G. Zweiter Aufenthalt in Kobe und Ausflug nach Himeji.

Am 27. April traf ich Vormittags wohlbehalten in Kobe ein. Ich fuhr zuerst in das Hôtel, wo der Preis der Pension für den Tag auf 7 Yen = 8 fl. 40 kr. festgestellt wurde, und begab mich dann zum Lloydagenten, um mich zu erkundigen, ob der Dampfer Marquis Bacquehem die für den 30. April bestimmte Abfahrtzeit von Kobe pünktlich einhalten werde. Die mir ertheilte Antwort lautete dahin, dass aller Wahrscheinlichkeit nach keine Aenderung in dem festgesetzten Fahrtprogramme eintreten werde.

Von hier aus suchte ich den Gärtner Tomiyama in der Shi-chome Nr. 5 auf, bei welchem ich die prächtige, meterhohe Pflanze Cycas revoluta zu dem billigen Preise von 3 fl. 60 kr. erstand. Hierauf verfügte ich mich in mehrere Porzellanhandlungen behufs Auswahl von schönen, grossen japanischen Vasen, und schliesslich in die Lackwaaren-Verkaufshalle von Shidzoaka Shikki Kaisha in der Thimoyamati-dori Nr. 14, wo ich eine grössere Anzahl von sehr hübschen und reizend ausgeführten Lackgegenständen kaufte.

In das Hôtel zurückgekehrt, fand ich die Visitkarte eines Herrn E. C. vor, welcher sich nach den diesfalls gepflogenen Erhebungen des Hôteliers als der Vertreter des Import- und Exporthauses Reimers entpuppte.

Am 28. April begab ich mich in den Morgenstunden zuerst in die Porzellan-Verkaufshalle Nishida, um den Ankauf der Vasen sammt Verpackung und Transport auf das Schiff perfect zu machen, und liess mich dann durch meinen Rikscha nach der Wohnung des oberwähnten Herrn C. fahren, um demselben einen Gegenbesuch abzustatten. Derselbe stellte sich mir als Oesterreicher vor, und fügte hinzu, dass er meine hiesige Ankunft den Zeitungen entnommen habe und sich mir zur Verfügung stellen wolle. In weiterer Fortsetzung des Gespräches bot er sich an, mich Nachmittags in den Deutschen Club von Kobe einzuführen, um dort des Abends einem humoristischen Vortrage eines herumreisenden deutschen Künstlers beizuwohnen. Gleichzeitig lud er mich für den nächstfolgenden Tag zum Diner ein, wozu er auch alle in Kobe weilenden Oesterreicher und Ungarn heranziehen wollte. Mit Dank nahm ich seine gefälligen Anträge und seine Einladung an.

Nach dem Tiffin ging ich in die Verkaufshalle von Kuhn & Komer gegenüber dem Hôtel Oriental und kaufte bei Kuhn, welcher ein Wiener ist, mehrere sehr interessante Gegenstände, darunter auch eine sehr alte Rüstung mit Brust-, Rücken-, Arm- und Beinschienen, sowie Seidenbroderien und eine Pickelhaube mit schreckhafter Gesichtsmaske, auf welcher ein Borstenbart angebracht war, sammt der dazu gehörigen Kiste zu verhältnissmässig billigem Preise. Dann besichtigte ich noch das übrige Waarenlager und fand dort prachtvolle Muster von Embroderien, Vorhängen, Schirmen, Cloisonnes, gemalten Porzellanservicen, Elfenbeinschnitzereien u. s. w. zu mässigen Preisen, so dass ich nach den gemachten Erfahrungen die beiden Verkaufshäuser von Kuhn in Yokohama und von Kuhn & Komer in Kobe als die besten Ankaufsstellen in Japan bezeichnen muss.

Hierauf besichtigte ich noch das Deutsche Clubhaus. Dasselbe ist ein ansehnliches Gebäude in sehr schöner Lage und hat vor sich einen grossen, gut hergerichteten Raum, auf welchem sich Tennisplätze, Radfahrschulplätze u. s. w. befinden.

Nach dem Diner kam ich abermals in den Club zurück, um den Vortrag des deutschen Dramaturgen (!) anzuhören. Die gewählten Vortragsstücke waren weder humoristisch noch geistvoll, und der Künstler hatte das Missgeschick, überhastet zu sprechen und die verschiedenen Modulationen unrichtig anzubringen. Wenn also dieser Theil der Abendunterhaltung nicht nach Wunsch einschlug, so war dies doch im vollen Masse der Fall bei den Musikvorträgen, welche einige Clubmitglieder auf Violine, Viola und Clavier zum Besten gaben. Es wurden meist Tonstücke von Mozart gespielt, und diese wurden meisterhaft vorgetragen. In den Zwischenpausen fand ich bei den mich umgebenden jüngeren Herren eine mir sehr zusagende Unterhaltung, und freute mich herzlich darüber, dass ich durch die Artigkeit des Herrn C. in einem fernen Welttheile mit sympathischen Landsleuten zusammengekommen war.

