Ankunft in Marseille und Weiterfahrt nach Wien.
Am 17. Juni langten wir endlich um 2½ Uhr Nachmittags im Hafen von Marseille an. Bis wir aber vom Schiff auf's Land kamen, vergingen beinahe drei Stunden, weil die hygienischen Massregeln in nachstehender Weise getroffen wurden. Zuerst fuhr der Schiffscapitän in einer Zille auf's Land, dann langte nach ½ Stunde ein französischer Arzt auf dem Dampfer an und verfügte, dass jeder Passagier in einem Blankette des »Passeport sanitaire« seinen Namen, den Ort der Herkunft und den Ort des künftigen Aufenthaltes eintrage. Dann unterschrieb der Arzt alle Passeports sanitaires, vertheilte sie wieder an die Passagiere und somit konnten diese, ohne vorher ärztlich untersucht worden zu sein, und ohne dass das Gepäck desinficirt worden wäre, vom Schiffe auf das Land gehen.
Ich übergab zu diesem Zwecke meine 13 Gepäckstücke an den Bediensteten der Speditionsfirma King, einem Wiener, welcher auf den Dampfer Australien gekommen war, und bezeichnete ihm jene sechs Stücke, welche ich mit mir nehmen wollte, und die übrigen sieben Colli, welche mittelst Fracht an mich nach Wien zu senden sein werden. Nach Passirung des Zollamtes, wo von den Effecten nichts visitirt worden war, fuhr ich zum Bahnhof und von dort um 7 Uhr Abends nach Paris, wo ich am andern Tag um 9 Uhr Früh anlangte.
In Paris wollte ich am 18. Juni verweilen und hierzu stieg ich in dem Terminus-Hôtel ab. Nachmittags fuhr ich mit dem holländischen Herrn, welcher sich mir auf dem Schiffe angeschlossen hatte, über den Boulevard, die Champs elysées, den Arc de triomphe und das Bois de Boulogne zu den Rennen nach Auteuil, und dann besichtigte ich auf der Rückfahrt von Auteuil nach Paris den eben an diesem Tage stattfindenden grossen, historischen Festzug, welcher jedes Jahr um diese Zeit abgehalten wird. Bei diesem Festzuge erscheinen in der Tracht aus dem 13. Jahrhundert Soldaten und Zünfte zu Fuss und zu Pferd, grosse allegorische Carossen und prachtvoll ausgestattete Schiffe und Musikcorps, welche in ähnlichen Trachten die zeitgemässen Tonstücke spielen. Endlich sah ich auch den Ausstellungsraum für das Jahr 1900 und nahm dort wahr, dass schon eine immense Zahl von kolossal grossen Gebäuden errichtet wurde.
Nach 7 Uhr Abends fuhr ich mit dem Orientexpresszuge von Paris nach Wien ab. Als ich dann am 19. Juni in mein geliebtes Vaterland gelangte und wieder unsere schönen bewaldeten Berge, die grünen Fluren, die heimlichen Wohnräume, sowie die lieben, guten Landsleute gewahrte, dann erweiterte sich das Herz in Freude und meine tiefen Gefühle gaben deutlich Zeugniss davon, dass die Vaterlandsliebe in des Menschen Brust tief begründet ist.
Nach einer 24 stündigen Eisenbahnfahrt, also am 19. Juni, um 7 Uhr Abends, langte ich in meinem geliebten Wien an und somit war meine Reise beendigt.
Reiseauslagen und Reisepläne.
Nachfolgend gebe ich die Ausgaben genau specialisirt an, welche ich ohne Einbeziehung der besonderen Einkäufe während der Reise gemacht habe, und bemerke hierzu, dass die Auslagen in vielen Fällen, speciell in Bombay, hätten bedeutend vermindert werden können.
Dieser Betrag, auf die Zeit von fünf Monaten repartirt, ergibt für jeden Monat circa 484 fl. ö. W. Die Höhe dieses Betrages ist hauptsächlich durch den Wechsel der Schiffe und den Umweg über Marseille und Paris entstanden.
Wenn ich nun nach den gemachten Erfahrungen noch einmal eine Reise nach Indien, China und Japan machen wollte, so würde ich dieselbe nach einen der beiden nachfolgenden Reisepläne unternehmen:
A. Vom 23. October bis 16. November Lloyddampfschiffahrt von Triest nach Bombay.
Vom 16. November bis 7. Jänner Besichtigung von Bombay, Eisenbahnfahrten nach und Besichtigung von Delhi (Rom von Asien), Agra mit den herrlichsten Bauwerken der Welt, Benares (Mekka der Indier), Calcutta (Sitz der englischen Regierung) und Darshilling, reizend 7200 Fuss hoch auf dem Himalaya gelegen.
Vom 7. bis 13. Jänner Lloyddampfschiffahrt von Calcutta nach Colombo.
Vom 13. Jänner bis 26. Februar Aufenthalt auf der Insel Ceylon.
Vom 26. Februar bis 27. März Lloyddampfschiffahrt von Colombo über China nach Japan.
Vom 27. März bis 30. April Aufenthalt in Japan.
Vom 30. April bis 1. Juli Lloyddampfschiffahrt von Kobe über China und Indien nach Triest.
Die Auslagen für diese 8¼ Monate währende Reise würden beiläufig betragen:
| Lloyddampfschiffahrt von Triest nach Kobe und zurück, sowie von Calcutta nach Colombo sammt Verpflegung nach dem allgemeinen Tarif mit 20% Nachlass für die Hin- und Rückkarte mit neunmonatlicher Dauer circa | 870 | fl. ö. W. |
| Getränke und Bedienung für die ausgewiesenen 118 Tage circa | 150 | " |
| Aufenthalte und Eisenbahnfahrten in Indien und Ceylon für 96 Tage reichlich mit 18 Rupien = 14·40 fl. ö. W. per Tag berechnet macht | 1380 | " |
| Aufenthalt in Japan, 34 Tage reichlich mit 12½ Yen = 15 fl. ö. W. per Tag macht | 510 | " |
| Summe der Auslagen | 2910 | fl. ö. W. |
Nach dem Officierstarif auf dem Lloyd vermindert sich der Betrag um 90 fl. ö. W., mithin entfällt nach dem allgemeinen Tarif auf den Monat circa 353 fl. und auf den Tag 11 fl. 64 kr., nach dem Officierstarif auf den Monat circa 342 fl. und auf den Tag 11 fl. 28 kr.
B. Vom 23. October bis 16. November Lloyddampfschiffahrt von Triest nach Bombay.
Vom 16. November bis 7. December Besichtigung von Bombay, Eisenbahnfahrt nach und Besichtigung von Delhi, Agra, Benares, Calcutta und Darshilling auf dem Himalaya.
Vom 7. bis 13. December Lloyddampfschiffahrt von Calcutta nach Colombo.
Vom 13. December bis 26. Jänner Aufenthalt auf der Insel Ceylon.
Vom 26. Jänner bis 3. Februar Lloyddampfschiffahrt von Colombo nach Singapore.
Vom 3. Februar bis 7. März Aufenthalt in Singapore, Fahrt nach und Aufenthalt in Bangkok, der Hauptstadt von Siam und Fahrt nach Singapore.
Vom 7. bis 27. März Lloyddampfschiffahrt von Singapore nach Kobe in Japan.
Vom 27. März bis 30. April Aufenthalt in Japan.
Vom 30. April bis 1. Juli Lloyddampfschiffahrt von Japan über China und Indien nach Triest.
Die Auslagen für diese ebenfalls 8¼ Monate währende Reise würden beiläufig die gleichen sein, wie solche oben sub A angegeben wurden.