B. Eisenbahnfahrt von Colombo nach und Aufenthalt in Kandy.

Der Boden des ganzen Landestheiles von Colombo bis gegen das nordöstlich davon gelegene Kandy ist in den Thalniederungen und theilweise an den Lehnen für die Reiscultur planirt und eingedämmt. An den Lehnen sind hierzu mit staunenswerthem Fleiss und Sachverständniss die Felder stufenweise geebnet und hergerichtet worden, so dass die kleinen Dämme wie Horizontallinien auf einem Plane aussehen.

Die höher gelegenen Theile der Berge und Hügel sind mit Bäumen bestanden, und zwar zum grossen Theil mit Bambus, Cocusnuss- oder anderen Laubbäumen und Gesträuchern, die sich durch Dichtigkeit, intensives Grün und hie und da auch durch Pracht der Blüten auszeichnen. Auffallend ist es, dass die Stämme sämmtlicher Laubbäume nicht gerade, sondern sehr gekrümmt emporwachsen.

In diesen Baumbeständen stehen einfache, strohgedeckte und halboffene Bauernhäuser, und nach allen Richtungen führen sehr gut angelegte und erhaltene Fahr- und Fusswege. Die Eisenbahn steigt bis Kandy 1700 Fuss empor und ist meist an den Lehnen der Berge geführt. Von dem dahinfahrenden Zuge aus geniesst man eine herrliche Aussicht weit hinaus auf das umliegende Bergland, welches bis hinauf in die obersten Theile mit Tropenpflanzen und Bäumen bewachsen ist, und man erfreut sich an dem Anblick des unten liegenden schönen Thales, welches von einem reissenden Gebirgswasser durchzogen wird. Diese Gebirgslandschaft mit ihrem tropischen Charakter, grossen Blätterformen, lebhaftem Grün, dichten und bunten Blüten und riesiger Ueppigkeit ist wunderbar schön.

Um 12 Uhr Mittags langte ich in Kandy an und wurde dort von dem Besitzer des Hôtel Queen, Raden, einem Ungar aus Budapest, mit seinem Wagen abgeholt.

Kandy, die alte singhalesische Hauptstadt, liegt 1700 Fuss über dem Meeresspiegel reizend in einem tropisch bewaldeten Bergland, das Hôtel Queen liegt am Ufer eines schönen Gebirgssees, von dem man eine prachtvolle Aussicht auf die umliegenden Berge geniesst. Dieses Hôtel besteht aus einem ausgedehnten stattlichen Gebäude sammt einem grossen Garten und entspricht allen modernen Anforderungen, hat luftige Schlafzimmer und Wohnräume, mit Badezimmern verbunden, grosse Speisesäle und Gesellschaftszimmer und eine 420 Fuss lange Veranda. Die Frau des Besitzers Raden, eine Deutsche aus Königsberg, leitet mit grossem Verständniss die Küche. Im Hôtel sind Lohnfuhrwerke, Rikschas und Boote zu erhalten, und so gehört der Aufenthalt in diesem Hôtel zu den allerschönsten und angenehmsten Wohnstätten, die man finden kann.

Mir hatte der Hôtelier ein Appartement von vier sehr elegant eingerichteten Zimmern mit einem belaubten, etwa 20 m langen Balkon zugewiesen und dafür sammt Pension für einen Tag nur 8 Rupien = 6 fl. 40 kr. aufgerechnet. Freilich war zu dieser Zeit die Saison vorbei, sonst wäre dieser niedrige Preis nicht möglich gewesen.

Nachmittag fuhr ich mit einem Lohnfuhrwerk nach dem ½ Stunde entfernten botanischen Garten von Peradenia, einem Musterbild der tropischen Flora. Ich ging darin vorerst mit dem Leiter des Gartens spazieren, fuhr dann mit dem Wagen noch ¾ Stunden an der Grenze desselben herum, und war entzückt von der Pracht und Herrlichkeit der dort befindlichen Pflanzen und Bäume. Ich habe eine lange Reihe von Namen der dort stehenden Bäume und Sträucher notirt, will aber hier davon nur nachstehende bekannt geben: Mongo-, Durjan-, Pellaginella- und Cassiabaum, letzterer reich mit lila Blüten geziert, Pfeffer-, Zambodiabaum mit blauen, Poingianabaum mit ziegelrothen, Jacorandabaum mit blauen und Randiabaum mit weissen Blüten, Oel-, Muscatnuss-, Benzoin-, Todten-, Cocca- und Termindiabaum, riesig hohe Antiayo und Erika, Ixorastrauch mit unzählig vielen kleinen, rothen Blüten, Petreastrauch mit blauen Blüten und viele Gattungen prachtvoller Orchideen und Palmen.

Die sehr gute Strasse von Kandy nach Peradenia ist beiderseits mit Akazienbäumen bepflanzt, welche aber dort weit grösser und umfangreicher gedeihen als bei uns. Während der Hin- und Rückfahrt auf dieser Strasse konnte ich wahrnehmen, dass der Reinlichkeitssinn bei den Singhalesen auf sehr niedriger Stufe steht. Die Häuser, welche sich beiderseits der Strasse befinden, sehen sehr schmutzig aus, und vor manchen Häusern konnte man die Bewohner sehen, wie sie sich gegenseitig in ihren langen Haaren nach Inwohnern suchten, diese aber nicht tödteten, sondern wegwarfen, weil die Singhalesen, so wie die Indier, an die Seelenwanderung glauben und daher kein Thier tödten dürfen. Da sieht man curiose Familienbilder, wie z. B. dass die stehende Tochter der sitzenden Mutter und diese ihrem, mit dem Kopfe auf ihrem Schoss liegenden Manne diesen Liebesdienst erweist.

Nach Kandy zurückgekehrt, besuchte ich die dort befindliche grosse katholische Kirche, von Papst Pius IX. gestiftet, dann die schöne anglikanische Kirche und endlich den ausgedehnten, aus mehreren Gebäuden bestehenden Buddhatempel, in welchem ein Riesenzahn des Buddha aufbewahrt gehalten werden soll. Bei dieser Gelegenheit sah ich auch ziemlich viele Singhalesen in europäischer Tracht herumgehen. Komisch sehen die braunen weiblichen Gestalten in Corsets und in eleganten, lichten europäischen Kleidern aus, mit Silberketten auf dem blossen braunen Nacken und mit verzierten Silbernadeln in den pechrabenschwarzen Haaren.

Nach dem sehr guten Diner im Hôtel Queen erzählte mir Frau Raden, dass nach Ceylon leider sehr wenig Oesterreicher kommen, und dass in den letzten zwei Jahren nur der Hôtelier Sarnsteiner von Ischl mit seiner Frau auf diese paradiesische Insel gekommen und in diesem Hôtel abgestiegen waren. Es ist wahrlich schade, dass sich Niemand aus Oesterreich-Ungarn den hohen Genuss gönnt, in dieser wunderbaren, grossartigen Natur einige Zeit zu verweilen. Die Ausgaben werden hier jedenfalls geringer sein, als in den meisten eleganten Curorten.

Nach einer in den kühlen Räumen des Hôtels verbrachten sehr guten Nacht machte ich am Morgen des folgenden Tages, am 28. Mai, noch einige Einkäufe an Edelsteinschmuck, da die Insel Ceylon ihres Reichthums an Edelsteinen halber berühmt ist und ich davon einige Andenken in die liebe Heimat mitbringen wollte.

C. Eisenbahnfahrt von Kandy nach Nuna oya und Aufenthalt in Nuwera Eliya.

Am 28. Mai, um 10 Uhr Vormittags, fuhr ich mit der Eisenbahn von Kandy ab, um den auf der Dampfschiffahrt von Colombo nach Penang bekannt gewordenen Herrn Dumaresq-Thomas, Besitzer der Theepflanzung Sindovla bei der Eisenbahnstation Tawalakelle, des Norton-House in Malmesbury in England und endlich des Astley-House in Nuwera Eliya, in der letztgenannten Villa zu besuchen. Hierzu musste ich mit der Bahn nach der Station Nuna oya fahren, wo ich um 4 Uhr Nachmittag anzukommen hatte.