Den 29. April hatte ich dazu bestimmt, mit der Eisenbahn nach Himeji zu fahren und dort einen Generalstabs-Obersten zu besuchen, für welchen ich von dem japanischen Militär-Attaché in Wien einen Empfehlungsbrief mitbekommen hatte. In Rückerinnerung an die in Osaka gehabten Schwierigkeiten, das für den dortigen Commandanten der Truppendivision bestimmte Schreiben an seine Adresse gelangen zu lassen, hatte ich dieses Mal, bereits am 27. April, an den in Rede stehenden Generalstabs-Obersten geschrieben, und dem Schreiben den Brief des Militär-Attaché beigelegt. In diesem meinem Schreiben theilte ich dem Obersten mit, dass ich am 29. April, um halb 11 Uhr Vormittag, am Bahnhof in Himeji anlangen und von dort zu ihm zu Besuch fahren werde, und fügte die Bitte bei, mir dort einige militärische Einrichtungen freundlichst zeigen zu wollen. Diesen Brief gab ich, der grösseren Sicherheit halber, recommandirt bei der Post auf. Bei meiner Ankunft in Himeji war ich etwas verwundert darüber, Niemand auf dem Bahnhofe zu finden, der mich empfangen und zu dem betreffenden Obersten geleitet hätte. Ich nahm nun einen Rikscha auf — englisch sprechende Rikschas gibt es in Himeji nicht — und wies ihn an, mit Zuhilfenahme der Angaben über die japanische Sprache in Murray's Handbuch für Japan, mich zum Castell zu fahren. Vor dem Castell breitet sich ein grosser Exercierplatz aus, wo vielleicht an 20 Compagnien ihre militärischen Uebungen machten. Dort stieg ich aus und vermuthete, dass nun der Oberst an mich herankommen werde. Als dies aber nicht erfolgte, fragte ich einen japanischen Officier nach dem Generalstabs-Oberst. Der Officier schien mich nicht zu verstehen und wies nur mit der Hand nach dem Castelleingange. Ich folgte dieser Weisung, ging dann an der Wache vorbei, und beabsichtigte, im Innern des Castells irgendwo das Wohnhaus zu erreichen. Da wurde mir aber von der Wache nachgerufen und mimisch bedeutet, wieder das Castell zu verlassen. Ich versuchte, mich nun dem Wachcommandanten, einem Unterofficier, verständlich zu machen, allein meine Bemühungen blieben erfolglos, und so kehrte ich wieder zum Exercierplatze zurück, sah mir die Uebungen an, hoffend, dass mich endlich der Oberst aufsuchen werde. Doch wer nicht kam, war mein guter Oberst, und erst vier Monate später erhielt ich in der Heimat von ihm einen Brief des Inhalts, dass es ihn sehr freuen werde, mich in Himeji empfangen zu können. Es muss also in diesem Falle eine unerklärliche Confusion vorgewaltet haben; Thatsache ist es immerhin, dass ich mit den Anempfehlungen des Militär-Attaché in Wien kein sonderliches Glück in Japan hatte.

Um nun nicht ganz umsonst nach Himeji gekommen zu sein, sah ich längere Zeit hindurch dem Exercieren der Fusstruppen zu, und constatirte dabei, dass dasselbe noch viel exacter und strammer war, als jenes, das ich in Tokio gesehen und beschrieben habe. In Himeji wurden von der Infanterie auch der Marsch auf der Stelle und der Paradeschritt geübt, aber auch hier kam der sehr schwerwiegende Fehler der auffallend kurzen Schritte zum Vorschein. Feuergefechtübungen wurden gar nicht vorgenommen. Beim Einrücken der Truppenabtheilungen, zur Mittagszeit, beorderte ich meinen Rikscha, mich in das von Murray bezeichnete Gasthaus zu führen. Dort angelangt, sah ich weder Gäste noch Küchenvorbereitungen, und als mir gar von der Wirthin zugemuthet wurde, meine Schuhe auszuziehen, da verzichtete ich auf die sehr fragliche Bewirthung, die wohl nichts Ordentliches zum Essen geboten, aber desto sicherer, bei abgelegten Schuhen, eine Erkältung herbeigeführt hätte. Ich steuerte nunmehr dem Bahnhofe zu, und kaufte mir dort von Einem der Leute, welche bei der Durchfahrt der Züge Esswaaren und Getränke feilbieten, jene Sorte von Speisen, welche mir als die geniessbarste erschien, in Gestalt von kleinen Teigleibchen und eine Flasche Bier sammt einer Theeschale, da es keine Gläser gibt. Um nicht einen Wartesaal betreten zu müssen, der in Japan stets schmutzig ist, wo sonst doch Alles so rein gehalten wird, nahm ich mein Mahl auf dem Perron ein.

Um ½2 Uhr Nachmittags ging der Zug von Himeji ab, und um ½4 Uhr war ich wieder in Kobe.

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, abermals einige Bemerkungen über das Fahren auf der Eisenbahn in Japan zu machen, wenn ich auch theilweise dabei auf das zurückkomme, was ich schon früher hierüber gesagt habe. Es ist unbegreiflich, wie vernachlässigt die Waggons sind, und wie rücksichtslos und ungesittet sich die Japaner auf der Eisenbahn benehmen. Räuspern, Gähnen, überlautes Husten und Brüllen, lautes Lesen, ohrenbetäubendes Singen, Ausziehen der Schuhe, des Rockes u. dgl. m. sind bei den japanischen Passagieren erster Classe an der Tagesordnung.

