus Cedernholz?
Der junge etc. während der Tage etc.
35)
Während welcher Tage?
Der junge etc. während der Tage des Herbstes etc.
36)
Was für eines Herbstes?
Der junge etc. während der Tage des letzten Herbstes etc.
37)
Während welcher Tage des letzten Herbstes?
Der junge etc. während der regnerischen Tage des letzten Herbstes etc.
Zusammenfassung der vollständigen Satztheile.
1)
Wer fertigte während — aus dem feinsten Cedernholze?
Der junge Tischler eines reichen Grafen im fernen Ungarlande fertigte etc.
2)
Was fertigte der — Ungarlande?
Den junge etc. fertigte prachtvolle Sophas.
3)
Wie viel Sophas fertigte — Ungarlande?
Der junge etc. fertigte zwei Sophas.
4)
Woraus fertigte — Sophas?
Der junge etc. fertigte etc. aus dem feinsten Cedernholze.
5)
Wem fertigte — Cedernholze?
Der junge etc. fertigte etc. dem alten General des siebenten Regiments der östreich. Husaren etc.
6)
Wozu fertigte — Cedernholze?
Der junge etc. zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während der langen Friedenszeit etc.
7)
Wie fertigte — Cedernholze?
Der junge etc. mit äußerster Anstrengung all seines Geschmacksinnes etc.
8)
Wo fertigte — Cedernholze?
Der junge etc. in seiner düsteren Werkstatt in den hinteren Räumen des gräflichen Schlosses etc.
9)
Wann fertigte — Cedernholze?
Der junge etc. während der regnerischen Tage des letzten Herbstes etc.
Anhang.
Eine Art von Aufgaben.
(Bilde Sätze auf folgende Fragen.)
1)
Wer? (Was?)
Was ist er (sie, es)?
Der Bleistift
ist ein Schreibwerkzeug.
2)
Wer?
Wie ist er?
Der Bleistift
ist spitzig.
3)
Wer?
Was thut er?
Der Bleistift
schreibt.
4)
Was für ein?
Wer?
Was ist (wie ist, was thut) er?
Der bunte
Rock
ist ein Kleidungsstück.
5)
Wer?
Wessen?
Wie ist (was ist, was thut) er?
Der Rock
des Kindes
ist warm.
6)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was thut (was ist, wie ist) er?
Der bunte
Rock
des Kindes
wärmt.
7)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was thut er?
Was (wen)?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitet
ein Schachspiel.
8)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was thut er?
Wem?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitet
dem Grafen
ein Schachspiel.
9)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann (wie oft,
wie lange, seit wann)?
Wem?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
dem Grafen
ein Schachspiel.
10)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
ein Schachspiel.
11)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wem?
Was?
Wohin (woher)?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
trug
gestern
dem Grafen
ein Schachspiel
in seine Wohnung.
12)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Wie?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
mit großer Sorgfalt
ein Schachspiel.
13)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Weshalb?
Wie?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
auf Bestellung
mit großer Sorgfalt
ein Schachspiel.
14)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Warum?
Wie?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
aus Dankbarkeit
mit großer Sorgfalt
ein Schachspiel.
15)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Wozu?
Wie?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
zur Unterhaltung
mit großer Sorgfalt
ein Schachspiel.
16)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Wozu?
Wie?
Wie viel?
Was?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
zur Unterhaltung
mit großer Sorgfalt
zwei
Schachspiele.
17)
Was für ein?
Wer?
Wessen?
Was that er?
Wann?
Wo?
Wem?
Wozu?
Wie?
Wie viel?
Was?
Woraus?
Der geschickte
Drechsler
der Residenz
arbeitete
voriges Jahr
in seiner Werkstatt
dem Grafen
zur Unterhaltung
mit großer Sorgfalt
zwei
Schachspiele
aus Nußbaumholz.
NB. Zu den Ergänzungen, Zeit-, Ortsbestimmungen etc. etc. können natürlich wieder einfache oder doppelte Beifügungen gesetzt werden.
Es lassen sich durch Weglassung eines Satztheiles oder mehrerer Satztheile noch verschiedene Variationen in Bezug auf diese Art Aufgaben gewinnen. Z. B.
Wer?
Was that er?
Was?
Woraus?
(Der Knabe
bildete
Figuren
aus Wachs.)
Wer?
Wie war er?
Wo?
(Der Knabe
war lustig
im Garten.)
Wer?
Was thut er?
Wen?
Wie oft?
(Der Knabe
begießt
die Blumenstöcke
alle zwei Tage.)
Wer?
Was that er?
Wann?
Wem?
Was?
(Der Diener
überbrachte
vorhin
dem Herrn
einen Brief.)
Den schwächeren Schülern gebe man die einfachen Sätze zu dem Zwecke, sie nach den vorgeschriebenen Fragen zu erweitern. Z. B.: Der Jäger schoß. Der Bote übergab. Der Knabe schnitzte. Der Feind entriß u. dgl. m.
Druck von Metzger & Wittig in Leipzig.
Sprachbilder
nach
bestimmten Sprachregeln.
Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch
für den
deutschen Sprachunterricht in der Volksschule.
Für Lehrer und Schüler
gearbeitet von
Franz Wiedemann,
Oberlehrer an der Neustädter Bürgerschule in Dresden.
Zweiter Theil.
Leipzig.
Alfred Oehmigke’s Verlag.
(Moritz Geißler.)