Nuna oya liegt südlich von Kandy und östlich von Colombo, beiläufig in der Mittellinie der Insel, westlich des 7500 Fuss hohen Pedroberges und nördlich des 6900 Fuss hohen Adamspeak, und befindet sich etwa 5800 Fuss über dem Meeresspiegel. Von dort fährt man mittelst Wagen in ¾ Stunden auf einer sehr gut angelegten und vortrefflich erhaltenen Serpentinenstrasse nach dem 6200 Fuss hohen Villenort Nuwera Eliya, in dessen Bereich die Villa Astley-House liegt.

Der Charakter des Landstriches zwischen Kandy und N. Eliya ist jener des Berglandes mit Felsenformation und reissenden Gebirgswässern, welche hie und da über Felsenmassen in die Tiefe stürzen und hierdurch herrliche, grossartige Cascaden bilden. Die Lehnen der Berge sind meist mit gelbsandigem Erdreich bedeckt und von den Kuppen bis zu den Thälern mit Theesträuchern bewachsen. Diese Theesträucher haben eine Höhe und Breite von etwa 30 cm, sind daher etwas kleiner als jene in Japan, stehen in 50 bis 60 cm von einander entfernten Reihen und haben oft das Ansehen von kleinen Zwergbäumen. Die Theeplantagen sind meilenweit ausgedehnt und machen beinahe den gleichen monotonen Eindruck, welchen bei uns die Weingärten erzeugen; doch wird dieses Bild hier häufig verschönert durch die stellenweise, besonders an den Ufern der Wässer und in der Nähe der Bahnen befindlichen reichen Tropengewächse, wie z. B. Buschwerk mit Blüten in allen Farben, Farrenkräuter in Riesendimensionen, Aloen von enormer Grösse und Prosperität, bei welchen aus der Mitte einzelner solcher Aloen grüne Stämme mit kleinen Zweigen und Blättern 6 m hoch gerade emporsteigen. Solche Theepflanzungen bestehen in Ceylon in weitumfassendem Masse, und es werden dieselben noch immer weiter angelegt, so weit als es die Bodenverhältnisse gestatten. Kaffeepflanzungen sind dagegen schon seit einer Reihe von Jahren in Ceylon ganz verschwunden, weil sie sich zu schlecht rentirten. Es gibt also keinen Ceylonkaffee mehr. Die Anlage einer Theeplantage ist aber ebenso, wie die Anlage eines Weingartens, sehr mühsam und kostspielig Erst drei Jahre nach dem Anbau der Theepflanze ergibt sich eine kleine Fechsung, und erst in den folgenden Jahren wird die Ernte derselben befriedigend. Auch in diesem Landestheil von Ceylon sind die Fahr- und Fusswege sehr gut angelegt und erhalten.

Was nun die Witterung anbelangt, so war dieselbe in der Zeit meines Aufenthaltes auf der Insel Ceylon nicht gut. Es war nämlich in diesem Jahre die Monsumzeit mit ihren Stürmen und Regengüssen früher als gewöhnlich eingetreten. In den vergangenen Tagen hatte sich der Monsum des zunehmenden Mondes halber nur durch Düsterkeit geäussert, als ich aber später im Astley-House anlangte, fing es heftig zu regnen und zu stürmen an. Uebrigens beginnt der Monsum in den höher gelegenen Theilen von Ceylon früher als in den tiefer gelegenen Gegenden.

Um 4 Uhr Nachmittags auf dem Bahnhofe von Nuna oya angekommen, übergab mir der Diener des Herrn Dumaresq-Thomas einen Brief, in welchem derselbe seiner Freude Ausdruck gab, mich bei sich in seinem Astley-House empfangen zu können, und mich bat, mir meine Gepäcksangelegenheit durch seinen Diener besorgen und mich in dem gesandten Wagen zu sich führen lassen zu dürfen. Während der Zeit der Gepäcksauslösung und Aufpackung ereignete sich nachfolgender, mich frappirender Vorfall. Es trat nämlich auf der Eisenbahnstation Nuna oya ein mir ganz fremder Herr auf mich zu, stellte sich in deutscher Sprache als Herr v. Blücher vor und fragte mich, ob ich nicht der Feldmarschall-Lieutenant Baron E. sei, nachdem er in der dortigen Zeitung meine Ankunft gelesen habe. Auf meine zustimmende Antwort theilte mir Herr v. Blücher mit, dass er sich mit einem Freunde aus Deutschland auf einer Vergnügungsreise befinde, jetzt aber diese Gegend verlasse, weil der Monsum keine Ausflüge mehr gestatte. Ich war wahrlich sehr überrascht, in wildfremder Gegend plötzlich deutsch angesprochen zu werden.

Ich fuhr dann auf der besprochenen Serpentinenstrasse nach N. Eliya, von dort in einer Allee von mit tausend grossen kelchartigen Blüten bedeckten Bäumen eine gute Strecke weiter und dann aufwärts bis zu dem Astley-House. Diese Villa liegt etwa 6300 Fuss hoch auf einem kleinen Hügel mit herrlicher Aussicht auf das umliegende, meist bewaldete Bergland und steht in der Mitte von Beeten mit prächtigen Tropenblumen. Das Haus besitzt einen grossen, mit Glasplatten gedeckten Hof, von welchem man in die zahlreichen Wohnräume, darunter Salon, Speise-, Sitz-, Schreib- und Schlafzimmer, sowie Baderäume u. s. w., gelangen kann.

Von Herrn Dumaresq-Thomas und seiner Frau sehr freundlich empfangen, ging die Unterhaltung dadurch ziemlich gut von statten, dass Herr Thomas ein wenig Deutsch, seine Frau ein wenig Französisch, ihre Schwester auch etwas Deutsch und ich ein wenig Englisch und ziemlich gut Französisch sprechen, und dass wir uns somit in drei Sprachen durcheinander verständlich machen konnten.

Die Lady ist eine nicht mehr ganz junge, aber jedenfalls sehr hübsche und charmante Dame mit einem stets heiteren und sehr anmuthsvollen Wesen. Ihre Schwester, ein recht hübsches Fräulein, ist auch stets heiter und sehr nett. Ausserdem befand sich im Astley-House zu jener Zeit noch eine ältere Dame, welche aus der Umgebung auf einige Zeit zu Besuch gekommen war.

Um 7½ Uhr Abends fand ein grossartiges Diner in voller Toilette statt. Die Damen erschienen mit ausgeschnittenen Kleidern und mit reichem Schmuck, und die Herren in Frack und weisser Halsbinde. Nach dem Diner ging ich mit Herrn Thomas in's Rauchzimmer und später in den Salon, wo wir dann eine kleine Whistpartie machten.

Ungeachtet des in der darauffolgenden Nacht mit starkem Tosen ausgebrochenen Monsums schlief ich in meinem Zimmer des Astley-House vortrefflich.

Da aber Sturm und Regen auch am 29. Mai Vormittags in unverminderter Weise fortdauerten, so war an kein Ausgehen zu denken, und ich benützte die Zeit nach dem um 8 Uhr eingenommenen reichen Frühstück, auf dem mir zur Disposition gestellten Schreibtisch mein Tagebuch fortzusetzen. Wenngleich das Wetter nach dem Tiffin nicht viel besser geworden war, da es nur zeitweilig zu regnen aufhörte, so machten wir, die Damen und die Herren, dennoch eine Ausfahrt in einem dort gebräuchlichen zweispännigen Wagen, welcher oben und seitwärts nach Bedarf mit wasserdichter Leinwand abgeschlossen werden kann. Wir fuhren in einem wunderschönen, mit Wald bedeckten Bergland längs eines ausgedehnten Gebirgsees nach dem 1½ Stunden entfernten Hackgalle Garden und ich entzückte mich an dem Ausblicke auf die umliegende herrliche Gegend. Besonders ragte dort der 6900 Fuss hohe Adamspeak hervor. Auf der Kuppe dieses Berges soll sich im Felsen eine Aushöhlung befinden, welche von den Christen als die Riesenfusspur von unserem Stammvater Adam und von den Heiden als jene des Buddha angesehen wird.