Die Frachten, welche auf der Bahn befördert werden, sind meist nur in ein sehr gutes und festes Binsengeflecht gewickelt.

Die Häuser auf dem Lande sind theils mit Stroh, theils mit rinnenartig erzeugten Ziegeln gedeckt, haben so wie in der Stadt Holz- oder Lehmwände, sind mit Zäunen umschlossen, haben Schiebethüren und mit Oelpapier verklebte Fenster.

Die Menschen auf dem Lande sind so wie die arme Classe in der Stadt bekleidet, und zwar ohne Kopfbedeckung, mit talarartigen Kleidern, welche die Männer häufig hoch aufgeschürzt haben, ohne Wäsche und an den Füssen Holzsandalen mit Stöckeln. Die Männer tragen oft nur kurze Hosen und gehen meist barfuss.

Bei Regen werden grosse Schirme aus Oelpapier getragen oder statt dessen überdecken sich männliche Arbeiter mit Mänteln, welche aus herabhängendem Stroh erzeugt sind und guten Schutz gegen das Nasswerden gewähren sollen.

In meinem Hôtel in Kobe angelangt, legte ich mein Gepäck zurecht und zahlte meine Hôtelrechnung aus, die für zwei und einen halben Tag sammt Trinkgeldern auf die Summe von 20 Yen = 24 fl. zu stehen kam. Dann verfügte ich den Transport meiner Colli an Bord des Dampfers Marquis Bacquehem und begab mich auch dahin.

Für die Fahrkarte von Kobe nach Colombo, das ist für 25 Tage, hatte ich 100 Goldgulden = 120 fl. ö. W. zu zahlen, und zwar 90 fl. für die Kost und 30 fl. für die Reise; die Begünstigung für Officiere abgerechnet, würde sich der gewöhnliche Preis auf 125 Goldgulden = 150 fl. ö. W. stellen.

Nachdem ich auf dem Dampfer alle meine Sachen in Ordnung gebracht und meine Toilette fertiggestellt hatte, fuhr ich in den Deutschen Club, wo ich mit Herrn C. ein Rendez-vous verabredet hatte, und ging mit ihm in seine Wohnung. Dieselbe nimmt einen ganzen ersten Stock ein, gewährt einen hübschen Blick auf den nahen, von Schiffen belebten Hafen, von welchem frische Luft zuströmt, und ist in allen Einzelheiten reizend hergerichtet. Unter anderen Kunstgegenständen stand auf einem Kamingesimse ein aus Schildkrothorn stilvoll ausgearbeiteter Rikschawagen. Als ich über denselben mein grosses Gefallen äusserte, war Herr C. so liebenswürdig, mir letzteren zu widmen, und als ich dies dankbar ablehnte, brachte er mir selben, gelegentlich der Begleitung auf das Schiff, in meine Cabine. Ich werde ihm hierfür mit Dank das Prachtwerk »Glimpses of India« senden.

Zum Diner bei Herrn C. waren noch die in Kobe wohnhaften Landsleute, sowie ein deutscher und ein russischer Staatsangehöriger eingeladen. Das Essen war ebenso gut als die Conversation unterhaltend, und die ausgebrachten Toaste, deren erster unserem Allergnädigsten Kaiser und König galt, waren ganz dazu angethan, die Stimmung zu erhöhen. Nach dem Diner producirte sich einer der Gäste, Herr v. R., ein gebürtiger Ungar, auf der Zither mit einer Kunstfertigkeit und Virtuosität, wie ich selbe auf diesem Instrumente noch selten gehört habe.

Um 11 Uhr Nachts begleiteten mich sämmtliche Herren auf das Schiff und dort empfing ich sie auf heimatlichem Boden. Noch manche Gläser wurden geleert, noch manche Toaste gesprochen, und bei ihrer Rückfahrt riefen sie mir noch, von ihrem kleinen Steamer aus, die besten Wünsche für eine glückliche Reise zu. Man muss wirklich in das weite, ferne Ausland reisen, um unsere Landsleute, welcher Nationalität sie immer angehören mögen, völlig geeint und in bester Harmonie zusammenleben zu sehen.

H. Fahrt von Kobe nach Shimonoseki und Schlusswort über meinen Aufenthalt in Japan.

Am 30. April, als ich in meiner Cabine erwachte, bemerkte ich, dass wir schon in Bewegung begriffen waren. Ein herrliches Wetter begleitete unsere Fahrt durch das schöne Binnenmeer, welches ich bereits auf der Herfahrt am 1. und 2. April beschrieben habe. An Fahrgästen war ausser mir noch ein Engländer, der Chef der Eisenbahnen auf der Insel Luzon (Manila), welche zur Gruppe der Philippinen-Inseln gehört, auf dem Schiffe, und so konnte ich noch eine zweite Cabine zur Unterbringung meines Gepäckes erhalten.

Der Commandant des Lloyddampfers Marquis Bacquehem ist der Capitän Androvich. Der Dampfer gleicht vollkommen dem Schiffe Marie Valerie, mit welchem ich die Reise von Bombay nach Kobe zurücklegte, und welches ich in einem vorhergehenden Abschnitte zu schildern Gelegenheit hatte.

