Hundertneununddreißigster Brief.

Frankfurt a. M., den 10. April 1849.

Die äußerste Linke mochte, unter dem Vorwande, daß der König unbedingt abgelehnt habe, eine Art Wohlfahrtsausschuß erwählen und auf die Republik lossteuern. Die Österreicher und Ultramontanen möchten jedes Ergebniß hindern, oder höchstens ein vielköpfiges Direktorium herbeiführen. Ich bin überzeugt, daß alle Anträge dieser und ähnlicher Art durchfallen.

Hingegen findet die Erklärung der berliner Deputation: „daß Krone und Verfassung unzertrennlich seien,“ den allgemeinsten Beifall.

Die Deutung (welche Etliche gern ausbeuten möchten), als habe jene Deputation erklärt: des Königs Worte enthielten eine unbedingte Ablehnung, — ist irrig. Ihre Erklärung besagt nur: daß für den Fall einer völligen Trennung der Verfassung von der Krone, des Königs Antwort als eine ablehnende betrachtet werden müsse. Denn auf diese Bedingung konnte jene weder dargeboten, noch angenommen werden. In unserem Berichte wird man insbesondere hervorheben: daß die neueste Collektivnote und die Erklärung der Minister in den berliner Kammern hinreichend bewiesen: der König wolle nicht eine völlige Umformung der Verfassung durch die jetzige dazu untaugliche Reichsversammlung, und betrachte seine Erklärungen nicht als eine definitive, schließliche Ablehnung. — Hiemit sind wir sehr zufrieden und lassen gern die früheren Besorgnisse fallen.

Ich wiederhole: wenn man die Stimmen der Österreicher zurückstellt, so will eine sehr große Mehrheit hier, nach wie vor, daß der König die Kaiserkrone annehme. — — — Hätte der König gesprochen wie — — — — — — Es kostet die größte Mühe zu überzeugen: man habe in Berlin die Abgeordneten keineswegs vorsätzlich verspotten und herabsetzen wollen. Doch sind die Gemüther jetzt schon viel ruhiger als in Berlin; sie fassen das große Ziel mit Besonnenheit ins Auge. Gott gebe seinen Segen!