Der Hackgalle Garden wird von einem englischen Garten-Inspector sehr gut und schön gehalten, und es werden dort hauptsächlich europäische Pflanzen und Blumen gepflegt, welche aber theilweise bei dem dortigen Klima besser und stärker gedeihen als bei uns. Auch finden sich in dem ausgedehnten Garten einzelne Punkte, welche einen wunderbaren Ausblick auf die umliegende reizende Gegend gewähren. Mit Regenschirmen und Regenmänteln versehen, liessen sich auch die englischen Damen ungeachtet des strömenden Regens nicht abhalten, den Park zu besichtigen und blieben dabei heiter und guter Dinge.

Nach der Rückkunft in die Villa wurde wieder ein glänzendes Diner servirt und hierauf eine Whistpartie gemacht.

Am 30. Mai Morgens, als ich noch mit dem Ankleiden beschäftigt war, kam Herr Thomas zu mir, um mich aufzufordern, sofort mit ihm an einer eben stattfindenden Elkjagd theilzunehmen. Ich war natürlich gleich dazu bereit, wechselte rasch meine Kleider und wollte eben mein Gewehr und Munition auspacken, als Herr Thomas mir mittheilte, dass bei dieser Jagd nicht geschossen, sondern dass der Elk, ein mittelgrosser Hirsch, von Hunden gesucht, getrieben und gestellt und dann von dem Jäger mit dem Waidmesser gekillt wird. Natürlich war ich umsomehr erfreut, diese mir ganz fremde Jagdart kennen zu lernen.

Als wir, zur Jagd gerüstet, auszogen, waren die übrigen Jagdtheilnehmer und die ganze Hundemeute auf den Hängen des höchsten Berges in Ceylon, des 7500 Fuss hohen Pedroberges, schon weit vorgedrungen, und so musste ich mit Herrn Thomas auf diesen Berghängen, durch dichte Dschungeln, so rasch wie möglich vordringen, um rechtzeitig dorthin zu gelangen, wo die Hunde etwa einen Elk treiben oder denselben gar schon gestellt haben. Dieses Passiren von Dschungeln ist eine höchst anstrengende Arbeit, denn hier stehen Aeste, Zweige, kleine Stämmchen und Gestrüppe so dicht aneinander, dass man nur mit Gewalt durchzukommen vermag, ja manchmal, sich tief zu Boden neigend, durchschliefen, dann wieder einzelne Theile überspringen muss. Dabei war der Hang vom Regen aufgeweicht und rutschig, und es lagen auf dem Boden abgebrochene Aeste und gestürzte Stämme. Soll nun da rasch vorgegangen und auch gelaufen werden, so ist es selbstverständlich, dass man sich Hände und Gesicht blutig aufreisst und dass man auch zeitweise hinhaut. Das macht aber nichts. Die Jagdpassion ist erweckt und es geht mit Aufbietung der ganzen Kraft und mit Nichtbeachtung aller Unbilden lustig vorwärts. Nach dem wenigstens eine Stunde währenden Vorwärtseilen und Kämpfen gegen alle entgegenstehenden Beschwerlichkeiten erreichten wir die Gesellschaft und den Hundsmann, gingen nun mit diesem weiter vor, bis wir auf eine Blösse gelangten, auf welcher constatirt wurde, dass die Hunde nun keinen Elk mehr finden werden.

Wir kamen ganz durchnässt in die Villa und hier wurde mir auf Anordnung des Herrn Thomas gleich ein heisses Bad gerichtet, dessen Gebrauch mir ausserordentlich wohl that. Mein Ischias, welches sich noch zeitweilig fühlbar machte, hatte mir während und nach der Jagd keinerlei Schmerzen bereitet.

Der Nachmittag brachte eine ganze Reihe von Unterhaltungen. Vorerst fuhr ich mit Herrn Dumaresq-Thomas in eine Thee-Factorei, weil es mich sehr interessirte, die Bearbeitung des Thees kennen zu lernen. Es werden in geräumigen luftigen Sälen auf reihenweise übereinander gespannten Flanellagen die von den Theesträuchern abgenommenen Blätter gelegt und halb getrocknet. Dann gelangen diese halbgetrockneten Theeblätter in eine Maschine, welche dieselben zusammenrollt, und hierauf werden diese gerollten Blätter in einen Betrieb gebracht, in welchem dieselben mehr und mehr erhitzte Räume passiren. Nun wird dieser vollkommen getrocknete und hiermit fertige Thee noch maschinenmässig nach der Grösse sortirt, dann in sehr grosse Metallgefässe gepresst und schliesslich in die von England bezogenen Kisten verpackt. Da die jungen, kleinen Blätter einen höheren Werth haben als die alten grossen, so hat der Factorei-Besitzer auch eine Schneidemaschine zur Benützung gestellt, wo die zu grossen, schon gerollten Theeblätter in kleinere Formen geschnitten werden.

In der Factorei, in welcher ich war, werden in der trockenen Zeit täglich 3000-4000 Pfund, in der nassen Monsumzeit aber in drei Tagen nur 6000 Pfund Theeblätter verarbeitet. Hierzu will ich noch bemerken, dass man aus 4000 Pfund grünen Blättern etwa 1000 Pfund Thee erzeugt.

Dann besichtigte ich mit Herrn Thomas die anliegende Theepflanzung. Die ganz jungen, von Natur aus gerollten Blätter des Theestrauches liefern den besten Thee, je grösser und stärker aber die Blätter werden, um desto mehr vermindert sich der Werth des Thees. Der Theestrauch bringt kleine, weisse Blüten hervor; die Frucht, der Same ist grün und kugelförmig und hat etwa 1½ cm im Durchmesser. Dem Ansetzen der Frucht wird entgegen gearbeitet, weil fruchttragende Sträucher weniger Blätter ansetzen.

Von dieser Theeplantage fuhren wir in den Herrenclub, wo ich den Master der Elkjagd kennen lernte und von ihm eingeladen wurde, die am nächsten Tage, den 31. Mai, stattfindende Jagd, die letzte in dieser Saison, da am 1. Juni die Schonzeit eintritt, mitzumachen. Ich sagte mit Vergnügen zu. Dann machte ich dort mit Herrn Thomas eine Verlaufbillardpartie, welche ich respectabel verlor.

Sonach fuhren wir in ein anderes Clublocal, in welches auch Damen Zutritt haben, und in welchem sich die grossen Spielplätze für Fussball, Criquet, Croquet und Tennis befinden und auch ein Saal für das Balminsterspiel hergerichtet ist. Dort trafen wir verabredeterweise die Frau und die Schwägerin des Herrn Thomas, die auf Bicycles hingekommen waren. Wir spielten vorerst Balminster, eine Art Federballspiel über ein hoch gespanntes Netz, worin ich mich unter den anderen Spielern als Meister erwies. Dann spielten wir Croquet, wo ich aber aus dem Grunde weit zurückblieb, weil ich dieses Spiel schon seit 20 Jahren nicht mehr gespielt habe und an die dort eingeführten, sehr schweren Croquetschläger nicht gewohnt war. Ein plötzlich eintretender Monsum-Regenguss machte dem Spiele bald ein Ende. Tennis konnte des aufgeweichten Bodens halber nicht gespielt werden. Auf diese Weise war der Nachmittag recht unterhaltend vergangen. Wir fuhren heim. Da theilte mir Herr Thomas mit, dass in zwei Tagen in Colombo die Pferderennen beginnen, dass somit bei dem grossen Zuzug von Familien aus dem Innern des Landes das Hôtel überfüllt sein werde und dass er deshalb gleich an den österreichisch-ungarischen Consul telegraphiren wolle, mir ein Zimmer im Hôtel sicherstellen zu lassen. Auch dieser Vorfall zeigt, welche Aufmerksamkeit Herr Dumaresq-Thomas mir zuwendete.