Anbei folgt ein Verzeichniss sämmtlicher Ausgaben, Einkäufe natürlich nicht miteingerechnet, welche ich während meines 28tägigen Aufenthaltes in Japan gemacht habe, wobei ich hervorheben muss, dass ich stets in den ersten Hôtels abstieg und es mir auch sonst an nichts fehlen liess.

Auslagen in Japan.

I. In Kobe 3½ Tage Aufenthalt:
Yen Centsfl.kr.
Fahrt für mich und Transport des Gepäckes in's Hôtel3360
Zweimal Theehausbesuch und Tanzvorstellungen550660
Fahrt nach Osaka, dort Tiffin und zurück650780
Rikschas und Schiffsleute4480
Hôtel, Pension per Tag 7 Yen, Getränke, drei Einladungenund Trinkgeld38504620
Fahrt und Fracht von Kobe nach Kioto, von Hôtelzu Hôtel550660
II. In Kioto 5 Tage Aufenthalt:
Einmal Theater- und einmal Theehausbesuch mit Tanzvorstellung650780
Hin- und Rückfahrt nach Mukömachi und nach Nara8960
Rikschas, Wäsche, Eintrittsgelder für Besichtigungen56
Hôtel, Pension per Tag 5½ Yen, Getränke, Einladungen384560
Fahrt und Fracht von Kioto nach Yokohama von Hôtelzu Hôtel161920
III. In Yokohama 5½ Tage Aufenthalt:
Fahrt nach Tokio und zurück nebst Wagen, Fahrtnach Yamakura und zurück10501260
Rikschas und Wäsche6720
Hôtel, Pension per Tag 8 Yen, nur für ¾ Tag und Getränke6720
Gäste im Hôtel zum Diner nebst Trinkgeldern485760
Fahrt von Yokohama nach Tokio und in das Gesandtschaftshôtel56
IV. In Tokio 8½ Tage Aufenthalt:
Fahrt hin und zurück in das Militärmuseum und nachYokohama6720
Rikschas mit zwei Leuten, Wagen zu Audienzen,Wäsche20502460
Trinkgelder131560
Fahrt von Tokio nach Yokohama und von da nachKobe, Wagen in das Hôtel175021
V. In Kobe 2½ Tage Aufenthalt:
Eine Fahrt nach Himeji und zurück650780
Rikschas und Schiffsleute3360
Hôtel, Pension per Tag 7 Yen, dazu noch Einladungenund Getränke2530
Gesammtsumme 30350 36420

Wenn ich nun noch für 8½ Tage in Tokio die Hôtelrechnung sammt Getränke reichlich mit 10 Yen = 12 fl. per Tag berechne, so müsste ich zu meinen Auslagen noch 85 Yen = 102 fl. hinzufügen. In Yokohama, wo ich allerdings auch nicht im Hôtel wohnte, habe ich für grössere Diners so viel ausgegeben, als mein Aufenthalt im Hôtel für 5 Tage gekostet hätte, es ist dies daher zur Bestimmung der allgemeinen Auslagen nicht in Anschlag zu bringen.

Der vollen Klarlegung der Ausgaben halber habe ich noch zu bemerken, dass ich durch Geldwechslung und die Berechnung des bei der Chartered Bank of India, China and Japan behobenen Geldes einen Abzug von 30 Yen = 36 fl. erlitten habe. Es stellen sich daher meine Auslagen auf 333 Yen 50 Cent = 400 fl. 20 kr., und wenn ich die mir erspart gebliebene Hôtelrechnung in Tokio dazu rechne, so hätten sich die Gesammtauslagen für 28 in Japan verlebte Tage auf rund 500 fl. belaufen.

Am 1. Mai langten wir in der Gegend von Shimonoseki und Moyi an, landeten aber bei Moyi, weil der Dampfer dort 500 t Kohlen zum eigenen Gebrauche und 500 t Reis zur Verfrachtung aufnehmen wollte.

Ich fuhr mit dem Schiffsarzte auf der Dampfbarkasse des Lloydagenten nach Shimonoseki, um diesen kleinen Ort zu besichtigen.

Nach meiner Rückkehr zum Schiffe sah ich zeitweise der Einladung von Kohle und Reis zu. Die anhaltende Arbeitskraft und die Geschicklichkeit der Japaner ist hierbei staunenerregend. Das Einladen der Kohle erfolgt korbweise durch eine von Männern und einigen Frauen gebildete Kette. Die Kohle ist recht schlecht, verflüchtigt mit dem Rauche und hinterlässt viel Rückstand; allein sie ist auch ausserordentlich billig, was der fabelhaft billigen Arbeitskraft in Japan zuzuschreiben ist. Der Reis wird in Säcken mit Krahnen aus den kleinen Frachtschiffen in die unteren Räume des Dampfschiffes gebracht. Der japanische Reis gehört einer so kleinen Gattung an, wie selbe in Europa nicht vorkommt.

Am 2. Mai verliess ich das Land, in welchem ich einen Monat zubrachte. Die Temperaturverhältnisse in Kobe habe ich bereits besprochen; was den weiteren Verlauf derselben betrifft, so kann ich dieselben als recht erträgliche und angenehme bezeichnen.

Zum Schlusse meines Aufenthaltes in Japan sei es mir gestattet, noch einigen Beobachtungen, die ich gemacht, und manchen in mir aufgenommenen Eindrücken, die ich noch nicht besprach, Ausdruck zu verleihen.

Vorerst will ich von der seit Tausenden von Jahren bei den Japanern bestehenden Religion sprechen, weil diese die Grundbasis bildet für den Charakter, die Lebensanschauungen und die staatlichen Einrichtungen der Japaner.

Dass die Japaner Heiden sind, ist wohl bekannt, indess dürfte weniger bekannt sein, dass ihre Lehren auf drei verschiedenen Grundlagen beruhen, und dass sie Anhänger entweder des Confucius oder des Schinto, oder des Buddha sind.

Die Confucius-Lehre ist keine Religion in der eigentlichen Bedeutung des Wortes, sondern sie ist eine Aneinanderreihung von Gesetzen und Vorschriften, deren oberster Grundsatz in der Achtung vor der väterlichen Gewalt besteht. Confucius hat keine Träger seiner Lehren eingesetzt und so gibt es auch keine Confucius-Priester.

Die Shinto-Lehre fordert die Anbetung und Respectirung der Götter, das sind die Naturkräfte, die Berge und Flüsse, die Sonne und der Mond, und schreibt das Anflehen der Winde vor, damit dieselben die Gebete den Göttern überbringen. Seiner Anschauung nach stammt der Mikado von einem Gott ab und ist selbst ein Gott; es gebührt ihm daher die höchste Verehrung. Ausserdem fordert die Shinto-Religion Gehorsam gegen die Obrigkeit und gegen die Eltern, Höflichkeit gegen Gleichgestellte und Tapferkeit bis zur Todesverachtung. Weiters lehrt die Religion, dass die Seelen der Menschen nach dem Tode in Thierkörper, mit Ausnahme jener der Fische, wandern, und daraus ergibt es sich, dass die Japaner, welche der Lehre des Shinto folgen, nur das Fleisch der Fische geniessen. Endlich empfiehlt Shinto den Ahnencultus an, und so wird denn auch in jeder Familie ein Vorfahre als Familiengott angesehen. Die Priester der Shinto-Lehre sind arm und leben nur von den Opfern, welche die Betenden den Göttern spenden. Seit Kurzem jedoch erhalten dieselben auch vom Staate eine Bezahlung, weil ihre Glaubenslehren in jüngster Zeit vom Mikado sehr gefördert werden. Die Priester haben ganz rasirte Köpfe und tragen lange, weisse Gewänder, Sandalen und im Gürtel oder in der Hand eine Art von Rosenkranz, sowie bei ihren Tempel-Functionen eine Art von Scapulier.

Die Buddha-Lehre gebietet die Anbetung der Götter, das sind meist fabelhafte Personen, und die Entsagung von jeder Leidenschaft, und stellt als höchstes Lebensziel das immer tiefere Eindringen in die Wissenschaft hin. Die Buddha-Anhänger führten nach und nach die schöne Ausschmückung der Tempel, die Verfertigung von Heiligenbildern und die Anwendung von Weihrauch und Musik bei den religiösen Ceremonien ein. Die Priester dieser Lehre sind durch Schenkungen vermögend geworden, kleiden sich ähnlich wie die Shinto-Priester, werden aber bis zum heutigen Tage nicht vom Staate bezahlt. Diese Lehre wurde etwa 800 Jahre n. Chr. von China nach Japan gebracht. Die schönen grossen Tempel in Japan sind zumeist Buddha-Tempel.

Die Japaner nehmen es mit ihren Göttern sehr leicht; sie gehen bald in einen Buddha-, bald in einen Shinto-Tempel, rufen hier den einen, dort den andern Gott an, und fühlen sich dann ganz befriedigt. Wenn sie ihre Götter anbeten oder anflehen wollen, so läuten sie zuerst in dem betreffenden Tempel, schlagen in die Hände, um die Aufmerksamkeit des Gottes auf sich zu lenken, falten die Hände, beten, reiben dann die Hände aneinander, und werfen schliesslich mehrere Kupfermünzen (Zehntel Centstücke = ⅛ kr.) auf den Tempelboden vor dem angerufenen Gott; hierauf ziehen sie ihrer Wege weiter.

Die Ehen werden in Japan sehr einfach, ohne Tempelweihe, und nur mit Zustimmung der Eltern geschlossen, und erst später im Gemeindeamte, behufs Eintragung in die Matrikelbücher, bekannt gegeben. Die Ehefrau nimmt im Hause die Stellung der ersten Magd ein. Die Scheidung der Ehe geht ebenfalls leicht von statten, kommt aber sehr selten vor, wie überhaupt sogenannte »unglückliche Ehen« bei der leichten Lebensauffassung und der angeborenen Gutmüthigkeit der Japaner zu den äussersten Ausnahmen gehören. Es soll sich sogar ereignen, dass die Ehefrau, deren Mann zu häufig die Theehäuser besucht und Geld verschwendet, ein hübsches Mädchen in das Haus nimmt, um dadurch ihren Mann an das Haus zu fesseln. Die von den Seitenfrauen geborenen Kinder werden stets mit den legitimen Kindern gleichmässig erzogen. Eifersüchteleien gehören zu den Seltenheiten. Das japanische Empfinden ist eben ein ganz anderes als das unserige.