Nach dem vortrefflichen Diner und einer kurzen Whistpartie ging ich bald zur Ruhe, da wir am anderen Tage schon um 6 Uhr frühstücken und um 6¼ Uhr Früh wegfahren mussten, um rechtzeitig bei dem Meet zu erscheinen.

Am 31. Mai langten wir ungeachtet des wieder eingetretenen schlechten Monsumwetters um 7 Uhr Früh zum Meet bei den Moonplains am Fusse der Patnasberge an. Die Moonplains sind in Ceylon dadurch berühmt geworden, weil unter den tiefen Wassertümpeln, die sich in dem kleinen Thale befinden, die sogenannten Mondsteine ausgegraben werden.

Einige Zeit später erschienen der Master der Jagd, sowie auch die Hundsmänner mit zwölf Koppeln (24 Stück) Hunde. Diese Hunde waren von verschiedenen Racen, und zwar vom Foxterrier bis zum Hirschhund. Die letztgenannten Hunde werden an der Kette geführt und erst dann losgelassen, wenn der Elk von den anderen Hunden gestellt worden ist. Dann stürzt sich der Hirschhund auf den Elk und haltet ihn fest, bis der Jäger denselben mit dem Waidmesser killt. Es sollen aber bei diesem Stellen und Killen des Elks schwere Verletzungen von Hunden nicht selten und selbst Todesfälle von Jägern vorgekommen sein. Der Elk ist, wie gesagt, ein Hirsch mittlerer Gattung, kommt im Geweih nicht über den Sechsender hinaus, ist aber sehr kräftig und zähe.

Die Hunde wurden nun losgekoppelt, erkletterten rasch die Lehne und eilten in die von dort aus sich weit auf- und abziehenden Dschungeln in der Suche nach einem Elk. Ich ging über Einladung des Jagdmasters mit demselben und auch Herr Thomas schloss sich uns an, während die übrigen Jagdtheilnehmer in verschiedenen anderen Richtungen den Hunden in die Dschungeln nacheilten. Auch wir erkletterten den Hang und drangen in die Dschungeln ein. Bald darauf hörten wir aus dem Laut der Hunde, dass dieselben einen Elk aufgestöbert hatten. Nun liefen wir, so schnell es in den Dschungeln bergauf und bergab gehen konnte, in einer Richtung vorwärts, in welcher wir den Elk anzutreffen hofften. Dann blieben wir zeitweilig an kleinen, dschungelfreien Stellen momentan stehen, um aus dem Laut der Hunde die Direction zu erkennen, in welcher der Elk weiter vorläuft; hierauf ging es wieder kopfüber in die Dschungeln hinein. Ich wurde von einer Art Jagdfieber ergriffen und kämpfte mich laufend durch die dichtesten Dschungeln durch, glitt auf dem nassglatten Boden aus, stolperte über liegende Aeste, zerkratzte mir Gesicht und Hände und fiel verschiedene Male gewaltig hin; doch beachtete ich dies kaum und lief nur dem vorauseilenden Master nach. Bald ging es vorwärts, bald nach rechts, bald nach links oder auch nach rückwärts, sowie es den Anschein hatte, dem Elk nahe zu kommen. Nachdem wir uns mühsam über eine Stunde in den Dschungeln durchgearbeitet hatten, wurden die Hunde nach und nach still, und dies bewies, dass sie den Elk momentan verloren hatten. Wir gingen nun wieder auf eine dschungelfreie Stelle, wo man aufrecht stehen konnte, um dort den weiteren Fortgang der Jagd zu erwarten. Da kam auch Herr Thomas zu uns heran, nachdem er sich im Verlauf der Jagd von uns getrennt und eine selbstgewählte Richtung eingeschlagen hatte, und erzählte, dass dort, wo er vorausgeeilt war, ein Elk auf ihn zugekommen sei, den er mit einem Seitensprung an sich vorbeitrollen liess, und dass er denselben hätte killen können, wenn er ein Jagdmesser bei sich gehabt hätte.

Nun ging ich mit Herrn Thomas, mich von dem Master trennend, in eine andere Richtung vor, wo nach Thomas' Meinung Aussicht war, dass ein Elk vorbeikommen werde. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde bald dahin, bald dorthin geeilt waren, hörten wir plötzlich auf einer offenen Anhöhe, etwa 500 Schritte von uns entfernt, die Hunde im tollen Laufe Laut geben. Dort wurde also der Elk von den Hunden aus den Dschungeln herausgetrieben, und nun ging es mit Aufbietung aller Kräfte im Laufschritt hinauf auf die Höhe. Als wir dort anlangten, waren der Elk und hintendrein die Hunde schon über die Höhe und von dort auf die jenseitige bewaldete Anhöhe gelaufen. Also jetzt vorwärts längs der Lehne, dann hinunter in das Thal, dort durch morastigen Grund bis an die an der jenseitigen Lehne sich hinziehende Strasse. Das war eine harte Arbeit. Herz und Lunge pochten und keuchten zum Zerspringen, und der Schweiss rann in Verbindung mit dem Wasser des strömenden Regens gemeinsam herab. Auf der Strasse fanden wir den Master und noch andere Jagdtheilnehmer, mit welchen besprochen wurde, die Jagd auf dem vorliegenden Berge fortzusetzen. Es ging also wieder hinauf und oben kreuz und quer, und dort begegneten wir einem Jagdgenossen, welcher einen der Hirschhunde an der Kette mit sich führte. Es schien aber, dass die Jagd zu Ende gehen werde, weil in keiner Richtung mehr ein Lautgeben der Hunde zu vernehmen war. Und so stiegen wir jenseits des Berges wieder thalab, bis zu der dort befindlichen Strasse, wo wir dann einen grossen Theil der Jagdtheilnehmer antrafen. Die Hunde hatten die Spur des Elks verloren und so musste die Jagd nach mehr als dreistündiger Dauer resultatlos geschlossen werden.

Herr Dumaresq-Thomas liess nun die auf der Strasse der Jagd beiläufig nachgefolgten Rikschas herbeiholen, und wir fuhren, nachdem ich noch dem Master meinen Dank für seine Einladung ausgesprochen hatte, heimwärts. Lange aber hielten wir das Fahren nicht aus, denn bei unserer totalen Durchnässung wurde uns zu kalt, und so stiegen wir aus und gingen noch 4 oder 5 km bis zum Astley-House zu Fuss. Dort thaten mir ein tüchtiger Schluck heissen Wassers mit Whisky, ein heisses Bad, tüchtiges Frottiren und frische Kleidung ausserordentlich gut, so dass ich mich dann voll Wohlbehagen fühlte.

Nach dem Tiffin machte ich mit den Damen noch eine nette Whistpartie und nach dem Diner rüstete ich mich zur Abreise. Der liebenswürdige Herr Dumaresq-Thomas begleitete mich bis nach Colombo.

Drei Tage habe ich in dem Hause des Herrn Thomas geweilt und hier das erste Mal das innere Leben einer englischen Familie kennen gelernt, und davon bin ich geradezu entzückt. Ein wahrlich guter Ton, ein ruhiges, heiteres Wesen und angenehme Umgangsformen breiten über das Haus ein einnehmendes und anmuthiges Wesen aus. Die Frau des Hauses besorgt ohne Unterlass den ganzen Tag in friedfertiger Ruhe die Haushaltung, sie lehrt und überwacht ihr Gesinde, controlirt die Einkäufe, leitet die Mahlzeiten u. s. w. Nachmittags sitzen die Damen in traulicher Weise bei einander und sind an der Anfertigung ihrer Toiletten u. s. w. beschäftigt, und Abends nach dem Diner vereinigt eine gemüthliche Whistpartie die Familienmitglieder. Dabei ist die Frau des Hauses stets von Anmuth und liebenswürdiger Heiterkeit erfüllt. Der Herr des Hauses ist immer zuvorkommend und sehr artig, und erfüllt im Uebrigen seine Functionen in Bezug auf seine Besitzungen und als Repräsentant seines Hauses. Die Tage, welche ich im Astley-House auf der paradiesischen Insel Ceylon zugebracht habe, gehören zu den schönsten Momenten während meiner fünfmonatlichen Reise.