Was die Begräbnisse anbelangt, so sind dieselben nach der Shinto-Lehre ganz einfach, nach dem Buddhaismus aber mit Feierlichkeiten verbunden, und dies ist der Grund, dass die meisten Japaner nach dem Buddha-Ritus beerdigt werden.

Der Familiensinn ist in Japan sehr stark entwickelt. Wie die Kinder ihren Eltern unbedingte Unterwürfigkeit schulden, so sind andererseits die Eltern für ihre Kinder sehr besorgt; sie sind sehr geduldig mit ihnen und lieben dieselben in ihrer Weise. So z. B. nehmen die Eltern ihre Kinder, selbst die ganz kleinen, zu allen Ausflügen und in das Theater mit sich, und bleiben dort oft halbe oder auch ganze Tage lang vereint sitzen, wozu sie die Lebensmittel vom Hause aus mitbringen. Die Kinder sind verpflichtet, für ihre alt und erwerbsunfähig werdenden Eltern zu sorgen und dieselben liebreich zu erhalten, eine Pflicht, welche von den japanischen Kindern durchwegs erfüllt wird. Der japanische Arbeiter oder Kleinbürger denkt daher nie an ein Sparen für sein Alter, sondern sieht seine Kinder als das Capital an, von welchem er im Alter leben wird. Darin ist auch der Grund zu suchen, dass in Japan die Adoption von Kindern zur Landessitte geworden ist.

Der Unterricht in Japan ist nach der Zeitdauer ein sehr weit ausgedehnter. Der erste Unterricht in der unteren Volksschule währt vier Jahre und ebensolange in der oberen Volksschule; daran schliessen sich vier Jahre untere und vier Jahre obere Mittelschule und endlich vier Jahre Hochschule. Es sind also 20 Jahre an Schulen durchzumachen, und da der Schulbesuch mit dem Alter von sechs Jahren zu beginnen hat, so kann ein Japaner, welcher sämmtliche Schulen absolviren will, nicht vor dem 27. Jahre die Schulbank verlassen. Hierbei muss noch bemerkt werden, dass die volle Kenntniss der japanischen Sprache sehr viel Zeit und sehr viel Fleiss in Anspruch nimmt. Die Schüler der Mittel- und Hochschulen sind uniformirt.

Die Wohnungen der Japaner werden, wie ich bereits mitgetheilt habe, durchwegs sehr leicht gebaut und besitzen keine Heizvorrichtungen. Es ist daher natürlich, dass dieselben bei der in Japan im Winter vorherrschenden tiefen Temperatur recht kalt sind. Diese Kälte vertragen aber die Japaner sehr gut, da sie abgehärtet sind; sie ziehen dann nur etwas wärmere Kleider an, und bedienen sich zur Erwärmung der Hände eines irdenen Topfes, welcher mit glühenden Kohlen gefüllt ist und in die Mitte des Zimmers gestellt wird.

Den Volkscharakter der Japaner kann man in Bezug auf seine guten und schlechten Eigenschaften in nachstehender Weise resumiren.

Die guten Eigenschaften der Japaner sind: patriarchalisches Wesen, Verehrung des Monarchen, Ehrfurcht vor den Eltern, Gehorsam gegen die Obrigkeit, Höflichkeit gegen die Mitmenschen, Reinlichkeit des Körpers, Nettigkeit der Kleidung und Wohnung, heiteres Temperament, Neugierde, Nachahmungsgabe, Geschicklichkeit, Abhärtung, Unverdrossenheit und Tapferkeit. Ihre schlechten Eigenschaften dagegen wurzeln in ihrer Moral und Sitte. So nehmen die Japaner oft keinen Anstand, die Rechtlichkeit ihrem Vortheile zu opfern, und sie besitzen überhaupt des Oefteren keine strengen Rechtsbegriffe, ein Mangel, welcher für den Handel sehr nachtheilig ist. Dann haben viele Japaner nur sehr lockere Anschauungen von Sittsamkeit und von Decenz. Wie tiefstehend diese Begriffe sind, zeigt sich, wie wir schon erfahren haben, darin, dass sich ältere Studenten, ja oft sogar Officiere ihre Bräute aus öffentlichen Häusern nehmen. Ueber das unartige und ungesittete Betragen von Japanern selbst aus der besseren Classe habe ich gelegentlich der Beschreibung meiner Eisenbahnfahrten schon Erwähnung gethan.

Wenn ich nun einen Rückblick auf meinen Aufenthalt in Japan werfe, so sehe ich mit Befriedigung auf die vielen, dort verlebten vergnügten Stunden, sowie auf die zahlreichen Eindrücke zurück, welche das Sehen von so mannigfachem Neuen und Interessanten in mir hinterlassen haben. Sehr leid thut es mir, dass ich aus Mangel an Zeit nicht dazu kam, die beiden Orte Miyanashitta und Nikko besuchen zu können.

Miyanashitta liegt östlich des höchsten Berges Fugyi und ist von der Station Közu der Eisenbahnlinie Kioto - Yokohama aus zu erreichen. Von Közu aus fährt man mit Rikscha oder Wagen in 2½ bis 3 Stunden dahin. Dort bietet, wie mir von verlässlicher Seite mitgetheilt wurde, das Hôtel Fuji-ya eine vorzügliche Unterkunft und sehr gute Bäder. Von Miyanashitta aus kann man nach allen Richtungen hin die lohnendsten Ausflüge machen, bei welchen sich wundervolle Fernblicke eröffnen.