D. Eisenbahnfahrt von N. Eliya nach und Aufenthalt in Colombo.

Auf dem Bahnhofe in Nuna oya zahlte ich auf meine Retourkarten eine Kleinigkeit auf, um im Waggon ein Bett hergerichtet zu erhalten, und so schlief ich recht gut, bis ich am 1. Juni um 6 Uhr Früh in Colombo anlangte. Auf dem dortigen Bahnhofe verabredete ich mit Herrn Dumaresq-Thomas das Zusammentreffen auf dem Rennplatze bei Colombo und lud ihn, da er am 1. Juni nicht zu mir in's Hôtel zum Diner kommen konnte, für den 2. Juni zum Tiffin ein. Hierauf übergab ich dem in Folge des Telegrammes auf dem Bahnhofe erschienenen Diener des Grand Oriental-Hôtels meinen Gepäcksschein, fuhr in einem Miethwagen in's Hôtel und der Diener führte mir mein Gepäck in einem mit zwei Ochsen bespannten Wagen nach. Solche Ochsenwagen und auch Personenmiethwagen, welche mit Ochsen bespannt sind, gibt es in allen Städten von Indien und von Ceylon. Diese Ochsen sind, wie schon erwähnt, klein, haben einen sehr hohen Widerrist und gehen auf längere Strecken in ununterbrochenem Trab vorwärts.

Im Hôtel wurde mir ein Brief übergeben, welcher die Antwort der Lloyddirection in Triest auf mein Schreiben aus Bombay enthielt. Ich hatte nämlich gebeten, mir eine combinirte Fahrkarte zukommen zu lassen, und zwar für die Fahrt von Kobe bis Colombo und von Port Said nach Triest auf den Dampfern des Lloyd, und von Colombo nach Port Said auf dem Dampfer einer anderen Gesellschaft, und erhielt nun die Antwort, dass die Lloyd-Dampfschiffahrtsgesellschaft mit keiner andern Dampfschiffahrtsgesellschaft im Verbanddienste stehe, dass aber die auswärtigen Lloydagenten mir bei dem Lösen der Karten der andern Gesellschaft nöthigenfalls behilflich sein werden. Auf diesen letztbezeichneten freundlichen Antrag bin ich aber nicht eingegangen, weil die Erfahrungen bei den Lloydagenturen in Kobe, in Hongkong, in Singapore und in Colombo mir nicht die Ueberzeugung verschafft haben, dass die Passagiere des Lloyd dort so eingehende Rathschläge und so zuvorkommende Unterstützung finden werden, wie solche sicher bei der Lloyd-Generalagentur in Bombay jedem Passagier zu Theil werden.

Bei unserem Consul Schulze, welchem ich einen Besuch machte, erfuhr ich, dass das Rennen Nachmittags um 4 Uhr beginnen werde. Von dort fuhr ich in Begleitung des Consulatssecretärs zur Agentschaft der P and O-Dampfschiffahrtsgesellschaft, um dort wegen des in Verlust gerathenen Gepäckstückes nachzufragen. Als mir der Agent mittheilte, dass ungeachtet der sorgsamsten Nachforschung dieses Collo nicht vorgefunden werden konnte, eröffnete ich ihm, dass zwei Zeugen vorhanden seien, welche in Kenntniss davon sind, dass das Gepäckstück mit den alten Waffen auf den Dampfer Coromandel gekommen ist, und zwar: der Hôtelier Hassner vom Hôtel Adelphi in Singapore und der Gepäcksofficier vom Dampfer Coromandel, und dass ich für den Fall, als das Collo mir nicht bald nachgesendet werde, die weiteren Schritte zu unternehmen willens sei. Nun bat der Agent, ihm eine geschriebene Klage einzuhändigen, da er dieselbe an die Direction der P and O-Gesellschaft nach London senden wolle, damit von dort aus die weitere Nachforschung und die Verfügung zur Austragung dieser Angelegenheit getroffen werde. Diese Zuschrift habe ich später gemacht und dieselbe durch die Gefälligkeit des Consulatssecretärs in die englische Sprache übertragen und expediren lassen. Nun will ich hier gleich mittheilen, dass ich zwei Monate später das Gepäckstück von London aus erhalten habe, dass aber der Inhalt theilweise beschädigt war, und mir daraus namhafte Transportsauslagen erwachsen sind.

Dann fuhr ich auf Anempfehlung des Consulatssecretärs in das Lagerhaus des Kaufmannes Telleri, welcher ein Landsmann aus Oesterreich-Ungarn sein soll, um dort irgend etwas von seinen Schmuckwaaren oder Curiositäten zu kaufen. Da aber die Preise der Waaren bei Tellerie beiläufig die doppelte Höhe der ähnlichen Gegenstände in Hongkong oder in Japan betrugen, so kaufte ich nur wenige Kleinigkeiten. Dort wurde mir mitgetheilt, dass sich eben vor kurzer Zeit noch ein Oesterreicher zum Zwecke des Verkaufes von Schmuckwaaren etablirt hatte. Ich fuhr nun auch dorthin und fand die Aufschrift »Moonshine«, zu deutsch »Mondschein«, und beurtheilte den Verkäufer für einen Galizianer. Er besass noch wenige Artikel und so kaufte ich bei ihm nur wenige der in Ceylon heimischen »Mondsteine« zu mässigen Preisen. Endlich fuhr ich dann noch in die Arcade nächst dem Grand Oriental-Hôtel, um bei den dort etablirten Juwelieren die Schmuckgegenstände mit den berühmten Ceylon-Edelsteinen zu besichtigen. Dort war ich bei wenigstens acht solchen Juwelenhändlern, welche sämmtlich aus ihren Gewölben herausgelaufen waren, um mich zur Ansicht ihrer Waaren zu bewegen, und nahm bei Allen wahr, dass sie von ihren gestellten Preisen um die Hälfte und noch mehr herabgingen.

Nach dem Tiffin wollte ich gelegentlich der Fahrt zum Rennplatz in die Villa des Consuls Schulze fahren, um dort seiner Frau noch einen Besuch zu machen, doch konnte der Kutscher, welcher vorher gesagt hatte, er wisse genau, wo die Villa stehe, nicht hinfinden, und so fuhr ich dann weiter auf den Rennplatz. Die Kutscher und die Rikschas sind in Colombo sehr unverlässlich. Dieselben sagen stets beim Einsteigen, sie kennen die ihnen angegebene Adresse, dann fahren sie eine Zeit lang herum und schliesslich gestehen sie, dass sie nicht wissen, wohin sie fahren sollen. Sie thun dies, um sich einen Fuhrlohn zu erwerben.

Der Rennplatz ist gut angelegt und wird in sehr gutem Stand erhalten. Die Pferde gehören einer besseren Classe an als jene, die ich bei den Rennen in Bombay, und einer weit besseren Classe als jene, die ich auf dem Rennplatze in Yokohama sah, denn in Colombo waren gute und schöne, auch aus England importirte oder nach englischen Pferden gezüchtete Rennpferde auf dem Platze erschienen.

Das Rennen gehörte zu den kleinen Racen, während das Hauptrennen im Herbste stattfindet. Es wurden am 1. Juni sieben Items auf flacher Bahn mit den Distanzen von etwas über und etwas unter einem Kilometer geritten. Im Allgemeinen wurde sowohl von den Herren, als auch von den Jockeys gut geritten, wenn auch keinesfalls in jenem Stil und mit jener Eleganz, wie wir sie bei unseren Officiersrennen zu sehen gewohnt sind.

Auf dem Rennplatze traf ich den Consul Schulze, Herrn Dumaresq-Thomas und die beiden deutschen Herren, welche sich mir in Kandy vorgestellt hatten. Ich lud den erstgenannten Herrn für den folgenden Tag zum Tiffin ein, wozu ich schon Herrn Thomas geladen hatte, und ich unterhielt mich während dieses Sportfestes recht gut.

Das Diner nahm ich dann im Hôtel in der Gesellschaft des Herrn v. Blücher und seines Freundes ein und ging frühzeitig zur Ruhe.

Am 2. Juni erhielt ich von der Agentie der Messagerie maritime die Nachricht, dass der Dampfer Australien schon um 4 Uhr Nachmittags abfahren werde, und so musste ich gleich die nöthigen Vorkehrungen für die Abreise treffen. Um 1 Uhr Mittags kamen meine Gäste Thomas und Schulze zum Tiffin, und verlief dasselbe in sehr animirter Stimmung. Der erstgenannte Herr lud mich noch beim Abschiede sehr freundlich ein, im nächsten Winter, in der Zeit von December bis April, auf mehrere Wochen zu ihm zu kommen, auch meinen Sohn mitzubringen, und wenn ich nicht kommen sollte, so möge doch mein Sohn ihn besuchen.

Mein siebentägiger Aufenthalt auf der Insel Ceylon hat mich ausserordentlich befriedigt, und wenn ich somit dem allenthalben landläufigen Dictum mich anschliesse, dass Ceylon das Paradies der Welt sei, so hat hierzu mein Aufenthalt im Astley-House sehr viel beigetragen.

Nach 3½ Uhr fuhr ich mittelst Wagen und dann mittelst Kahn zum Dampfer Australien. Bei dieser Gelegenheit will ich eine dort eigene Art von Kähnen besprechen. Der Kahn ist so schmal gebaut, dass darin nur eine Person der Breite nach sitzen kann, ausserdem ist der Kahn sehr lang und hat senkrecht aufstehende Seitenwände, welche weit über das Wasser hinaufreichen. Um diesem Kahn Stabilität zu geben, verbinden ihn an einer Seite zwei lange, gebogene Hölzer, mit einem gleichlaufend mit demselben auf der Wasseroberfläche schwimmenden Stamme. Dieser Kahn nimmt nebst den zwei Ruderern noch zwei Personen auf und fährt pfeilschnell über das Wasser hin.

Auf dem Dampfer Australien angelangt, übergab ich persönlich dem Gepäcksofficier meine im Gepäcksraume unterzubringenden Effecten, und stand nur aus dem Grunde von der Ausstellung eines Scheines ab, weil der Officier mir für die richtige Abgabe garantirte.

Auf dem Dampfer zeigte es sich, dass derselbe noch bis Abend mit Aufnahme von Kohle zu thun habe, und dass somit die Abfahrt erst spät Abends stattfinden wird. Die von der Messagerie-Agentie ausgegebene Nachricht von dem früheren Abgang des Australien war demnach unrichtig und es hat dieser Mangel an Voraussicht des Agenten mir leider die Möglichkeit benommen, Nachmittags einem grossen Criquetmatch beizuwohnen, zu welchem ich eingeladen war.

Auf dem Schiffsdeck wurde ich wieder von Schmuckhändlern, welche mit ihren Waaren auf den Dampfer gekommen waren, überlaufen, und sie überflutheten mich mit den Lobpreisungen ihrer Schmuckgegenstände und Edelsteine. Scherzweise drückte ich die gestellten Preise sehr stark herab und so musste ich dann, weil die Händler auf die niedrigen Preise eingegangen waren, noch einige Schmucksachen kaufen.

Eben zu dieser Zeit, als ich auf dem Australien-Deck stand, um die Abfahrt dieses Schiffes aus dem Hafen von Colombo zu sehen, wurde ich gewahr, dass der Lloyddampfer Marquis Bacquehem, welchen ich am 18. Mai in Singapore verlassen hatte, in den Hafen von Colombo einlief.

Fahrt von Colombo nach Port Said.

Am 2. Juni Abends fuhr ich auf dem Dampfer Australien der französischen Dampfschiffahrt Messagerie maritime von Colombo in westlicher Richtung ab, an dem Südcap von Vorderindien vorbei und quer durch den Indischen Ocean gegen den Golf von Aden. Von dort hatte der Dampfer durch das Rothe Meer und hierauf durch den Suez-Canal zu fahren, und sollte nach zehn Tagen, also am 12. Juni, in Port Said eintreffen.

Mir wurde eine Cabine mit zwei Betten zugewiesen. Diese war aber kleiner und schmäler als die Cabinen auf den Lloyd- und auf den P and O-Dampfern sind. Für die Fahrkarte erster Classe hatte ich, wie schon gesagt, von Colombo bis Port Said 500 fl. ö. W., d. i. für jeden Tag 50 fl. zu zahlen, während die Fahrkarte erster Classe von Colombo bis Marseille 570 fl. ö. W., d. i. für jeden der 14½ Tage Fahrtzeit 40 fl., kostet. Wenn auch die Dampfer der Messagerie maritime schneller fahren als die Dampfer der übrigen Gesellschaften, und weiter berücksichtigt wird, dass auf diesem Dampfer das Getränk zu den Mahlzeiten kostenlos beigestellt wird, so sind die Preise doch verhältnissmässig sehr hoch. Auf dem Dampfschiffe der P and O-Gesellschaft hatte ich, wie seinerzeit angeführt, für sechs Tage Fahrt 168 fl. ö. W., d. i. für den Tag 28 fl. ö. W., zu zahlen.

Um sich ein Bild über die Fahrtverhältnisse bei den verschiedenen Dampfschiffahrtsgesellschaften zu machen, folgt nachstehend eine Zusammenstellung der approximativen Fahrtgeschwindigkeit und der Fahrpreise erster Classe auf den Dampfern der vier hervorragendsten Dampfschiffahrtsgesellschaften. Bei der Fahrtgeschwindigkeit sind die Aufenthaltszeiten eingerechnet. Für die Preise erster Classe werden die Fahrt, die Unterkunft in der Cabine, fünf Mahlzeiten, Beleuchtung, Bad u. s. w. geboten; auf den Dampfern der Messagerie auch die Getränke zu den Mahlzeiten.

DampfschiffahrtsgesellschaftSeemeilen
per Tag
Preis per
Tag in
fl. ö. W.
Preis für
100 Seemeilen
in fl. ö. W.
Messagerie maritime35040·—11·43
P and O27728·—10·11
Norddeutscher Lloyd28025·50 9·11
Oesterreichischer
Lloyd
Schnelldampfer29430·—10·20
Gewöhnlicher
Dampfer
für vereinte erste und
zweite Classe
166 8·50 5·12

Ein sehr verdienstvolles Werk wäre es, wenn Jemand ein Coursbuch für den Personenverkehr der bedeutenden Dampfschiffahrtsgesellschaften herausgeben würde, aus welchen die Fahrtzeiten und die Preise entnommen werden können, wie solche Bücher für die Eisenbahnzüge bestehen. Cook gibt wohl ein ähnliches Buch heraus, es sind aber in demselben nur die Fahrtzeiten und nicht die Preise angegeben.

Ueber die Fahrt von Colombo nach Port Said werde ich gleich die gesammten, während der Fahrt erhaltenen Eindrücke anführen, und werde dann für die einzelnen Tage nur die besonderen Ereignisse anfügen.

Die Reinlichkeit auf dem französischen Dampfschiffe Australien war sowohl im Allgemeinen als auch in den Cabinen viel geringer als jene auf den Schiffen des Oesterreichischen Lloyd und der P and O-Gesellschaft. Bei der letztgenannten Gesellschaft besteht die sehr gute Gepflogenheit, dass der Schiffscapitän mit den dienstfreien Schiffsofficieren um 11 Uhr Vormittags das ganze Schiff und auch alle Cabinen besichtigt, und dass er dabei die Wünsche und Beschwerden der Passagiere entgegennimmt.

Auch die Kost war auf dem Australien nicht so gut und nicht so reichlich bemessen, wie auf den Dampfern des Oesterreichischen Lloyd und der P and O-Gesellschaft.

Die Bewegung des Schiffes, speciell das Rollen, war auf den Schiffen der Messagerie sehr arg, so dass sehr viele Passagiere sich auf demselben unwohl fühlten, und dass manche seekrank wurden. In dieser Hinsicht fährt es sich auf den Dampfern des Oesterreichischen Lloyd am besten.