Nikko liegt im Norden von Tokio und gelangt man von hier mit der Eisenbahn in fünf Stunden nach diesem Ort, der sich durch seine Naturschönheit in Japan dieselbe Berühmtheit wie Neapel in Europa erworben hat. Berge und Thäler, Wälder und Wasserfälle, sowie auch Monumente, Mausoleen mit Holzschnitzereien und Malereien, und die schönsten Tempelaltäre von Japan sind dort zu sehen. Viele schöne Villen der reichen und vornehmen Einheimischen schmücken die Gegend, von wo man allenthalben die herrlichsten Aussichten geniessen soll. Für das leibliche Wohl sorgen bestens das Kanaya- und das Nikko- oder Arai-Hôtel. Der Japaner sagt: Erst wer Nikko gesehen hat, weiss, was Pracht ist.

Miyanashitta hätte ich durch Unterbrechung meiner Reise von Kioto nach Yokohama in Közu erreichen können, doch wären zu diesem Ausfluge mindestens vier Tage nothwendig gewesen, und über so viel Zeit verfügte ich nicht nach meinem einmal fertiggestellten Reiseplane. Eine Excursion nach Nikko hätte von Tokio aus nur drei Tage in Anspruch genommen, doch habe ich in der japanischen Hauptstadt, aus schon besprochenen Gründen, viele Zeit unbenützt verlaufen lassen müssen.

Schliesslich soll hier noch eine Handelsfrage erörtert werden. Ich überlegte mir nämlich in sehr eingehender Weise, für welche Artikel aus unserer Monarchie ein gewinnreiches Absatzgebiet in Japan gefunden werden könnte, und liess mich hierbei von nachstehenden Erwägungen leiten. Der Japaner besitzt Fleiss, Geschicklichkeit und Nachahmungsgabe, und bei seiner grossen Mässigkeit erzeugt er seine Arbeiten weit billiger, als wir dies zu leisten im Stande sind. Er besitzt aber im grossen Allgemeinen keine geistige Schaffungskraft.

Es müssen also nach Japan solche Artikel in den Handel gebracht werden, welche unserer Intelligenz entspringen, welche die den Japanern eigenthümliche Neugierde anregen, die nicht theuer sind, und bei bescheidenen Mitteln den Ankauf gestatten. Zu solchen Artikeln zähle ich alle kleineren Erzeugnisse der Mechanik, Physik, Elektricität und Chemie, wie man dieselben bei uns so vielfältig antrifft und deren Herstellung auch weiter ausgedehnt werden könnte.

Auch die Einfuhr von Hengsten, welche zur Verbesserung der Pferdezucht in Japan geeignet und dort wirklich sehr nöthig sind, dürfte den Vermittlern lohnenden Gewinn abwerfen.

Inwieweit derartige commerzielle Unternehmungen begründete Aussicht auf Erfolg bieten, und wie dieselben durchzuführen wären, darüber müsste allerdings noch vorher eine genaue Enquête einberufen werden.

Rückreise von Japan nach Oesterreich-Ungarn.
Fahrt von Shimonoseki nach Hongkong.

Am 2. Mai Vormittag fuhr ich, wie schon erwähnt, auf dem Dampfer Marquis Bacquehem bei schlechtem Wetter von Shimonoseki in westsüdwestlicher Richtung ab. Nachmittags entschwand die Küste Japans meinen Augen, und als ob auch die Natur hierzu ihren Abschluss geben wollte, entlud sich gleich darauf ein schweres Gewitter. Der Sturm peitschte das Meer derart, dass die Wogen sich hoch aufbäumten und im Zerschellen an des Dampfers Flanken die schäumende Gischt auf das Deck schleuderten; der Himmel war von stahlgrauen Wolken umdüstert, leuchtende Blitze zuckten umher und grollende Donner, sich zeitweise bis zum Kanonenknall steigernd, durchdröhnten die Luft. Ein grossartiges, gewaltiges Schauspiel.

Unser Lloyddampfer glitt aber verhältnissmässig ruhig, den Wellen nachgebend, in der vorgezeichneten Richtung weiter. Wohl machte unser Bacquehem bei diesem Nachgeben auch schaukelnde Bewegungen, doch waren diese weitaus nicht so stark, als jene auf dem Dampfer der Messagerie bei viel ruhigerem Wetter während der Fahrt von Yokohama nach Kobe.

Am 3. Mai trat bei umdüstertem Himmel wieder stilles Wetter ein, weshalb ich meine Lebensweise abermals dem Schiffsgebrauche gemäss einrichtete. Zur Morgentoilette gehörte das Wannenbad in dem 20 bis 22° warmen Meerwasser, und um 7½ oder 8 Uhr nahm ich nach altgewohnter Sitte einen Kaffee. In der Zeit bis zum zweiten Frühstück (Breakfast) bezeichnete ich auf meiner Karte die vom Dampfer zurückgelegte Strecke, wozu ich die Ausweise benützte, in welche ein Schiffsofficier täglich den um 12 Uhr Mittag erreichten Punkt und die eingehaltene Richtung eintrug; dann machte ich die sich daran fügenden geographischen Ueberlegungen und endlich auch die Notizen über die Erlebnisse des vorhergegangenen Tages.