Die Seekrankheit entsteht häufig aus der Schwierigkeit des Stehens und Gehens auf schwankendem Boden. Beim Stehen soll der Oberleib sich immer nach den verschiedenen Seiten derart neigen, damit er die verticale Haltung einnimmt, und dies kann so schwierig werden, dass man es nur mit dem Anhalten an festen Gegenständen erlangen kann. Beim Gehen kommt noch dazu, dass der Fuss keine gleichmässige Basis findet, dass er bald tiefer und bald höher auftreten muss, und dass dadurch das Schwanken noch ärger wird. Dieses fortwährende Schwanken und die damit in Verbindung stehende Anstrengung erzeugen bei manchen Menschen das Gefühl des Schwindels, und hierzu mag dann noch bei Manchen das Gefühl der Angst hinzutreten. Die Mittel zur Bekämpfung dieses Uebels liegen zum grossen Theil in der Ruhe des Nervensystems, in der Aufnahme der begründeten Ueberzeugung, dass das Umkippen eines so grossen Dampfers ganz unmöglich ist, und in der Angewöhnung des Körpers an die schaukelnde Bewegung, wie dies auf Schaukeln oder auf Schaukelstühlen herbeigeführt werden kann. Alle übrigen angerathenen Mittel betreffs Essens, Trinkens etc. erscheinen nicht massgebend. Jedenfalls wird ein kräftigeres Nervensystem einem solchen Unwohlsein viel besser widerstehen können, als ein geschwächtes oder ein krankes Nervensystem.

Was die Ventilation anbelangt, so war für selbe auf Australien sehr gut gesorgt, und dies ist eine Massregel, welche bei der grossen Hitze in den Tropen sehr wohlthuend wirkt.

Die Gesellschaft der ersten Classe auf dem Dampfer bestand aus 70 Personen, darunter etwa 20 Engländer und Engländerinnen, etwa 20 französische Officiere, welche nach 1½ jähriger Dienstverrichtung in Tonking wieder nach Frankreich versetzt wurden, etwa 10 andere Franzosen, dann 10 Spanier, welche von den Philippinen flohen und nun nach Spanien zurückkehrten, und 10 Personen verschiedener Nationalitäten, worunter auch ich mich befand. Dabei gab es leider viele Kinder jeden Alters, und unter diesen Kindern viele, die schlecht erzogen, und unter den betreffenden Müttern manche, welche ihren Kindern zu Liebe gegen die Mitreisenden recht rücksichtslos waren. Das gesellschaftliche Verhalten der Reisenden in der ersten Classe war weit weniger angenehm, als auf dem Dampfer des Lloyd und auf jenem der P and O-Gesellschaft. Lärmen, Pfeifen etc. und mangelhafte Toiletten waren hier nicht selten. Die Engländer, welche sich auf ihren Schiffen so correct benehmen, zeigten sich hier weit weniger ruhig und zurückhaltend. Ich verhielt mich ganz zurückgezogen, machte mich nur mit dem Schiffscapitän bekannt und ersuchte ihn, mich den anwesenden zwei höchsten französischen Officieren zu nennen, weil ich dies, als auf dem französischen Boden befindlich, für angezeigt erachtete. Diese beiden Herren, ein Oberst der Infanterie und ein Linienschiffscapitän, waren sehr artig und höflich, doch blieb ich auch gegen diese beiden Herren nur auf dem Begrüssungsfusse. Meine Tischnachbarn waren der Holländer N. v. H. und der russische Schiffsingenieur L. mit seiner Frau, und mit diesen führte ich während der Mahlzeiten Conversation, mit Ersterem spielte ich auch Abends auf dem Damenbrett oder Domino und dergleichen. Bezüglich des russischen Ingenieurs will ich noch mittheilen, dass ihm als russischen höheren Beamten der Titel »General« zukam, und dass er von Wladiwostok, dem Orte, an welchem die der Vollendung entgegen gehende sibirische Bahn ihren Abschluss finden wird, nach Petersburg versetzt wurde.

Im Uebrigen beschäftigte ich mich Vor- und Nachmittags mit dem Schreiben meines Tagebuches und mit Lectüre, und befand mich dabei sehr wohl. Mein Hüftschmerz war wohl nicht ganz behoben, bestand aber doch nur, dank meiner täglichen Früh- und Abendbehandlung, im geringen Masse.

In der Zeit vom 2.-7. Juni fuhren wir quer durch den Indischen Ocean und hatten dabei grosse Hitze, hie und da auch Regengüsse und meistentheils heftigen Wind, somit starkes Rollen des Schiffes zu ertragen. Der gefürchtete Monsum meldete sich auf diese Weise an, war aber noch nicht voll eingetreten.

Am 7. Juni hatte sich ein heftiger Orkan erhoben, und dieser brachte den Australien in ein derartiges Rollen und überschüttete das Deck in so starker Weise mit Wogenschaum, wie ich solches bisher nicht erlebt hatte. Mein Wohlbefinden wurde aber dadurch nicht berührt. Um 2 Uhr Mittags, als das Schiff längs der Nordküste der Insel Sokotra vorbeifuhr, trat rasch windstilles Wetter und ganz ruhige See ein, worüber die armen Seekranken hoch erfreut waren. Diese Insel liegt nahe der Nordostspitze von Afrika am Eingange in den Golf von Aden.

Am 8. Juni durchfuhren wir diesen Golf bei spiegelglatter See. In der Luft befand sich Nebel, daher waren der Himmel hellblau, der Sonnenschein getrübt und die Temperatur schwül. Am südlichen Horizont sah man das Somaliland. Die Hitze nahm zu, und damit stellte sich ein unstillbarer Durst ein, welcher gelöscht werden musste. In den Tropen ist es nicht gerathen, viel geistige Getränke zu sich zu nehmen; da aber das Trinken nur destillirten Wassers zu fade ist und hier auf dem französischen Schiffe Whisky mit Soda nicht gebräuchlich war, so trank ich mit Wasser verdünnten Wein, wozu die Diener reichlich Eisstücke zugaben oder sehr viele Tassen Thee, welche ich mit kaltem Wasser verdünnte. Auf den Schiffen kann das Eis unbesorgt in das Getränk gegeben werden, weil dasselbe aus destillirtem Wasser erzeugt ist.

Die Nacht vom 8. zum 9. Juni war entsetzlich. Ich musste nämlich das Fenster meiner Cabine schliessen, weil sonst eine so arge Zugluft entstanden wäre, die eine weitere Verkühlung trotz angezogener Wollnachtkleider herbeigeführt hätte, dann jedoch befand ich mich in einem derartigen Schwitzbade, dass meine Wollkleider ganz durchnässt waren. Aber auch diese Nacht hatte ein Ende, und das in der Früh genommene 22° R. betragende Meerwasserbad brachte doch einigermassen Abkühlung.

Am 9. Juni fuhren wir durch die Wasserstrasse von Babel Mandeb (Thor der Thränen) in das wegen seiner formidablen Hitze gefürchtete Rothe Meer. Eine kühle Nordbriese behütete mich vor allzu grossen Leiden, und auch die Nacht war besser, als die vorhergegangene.

Auch am 10. Juni brachte uns eine Nordbriese in wohlthätiger Weise etwas Kühlung zu. Im Laufe des Vormittags begleiteten das Schiff eine Strecke weit eine Schaar von Delphinen, welche sich durch Springen über die Oberfläche des Meeres bemerkbar machten.

Am 11. Juni (Sonntag) las ein mit dem Schiffe reisender katholischer Missionär, mit langem grauen Bart, die Messe und derselben wohnten alle auf dem Schiffe anwesenden Katholiken bei.

Wir waren bei Passirung des Rothen Meeres sehr begünstigt, denn bei heiterem Himmel blies ein frischer Nordwind immer heftiger, welcher die glühend heisse Luft abkühlte und dabei doch nicht so heftig war, dass das Schiff in starke Schwankungen versetzt wurde.