Gemäss unserer Fahrtrichtung nach Westen muss die Uhr täglich zurückgestellt werden, das heisst, dass jetzt der Tag mehr als 24 Stunden währen wird, wogegen bei der Reise von Europa nach Japan der verkehrte Fall bestanden hatte.

Die Fahrtgeschwindigkeit des Lloyddampfers ist nicht gross, es werden von demselben stündlich im Durchschnitt 10 bis 11 Seemeilen oder 18 bis 20 km zurückgelegt.

Nach dem Breakfast setze ich mein Tagebuch über Japan fort, wozu mir einerseits die gemachten Vormerkungen und andererseits die geistige Versetzung in die entsprechenden Zeitmomente das Material liefern. Diese Beschäftigung, hie und da durch Spaziergänge auf dem Deck unterbrochen, währt bis zu dem um 1 Uhr Mittag stattfindenden dritten Frühstück (Tiffin). Ich habe schon gelegentlich der Reise nach Japan die Erfahrung gemacht, dass ich auf hoher See nicht mehr Mahlzeiten nehmen kann, als ich es seit jeher gewohnt bin, und demnach habe ich diesmal kein Tiffin gegessen, sondern diese Zeit zum Spaziergang oder zur Lectüre benützt.

Nach dem Tiffin nahm ich wieder das Tagebuchschreiben auf und betheiligte mich an dem auf diesem Dampfer eingeführten Spiele, welches darin besteht, einen Reifen aus Stricken in einen Kreis zu werfen.

Um 6 Uhr Abends findet das Diner statt. Vor demselben mache ich Toilette und nach demselben gibt es Conversation, Lectüre, hie und da Karten- oder Schachspiel u. s. w.

Während des Tages und auch am Abend erfreue ich mich oft an dem Ausblick auf das weite Meer und auf das scheinbar am Horizont in das Wasser tauchende Firmament. Abends kommt es vor, dass auf dem Schaume der Meereswellen, welcher durch das Eindringen des Schiffes in die Fluthen erzeugt wird, sich elektrische Funken erzeugen und diese schöne Erscheinung manchmal sehr intensiv wird.

Meistens ging ich schon um ½10 Uhr zur Ruhe.

Am 4. Mai war ganz klares, etwas windiges und daher frisches Wetter eingetreten. Diesen Tag benützte ich hauptsächlich zur Controlirung und Aufnahme aller der bis jetzt eingekauften Gegenstände, eine recht ermüdende und zeitraubende Arbeit.

Seit diesem Morgen hielten sich drei Vögel auf unserem Schiffe auf, indem sie dasselbe entweder begleiteten oder sich auf dasselbe setzten. Diese Vögel glichen in Gestalt und Farbe unseren Wildtauben, waren aber etwas grösser, und hatten so lange Schnäbel wie unsere Schnepfen, doch waren die Schnäbel stärker und mehr nach abwärts gebogen, und endlich besassen sie lange Ständer ohne Schwimmhaut. Mit einer Flaubertbüchse wurde nach denselben geschossen, ein Vogel getödtet und zwei verwundet. Ihre Gattung konnte Niemand auf dem Schiffe bestimmen.

Am 5. Mai begann die Temperatur schon empfindlich warm zu werden und das Meerwasser hatte 22° R. erreicht.

Ich bekam die Küste Asiens, und zwar jene von China zu Gesicht, und wusste, dass sich auf der anderen Seite unserer Fahrtlinie die Insel Formosa befinde. Diese Insel ist seit dem letzten japanisch-chinesischen Kriege Japans Eigenthum. Diese Errungenschaft ihres glücklichen Feldzuges macht den Japanern manche Sorge. Wohl soll die Insel reich an Erzen und auch an Edelsteinen sein, aber sie besitzt keinen Hafen, und der Bau eines solchen, welcher für den Handel unbedingt nöthig ist, kostet ungeheuer viel. Ausserdem halten sich in den Klüften des von Norden gegen Süden sich hinziehenden Gebirges, dessen höchste Spitze, der Monte Morrison, 13.000 Fuss hoch ist, noch wilde Menschenstämme auf, die den Genuss des Menschenfleisches lieben. Bisher konnten die Japaner ihrer nicht Herr werden.

Den 6. Mai benützte ich zur sorgsamen Verpackung der gekauften Gegenstände, dann auch zur Scheidung des Gepäckes in jenes, welches ich mit mir nehmen, und in jenes, welches ich seines Volumens, seines Gewichtes oder dessen gegenwärtiger Entbehrlichkeit halber auf dem Dampfer Marquis Bacquehem belassen und als Fracht an ihre Bestimmung senden lassen will.

Gegen Abend sahen wir schon viele kleine Segelschiffe, in welchen die am Ufer wohnenden Fischer zum Fischfang ausgefahren waren, dann auch hie und da einen Leuchtthurm als Wahrzeichen für die Schiffe, und hiermit wussten wir, dass wir uns schon nahe dem Hafen von Hongkong befinden.