Am 12. Juni war in Folge des fortgesetzten Nordwindes die Temperatur schon so mässig geworden, dass statt der Leinenkleidung solche aus Wolle genommen werden musste. Nach dem Fahrplan der Messagerie maritime hätte der Dampfer heute nach Port Said gelangen sollen, es wurde aber durch den entgegen blasenden Wind etwas an Zeit verloren, und so kommt das Schiff heute um 3 Uhr Nachmittags nach Suez und wird erst am 13. Juni etwa 9 Uhr Früh in Port Said eintreffen.

In Suez wurde das Deck des Schiffes von Kaufleuten überschwemmt, welche ihre Waare, auf dem Boden ausbreitend, zum Verkaufe feilboten. Darunter befand sich viel werthloser Kram, aber auch sehr schöne und gute Waaren, welche jedoch sämmtlich im Preise zu hoch gestellt waren. Ich erstand nach längerem Feilschen ein Spitzentuch, welches sehr gut zu sein scheint, weil vorher mehrere Damen dasselbe bewundert hatten.

Wegen des kurzen Aufenthaltes in Suez überschiffte ich mich nicht auf's Land, gab aber ein Telegramm an das Consulat in Port Said auf, in welchem ich bat, dortselbst einen Hôtel-Boy auf das Schiff senden und bei der Lloydagentur einen Platz für mich reserviren zu lassen.

Die Einfahrt in den Suez-Canal, sowie die weitere Fahrt in demselben war, wie immer, höchst interessant. Ich habe darüber schon geschrieben, und ich will nur noch erwähnen, dass für die Erhaltung des Canales wenig geschieht, dafür aber die dort Angestellten überaus gut leben, und dass auch sehr grosse Dividenden ausgezahlt werden. Der Ausblick auf die beiderseits des Canales sich unabsehbar ausdehnende Wüste mit allen den Sandwellen und Sandhügeln im gelben Abendsonnenschein fascinirte mich in ebenso hohem Masse, wie bei der Hinfahrt.

Ankunft in Port Said und Weiterfahrt nach Marseille.

Am 13. Juni Früh hatte ich mein Gepäck für die Ueberschiffung nach Port Said bereit gestellt und wartete nach der Einfahrt unseres Dampfers in den Hafen auf den Boy, welcher meine Colli übernehmen und in das Hôtel bringen sollte. Dieser Boy kam aber nicht, sondern es erschien der Vertreter des Consuls, nachdem Consul M. auf Urlaub gefahren war, und brachte mir die für mich sehr fatale Nachricht, dass die von Bombay nach Triest verkehrenden Lloydschiffe, der Pest in Aegypten halber, in Port Said keine Passagiere aufnehmen dürfen. Es werden also von Oesterreich-Ungarn strengere Massregeln gegen die Einschleppung der Pest getroffen als von Frankreich, denn die Schiffe der Messagerie maritime nehmen in Port Said anstandslos Passagiere auf und laufen vier Tage später ungehindert in den Hafen von Marseille ein.

Ich war demnach gezwungen, meinen Plan für die Weiterreise wieder zu ändern. Vorerst erwog ich, ob es nicht am zweckmässigsten sei, von Port Said nach Alexandrien zu fahren, mich dort in dem jeden Samstag nach Triest abgehenden Lloyddampfer einzuschiffen und dann vor Triest eine achttägige Quarantaine mitzumachen. Darauf theilte mir jedoch der Consulstellvertreter mit, dass er bestimmt wisse, in Alexandrien seien schon auf mehrere Wochen hinaus alle Plätze auf den Lloyddampfern vergeben, weil von dort sehr viele Europäer, der Pest halber, fliehen. Hiermit entfiel diese Unternehmung und es blieb mir nichts Anderes zu thun übrig, als mit dem Dampfer Australien weiter bis Marseille zu fahren, um von dort dann in die Heimat zu gelangen. Dies war für mich wohl sehr unangenehm, weil daraus einerseits bedeutende Mehrauslagen erwuchsen, und weil mir andererseits die Beschwerlichkeit einer sehr langen Eisenbahnfahrt bevorstand; ich ertrug aber mit Ruhe dieses auf mir ruhende Fatum, nur mit Bewältigung vieler Schwierigkeiten heimkehren zu können, und liess mir meine gute Stimmung nicht verderben, sondern suchte nun die besten Verhältnisse für die Weiterreise zu finden.

Vorerst theilte ich dem Gepäcksofficier von Australien mit, dass ich weiterfahren werde, und bat ihn, meine Cabine nicht an neu eintretende Passagiere zu vergeben und mein Gepäck bis nach Marseille weiter zu führen; dann löste ich in der Messagerie maritime-Agentur zu Port Said die Karte zur Weiterfahrt nach Marseille um 70 fl. ö. W., und endlich erhob ich, dass die beste Linie für die Heimkehr von Marseille jene über Paris nach Wien sei. Von Marseille geht täglich nach 7 Uhr Abends ein Eisenbahnzug nach Paris ab und dieser langt dort am folgenden Tage, etwa 9 Uhr Früh, an. Von Paris geht dann wieder Abends ein Eisenbahnzug ab, welcher nach circa 24 Stunden in Wien eintrifft. Die Fahrkarte erster Classe von Marseille nach Paris kostet 95 Francs und jene von Paris bis Wien 195 Francs, also beträgt der Preis für die Bahnfahrt 290 Francs oder etwa 140 fl. ö. W. Es bleibt mir dann ein Tag zur Besichtigung des mir ohnehin schon bekannten Paris zur Verfügung.

Nun ging es wieder weiter, und zwar in das Mittelländische Meer hinaus. Die Route des Dampfers geht durch die Wasserstrasse von Messina zwischen Italien und Sicilien, dann durch jene von Bonifacio zwischen den Inseln Corsica und Sardinien nach Marseille, und es soll dieser Hafenplatz in vier Tagen, also am 17. Juni, erreicht werden.

Am 14. Juni war das Wetter klar, aber windig und so kühl, dass man sich in Wolle kleiden musste. Im Laufe des Nachmittags kamen die Berge und die Südküste von Kandia zu Gesicht, und ich dachte zurück an die Zeit, in welcher ich diese Insel vor etwa fünf Monaten gesehen habe, als ich auf dem Lloyddampfer Maria Theresia in freudevoller Hoffnung in die Ferne hinausfuhr, und nun fühlte ich mich hoch befriedigt über das grosse Vergnügen, welches mir diese Reise bereitet hat.

Am 15. Juni waren die gleichen Witterungsverhältnisse wie am Tage vorher. Nachmittag sah ich die Berge von Süditalien und im Laufe der Nacht durchfuhren wir die Meerenge von Messina und kamen an der einst so gefürchteten Scylla und Charybdis vorbei.

Der 16. Juni ist der letzte volle Tag, welchen ich auf dem Dampfer Australien der französischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft Messagerie maritime verlebte, und da will ich nun noch meine weiteren Erfahrungen über die Existenz auf diesem Schiffe mittheilen. Der Mangel an Reinlichkeit auf dem Schiffe zeigte sich auch darin, dass Bettwäsche, Handtücher, Servietten u. s. w. recht selten gewechselt, und dass das Putzen der Kleider und Schuhe recht mangelhaft war. Die Bedienung war nicht sorgsam und bei der Kost musste ich es sehr oft beklagen, dass alle Gattungen gekochten oder gebratenen Fleisches recht zähe, hie und da auch angebrannt waren. Wie schon erwähnt, wurde das Leben auf dem Dampfer auch durch das den ganzen Tag währende Schreien, Quitschen und Tollen der Kinder verbittert. Wenn schon die betreffenden Eltern dies ungeahndet geschehen liessen, so hätte doch der Schiffscapitän oder einer seiner Organe zum Wohl der übrigen Passagiere dagegen einschreiten sollen. Aber auch in dieser Hinsicht war keine Einwirkung wahrnehmbar, dagegen wurden die Passagiere gedrängt, Geldspenden zu geben, und zwar einerseits in Form einer Lotterie für ein kleines Schiffchen zu dem Zwecke, den Erlös der Schiffsmannschaft des Dampfers zukommen zu lassen, und andererseits in Form eines recht unmusikalischen Concertes, um den Ertrag desselben der Sammlung für die verunglückten französischen Schiffsleute zuzuwenden.